- tolle exakte und sehr schöne Verarbeitung
- hochwertiges Design (basics by Lutz Scheffer)
- sehr haltbare Pulverbeschichtung
- Rahmengewicht 1850g bei Größe M
- sehr haltbar, für die Ewigkeit gebaut
- Handmade in Germany !
- Universell ausbaubar
-
Kontra:
- Nur Montage von TopPull-TopSwing-Umwerfern möglich, bei Montage von TopPull-DownSwing (besser wegen robusterer Mechanik) entfällt ein Halter für Trinkflaschen
- sonst absolut keine Mängel !
Mir könnet alles - außer Hochdeutsch...
So bewirbt Baden-Würtemberg seine Industrie. Zu den eher kleineren Bikeschmieden in Deutschland gehört die Bergwerk Cycles GmbH, die heute die Marke Bergwerk Bikes trägt. In den 90er Jahren wurden sie als "Kraftwerk" bekannt, mussten sich dann umbenennen und heißen seitdem Bergwerk. Gründer waren meines Wissens nach der Metallbaumeister Sükrü Gürses, der auch heute noch Gesellschafter und Produktionsleiter ist, und der Designer Lutz Scheffer, der bereits 2002 zu Canyon gewechselt ist.
Bergwerk fertigt in Pforzheim in mühevoller Handarbeit Fahrradrahmen aus schweiß- und härtbaren Aluminiumlegierungen und hatte über lange Zeit Kathrin Schwing als "Werksfahrerin" unter Vertrag, die auf den Rädern kämpfte und siegte.
Soviel also zur Firma.
Jetzt zum Bike. "Das" Mercury, das ich fahre, ist ein eigener Aufbau auf Basis eines Mercury-Rahmens, aber auch komplette Bikes mit Wunschausstattung sind bei Bergwerk zu erwerben. Das Basisdesign geht auf besagten Lutz Scheffer zurück, hier einige "Highlights", die sachverständigen Bikern das Wasser in die Augen treiben vor Freude :
Monostay-Hinterbau aus Ovalrohr, belastungsgerecht und mit ausgefrästen Doppel-S-Rundrohr-Sitzstreben verschweißt.
[*} Geschmiedete und gefräste Hinterradaufnahmen mit wunderschöner, ebenfalls lastgerechter Ausführung, mit Kehlnähten an die Sitzstreben und Kettenstreben geschweißt.
Aufnahme der Kettenstreben am Tretlager aus Strangpreßprofil, nachgefräst
alle Aufnahmen für Scheibenbremsen, Nabe, Tretlager und Lenkkopflagerschalen sind exakt nachgefräst, die Scheibenbremsaufnahmen vor dem Beschichten mit abziehbarem Kunststoffdeckel abgedeckt, sodaß die Nacharbeiten auf ein Minimum reduziert werden und das Bike auch ohne Discs aufgebaut sehr beständig ist (Korrosionsschutz bleibt ohne Abziehen der Kappen erhalten).
alle Schweißnähte weisen saubere Raupen auf, es sind keinerlei äußeren Bindefehler, Absetzer oder nachträgliches Ausfugen zu erkennen. Ich hab den Rahmen nicht geröntgt, aber er macht einen sehr sauber und solide verarbeiteten Eindruck.
präzise und exakt aufgebrachte Beschriftung, die auch Custommade sein kann (also persönliche Namensschriftzüge), auch oder gerade mit wichtigen Daten wie Kettenlinie, Werkstoff und Festigkeit. Sehr praktisch für Shops, wenn sie was reparieren müssen.
Eyecatcher sind die wunderschönen Hydraulikschlauchaufnahmen. Das Bike ist für die Verwendung mit Hydraulik ausgelegt ! Ich habe mir aus dem optischen Anspruch heraus, den das Bike mitbringt, selbst Bowdenzug-Aufsätze für die Verwendung von V-Brakes gedreht und gefräst, was für den Könner kein Problem sein sollte.
Soviel zur Technik (genauere Angaben findet der geneigte Leser bei den Bergwerkseiten, ich verzichte mal auf Rezitation).
Fahrgefühl : Das hängt natürlich besonders von den verwendeten Komponenten wie Gabel, Räder, Sattelstütze etc. ab. Ich fahre eine RockShox SID 80mm und tune-Laufräder, hier zeigt sich die quirlige Agilität durch den steilen Lenkkopfwinkel, da die Gabel mit 453mm ausgefederter Länge recht kurz ist und dann noch 10mm Negativfederweg mitbringt. Wer eine Reba oder Psylo einbaut, fährt etwas träger, aber wegen des höheren Nachlaufs auch komfortabler.
Beim Antritt hat man das Gefühl, das keinerlei Energie verloren geht, der Rahmen ist selbst bei einem 90kg-Bär wie mir bocksteif und verwindet sich kein bißchen. Jedes Körnchen wird in Vortrieb umgesetzt und man fliegt mit dem Mercury nur so den Berg hinauf.
Downhill wird es wieder anders. Wegen des steilen Lenkwinkels kommt sehr früh ein unangenehmes Überschlagsgefühl auf, obwohl der Schwerpunkt mittig bis leicht nach hinten versetzt liegt. Liegt aber an meiner kurzen Gabel und nicht am Rahmen. Läßt man dem Mercury freien Lauf, flitzt es nur so dahin und zirkelt perfekt durch die Wurzeltrails, ohne selbst viel dazuzutun.
Da der Rahmen aber auch sehr steif ist, kommen die Schläge hart durch, obwohl durch die günstige Ausbildung der Hinterradaufnahme einen Teil der Spitzen durchs Material und die Konstruktion abgenommen werden (Federwirkung). Vielleicht ist das übertrieben gesagt, aber mit meinem Ar*** spüre ich das schon.
Das Mercury ist auf jeden Fall eine Empfehlung wert. Es ist der beste Aluminium-Hardtailrahmen, den man kaufen kann und der für große und schwere Fahrer noch was taugt. Und mal ehrlich - wenn selbst Transalp-Guru Achim Zahn ein Mercury fährt - was kann man da noch verkehrt machen ?
Ich bin auf jeden Fall glücklich mit meinem "Langstreckenjäger".