Vorwort: Da ich Schwimmtrainerin bin, hab ich viel mit Kindern zu tun, die das Seepferdchen erhalten wollen.
Zum Beispiel geb ich grad wieder nen Sommerschwimmkurs mit ner Freundin.
Strahlend schauen sie mich an, wenn sie die zu erreichende Strecke geschafft haben und sind zwar total aus der Puste, freuen sich dazu aber umso mehr, wenn sie das Abzeichen in die Hand gedrückt bekommen.
Als ich gesehen hab, dass man dieses Zeichen bewerten kann, dacht ich mir, dass dies ein günstiger Zeitpunkt ist, mal zu erklären:
Was ist das Seepferdchenabzeichen eigentlich?
Das Seepferdchen. Das Wahrzeichen dafür, dass man sich jetzt endlich offiziell über Wasser halten kann.
Farbe:
Orange (wie das richtige Seepferdchen) auf weißem Hintergrund.
Was muss man dafür machen?:
- Sprung vom Beckenrand und 25 m Schwimmen (am besten im
Tiefen, damit ausgeschlossen wird, dass das Kind extreme
Angst vorm Tiefen hat, das möchte man natürlich mit dem
Abzeichen ausschließen)
- Heraufholen eines Gegenstandes mit den Händen aus
schultertiefem Wasser (meist auch mit offenen Augen)
Was kommt danach?
Bronze (Freischwimmer)
Silber
Gold
Was ist besonders zu beachten?
Man sieht oft, ob das Kind (meist zwischen 5 und 8 Jahre alt) einen 2 wöchigen Crash-Kurs gemacht hat und vom Trainer das Abzeichen bekommt, weil es ein Mal, aus purem Glück und vielleicht sogar mit ein wenig Mogeln die 25m geschafft hat, oder es sich mehr Zeit genommen hat und mehrere Kurse besucht hat, oder sogar in einem Verein ist.
Natürlich dauert das zweite länger, kostet vermutlich auch mehr Geld.
Jedoch kommt es sehr oft vor, dass Eltern ihre Kinder zum Kurs schicken, damit sie eine Woche später in Urlaub gehen und sie sicher gehen können, dass das Kind über Wasser bleibt, auch ohne Schwimmflügel.
Wie soll das gehen, wenn der "Seepferdcheninhaber" es lediglich ein eniziges Mal geschafft hatte, eine längere Strecke zu überstehen?
Es sollte darauf aufgepasst werden, dass das Kind mehrere Male die Strecke geschafft hat!
Ich habe immer wieder Kinder in meinem Kurs, die eigentlich schon das Seepferdchen bekommen haben. Jedoch wundert man sich, warum es die 25m nicht mit Leichtigkeit schafft, sondern schon zwischen 10 und 15 Metern schlapp macht.
Man sollte sich mit dem Schwimmenlernen also auf jeden Fall ein wenig Zeit lassen und das Tempo dem Kind anpassen, bzw. das Kind das Tempo teilweise selbst überlassen.
Die verschiedenen Schwimmertypen
Der Engagierte: Das Kind nutzt jede Gelegenheit zu
springen/tauchen/Schwimmen. Es braucht viel Bewegnung
und will so schnell wie möglich schwimmen können, um
unabhängig zu sein.
Der Taucher: Das Kind taucht unheimlich gerne, man
braucht ein wenig länger, um seine Aufmerksamkeit zu
erlangen. Oft wird das Tauchen/Unterwasserschwimmen als
Schutzmechanismus eingesetzt, falls das Kind die Angst
hat, unterzugehen. Es braucht viel Übung mit Poolnudel
und Bauchstütze, es muss versucht werden, den
Schutzreflex unnötig zu machen. Stattdessen sollte das
Kind an der Wasseroberfläche bleiben (Körperspannung, Po
hoch).
Der Unkoordinierte: Dies Problem haben meist
Jungen, was u.a. mit der Verbindung der beiden
Gehirnhälften zusammenhängt. Dem Kind fällt es sehr
schwer Arme und Beine gleichzeitig zu benutzen. Da
bleibt nur Üben, Üben, Üben. Irgendwann macht es schon
"Klick" und plötzlich kann es die Koombination!
Der Ängstliche: Dies sind meist noch junge Kinder.
Sie haben Angst, den Kopf unter Wasser zu nehmen, zu
Springen, oder vor der Tiefe. Problematisch ist ein
vorangehendes Trauma, wenn jemand das Kind z.B.
gewaltsam untergetaucht oder ins Wasser geschmissen hat,
aber auch, wenn es kurz vorm Ertinken gewesen ist.
Doch auch das ist zu bewältigen. Jedoch braucht das Kind
besondere Aufmerksamkeit. Einzelunterricht bietet sich
da sehr an. Das Kind muss dem Trainer vertrauen und
sicher gehen, dass er es nicht loslässt, wenn er
verspricht nicht loszulassen. Besteht einmal das
Vertrauen und hat der Schwimmer einmal den Spaß am
Schwimmen/Tauchen/Springen gefunden, erlangt man sehr
schnell Erfolge.
Dies gilt auch für nicht so "problematische" Fälle,
sondern auch für Kinder, die sich kaum etwas zutrauen.
Wenn sie die Übung dann doch machen, schaffen sie es oft
sogar sehr gut.
Der Faule: Das Kind hat gar keine Lust Schwimmen zu
lernen. Oft ist es nur da, weil seine Eltern wollen,
dass es so schnell wie möglich schwimmen lernt. Diese
Eltern sind auch die ersten, die immer zuschauen wollen,
um sicher zu sein, dass auch alles so läuft, wie sie
sich das gedacht haben. Man sollte dem Trainer schon
vertrauen können als Eltern eines Schwimmers!
Was man als Eltern beachten sollte: Auch wenn das Kind im Verein oder einem Crashkurs ist,
sollten sie so oft wie möglich mit dem Schwimmanfänger
üben! Vor allem aber setzen Sie ihr Kind nicht unter Druck
, denn das ist das Schlimmste, was sowohl Kind, als auch
dem Trainer passieren kann. Dieses Kind muss das
Schwimmen als Spaß ansehen und als Möglichkeit
sich auf und unter dem Wasser zu bewegen, da bringt Zwang
nur das Gegenteil nämlich Furcht vor dem Wasser!
Gibt es Alternativen? Das Seepferdchen steht für den Schwimmanfänger, der sich
allein über Wasser halten kann und 25m am Stück schwimmen
(egal wie) kann.
Es eignet sich also fürs Schulschwimmen und für den Urlaub.
Da es sehr lange dauern kann, bis der Schwimmanfänger das
Seepferdchen erlangt, und die Kinder sehr traurig sind, wenn
sie die zu schwimmende Strecke doch noch nicht ganz
geschafft haben, gibt es Alternativen, zumindest in
Bielefeld, wie der Wasserfloh und die Wasserratte, die als
Motivation für das Kind gelten.
(siehe die Homepage der drlg, bielefeld:
http://www.dlrg.de/Gliederung/Westfale n/Stadt_Bielefeld/Bielefeld/abzeichen.html#Wasserf loh)
Bei Fragen zum Wasserfloh/zur Wasserratte schaut dort und setzt euch mit den Bielefelder Schwimmvereinen auseinander.
Fazit: Ich finde es wichtig, dass die Kinder etwa im Alter von 4-10 Schwimmen lernen, da es sonst sehr gefährlich für sie sein kann, da das Wasser einen ja regelrecht anzieht, vor allem an nem schönen Sommertag und im Urlaub.
Darum vergeb ich dem Seepferdchenabzeichen 5 Sterne, da es das Abzeichen oft umsonst zum bestandenen Seepferdchen gibt.
Vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!
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