Zivildienst Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
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Erfahrungsbericht von Daverigger
Zivi-Schule? Xtreme Rollstuhl-Cruising!
Pro:
Man bekommt im schlechtesten Fall Allgemeinwissen vermittelt, normalerweise lernt man aber einen Menge, nicht nur über Rechte und Pflichten des Zivildienstleistenden! Die Leute sind meist voll ok und Bier gibts auch genug ...
Kontra:
Man bekommt in der Regel für die Zeit weniger Sold, das Bier könnte nicht schmecken, man könnte einen 5-Wochen-Kurs erwischen obwohl man bloß Büroarbeit macht.
Empfehlung:
Ja
Jeder Zivildienstleistende ist dazu verpflichtet, einen mindestens einwöchigen Lehrgang zu absolvieren, in dem er über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt wird. Ihm soll das eigentliche Wesen des Zivildienstes nahegebracht werden, er soll einen Einblick in die geschichtliche und politische Entwicklung des Zivildienstes (ZD) erhalten, sowie einige Grundlagen für seine Tätigkeit erlernen, die er auf seiner Dienststelle oder am Einsatzgebiet vor Ort eventuell nicht mitbekommt.
Es gibt für die verschiedenen Tätigkeiten, die das Berufsbild Zivildienst einschließt, auch verschiedene Lehrgänge.
1 Woche dauert das Basis-Seminar, in dem ausschließlich die obigen Themen behandelt werden. Dieser Lehrgang bietet sich an für Zivildienstleistende (ZDL), die sich im öffentlichen oder sozialen Dienst befinden, einer einfachen Tätigkeit als Hausmeister oder auch Bürohilfe nachgehen.
3 Wochen sind für den erweiterten Lehrgang veranschlagt, in dem der ZDL die Grundlagen der Pflege und Betreuung von Behinderten und alten Menschen erlernt, sowie über Ernährung aufgeklärt wird. Außerdem werden Selbsterfahrungsseminare veranstaltet, in denen man seinen Körper besser kennen und verstehen lernen, sowie Verständnis dafür bekommen soll, wie man sich als Blinder, Rollstuhlfahrer oder sonstig körperlich behindert fühlt und im Alltag zurechtfindet. Zum Ende hin findet auch ein erweiterter Lehrgang in erster Hilfe und Notfallbetreuung statt. Weiterhin findet eine Aufklärung über die finanziellen Zuwendungen statt, die der ZDL während seiner Dienstmonate erhält. Einen solchen Lehrgang besuchen ZDL, die in der sogenannten ISB (Individuelle Schwerstbehinderten-Betreuung) tätig sind. Dies ist der Lehrgang, den auch ich besucht habe.
5 Wochen schließlich sind denjenigen vorbehalten, die ihren Dienst bei einer Rettungsgesellschaft absolvieren, z.B. Rotes Kreuz, DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) und ähnliche andere Organisationen, die in akuten Fällen zum Einsatz kommen, bei denen es wirklich um Leben und Tod gehen kann. Hier sollte eigentlich nur speziell ausgebildetes Fachpersonal eingesetzt werden, jedoch kann auch ein Zivi von entscheidender Bedeutung für die Rettung eines Lebens sein. Um in Notfällen auch handeln zu können, sind bestimmte Kenntnisse vonnöten, die dem ZDL in 2 weiteren Wochen beigebracht werden. Nicht jede der ca. 20 Zivildienstschulen kann diese Ausbildung vornehmen, nur eine Handvoll. Nebenbei bieten auch manchmal die Organisationen selbst Seminare zur Ausbildung ihrer ZDL an, was ich als sehr löblich und vorbildlich erachte!
Zuständig für die Durchführung solcher Schulungen sind ca. 20, in ganz Deutschland verteilte Zivildienstschulen mit unterschiedlichen Fassungsvermögen, die über mehrere Dozenten und Gastredner verfügen, die den ZDL das nötige Wissen und die dazugehörige Praxis vermitteln.
Ich selbst habe meinen Lehrgang in einer der 10 größeren Zivildienstschulen, in Köln-Waldbröl absolviert, über die ich hier im folgenden auch schreiben werde.
Die Teilnahme an diesen Lehrgängen ist Pflicht, im Laufe der ersten 2 oder 3 Dienstmonate bekommt man als ZDL daher einen gesonderten Einberufungsbescheid für die Schule, mit dem auch weitere Informationen über Anreise, Unterbringung, Programm und Lerninhalte verschickt werden, falls man die Informationen nicht schon zum Dienstantritt mit den anderen Formularen bekommen hat. Meist wird diese Schulung in einem Atemzug mit den Staatsbürgerlichen Seminaren erwähnt, was ich nicht besonders gut finde, da man als Zivi schnell den Eindruck bekommt, beides sei gleichermaßen freiwillig und uninteressant, bzw. unnötig, was es keinesfalls ist!
Als ich meine „zweite Einberufung“ auf den Schreibtisch gelegt bekam dachte ich mir, dass dies mal wieder die typische Steuergeld-Verschwendung sei. Einen Zivi schulen ... und das nach rund 2 Dienstmonaten ... also für nur noch 8 Monate Dienst, nach denen eh wieder ein anderer den eigenen Platz einnimmt. Aber so leicht kann man sich irren!
Die Anreise nach Waldbröl gestaltet sich als relativ einfach, da die Schule nicht besonders weit in der Pampa liegt, sondern bequem über die Autobahn Richtung Köln/Olpe zu erreichen ist. Sie liegt auf einem stark bewaldeten Hügel recht idyllisch und bietet genug Parkmöglichkeiten für ca. 70 ZDL. Dummerweise beträgt die Anzahl der ständig anwesenden Lehrgangsteilnehmer ca. 100, plusminus 5. Daher kann es hier und da zu Ballungen kommen, jedoch bietet ein nahe gelegener Aldi auch noch Parkmöglichkeiten, die auf Anfrage (von Zivis) kostenlos genutzt werden können, sofern man auch etwas einkauft. Einen Haken gibt es ja eh immer, aber das Bier ist dort glücklicherweise billig, auch wenn es nur Kölsch gibt. Aber ein Getränkemarkt am Ende der Straße führt glücklicherweise auch Altbier. :)
Die erste Abfertigung gelingt nicht immer Reibungslos, denn beim Eintreffen muss man zuerst ein recht unübersichtliches Formular mit nicht immer ganz eindeutigen Fragen ausfüllen, um dann endlich nach mehreren Rückfragen, um nichts falsches anzugeben, den Zimmerschlüssel zu erhalten.
Die Zimmer sind immer für jeweils 2 ZDL eingerichtet, Einrichtung gibt es so gut wie keine. Zwei Betten, Zwei Stühle neben den Betten, für jeden einen dünnen abschließbaren Schrank, eine Ablage zwischen den Schränken und ein Waschbecken mit Lampe und Spiegel sind das einzige was man privat zur Verfügung hat, die Duschen befinden sich, genauso wie die Toiletten, auf den Gängen, die immer mit ca. 6 – 10 Zimmern bestückt sind. Seltsamerweise nimmt die Qualität zu, je höher man wohnt. Ganz oben im 4ten Stockwerk sind die Toiletten unglaublich sauber und gepflegt, großräumig, gelüftet und klimatisiert, es fehlt so gut wie nie an Papier, sogar die Seife ist immer voll und frisch. Das Gegenteil dazu findet man bei den unteren Toiletten, die selten sauber und gepflegt erscheinen und stets einen gewissen Odeur versprühen. Wundervoll! Mein Zimmer lag natürlich unten, aber ich hatte für mich ein kleines Fitnessprogramm erstellt, demzufolge ich jeden Morgen ein paar Stockwerke nach oben gejoggt bin.
Die Seminare in Waldbröl finden, unabhängig von Kursgruppe und Dauer der Schulung, täglich von 8.15Uhr-12.30Uhr statt, darauf folgt Mittagspause bis 13.30, der zweite Seminarteil geht von 13.30Uhr-15.00Uhr, danach herrscht Freizeit.
Frühstück gibt es von 7.30Uhr-8Uhr, das Personal ist aber meistens so nett und lässt bis 8.15 zu Ende essen, wenn’s knapp wird mit der Zeit. Sehr praktisch für Spätaufsteher!
Das Abendessen findet 17.30Uhr-18.00Uhr statt und ist genauso organisiert wie das Frühstück, nur das man noch Reste vom Mittagessen zu sich nehmen kann, falls man eine warme Mahlzeit einem Brot vorzieht.
Mittags gibt es 2 unterschiedlich Menüs, einmal normal und einmal eine vegetarische Alternative, die meist genauso gut schmeckt wie das andere Gericht, manchmal sogar einen Tick besser. Man weiß schließlich nicht, woher das Fleisch für die Mahlzeit wirklich stammt. Ausgewählt wird das Essen jeweils Montag, man trägt sich in die beim Frühstück ausliegenden Listen ein und erhält Essensmarken.
Wichtig ist zu wissen, das man für die Zeit in der Zivildienstschule KEINEN ESSENSZUSCHLAG zum Sold gezahlt bekommt, wenn man diesen normalerweise beansprucht, da man von der Schulkantine verpflegt wird. Da das Essen aber meiner Meinung nach fast immer sehr gut ist gibt es auch keine Probleme, satt zu werden. Nachschlag zu holen ist immer erlaubt. Wer an dem Essen besonders rummeckert hat meiner Erfahrung nach einen seltsamen Geschmack oder will sich wichtig machen!
Für die Freizeit, die an bestimmten Seminartagen recht großzügig bemessen ist, gibt es eine Freizeitpädagogin, die für jeden Tag ein Programm aushängt, an dem man je nach Lust und Laune teilnehmen kann. Meist beschränkt sich das Ganze jedoch auf eine johlende Horde von ca. 40 Fußballverrückten und 3 Leuten, die Töpfern und Yoga wollen. Angebote wie Badminton, Tennis und autogenes Training / Meditation werden eher weniger wahrgenommen. Ich frage mich woran das liegt. Ooooooohmmmm ...
Wer sich die Zeit jedoch lieber selbst vertreibt kann auf einen recht netten Billardtisch zurückgreifen, der von der Tür aus gesehen leicht nach links geneigt ist, und der Tischtennistisch ist sowieso immer besetzt. Schläger und Bälle liegen immer irgendwo in der Nähe rum, weil die meisten Zivis zu faul sind, das Zeug wieder zur Ausleihstelle bei der Pädagogin abzugeben. Ich kann das irgendwie nachvollziehen, man hat durch die Seminare ja auch immer so viel zu tun ... dieser ganze Stress ...
Die Seminare an sich sind stets locker. Es gibt immer einen Seminarleiter, der die Hauptthemen behandelt, sowie mehrere Dozenten, die verschiedene Sachgebiete abhandeln, so z.B. Ernährungslehre, was für solche Zivis interessant ist, die ihre zu betreuenden Klienten bekochen müssen. Geld/Sachbezüge sowie Pflege/Betreuung werden gleichermaßen von Dozenten abgehalten, wobei es immer wieder erstaunlich ist, wo manche staatlichen Einrichtungen immer wieder diese Unikate herbekommen. Ich hatte z.B. in Pflege/Betreuung einen ewig zappeligen, leitenden Krankenpfleger aus dem örtlichen Kreiskrankenhaus, der mit seinen nervösen Ticks und Adrenalinkicks immer wieder für Lacher sorgte. Die Dame für Geld und Sachbezüge war dagegen normal, bis auf ihre piepsige Stimme und eine Körpergröße von ca. 1,40. Ungelogen. Dafür hatte sie aber in der Breite noch einiges gelagert.
Da die Seminarteilnehmer untereinander sehr locker miteinander umgehen ist es für die Dozenten und den Seminarleiter auch kein Problem, die Inhalte mehr oder weniger kompetent und aufgelockert rüberzubringen, was die Aufmerksamkeit sichert und keine Schulischen Verhältnisse schafft. Wer aufpasst, der passt auf, wer kein Interesse hat, hört weg, liest oder schläft. Natürlich nur, solange man die anderen nicht stört!
Das schon angesprochene Verhältnis der Zivis untereinander ist bei den Mehrwöchlern immer recht familiär und Kumpelhaft. Es wird gegrillt, gesoffen, man spielt Karten um astronomische Beträge (Ungelogen, am letzten Abend hat mein Zimmernachbar 82 Cent gewonnen, die höchste Summe überhaupt!) oder zieht sich, wie ich, jeden zweiten Abend zwei Filme mit einer Handvoll anderer Zivis rein. Dazu ausreichend Chips, Drinks und Bier und die Sache ist geritzt!
Den Seminarleiter lädt man natürlich am letzten gemeinsamen Abend auch mal auf ein Bierchen zum Grillen ein und schenkt ihm ein Huhn, das man auf dem örtlichen Vieh- und Krammarkt erstanden hat, nach einer kleinen Kollekte der Zivis. Solche Abschiedsgags sind bei Mehrwöchlerseminaren anscheinend sehr beliebt, eine Gruppe hat mal ein Pferd gemietet und auf den Parkplatz des Seminarleiters gestellt, ihm das Pferd quasi als Ersatz für den ja sowieso umweltschädigenden Wagen geschenkt. Es gibt haufenweise lustige Geschichten solcher Abschiedsgeschenke, die man bei ein paar Bierchen schnell erzählt bekommt, wenn die Grillwürste auch noch schmecken.
Natürlich dient dies alles ausschließlich der Belehrung und Weiterbildung der Zivildienstleistenden, und zum Abschluss der Seminarzeit bekommt jeder Teilnehmer einen Wisch, der die Teilnahme bestätigt und den erhalt der 3ten Soldgruppe sicherstellt. Diese bekommt man nach dem 7ten Dienstmonat zwar sowieso, aber danach fragt keiner, schließlich muss man vor der Abfahrt noch Handy-Nummern tauschen!
Insgesamt kann ich mit einem Lächeln im Gesicht, ein paar netten Erinnerungen und vielen interessanten Informationen und Erfahrungen mehr auf die 3 Wochen in Köln-Waldbröl zurückschauen. Egal welchen Job man als Zivi wirklich hat und mit welcher Einstellung man den Lehrgang antritt, man lernt immer etwas, selbst wenn es „nur“ Allgemeinbildung aus dem täglichen Leben FÜR das tägliche Leben ist. So etwas schadet wirklich nie!
Die Zivis sind untereinander nach wenigen Tagen wie eine Gemeinschaft, man kennt sich besonders innerhalb der Seminargruppen gut genug um sich ein paar spaßige Tage miteinander zu machen und sich nicht auf die Nerven zu gehen. Natürlich ist das Gemeinsame Essen gewöhnungsbedürftig, die Aufstehzeiten genauso wie die Gemeinschaftsduschen, aber ich denke, das ist nur ein kleiner Haken an 3 Wochen Ausspannen mit gelegentlichen Raucherpausen zwischen den Seminaren.
Die Jungs beim Bund haben zwar einen Monat weniger Dienst, dafür jedoch viel länger mit Gemeinschaftsduschen zu tun und dazu noch schlechteres Essen bei schlechterer Bezahlung ... ;-)
Es gibt für die verschiedenen Tätigkeiten, die das Berufsbild Zivildienst einschließt, auch verschiedene Lehrgänge.
1 Woche dauert das Basis-Seminar, in dem ausschließlich die obigen Themen behandelt werden. Dieser Lehrgang bietet sich an für Zivildienstleistende (ZDL), die sich im öffentlichen oder sozialen Dienst befinden, einer einfachen Tätigkeit als Hausmeister oder auch Bürohilfe nachgehen.
3 Wochen sind für den erweiterten Lehrgang veranschlagt, in dem der ZDL die Grundlagen der Pflege und Betreuung von Behinderten und alten Menschen erlernt, sowie über Ernährung aufgeklärt wird. Außerdem werden Selbsterfahrungsseminare veranstaltet, in denen man seinen Körper besser kennen und verstehen lernen, sowie Verständnis dafür bekommen soll, wie man sich als Blinder, Rollstuhlfahrer oder sonstig körperlich behindert fühlt und im Alltag zurechtfindet. Zum Ende hin findet auch ein erweiterter Lehrgang in erster Hilfe und Notfallbetreuung statt. Weiterhin findet eine Aufklärung über die finanziellen Zuwendungen statt, die der ZDL während seiner Dienstmonate erhält. Einen solchen Lehrgang besuchen ZDL, die in der sogenannten ISB (Individuelle Schwerstbehinderten-Betreuung) tätig sind. Dies ist der Lehrgang, den auch ich besucht habe.
5 Wochen schließlich sind denjenigen vorbehalten, die ihren Dienst bei einer Rettungsgesellschaft absolvieren, z.B. Rotes Kreuz, DLRG (Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft) und ähnliche andere Organisationen, die in akuten Fällen zum Einsatz kommen, bei denen es wirklich um Leben und Tod gehen kann. Hier sollte eigentlich nur speziell ausgebildetes Fachpersonal eingesetzt werden, jedoch kann auch ein Zivi von entscheidender Bedeutung für die Rettung eines Lebens sein. Um in Notfällen auch handeln zu können, sind bestimmte Kenntnisse vonnöten, die dem ZDL in 2 weiteren Wochen beigebracht werden. Nicht jede der ca. 20 Zivildienstschulen kann diese Ausbildung vornehmen, nur eine Handvoll. Nebenbei bieten auch manchmal die Organisationen selbst Seminare zur Ausbildung ihrer ZDL an, was ich als sehr löblich und vorbildlich erachte!
Zuständig für die Durchführung solcher Schulungen sind ca. 20, in ganz Deutschland verteilte Zivildienstschulen mit unterschiedlichen Fassungsvermögen, die über mehrere Dozenten und Gastredner verfügen, die den ZDL das nötige Wissen und die dazugehörige Praxis vermitteln.
Ich selbst habe meinen Lehrgang in einer der 10 größeren Zivildienstschulen, in Köln-Waldbröl absolviert, über die ich hier im folgenden auch schreiben werde.
Die Teilnahme an diesen Lehrgängen ist Pflicht, im Laufe der ersten 2 oder 3 Dienstmonate bekommt man als ZDL daher einen gesonderten Einberufungsbescheid für die Schule, mit dem auch weitere Informationen über Anreise, Unterbringung, Programm und Lerninhalte verschickt werden, falls man die Informationen nicht schon zum Dienstantritt mit den anderen Formularen bekommen hat. Meist wird diese Schulung in einem Atemzug mit den Staatsbürgerlichen Seminaren erwähnt, was ich nicht besonders gut finde, da man als Zivi schnell den Eindruck bekommt, beides sei gleichermaßen freiwillig und uninteressant, bzw. unnötig, was es keinesfalls ist!
Als ich meine „zweite Einberufung“ auf den Schreibtisch gelegt bekam dachte ich mir, dass dies mal wieder die typische Steuergeld-Verschwendung sei. Einen Zivi schulen ... und das nach rund 2 Dienstmonaten ... also für nur noch 8 Monate Dienst, nach denen eh wieder ein anderer den eigenen Platz einnimmt. Aber so leicht kann man sich irren!
Die Anreise nach Waldbröl gestaltet sich als relativ einfach, da die Schule nicht besonders weit in der Pampa liegt, sondern bequem über die Autobahn Richtung Köln/Olpe zu erreichen ist. Sie liegt auf einem stark bewaldeten Hügel recht idyllisch und bietet genug Parkmöglichkeiten für ca. 70 ZDL. Dummerweise beträgt die Anzahl der ständig anwesenden Lehrgangsteilnehmer ca. 100, plusminus 5. Daher kann es hier und da zu Ballungen kommen, jedoch bietet ein nahe gelegener Aldi auch noch Parkmöglichkeiten, die auf Anfrage (von Zivis) kostenlos genutzt werden können, sofern man auch etwas einkauft. Einen Haken gibt es ja eh immer, aber das Bier ist dort glücklicherweise billig, auch wenn es nur Kölsch gibt. Aber ein Getränkemarkt am Ende der Straße führt glücklicherweise auch Altbier. :)
Die erste Abfertigung gelingt nicht immer Reibungslos, denn beim Eintreffen muss man zuerst ein recht unübersichtliches Formular mit nicht immer ganz eindeutigen Fragen ausfüllen, um dann endlich nach mehreren Rückfragen, um nichts falsches anzugeben, den Zimmerschlüssel zu erhalten.
Die Zimmer sind immer für jeweils 2 ZDL eingerichtet, Einrichtung gibt es so gut wie keine. Zwei Betten, Zwei Stühle neben den Betten, für jeden einen dünnen abschließbaren Schrank, eine Ablage zwischen den Schränken und ein Waschbecken mit Lampe und Spiegel sind das einzige was man privat zur Verfügung hat, die Duschen befinden sich, genauso wie die Toiletten, auf den Gängen, die immer mit ca. 6 – 10 Zimmern bestückt sind. Seltsamerweise nimmt die Qualität zu, je höher man wohnt. Ganz oben im 4ten Stockwerk sind die Toiletten unglaublich sauber und gepflegt, großräumig, gelüftet und klimatisiert, es fehlt so gut wie nie an Papier, sogar die Seife ist immer voll und frisch. Das Gegenteil dazu findet man bei den unteren Toiletten, die selten sauber und gepflegt erscheinen und stets einen gewissen Odeur versprühen. Wundervoll! Mein Zimmer lag natürlich unten, aber ich hatte für mich ein kleines Fitnessprogramm erstellt, demzufolge ich jeden Morgen ein paar Stockwerke nach oben gejoggt bin.
Die Seminare in Waldbröl finden, unabhängig von Kursgruppe und Dauer der Schulung, täglich von 8.15Uhr-12.30Uhr statt, darauf folgt Mittagspause bis 13.30, der zweite Seminarteil geht von 13.30Uhr-15.00Uhr, danach herrscht Freizeit.
Frühstück gibt es von 7.30Uhr-8Uhr, das Personal ist aber meistens so nett und lässt bis 8.15 zu Ende essen, wenn’s knapp wird mit der Zeit. Sehr praktisch für Spätaufsteher!
Das Abendessen findet 17.30Uhr-18.00Uhr statt und ist genauso organisiert wie das Frühstück, nur das man noch Reste vom Mittagessen zu sich nehmen kann, falls man eine warme Mahlzeit einem Brot vorzieht.
Mittags gibt es 2 unterschiedlich Menüs, einmal normal und einmal eine vegetarische Alternative, die meist genauso gut schmeckt wie das andere Gericht, manchmal sogar einen Tick besser. Man weiß schließlich nicht, woher das Fleisch für die Mahlzeit wirklich stammt. Ausgewählt wird das Essen jeweils Montag, man trägt sich in die beim Frühstück ausliegenden Listen ein und erhält Essensmarken.
Wichtig ist zu wissen, das man für die Zeit in der Zivildienstschule KEINEN ESSENSZUSCHLAG zum Sold gezahlt bekommt, wenn man diesen normalerweise beansprucht, da man von der Schulkantine verpflegt wird. Da das Essen aber meiner Meinung nach fast immer sehr gut ist gibt es auch keine Probleme, satt zu werden. Nachschlag zu holen ist immer erlaubt. Wer an dem Essen besonders rummeckert hat meiner Erfahrung nach einen seltsamen Geschmack oder will sich wichtig machen!
Für die Freizeit, die an bestimmten Seminartagen recht großzügig bemessen ist, gibt es eine Freizeitpädagogin, die für jeden Tag ein Programm aushängt, an dem man je nach Lust und Laune teilnehmen kann. Meist beschränkt sich das Ganze jedoch auf eine johlende Horde von ca. 40 Fußballverrückten und 3 Leuten, die Töpfern und Yoga wollen. Angebote wie Badminton, Tennis und autogenes Training / Meditation werden eher weniger wahrgenommen. Ich frage mich woran das liegt. Ooooooohmmmm ...
Wer sich die Zeit jedoch lieber selbst vertreibt kann auf einen recht netten Billardtisch zurückgreifen, der von der Tür aus gesehen leicht nach links geneigt ist, und der Tischtennistisch ist sowieso immer besetzt. Schläger und Bälle liegen immer irgendwo in der Nähe rum, weil die meisten Zivis zu faul sind, das Zeug wieder zur Ausleihstelle bei der Pädagogin abzugeben. Ich kann das irgendwie nachvollziehen, man hat durch die Seminare ja auch immer so viel zu tun ... dieser ganze Stress ...
Die Seminare an sich sind stets locker. Es gibt immer einen Seminarleiter, der die Hauptthemen behandelt, sowie mehrere Dozenten, die verschiedene Sachgebiete abhandeln, so z.B. Ernährungslehre, was für solche Zivis interessant ist, die ihre zu betreuenden Klienten bekochen müssen. Geld/Sachbezüge sowie Pflege/Betreuung werden gleichermaßen von Dozenten abgehalten, wobei es immer wieder erstaunlich ist, wo manche staatlichen Einrichtungen immer wieder diese Unikate herbekommen. Ich hatte z.B. in Pflege/Betreuung einen ewig zappeligen, leitenden Krankenpfleger aus dem örtlichen Kreiskrankenhaus, der mit seinen nervösen Ticks und Adrenalinkicks immer wieder für Lacher sorgte. Die Dame für Geld und Sachbezüge war dagegen normal, bis auf ihre piepsige Stimme und eine Körpergröße von ca. 1,40. Ungelogen. Dafür hatte sie aber in der Breite noch einiges gelagert.
Da die Seminarteilnehmer untereinander sehr locker miteinander umgehen ist es für die Dozenten und den Seminarleiter auch kein Problem, die Inhalte mehr oder weniger kompetent und aufgelockert rüberzubringen, was die Aufmerksamkeit sichert und keine Schulischen Verhältnisse schafft. Wer aufpasst, der passt auf, wer kein Interesse hat, hört weg, liest oder schläft. Natürlich nur, solange man die anderen nicht stört!
Das schon angesprochene Verhältnis der Zivis untereinander ist bei den Mehrwöchlern immer recht familiär und Kumpelhaft. Es wird gegrillt, gesoffen, man spielt Karten um astronomische Beträge (Ungelogen, am letzten Abend hat mein Zimmernachbar 82 Cent gewonnen, die höchste Summe überhaupt!) oder zieht sich, wie ich, jeden zweiten Abend zwei Filme mit einer Handvoll anderer Zivis rein. Dazu ausreichend Chips, Drinks und Bier und die Sache ist geritzt!
Den Seminarleiter lädt man natürlich am letzten gemeinsamen Abend auch mal auf ein Bierchen zum Grillen ein und schenkt ihm ein Huhn, das man auf dem örtlichen Vieh- und Krammarkt erstanden hat, nach einer kleinen Kollekte der Zivis. Solche Abschiedsgags sind bei Mehrwöchlerseminaren anscheinend sehr beliebt, eine Gruppe hat mal ein Pferd gemietet und auf den Parkplatz des Seminarleiters gestellt, ihm das Pferd quasi als Ersatz für den ja sowieso umweltschädigenden Wagen geschenkt. Es gibt haufenweise lustige Geschichten solcher Abschiedsgeschenke, die man bei ein paar Bierchen schnell erzählt bekommt, wenn die Grillwürste auch noch schmecken.
Natürlich dient dies alles ausschließlich der Belehrung und Weiterbildung der Zivildienstleistenden, und zum Abschluss der Seminarzeit bekommt jeder Teilnehmer einen Wisch, der die Teilnahme bestätigt und den erhalt der 3ten Soldgruppe sicherstellt. Diese bekommt man nach dem 7ten Dienstmonat zwar sowieso, aber danach fragt keiner, schließlich muss man vor der Abfahrt noch Handy-Nummern tauschen!
Insgesamt kann ich mit einem Lächeln im Gesicht, ein paar netten Erinnerungen und vielen interessanten Informationen und Erfahrungen mehr auf die 3 Wochen in Köln-Waldbröl zurückschauen. Egal welchen Job man als Zivi wirklich hat und mit welcher Einstellung man den Lehrgang antritt, man lernt immer etwas, selbst wenn es „nur“ Allgemeinbildung aus dem täglichen Leben FÜR das tägliche Leben ist. So etwas schadet wirklich nie!
Die Zivis sind untereinander nach wenigen Tagen wie eine Gemeinschaft, man kennt sich besonders innerhalb der Seminargruppen gut genug um sich ein paar spaßige Tage miteinander zu machen und sich nicht auf die Nerven zu gehen. Natürlich ist das Gemeinsame Essen gewöhnungsbedürftig, die Aufstehzeiten genauso wie die Gemeinschaftsduschen, aber ich denke, das ist nur ein kleiner Haken an 3 Wochen Ausspannen mit gelegentlichen Raucherpausen zwischen den Seminaren.
Die Jungs beim Bund haben zwar einen Monat weniger Dienst, dafür jedoch viel länger mit Gemeinschaftsduschen zu tun und dazu noch schlechteres Essen bei schlechterer Bezahlung ... ;-)
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