Der Krieg der Knöpfe (gebundene Ausgabe) / Louis Pergaud Testbericht

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Erfahrungsbericht
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Erfahrungsbericht von Hedwig_2010

Ein zeitloser Klassiker

Pro:

Zum Schmunzeln, aber dennoch lehrreich

Kontra:

Nichts

Empfehlung:

Ja

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber mir kommen Kinder heutzutage teilweise entweder überbehütet vor und wo das nicht geht, weil zum Beispiel aus finanziellen Gründen beide Eltern in Vollzeit arbeiten müssen und die Familie in gefährdeten Stadtgebieten wohnt, tauchen auch schnell schwerere Probleme auf, weil sich dann niemand um die Heranwachsenden kümmert. Vielleicht irre ich mich ja, aber ich habe den Eindruck, dass die Erwachsenen uns früher an einer viel längeren "Leine" hatten und dennoch für uns da waren, wenn es darauf ankam. Eventuell trägt ja wirklich auch das Fernsehen einen Großteil Schuld daran, denn als ich Kind war, wurde abends zusammengesessen und eher erzählt. Ab und zu, wenn mal etwas Besonderes in der Glotze kam, schaute die Familie das schon gemeinsam. Doch das war eher die Ausnahme. Das heißt, dass wir Kinder den ganzen Tag eher auf uns selbst angewiesen waren, denn meine Mutter war notgedrungen alleinerziehend und musste arbeiten gehen, aber Oma und Opa waren im Haus. Damals hatte man wohl auch noch nicht solche Angst davor, sich gegenseitig auf die Nerven zu gehen, sondern es war normal, füreinander da zu sein ... allerdings war das Gespür dafür, dem anderen seinen Rückzugsfreiraum ebenfalls zu lassen, auch noch ausgeprägter. So ist jedenfalls mein Eindruck!

Das nachfolgend vorgestellte Buch spielt nun nicht zu Zeiten meiner Generation, aber es ist dennoch manches ähnlich: Schule, Hausaufgaben und danach Spielen ohne Aufsicht, bis man zu einer vorab festgelegten Zeit zuhause sein musste. Da viele Kinder da waren, gab es das Problem vieler heutiger Jugendlicher gar nicht, dass man irgendwo keinen Anschluß zu Gleichaltrigen fand. Unsere Eltern wußten höchstwahrscheinlich nicht hundertprozentig, was wir machten, aber in etwa, wo wir waren. Es gab eben markante Orte wie das Schwimmbad im Sommer, der Jugendtreff zum Abrocken oder der Idiotenhügel im Winter, wo eigentlich so ziemlich alle einfach waren und irgendwie dazu gehörten. Über Sozialkompetenzen machte sich damals einfach niemand Gedanken und der einzige Kindergarten unseres Ortes hatte eher Probleme, überhaupt genügend Kinder angemeldet zu bekommen. Wozu auch? Wir spielten ja eh alle zusammen und die Älteren hatten sowieso den Auftrag, ein Auge auf die Jüngeren zu haben.

Nun ja, die Zeiten haben sich geändert, aber eben nicht alle (oft ungeschriebenen) Regeln und Gesetze im menschlichen Miteinander, so dass es bestimmt dem einen oder anderen, genau wie mir, Freude machen dürfte, den Roman, den ich heute vorstellen möchte, zu lesen. Wer weiß, vielleicht werden bei einigen ja sogar Erinnerungen an ihre eigene Kindheit dadurch wach.

Daher zunächst:




Autor: Louis Emile Vincent Pergaud
Titel: Der Krieg der Knöpfe
Erschienen: 2001
Verlag: Arena
ISBN-10: 3401052306
ISBN-13: 978-3401052304
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 10 - 12 Jahre
Seitenanzahl: 287
Einband: HC
Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 13,2 x 3 cm




Louis Emile Vincent Pergaud wurde am 22. Januar 1882 in Belmont / Frankreich geboren und wuchs in ländlichen Verhältnissen auf. Sein Vater war Lehrer und so erlebte Pergaud als Kind die Auseinandersetzungen zwischen Kirche und Staat (Frankreich war seit 1871 wieder eine Republik) bezüglich der Aufsicht über die Schulen mit. Pergauds Vater stand auf der Seite derer, die sich für eine von der Kirche unabhängige Schule einsetzten, wodurch er gezwungen war, mehrmals in eine andere Stadt umzuziehen.

Pergaud war ein ausgezeichneter Schüler und Student und bestand im Juli 1901 sein Lehrerexamen. Wie sein Vater trat auch er für eine weltlich bestimmte Schule ein. Bereits während seiner Studienzeit veröffentlichte Pergaud Gedichte, wirklich bekannt wurde er als Schriftsteller durch einen Band mit Tiergeschichten, welcher 1910 erschien.

Als der erste Weltkrieg ausbrach, wurde auch Pergaud eingezogen und er gilt seit dem 8. April 1915 als verschollen.
Der Roman "Der Krieg der Knöpfe" erschien 1912. Viele Kindheitserlebnisse, wie zum Beispiel die Kämpfe, die sich Pergaud als Kind im Dorf Nans-sous-Saint-Anne mit den Kindern des Nachbardorfes lieferte, seine ausgedehnten Naturbeobachtungen, aber auch die Geschichten der Erwachsenen, die ihm als Kind und Jugendlicher erzählt wurden, verarbeitet Pergaud in diesem Buch. Der Untertitel "Der Roman meines zwölften Lebensjahres" bezieht sich darauf, dass Pergaud mit zwölf seine Familie verlassen musste, um in einer anderen Stadt eine höhere Schule besuchen zu können. Mit zwölf sieht Pergaud somit seine Kindheit für beendet und deutet seinen Roman als Abschied von dieser schönen Zeit.

(Quelle: veröffentlicht von Janesch Astrid im Rahmen einer Hausarbeit)

Hinweis: Im Nachwort des von mir vorgestellten Buches wird noch viel detaillierter auf das Leben und Werk des Autors eingegangen. Es ist für manche gewiß von Interesse, diese Hintergrundinformationen zu bekommen, wer der Schriftsteller war. Daher erwähne ich dieses ausführliche Nachwort, belasse es selbst aber bei einigen Stationen aus dessen Leben, weil ich finde, das man sich auch so schon ein ganz gutes Bild machen kann und in erster Linie sollte es ja bei einer Buchvorstellung mehr um den Roman selbst gehen. Allerdings gebe ich zu, dass es bei manchen Romanen schon sehr hilfreich ist, zu wissen, aus welchem Umfeld ein Autor kommt. Dazu weiter unten mehr.




Meine Ausgabe des Romans gehört zu den neuaufgelegten Kinderbuch-Klassikern des Arena-Verlages. Mittlerweile ist auch diese sehr schöne Ausgabe schon wieder vergriffen, aber zum Glück kann man den Roman noch als Taschenbuch bekommen.

Zitat Anfang: "Der Name Arena steht seit Verlagsgründung für Wissen und Unterhaltung, für anspruchsvolle, informative, und gleichzeitig auch spannende Kinder- und Jugendliteratur. Als erster Verlag in Deutschland bringt Arena 1958 eine Taschenbuchreihe für Kinder und Jugendliche auf den Markt. 1972 erhält der Verlag den Deutschen Jugendliteraturpreis für Otfried Preußlers »Krabat«, Willi Fährmann erhält den Preis 1981 für »Der lange Weg des Lukas B.«. Es folgen zahlreiche weitere Auszeichnungen und Preise. 1981 entwickelt Arena als erster Verlag ein pädagogisch durchdachtes, mehrstufiges Leselernkonzept, das heute unter dem Namen „Der Bücherbär“ bekannt ist." Zitat Ende

Dieses Zitat habe ich direkt von der Internetseite des Verlages zitiert, weil es eben einfach mal zutrifft und nicht nur ein billiges Werbeversprechen ist. Die Kinderbuchklassiker sowie die neueren verlegten Bücher sind allesamt lesens-und empfehlenswert und der Verlag hat wirklich ein breit gefächertes Angebot, bei dem jeder fündig werden dürfte, der gerne liest oder lesende Kinder und Jugendliche beschenken möchte.

Das von mir vorgestellte Buch hat in der Kinderbuch-Klassikerausführung ein kompaktes, sehr handliches Format mit ungewöhnlich dicken Buchdeckeln. Das Buchcover zeigt bei allen Büchern dieser Reihe ein helles, gesprenkeltes Buchcover mit einem Bild in der oberen Hälfte des Buchdeckels, das auf den Inhalt hinweist. Es zeigt bei diesem Roman einen Jungen, der einen Beutel mit Knöpfen in den Händen hält, während seine Kumpel hinter ihm mit Speeren ausgestattet sind und ganz im Hintergrund ein Junge offensichtlich etwas Größeres baut. Das Bild macht schon neugierig auf den Inhalt des Romans.




Frankreich während des 19. Jahrhunderts: In den beiden benachbarten Dörfern Longeverne und Velrans, die räumlich getrennt sind durch die sogenannte Saute, ein Brachland und eine Art Niemandsland, spielt sich in jedem Jahr das Gleiche ab. Während des Sommers gilt "Waffenstillstand" zwischen den Kindergruppen beider Dörfer, doch mit dem Beginn der Schulzeit genügt ein kleiner Anlaß, um die gegenseitigen Beschimpfungen und Kloppereien wieder aufleben zu lassen, die seit Jahrzehnten en vogue sind.

Der Ursprung der recht kriegerischen Aktivitäten der Kinder liegt schon Generationen zurück. Einst starb eine unbekannte, dahergelaufene Kuh auf der erwähnten Saute und niemand wollte das Tier aus Angst vor der Pest anfassen oder begraben. Die Longeverner wurden allerdings nach einigem Hin und Her per Gerichtsbeschluß dazu verdonnert, das Tier zu begraben. Gleichzeitig wurde ihnen aber auch der Besitz des Gebietes zugesprochen, worüber die Velraner nun wieder nicht gerade begeistert waren. Daraufhin nutzten die Dorfbewohner beider Siedlungen jede Gelegenheit, um den jeweils anderen eins auszuwischen und die Fehde hielt über Generationen hinweg an und nichts deutete auf Versöhnung oder zumindest den Beginn eines friedlichen Nebeneinanders hin.

Eher ist sogar das Gegenteil der Fall: Der Zwist geht unter den Kindern weiter, wird mit Kommentaren der Erwachsenen wie: "War halt schon immer so. Die anderen sind eben schlecht" gegenüber den Kinder gerechtfertigt und diese führen seither ihre eigenen Kleinkriege mit allen Attributen einer richtigen Kriegsführung: es werden militärische Bezeichnungen und "Dienstgrade" vergeben, Kameradschaft und Zusammenhalt innerhalb der jeweiligen Dorfkindergruppe gegen den erklärten Feind wird groß geschrieben und die Kinder legen sich ein regelrechtes Waffenarsenal an. Dass das Ganze keinesfalls tierisch ernst von den Kindern genommen wird, wird schnell klar:

Dieses Jahr genügt nämlich die Beschimpfung als "Weicheier" durch die Velraner, die die Longeverner nicht auf sich sitzen lassen können und nun ihrerseits eine Kriegserklärung abgeben: Lebrac, der "General" der Longeverner, schreibt mit Kreide an die Kirchentür in Velran den provokativen (wenn auch grammatikalisch nicht sehr ausgereiften) Satz: "Ale Vellranner sin Arschlöcher." Das genügt, um die "Kampfhandlungen" auf beiden Seiten mit vollem Einsatz und Begeisterung zu starten.

Zu Beginn werden denen, die man bei den "Gefechten" gefangen nehmen konnte, alle Knöpfe abgeschnitten, die Knopflöcher, Schnürsenkel und Hosenträger zerschnitten. Nach einer gehörigen Tracht Prügel und Schmähungen, die natürlich als Ehrverletzung aufgefasst werden, wird der "Feind" zwar wieder freigelassen, aber durch die gemachte Kriegsbeute dem Zorn des eigentlichen Feindes der Kinder, nämlich der Eltern, des Lehrers und Pfarrers und anderer verhaßter Aufsichtspersonen preisgegeben. Von den Eltern setzt es Prügel, der Lehrer reagiert mit Nachsitzen und verdonnert zu Extra-Hausaufgaben. Kurz: die Wut über eine Niederlage und der Stolz der Kinder, nicht zu unterliegen, wird durch das Verhalten der Erwachsenen nur noch weiter angeheizt. Keiner der Kinder ist aber ernsthaft daran interessiert, den anderen ernsthaft zu schaden oder sie zu verletzen. Denn eigentlich sehen beide Kindergruppen die Lehrer und Erwachsenen allgemein als Hauptgegner an, die ihnen in ihrem Freiheits- und Bewegungsdrang hinderlich sind.

Die daraufhin neu ausbaldowerte Kampfart der Longeverner - völlig nackt, damit die Velraner keine Kriegsbeute machen können und die Erwachsenen nichts mitbekommen – funktioniert aufgrund der kalten Witterungsbedingungen nicht wie gewünscht und wird demzufolge schnell wieder ad acta gelegt. Stattdessen soll nun ein "Kriegsschatz", das heißt ein Vorrat an Knöpfen und ähnlichem, angelegt werden, um die ramponierte Kleidung auszubessern zu können. Ärger mit den Erwachsenen kann keines der Kinder gebrauchen! Die Kinder der Longeverner entwickeln dabei recht viel Kreativität: der Kriegsschatz wird durch Bestehlen der Eltern usw. angelegt, die Freundin des Generals, Marie, wird rekrutiert, um die Näharbeiten zu besorgen, man braucht ein Heerlager, eine Kommandozentrale, einen Schatzmeister und überhaupt einen vor allen anderen geschützten Versammlungsort, wo Niederlagen besprochen und Siege ungestört gefeiert werden können. Liebevoll und mit großer Mühe und Phantasie wird eine entsprechende Hütte fertig gestellt und eingerichtet.

Obwohl dies einerseits dem Zusammenhalt, dem Ideenreichtum und der Kameradschaft dient, gibt es natürlich auch die Schattenseiten des Ganzen. Denn dadurch erhöhen die Kinder allerdings natürlich den ideellen Wert, den es zu verteidigen gilt und es kommt, wie es kommen muss, zur Eskalation. Denn in den eigenen Reihen gibt es einen Verräter, Bacaille, an dem Eifersucht und Neid böse nagen und der mit seiner Rachsucht eine unsichtbare Grenze überschreitet.

Mehr sei hier dem eigenen Leseerlebnis nicht vorweggenommen. Obwohl es bei einer Buch-Rezension keinerlei Vorschriften oder Regeln gibt, finde ich es persönlich doch schöner, wenn zwar eine Analyse stattfindet, aber die Spannung und Vorfreude auf das eigene (Er-)lesen vom Rezensenten nicht überflüssig wird.




Der Roman ist aus der Perspektive eines allwissenden Erzählers geschrieben. Man möchte fast sagen: wie eben damals die gängige Erzählform war. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts beschäftigten sich Menschen überhaupt damit, herauszufinden, auf welche unterschiedlichen Arten und Weisen man schreibend erzählen kann. Das Herumexperimentieren mit Perspektiven kam demzufolge noch später.

Dennoch wird die verwendete Erzählperspektive ja auch heute noch benutzt, allerdings merkt man schon in Details einen Unterschied. Ein Beispiel: Ein guter Erzähler würde heute nicht mehr schreiben, dass jemand herausfordernd oder beleidigt schaut, sondern würde dies den Leser oft selbst herausfinden lassen, durch das, was der Protagonist tut. Z.B. kann sich jemand wegdrehen und daran merkt der Leser, dass er wohl beleidigt ist, was durch Dialog noch unterstrichen wird bzw. vom Leser dadurch verifiziert werden kann. Das macht die Geschichte oft sehr viel lebendiger.

Diese schriftstellerischen Kniffe waren damals noch nicht so en vogue. Dennoch kann man sich die Geschehnisse gut hineinversetzen, da der Autor - zumindest bei mir - Kindheitserinnerungen weckt. Auch ich bin in ländlichen Verhältnissen aufgewachsen und im Geburtsort meines Mannes gab es sogar eine regelrechte Dauer-Fehde zwischen Ober-und Unterdorf. Louis Emile Vincent Pergaud verwendete in seinem Roman teilweise recht derbe Ausdrücke, was im schriftstellerischen Bereich zumindest ein Novum war, die Realität allerdings authentischer wieder gibt. Wenn sich Jugendgruppen streiten, gehen sie in Punkto sprachlichem Ausdruck schließlich auch nicht gerade zimperlich miteinander um. Vor der Veröffentlichung seines Romans soll Pergaud dennoch gezweifelt haben, ob das Buch so überhaupt veröffentlicht werden könnte. Na ja, da wird eventuell die Lehrerseele durchgebrochen sein, von wegen Vorbildfunktion ausüben müssen oder so.

Zum Glück für uns Leser hat er sich ja dann doch entschlossen, seinen Roman so heraus zu bringen, wie er gedacht war und keine schüchtern geschönte und verbrämte, gekünstelte Fassung veröffentlicht. Das ist gewiß ein weiterer Grund, warum der Roman heute noch auch junge Leser ansprechen kann, denn ob auf dem Dorf oder auch in Großstädten...verfeindete Jugendgruppen kann es überall geben, auch wenn sich ihre Bezeichnung im Laufe der Zeit eventuell geändert hat.




Was für eine Idee! Wenn man als Erwachsener über die Wahnwitzigkeit von Kriegen nachdenkt, fällt mir oft der Spruch ein:"Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!" Oder man stelle sich vor, alle Mütter würden ihre Männer und Jungen einsperren, so dass sie nicht an Kriegen teilnehmen könnten. Auf die Idee, völlig nackt in den Krieg zu ziehen, muss man auch erstmal kommen. Das hätte so manchen Feldzug gewiß stark verkürzt...*g*...Die Jungs aus dem Roman machten diese Erfahrung ja auch recht schnell. Mit den abgeschnittenen Knöpfen, Bändern und Schlaufen wird in das Gerangel der verfeindeten Dorfjungen allerdings schon ein nicht unerheblicher monetärer Wert geschaffen, der - so man denn unterliegt - auch den Erwachsenen auffällt.

Bezeichnend ist allerdings deren Reaktion und das Resumee der Kinder daraus. Die Erwachsenen versuchen nicht etwa, die Kabbeleien der Kinder zu beenden und Frieden zu schlichten, sondern es hagelt Strafen und Prügel und zwar hüben wie drüben. Eine Reaktion, die nicht nur früher zu Lebzeiten des Autors üblich war. Auch heute noch erfolgt von Erwachsenen oft viel zu schnell ein allgemeiner Rundumschlag, in der Hoffnung, dann wieder Ruhe zu haben, anstatt die Probleme und Zwistigkeiten von Kindern ernst zu nehmen. Der Effekt bei den Kindern dürfte auch heute noch der Gleiche sein, wie damals: es wird kurzzeitig zusammengehalten, nur, um bei der geringsten Kleinigkeit wieder als Klopperei zu entbrennen.

Bezeichnend auch die aufgezeigte Gruppendynamik: Fehlverhalten einzelner wird gerne geahndet, wenn die Person außerhalb der eigenen Gruppe steht und als legitim heruntergespielt, wenn das eigene Gruppenmitglied zu genau demselben Verhalten greift, um die eigene Gruppe zu schützen. Ungeschriebene Regeln und Gesetze in bezug auf Gruppenverhalten lernen Kinder schon früh beim Beobachten der Erwachsenen, ahmen es unwillkürlich nach und hinterfragen es im Laufe der Jahre dann immer seltener. An realen Kriegsschauplätzen auf der Welt ist dies auch bestens zu sehen und erklärt festzementierte Feindbilder und Fronten.

Der Verrat des Jungen Bacaille hat allerdings für alle Beteiligten ein ungleich schwereres Gewicht und ist durch die Folgen seines Tuns nicht mehr entschuldbar. DA wird es wirklich ernst für alle, denn er überschreitet eine moralisch tolerierbare Grenze und schadet damit allen und letztendlich sich selbst.

Mit seinem Roman erklärt der Autor auf gut verständliche, aber lockere und humorvolle Art, wie aus harmlosen Auseinandersetzungen Krieg entstehen kann und warum es wohl nie aufhören wird, Kriege zu geben, solange es Menschen gibt. Eine unterhaltsame, pädagogisch wertvolle Lektüre und ein Klassiker, den man zum Lesen und Nachdenken nur empfehlen kann. Ich würde dieses Buch jedem ans Herz legen und besonders als etwas zeitgemäßere Lektüre Schulen empfehlen. Nichts gegen die Klassiker im Deutschunterricht, aber Lernen ist sehr viel effektiver, wenn man dabei schmunzeln kann und sich selbst zumindest teilweise in gelesenen Geschichten sogar auch mal wiederfindet, denke ich mal.

Herzlichen Dank für das Lesen und Bewerten meines Berichts

Hedwig_2010

71 Bewertungen, 19 Kommentare

  • sigrid9979

    04.11.2012, 11:01 Uhr von sigrid9979, Bewertung: besonders wertvoll

    Einen schönen Sonntag wünscht Sigi

  • Lenni26

    13.08.2012, 00:22 Uhr von Lenni26, Bewertung: besonders wertvoll

    sehr gut vorgestellt...bw...LG

  • Marslight

    17.07.2012, 02:11 Uhr von Marslight , Bewertung: besonders wertvoll

    Liebe Grüße *****

  • Baby1

    08.07.2012, 11:26 Uhr von Baby1, Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • debbi87

    05.07.2012, 18:42 Uhr von debbi87, Bewertung: besonders wertvoll

    ... Liebe Grüße .. debbi!

  • ClaraFall

    04.07.2012, 01:25 Uhr von ClaraFall, Bewertung: besonders wertvoll

    bw auch von mir. lg. clara

  • sammelmeilen

    02.07.2012, 10:48 Uhr von sammelmeilen, Bewertung: besonders wertvoll

    bw & lg sendet Antje

  • Lakisha_1

    01.07.2012, 18:27 Uhr von Lakisha_1, Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Leute, rafft euch doch mal auf zum Gegenlesen, es ist wirklich schade das hier so wenig Wert drauf legen.

  • Lucky130

    01.07.2012, 08:31 Uhr von Lucky130, Bewertung: besonders wertvoll

    Wie versprochen wird heute auf "BESONDERS WERTVOLL" umbewertet!!!

  • XXLALF

    29.06.2012, 09:57 Uhr von XXLALF, Bewertung: besonders wertvoll

    ...und einen wunderschönen tag

  • quacky

    28.06.2012, 15:05 Uhr von quacky, Bewertung: besonders wertvoll

    BW und LG

  • Summertime_1981

    27.06.2012, 22:06 Uhr von Summertime_1981, Bewertung: besonders wertvoll

    Super vorgestellt. Würde mich riesig freuen, wenn du auch bei mir rein schaust. GLG

  • morla

    27.06.2012, 20:02 Uhr von morla, Bewertung: besonders wertvoll

    lg. ^^^^^^^^^^^^^petra

  • uhlig_simone@t-online.de

    27.06.2012, 17:32 Uhr von uhlig_simone@t-online.de, Bewertung: sehr hilfreich

    BWs leider alle, LG Simone

  • Lale

    27.06.2012, 15:34 Uhr von Lale, Bewertung: besonders wertvoll

    Allerbesten Gruß *+*

  • atrachte

    27.06.2012, 15:08 Uhr von atrachte, Bewertung: sehr hilfreich

    sh. lg

  • Gute_Fee_2012

    27.06.2012, 15:07 Uhr von Gute_Fee_2012, Bewertung: sehr hilfreich

    Du bekommst heute für deinen Bericht mein letztes *bw* Sehr toller und ausführlicher Bericht*** LG, Nicole

  • katjafranke

    27.06.2012, 15:02 Uhr von katjafranke, Bewertung: besonders wertvoll

    Katja schickt liebe Grüße

  • goat

    27.06.2012, 14:44 Uhr von goat, Bewertung: besonders wertvoll

    Du bringst es wie immer auf den Punkt. Was Du über die Kinder von heute sagst, stimmt zu 100%. Die Zeiten haben sich dahingehend nicht zum Positiven geändert. BW von mir.