HUK-Coburg Kranken-Zusatzversicherung Test, Erfahrungen und Testberichte vom Verbraucher
Als Kassenpatient wie ein Privatpatient behandelt werden
ein Testbericht von TurboFranky2011-12-04 09:52:14vom 04.12.2011Empfehlung: ja
Vorteile: bessere Leistungen, freie Wahl, weniger Wartezeit...Nachteile/Kritik: Kosten
Ich bin ein „gesetzlich Versicherter“ und zwar bei der Barmer BEK. Da bin ich seit rund 20 Jahren und weitgehend zufrieden – allerdings mit Ausnahmen. Gut finde ich das Solidaritätsprinzip der gesetzlichen Versicherungen und auch, dass die Kinder mitversichert sind. Weniger gut finde ich manche konkreten Leistungen. Wenn es mir beispielsweise richtig dreckig gehen sollte, will ich im Krankenhaus nicht im Vierbett-Zimmer liegen, sondern etwas mehr Privatsphäre haben. Ebenso möchte ich nicht monatelang auf einen Termin für eine Vorsorgeuntersuchung warten. Die Lösung heißt „private Zusatzversicherung“. Nach etlichen Preis- und Leistungsvergleichen habe ich mich für das Partnerangebot der Barmer bei der HUK-Coburg entschieden – ich habe aus der privaten Krankenversicherung die Module „Krankenhaus“ (stationäre Aufenthalte) und „Kostenerstattung“ (Privatpatient bei ambulanten Ärzten) gewählt.
+++ Konkret: Hat das wirklich Vorteile? +++
Folgende Erfahrungen sprechen für mich FÜR meine Versicherung:
- Die Wartezeiten für einen Termin verkürzen sich erheblich: Beim Augenarzt musste ich nicht mehr drei Wochen auf einen Termin warten, sondern konnte am selben Tag kommen, auch bei überlaufenen Ärzten wie Orthopäden, Hautarzt oder HNO geht das deutlich schneller, die bevorzugte Behandlung ist meist spürbar. Wenige Ärzte wie beispielsweise mein Hausarzt machen in ihren Wartezimmern keinen Unterschied zwischen Kasse und privat – die meisten allerdings schon. Als Berufstätiger finde ich das sehr angenehm, schneller und zu passenderen Zeiten einen Termin zu bekommen, der meist auch genauer eingehalten wird.
- Mehr Zeit: Das war für mich der auffälligste Unterschied. Ich habe das Gefühl, dass sich die Ärzte durchweg mehr Zeit für die Beratung nehmen und mich als „neuen Kunden“ betrachten, den sich nicht wieder verlieren wollen.
- Bessere Diagnose? Hier sieht das Bild etwas differenzierter aus. Unterm Strich fällt aber das Kostenargument bei der Entscheidung des Arztes weg. Er kann alle Register ziehen, die nötig sind. Manche Ärzte tun das, manche nutzen einfach alle Möglichkeiten, um „Ziffern abzurechnen“.
Dennoch, hierzu ein etwas ausführlicheres Beispiel: Als ich mal einen dicken Knoten unter der Haut hatte, wollten mich sowohl Hausarzt als auch Hautarzt in die Hautklinik der Uniklinik schicken. Als ich dort den Chefarzt konsultierte, sprach der von einem „harmlosen Fettgewebe-Klumpen“ und wollte mit mir einen OP-Termin zur Entfernung vereinbaren. Ich war nicht ganz überzeugt und ging zum Leiter der Chirurgie, der überraschenderweise nach einem kurzen Abtasten sagte: Das ist kein Fettklumpen, das ist eine ganz normale altersbedingte Ablagerung an Ihrem Brustbein. Als er in mein verunsichertes Gesicht blickte, fragte er nach meinem Versicherungsstatus und bot mir dann an, zu Abklärung ein MRT zu machen. Das wäre sonst nicht möglich gewesen. Hier hat mir also die Versicherung konkret einen unnötigen Schnitt in den Oberkörper erspart.
Solche „Zusatzleistungen“ gibt es immer wieder, manche waren hilfreich, beispielsweise Massagen bei Verspannungen oder spezielle Labortests, die sonst nicht getragen werden. In der Regel käme ich da als Kassenpatient nicht ran, grob gesagt nutzt der Arzt seinen Spielraum bei der Zusatzversicherung weiter aus. Manchmal sagen die Ärzte auch offen, dass sie beispielsweise ein Antibiotikum, das ich nur vier Tage nehmen muss, sonst nicht verschreiben könnten und Kassenpatienten das billigere Präparat bekommen, das sie
dafür aber deutlich länger nehmen müssen. Ebenso habe ich nicht mehr das Gefühl, das ein Arzt sein Quartalsbudget schon ausgereizt hat und deshalb nur halbmotiviert den Patienten entgegen tritt. Generell merkt man, das die Abrechnungspraxis für Ärzte ein wesentliches Thema ist, über sie sie auch gerne Auskunft geben.
Der größte Vorteil der Zusatzversicherung ist allerdings das Gefühl, nicht mehr ganz so abhängig vom Goodwill der Ärzte zu sein. Ich kann mir bei der Wahl des Arztes, bei alternativen Meinungen, bei alternativen Therapien, selbst viel mehr aussuchen.
+++ Die Kosten +++
Beginnen wir mit den Kosten: 88 Euro zahle ich monatlich für die gebuchten Zusatzleistungen. Die Höhe der Monatsbeiträge hängt vom Eintrittsalter in die Zusatzversicherung ab. Der größere Anteil entfällt dabei auf die Kostenerstattung.
+++ Was wird bezahlt? +++
Mit der Zusatzversicherung hat der Arzt die Lizenz, seine Leistungen nach den privaten Honorarsätzen abzurechnen – bis zum 3,5fachen Satz. Bezahlt werden allerdings keine Leistungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse ohnehin nicht übernommen werden würden.
Im Krankenhaus übernimmt die HUK das Ein- oder Zweibettzimmer sowie die Chefarztbehandlung. Zudem kann ich mir mein das Krankenhaus selbst aussuchen.
Für Heilmittel, Medikamente und Anwendungen ändert sich formal erst mal nicht viel – erstattet wird, was medizinisch nötig ist. Allerdings sind die Ärzte da – meine Erfahrung – durchweg „offener“.
+++ Die Abwicklung eines Arztbesuchs in der Praxis +++
Ein echter „Privatpatient“ ist ein Kassenmitglied nie. So darf ich mir zwar meine Ärzte frei aussuchen und brauche keine Überweisungen mehr, allerdings darf ich nur zu den Ärzten gehen, die auch eine Zulassung für die gesetzliche Krankenversicherung haben, also scheiden reine Privatärzte aus.
Nachdem ich einen Termin vereinbart habe, läuft der Arztbesuch wir folgt: Ich lege meine Chipkarte nicht mehr vor, sondern bekomme nach dem Besuch eine Privatrechnung zugeschickt. Diese schicke ich zunächst an die Barmer, die mir ihren Anteil auf mein Konto überweist. Mit dem beiliegenden Formblatt geht die Rechnung weiter an die HUK, die dann ihrerseits Anteile übernimmt. Zusammen sind das 90 Prozent der Kosten. Die Praxisgebühr wird mir ebenfalls erstattet. Allerdings – und das ist eine nennenswerte Einschränkung, muß ich zehn Prozent selbst tragen. Normalerweise liegen die Arzthonorare zwischen 50 und 150 Euro, entsprechend ist dann mein Eigenanteil 5-15 Euro. Dasselbe Verfahren gilt auch für Medikamente, Heilmittel (zum Beispiel Bandagen oder Einlagen) und Heilanwendungen (Beispiel Physiotherapie oder Massagen).
Am Anfang war es eine Umgewöhnung, selbst die Buchhaltung zu machen und nicht mehr einfach die Karte vorzulegen. Aber daran gewöhnt man sich schnell. In der Regel dauert diese Abwicklung zwei bis drei Wochen, dann haben Barmer und Huk mir jeweils eine Abrechnung über ihren Anteil geschickt und das Geld auf mein Konto überwiesen. Das klappt normalerweise reibungslose.
+++ Mein Fazit +++
Ich bin froh, die Zusatzversicherungen gebucht zu haben. Klar, es kostet Geld – insofern ist das als Zusatzleistung zu der gesetzlichen Basisversicherung schon eine Komfort-Entscheidung. Da ich den Vertrag jährlich kündigen kann, ist das Risiko einer solchen Bindung überschaubar.
Am wichtigsten ist für mich die verbesserte Leistung im Fall von schweren Krankheiten, also die Zusatzversicherung fürs Krankenhaus. Da fehlen mir allerdings noch die konkreten Erfahrungen, um Euch davon zu berichten.
Ganz wichtig: Es gibt viele Ärzte, die zwischen gesetzlichen und privat Versicherten keinen Unterschied machen. Das ist gut so und deshalb bleibe ich weiterhin Mitglied der Barmer. Es gibt aber auch andere – und für diese Fälle fühle ich mich jetzt besser abgesichert.
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