ein Testbericht von mima0072005-03-04 22:31:59vom 04.03.2005Empfehlung: ja
Vorteile: bewegend, humorvoll, z.T. spannend, psychologisch plausibel, clevere Erzähl- & Schnittweise, Musik, Kritik an Kommunistenhatz, heikle Themen wie Homosexualität, Pädophilie und Vergewaltigung...Nachteile/Kritik: etwas zu verklärt & bonbonfarben in manchen Szenen
Es muss nicht immer Hannibal Lecter sein. Anthony Hopkins kann auch väterliche Typen spielen, die positiv, beschützend und einfühlsam sind. In "Hearts in Atlantis", das auf einem Romanteil von Stephen King beruht, hilft Hopkins' Figur eines Hellseher und Empathen einem Jungen, seine Kindheit zu überwinden und auf eigenen Füßen zu stehen.
Film-Infos
Titel: Hearts in Atlantis, 2001 (Castle Rock Pictures im Warner Bros-Vertrieb)
Länge: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Regie: Scott Hicks ("Shine")
Darsteller: Anthony Hopkins (Ted Brautigan), Anton Yelchin (der 11-jährige Bobby Garfield), David Morse (der 50-jährige Bobby G.), Hope Davis (Bobbys Mutter Liz), Mika Boorem (Bobbys Freundin Carol Gerber und deren Tochter 40 Jahre später), etc.
Handlung
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"Wenn man jung ist, erlebt man manchmal derartige Glücksmomente: Man hat das Gefühl, in einem Zauberreich zu leben - so wie Atlantis eins gewesen sein muss... aber dann wird man erwachsen, und das Herz bricht einem entzwei."
Der Fotograf Bobby Garfield (David Morse) wird plötzlich und unerbittlich an seine Jugend erinnert, als er vom Tod seines einstigen Freundes Sully erfährt. Bobby kehrt in die Stadt seiner Kindheit zurück - und in Gedanken erlebt er die Vergangenheit noch einmal: jenen Sommer im Jahr 1960, als er elf Jahre alt war. Damals sind Carol (Mika Boreem, die ein veritables Elfengesicht hat) und Sully (Will Rothhaar) seine besten Freunde.
Bobby wohnt mit seiner Mutter Liz (Hope "Flatliners" Davis) in einer Pension. Liz ist allerdings vollauf mit sich selbst beschäftigt. In das obere Apartment der Pension zieht in diesem Sommer ein interessanter neuer Mieter namens Ted Brautigan (Anthony Hopkins). Hopkins spielt Brautigan glaubwürdig und einfühlsam, aber nicht übertrieben, sondern sehr zurückgenommen.
Von der verbitterten Mutter erfährt der junge Bobby wenig über seinen angeblich vor langer Zeit gestorbenen Vater, doch Ted Brautigan füllt diese Lücke. Er kann zuhören, erweist sich als väterlicher Freund und eröffnet dem Jungen eine unbekannte, größere Welt. Zudem verfügt über eine ungewöhnliche Fähigkeit: Empathie und Hellsichtigkeit. Und diese Fähigkeit überträgt er auf den jungen Bobby. (Um dies zu erkennen, muss sich der Zuschauer an die genaue Ereignisfolge vor Bobbys Auftritt auf dem Jahrmarkt erinnern.)
Aber auch Ted Brautigan muss mit einer schweren Vergangenheit fertig werden - was Bobby verwirrt und beunruhigt. Eines Tages schlägt Ted dem Jungen vor, für ihn zu arbeiten. Dabei geht es durchaus nicht nur darum, die Zeitung vorzulesen, damit der alte Mann seine Augen schonen kann - Ted braucht Bobbys Hilfe, um sich vor jenen Mächten zu verbergen, die ihn verfolgen. (In dieser Filmfassung handelt es sich nicht um Aliens, sondern um Mitarbeiter des FBI, die Ted und andere psychisch Begabte im Auftrag Edgar J. Hoovers suchen.)
Als sich der letzte Sommer in Bobbys Kindheit dem Ende zuneigt - seine Mutter ist auf Geschäftsreise -, sieht der Junge mit Teds Hilfe seinen Vater (über den ihm Liz Lügen erzählt hatte) in einem ganz neuen Licht, er bekommt eine Ahnung von den Chancen, die ihm das Leben und die Liebe bieten.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Teds Verfolger, die "niederen Männer" in Schwarz, spüren ihn auf. Bobby sieht sich plötzlich gezwungen, tief aus seinem Inneren Kräfte zu mobilisieren,
die er sich nie zugetraut hätte: Er lernt, Mut zu beweisen und Unrecht zu verzeihen. So etwa rettet er seine Jugendliebe vor einem Schlägertypen. Obendrein wird er mit den Lügen seiner Mutter konfrontiert, die nach einer Vergewaltigung durch ihren Boss von ihrer geschäftsreise gebrochen zurückgekehrt ist. Es gelingt ihm, ihr zu verzeihen. Aber er kann Ted nicht vor den "niederen Männern" bewahren.
Und der erwachsene Bobby, der die Stätten seiner Kindheit besucht und an den Sommer vor vielen Jahren zurückdenkt, erhält durch eine unverhoffte Begegnung die Gelegenheit, seine Reise in die Zeit zum Abschluss zu bringen. (Hier sehen wir Mika Boreem in einer Doppelrolle; vgl. die Angaben zu "Darsteller" oben.)
Die DVD
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Termin: 11. Juli 2002 [Leih- & Kauf-DVD]
Bildformat(e): Widescreen (2.35:1 - anamorph)
Tonformat(e): Dolby Digital 5.1 in Deutsch, Englisch und Spanisch
Untertitel: Englisch, Deutsch, Spanisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Porzugiesisch, Hebräisch, Polnisch, Griechisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch, Isländisch, Kroatisch, Französisch
Zusatzmaterial der Leih-DVD:
- Sehr informativer und humorvoller *Audiokommentar* des Regisseurs Scott Hicks (exzellentes Englisch obendrein!). Er verweist immer wieder auf die bewunderte Lichtchoreografie seines nach Ende des Drehs verstorbenen Kameramanns Piotr Soboczynski (manche Szenen wurden von einem anderen Kameramann nachgedreht, besonders gegen Schluss des Films).
- Ein *Interview*, das Hicks mit Anthony Hopkins durchführte (ca. 30 Minuten): ebenfalls sehr informativ; hier verstehen sich zwei Profis. Der Star berichtet, wie er Eigenheiten seines Großvaters in seine Rolle einbrachte. Er und Anton Yelchin (Bobby) kamen hervorragend miteinander aus. Leider scheint Hopkins, der Interviews nicht ausstehen kann, wenig motiviert, über sich zu sprechen. Immerhine rfahren wir, dass er sich für seine Rolle des Ted an seinem eigenen Vater orientiert hat.
In diesem Film, der in einer Reihe mit "Stand by me" von Rob Reiner steht, verknüpft Scott Hicks zwei Erzählstränge: einerseits das Ende einer Jugend durch gesellschaftliche und politische Einflüsse; andererseits das Schicksal eines politisch Verfolgten (Ted Brautigan) im Nachkriegsamerika unter der Tyrannei des FBI-Direktors Edgar J. Hoover. Es ist die Ära des Kalten Krieges, der Fremdenfeindlichkeit, der Ellbogenmentalität. Aber auch die angeblich heile Vorstadtwelt erweist sich als verlogene Fassade.
Zunächst ist Bobbys einziger Traum verkörpert in einem roten Sportfahrrad, das ihm seine (ehr)geizige, egoistische Mutter nicht schenken will. Dann lernt er Ted Brautigan kennen und beginnt, die Wahrheit hinter den Fassaden, Gesichtern und Lügen zu erkennen bzw. herauszufinden. Dadurch kommt es zu einer Krise, die in der "Entführung" Teds durch FBI-Männer und in der Auseinandersetzung mit Bobbys Mutter gipfeln. Als seine Freundin verprügelt wird, kneift Bobby nicht mehr den Schwanz ein, sondern verprügelt den Missetäter. Er ist schon fast erwachsen. A. Yelchin spielt seine Rolle erstaunlich glaubwürdig und bewegend.
Dem Film ist mehrfach der Vorwurf gemacht worden, eine "bonbonfarbene Zeitreise" zu veranstalten, die implizit ebenso verlogen sei wie die Vorstadtidylle, die er als Lüge entlarvt. Vor allem die zeitgenössische Feel-good-Musik trägt zu diesem Eindruck bei. Ich bin aber der Meinung, dass Hicks' Film genauso funktioniert wie Darabonts "The Majestic" und "The Green Mile": Beide sind Bewegungen einer Hauptfigur von einer Welt des Traums und der Illusion (ja, der Lüge) hin zu einer Erkenntnis der Wirklichkeit - bis hin zu einer konsequenten Handlungsweise, die sich daraus ergibt. Auf eine Formel gebracht: Die Erkenntnis des "Endes des Amerikanischen Traums" angesichts verlogener, menschenfeindlicher politischer Bedingungen und Mächte.
Bobby ist zwar das Eintreten für den entführten Ted Brautigan verwehrt - an Teds Stelle tritt aber Bobbys Freundin Carol. Leider zieht auch diese Weg, und Bobby verlässt seine Heimat. Erst nach 40 jahren schließt sich der Kreis: quasi am Grab des toten Jugendfreundes Sully.
Bei Bobby Garfield ist die erwähnte Initiation ein Übergangsritus, der ihn auf eine Reise in die sechziger Jahre führt. Doch das ist eine andere Geschichte. Und die wird bislang nur von Stephen King in seinem Roman "Atlantis" erzählt.
Zur DVD
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Obwohl sich zwei durchaus achtbare Extras auf der DVD befinden - der Audiokommentar und das Hopkins-Interview, so kann dies doch nicht darüber hinweg täuschen, dass sich die Extras auf die üblichen Standards beschränken und nicht einmal das übliche Making-of beinhalten. Man könnte dieses Feature höchstens auf einer Special Edition erwarten. Dafür müsste sich aber "Hearts in Atlantis" als ebenso ein Dauerbrenner wie "The Green Mile" oder "Stand by me - Das Geheimnis eines Sommers" erweisen.
Unterm Strich
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Ein einfühlsam und authentisch inszeniertes Drama über das Ende einer Kindheit. Nichts für Mystiker, Actionfans und zynische Realisten, aber etwas für Zuschauer, die einen wundervollen Film fürs Herz suchen, der eine andere Art von realistischer Wahrheit enthält.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Hearts in Atlantis, 2001, DVD: 7/2002
P.S.: *grmbl* mit den Sonderzeichen muss man hier bei Yopi sehr aufpassen...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2005-03-04 22:31:59 mit dem Titel Fast so gut wie *Stand by me*
Es muss nicht immer Hannibal Lecter sein. Anthony Hopkins kann auch väterliche Typen spielen, die positiv, beschützend und einfühlsam sind. In "Hearts in Atlantis", das auf einem Romanteil von Stephen King beruht, hilft Hopkins' Figur eines Hellseher und Empathen einem Jungen, seine Kindheit zu überwinden und auf eigenen Füßen zu stehen.
Film-Infos
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Titel: Hearts in Atlantis, 2001 (Castle Rock Pictures im Warner Bros-Vertrieb)
Länge: ca. 97 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Regie: Scott Hicks ("Shine")
Darsteller: Anthony Hopkins (Ted Brautigan), Anton Yelchin (der 11-jährige Bobby Garfield), David Morse (der 50-jährige Bobby G.), Hope Davis (Bobbys Mutter Liz), Mika Boorem (Bobbys Freundin Carol Gerber und deren Tochter Molly 40 Jahre später), etc.
Handlung
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"Wenn man jung ist, erlebt man manchmal derartige Glücksmomente: Man hat das Gefühl, in einem Zauberreich zu leben - so wie Atlantis eins gewesen sein muss... aber dann wird man erwachsen, und das Herz bricht einem entzwei."
Der Fotograf Bobby Garfield (David Morse) wird plötzlich und unerbittlich an seine Jugend erinnert, als er vom Tod seines einstigen Freundes Sully erfährt. Bobby kehrt in die Stadt seiner Kindheit zurück - und in Gedanken erlebt er die Vergangenheit noch einmal: jenen Sommer im Jahr 1960, als er elf Jahre alt war. Damals sind Carol (Mika Boreem, die ein veritables Elfengesicht hat) und Sully (Will Rothhaar) seine besten Freunde.
Bobby wohnt mit seiner Mutter Liz (Hope "Flatliners" Davis) in einer Pension. Liz ist allerdings vollauf mit sich selbst beschäftigt. In das obere Apartment der Pension zieht in diesem Sommer ein interessanter neuer Mieter namens Ted Brautigan (Anthony Hopkins). Hopkins spielt Brautigan glaubwürdig und einfühlsam, aber nicht übertrieben, sondern sehr zurückgenommen.
Von der verbitterten Mutter erfährt der junge Bobby wenig über seinen angeblich vor langer Zeit gestorbenen Vater, doch Ted Brautigan füllt diese Lücke. Er kann zuhören, erweist sich als väterlicher Freund und eröffnet dem Jungen eine unbekannte, größere Welt. Zudem verfügt über eine ungewöhnliche Fähigkeit: Empathie und Hellsichtigkeit. Und diese Fähigkeit überträgt er auf den jungen Bobby. (Um dies zu erkennen, muss sich der Zuschauer an die genaue Ereignisfolge vor Bobbys Auftritt auf dem Jahrmarkt erinnern.)
Aber auch Ted Brautigan muss mit einer schweren Vergangenheit fertig werden - was Bobby verwirrt und beunruhigt. Eines Tages schlägt Ted dem Jungen vor, für ihn zu arbeiten. Dabei geht es durchaus nicht nur darum, die Zeitung vorzulesen, damit der alte Mann seine Augen schonen kann - Ted braucht Bobbys Hilfe, um sich vor jenen Mächten zu verbergen, die ihn verfolgen. (In dieser Filmfassung handelt es sich nicht um Aliens, sondern um Mitarbeiter des FBI, die Ted und andere psychisch Begabte im Auftrag Edgar J. Hoovers suchen.)
Als sich der letzte Sommer in Bobbys Kindheit dem Ende zuneigt - seine Mutter ist auf Geschäftsreise -, sieht der Junge mit Teds Hilfe seinen Vater (über den ihm Liz Lügen erzählt hatte) in einem ganz neuen Licht, er bekommt eine Ahnung von den Chancen, die ihm das Leben und die Liebe bieten.
Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Teds Verfolger, die "niederen Männer" in Schwarz, spüren ihn auf. Bobby sieht sich plötzlich gezwungen, tief aus seinem Inneren Kräfte zu mobilisieren, die er sich nie zugetraut hätte: Er lernt, Mut zu beweisen und Unrecht zu verzeihen. So etwa rettet er seine Jugendliebe vor einem Schlägertypen. Obendrein wird er mit den Lügen seiner Mutter konfrontiert, die nach einer Vergewaltigung durch ihren Boss von ihrer geschäftsreise gebrochen zurückgekehrt ist. Es gelingt ihm, ihr zu verzeihen. Aber er kann Ted nicht vor den "niederen Männern" bewahren.
Und der erwachsene Bobby, der die Stätten seiner Kindheit besucht und an den Sommer vor vielen Jahren zurückdenkt, erhält durch eine unverhoffte Begegnung die Gelegenheit, seine Reise in die Zeit zum Abschluss zu bringen. (Hier sehen wir Mika Boreem in einer Doppelrolle; vgl. die Angaben zu "Darsteller" oben.)
Mein Eindruck
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In diesem Film, der in einer Reihe mit "Stand by me" von Rob Reiner steht, verknüpft Scott Hicks zwei Erzählstränge: einerseits das Ende einer Jugend durch gesellschaftliche und politische Einflüsse; andererseits das Schicksal eines politisch Verfolgten (Ted Brautigan) im Nachkriegsamerika unter der Tyrannei des FBI-Direktors Edgar J. Hoover. Es ist die Ära des Kalten Krieges, der Fremdenfeindlichkeit, der Ellbogenmentalität. Aber auch die angeblich heile Vorstadtwelt erweist sich als verlogene Fassade.
Zunächst ist Bobbys einziger Traum verkörpert in einem roten Sportfahrrad, das ihm seine (ehr)geizige, egoistische Mutter nicht schenken will. Dann lernt er Ted Brautigan kennen und beginnt, die Wahrheit hinter den Fassaden, Gesichtern und Lügen zu erkennen bzw. herauszufinden. Dadurch kommt es zu einer Krise, die in der "Entführung" Teds durch FBI-Männer und in der Auseinandersetzung mit Bobbys Mutter gipfeln. Als seine Freundin verprügelt wird, kneift Bobby nicht mehr den Schwanz ein, sondern verprügelt den Missetäter. Er ist schon fast erwachsen. A. Yelchin spielt seine Rolle erstaunlich glaubwürdig und bewegend.
Dem Film ist mehrfach der Vorwurf gemacht worden, eine "bonbonfarbene Zeitreise" zu veranstalten, die implizit ebenso verlogen sei wie die Vorstadtidylle, die er als Lüge entlarvt. Vor allem die zeitgenössische Feel-good-Musik trägt zu diesem Eindruck bei. Ich bin aber der Meinung, dass Hicks' Film genauso funktioniert wie Darabonts "The Majestic" und "The Green Mile": Beide sind Bewegungen einer Hauptfigur von einer Welt des Traums und der Illusion (ja, der Lüge) hin zu einer Erkenntnis der Wirklichkeit - bis hin zu einer konsequenten Handlungsweise, die sich daraus ergibt. Auf eine Formel gebracht: Die Erkenntnis des "Endes des Amerikanischen Traums" angesichts verlogener, menschenfeindlicher politischer Bedingungen und Mächte.
Bobby ist zwar das Eintreten für den entführten Ted Brautigan verwehrt - an Teds Stelle tritt aber Bobbys Freundin Carol. Leider zieht auch diese Weg, und Bobby verlässt seine Heimat. Erst nach 40 jahren schließt sich der Kreis: quasi am Grab des toten Jugendfreundes Sully.
Bei Bobby Garfield ist die erwähnte Initiation ein Übergangsritus, der ihn auf eine Reise in die sechziger Jahre führt. Doch das ist eine andere Geschichte. Und die wird bislang nur von Stephen King in seinem Roman "Atlantis" erzählt.
Unterm Strich
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Ein einfühlsam und authentisch inszeniertes Drama über das Ende einer Kindheit. Nichts für Mystiker, Actionfans und zynische Realisten, aber etwas für Zuschauer, die einen wundervollen Film fürs Herz suchen, der eine andere Art von realistischer Wahrheit enthält.
redwomen, 05.03.2005
dass Stephen King auch so einfuumlhlsame Sachen geschrieben hat. -waumlre mit Sicherheit etwas fuumlr mich. bin ja schlieszliglich eine Frau sfg- Allerdings hatte ich mir erst dies Woche eine Film von Stephen King angesehen, da ich ihn sehr ger
knudly, 06.03.2005
Ich find den Film echt super, er kam ja auch am Freitag ins Fernsehen..
ein Testbericht von winterspiegel2005-03-30 10:25:31vom 30.03.2005Empfehlung: ja
Vorteile: Einfühlsames Stück Erzählkino, die Schauspieler...Nachteile/Kritik: Nicht viel
„Hearts in Atlantis“ entstand nach der gleichnamigen Novelle von Stephen King. Scott Hicks machte sich nicht lange nach dem Erscheinen des Romans, an eine Inszenierung des Stoffes. Das Drehbuch stammt von William Goldman, aus dessen Feder auch schon das Buch zur sehr gelungenen Kingverfilmung „Misery“ stammt. Durchaus bemerkenswert dürfte wohl sein, dass man ein schauspielerisches Kaliber wie Anthony Hopkins für die Rolle des geheimnisvollen Ted Brautigan gewinnen konnte.
Der Film bezieht sich hauptsächlich auf den ersten Teil des Buches, der den ereignisreichen Sommer wiederspiegelt in dem der damals 11jährige Bobby Garfield, den mysteriösen Ted kennen lernt, der sein Leben für immer verändern sollte.
STORY
Der 50-jährige Bobby Garfield (David Morse) bekommt eine Benachrichtigung in der ihm mitgeteilt wird, dass sein Jugendfreund Sully bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Nachdem er bei der Begräbniszeremonie, die ihn in die Stadt führt in der er als Kind gelebt hat erfahren muss, dass auch seine Jugendfreundin Carol Gerber schon vor Jahren gestorben ist, versetzt ihm das einen Schock.
Er besucht das verfallene, aber immer noch existierende Haus, in dem er damals mit seiner Mutter lebte. An dieser Stätte kommen längst verblasste Erinnerungen in ihm hoch, die ihn in die Vergangenheit seiner Kindheit schauen lassen...
Bobby verlor seinen Vater schon früh, und seine Mutter die hart arbeitet, aber trotzdem immer unter Geldmangel leidet versucht die Erziehung von ihn, mehr schlecht als recht zu bewerkstelligen. Bobby wiederum verbringt viel Zeit mit seinen Freunden Sully und Carol. Als eines Tages ein mysteriöser Mieter, der ihre angeschlagene Finanzlage aufbessern soll bei ihnen einzieht, merkt Bobby dass es mit ihm etwas besonderes auf sich hat. Ted Brautigan scheint auf geradezu mystische Weise auf die Belange und Sehnsüchte von Bobby einzugehen, und so entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen dem Jungen und dem alten Mann, der sich für Bobby zu einer Art Vaterfigur entwickelt.
Bobby beginnt Ted für ein Entgeld aus der Zeitung vorzulesen, und sich nach verborgenen „Zeichen“ umzusehen. Diese Anzeichen sind die Vorboten „niederer Männer“, wie Ted sie nennt, und die es auf ihn anscheinend abgesehen haben. Bobby glaubt anfangs nicht daran, und als er bald darauf tatsächlich die ersten Anzeichen sieht, verschweigt er sie Ted.
Als der geheimnisvolle alte Mann eines Tages mit dem Jungen in eine Spelunke geht, erfährt Bobby mehr von seinem Vater und das der, im Gegensatz zu dem was ihm seine Mutter berichtete, im Grunde ein guter Mensch war. Auch muss er erkennen, dass die „niederen Männer“ Ted schon bedrohlich nahe auf den Fersen sind. Auch Ted der eine, wie Bobby erfahren muss, besondere Gabe der „Hellsicht“ hat, entgeht dieser Umstand nicht. Er trifft Vorbereitungen sich aus dem Staub zu machen, bevor es zu spät ist...
SCHAUSPIELER
Anthony Hopkins
Setzt hier ein leises, schauspielerisch aber nicht weniger beeindruckendes Glanzlicht. Sein distinguiertes und feinfühlige Spiel, gibt der Figur des mysteriösen alten Mannes eine teilweise fast surreale Note, in der er aber stets glaubwürdig bleibt.
Nach der bitterbösen Rolle des „Hannibal“, ist dieser Charakter des zwielichtigen Mannes geradezu das entgegengesetzte Extrem, und wie ich finde mit Hopkins eine absolute Idealbesetzung.
Anton Yelchin
Als ich im Vorfeld
erste Bilder von ihm sah, war ich skeptisch, ob er der Rolle des Bobby Garfield gerecht wird, er schien mir etwas zu bausbäckig und dicklich. Auch sonst schien er eher nicht in das „Spielbergsche“ Kinderstarschema zu passen, das uns in den meisten Filmen dieser Art von Hollywood präsentiert wird.
Doch im perfekten Zusammenspiel mit Hopkins stellt sich heraus, welch gute Wahl dann doch im Endeffekt mit Yelchin getroffen wurde.
Mika Boorem
Hat als Jugendfreundin (Carol Gerber) von Bobby eine unglaubliche Ausstrahlung und Natürlichkeit, die sich außerdem mit einem besonders hübschen Äußeren verbindet.
Sie ist diejenige die mich nach Hopkins am meisten beeindruckt hat.
Als sie in einer Szene verletzt wird, bringt sie das mit einer herzergreifenden Intensität und Echtheit rüber die mich schon beeindruckt hat, sehr überzeugend.
Hobe Davis
Gibt die Mutter von Bobby genau so wieder, wie ich sie mir im Buch vorgestellt habe. Diese Gradwanderung zwischen hassenswerter, böser Rabenmutter und doch das Beste für Bobby zu wollen, ist ihr wie ich meine recht gut gelungen.
KRITIK
Dieser Film drängt sich geradezu auf mit „Stand by my“, einer weiteren King–Verfilmung aus dem Jahre 1986 verglichen zu werden. In beiden Adaptionen blickt der Hauptprotagonist in einer Rückblende, in die eigene Vergangenheit seiner Kindheit zurück, und in beiden Fällen sind es auch die sechziger Jahre. Dieses Stilmittel obwohl nicht mehr ganz taufrisch, funktioniert gerade bei dieser Art von Streifen. Das dachten sich wohl auch die Macher des vorliegenden Filmes, und benutzten es sozusagen als Rahmen.
Dieser Streifen zeigt in melancholischen Erinnerungen, den letzten Sommer der Kindheit von Bobby Garfield. Regisseur Hicks zeigt ein durch Kinderaugen verklärtes Bild der sechziger Jahre, das einen an eine traumhafte Zeit glauben lässt, wie es nur in Kindheitserinnerungen möglich ist. In diese Idylle bricht der mysteriöse Ted Brautigan ein, und bringt mit einem Mal Spannung und Nervenkitzel in diesen so beschaulichen Ort.
Hier hat sich der Drehbuchautor Goldman vom Originalbuch entfernt, in dem King vielfältige Bezüge zu seiner Romanreihe um den „Dunklen Turm“ eingebaut hat. Waren die „niederen Männer“ im Buch noch gefährliche Aliens aus einer anderen Welt, so wird aus diesen FBI – Agenten, die Ted seiner ungewöhnlichen hellseherischen Fähigkeiten verfolgen. Wichtiger schien es Goldman zu sein, die außergewöhnliche Beziehung zwischen Ted und Bobby aufzuzeigen, und ihre Magie die daraus entsteht.
Filmisch ist das natürlich viel eleganter zu lösen, als sich auf außerirdische Einflüsse festzulegen. Doch auch so wurden die „niederen Männer“ düster und geheimnisvoll ins rechte Licht gerückt.
Ein wichtiger Punkt, der Kennern des Romans natürlich vor allem aufgefallen ist, dürfte der radikal veränderte Schluss sein. Soviel sei verraten – im Buch gibt es so etwas wie ein
„Happy End“, in der Verfilmung dagegen fällt dieses versöhnliche Ende ganz weg.
Meiner Meinung nach hätte man ruhig diese Buch-Variante übernehmen können. Aber alles in allem ist dieses Film-Ende zwar etwas trauriger, aber immer noch passend.
FAZIT
„Hearts in Atlantis“ ist ein schöner Film für die ganze Familie - über die Kindheit und ihren Zauber. Aber auch, dass dieser Zauber so eindringlich er auch gewesen war, mit der Zeit der Realität des Erwachsenwerdens weichen muss, und unsere Freunde von damals nur eine Bestandsaufnahme in unserem Leben waren.
Wer „Stand by my“ gut fand, dürfte auch an „Hearts in Atlantis“ gefallen finden, obwohl der wohl nicht ganz an seine Klasse herankommt, dazu fehlt ihm vielleicht der richtige Feinschliff. Auch etwas mehr Action, die meist nicht - oder nur im Ansatz - zu sehen ist, hätte den Film sicher noch mal aufgewertet.
Nichtsdestotrotz bleibt dieser Streifen ein sehenswertes Kleinod, das einen träumen lässt, und vielleicht sogar anregt über das Mysterium der eigenen Kindheit nachzudenken.
ein Testbericht von Marc122004-01-11 20:15:21vom 11.01.2004Empfehlung: ja
- - - Z u m F i l m - - -
Ein Sommer in den 60ern. Bobby Garfield ist elf Jahre jung, wohnt mit seiner Mutter Liz in einer Pension. Vollkommen mit sich selbst ist Liz beschäftigt. So verbringt Bobby die meiste Zeit mit seinen Freunden Carol und Sully. Eines Tages zieht Ted Brutigan in die Pension. Der ältere Mann erweist sich schnell als guter Zuhörer.
Von seinem vor langer Zeit verstorbenen Vater erfährt Bobby nicht all zu viel gutes von seiner Mutter. Mit Ted verbindet Bobby schnell eine
väterliche Freundschaft. Ted eröffnet ihm schnell die große, unbekannte Welt. Doch Ted hat es schwer mit seiner Vergangenheit fertig zu werden. Er bittet Bobby für ihn zu arbeiten.
Zuerst soll Bobby Ted nur aus der Zeitung vorlesen, doch braucht Ted auch Hilfe um sich vor jenen Mächten zu verbergen, die ihn verfolgen. Bobby soll die Umgebung beobachten. Wenn ihm graue Männer in großen Autos auffallen, oder Aushänge mit entlaufenen Hunden in der Stadt sind, soll er Alarm schlagen.
In diesem Sommer wird Bobby aus seiner Kindheit gerissen. Ted gelingt es, daß Bobby seinen Vater in einem ganz neuen Licht sieht. Dadurch bekommt er eine Ahnung von den Chancen, die das Leben ihm bietet.
Eines Tages überschlagen sich die Ereignisse. Teds Verfolger spüren ihn auf. Um seine kleine Freundin zu retten, muß Bobby ungeahnte Kräfte aufbringen. Bobbys Mutter kehrt von einer Geschäftsreise zurück. Sie wurde von ihrem Chef vergewaltigt. Ted muß flüchten. Bobby lernt Mut zu beweisen und Unrecht zu verzeihen. Doch wird es auch ein Happy End geben?
- - - D a r s t e l l e r - - -
Anthony Hopkins – Ted Brautigan
Anton Yelchin – Bobby Garfield
Hope Davis – Liz Garfield
Mika Boorem – Carol Gerber
Alan Tudyk – Monte Man
Will Rothhaar – Sully
- - - F i l m s t a b - - -
Regie: Scott Hicks
Produzent: Kerry Heysen
Drehbuch: William Goldman
Vorlage: „Atlantis“ von Stephen King
Musik: Mychael Danna
- - - w e i t e r e I n f o s - - -
Genre: Drama
Land: USA
Jahr: 2000
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 12 Jahren
Anbieter: Warner Bros.
- - - M e i n e M e i n u n g - - -
Schon oft wurde versucht ein Buch von Horror König Stephen King zu verfilmen. Doch wirklich gelungen ist es nur selten. „The Green Mile“ ist zum Beispiel eine dieser Ausnahmen. Wenn Stephen King sich dem reinen Horror etwas abwendet, ist die Chance einen guten Film zu machen recht groß. Somit ist das Buch „Atlantis“ für Regisseur Scott Hicks eine gute Wahl gewesen.
Vor einiger Zeit habe ich dieses Buch von Stephen King gelesen. Mir kam es sehr Behäbig und langgezogen vor. Die Story wurde vorsichtig und geschickt aufgebaut. Gerade wenn man ließt, sind gute Beschreibungen immer von Vorteil, da man sich so besser hineinversetzen kann. Auf der Leinwahn muß ein Regisseur dieses in Optik umsetzen. Die Geschichte der verlorenen Kindheit in den USA der 60er ist recht gut umgesetzt worden.
Scott Hicks verwendet sehr viel Zeit mit seinen Kammeramännern in Bildkompositionen zu schwelgen. Auf der einen Seite schafft dies eine authentische Atmosphäre, auf der Anderen aber auch wieder bremst dies den Fortlauf der Geschichte. Sie kommt somit sehr zäh und lethargisch an.
Mit minimalsten Aufwand schafft es Oscar Preisträger Anthony Hopkins eine ausgesprochen gute darstellerische Leistung zu zeigen. Jederzeit dominiert er als geheimnisvoller Fremdling das Geschehen. Dabei erdrückt er nicht seinen Jungdarsteller Kollegen Anton Yelchin. Vielmehr bezieht er dadruch noch mehr Stärke.
Das Geheimnis der niederen Männer, die Ted verfolgen wird sehr am Rande behandelt. Richtig aufgeklärt wird ihr Verhalten auch nicht. Dieser Science Fiction Element Schwachpunkt besteht zwar, doch soll es wohl mehr das eigene Nachdenken anregen. Recht erinnern, ob dies im Buch von Stephen King aufgeklärt wird, kann ich mich leider nicht.
Alles im allen ist dieser Film sicher keine Zeitverschwendung. Auch wenn man durch „The Green Mile“ etwas mehr von King Verfilmungen erwarten sollte, die dieser Film nicht halten kann, ist er sehr sehenswert. Zumindest fällt er nicht zurück in schlecht gemachte Verfilmungen aus Kings Feder. Gerade Hopkins zeigt viel von seinem Können. „Hearts in Atlantis“ vergibt zwar viele Möglichkeiten ein richtig großer Oscar Preisgekrönter Film zu sein, aber er ist sehr solide.
...
ein Testbericht von wildheart2002-08-15 13:57:53vom 15.08.2002Empfehlung: ja
Nach dem Bestseller von Stephen King »Atlantis« (bzw. der ersten von fünf darin enthaltenen Novellen) drehte Scott Hicks (»Shine«, 1996; »Snow Falling on Cedars«, 1999) mit »Hearts in Atlantis« die Geschichte einer Freundschaft zwischen einem elfjährigen Jungen und einem in die Jahre gekommenen, geheimnisvollen Mann – eine Geschichte über Kindheit und Erwachsenwerden.
Inhalt
Der Fotograph Robert Garfield (David Morse) erfährt vom Tod seines Freundes Sully (Will Rothhaar) und wird an seine Kindheit als Elfjähriger erinnert, als ihn mit Sully und Carol (Mika Boorem) eine enge Freundschaft in einem kleinen, verschlafenen Nest in
Connecticut verband. Als er sich dorthin begibt, findet er sein Elternhaus in einem verlassenen, verfallenen Zustand wieder.
Dort lebte der kleine Bobby (Anton Yelchin) mit seiner Mutter Elizabeth (Hope Davis). Sein Vater war vor Jahren gestorben und Liz erzählt Bobby immer wieder, dass er sein Versager gewesen sei, der ihr nichts hinterlassen habe. Liz selbst ist Bobby eher eine Last; sie ist egozentrisch, denkt nur an ihr eigenes Fortkommen, kauft sich teure Kleider, und Bobby erhält zu seinem elften Geburtstag statt dem erwünschten Fahrrad einen Erwachsenenausweis für die städtische Bücherei – der hat nichts gekostet.
Da taucht Ted Brautigan (Anthony Hopkins) auf, der neue Mieter im Haus der Garfields, ein ruhiger, freundlicher, etwas geheimnisvoll wirkender älterer Mann, der viel über Bücher und auch sonst einiges zu wissen scheint. Zwischen ihm und dem Jungen entwickelt sich eine besondere Art von Freundschaft. Ted schlägt Bobby vor, ihm täglich aus der Zeitung vorzulesen; dafür erhalte er einen Dollar pro Woche. Doch Bobby merkt sofort, dass dies nicht alles ist: Ted will auch, dass Bobby die Augen aufhält, nach »niederen Männern« Ausschau hält, Männern in dunklen Anzügen, die Zettel an Bäume heften, auf denen nach verlorenen Tieren gesucht wird, und die große Limousinen fahren. Bobby hält dies zunächst für eine Spinnerei, denn Ted befindet sich des öfteren in tranceartigen Zuständen, als ob er mit offenen Augen träume. Doch er willigt ein.
Ted scheint auch hellseherische Fähigkeiten zu besitzen, sieht vieles, was auch auf Bobby zukommt, voraus. Bobby ist begeistert von seinem neuen Freund, der ihm zum Teil nur durch unscheinbare Bemerkungen die Augen für die Welt der Erwachsenen öffnet. Plötzlich küsst Bobby zum ersten Mal seine Freundin Carol; er sieht seinen Vater in einem anderen Licht; er beweist Mut und entwickelt in schwierigen Situationen ungeahnte Kräfte.
Doch die »niederen Männer«, nach denen Bobby Ausschau halten soll, erweisen sich nicht als Einbildung. Ted scheint wirklich verfolgt zu werden. Die Gefahr für ihn wächst und Bobby hat Angst, seinen Freund nach so kurzer Zeit wieder zu verlieren ...
Inszenierung
Scott Hicks Film ist in etlichen Kritiken negativ bewertet worden. Es wird behauptet, Hicks habe sich nicht für die Vorlage interessiert, sei davon abgewichen, biete keine oder nur schwammige Interpretationsmöglichkeiten an, habe keine antreibende Handlung, sei ziemlich banal, ergehe sich in idyllischer Kindheitsromantik usw. Ich sehe das mit Verlaub völlig anders und bin überzeugt davon, dass viele dieser ablehnenden Kritiker mal wieder keinen vor allem erzählenden Film vertragen können, sondern vom Regisseur zu liefernde Interpretation und Psychologisierung vermissen.
Genau das macht Hicks nämlich nicht. Im Gegenteil: Er lässt Robert Garfield sich erinnern, so wie seine Kindheit ihm im Gedächtnis geblieben ist, die zweifellos mit Idylle nicht viel zu tun hat. Denn der kleine Bobby hat schwer zu kämpfen: gegen eine Mutter, die sich für ihn kaum interessiert, und ein Bild von seinem Vater, das durch seine Mutter ausschließlich negativ besetzt ist.
In dieser Situation stößt er auf einen skurrilen Mann, Ted. Der erweist sich zwar zunächst als geheimnisvoll, träumerisch, etwas verrückt. Doch dieser Eindruck löst sich im Laufe der Handlung in einen durchaus realistischen Hintergrund auf.
Viel wichtiger aber ist, dass Ted mit einem reichen Lebenserfahrungsschatz aufwarten kann und davon viel an Bobby abgeben kann. Er springt sozusagen ein: für die egozentrische Mutter wie den fehlenden Vater, rückt dessen Bild zurecht, gibt dem Jungen zarte Hinweise auf sein künftiges Erwachsenwerden, hilft ihm, fast unmerklich und doch imposant, zwingt ihn nicht zu irgendeinem Handeln, sondern zeigt ihm Möglichkeiten, Wege. Bobby nimmt dies alles, anfangs zweifelnd, aber dann begierig auf.
Hicks öffnet die Gefühlswelt eines Elfjährigen und seiner Freundschaften, Probleme, Unwissenheit, Lernbegierde, mit zarter Hand und, wenn auch abweichend von Kings Männern, die vor allem oder ausschließlich Wesen einer anderen Welt sind, ohne Gefühlsduselei à la Hollywood-Massen- und -Kassenkino. Der Film ist vor allem Erinnerung, wehmütig, nostalgisch, aber nicht wehleidig oder honigtriefend, Erinnerung auch an die eigene Kindheit, in der Eltern eine so enorme Rolle spielen, mit all ihren Defiziten und Vorzügen, Fehlern, Schwächen, Stärken und ihrer Zuneigung.
Der erwachsene Bobby erinnert sich gern an diese Kindheit. Vor allem wohl auch deswegen, weil nicht nur er, sondern auch seine Mutter durch das Auftauchen von Ted viel gelernt hatten. Hicks beschwört nicht eine Idylle in einem verträumten Städtchen in Connecticut; er bleibt realistisch. Die herbstlich anmutenden Bilder beinhalten Freude am Leben ebenso wie Gefahr, Bedrohung und Angst. Die Musik – Hits aus den 50er und 60er Jahren – wird immer wieder durch die Ereignisse kontrastiert, die Konflikte zwischen Bobby und seiner Mutter, den Streit zwischen ihm und größeren Jungs, die ihm und Carol Böses wollen, die Gefahr, die auf Ted lauert.
Man taucht in keine Illusion, sondern in die Realität einer pubertären Entwicklung. Hicks erzählt – und er erzählt beeindruckend.
Schauspieler
Einen großen und einen kleinen Oscar könnte man vergeben für Anthony Hopkins und Anton Yelchin. Hopkins spielt den geheimnisvollen Ted in einer fast beruhigend-sympathischen, wärmenden Art, im Kontrast zwischen den für ihn selbst oft beängstigenden hellseherischen Fähigkeiten, die ihn wissen lassen, was er meist nicht wissen will, und der menschlich tiefen Zugewandtheit nicht nur zu Bobby, sondern auch zu seinen Freunden, für die er im wahrsten Sinn des Wortes da, anwesend ist, und denen er wiederum seine Weitsichtigkeit, ohne etwas dafür zu verlangen, zugute kommen lässt.
Anton Yelchin spielt Bobby, als wenn er sich selbst spielen würde. Hopkins äußerte in einem Interview, er hätte seine Rolle nicht derart intensiv ausfüllen können, wenn nicht die jungen Schauspieler, vor allem Anton Yelchin und Mika Boorem gewesen wären. Anton Yelchin spielt diesen Jungen überzeugend in dessen beginnender pubertärer Entwicklung, seiner Wissbegierde, seiner Suche nach Lösung für seine Probleme. Die Szene, in der er seiner Mutter die Meinung sagt, ist grandios.
Hope Davis als fast ausschließlich auf sich bezogene Mutter schließlich war für die Rolle genau die richtige. Man kann ihr förmlich am Gesicht ablesen, was sie gerade denkt, wovon sie träumt und wie sie zu ihrem Sohn steht.
Fazit
Ich habe selten eine so wunderschöne Kindheitsgeschichte gesehen, die – ohne pathetisch eine idyllische Jugend zu beschwören – einfach erzählt, von Wunderbarem und Erschreckendem, von Geheimnisvollem und Vorwärtstreibendem. Sicherlich eine nostalgische, aber keine realitätsferne Erzählung, eine Geschichte, die das wiedergibt, woran sich der erwachsene Robert gern erinnert und wodurch er erwachsen geworden ist. Herzen in Atlantis, die Auflösung der wunderbaren, vielleicht auch mythenumwobenen Kindheit. Grandios!
Hearts in Atlantis
(Hearts in Atlantis)
USA 2000, 101 Minuten
Regie: Scott Hicks
Hauptdarsteller: Anthony Hopkins (Ted Brautigan), Hope Davis (Elizabeth Garfield), David Morse (Robert Garfield, Erwachsener), Anton Yelchin (Bobby Garfield), Mika Boorem (Carol Gerber, Molly), Alan Tudyk (Monte Man), Will Rothhaar (Sully, 11 Jahre alt), Adam LeFevre (Donald Biderman), Wes Johnson (Sportreporter), Tom Bower (Len Files), Celia Weston (Alana Files)