animal spirits (Taschenbuch) / George Akerlof Testbericht

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Erfahrungsbericht von yopalf

Ökonomie modern

Pro:

neue Ideen, neue Denkwege, lesbar präsentiert

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Animal spirits klingt ja irgendwie ganz fetzig, aber wenn ihr hört, dass es sich um ein Fachbuch zweier Ökonomie-Professoren handelt, von denen einer sogar den Nobelpreis bekommen hat, höre ich euch schon seufzen...

Nun ja, so locker wie der Titel ist das Werk in der Tat nicht, aber für das Thema doch noch recht verständlich geschrieben.

Die Autoren:
George A. Akerlof Professor in Berkeley, Nobelpreis 2001
Robert Shiller Professor in Yale

Obwohl nicht nobelpreisdekoriert war mir bisher nur Shiller bekannt, und zwar als ein kritischer Autor im Umfeld der Finanzkrise, allerdings mit manchmal etwas abgehobenen Ideen.

Das Werk:

Ausgangspunkt ist - nicht sonderlich originell - die aktuelle und immer noch nicht ausgestandene Finanzkrise. Die Autoren stellen einen deutlichen Mangel an vernünftigen Erklärungen zur Krise fest - ich auch...

Aber als Ökonomie-Professoren zäumen sie die Sache systematisch und fachgerecht auf. Weder die Keynesianer noch die Neoklassiker, heute auch gern Neoliberale genannt, haben gute Erklärungs- und Prognosemodelle abgeliefert. Also können die empirischen Daten von der Theorie nicht hergeleitet werden.

Ausgehend von einem persönlichen Erlebnis eines Berufskollegen am Ende einer langen akademischen Karriere stellen die Autoren fest, dass in allen aktuellen makroökonomischen Theorien der Gesichtspunkt der Fairness, der in der praktischen Wirtschaftspolitik eine große Bedeutung hat, völlig vernachlässigt wird.

Die Autoren verallgemeinern diesen Kritikpunkt als Kritik am durchweg unterstellten reinen Rationalverhalten (homo oeconomicus) in allen aktuellen Theorien.

Dann greifen sie auf einen Gedanken von Keynes zurück, dessen Theorie in der Verbalform viel komplexer war und für das tägliche akademische Leben auf eine mathematisierte Version zusammenstrichen wurde. Es ist dies das Konzept der "animal spirits", bei dem es um Sachen wie Bauchgefühl, Vertrauen,Streben nach Fairness und Impulsivität sowie in der Sprache der heutigen Börsenfans um Gier, Angst und Panik geht.

Akerlof und Shiller zeigen an einigen prägnanten Beispielen, wie überraschende empirische Befunde der Ökonomie durch einen Übergang von der Theorie des homo oeconomicus zum Einfluss von animal spirits erklärt werden können.

Zu den überraschenden Erklärungen für ebenso überraschende Thesen gehört u. a. die Erklärung von Arbeitslosigkeit dadurch, dass die Arbeitgeber den Arbeitnehmern einen höheren Lohn zahlen als nach Marktlage nötig, so dass mehr Arbeit angeboten als nachgefragt wird. Diese überraschende These wird durch empirische Daten aus den USA untermauert,

Die weiteren Themen lassen sich aus einigen Kapitelüberschriften ableiten:

Warum unsere Sparentscheidungen willkürlich sind
Warum die Preise an den Finanzmärkten und die privaten Investitionen so stark schwanken
Warum die Immobilienmärkte zyklischen Ausschlägen unterliegen
Warum sich Armut im Kreis von Minderheiten besonders hartnäckig hält

Gewürzt wird das Ganze durch eine heiße Diskussion um die Existenz oder Nichtexistenz der Geldillusion, dh der Frage, ob sich die Wirtschaftssubjekte an nominalen Preisen orientieren oder gedanklich immer die Inflationsrate abziehen.

Die Autoren berufen sich zwar immer zur Erklärung auf die animal spirits, ein Nachweis über ihre Relevanz für den aktuellen Fall wird praktisch nicht mehr geführt, so dass es gegen Schluss etwas gebetsmühlenhaft wirkt. Keynes selbst war von den animal spirits übrigens auch nicht besonders angetan.

Noch eine Leseprobe aus dem empirischen Bereich:

"Wir fragten sie:"Möchten Sie nicht 30% Ihres Einkommens sparen, oder noch mehr?" Angesichts der Tatsache, dass der durchschnittliche US-Amerikaner ziemlich genau 0 % seines persönlichen Einkommens spart, sollte das eigentlich eine wahnwitzige Frage sein. Überraschenderweise bekommen wir aber kaum Reaktionen darauf, und unsere Studenten sind generell der Ansicht, dass eine Sparquote etwa von 30% keine großen Opfer erfordern würde."

Das Ergebnis:

Was liefert uns das Buch:
Ein Erklärung für die Finanzkrise - aber erst hinterher, das behaupten heute viele, nur vorher haben sie nichts geahnt.

Ob man aus der Erklärung heraus die nächste Finanzkrise verhindern kann, weiß ich nicht. Auf jeden Fall erfährt man über viele interessante Thesen und neue Argumentationswege in der Makroökonomie, und das meistens recht verständlich.

Dieser Bericht erscheint unter dowalf bei dooyoo, unter yopalf bei yopi und vielleicht auch noch bei ciao.

33 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Volker111

    12.10.2010, 17:14 Uhr von Volker111, Bewertung: sehr hilfreich

    Schließe mich allen netten Wünschen an. ;-))

  • morla

    05.10.2010, 13:37 Uhr von morla, Bewertung: sehr hilfreich

    lg. ^^^^^^^^^^^^^petra

  • Clematis

    05.10.2010, 12:53 Uhr von Clematis, Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüsse, Talulah

  • Lanch999

    05.10.2010, 11:54 Uhr von Lanch999, Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht! LG von Lanch999 Freu mich auf deine Gegenlesung bei mir. :D