Kurzgeschichten Testberichte
Auf yopi.de gelistet seit 10/2003
Tests und Erfahrungsberichte
-
Freund = Freund?!? - Teil 1
5Pro:
wisst ihr ja jetzt
Kontra:
wisst ihr ja jetzt
Empfehlung:
Nein
Nun möchte ich mal eine meiner Kurzgeschichten veröffentlichen! Ich habe sie vor ca. einem Jahr für den Religionsunterricht geschrieben und denke, dass ich sie doch eigentlich in mehreren Abschnitten hier posten kann. *g*
---<// Hinweis >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Alle Namen habe ich mir ausgedacht!! Sollte jeamd, der so heißt, etwas ähnliches zugestoßen sein, so ist das reiner Zufall!!!!
---<// 1. Teil >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~
„Ja, danke. Chau!“ Caroline hatte Besuch von ihrer besten Freundin Bianca bekommen. Caroline war 14 Jahre alt und ging in die achte Klasse. Bianca war schon in der Grundschule in ihrer Klasse und sie waren von Anfang an gute Freundinnen, die die schlechtesten zeiten zusammen gemeistert hatten. Sie verabredeten sich zwei bis drei mal in der Woche um dann shoppen zu gehen. Auch heute waren sie wieder in der Stadt und Caroline hatte sich ein paar neue Schuhe gekauft. Jetzt ist es acht Uhr abends und sie macht ihre Hausaufgaben.
Wie jden Morgen holt sie Bianca ab und sie gehen gemeinsam zur Bushaltestelle. Auch sonst war alles normal. Mittags nach der Schule ging Caroline zur Bushaltestelle um dann mit dem Bus nach Hause zu fahren, doch Bianca war nicht da! Caroline dachte sich: „Na, die wird schon noch kommen.“ Als der Bus kam, war Bianca immer noch nicht da. Heute war es ein junger Busfahrer, den Caroline noch nie gesehen hatte. Sie musste stehen, da sie heute zu langsam gewesen war, um einen Sitzplatz zu bekommen. Der Busfahrer fuhr sehr schnell, schneller als sonst die anderen. Und dann schrien auf einmal alle und es schepperte und es krachte und sie flog, stürzte, stieß an etwas und ... alles war schwarz vor ihren Augen!
Da, da rief jemand, dessen Stimme ihr bekannt vor kam, ihren Namen. Sie öffnete langsam ihre Augen und sie sah – ihre Mutter – und ihren Vater und ihren kleinen Bruder Max. Sie lag in einem Bett, doch es war nicht ihr Bett, das fühlte sie sofort. Und es war auch nicht ihr Zimmer, in dem sie, ihre Mutter, ihr Vater und Max waren. Die Tür ging auf und es kam eine junge Frau herein, auch sie war ihr noch nicht begegnet. Die Frau fragte: „Ist sie aufgewacht?“, und kam ans Bett. Jetzt begriff es Caroline, sie war im Krankenhaus und sie hatte ihren rechten Arm und ihr linkes Bein in Gips. Um ihren Kopf hatte sie einen dicken Verband, ihr rechter Fuß war in einer Schiene. Ihren Kopf konnte sie nicht bewegen, da auch ihr Hals in einer festen Schiene saß.
„Wie geht es dir, Caroline?“, fragte die Krankenschwester, die Silvia hieß. Caroline versuchte zu antworten, doch sie brachte keinen Ton heraus; sie versuchte es immer wieder, doch es wollte kein Ton über ihre Lippen kommen! Da kam der Arzt herein und sagte, dass alles wieder gut wird und die Wunden bis auf kleine Narben verheilen werden. Das beruhigte Caroline etwas, aber sie wollte wissen, wie es zu diesem Unfall gekommen war und das versuchte sie mit Zeichen den anderen deutlich zu machen. Der erste, der ihre Zeichen verstand, war Max. Er ’dolmetschte’ für sie. Ihr Vater fing dann an zu erzählen... Um acht Uhr gingen ihre Eltern und ihr Bruder nach Hause. Kurz darauf schlief sie auch schon ein.
Am nächsten Morgen wurde sie um sieben Uhr geweckt und wartete auf das Frühstück. Als um halb zehn immer noch kein Frühstück geklommen war, rief sie Silvia. Ihr versuchte sie das Problem klar zu machen, denn sie konnte immer noch nicht reden. Silvia erklärte ihr, dass sie ihre Mahlzeiten über den Schlauch, der in ihrer linken Hand saß, bekommt. Das beruhigte Caroline. Gegen Mittag kam der Arzt, Silvia und eine andere Schwester. Der Arzt sagte ihr, dass sie wahrscheinlich nur noch im Rollstuhl sitzen muss. Sie war darüber nicht gerade erfreut.
Nachmittags kam dann Bianca vorbei und brachte ihr die Hausaufgaben. Bianca erklärte Caroline, dass sie gestern nicht zur Burshaltestelle kommen konnte, da sie noch einmal in die Stadt musste. Dann fragte, fragte und fragte sie und Caroline versuchte jede Frage mit Zeichen zu beantworten. Am Abend kamen dann ihre Eltern mit Max und blieben wieder bis acht Uhr. So ging es einige Tage lang...
Fortsätzung folgt...
PS: Die Bewertung bezieht sich auf die Kurzgeschichte! *gg*
thx fürs Lesen
© 2003 by Torbjörn Klatt aka maurenbrecher
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-07-10 18:11:00 mit dem Titel Freund = Freund?!? - Teil 2
---<// 2. Teil >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~
Eines Tages, Caroline hatte wieder Sprechen gelernt, sagte der Arzt, dass sie heute ihren Verband am Kopf abbekommen würde und dass sie wieder normal essen kann. Sie freute sich sehr und fragte gleich, wann sie denn den Gips abkriegt. Dazu konnte er jedoch noch nichts sagen. Diese tolle Nachricht konnte sie nicht länger für sich behalten, deshalb rief sie gleich zu Hause an und erzählte es ihrer Mutter. Als Bianca Nachmittags zu Besuch kam, sah sie sofort, dass der Verband ab war. Sie freute sich mit Caroline, dass es ihr wieder besser ging. Sie redeten viele Stunden miteinander, bis um sechs Uhr, als Carolines Eltern kamen. Es verging so Tag für Tag und Caroline verspürte trotzdem keine Langeweile.
Doch eines Tages kam Bianca nicht und den folgenden auch nicht und den darauf folgenden wieder nicht. Caroline ärgerte sich sehr und rief dann bei Bianca an. Dort nahm keiner ab, nur der Anrufbeantworter und auf den wollte sie nicht sprechen, sie wartet dann lieber eine Weile und spricht dann mit ihr persönlich. Doch sooft sie es auch versuchte, es nahm und nahm keiner ab. Als dann ihre Eltern kamen, erzählte sie ihnen das. Sie konnten es sich auch nicht erklären und versprachen, sich darum zu kümmern. Sobald sie etwas von Bianca hören sollten, wollten sie es Caroline sagen.
Am nächsten Tag kam Bianca wieder nicht. Caroline war richtig böse auf sie. Ihre Mutter sagte ihr dann abends, dass sie Bianca heute Nachmittag in der Stadt gesehen hatte. Mit anderen Jugendlichen, die sie schon öfters im Stadtpark gesehen hat. Caroline wollte diese Jugendlichen genauer beschrieben haben. Als die Mutter fertig war, war Caroline sehr traurig und noch wütender auf Bianca und sie rief: „Mensch Bianca, mit welchen Chaoten lässt du dich da ein!!!“ Sofort kam Silvia und fragte: „Was ist denn los, ist alles in Ordnung?“ Caroline sagte nur: „Ich bin wütend.“ Silvia ging wieder. Ihre Eltern blieben noch ein wenig, dann gingen auch sie. In dieser Nacht konnte Caroline nicht gut schlafen. Sie dachte immer wieder über Bianca nach.
Am nächsten Tag war Caroline sehr, sehr müde und schlecht drauf. Das merkte Silvia und fragte sie darauf hin: „Hey, Caroline. Was ist los? Warum guckst du so traurig? Kann ich dir irgendwie helfen?“ Und dann erzählte Caroline über Bianca. „Ich kann dich ganz gut verstehen“, sagte Silvia, als Caroline fertig war zu erzählen, „So etwas habe ich auch schon einmal erlebt. Wenn du willst, erzähle ich dir die Geschichte.“ „Ja, gerne,“ sagte Caroline, „aber ich bin sehr müde, also, es ist nichts gegen dich, wenn ich einnicke.“ Und Silvia fing an...
„Du hast recht, wenn ich Bianca das nächste mal sehe, werde ich mit ihr darüber sprechen und, wenn sie es bereut, ihr verzeihen. Ansonsten werde ich ihr deine Geschichte erzählen und hoffen, dass sie sie versteht. Ich glaube, du hast mir geholfen andere Menschen zu verstehen. Vielen Dank!“, sagte Caroline, als Silvia zu Ende erzählt hatte. Kurz darauf kamen dann auch ihre Eltern und waren froh, dass Caroline wieder fröhlich war.
Die nächsten Tage und Wochen vergingen und vergingen, aber viel zu langsam. Caroline hatte immer mehr Langeweile, selbst ihre Eltern und Silvia konnten keine neuen Beschäftigungen, die sie noch nicht ausprobiert hat, finden. Caroline konnte ja nicht nur schlafen und fernsehen oder malen, ganz davon zu schweigen, dass sich Caroline über ihre Bilder überhaupt nicht freut, da sie ja nur mit links malen kann. Sie sagte immer dann, wenn sie ein neues Bild gemalt hat: „Silvia schmeiße bitte meine Bilder alte weg oder verbrenne sie! Jedenfalls nicht aufhängen, ich möchte mich nicht blamieren.“ Silvia versucht Caroline es immer wieder klar zu machen, dass sie nichts dafür kann, dass ihre Bilder so krackelig aussehen. Caroline will jedoch nichts wissen. Sie ist total deprimiert.
Dann, eines Tages bei der Visite, sagt der Arzt: „Caroline, morgen wird dein Gips abkommen. Aber vergiß nicht, du wirst wahrscheinlich nicht mehr laufen können, nur noch im Rollstuhl sitzen.“ Caroline war einerseits froh, dass sie den Gips nun endlich abbekommen würde, anderseits jedoch traurig, dass sie nicht mehr laufen kann. Es vergingen noch einige Tage, doch dann...
„Jippy!!! Endlich!!! Ich hab's geschafft!!!“, sie ist außer sich als sie erfährt, dass sie nun entlassen wird.
„Hi, Mum!! Ich werde morgen entlassen!!“, ruft sie, als ihre Eltern abends zu Besuch kommen, Morgen abend kann ich endlich wieder in meinem eigenen Bett schlafen. Es gibt bloß ein Problem. Wie soll ich mit dem Rollstuhl in die erste Etage kommen?“
„Wieso Problem?“, sagte ihr Vater, „Wir haben dein Zimmer mit dem Büro getauscht. Wie findest du das?“
„Oh man, das ist cool. Ich wollte schon immer das Zimmer haben. Und was ist mit dem Badezimmer? Wie soll ich mich jetzt duschen oder baden?“
„Wir haben schon eine behindertenfreundliche Dusche und einen Stuhl, der in die Badewanne gestellt wird, bestellt.“
„Ich habe dir viele Bilder gemalt und Mama hat sie dann in dein neues Zimmer gehängt“, wollte Max sich am Gespräch beteiligen. „Man, was habe ich für eine nette Familie“, schwärmte Caroline und gab allen ein Küßchen.
Fortsätzung folgt...
thx fürs Lesen
© 2003 by Torbjörn Klatt alias maurenbrecher
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-07-12 09:52:12 mit dem Titel Freund = Freund?!? - Teil 4
---<// 4. Teil >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~
Am nächsten Tag muss Caroline noch nicht in die Schule.
„Mama, heute muss ich in die Stadt. Ich muss noch ein Geschenk für Silvia kaufen.“
„Ja OK, Heute vormittag muss ich noch Hausarbeiten erledigen, wir können dann heute nachmittag in die Stadt fahren.“
„Kann ich mitkommen?“, fragte Max, der genüßlich sein Müsli aß.
„Wenn du dich nicht verabreden willst, gerne“, antwortete die Mutter
„Soll ich dir bei den Hausarbeiten helfen?“, fragte Caroline ihre Mutter.
„Nein, nein, lass mal sein. Das schaffe ich schon alleine.“
Der Vater wurde heute von einem Arbeitskollegen mitgenommen, sodass ihnen das Auto zu Verfügung stand.
„Lasst uns zuerst zum Buchhandel. Ich weiß was Silvia gerne ließt“, sagte Caroline als sie in der Stadt waren.
„Man, was war ich lange nicht mehr in der Stadt“, sagte Caroline als sie auf dem Marktplatz kamen.
„Ja, das ist es was ich suchte“, sie hatte ein Buch gefunden, was Silvia garantiert gefallen würde.
„Ja dann gib mal her, ich bezahle es, oder willst du noch weiter gucken?“
„Nein, nein. Das will ich bezahlen, oder hat Silvia etwa dir geholfen?“, entgegnete Caroline ihrer Mutter entschlossen.
„Mami, bekomme ich ein Teilchen?“, fragte Max, als sie wieder auf dem Marktplatz standen.
„Ja, möchtest du auch eines Caroline?“
„Ja gerne, ich muss so vieles nachholen!“
„Mhmm.... ist das lecker!“, sagte Caroline als sie in das Joghurtplätzchen biss. Oh, verdammt. Kaum esse ich mal wieder ein Plätzchen, schon kleckere ich. Und dann auch noch auf meinen Lieblingspulli.“
„Das ist nicht schlimm. Wozu gibt es denn Waschmaschinen?!“, beruhigte sie die Mutter.
„Caroline, ist das da vorne nicht Bianca?“, sagte Max auf einmal.
„Ja, du hast recht. Das ist Bianca“, bestätigte sie.
„Das sind auch die, mit denen ich Bianca das letzte Mal in der Stadt gesehen habe“, sagte ihre Mutter. Als sie an Bianca und den anderen Jugendlichen vorbeikamen kicherten diese und glotzten Caroline an. Caroline war schlagartig traurig und dachte sich: „Na warte Bianca, mit dir werde ich noch sprechen.“
Als Caroline eine Woche später wieder in die Schule kam, musste sie Unmengen an Fragen beantworten und in den Stunden musste sie jedem Lehrer ihre Geschichte erzählen. Die einzige die keine Fragen stellte oder mit ihr sprach war Bianca. Das fiel Caroline auf und in einer Pause fuhr sie dann zu ihr hin und fragte sie, was denn mit ihr los sei, warum sie nicht mehr ins Krankenhaus gekommen war und warum sie, als sie sich in der Stadt begegnet waren, so dumm geglotzt und gekichert habe. Bianca hob bloß ihre Schultern.
„Hey Bianca, sollen wir uns mal wieder verabreden, um dann in Ruhe miteinander sprechen zu können?“
„Na gut, wenn du unbedingt möchtest. Am besten ist es morgen“, sagte Bianca endlich.
„Das geht prima. Willst du zu mir oder soll ich zu dir kommen?“
„Komm du ruhig zu mir.“
„Morgen gehe ich zu Bianca, wir wollen dann in Ruhe miteinander sprechen“, sagte Caroline abends, vor dem Fernseher, ihren Eltern.
Der nächste Schultag verging dann ziemlich normal. Um drei fuhr Caroline dann zu Bianca, die ja nur ein paar Häuser weiter wohnt.
„Hi, Caroline“, sagte Bianca als sie ihr die Tür öffnete, „wo sollen wir uns hinsetzen?“
„Lasst uns ins Wohnzimmer gehen. Ich denke, dass wir da ungestört reden können“. Dann fing Caroline an Fragen zu stellen...
„Du hast recht, Caroline, ich war echt fies zu dir. Verzeihst du mir? Bitte. Ich verspreche dir, so etwas nie wieder zu tun.“
„Klar verzeihe ich dir, du bist doch meine beste Freundin, oder etwa nicht?“
„Danke. Eigentlich schon und Freunde, die sich nicht zanken, sind keine richtigen Freunde, oder?“
„Genau!“
„Man, was war ich blöde!!“ Und Bianca umarmt Caroline so, als hätten sie sich nie gestritten.
~~~~~~~~~~~~~~~~~
---<// ENDE >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~~
---<// Fazit >>---
~~~~~~~~~~~~~~~~
Ich denke mal, dass man gemerkt hat, dass es eine rein fiktive Geschite ist und die Fantasie doch mit mir durchgegangen ist! (Thema der Religionsunterrichtseinheit: Behinderte in unserer Gesellschaft!)
Die Bewertung bezieht sich nun doch eigentlich auf die Freundschaft und wie wichtig doch gute Freunde sind, die wirklich in jeder Situation zusammenhalten können!! Das war auch der eigentliche Sinn, warum ich diese Geschichte geschrieben habe!
Wie immer bin ich über Anregungen und konstruktieve Kritik sehr erfreut!! (und nicht einfach bewerten und fertig! Oder überhaupt nicht bewerten!!!! Wer liest wird schließlich auch ne Meinung haben!)
thx fürs Lesen
© 2003 by maurenbrecher weiterlesen schließen -
Die halbvolle Flasche
Pro:
müsst ihr selbst entscheiden
Kontra:
dito
Empfehlung:
Nein
Heute bin ich auf die Seite mit den Kurzgeschichten gestossen. Da ich es hier sehr interessant finde, möchte ich auch einen Beitrag leisten.
Die folgende Kurzgeschichte hab ich selbst geschrieben; der erste Satz ist geklaut, dann hab ich weitergeschrieben.
Die Interpretation will ich jedem selber überlassen. Wer dennoch was von mir wissen möchte, darf mich natürlich sehr gern fragen!
Meine Gründe zur Empfehlung und Bewertung: Alkoholismus ist für Nicht-Trinker ein Thema, dass viele nicht verstehen. Die Geschichte soll auf das Thema aufmerksam machen und die Situation aus der Sicht eines Betroffenen zeigen...
Naja entscheidet selbst!
DIE HALBVOLLE FLASCHE stand rechts von der Schreibmaschine und daneben das schwere Trinkglas; die grünbeschirmte Hängelampe schwang hin und her im Luftzug vom Fenster über seinem Kopf. Er seufzte und erhob sich schwerfällig; ging langsam durch den Raum, immer wieder anhaltend, etwas in die Hand nehmend, nur um es nach kurzem Betrachten wieder zurückzulegen und sich einem anderen Gegenstand zuzuwenden. Abwesend strich er über den Fensterflügel. Er lehnte den Kopf an die kühle, wegen der Wärme im Zimmer leicht beschlagene Scheibe und starrte in die Dunkelheit hinaus. Er fühlte sich elend. Er ärgerte sich über sich selbst, verzweifelt über den miesen Feigling in ihm drin, den er so gerne besiegt hätte.
Es konnte doch nicht so schwer sein. Er brauchte bloß zu warten, bis sie von der Arbeit nach Hause kam. Endlich alles erzählen, ihr die Wahrheit sagen. Endlich nicht mehr ständig neue Lügen erfinden müssen, sie mal wieder in den Arm nehmen können ohne ein schlechtes Gewissen zu bekommen.
Er wandte sich wieder seiner Schreibmaschine zu. „Meine allerliebste Anna!“ Er stockte. Wenn er doch nur nicht so eine unbeholfene Art hätte, sich auszudrücken. Er konnte nicht sagen, was er fühlte, aber noch weniger konnte er es schreiben. Er zerknüllte das Blatt und warf es in eine Ecke. Wenn sie die vielen Papierknäuel sähe, würde sie ihn anlächeln und mit sanfter Stimme sagen: „Das ist Papierverschwendung.“ Er sah ihr Gesicht so deutlich vor sich, wie wenn sie vor ihm stünde. Er wollte ihr über die Wange streichen und ihr einen Kuss auf die Nase geben, wollte ihre Haare anfassen und sie lachen hören.
Aber sie war nicht da.
Er füllte sein Glas und trank es in einem Zug leer. Warum? Warum war er nur so blöd gewesen? Ausgerechnet an diesem einen Abend, als seine Frau nicht da war, weil sie einer Freundin beistehen wollte, musste er seinen alten Kumpel treffen. Zusammen trank man schnell ein bisschen mehr; bei ihnen war es viel mehr geworden.
Und wenn er es ihr doch erzählen würde? Das wäre immer noch besser als einfach zu verschwinden. Er konnte sagen, der Alkohol sei Schuld gewesen. Und dass sie ihn verführt hätte, seine Einwände nicht beachtend, ihn einfach mit sich gezogen hätte. Er konnte alles auf sie schieben und seiner Frau immer wieder schwören, es hätte ihm nichts bedeutet. Die folgenden Treffen verschweigen.
Anna. Wie sie wohl reagieren würde? Wütend? Ja, bestimmt. Sie wäre enttäuscht und verletzt und wütend. Würde sie ihm verzeihen? Irgendwann wieder Vertrauen zu ihm fassen?
Nein, nein. Er konnte das alles nicht. Er konnte nicht zusehen, wie sich ihre Augen vor Schreck weiten würden. Er konnte es ihr nicht sagen. Er war ein Feigling.
Er trank noch ein Glas und dann noch eines. Feigling, Feigling, Feigling, hämmerte es in seinem Kopf. Er hob die Flasche an die Lippen und trank sie leer. Dann starrte er auf das leere Blatt Papier, das in der Schreibmaschine steckte und darauf wartete, beschrieben zu werden. Er wankte in die Küche und holte sich noch eine Flasche. Öffnete sie und trank. Schließlich kritzelte er einige Zeilen auf einen Papierfetzen und legte ihn auf die Treppe. Sie würde ihn sehen, wenn sie kam. Er nahm seine Jacke und hob die Tasche hoch. Warf noch einen letzten, getrübten Blick auf das Durcheinander in der Wohnung, trank die Flasche aus und ging.
Danke dass ihr euch die Zeit genommen habt!
yopi, ciao & dooyoo: Siana
Copyright by me weiterlesen schließen -
Traum oder Wahrheit
Pro:
es kann nichts mehr passieren
Kontra:
es kann nichts mehr passieren
Empfehlung:
Nein
Sally und Steven waren schon den ganzen Tag unterwegs gewesen. Sie hatten ihren Urlaub genutzt, die Gegend zu erforschen in die sie erst vor kurzem gezogen waren. Jetzt am frühen Abend waren sie hungrig und auf der Suche nach dem berühmten Landgasthaus, in welchem man angeblich die besten Spezialitäten zu einem sehr günstigen Preis bekommen sollte. Aber irgendwie waren sie vom Weg abgekommen.
Plötzlich schrie Sally auf. Steven hatte das Lenkrad ganz plötzlich herum gerissen und der Wagen war ins Schleudern geraten. Es war auf einmal auch ganz dunkel und als Sally sich beruhigt hatte, konnte sie ein kleines Mädchen mit ganz starrem Blick auf das Auto erkennen. Obwohl es mittlerweile regnete, war kein einziger Regentropfen auf dem Mädchen zu sehen. Es war, als würde der Regen einen großen Bogen um es machen.
Das Mädchen kam näher und Sally klammerte sich leichenblass an Steven fest. "Lucy, Lucy - das ist meine kleine Lucy", stammelte sie. "Jetzt beruhige Dich doch", meinte Steven, der selber wie Espenlaub zitterte. "Das kann doch gar nicht sein. Als Lucy von den Außerirdischen entführt wurde, war sie doch erst drei Jahre alt und es war über 500 Meilen von hier entfernt. Dieses Mädchen ist aber mindestens zehn Jahre alt." "Aber es ist doch auch sieben Jahre her, seit meine Schwester verschwunden ist", rechnete Sally nach.
Je näher das kleine Mädchen kam, um so mehr schien sich der Himmel zu verdunkeln. Fast so, damit das Licht, welches das kleine Mädchen umgab, besser zur Geltung kommen konnte. Sally stand kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Es war einfach zuviel im letzten Jahr passiert. Zuerst der Autounfall, bei dem ihre geliebten Eltern ums Leben kamen und dann die Fehlgeburt. Und jetzt, .....
Jetzt stand da im totalen Dunkeln und Regen ein Mädchen, dass aussah wie die kleine Lucy!
Ohne nach rechts oder links zu schauen, völlig unbeeindruckt von der seltsamen Stimmung, ging das Mädchen auf Sally zu und tippte ihr mit dem Finger auf deren Herz. Zuerst wollte Sally davon laufen. Aber irgendetwas hielt sie davon ab. Letztendlich ließ sie es doch zu und eine wohltuende Wärme umgab Sally, so dass sie das Gefühl hatte, als würde sie schweben. Ja, sie wollte schweben. Leicht und ohne Sorgen dahinfliegen in dem Bewusstsein, keine Probleme mehr zu haben. "Nimm mich mit Lucy, nimm mich mit in das ferne Land ohne Sorgen", wimmerte sie. "Ich bin bereit, die Erde zu verlassen!"
NEIN, nein bitte verlasse mich nicht", schrie Steven total verzweifelt. "Wie soll ich denn ohne Dich leben?" "Wie soll unser Kind ohne Dich leben?" Total fertig schlug er um sich, nicht darauf achtend, was und wen er alles traf. Kurz darauf hielten ihn zwei starke Hände fest.
"Geben Sie ihm eine Beruhigungsspritze, Schwester Nancy", ordnete Doktor Holyway an. "Und dann bringen Sie ihn in den Schwesternraum und sorgen bitte dafür, dass immer eine Schwester um ihn herum ist." "Sobald wir mehr über den Zustand seiner Frau sagen können, informiere ich Sie."
Doktor Holyway wandte sich wieder seiner Patientin, Sally Walker zu. Ein Autounfall auf gerader Strecke, ohne Erklärung. Es gab nur äußere Verletzungen. Aus unbekanntem Grund war Sally immer noch bewusstlos und Sally war hochschwanger. Eine Untersuchung hatte ergeben, dass dem Kind nichts passiert war und im Prinzip stand Sally kurz vor der Entbindung. "Komm Mädchen, wach auf und stehe es durch! Dein Mann braucht Dich, und auch Dein kleines Baby wird Dich brauchen."
"Doktor, bitte Doktor, ich möchte helfen!" Steven war wieder aufgetaucht. "Verdammt noch mal, Schwester! Warum ist er nicht im Schwesternzimmer?" "Tut mir leid Doktor, ich konnte ihn nicht aufhalten." "Bitte Dokotor Holyway, ich bin jetzt ganz ruhig und ich habe eine Idee. Ich würde ihr gerne auf der Gitarre vorspielen und dazu singen. Vielleicht wacht sie ja dadurch auf." Scheinbar hatte er diesen Vorschlag auch schon Schwester Nancy gemacht, denn sie hatte bereits eine Gitarre in der Hand. "Bitte Doktor, es ist doch zumindest einen Versuch wert."
Doktor Holyway gab nach. Im Grunde genommen war er ja auch um jede Hilfe dankbar. Er hatte noch nie eine Patientin gehabt, die grundlos bewusstlos war. "In Ordnung, ich gebe Ihnen 15 Minuten. Ich lasse sie alleine, wenn Sie irgend etwas bemerken, dann drücken Sie sofort diese Taste." "Vielen Dank", murmelte Steven.
Als er mit Sally alleine im Zimmer war, begann Steven auf der Gitarre zu spielen und leise Sallys Lieblingslied zu singen. Er war total in seinem Spiel versunken. So merkte er nicht, dass es im Zimmer immer dunkler wurde und nur Sally von einem hellen Licht umgeben war. Er wurde sehr müde und schlief ein.
"Nimm mich mit, nimm mich mit Lucy", wimmerte Sally noch immer. "Das kann ich nicht, große Schwester. Dein kleines Mädchen wird bald da sein und Dich brauchen. Auch Steven kann nicht ohne Dich leben." "Dann komme zurück zu uns, Lucy", bat Sally. "Nein Sally, meine Aufgabe ist es, aus der Ferne auf Dich aufzupassen. Ich habe es versprochen. Du wirst jetzt aufwachen Sally. Und Du wirst bereit sein für das Neue Leben, dass aus Dir kommt. Es ist mein Geschenk an Dich. Behüte es gut! Dies wird Dein einziges Kind sein. Nenne es Kucy, nach mir", bat si noch, bevor sie davon schwebte.
"Aufmachen, verdammt noch mal, machen Sie die Tür auf, Steven!" Doktor Holyway und Schwester Nancy trommelten seit fünf Minuten verzweifelt auf die Tür ein. "Hey, was ist denn los?" Steven rieb sich verwundert die Augen. Hatte er geträumt? Er hatte das Gefühl, dass gerade ein Engel im Zimmer gewesen war und ihm sanft über die Haare gestrichen hatte. Plötzlich wurde die Tür aufgerissen und ein total wütender Doktor Holyway und eine verängstigte Schwester Nancy standen im Raum. "Warum haben Sie uns ausgesperrt?" fragte der Doktor.
"Ausgesperrt? Was ist denn überhaupt los?" Steven verstand überhaupt nichts mehr. "Ich habe die Tür überhaupt nicht angefasst."
"Doktor, sehen Sie!" Schwester Nancy deutete auf Sally, die plötzlich die Augen öffnete. "Wo bin ich?" fragte sie. "Sie hatten einen Autounfall und sind im Krankenhaus", antwortete Doktor Holyway.
"Ich habe Lucy gesehen. Sie haben sie kurz zu mir auf die Erde gelassen", stammelte Sally.
"Lucy, wer ist Lucy?" Doktor Holyway schaute Steven verwundert an. Dieser machte ihm ein Zeichen, dass er mit ihm unter vier Augen sprechen möchte. "Schwester Nancy wird sich weiter um Sie kümmern. Ihr Mann muss bei mir noch einige Formblätter ausfüllen. Wir werden gleich wieder zu Ihnen kommen", sprach Doktor Holyway beruhigend auf Sally ein.
"Lucy ist Sallys kleine Schwester. Sie ist mit drei Jahren gestorben. Sally war damals in einem Ferienlager und als sie nach Hause kam, war Lucy schon begraben. Seitdem redet sich Sally ein, dass Lucy nicht gestorben ist, sondern von Außerirdischen entführt wurde."
Das Telefon klingelt. "Doktor Holyway am Apparat. Ja, ist in Ordnung. Bringen Sie sie in den Kreissaal." "Es geht los, Ihr kleines Baby möchte auf die Welt. Wir werden hier warten. Das macht meine Kollegin, Doktor Baxter."
Nach Stunden, oder waren es nur Minuten, klingelte es wieder.
Sally und Steven haben eine kleine Tochter, Lucy ....
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-20 20:32:20 mit dem Titel Die Sternenhüterin
***** Ein Märchen für Erwachsene *****
Es war einmal eine junge Frau. Sie war so sanftmütig und durchscheinend, als wäre sie nicht von dieser Welt. Sie schwebte mehr, als sie ging und um ihre Lippen sah man ständig ein mildes Lächeln. Ihre Augen waren klar und blau wie ein Bergsee und man konnte sich in ihnen verlieren. Mit ihrer anmutigen Haltung, dem immer klaren Blick und stets Wärme ausstrahlend, fiel sie auch den Göttern auf.
Bei der nächsten Götterversammlung wurde dann über Shalaya gesprochen. Die Götter suchten einen reinen, unschuldigen Menschen, um diesem eine wichtige Aufgabe zu übertragen. Und Shalaya schien ihnen sehr geeignet.
Es wurde der junge Feneto, welcher halb Gott und halb Mensch war, beauftragt, Shalaya zur Götterversammlung zu holen. Feneto freute sich über diese, seine erste wichtige, Aufgabe. So schwebte er durch die Wolken herab, über die Meere hinweg, hin zur Küste, wo Shalaya in ihrer kleinen Hütte am Rande des Küstendorfes lebte.
Shalaya war nicht zu Hause, als Feneto vor ihrer Hütte stand. Sie war in den Wald gegangen, in dem sich auch ein kleiner Teich befand. Sie war gerne an dem Teich, um mit den Fischen zu sprechen. Feneto traute sich zuerst gar nicht Shalaya anzusprechen, so verzaubert war er von ihrem Anblick. Schließlich sah Shalaya das Spiegelbild Fenetos im Teich und schrak leicht zusammen.
"Wer bist Du, und woher kommst Du?" "Ich bin Feneto, ich komme von den Göttern um Dich zu holen. Du bist auserwählt, eine wichtige Aufgabe zu erfüllen". Nur zitternd kamen ihm diese Worte über die Lippen. Er hatte sich auf Anhieb in Shalaya verliebt. Da er wusste, das dies nie in Erfüllung gehen durfte, war er den Tränen nah. Shalaya, die davon natürlich nichts wusste, sah in ihm nur einen verwirrten, jungen Mann.
"So lass und denn gehen", meinte Feneto, nachdem er sich wieder gefangen hatte. Er öffnete einen kleinen Beutel mit goldenem Pulver. "Was ist das Feneto?" fragte Shalaya neugierig. "Das ist Mondpulver. Das hilft Dir als Sterbliche, mit mir zu fliegen." Shalaya war jetzt doch ziemlich aufgeregt.
"Tritt näher, Shalaya. Du musst keine Angst haben", sprach Xonochas. "Ich bin das Oberhaupt der Götter und wir haben gemeinsam beschlossen, Dir eine sehr wichtige Aufgabe zu übertragen." "Was, was ist denn das für eine Aufgabe", fragte stammelnd die immer nervöser werdende Shalaya.
"Wir haben beschlossen, den Menschen vier Sterne zu schenken. Nur ein Mensch kann diese Sterne zu ihrer Bestimmung erwecken, sie pflegen und behüten. Und dieser Mensch bist Du!" "Oh!" Mehr brachte Shalaya nicht raus.
"Allerdings musst Du für diese Aufgabe ein großes Opfer bringen", meinte Xonochas mit einem scharfen Seitenblick auf Feneto. "Du wirst immer eine reine, unschuldige Jungfrau bleiben müssen. Dafür wirst Du von uns unsterblich gemacht. Wenn Du Dich nicht an diese Regel hältst, gehen die Sterne für immer verloren und es wird dunkel in den Herzen der Menschen werden!" Feneto wandte sich schluchzend ab. Seine erste große Liebe und diese war ihm versagt. "Nimmst Du die Aufgabe an Shalaya?" fragte Xonochas mit ernster Stimme. "Ja, ich nehme die Aufgabe an!"
Und so legte Shalaya in einer feierlichen Zeremonie den heiligen Schwur ab, für immer die Hüterin der Sterne zu sein. Vollkommen eingehüllt in ein samtblaues Gewand, stand Shalaya bereit, die Sterne zu empfangen.
Zuerst trag Ilimirasa zu ihr. "Ich bin die Wärterin des Friedens und überreiche Dir den Stern TRANQUILLAS. Du musst selbst herausfinden, wie Du diesen Stern des Friedens am besten den Menschen nahe bringst." Shalaya verbeugte sich ehrfürchtig vor der alten Göttin und nahm den Stern entgegen.
Als zweiter trat Renegato vor. "Ich bin der vom Glück gesegnete und überreiche Dir den Stern FELICILLAS. Auch hier ist es Deine eigene Entscheidung, wie Du diesen Stern des Glücks den Menschen überreichst." Und Shalaya verbeugte sich vor dem gütig wirkenden Gott und nahm den Stern entgegen.
Der dritte im Bunde war Paridos. "Ich sorge bei den Göttern für die Harmonie und überreiche Dir den Stern LEVARSE. Wie die anderen vertraue ich Dir, dass Du den richtigen Weg findest, wie Du den Stern der Harmonie am besten einsetzen wirst!" Wieder verneigte sich Shalaya vor dem schon leicht ergrauten Paridos und nahm den Stern entgegen.
Am Schluss trat Lubilaja zu Shalaya. "Ich war und bin und werde immer die Liebe sein und darstellen. Ich überreiche Dir denSter ACARICIA mit der tiefsten Hoffnung, dass Du ihn richtig weitergibst!" Ein letztes Mal verbeugte sich Shalaya und nahm von der liebevollen Lubilaja den Stern entgegen.
"Nun mache Dich auf Deinen Weg und erfülle Deine Aufgabe", verabschiedete Xonochas sich von Shalaya.
Zuhause in ihrer Hütte angekommen, verstaute Shalaya die Sterne ACARICIA, LEVARSE und FELICILLAS. Mit dem Stern TRANQUILLAS im Gepäck flog sie nach dem fernen Land Kroslowia, in dem gerade ein erbitterter Krieg herrschte. Nachts, als alle schliefen besuchte sie nacheinander alle Krieger in ihren Zelten. Sie nahm deren Schwerter und rieb jedes an dem Stern TRANQUILLAS. Danach packte sie den Stern wieder ein und kehrte in ihre Hütte zurück.
So kam es, dass am nächsten Tag niemand sein Schwert gegen den anderen erheben konnte. Nachdem alles versucht worden war, trafen sich die Oberhäupter der Länder und schlossen Frieden. Sie gingen sogar soweit, Botschafter in alle Länder zu schicken um allen von einem Wunder, namens FRIEDEN zu erzählen.
Als nächstes machte sich Shalaya mit dem Stern FELICILLAS auf den Weg. Dieses Mal besuchte sie alle schlafenden Menschen in ihren Träumen. Sie brannte Ihnen mit FELICILLAS ein unsichtbares Mal auf die Stirn und sobald die Menschen am Tag darauf sich ihr Gesicht wuschen, bekamen sie den Gedanken, dass ihnen jede gute Tat Glück bringt. Seit diesem Tag waren alle Menschen bemüht, jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen, damit ihnen das Glück hold blieb.
Shalaya war ziemlich erschöpft und machte sich erst wieder nach einer Woche auf den Weg. Dieses mal mit dem Stern LEVARSE. Sie hatte von Menschen gehört, die sich paaren und dann nicht mehr verstehen. Danach trifen sich diese Menschen vor Gericht, um sich zu trennen. Sie beschloss, dieses Mal alle Richter und Richterinnen zu besuchen. Diesen schreib sie in deren Terminkalender mit der unsichtbaren Tinte, die sie aus LEVARSE gepresst hatte, eine geheime Botschaft. So geschah es, dass die Richter und Richterinnen ab sofort eine wohltuende, harmonische Ruhe und Ausgeglichenheit ausstrahlten. Das hatte zur Folge, dass sich niemand mehr in ihrer Gegenwart streiten mochte. Die Richter und Richterinnen wurden alle Harmonietherapeuten und nach kurzer Zeit verstanden sich alle streitenden Menschen wieder.
ACARICIA bereitete Shalaya am meisten Kopfzerbrechen. Die Menschen neigten zu dieser Zeit dazu, das am wenigsten anzunehmen, was sie an meisten brauchten. Also musste sie einen Weg finden, den Stern so zu überreichen, dass es keiner merkt. Sie machte sich auf, zu ihrer schwierigsten Aufgabe und besuchte jeden Menschen - jung und alt - auf der ganzen Welt. Jedes Mal tat sie dem jeweiligen Menschen einen Tropfen von ACARICIA in ein Getränk. Sobald es geschluckt wurde, setzte sich der Tropfen in den Herzen der Menschen fest, so dass er daraus nicht mehr vertrieben werden konnte.
Es dauerte Jahre, bis Shalaya mit dieser Aufgabe fertig wurde. Sie selbst ist in diesen Jahren jedoch nicht gealtert, sondern noch schöner geworden.
Schöner geworden, in dem sie FRIEDEN, GLÜCK, HARMONIE und LIEBE in sich vereinbart hatte.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-21 10:37:48 mit dem Titel Claire kommt nach Hause
***** ***** ***** ***** ***** ***** ***** ***** *****
„Wohin bringst Du mich?“ „Nach Hause!“
Nach Hause, Nach Hause – wie lange hatte Claire das nicht mehr gehört. Eigentlich weiß Claire überhaupt nicht, was ein richtiges Zuhause ist. Claire kann sich kaum an ihre Eltern erinnern. Sie weiß nur noch, dass es da einen schlimmen Autounfall gab und sie als einzige überlebt hat. Damals war Claire fünf Jahre alt.
Die letzten sieben Jahre waren eine ziemlich schlimme Zeit für Claire. Hin und her geschoben zwischen Verwandten, die sie nicht haben wollten, Pflegeeltern bei denen sie sich nicht wohl fühlte, um letztendlich doch wieder in einem Heim zu landen. Jeder Neuanfang war schwieriger als der vorherige und jedes Mal wurde Claire trotziger. Trotzig aus dem Gefühl der Einsamkeit heraus und bezogen auf das Wissen, von niemandem geliebt zu werden.
Die wenigen Stunden am Tag, an denen sich Claire wohl fühlte, war die Zeit während sie malen konnte. Eine Schwester im Heim hatte ziemlich zeitig Claire’s Talent erkannt und es gefördert. Alle Gefühle von Claire spiegelten sich in ihren Bildern: Trauer, Wut, Angst und unerfüllte Liebe. Am liebsten malte Claire im Freien. Gleich neben dem Kinderheim war ihr Lieblingspark.
Seit einigen Tagen malte dort auch ein älterer, graumelierter Herr. Er fiel Claire dadurch angenehm auf, weil er nichts zu ihr sagte. Das war sie nicht gewohnt. Sonst wollten sie immer alle belehren oder ausfragen. Dieser Mann jedoch stellte seine Staffelei einfach nur neben ihre und malte genauso wortlos und intensiv wie sie selbst. Dass er sie aber trotzdem beobachtete, merkte Claire nicht.
Es dauerte nicht lange, und Claire machte den ersten Schritt und fragte ganz zaghaft, ob sie seine Bilder ansehen könne. Danach freundeten sich der alte Mann und das kleine Mädchen langsam immer mehr an. Nach einer Weile hielten sie vor dem Malen immer erst einen kleinen Plausch und teilten sich auch ihr Essen. Claire erzählte niemanden von Rénard, dem tollen Maler. Das sollte ihr kleines Geheimnis bleiben.
So vergingen fast zwei Monate, bis Rénard eines Tages nicht im Park erschien. Claire wartete den ganzen Nachmittag und ging dann ganz enttäuscht und verloren zurück in das Kinderheim. Dort wartete schon eine Schwester auf sie. „Was ist denn los Claire? Du schaust so traurig?“ „Nichts“, murmelte Claire und wollte sich auf ihr Zimmer stehlen. „Nein, nein, Du kannst jetzt nicht auf Dein Zimmer. Die Schwester Oberin wartet auf Dich.“
Trotzig und mit verheulten Augen folgte Claire der Schwester. Dann traute sie ihren Augen kaum, denn Rénard saß im Zimmer. „Aber, was, wie ...“ stammelte sie.
„Möchtest Du mit mir kommen, Claire? Ich bin Dein Onkel Rénard und war lange Zeit im Ausland. Leider habe ich erst jetzt von Dir erfahren.“ „Ja!“ rief Claire glücklich. Schnell waren ihre Sachen zusammengepackt. Als sie das Heim Hand in Hand verließen, fragte Claire:
„Wohin bringst Du mich?“
„Nach Hause!“ . . .
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-21 20:13:12 mit dem Titel Anna
Wieder einmal sitzt die alte Anna auf ihrer Bank am Waldsee. Zeit spielt für sie schon lange keine Rolle mehr. Nein, nicht mehr, seit Rudolf von ihr gegangen ist. Mit ihren müden Augen sucht sie auf der Lehne der Bank nach. Ja, da ist es, das Herz dass ihr Rudolf in die Bank geschnitzt hatte. Für immer und ewig, Rudolf und Anna – 55 Jahre ist das jetzt her.
Die 80-jährige Anna schließt die Augen und versucht wieder einmal sich zu erinnern. Es ist ja auch ihre einzige Beschäftigung. Den großen Haushalt führt mittlerweile ihre Enkeltochter perfekt und der Enkelsohn hat das große Gut übernommen.
Anna erinnert sich an die Zeit der erblühenden Liebe zu Rudolf. Sie war schon 25 Jahre, als sie ihn kennen lernte. Rudolf kam damals zur Sommerfrische in ihr kleines Dorf. Er war lange krank gewesen und sollte sich nun restlich von der überstandenen Krankheit erholen. Hier an diesem Waldsee hatten sie sich zum ersten Mal in die Augen geschaut und die Liebe hatte sofort wie ein Blitz eingeschlagen.
Anna holt sich die Szene von damals deutlicher heran. Es war ein sehr heisser Tag gewesen und alle waren am See zum Baden. Als sie prustend aus dem Wasser raus wollte, stand ihr auf einmal Rudolf gegenüber. Sie schauten sich beide nur an. Keiner sprach ein Wort und doch wussten es beide sofort. Sie gehören zusammen.
Ja, denkt sie so vor sich hin. So war das damals. Einfach und klar. Natürlich dauerte es seine Zeit, bis sich Rudolf erklärte. Schließlich war es nicht einfach für ihn. Er kam aus einem einfachen Hause und sie war schließlich die Gutstochter. Aber Rudolf überzeugte auch ihre Eltern durch seine ehrliche und anständige Art. Der Gedanke, dass er ein Erbschleicher sein könnte, war schnell abgetan. Vor allem, nachdem alle sahen wie sehr er doch mit zupackte. Er scheute wirklich keine Arbeit und hatte vor allem einen großen Pferdeverstand. So übernahm er auch gleich nach der Hochzeit die Pferdezucht.
Bald waren zwei Kinder geboren und die Familie war komplett. Anna und Rudolf hatten immer viel zu arbeiten, aber sie führten ein glückliches Leben. Sie hatten beide die Gabe, sich auch an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen.
Rudolf ist vor zwei Jahren gestorben. Aber in Annas Herzen lebt Rudolf weiter. Immer, wenn sie auf der Bank an ihrem Waldsee sitzt, spricht Anna mit Rudolf. Und Anna ist sich sicher, dass er ihr zuhört und auch antwortet.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-29 14:10:13 mit dem Titel ohne Titel
„Ich habe keine Angst mehr vor Dir. Es ist in Ordnung, drücke ruhig ab!“
. . .
Und er schoss . . .
Deutlich sieht sie sich selbst am Boden liegen. Das Gesicht ist wächsern, nur von einem kleinen Einschussloch auf der Stirn entstellt. Im Zimmer ist es vollkommen ruhig. Nichts regt sich und kein Geräusch mag aufkommen. Der Todesschütze ist längst verschwunden.
Ist es nun das, was ich wollte? Fast glaube ich schon. Die letzten Jahre war es mir nie gegönnt, so friedlich einzuschlafen. Und nun darf ich für immer schlafen.
Doch was ist das? Die doch so offensichtlich Tote öffnet die Augen und spricht zu mir, ihrer Seele.
„Willst Du mich wirklich schon verlassen? Ist es jetzt so weit?“
„Aber Du hast es doch so gewollt!“
„Ich habe es gewollt, aber ich habe mich auch davor gefürchtet. Und nun hat es ein anderer für mich erledigt. Des Lebens war ich müde, des Sterbens zu feige, zu einer Entscheidung nicht fähig. Ich war nicht in der Lage mich für oder gegen das Leben zu entscheiden und fühle mich jetzt noch schwächer, weil mir jemand die Entscheidung abgenommen hat.
Wo gehst Du jetzt hin, Seele?“
„Frage nicht, ich bin jetzt eine verlorene Seele und muss in das Tal aller verlorenen Seelen.“
„Aber warum? Du hast doch nicht die Entscheidung getroffen, ja nicht einmal ich selbst war in der Lage dazu!“
„Da irrst Du Dich aber. Wir sind eins, Du und ich. Und auch wenn nur alleine Dein Kopf sich damit beschäftigt, so bin ich doch beteiligt. Jede Überlegung Deiner bzw. unseres Verstandes reisst eine Wunde in mich hinein und wenn die Wunden überhand nehmen, wird uns die Entscheidung, welche im Prinzip schon getroffen ist, aus der Hand genommen. Und deshalb hat heute jemand auf Dich geschossen.“
. . .
Montag morgen um 06.00 Uhr klingelt der Wecker.
. . .
Sie wacht auf und wundert sich, dass sie lebt. Neben ihr liegt ihr Seelentagebuch und lächelt sie an . . .
Erklärung: Mir ging und geht es die letze Zeit nicht besonders. Heute nacht träumte mir, dass mich jemand mit einem Kopfschuss "erledigte". Meine derzeitige Verfassung und dieser Traum haben mich zu dieser kurzen (Aufarbeitungs-)Geschichte inspiriert.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 01:46:53 mit dem Titel Von einem, den man nie nach seiner Meinung gefragt hat
Der Pfarrer spricht die letzten Worte. Der Sarg wird ins Grab hinabgelassen. Die Angehörigen werfen weinend ihre mitgebrachten Blumen auf den Sarg. Betroffenheit, Trauer, Unverständnis tauchen in den Wortfetzen der leisen Unterhaltungen auf.
Der erst 20jährige Hararld hatte seinem Leben ein Ende gesetzt. Einfach so ist der allgemeine Konsens, ohne Rücksichtnahme auf die Angehörigen, die Freunde und die ganzen Bekannten.
Niemand versteht es, bzw. niemand möchte es verstehen.
Der Journalist des kleinen Dorfes möchte einen Artikel im Tagesblatt bringen. Deshalb interviewt er nach und nach die Menschen im Dorf. Folgende Aussagen hat er nun zusammengetragen und weiß nicht so recht, wie er sie verwenden soll.
DIE ELTERN:
Er war so ein guter Junge unser Harald. Nie war er frech oder böse. Er hat nie etwas angestellt und sich eigentlich immer gefügt. Er war ein so pflegeleichtes Kind. Wir waren so furchtbar stolz auf ihn, meinte die Mutter mit Tränen in den Augen. Dabei streicht sie mit zitternder Hand über das Bild von ihrem Großen. Gleichzeitig nimmt sie den Kleinen, Manfred in den Hand. Er ist nun unsere ganze Hoffnung. Wir wissen, dass er unsere Familientradition fortführt.
Manfred sah übrigens bei diesen Worten ziemlich gequält aus.
DIE FREUNDE:
Harald war immer für uns da. Er war unser Tröster, unser Helfer, aber auch unsere Stimmungskanone. Er hat auf keiner Party gefehlt. Harald konnte man einfach alles fragen, er fand immer Antworten und Lösungen.
Hat Harald denn viel gelacht?
Jetzt wurden die Freunde doch nachdenklich, nach dieser Frage des Journalisten. Ja, schon . . .
. . . aber wenn man genau hingeschaut hatte, die Augen lachten eigentlich nie so richtig mit.
SEINE FREUNDIN:
Harald hat mich immer gut behandelt. Wir haben eigentlich nie gestritten. Er hat mich nie zu etwas gedrängt und war immer verständnisvoll. Er hat mich geliebt.
SEIN CHEF:
Harald war immer pünktlich. Er war ein sehr ordentlicher, gewissenhafter Arbeiter und war der Einzige, der nie über Überstunden geklagt hat. Er war sehr kollegial und deshalb im Betrieb sehr beliebt.
Der Journalist ist ziemlich verwirrt. Diese ganzen Aussagen passen nicht zu einem Selbstmord. Was soll er nun schreiben?
Er erinnert sich an den kleinen Bruder, Manfred. Der Junge mit dem gequälten Gesichtsausdruck. Der 14jährige Manfred ist bereit, sich mit ihm zu treffen.
Er sieht ziemlich unglücklich aus und plötzlich platzt alles aus ihm raus.
DER BRUDER:
Harald war immer der Vorzeigesohn. Er wurde von meinen Eltern ziemlich unter Druck gesetzt. Harald sollte später einmal unsere Werkstatt übernehmen. Nur aus diesem Grund waren die Eltern einverstanden, daß er nur die Realschule machte. Jetzt soll ich vom Gymnasium abgehen und wie Harald eine KFZ-Lehre beginnen um später den Betrieb der Eltern zu übernehmen. Ich möchte mich aber nicht so einsperren lassen wie Harald.
Ich habe das Tagebuch von Harald gefunden.
HARALD SELBST, IN FORM SEINES TAGEBUCHES
Liebes Tagebuch,
ich habe dieses spießbürgerliche Leben gründlich satt. Am liebsten möchte ich weglaufen, meine Fesseln sprengen. Meine Eltern sind absolut bieder und nicht in der Lage aus ihrem Rahmen raus zu schauen. Meine Freunde sind ständig besoffen und haben nur Blödsinn im Kopf. Keiner von denen denkt an die Zukunft. Meine Freundin ist absolut oberflächlich und hat nur ihre Frisur und ihre Figur im Kopf. Der Job als Mechaniker kotzt mich an und die Werkstatt meiner Eltern ist für mich ein Gefängnis, in dem ich zu lebenslang verurteilt wurde.
Der Journalist ist zu betroffen, um einen Beitrag zu schreiben. Er versucht mit den Eltern darüber zu reden, aber die reagieren unwirsch. Unsere Söhne haben das beste Leben bei uns.
Der Journalist hat auch Angst um Manfred. . .
Anmerkung:
Die Geschichte ist frei erfunden.
Die Bewertung bezieht sich auf das Verhalten der Eltern in der Geschichte.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-28 01:18:05 mit dem Titel Robert
Robert K., ein junger Mann aus guter Familie ist auf der Flucht erschossen worden, nachdem er die Hauptfiliale der Sparkasse in Berlin überfallen hatte.
Immer wieder las ich diese Zeilen, als hätte ich damit die Tatsache aus der Welt schaffen können - die Tatsache, daß mein bester Freund aus Kindertagen nicht mehr unter uns weilt.
Robert ein Bankräuber - Robert ein toter Bankräuber. Ich konnte es nicht fassen. Es war doch noch gar nicht so lange her, daß unsere Familien zusammen einen Ausflug in die Berge gemacht hatten. Das Bild war so deutlich vor mir, Robert den Rucksack übergeworfen und den Wanderstab in der Hand. Sein Lächeln gab seine Zahnlücke frei. Es war ein fröhlicher, siegessicherer Blick. Robert war bereit, die Welt zu erobern.
Was war passiert?
Erinnerungen tauchten auf:
Robert der Angepaßte, Robert der Musterschüler! Rober, der immer lieber zu uns zum Essen kam, weil es bei uns viel lustiger war. War er nicht mit den Erwartungen, welche alle an ihn stellten, fertig geworden? Die Mutter - eine Ärztig, der Vater (welche Ironie) - ein Bankdirektor, die Schwester - eine Lehrerin und der kleine Bruder stand kurz vor dem Abitur.
Robert, der sich in ein Jurastudium hatte drängen lassen, obwohl er ein begnadeter Künstler war. Seine Bilder zeugten von einer extremen Sensibilität und Sinnlichkeit. Wie kein anderer verliebte er sich in seine Motive und wurde eins mit ihnen.
Ich konnte mich noch an den Blick erinnern, mit dem er sich damals von mir verabschiedet hatte, um nach Berlin zu ziehen. Eine einzige Frage stand darin: 'Warum?' Hätte ich etwas verhindern können?
Ziemlich bald nach Beginn seines Studiums und nach seinem Eintritt in eine etwas umstrittene Studentenverbindung, mußte er zum ersten Mal mit Drogen in Kontakt gekommen sein. Kaum zu glauben, daß er sie aus Leichtsinn getestet hatte.
Ein Kommilitone von ihm hatte mir einmal erzählt, daß Robert allen immer ein bißchen unheimlich war. Irgendwie war er ein Widerspruch in sich selbst. Einersetis war Robert sehr ruhig und konzentriert während der Vorlesungen und machte fast den Eindruck eines Langweilers. Andererseits aber war er immer der Erste bei den kuriosen Mutproben der Verbindung. Die Studentinnen waren fasziniert von ihm - dieses Lächeln und der Glanz in seinen Augen.
Aber jetzt glänzten seine Augen nicht mehr. Ich hatte es gesehen, seine Augen waren tot. Robert war tot.
Der Bankräuber wurde auf der Flucht erschossen und der Staat hatte seine Gerechtigkeit. Die Bank hatte ihr Geld zurückbekommen. Alles ging wieder seinen gewohnten Gang.
Und ich?
Ich hatte meinen besten Freund verloren. Verloren weil ich ihm nicht helfen konnte, seinen Traum zu leben. Verloren, weil ich ihm nicht die Hand gehalten hatte, als er Hilfe gebraucht hatte.
Der Pfarrer sagte bei der Beerdigung, 'Die Drogen haben ihn kaputt gemacht!' 'Robert hatte ein Bank überfallen, weil er Geld für seine Sucht gebraucht hatte.' 'NEIN!' wollte ich laut rufen. Ihr alle habt ihn kaputt gemacht, weil ihr ihn nicht sein Leben leben lassen habt. Ihr musstet ihn unbedingt in Eure Norm pressen.
Doch warum sollte ich rufen? Hätte mich denn jemand gehört und wäre denn endlich jemand aufgewacht, aus der allgemeinen Gleichgültigkeit und Selbstgefälligkeit. Hätte jemand den Mut gehabt zu bekennen, zu sagen: 'Ja, auch ich hatte Schuld!?'
Alle standen sie da, mit versteinerten Gesichtern und alle fragten sie sich: 'Robert, wie hast Du uns das antun können?' 'Warum warst Du nicht in der Lage, so zu leben wie wir?' Ja, alle wunderten sich und konnten es nicht verstehen. Sie hatten es doch nur gut gemeint. Er war doch auch so ein kluger Junge.
Warum habt Ihr Euch nicht mal angeschaut? Eucht hätte man fragen sollen, warum Ihr nicht lebt? Warum Ihr immer dahin geplätschert seid, im abgestandenen Wasser der Belanglosigkeiten?
Einmal wenn ich noch mit Robert den Gipfel hätte erklimmen können, die klare saubere Luft hätte einatmen können. Die Luft, die man nur ertragen kann, wenn man im Einklang mit sich selbst ist. Auf dem Gipfel der Welt das Mark des Lebens in sich aufsaugen, ja das konnte ich nur mit Robert.
Als die Beerdigung vorbei war, drängten alle Trauergäste danach, schnell ins Lokal zum Leichenschmaus zu kommen. Es war kalt draußen und viele hatten Hunger. Auch der Pfarrer kam mit und verlangte, daß alle vor dem Essen beteten.
Viele haten sich jahrelang nicht gesehen und drängten danach, sich einander mitzuteilen. Jeder war der Größte und Beste. Lachen kam bereits nach kurzer Zeit auf. Man verstand sich eben.
Mir wurde übel. Ich verließ das Lokal und ging zum Friedhof zurück.
Nur ein Grabstein - Robert K. 1978 bis 1998 - es ist nur ein Grabstein. Vielleicht werden Fremde einmal nachfragen: 'Wer war denn Robert und warum ist er so früh gestorben?' Und die Einheimischen werden verlegen den Kopf zur Seite drehen und sich nicht mehr daran erinnern wollen. Ein Bankräuber aus ihren Reihen, nein das gab es nicht und wird es nie geben. Hier sind doch alle anständig und ehrlich.
Robert - nur in meiner Erinnerung lebt er weiter.
Der Robert mit der Zahnlücke und der Gewißheit, die Welt erobern zu können.
PS: Die Geschichte ist frei erfunden.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-12 02:39:47 mit dem Titel Petrina
Doktor Herz war erst kurz in der Stadt, aber er konnte sich bereits jetzt nicht mehr vor Patienten retten. Egal, ob Mann oder Frau oder Kind, alle wollten sie zu Doktor Herz. Die einzige Frau, die den Schritt noch nicht gewagt hatte, war Petrina.
Petrina hatte große Probleme. In allen möglichen und unmöglichen Situationen hatte sie starke Herzschmerzen, extreme Nackenschmerzen und dann auch noch ziemlich üble Kopfschmerzen, nicht zu vergessen dass unregelmäßige Stechen in der Nierengegend.
Petrina hatte Angst zum Arzt zu gehen. Sie hatte Angst vor der Wahrheit. Und so stürzte sie sich stattdessen in die Arbeit. Außer ihrem Job gab es für sie nichts mehr. Ein Wunder, dass sie noch daran dachte, ab und zu etwas zu essen und zu trinken.
Petrina hatte wohl einige Menschen um sich, die sich Freunde nannten. Aber die waren nur Freund, wenn sie Petrina anpumpen konnten oder ihren Rat brauchten. Mit ihr ausgehen wollten sie nicht. Petrina war ihnen zu dick und nicht flippig genug.
Nur Bobby, ein kleiner 8-jähriger Junge aus der Nachbarschaft, schaute ab und zu bei Petrina vorbei. Er mochte Petrina einfach, ohne jeglichen Vorbehalt. Bobby war für sein Alter schon recht klug, da er wegen seiner berufstätigen Eltern sehr viel auf sich gestellt war.
Eines Tages fand Bobby wieder einmal eine schmerzgequälte Petrina vor. Bobby war auch schon bei Doktor Herz gewesen. Dieser hatte ihm geholfen, die Angst vor dem Alleinsein zu nehmen. Also nahm er seinen ganzen Mut zusammen und rief den Doktor an.
Bobby hatte Glück. Es war die Mittagspause und er erwischte den Arzt selbst. Dieser versprach, sofort vorbei zu kommen.
Es war eine lange Untersuchung und ein langes Gespräch. Bobby musste draußen im Garten warten. Als Doktor Herz endlich heraus kam, wollte Bobby wissen, was denn los sei. „Muss Petrina ins Krankenhaus?“, fragte er ängstlich.
Der Arzt konnte ihn beruhigen. „Nein, nein – es ist alles wieder in Ordnung, Bobby!“
Wieder im Haus fand Bobby eine total veränderte Petrina vor. Es war eine Petrina mit leuchtenden Augen und einem glücklichen Lächeln.
„Ach, Bobby – das Leben ist so schön!“ Mit diesen Worten nahm sie den kleinen Jungen in den Arm. Dies hatte sie vorher nie getan.
Bobby verstand nichts mehr. Petrina versprach ihm alles aufzuschreiben. Er sollte es dann lesen, wenn er erwachsen sei und auch einmal nicht mehr weiter wüsste. Da Bobby Geheimnisvolles liebte, ging er auf das Spiel ein.
...
20 Jahre später, als Bobby in einer schweren Lebenskrise war, erinnerte er sich an den Brief und beschloss, ihn zu öffnen.
„Lieber Bobby,
Doktor Herz hat mir geholfen, mein Herz wieder zu öffnen.
Ich hatte im Prinzip nur ein Problem. Ich war so oft enttäuscht worden, habe mich so oft nicht angenommen gefühlt, dass ich dadurch sehr stur geworden bin und es nicht mehr zugelassen habe, jemanden in mein Herz zu lassen. Nicht einmal mehr mir selbst, habe ich erlaubt, in Momenten mit mir alleine glücklich zu sein.
Das hat mir Doktor Herz klar gemacht.
Denke immer daran, wie schön das Leben ist. Gerade dann, wenn es Dir mal schlecht geht.
Denke immer daran, auch für Dich gibt es Menschen, die zu Dir stehen.
Denke immer daran, Du bist einmalig.
Denke immer daran, nur wer bereit ist, Liebe zu empfangen, kann sie auch erhalten.
Diese Worte, die mir Doktor Herz damals gesagt hat, sollen heute Dir helfen.
In Liebe,
Deine Petrina
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-10 06:44:57 mit dem Titel Maria
Jedem, der zu diesem Ort kam, fiel sie auf. Und es waren viele, die kamen. Irgendwie passte sie einfach nicht zu den anderen. Sie war nicht in dem Alter, sie zog sich anders an, sprach anders und passte einfach nicht dazu.
Gewiss, sie war freundlich und höflich wenn sie angesprochen wurde und sie erledigte ihren Job gewissenhaft und ordentlich. Aber wenn sie sich unbeobachtet fühlte, strahlte sie eine wissende Traurigkeit aus und schien mit ihren Gedanken in einer anderen Welt zu sein.
Wurden die Kolleginnen nach ihr gefragt, erfuhr man nicht viel. Sie ist neu hier. Sie spricht nicht viel, hält sich aus allem raus und geht nach Feierabend nie mit uns weg. Aber wenn jemand Hilfe braucht, oder jemanden zum Zuhören, dann ist sie sofort bereit. Nur über sich selbst erzählt sie nichts. Es ist fast so, als hätte sie Angst von sich zu erzählen.
Und doch war sie es, die am Ende der Schicht die meisten Münzen sammeln konnte. Irgendwie hatte sie etwas, dass die Leute nicht an ihr vorbei gehen konnten. Und das, obwohl die meisten in Eile waren. Denn wer hält sich schon länger als nötig in einer Toilette an einer Autobahnraststätte auf. Diese sind zwar in der Regel sauber, aber nicht unbedingt gemütlich. Seit sie jedoch dort arbeitete, war es irgendwie anders geworden. Die Leute drängten nicht mehr so. Der intensive, traurige Blick der neuen Toilettenfrau beschäftigte nicht nur die Kolleginnen, sondern auch die Besucher dieses so notwendigen Ortes.
„Wie kommt sie wohl zu so einer Arbeit, an so einem Ort?“ fragten sich viele. Sie sieht nicht so aus, als hätte sie nichts anderes gefunden oder als sei es ihr Traumberuf. Wobei sich sowieso keiner vorstellen konnte, dass Toilettenfrau ein Traumberuf ist.
Alle überaus vorsichtigen Annäherungs- und Freundschaftsversuche wurden von ihr höflich, aber strikt abgeblockt. So wurde sie, trotz ihres freundlichen Wesens und ihrer Hilfsbereitschaft recht schnell zum Außenseiter, ohne dass die anderen dies wollten. Auch der Chef der Truppe machte sich so seine Gedanken und versetzte sie auf die Herrentoilette. Er dachte sich, vielleicht ist sie bei Männern ja gesprächiger. Aber auch hier täglich das gleiche Spiel. Sie war freundlich, nett, und hilfsbereit, aber was ihre eigene Person betraf völlig unverbindlich.
„So geht das mit Maria nicht weiter“, besprachen sie untereinander und beschlossen, Vera auf sie anzusetzen. Vera war die quasi wie eine Mutter zu allen Kolleginnen und Maria kannte sie noch nicht, weil Vera auf Kur war. Am Wochenende vor Veras Rückkehr besprachen sich die Kolleginnen mit ihr. Sie schilderten ihr Marias Verhalten und auch ihre Sorgen, dass mit Maria etwas nicht in Ordnung wäre. Vera versprach ihr Bestes zu tun und ließ sich für die gleiche Schicht wie Maria einteilen.
Nach zwei Stunden höflichen Geplänkels über die Banalitäten des Lebens und zwischendurch harmonischen Schweigens, beschloss Vera einen Frontalangriff. „Weißt Du eigentlich Maria, dass sich alle etwas um Dich sorgen?“ „Ja schon, aber das müssen sie nicht“, war die etwas abweisende Antwort. Und wieder begann ein Schweigen, indem sich Wellen der wortlosen Verständigung schlugen. „Bist Du einsam?“ versuchte es Vera erneut. „Ja und zwar gerne“, antwortete Maria. „Weißt Du, Du bist wirklich ein harter Brocken. Willst Du mir denn gar nichts über Dich erzählen. Nur etwas, was Du möchtest. Vielleicht was Du vorher gemacht hast.“
Maria dachte nach. Ihr war klar, dass Vera nicht so schnell nachgeben würde, wie die anderen Kolleginnen. Sie hatte auch wirklich etwas Mütterliches an sich, etwas was Maria schon lange nicht mehr gespürt hatte. „Ach, ich hab mal dies und mal das gemacht. Wie es gerade gekommen ist. Mal hatte ich viel Erfolg und mal war es weniger Erfolg. Zum Schluss habe ich Freundschaftsbänder verkauft.“ „Du hast Freundschaftsbänder verkauft? Schenkt man die nicht eigentlich her? fragte Vera ganz verblüfft.
„Ja, eigentlich schon“ meinte Maria. „Aber weißt Du, ich habe festgestellt dass diejenigen, denen ich sogar immer wieder mehrere Freundschaftsbänder geschenkt habe, meine Bänder und die dazugehörige Freundschaft nichts wert war. Nur meine Hilfe war ihnen etwas wert, sonst nichts. Also hatte ich beschlossen, sie zu verkaufen. Denn wenn man für etwas bezahlen muss, ist es für die meisten Leute mehr wert. Aber dann habe ich damit auch aufgehört.“ „Und warum“? Vera war nun ganz gespannt. „Ach, in der heutigen Zeit ist es sogar so, dass die meisten so im Überfluss leben und so viele Wahl- und Ausweichmöglichkeiten haben, dass ihnen auch ein gekauftes Band der Freundschaft nicht mehr das bedeutet, was es eigentlich wert ist. Und deshalb bin ich Toilettenfrau geworden.“
Vera spürte, dass dies erste die halbe Antwort war. „Willst Du mir nicht den Rest erzählen?“ Sie merkte, dass Maria sich schwer tat und hoffte wirklich auf eine Antwort. Nach einigen Minuten des Schweigens kam schließlich doch noch die Antwort.
„Ich bin Toilettenfrau geworden, weil es der einzige Job und der einzige Ort ist, wo ich ganz bewusst in die Scheiße lange und nicht mehr aus Versehen!“
Darauf fiel Vera nun auch keine Antwort mehr ein. Schließlich war sie ja selbst irgendwann Toilettenfrau geworden. weiterlesen schließen -
Eine Liebesgeschichte
06.06.2003, 12:08 Uhr von
willibald-1
Zur Zeit selten hier. Gegenlesungen dauern daher - kommen aber!Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Rita war erst 15 Jahre alt, als sie Karl kennenlernte. Sie wußten sofort, daß sie füreinander bestimmt waren. Aber mit 15 - meine Güte! Da gibt es schon das eine oder andere Hindernis zu überwinden, wenn man seine große Liebe getroffen hat!
Karl war schon ein paar Jahre in seinem Beruf tätig. Schließlich war er auch 12 Jahre älter als Rita. Karl hatte Musik studiert und arbeitete in einem Ort, der 40 km von Ritas Heimat entfernt war. Natürlich waren Ritas Eltern gar nicht begeistert, als sie von den zarten Banden hörten, die da langsam geknüpft wurden. Aber Rita war nun einmal von Karl und seiner Musik wie verzaubert!
Nun, es kam, wie es kommen mußte: Ritas Eltern verboten ihr den Kontakt zu Karl. Er durfte seine Freundin nicht besuchen - und sie durfte nicht zu ihm.
Zum Glück hatte Rita eine Freundin, Ruth. Sie kannten sich vom Kirchenchor und hatten sich auf Anhieb gut verstanden. So manches mal hatten sie schon zusammengehockt, und während sie der einen oder anderen Handarbeit nachgingen, hatte Rita sich irgendwann ein Herz gefaßt und Ruth von ihrer Liebe zu Karl erzählt.
Ruth kannte die Probleme eines jungen Mädchens, das eine Liebe geheimhalten mußte, nur zu gut. Zwar war sie selber längst volljährig, aber ihre Mutter hatte schon so manch einen jungen Mann vergrault.
Schon deshalb hatte sie das Gefühl, daß sie nun wenigstens Rita helfen konnte. Zusammen mit Rita also unternahm sie so manch einen Ausflug - in Parks, in Zoos, überall hin, wo man spazieren gehen konnte, ohne den eigenen Eltern zu begegnen.
Und ganz "zufällig" begegneten sie auf ihren Ausflügen Karl! Klar, daß Ruth die beiden dann oft für eine ganze Weile allein ließ und erst nach einiger Zeit sich zusammen mit Rita wieder auf den Heimweg machte.
Es vergingen auf diese Weise drei Jahre, bis Karl und Rita sich ein Herz faßten und Ritas Eltern beichteten, daß ihre Liebe zueinander sie nur fester verbunden hatte. Rita war gerade 18 Jahre alt, als die beiden heirateten! Natürlich war Ruth Trauzeugin. Und es war eine besondere Freude für alle drei, daß Karl dann bald eine Anstellung in der Heimat von Ruth und Rita bekam.
Die Freundschaft der drei hat ein ganzes Leben lang gehalten, bis Ruth starb. Rita und Karl führten eine glückliche Ehe, bekamen fünf Kinder und einige Enkelkinder. Kürzlich konnten sie Karls 90. Geburtstag feiern.
**** Ja, die Geschichte ist wahr. Nur die Namen wurden verändert. **** weiterlesen schließen -
Das Ende
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Steven fuhr mit seinem Fahrad über die Landstraße doch aufgrund des heftigen Sturmes wähere er zu Fuß wohl genauso schnell vorwärts gekommen . Er hatte das Gefühl immer schwerer von der Stelle zu gelangen und fragte sich ob er wohl noch eine oder zwei Stunden brauchen würde bis er die Stadt erreichen würde.
Es waren noch 2 Kilometer. Hinzu kam das er das Gefühl hatte je näher er seinem Ziel kam desto stärker wurde der Wiederstand den die Natur ihm an diesem Abend entgegensetzte . Er beschloss das es Heute der letzte Tag dieses Jahres war an dem er mit dem Rad zur Arbeit gefahren war , ab Heute würde er wieder sein Auto nehmen . Bei näherer Betrachtungsweise fragte er sich sowiso warum er nicht immer mit dem Auto zur Arbeit fuhr es war schließlich doch ein ganz schönes Stück . 10 bis 15 Minuten brauchte er gewöhnlich mit dem Auto um die Strecke zurückzulegen mit dem Fahrad waren es 30 bis 40 Minuten . Diese Angabe war heute Abend in ein nahezu lächerliches Licht gerückt worden , er war ja jetzt schon eine Stunde unterwegs . Solche Dinge passieren dachte er als er plötzlich von etwas geblendet wurde , ein gleißendes Licht das sogar durch seine geschlossenen Lider einen brennenden Schmerz auf seiner Netzthaut hinterlies . Dann spürte er es am ganzen Leib . Es fühlte sich an als würde sein Blut beginnen zu kochen und seine Haut anfangen sich abzulösen , er dachte er müsste sterben . Als er erwachte fand er sich im feucht schleimigen Matsch des Strassengrabens wieder , er versuchte sich zu bewegen doch jeder einzelne Muskel in seinem Körper tat elendig weh . Er sah sich um , in einer Entfehrnung von ungefähr 5 Metern glaubte er sein Fahrad zu erkennen , irgenwas stimmte hier nicht . Beim zweiten Anlauf schaffte er es sich Aufzurichten , seine Hände bluteten , nicht stark aber das heftige brennen glich es wieder aus , es wahren diese Art von Schürfwunden die so unscheinbar aussahen dessen Schmerz jedoch den einer normalen Schnitverletztung weit in den Schatten stellte . Seine Haut tat ihm weh und er hatte das Gefühl sie spanne am ganzen Körper so als sei sie einfach eine Nummer zu klein , vom waschen eingelaufen . Dann richtete er sich unter Schmerzen stöhnend auf und begann die 5 Meter zu seinem Fahrad mühsam zurückzulegen , irgendwas stimmte hier nicht . Dann blieb er stehn und betrachtete sein Fahrad das aussah als sei es schlicht und ergreifend durch die Hölle gefahren .
Das silberne Alluminium war Schwarz angelaufen Die Lackschicht die weite Teile des Rahmens überzog war ebenfalls Schwarz und hatte eine blasenähnliche Struktur angenommen , die Reifen wahren geplatzt oder besser gesagt geschmolzen . Hatte er wirklich auf diesem Fahrad gesessen als was immer es war es so zugerichtet hatte , ja war es überhaupt sein Fahrad . Er betrachtete das derangierte Gestell noch einige Augenblicke bevor er sich umdrehte und sich zu Fuß auf den Weg nach hause machte , irgendwas stimmte hier nicht . Und dann traf es ihn wie ein Schlag mitten ins Gesicht , aber natürlich , jetzt wusste er was ihn die ganze Zeit seit dem er erwacht war verwirrt hatte , es war das Wetter , der Sturm war vorüber , der Regen hatte aufgehört den Boden aufzuweichen und der Wind war abgeklungen .
Es ging nicht mal mehr ein Lüftchen und es wahr still geworden , totenstill , er konnte nicht das leiseste Geräusch vernehmen bis auf das
Schlurfen seiner Füße auf dem Asphalt des Weges die jeden seiner Schritte mit einem unangenehmen Schmerz quittierten . Nachdem er 10 Minuten gelaufen war kam er an die Straßenbahnenthaltestelle , er würde nicht bis nachhause laufen , sondern den rest des weges der zu fuss immernoch mindestens 1 Stunde dauerte mit der S-Bahn fahren .
Erschöpft lies er sich auf eine der Sitzbänke fallen und Begann darüber nachzudenken was ihm wiederfahren war . In den letzten 10 Minuten hatte er sich mit dem Gedanken auseinandergesetzt das er wohlmöglich vom Blitz getroffen worden war . Es war die einzige Möglichkeit die ihm einfiel und so belies er es dabei und nahm sich vor zu späterem Zeitpunkt noch einmal darüber nachzudenken . Wie lange war er bewusstlos gewesen war die Frage die ihn im Augenblick mehr interessierte . Der Blick auf die Uhr hatte ihm nichts genuzt , sie war stehngeblieben . Aber es konnten nicht nur 5 Minuten gewesen sein die er geschlafen hatte schließlich dauert es seine Zeit bis ein Sturm weiterzieht und soweit weg ist das es nicht mehr regnet und selbst der leiseste Wind verstummt ist , ja er musste lange weggetreten sein . Abermals sah er auf die stehngebliebene Uhr , wieviel Uhr war es . Er sah sich um , die Halteselle wahr Menschenleer , vieleicht war es ja schon so spät das gar keine Bahn mehr fuhr , er musste herausfinden wie spät es war . Dann fiel ihm ein das es ja eine Uhr hier an der Haltestelle gab sie war direkt neben dem Warthäuschen also rappelte er sich auf und ging einige Schritte nach vorn um das Zifferblatt der Uhr sehn zu können . Doch als er sie erblickte konnte er nicht glauben was er sah, sie funktionierte auch nicht . Funktionierte sie auch nicht MEHR oder hatte sie schon vorher nicht funktioniert . Er war sich sicher das sie heute mittag noch funktioniert hatte . Dann blickte er wieder aus seine Uhr und abermals auf Die Uhr der Haltestelle , ein eisiger Schauer überkam ihn , sie waren beide zur haargenau selben Zeit stehn geblieben 21:57 Uhr . Was zum Teufel war hier los ?
Sein Blick fiel in Richtung Stadt , in nicht allzu weiter Entfernung konnte er die Lichter der Shelltankstelle erkenn die unmittelbar vor dem Namensschild der Stadt hinplaziert wurde das dem Autofahrer zu verstehn gab das er nun seine Gesachwindigkeit auf 50km/h drosseln musste . Er verwarf den Gedanken mit der S-Banhn nachhause zu fahren . Er würde zur Tankstelle laufen und sich von dort aus ein Taxi rufen das ihn dann bis vor seine Haustür fährt . Als er losgelaufen war viel ihm eine weitere Ungereimtheit auf , seit dem er aus seiner Bewusstlosigkeit aufgewacht war hatte er kein einziges Auto mehr gesehn geschweige denn einen Menschen und es herrscht immer noch diese totenstille die so gar nicht zu dem offenen Gelände hier draussen passte hier ging für Gewöhnlich immer Wind der auch gewöhnlich immer Geräusche verursachte doch es war nichts zu hören nicht der kleinste Laut . Als er den kleinen Shellshop der Tankstelle betrat viel sein erter Blick auf die Uhr die über der Kasse hing , der Anblick lies ihm das Blut in den Adern gefrieren , 21:57 . Dann viel ihm ein weiteres Detail auf das an dem Bild hier drin nicht stimmte , der Kassierer war nicht da , er war alleine in der Tankstelle . Ihm wurde unheimlich und in ihm machte sich ein leichtes Gefühl von Angst breit .
Dann drehte er sich nach links und ging zum Kühlregal , er musste jetzt etwas trinken und einen klaren Gedanken fassen . Plötzlich viel ihm aus den Augenwinkeln etwas auf und er wandte seinen Blick nach rechts. Da stand der Kassierer . "Hallo" begrüste ihn Steven doch der Kassierer gab keinen Ton von sich . Er erstarrte als er sich den Mann in dem Shellhemd genauer betrachtete . Der Mann stand da in einer grotesk wirkenden Gehbewegung ein Bein in der Luft und verharrte in dieser Position allen Gesetzten der Schwerkraft trotzend . Steven tat zitternd einige Schritte auf den Mann zu und aus irgendeinem Grund fühlte er seinen Puls . Doch er suchte vergeblich , dieser Mann hatte keinen Puls . Ihm kam wieder das Bild von seinem Fahrad und wie es aussah und plötzlich wusste er es . Normalerweise hätte er es sein müssen der nichtmehr atmete doch es war die Welt um ihn herum die aufgehört hatte zu atmen .
Ende
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-08 19:07:40 mit dem Titel " War da nicht was ??? "
Frank Simmson war 8 Jahre alt , saß an seinem Schreibtisch und beendete grade seine Schulaufgaben . Sein Kopf fuhr nach links herum , "War da nicht was?". Er starrte in die Ecke des Zimmers . Auch sein Hund Terry stand mitten im Zimmer mit gesträubtem Fell , knurrte leise und starrte ebenfalls in die Ecke des Zimmers . Es war zwar schon dämmrig jedoch konnte man noch sehr gut erkennen was sich dort in der besagten Ecke befand . Nichts , absolut nichts . "Unsinn" dachte sich Frank und wante sich wieder seinem Heft zu , während Terry sich vor dem Bett des jungen hinlegte und gähnte . Doch plötzlich lief Frank ein Schauer über den Rücken .
Jack Simmson , der Vater des Jungen , der in der Garage das Auto poliert hatte und grade die Politur zurück in das Regal stellen wollte blickte zum Tor , " War da nicht was ?". Er begab sich hinaus und sah sich um , er hätte schwören können es sei etwas am Tor vorbeigehuscht , aber da war weit und breit nichts und niemand zu sehen . Er sah hinauf zum dämmrigen Himmel an dem die Wolken wie vom Sturm gepeitscht über ihn hinwegzogen . "Seltsam" sagte er sich "Hier unten ist kaum ein Lüftchen zu spüren" .
Mary Simmson , die Mutter und Ehegattin stand am Herd und holte grade das heiße Blech mit dem Apfelkuchen heraus , " War da nicht was? ", die Zimmertür öffnete sich und viel abrupt wieder ins Schloss .
" Jack " rief sie , " bist du das? ", sie drehte sich um und blickte zur Tür , doch da war niemand , sie war alleine . Schnell stellte sie das Blech auf dem Küchentisch , öffnete die Tür und trat in den Flur . Auch hier war niemand , sie bekam eine Gänsehaut . " Jack " rief sie " Frank , ihr könnt kommen der Kuchen ist fertig "," Ich komme " hörte sie Franks Stimme von oben .
Terry lag vor dem Bett und starrte in die Dunkelheit darunter .
Frank stand vom Schreibtisch auf , " komm Terry , es gibt Kuchen " sagte er und sah sich um . Doch er konnte seinen Hund nirgends entdecken , "hat sich wohl wieder unterm Bett versteckt" dachte Frank und rief " komm schon raus ". Er beugte sich hinunter , schob den Kopf unter das Bett und starrte in die Dunkelheit .
" Frank kommst Du endlich ? " rief die Mutter im Hausflur . Kein Antwort . " Frank!!! " rief sie erneut . Nichts . Mary stieg die Treppe hinauf . " Wo seid ihr denn?"," Wo habt ihr euch versteckt ?".
Jack betrat das Haus , er sah die offene Küchentür und den dampfenden Apfelkuchen auf dem Tisch " Mary , Frank wenn ihr nicht kommt fange ich schon ohne euch an !". Da hörte er wie seine Frau oben zum zweiten mal rief " Wo habt ihr euch ver..." Stille . Ein eisiger Luftzug wehte durch den Hausflur und Jack lief es eiskalt den Rücken hinunter . Er rannte die Treppe hinauf " Mary " schrie er " Frank wo seid ihr? ", er stürtzte ins Kinderzimmer , " Wo seid ihr denn ?" . Er kniete sich hin und blickte unter das Bett , Dunkelheit .
Sherrif Pendergast , 67 Jahre alt und Sherrif der Ortschaft Simmsons-Lodge im Bundesstaat Maine , kam gegen 22Uhr leicht schwankend nach Hause . Er blickte den Simmson-Hill hinauf und sah , das im Simmson-Haus alle Fenster hell erleuchtet waren . Er nickte vor sich hin und brummte " alle noch wach ", und es war ihm als höre er aus der Ferne eine Stimme rufen " wo seid ihr , wo seid ihr denn ?". Er dachte sich nichts dabei , obwohl im eigentlich längst hätte etwas auffallen müssen . Als Pendergast gegen 4 Uhr morgens zum ersten mal aufwachte sah er zum Fenster hinaus und murmelte "noch immer das ganze Simmson-Haus hell erleuchtet?", er bemerkt seinen Irrtum immer noch nicht . Während er wieder einschlief glaubte er wieder die Stimme zu hören die rief " Wo seid ihr , wo bin ich ???".
Um 6 Uhr in der Früh , es war schon hell , wachte Pendergast auf und sah sogleich aus dem Fenster , dann fuhr er herum und weckte seine Frau . " Martha " schrie er fast und seine Stimme überschlug sich fast "Martha , das Simmson-Haus auf dem Hügel , es ist weg , es ist weg !". Er packte sie am Arm " Es ist einfach nicht mehr da !". Martha setzte sich auf und zog die Augenbrauen zusammen . " Pendergast " sagt sie mit ihrer rauen aber herzlichen Stimme " das war wohl ziemlich viel Whiskey Gestern Abend was?" , " aber sieh doch ! " rief er " es ist weg ! " . Seine Frau tippte sich sachte auf die Stirn und erwiderte während sie ihm fest in die Augen sah " Pendergast , sicher ist es weg , schon ziemlich lange soger " und fuhr fort " so ungefähr hundert Jahre muß es wohl her sein das die Simmsons und ihr Haus über Nacht verschwanden " . Pendergast starrte sie an , nätürlich , was redete er da . Aber was hatte er denn da in der Nacht gesehn und gehört und warum war er so sicher gewesen das Haus stünde noch da oben auf dem Hügel . Dabei machte man doch solange er denken konnte den Kinder Angst mit dieser Geschichte , er schüttelte den Kopf und stapfte langsam in die Küche . Er wird langsam alt dachte seine Frau die sich wieder hingelegt hatte . In der Küche angekommen nahm Pendergast die Dorfcronik aus dem Regal und blätterte in ihr . Es dauerte nicht lange bis er Eintrag über das Verschwinden des Hauses fand , er blickte auf das Datum , 1. Juni 1822 . Dann sah er auf den Kalender und ihm wurde unheimlich , 1. Juni 1922 .
Mit höllischem Heulen und Kreischen begann der Sturm .
John Ridley , 37 Jahre und Lehrer legte langsam das Heft aus der Hand und schmunzelte . Nicht schlecht dieser Aufsatzt des 11 jährigen Frank Simmson , nicht schlecht . Er blickte hinaus in die beginnende Dämmerung , aus den Augenwinkeln heraus bemerkte er eine kaum wahrnehmbare Bewegung aus der Ecke des Zimmers , er fuhr herum , "War da nicht was?" weiterlesen schließen -
Alf und Samson auf Abwegen
Pro:
???
Kontra:
???
Empfehlung:
Nein
Heute möchte ich euch mal eine Geschichte erzählen, die sich so ähnlich auf dem von mir besuchten Reiterhof zugetragen hat. Die Hauptrollen spielen darin 2 Haflinger mit den Namen Samson und Alf. Viele Male hatten wir das Vergnügen die beiden Ausreißer wieder einfangen zu dürfen. Dies veranlasst mich euch eine kleine Geschichte zu erzählen.
Es war einmal ein Tag wie jeder andere. Nein, vielleicht doch nicht wie jeder andere. Es war schon in aller Frühe richtig sonnig. Alf erwachte, da ihn ein Sonnenstrahl zwischen den Nüstern kitzelte. Nach vielem Blinzeln öffnete er die Augen. Samson, sein Boxen-Mitbewohner, stand schon auf seinen vier Hufen und gähnte herzhaft. Alf stand auf und schüttelte sich das Stroh aus dem Schweif und der Mähne. Plötzlich war er hellwach, stellte er doch fest, dass außer ihm und Samson niemand mehr im Stall war!
Verwundert fragte er Samson wo denn die anderen seien. Dieser meinte: „Du bist eine alte Schlafmütze. Diana hat schon lange gefüttert. Der zweite Ausritt ist unterwegs und die anderen sind auf der Koppel.“ „Und was ist mit uns?“ fragte Alf. „Wir sind wahrscheinlich beim Führausritt dabei“ antwortete Samson. „Wie Führausritt... und das ohne Frühstück?“ entrüstete sich Alf. Er war völlig geschockt, das war ja ein böses Erwachen heute.
Doch plötzlich hatte er eine Idee. Er lief zur Boxentür und probierte, ob er sie mit dem Maul öffnen könnte. Und entweder es war sein Glückstag oder es war einfach nur sein unglaubliches Talent, der Riegel sprang zurück, er drückte gegen die Boxentür und schon stand er auf der Stallgasse. Er winkte Samson zu ihm zu folgen.
Gemeinsam inspizierten sie einige leerstehende Boxen auf der Suche nach übrig gebliebenem Futter. Doch die anderen schienen mächtig Hunger gehabt zu haben, denn alles war leer. Auch die Futterkiste war abgeschlossen. Also machten sich die beiden auf den Weg im Freien etwas essbares zu finden. Sie gingen durch die Scheune (auch hier fanden sie keine Getreidereste unter der Mühle) und weiter vorbei am Offenstall.
Nun, keiner schien die beiden im Moment zu vermissen. Also entschlossen sie sich aus Langerweile für einen Spaziergang durch das Dorf, entlang der Straße, wo zum Glück kein Auto kam, denn davor fürchtete sich Alf.
Noch immer hatten sie nichts gefrühstückt.
Samson fragte einen Radfahrer nach der Uhrzeit und sie stellten fest, dass der Führausritt auf alle Fälle beendet wäre. So entschieden sie sich einfach wieder in den heimatlichen Stall zurück zu kehren. Sie machten einen kleinen Umweg über ein paar Felder und probierten hier und dort das Getreide und den Mais. Als sie in den Hof trabten stand Diana da und sie dachten, dass sie nun ganz böse auf die beiden sei. Aber diese redete ganz lieb, nahm beide am Halfter und erzählte irgendwas von ...sich Sorgen gemacht... und ... solche Angst um euch gehabt.
Sie tat den beiden richtig leid. Daran hatten sie gar nicht gedacht. Diana sperrte sie auch nicht in die Box, sondern entließ sie auf die Koppel. Die beiden versprachen in Zukunft nicht wieder auszureißen. Ob sie das wohl halten können?
auch veröffentlicht bei Ciao unter gleichem Nick weiterlesen schließen -
Anekdoten, was isn dat???!!!!
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Moin Moin. Habe mich gerade bei Yopi ein bisschen durch die Kategorien geklickt und bin auf Anekdoten gestoßen. Nach kurzen Nachdenken fiel mir ein, dass wir das Thema mal in der 8. Klasse hatten. Nicht dass ich ein schlechtes Gedächtnis habe, aber ich erinnere mich an ziemlich wenig :-)
So weit ich es noch weiß versuche ich erst einmal zu beschreiben, was eine Anekdote ist...
Erst einmal ist es eine Geschichte. Eine Geschichte mit wenig Adjektiven, das heißt man geht nicht auf einzelne Personen oder Gegenstände näher ein. Dann geht es in einer Anekdote meistens um eine besondere Person oder einen besonderen Gegenstand. Was die wörtliche Rede angeht, darf sie natürlich auch dabei sein, aber ich schreibe meistens keine, weil ich es nicht mag :-) also nicht traurig sein...Das Ende sollte entweder ein witziges oder ein tragisches sein.
So mehr fällt mir dazu spontan nicht ein *g*
Nach meiner Erklärung fange ich jetzt mal an und lasse meine Fantasie spielen :-)
Wünscht mir Glück...
*** Die wundersame Kerze ***
Eines Abends war Anni allein zu Hause. Sie sah vorm Fernseher, ohne Licht, weil der Strom mal wieder aus war. So hatte sie ihre blutrote Kerze neben sich stehen. Nach einiger Zeit flackerte sie die ganze Zeit. Anni schaute ob ein Fenster offen war. Doch dem war nicht so. Mittlerweile war es schon 0:47Uhr und ihre Eltern waren immer noch nicht da. Anni machte sich Sorgen. Sie wollte zum Telefon gehen um ihre Eltern anzurufen, doch so trottelig wie sie ist haute sie die Kerze hinunter. Ihre Socke fing sofort Feuer. Sie hob die Kerze kurz hoch auf die Fensterbank und rannte ins Bad, steckte ihren Fuß ins Klo und seufze: „Noch mal alles gut gegangen“.
Nachdem sie ein Kühlpaket geholt hatte ging sie wieder ins Zimmer. Sie nahm die Kerze und stellte sie auf den Tisch. Sie schaute weiter fern. Doch sie bekam langsam wirklich Angst. Es war so spät. Sie griff zum Telefon und wählte die Nummer ihrer Eltern, als ihre Eltern gerade rangegangen waren, fiel die Kerze ohne Berühren erneut hinunter, der Boden fing sofort Feuer. Anni hatte Panik, sie hustete wegen dem Rauch, alles war nebelig, die Tür klemmte. Sie sah nichts mehr und erstickte dann in ihrem Zimmer, und ihre Eltern konnten nur zuhören...
So das war ein Beispiel. Der Besondere Gegenstand über den geredet wird ist die Kerze, sie wird etwas beschrieben. Das Ende ist tragisch.
Nun noch eine weitere Geschichte mit einem Happy End und einer besonderen Person :-)
** Meine Katze Pitri **
Meine kleine Katze Pitri wohnt seit neustem bei uns. Sie ist erst einen Monat alt und total süß! Doch letzten Samstag hatte ich gedacht sie wäre weggelaufen, und das war so...:
Am morgen verabschiedete ich mich von Pitri, weil ich zur Schule musste. Als ich wiederkam war die kleine Katze aber weg. Ich suchte sie den ganzen Tag. Am Abend ging ich nocheinmal raus um ihr einen Napf nach draußen zu stellen, falls Pitri wieder kommt. Da raschelte etwas im Busch. Ich ging näher heran und irgendein Tier hüpfte heraus und rannte in unser Haus. Ich nahm den Besen und suchte das Tier. Gerade als ich zuschlagen wollte, sah ich dass es mein kleiner Pitri war. Ich war überglücklich und Pitri auch. Meiner Mutter erzählte ich es später, auch sie war glücklich. Heute schläft er bei mir im Zimmer.
** Meine Meinung über Anekdoten **
Eigentlich merkt man gar nicht auf den ersten Blick was eine normale Geschichte von einer Anekdote unterscheidet, aber wenn man es genauer unter die Lupe nimmt schon. Es ist auch gar nicht so einfach Anekdoten zu schreiben, weil man darauf achten muss, dass es nur eine Hauptperson gehen darf (oder einen Hauptgegenstand). Und man darf nicht näher auf alles andere eingehen, wie bei Märchen, wo von schönen, großen Schlössern geredet wird. Allerdings darf man das Ende nicht offen lassen, was ich bei Filmen ganz gut finde. Insgesamt finde ich Anekdoten ganz gut, sie sind nicht so umfangreich und schmuckvoll geschrieben. Es sind in meinen Augen normale Geschichten im normalen Sprachgebrauch.
Fazit: 4Sterne
Nachwort...
So nun bewertet mal meinen Bericht, wenn ihr noch ne schöne Geschichte habt könnt ihr sie mir erzählen, dann stell ich sie mit Empfehlung auch in den Bericht, vielleicht bekommt ihr dann ja noch mehr Lesungen *g*
Bis dann Miss weiterlesen schließen -
Kleine erotische Geschichte - Vorsicht, eigene Kreation
Pro:
..
Kontra:
..
Empfehlung:
Nein
Ich dachte mir, dass bei den vielen Geschichten vielleicht einmal etwas Eigenes nicht schaden kann und habe mir eine kleine erotische Geschichte ausgedacht. Wenn sie Euch gefällt freut es mich, wenn sie Euch unterhällt, freut es mich noch mehr. Wenn sie Euch nicht gefällt, dann verzeiht mir.
Heute ist so ein Tag, ein Tag, an dem alles schief läuft, an dem hinten und vorne nichts passt.
Wie schön, dass Du nun bald wieder bei mir bist, denke ich noch so, als plötzlich die Tür aufgeht. Im Gedanken versunken habe ich mich erschrocken, als ich das Klacken des Schlosses hörte.
Eine Woche warst Du nun weg. Eine Woche voller
Sehnsucht, eine Woche voller Einsamkeit.
Einen Augenblick später sah ich Dich in der Tür
stehen.
Ein breites Lächeln im Gesicht und das Funkeln Deiner Augen, die vor Aufregung wild hin und her schauten.
Ich war sprachlos, sprachlos über das was ich da vor mir sah. Du schienst in der Woche noch schöner geworden zu
sein. Du sagtest kurz: hallo ! Ich war kaum in der Lage etwas zu sagen und schluckte, als ich schliesslich doch ein Hallo über die Lippen brachte.
Wir gingen aufeinander zu und unsere Augen versanken
ineinander. Die Umgebung verschwamm und ich hatte nur noch Dich und nur noch Deine Augen im Visier.
Schliesslich war ich so nah, dass ich Deinen Atem
spüren konnte. Mein Herz fing fester an zu schlagen. Noch einen Moment, einen winzigen Moment, in dieser Situation
eine Ewigkeit wie mir schien und unsere Lippen berührten sich.
Ganz zärtlich, ganz leicht. Deine Lippen waren kalt
vom Wind der draussen herrschte. Aber sie fühlten sich toll an.
Sie waren weich und zart. Ich drückte meine Lippen fester an
Deine und unsere Münder verschlangen ineinander.....
Der Weg die Treppe hinauf kommt mir ewig lang vor. Schon merkwürdig, da ich mich sonst doch immer über die allzu schmale Treppe beschwerte.
Während Du mich die Treppe hinauszogst kam ich mir vor wie ein willenloses Objekt. Ich lies mich von Dir führen ohne auch nur den geringsten Widerstand leisten zu können. Dabei
wollte ich Dir soviel erzählen, von der vergangenen Woche.
Stattdessen gingen meine Beine wie automatisiert diese Stufen empor. Mein Blick klebte an Deinem wunderschönen Körper. Wie lange hab ich ihn vermisst ! War es wirklich nur eine Woche. Eine Woche kann eine Ewigkeit sein.
Irgendwo hörte ich ein Hämmern und sägen von der gegenüberliegenden Baustelle. Die Meiers aus dem
angrenzendem Nachbarhaus stritten sich mal wieder in einer Lautstärke, die die Wänder erzittern lässt. Eigentlich ärgerte ich mich über diese Dinge, doch jetzt schien all das egal. Geräusche, die wie aus der Ferne kommen, gut gedämpft
durch eine watteweiche Wand. Ein unsichtbarer Vorhang.
Die Tür zum Schlafzimmer stand auf. Du zogst mich hinein.
Dann plötzlich drehst Du Dich um, schaust mir ganz tief in die Augen, während Du immernoch meine Hand festhällst. Ich war beinahe schrocken, so überrannte mich Dein Blick. Das Funkeln in den Augen. Es war noch viel stärker als vorhin im Eingang. Es war fordernd, bestimmend und ich wusste sofort, dass Du jetzt nur ein Ziel hattest.
Nichts sollte Dich von diesem Ziel abbringen.
Du musst meine Bewegungslosigkeit bemerkt haben, denn ruckartig zogst Du meinen Arm und mich somit an Dich.
Unsere Körper berührten sich und schienen zu vibrieren. Zwei
Magnete die sich anziehen. Alleine durch milimeterdicken
Stoff getrennt.
Dein Blick fixiert nun meine Augen, Deine Stirn berührt
meine Stirn. Ich kann Deinen heissen Atem spüren, Deinen
Herzschlag fühlen. Du streichelst meinen HInterkopf und
unsere Lippen berühren sich fast wieder. In diesem Moment
würde ich alles für Dich tun, Du könntest mich benutzen,
oder sagen ich solle aus dem Fenster springen. Gleichzeitig
stieg in mir das Verlangen auf, Dich zu benutzen, die zu
zeigen, dass ich der Mann bin, derjenige, der doch
eigentlich sagen müsste wo es langgeht. Sinnloses Machogeabe
dachte ich mir und wollte damit nur meine Unterlegenheit
erklären.
Was geschiet ? Ich verspürte einen festen Druck in meiner
Brust. Noch ehe ich begriff was geschehen war, verlor ich
das Gleichgewicht. Ich fiel rücklings aufs Bett. Du hattest
mich gestossen. Einfach so, ohne Vorwarnung. In Deinem
Gesicht machte sich ein Lächeln breit. Nur für einen Moment,
ganz kurz. Dann war es wieder verschwunden. Doch es schien
mir zu sagen: So mein Kleiner. Wie war das doch mit dem
schwachen Geschlecht ? Schau Dich doch an, wie Du da liegst,
hilflos, willenlos.
Erst jetzt war ich in der Lage Dich komplett anzuschauen.
Ist das möglich ? Bist Du noch schöner geworden ? Geht das überhaupt. Du hattest diese hauchdünne, beige Bluse an.
Darunter konnte ich ganz schwach einen BH ausmachen. Ich überlegte mir, welche Unterwäsche Du wohl tragen würdest,
konnte aber das schwache Bild nicht zuordnen. Deine dunkle Hose betont Deine Figur ohne zu provokativ zu wirken. Der untere Knopf Deiner Bluse war aufgeknüpft. Dein Bauch war frei. Für einen Moment verlor ich den Blick Deiner Augen und mein Blick haftete auf Deinem Bauch, Deinem Bauchnabel.
Deine ebene Haut, so sanft, man konnte es sehen, ohne sie zu berühren. Berühren, ja, ich will sie berühren, will sie spüren. Das Blut schoss mir in die Finger. Ich merkte, wie mein ganzer Körper pulsierte.
Du wusstest schon immer wie Du mich anmachen kannst. Weist Du noch, wo wir uns das erstemal sahen ?! Der Nachmittag hat mich meine Seele und meine Versicherung 720 DM gekostet, weil ich schnurstracks in die Glasvitrine lief da mein Blick ausschliesslich Dir galt und sämtliche angeborene Orientierungshilfen versagten. Ich wollte Dich damals einfach kennenlernen. Egal wie. Nur die anstampfende Derkorateurin, die mir scheinbar nach dem Leben trachtete schien mich noch daran hindern zu können. Gut, sie hatte die Vitrine gerade neu dekoriert, aber würde sie deshalb einen Mord begehen. Ihr Gesichtsausdruck und der rote Kopf liessen nichts gutes verheissen. Wenn man Frauenbewegung mit dem Anrücken der Armee in Stalingrad vergleichen will, dann trifft das durchaus den Kern dessen, was ich in dieser Frau sah.
Gott sei Dank schrittest Du beschwichtigend ein. Das war sehr ritterlich und der Moment, in dem ich mich in Dich verliebte.
Gott sei Dank fiel ich jetzt nur auf unser Bett. Erst jetzt merkte ich, dass Du einen Schritt näher auf mich zugekommen bist. Recht dümmlich musste ich in diesem Moment reinschauen, wie ich so hilflos auf dem Bett lag.
Du öffneste den dritten Knopf Deiner Bluse. Wie jede Bewegung von Dir wurde selbst das Öffnen eines Knopfes zum Ritual. Selbst ein Knopf, ein einfacher unscheinbarer Knopf
wurde in Deinen Händen ein erotischer Gegenstand..
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-13 11:16:53 mit dem Titel Momente
So, jetzt der richtige Text *puuhhh*
Momente
19.50 Uhr ganz München scheint auf den Beinen. Hektik. Keiner beachtet den anderen. Geschupse. Rempler. Sorry ! Kaum ausgesprochen wieder verschwunden. Hab ich alles eingekauft, hab ich nicht wieder etwas vergessen ? Der Kollege heute hat mich wirklich aus dem Konzept gebracht. Mit seiner ewigen Klugscheisserei. Mist, falsche U-Bahn Seite. Nur noch 5 Minuten, dann geht die Bahn. Rolltreppe überfüllt. Links gehen rechts stehen. Toll ! Statt kluge Sprüche zu reissen sollte die MVV mal lieber ein paar S-Bahnen mehr einsetzen. Noch 2 Minuten. Wieder oben an der Treppe angekommen. Ich schaue mich hektisch um. Wo ist das verdammte Schild ? Da ! Klar ich Depp, rechts, logisch. Also hingespurtet. Noch 10 Meter. Tiefer Schmerz durchströhmt mein Bein. Shit ! Pfosten nicht gesehen. Der Mann stand doch gerade noch davor. Egal. Humpelnd weiter. Treppen runter. 30 Stufen. Eine Ewigkeit.
Ich schieb mich durch eine riesige Menschenmenge. Nur Köpfe. Igitt, was für ein ekliges Parfüm. Nur einen Moment. Die Reihen lichten sich. Mein Blick fällt auf ein leeres Gleis schienen. Im Hintergrund höre ich die U-Bahn bereits fahren. Zu spät.
Ich mache die Augen zu. Nur einen Moment. Ein, zwei Sekunden vielleicht. Dann stehst Du vor mir, genau in meinem Blickfeld. Dir scheint es ebenso ergangen zu sein. Unsere Blicke treffen sich. Sorry, wollte Dich nicht anstarren, schiesst es mir in den Kopf. Mein Mund bleibt geschlossen. Du lächelst. Die Stimmen, der Parfümgeruch, das Hundegebell, die einfahrende U-Bahn am Gleis gegenüber, alles verschwindet. Für einen Moment. Ich lächel zurück. Automatisch. Hab mein Gesicht nicht unter Kontrolle.
Dann werde ich unsanft angerempelt. Eine grosse Traube Menschen drängelt sich zwischen uns. Ich kann Dich nicht sehen ! Wo bist Du ? Wer bist Du ? Bitte lächel noch einmal so !
Die Menge zieht vorbei, ich stehe auf dem Gleis. Einsam. Aus der Traum.
Aber mit Dir ist meine Hektik gegangen. Ich denk an Dich und geniesse den Rest des Tages.
Werde ich Dich jemals wiedersehen ? Niemals werde ich Deine Augen vergessen. das Funkeln.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-16 18:20:07 mit dem Titel Ein Wunder
Ähm, sollte erwähnen, dass die Story fiktiv ist
„Es ist Samstag der 14.12. wir haben 6 Uhr….Guten Morgen meine….“ Guten Morgen, guten Morgen, wenn ich den krampf schon höre. Ich Idiot stell mir am Samstag den Wecker. Weihnachtsgeschenke einkaufen. Weihnachtsgeschenke ? Für wen eigentlich ? Meine Eltern sind vor Jahren bei einem Verkehrsunfall verunglückt, meine Freundin ist vor 2 Jahren mit einem Typen abgehauen. Einfach so. Von heute auf Morgen. Er hat Kohle, er verdient regelmässig gutes Geld, er ist nett, er … . Bla, bla, bla. Männer sind Schweine musste ich früher immer hören. Alle Männer gehen fremd. Das waren die Standartsprüche. Pah, erwischt hab ich die Beiden. Zusammen in seinem Auto, seinem Mercedes. Überhaupt, so ein Rentnersarg. Wahrscheinlich ist seiner so klein dass er so eine Schwanzverlängerung braucht. Vielleicht aber, ja, er ist ja schon 40. Ich denke der Rücken plagt. Ach was solls, sollen die Beiden doch glücklich werden.
Ich kann mich auch so amüsieren, habe mich die ganze Zeit amüsiert. Ok, die ersten Monate hab ich mehr rumgehangen. Saufen wollt ich nicht. Ich trinke nicht. Frust runterspülen haben mir Freunde geraten. Schöne Freunde. Sitzen zuhause, 600km entfernt und arbeiten, anstatt sich um mich zu kümmern.
Geschwister hab ich nicht. Meine Eltern haben sich immer eine Schwesterchen für mich gewünscht. Es hat nicht sollen sein.
Sorry, hab mich noch garnicht vorgestellt, ich heisse Frank, bin 30 Jahre und muss noch mindestens 35 Jahre arbeiten.
So wie oben geschildert fing der 14.12. an. Ein Tag wie fast jeder andere. Von Weihnachtsstimmung keine Spur. Es sollte der letzte Tag dieser Art sein.
Meine Hand schlug auf den Wecker, ich stellte mir vor, es sei der Kopf des krankhaft gutgelaunten Moderators. Entweder die zeichnen die Sendung auf, oder der Typ ist noch auf Droge von der letzten Partynacht.
Der Wecker gibt nicht auf, weckt mich alle 5 Minuten. Ich nicke jedes Mal ein. Irgendwann wird ich so wütend, dass ich das unschuldige Gerät packe und gegen die Wand schleuder. Mein Pech, der Bilderrahmen stand im Weg. Der Wecker blieb heile. Warum klappt das in Filmen immer so toll ? Warum geht dort der Wecker kaputt, nur der Wecker.
Die Wut treibt meinen Adrenalinspiegel in die Höhe, ich bin wach. Ok sag ich mir, bringen wir den Tag hinter uns. Schicken wir Tantchen, Onkelchen und Freunden ein nettes Präsent. Schicken wir ihnen, schicken wir ihnen, ja was eigentlich. Egal wird sich schon was finden.
Das Bild bleibt jetzt erst mal liegen. Egal, ist eh kaputt. Ich schwing mich aus dem Bett „Aua !! Scheisse ! So ne verdammte…“ Der Teppich färbt sich an der Stelle meines Fusses rot. Mein Fuss brennt, wird warm, ein stechender Schmerz. Ich falle sofort wieder aufs Bett, schaue mir meine Fusssohle an. Eine Scherbe hat sich in meinen Fuss gebohrt. Das Bild mit dem zersplitterten Glas scheint mich anzulächeln. Schadenfreude.
Ich ziehe den Splitter vorsichtig aus dem Fuss, halte die Luft an. Idiotischer Weise kneife ich die Augen zusammen um nicht hinzuschauen, blinzle aber doch. Und dann, dann ist er draussen. Vorsichtig aufgestanden, Fuss hochgehalten und ab ins Bad gehüpft. Es tropft, auf den Teppich, auf den Parkett im Flur.
Wo sind doch gleich die Pflaster. Ich hab doch….nee, sie stehen auf dem Einkaufszettel. Auf dem von vorletzter Woche. Ich hab mir alles fein säuberlich aufgeschrieben. Allerdings jedes Mal den Zettel vergessen. Genauso wie ich mir jedes Mal Tüten kaufen muss. Zuhause häufen sich die Plastiktüten von Aldi, Lidl, Plus und anderen Unternehmen.
Von Müdigkeit ist nun keine Spur. Improvisieren ist angesagt. Ich nehme Klopapier und wickle es um den blutenden Fuss, dann wird die Sache mit Tesa befästigt. Sieht doch garnicht so übel aus. Nun soll die Stelle erst mal aufhören zu bluten.
Jetzt einen Kaffee ! Aber wie ich mich kenne fehlt wieder was. Filter ? Sind da. Kaffee, jau, auch. Wasser ? Gibt’s aus der Leitung. Gibt’s aus der Leitung? Wieviel Uhr ist es gleich. Mitlerweile 6.30 Uhr. Die Handwerker wollten doch irgendwas reparieren. War das nicht um…, ja um 6.30 Uhr. Ich stürze zur Spüle. Wasserhahn auf. „Blubb“ „Blubb“ Mir schwant fürchterliches. Schlimmer wäre jetzt nur noch, wenn Verona aus demselbigen Wasserhahn entspringt und immer „Blubb, Blubb“ ruft.
Fassen wir also zusammen. Eine kleine Lagebesprechung, eine 1 Mann Besprechung: Kein Kaffee, Fuss blutet, kein Wasser also auch nix duschen.
Jetzt ist mir alles wurscht, ich pack mir die erstbesten Klamotten, ziehe mich in Rekordzeit an, schnappe meine Geldbörse – 200 Euro sollten reichen – wetze zur Haustür und wech.
Die ersten Stufen nehme ich quasi im Flug. Nur weg, weg von zuhause.
Der letzte Sprung, die letzten 3 Stufen haben es offenbart. Mein Hose rutscht ein wenig höher. Aha, eine beige und eine schwarze Socke. Na toll. Zumindest die Schuhe sind gleich.
Wenn schon nicht geduscht, dann wenigstens ordentlich angezogen. Also wieder zurück in den 2. Stock. Wo ist eigentlich mein Haustürschlüssel ? In der Hosentasche ist er nicht. Linke Jackentasche leer, rechte Jackentasche leer. Klar der ist ja auch am Schlüsselbord. Kluger Gedanke Frank. Nur ist das Schlüsselbord dummerweise auf der anderen Seite der Tür.
Jetzt einen Schlüsseldienst holen und der Tag ist vorbei. Also weitermachen, als wäre nichts. 500 Meter entfernt gibt es seit einiger Zeit einen McDonalds. Nichts wie hin.
Wenigstens auf McDonalds ist verlass. Wie immer verbrenn ich mich am Kaffee. Der Egg McMuffin ist wieder kalt und der Rest scheint noch gefroren. Meine Bestellung, wie gewohnt: „Ich hätte gerne einen EggMcMuffin…pause…einen Mc Croissant…pause….einen Kaffee. Alles zum hier essen.“ „Einen McMuffin. Mit welchem Getränk ?“ piepst es mir entgegen. „Mit Kaffee“ – „Und das… ?“ -“Das bitte ohne Getränk.“ Unterbreche ich – „Also einen McMuffin mit Kaffee und…“ – „ja genau“ kürze ich das Ritual ab. „Zum hier essen oder zum mitnehmen?“ Mist, ich habs vergessen, ich habs wieder vergessen. Die Frage gehört zum Mc Donalds Ritual.
Schliesslich hab ich’s doch geschafft und atme etwas durch.
Um 7 Uhr bin ich dann fertig und überlege mir, dass ich mit der nächsten U-Bahn wohl um 7.30 Uhr in der Stadt bin. Um 7.30 Uhr, an einem Samstag. Zum einkaufen. Und die Geschäfte machen um 9.30 Uhr auf. Frank Du bist sooo doof.
Es reicht ! Ich springe auf, schmeisse meinen Rest Kaffee um, lasse das Tablett links liegen und renne auf die Strasse. Es muss einfach raus, es drückt, es tut so weh: „Aaahhrrrrgggg !!!“
3x 4x, ja, dass tut gut. Die ganze Wut will raus. Es reicht nicht, ich schreie weiter. Der Schmerz nimmt nicht ab, wird nicht besser. Der Frust, die Einsamkeit, alles kommt hoch, will raus. Bilder schwirren mir im Kopf herum, ich schreie. „Jetzt ist aber mal Ruhe da ! Bei dem Lärm kriegt man ja kein Auge zu.“ Meine Schreie verstummen, ich werfe der Frau im 3 Stock einen abfälligen Blick zu: „So, jetzt pass mal auf Mutti: Erstens schlafen Leute in Deinem Alter um die Zeit eh nicht mehr, sondern verstopfen U-Bahnen, kaufen Blumen für den Friedhof oder liegen selbst da. Und des weiteren seien sie doch froh, dass in diesem verpissten Kaff endlich mal was los ist.“ Ja, dass tat gut. Wenigstens ein bischen.
Die Zeit bis zur Geschäftseröffnung verbrachte ich mit verschärftem S-Bahn fahren. Ich genoss die verschiedenen Häuser, die Wälder, den See….Die Wälder, den See ? Wieso gibt es zwischen Ostbahnhof und Feldmoching, mitten in der Stadt, Seen und Wälder. Die nächste Haltestelle war dann Starnberg, Endstation.
40 Minuten dauerte mein Aufenthalt in Starnberg. Eine Zeit in der ich all die Körperteile kennenlernte, die andere durch Sport kennen. Nur das sie mir halt weh taten, weil’s halt furchtbar kalt war.
Wie gesagt, ich war pünktlich in München. 9.46 Uhr um genau zu sein.
Die Menschenmassen schubsten und drängten bereits. Aggressivität lag in der Luft. Jeder schien es besonders eilig zu haben. Blos keinen Milimeter Platz machen. Augen zu und durch. Hier mal jemanden in die Hacken laufen, da mal jemandem mit dem Ellenbogen einen Schubser geben.
In der Innenstadt wurde es minütlich voller. Die Weihnachststände, der Weihnachtsmarkt. Eine Kommerzbudensammlung. Mehr nicht. Viktualienmarkt, der berühmte Viktualienmarkt. Dort wo alles zu haben ist. Vorausgesetzt man hat das notwendige Kleingeld. Das hat man aber als Normalsterblicher nicht.
Was kauf ich nur ? Und wo ?
Kaufhof. Genau, im Kaufhof gibt es alles. Der riesig, der ist warm, der ist am Hauptbahnhof. Also quasi nicht da wo ich bin. Ab ins Untergeschoss ? Ist eigentlich ganz München unterkellert ? Ich erwische ein U-Bahn zum Hauptbahnhof und bin 5 Minuten später da. Keiner scheint meine verschiedene Socken zu bemerken. Tausende Leute, keiner merkts. Dummer Gedanke, aber mich besteigt ein leichtes Gefühl der Überlegenheit.
„Mama, schau mal, der hat ja zwei verschiedene Socken an ! Wie der im Film gestern. Der Behinderte.“ Mindestens 3 Leute lachen, ich habe das Gefühl hunderte lachen innerlich, grinsen und eine Mutter zerrt ihr Kind flüchtend über den Bahnhof.
Ich bin frustriert. Meine Beine sind schwer, ich gebe auf, hab keine Lust mehr. Alles egal. Ich schlender durch die Bahnhofshalle, abermals, in Richtung Kaufhalle. Ich schubse einige Leute an, achte nicht auf sie. Sie achten ja auch nicht auf mich.
Direkt vor mir steht jemand. Mein Kopf ist gesenkt, ich sehe eine Jeans, eine dunkle Jeans. Ein paar Hände in roten Handschuhen. Ich vermute das es Hände sind, denn es sind ja Arme dran. Warum steht diese Person vor mir ? Warum direkt auf meinem Weg. Ich will nicht ausweichen. Warum kann dieser Mensch nicht beiseite gehen oder zumindest geradeaus gehen, so dass ich diese Person anschubsen, beiseite räumen kann? Wie die anderen auch.
Ich bleibe auch stehen. Auf sicherer Distanz. So 3-4 Meter. Mindestens. Wer ist das ? Mein Blick wandert langsam höher. Eine Jacke, eine dicke flauschige Jacke. Die Hände baumeln herunter, mal zur Faust geballt, dann wieder ausgestreckt. Die Person scheint zu zittern. Friert sie ? Meine Augen gleiten nach oben. Ich erkenne die Enden eines Schals. Eines roten Schals, dann auf Schulterhöhe die ersten Haare. Sie sind glatt ich schaue höher. Zentimeter für Zentimeter. Ein Kinn, ein schönes Kinn. Das Kinn fliesst in glatte Wangen und wunderschöne Lippen. Die schönsten Lippen, die ich je gesehen habe. Nicht zu gross, nicht krumm oder so, einfach schön. Ich bin nur noch konzentriert auf die Person vor mir. Denke nicht mehr an all die Leute, den Lärm, meine Aggressionen. Die Nase, wie schaut die Nase aus. Sie ist rot. Gefärbt durch die Kälte. Sieht süss aus denke ich mir und blicke in die Augen. Ich erstarre. Wie eine Säule erstarre ich auf Kommando.
Ein funkelndes Paar dunkler Augen schaut mich an. Eine Gefühlscocktail durchfährt mich. Sie hat mich bereits wahrgenommen, aber das war mir egal. In den wunderschönen Augen war etwas. Sie schienen mit mir zu sprechen. Blödsinn ! Ich schob den Gedanken beiseite um ihn im selben Moment wieder zu erleben. Was ist es nur ? Die Augen sehen mich an. Ganz klar. Mehr als das. Sie haben einen Wunsch. Sie sind traurig. Sie wollen, dass ich ein Gespräch anfange. Kann das sein ? Die Lippen sind doch ruhig. Ich komm nicht mehr los. „Entschuldigung, kann ich Ihnen behilflich sein ? Suchen Sie etwas ?“ Da war es passiert. Ich habe ein Gespräch angefangen. Ich war doch noch garnicht so weit. Aber die Worte sind einfach herausgepurzelt. Einfach so ! Ohne mich zu fragen“
„Nein, danke. Ich warte nur.“ Die Lippen hatten sich bewegt, mit mir gesprochen. Mit mir ! Sie haben tatsächlich mit mir gesprochen. Es folgte ein gequältes Lächeln, welches süsseste Fältchen in ihr Gesicht warf. Die Augen jedoch schienen eine andere Sprache zu sprechen: Los, sprich weiter. Ich will keinen Weg wissen. Ich will ein Gespräch. Mit Dir, jetzt.
„Oh, vielleicht kann ich Dir beim warten behilflich sein. Aber heute geht wohl sogar das schief.“ Jetzt war das Lächeln ehrlich und übertrug sich auf die Augen. „ Es wäre einen Versuch wert.“ sprachen die Lippen.
Wir warteten nicht lange, verloren uns in ein Gespräch. Sie hiess Susanne und wartete auf jemanden, den sie übers Internet kennengelernt hatte. Sie war gerade vor 6 Monaten nach München gezogen. Der Arbeit wegen. Die ersten Monate hat sie nur geschuftet und keine Zeit gehabt jemanden kennenzulernen. Das sollte ihr erstes Date werden. Übers Netz. Die einzige Chance die sie, die den ganzen Tag bis spät in die Nacht im Büro sitzte, hatte. Es wurde ihr erstes Date ! Nur nicht mit einer Internetbekanntschaft.
Wir schlenderten durch München, über den Weihnachtsmarkt. Der Duft von Glühwein und Mandeln durchzog die Luft. Im Hintergrund ertönte die Musik eines Chores der live sang. Wir genossen es uns mit der Menge treiben zu lassen, liessen 2 Glühweingläser in unseren Hosentaschen verschwinden und stubsten uns Zuckerwatte auf die Nase. Wir lachten und ihr Lachen verzauberte mich. Ich hatte nur noch Augen für sie. Geschenke kauften wir gemeinsam. Uns vielen die irrwitzigsten Dinge ein. Wir kombinierten die unmöglichsten Dinge, streckten grantigen Käufern die Zunge raus und versuchten 1 Paar Socken minutenlang an der Kasse herunterzuhandeln. Die ca. 20 Kunden hinter uns und die Kassiererin waren kurz vor einem Nervenzusammenbruch.
Es sollte das schönste Weihnachten werden !
Euch liebe Leser wünsche ich eine schöne Vorweihnachtszeit
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-21 17:37:14 mit dem Titel Die Grotte
„Schatz, ich geh noch ne Runde joggen.“ ich war mir nicht sicher, dass meine Frau, die in der Küche eifrig Plätzchen backte, mich hörte. „Aber Du gehst doch sonst nie joggen.“ Ich schreckte zusammen. Gebückt, weil ich gerade die Schuhe anzog hatte ich nicht damit gerechnet, dass sie direkt hinter mir stand. „Ja, ähm, aber ich hab doch gesagt, dass ich endlich anfangen will.“ Mir war klar, dass ich sie mit dieser Frage nicht zufrieden stellen könnte. Aber mir viel auf die Schnelle wirklich kein anderer halbwegs sinnvoller Satz ein. „Seit einem halben Jahr hast Du die Joggingschuhe. Und Du hast sie nie genutzt..“ – „Siehste, deshalb geh ich ja jetzt.“ Ich wusste was kam. Wenn ich nicht aufpasste, dann hatten wir jetzt eine längere Diskussion und ich keine Lust mehr zu joggen. „Du gehst bestimmt zu ner Freundin.“ Paff, da war er wieder der Satz. Angewandt bei allem was ich zum erstenmal tat. „Schatzi, natürlich geh ich zu ner Freundin. Ich treff mich immer im Jogginganzug mit ihr. Und dann schieben wir ne schnelle Nummer und in 40 Minuten bin ich dann schweissgebadet und mit dreckigen Schuhen zurück. Wir treibens nämlich im Wald. Und heute fessel ich sie am Baum…“ Sie hatte es nun geschluckt. „Bla, bla, wann kommst Du denn wieder ?“ kam ihre etwas hilflos wirkende Frage. Ihr war ihre Frage bzgl. der Freundin nun selber etwas peinlich. „Naja, ich denke ich bin in 40 Minuten wieder zurück“ gab ich, nun wieder überlegen, zurück und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Eigentlich wollte ich heute erstmals nach langer Zeit wieder joggen. Endlich etwas gegen den nun doch wachsenden Bauch unternehmen. Irgendwie, seit ich die 30 überschritt geht das nicht mehr so wie früher. Essen so viel man will und trotzdem nichts ansetzen. Aber ich wollte mich nicht kampflos ergeben. Ok, wenn ich mal irgendwann graue Haare habe, in Ordnung wenn sie dann auch mal ausfallen. Aber nen Bauch. Nee, da kann man was machen.
Gut, den Gedanken hatte ich schon länger und wenn man die 30 überschritten hat dauert es dann doch anscheinend noch ein paar Monate bis der Gedanke zu einer Idee reift und schliesslich nach weiteren Monaten umgesetzt wird. Aber heute, heute sollte so ein Tag sein.
1 Jahr wohnen wir nun bereits im Münchener Osten. München-Trudering liegt direkt an der Grossstadt und hat trotzdem Kleinstadtflair. Keine hohen Häuser, trotzdem alle notwendigen Geschäfte und ein paar Meter und ein kleines Wäldchen lädt zum spazieren und entspannen vom Alltag ein.
Ich ging die Treppe hinab und überlegte mir, wo ich am besten loslege. Durch die Siedlung wollte ich noch spazieren. Schliesslich will ich nicht das mich gleich alle sehen. Das wäre ja peinlich bei dem Tempo das ich vorlege. Anders herum, was soll diese falsche Eitelkeit ? Warum mache ich mir Gedanken über die anderen Leute, die mit ihrem breiten Hintern zuhause sitzen und sich nicht bewegen. Männer die ihre Bierbäuche vom rechten Ende zum linken Ende der Couch schieben, Frauen deren höchste sportliche Leistung der Eisprung ist.
Draussen wehte ein leichter Wind und es war für November eigentlich recht mild. Die Sonne war bereits verschwunden, die Dunkelheit wurde nur durch die Strassenlaternen gebrochen. Aber es war mild und es regenete nicht. Regen war nämlich genau das was ich an meinem ersten Joggingtag nicht haben wollte.
Mit einem leichten Trab begann ich, zog links in die Seitenstrasse ein, vorbei an den neuen Reihenhäuser, vorbei an den parkenden Autos. Mir schwirrten jetzt alle Gedanken des Tages auf einmal im Kopf herum. Die Arbeit, hatte ich alles erledigt, meine letzten Zahnartzbesuche, wer bald Geburtstag hat usw.. . Fast wie früher. Nach 500 Metern wechselte ich in straffes gehen und erreichte auch schon den Waldrand.
Im dunkeln wirkt das alles etwas unheimlich. Das erste Stückchen ist dicht bewachsen, es gibt nur einen sehr schmalen, meist matschigen Weg in den Wald.
Mein Sinne spannten sich langsam. Ich hörte meinen eigenen Atem. Irgendwo rief ein Kind, irgendwo bellte ein Hund. Dann beschleunigte ich meinen Gang wieder, fiel zurück ins traben. Ich durchquerte den engen Eingang zum Wald und schob die mir ins Gesicht hängenden Äste zur Seite. Nach ein paar Metern dann wurde der Weg etwas breiter und fester. Ein angenehmer Waldboden, ideal zum joggen. Meine Konzentration gallt alleine der richtigen Atemtechnik. Nur keine Seitenstiche. Um mich herum schien Totenstille.
Kein Vogel, kein rascheln. Sollten nicht Tiere im Wald sein ? Müsste man nicht irgend etwas hören ? Instinktiv beschleunigte ich meinen Trab etwas. Die Bäume schimmerten dunkelgrau bis grün. Sie standen nicht gerade, schienen auf mich herabzusehen. Ich grenzte mein Wahrnehmungsfeld weiter ein, wollte mich nur noch auf mich konzentrieren. Ist da was hinter mir ? Da ist doch was ? Nur nicht umdrehen. Mein Herz begann nun schneller zu schlagen, das lag nicht an der mangelnden Kondition. Bild Dir jetzt blos nichts ein Frank, bild Dir nichts ein. Ich bog einmal rechts und 400 Meter später wieder links ab. Auf der rechten Seite befanden sich nun flache recht junge Birken, es wurde etwas heller. Nur links waren die Bäume weiter hoch und bedrohlich.
Bald würde ich an der Grotte ankommen. Eine kleine Gedenkstätte mitten im Wald. Ein Ort an dem man tagsüber viele Menschen, meist ältere trifft. Sie kommen zum Beten oder verweilen einfach so auf den vor der Grotte stehenden Bänken.
Noch ca. 300 Meter. Irgendwie bin ich das Gefühl verfolgt zu werden nicht losgeworden. Im Gegenteil. Ich hatte jetzt das Gefühl ich werde nicht nur verfolgt, sondern regelrecht beobachtet. Ich suchte nach Augen. Irgenwo würden bestimmt bald Augen im Wald blitzen. Augen die mich beobachteten. Es war nichts zu sehen. Aber das Gefühl wurde stärker, intensiver. Man schien mich von allen Seiten zu beobachten. Ganz nah. Aber da war nichts. Ich konzentrierte mich jetzt hundert Prozent auf meine Umgebung. Das Laufen nahm ich garnicht mehr wahr. Ich lief von alleine. Hatte keine Zeit darüber nachzudenken. Was war da im Wald ? Wer war da ? Wieviele waren da ?
Noch 100 Meter zur Grotte. Ein warmer Luftzug am linken Ohr. Hat mir einer ins Ohr gehaucht. Ich drehte mich panikartig um. Da war niemand. Jetzt am rechten Ohr, wieder ein Luftzug. Die Augen, die Bäume, ich weis es nicht, alles schien mich anzustarren. Mein Knie wurden weich und ich ertappte mich beim zittern. Mein Lauf wurde nun noch schneller. Die Krippe.
Ich stoppte ruckartig, viel fast hin. Wo ist der Weg ? Wo ist der verdammte Weg ? Ich begann an meinem Verstand zu zweifeln. Rechts neben der Grotte ist ein Weg. Zumindest war er immer da. Jetzt war der weg zu. Bewachsen, total zu, kein Weg, als wenn dort nie einer gewesen ist. Ich drehte mich um. Mein Atem wurde schneller, mein Puls raste. Die Luftzüge kamen nun stetig. Wo bin ich hergekommen ? Wo verdammt nochmal bin ich hergekommen ? Ringsum war nun kein Weg zu sehen. Ich bekam Panik, mir wurde leicht schwindelig.
Stimmen drangen an mein Ohr, begleitet durch die warmen Luftzüge. Als wenn mir tausende Wesen etwas ins Ohr flüstern wollten. Ich verstand nichts, es klang nach irgendwelchen undefinierbaren Lauten. Sie schienen sich einen Spass daraus zu machen, mir Angst einzujagen. Sie hatten Erfolg.
Ich drehte mich im Kreis, wusste nicht wohin. Dann blieb mein Blick auf der Grotte hängen. Eine weisse, aus Stein gemauerte Grotte. Überzogen von einem groben Putz. In der Mitte der Grotte die Mutter Gottes umgeben von Blumen.
Die Mutter Gottes war nicht da. Auch die Blumen waren irgendwie anders. Schlingpflanzen. Schlingpflanzen die sich bewegen. Statt der Mutter Gottes sahen mich zwei tiefrote Augen an. Sie starrten mich an. Ich hatte so etwas noch nie gesehen. Die Augen schienen wie flüssige Lava. Das rot schien ständig zu fliessen. Ich hatte noch grössere Angst, konnte aber meinen Blick nicht von diesen Augen lassen. Die Stimmen waren jetzt klar und Laut. Sie sprachen eine Sprache die mir völlig unbekannt war. Sie schienen mir direkt aus den Ohren zu springen. Irgend etwas zog mich an, irgendetwas zog mich zu den Augen hin.
Meine Beine begannen sich wie von alleine zu bewegen. Keine Schritte, ich wollte nicht laufen, aber ich musste, konnte mich nicht wehren. Ich kam näher, die Augen wurden immer grösser. Jetzt erkannte ich die Schlingpflanzen deutlicher. Es waren Schlangen. Grüne, kleine und extrem giftig wirkende Schlangen. Doch meine Konzentration galt alleine den Augen.
Mein ganzes Leben begann sich in mir abzuspielen. Ich wollte doch nur für 40 Minuten joggen. Ich hatte, nein wir hatten doch noch so viel vor. Sollte jetzt alles zuende sein. Die Bilder in meinem Kopf rasten nur so daher. Von der Kindheit, mein erster Schultag, mein erster Kuss, mein erster Sex, die Geschichte mit meinem Vater, mein Umzug…. . 33 Jahre in 3 Sekunden. Doch diese Sekunden schienen eine Ewigkeit zu sein.
Die Augen waren nur noch 3 vielleicht 4 Meter entfernt. Unter den Augen schien ein Loch, ein tiefes schwarzes Loch dass sich öffnete. Wie ein alles aufsaugender Schlund. Mir kam ein bestialischer Geruch entgegen. Er schloss mich ein und schien mich zusätzlich anzuziehen, mich in seine Fänge zu nehmen. Mein Puls schlug so schnell das ich die Hoffnung hatte vor dem Erreichen des Schlundes bewusstlos zu werden.
Ich versuchte verzweifelt etwas zu erkennen. Aber ich sah nur ein schwarzes Loch. Und diese Augen, die sich nun noch aggressiver wirkten. Der Schlund war nun erreicht. Ich schaffte es die Augen zu schliessen, nur für einen Moment. Was würde jetzt passieren, wo würde ich landen ? Ich öffnete die Augen: „Schwiegermutter ???“ - „Du machst ja ein Gesicht, als hättest Du nen Geist gesehen.“ Schwiegermutter sah ziemlich vorwurfsvoll drein. „Sowas ähnliches ja. Sowas ähnliches.“ Entgegnete ich benommen und die Anspannung wich nur ganz langsam. Ich war kaum regungsfähig.
„Frank wollte mal wieder joggen. Nur noch 5 Minuten ausruhen. Relaxen, weißt Du ?! Naja und dann ist er doch wieder eingeschlafen. Tses.“
Das war eindeutig die Stimme meiner Frau und ich hätte mir in diesem Moment gewünscht, ich wäre wirklich in dem Schlund gelandet.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-27 17:57:12 mit dem Titel Gruselstunde bei Yopi
Es gibt Dinge die man nicht erklären kann. Im Laufe seines Lebens wurde oder wird bestimmt ein jeder einmal mit Dingen konfrontiert, die seinen Horizont übersteigen, für die er keine natürlichen Erklärungen hat. Entweder er verdrängt die Dinge oder glaubt an Einbildung.
Es gehört auch eine gewisse Sensibilität dazu mehr wahrzunehmen als andere.
Die Geschichte beginnt in einem Haus, irgendwo in Bayern. Der Ort heisst Grossenviecht und das Grossen ist im Namen absolut übertrieben. Der ganze Ort beherbergt gerade einmal 12 Häuser. Davon sind 2 Bauernhöfe.
Der Ort liegt auf einem, sagen wir einmal Hügel. Hinter dem Hügel gibt es Wald und viele mehr oder weniger genutzte Felder. Eine einzige Strasse, eher ein Weg führt von der Hauptstrasse, der B11 ins Dorf.
Die Hauptstrasse jedoch sieht man nicht, da sie in einer kleinen Vertiefung liegt. Vom Haus, welches in dieser Story eine so wichtige Rolle spielt, bis zur Strasse sind es gut 1000 Meter.
Katrin und Markus waren verliebt, schwer verliebt. Die beiden kannten sich noch nicht allzu lange, wussten aber das sie füreinander bestimmt waren.
Markus wohnte im nächsten Ort, in Langenbach. Schon ein ganzes Stück grösser als Grossenviecht und immerhin stolzer Besitzer zweier Geschäfte. Eigentlich wollte Markus in eine grössere Stadt ziehen, doch die Preise für die Wohnung liessen einen Umzug nicht zu. Schon garnicht während der Umschulungszeit. Katrin machte eine zweite Ausbildung zur Erzieherin und hatte jetzt nur noch das Anerkennungsjahr vor sich.
Katrin die in einem sehr kleinen Appartement in Freising wohnte wollte sich nun eine etwas grössere Wohnung suchen. In einer Anzeige stiess sie auf das Haus in Grossenviecht. „65qm, Erdgeschoss, landschaftlich gelegen, 600 DM kalt“.
Katrin war alles andere als ein Landmensch, wollte immer in die Stadt ziehen. Freising war für sie schon ein Kompromiss, der hart an ihre Grenzen ging. Aber irgend etwas reizte sie an der Anzeige. Ein wohliges Gefühl stieg in ihr auf, als sie die Anzeige las. Sie wollte sich die Wohnung zumindest einmal anschauen. Am besten sollte Markus mitkommen.
Noch am selben Nachmittag, ein sonniger Tag im Mai, vereinbarten die Beiden einen Termin bei den Vormietern, die sich um die Vermietung kümmerten.
Eigentlich wäre das der erste und letzte Besuch gewesen, doch es sollte anders kommen. Der Eindruck der Wohnung war alles andere als positiv. Es roch intensiv, es gab keine Zentralheizung und nur einen alten Kachelofen. Steckdosen waren nicht viele vorhanden. Das ganze Haus, in den 60ern gebaut, machte einen ziemlich heruntergewirtschafteten Eindruck.
Lediglich die weisse Fassade strahlte noch ein wenig.
Die Aufteilung war wunderschön, da waren sich beide einig. Aber 600 DM für eine solche Bude, nein, dass konnte es nicht sein.
Katrin verabschiedete sich in dem sie den Vormietern sagte, sie müsse es sich noch überlegen. Markus dagegen war überrascht und konfrontierte Katrin mit ihrer Aussage: „Warum hast Du nicht klipp und klar gesagt, dass Du die Wohnung nicht nimmst?“ Markus konnte das nicht verstehen. „Nun, ich weis auch nicht. Du hast schon Recht. Die Bude ist ein Schrotthaufen. Ich glaub ich suche mir etwas anderes“. Aus Markus Sicht klang Katrin etwas unsicher. War es, weil sie insgeheim die Wohnung doch mochte ? Markus verwischte den für ihn unrealistischen Gedanken und sprach nicht mehr über das Thema.
Ein paar Tage später rief Katrin bei Markus an um ihm zu berichten, dass sie eine Wohnung gefunden hatte. Markus war etwas überrascht, weil er damit rechnete, dass sie beide diese Wohnung vorher besichtigen. Die Erklärung folgte sogleich. Katrin hatte sich für das Häuschen entschieden. Das gammelige Häuschen, mitten in der Pampas, alleine von einer 22 Jährigen bewohnt. Der erste Stock ausgebaut aber unbewohnt. Dazu noch ein Dachboden.
Katrin war auf einmal beängstigend begeistert. Markus verstand die Welt nicht mehr, schob die Entscheidung auf die wirren Gedanken der Frauen überhaupt.
In den nächsten Wochen schaffte es Katrin aus der gammeligen Bude doch noch ein schnuckeliges Heim zu machen. Sie richtete sich ein, kaufte mit Markus zusammen Holz für den Winter und lagerte dieses in der Scheune schräg gegenüber vom Hauseingang.
Katrin versetzte Markus mehrmals in Erstaunen. Sie schloss weder tags noch nachts die Türe ab, lies sie manchmal sogar offen stehen. Sie fühlte sich pudelwohl. Markus der Katrin alles nur nicht Holzhacken und Einsiedleraktivitäten zutraute fiel es schwer sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass seine Freundin alleine in der Wildnis wohnt.
Nach 2 Monaten machte er ihr das Angebot zu ihr zu ziehen. Beide waren von der Idee begeistert und so geschah es.
Doch von nun an sollte alles anders sein.
Markus fasste die Ereignisse in einer Art Tagebuch zusammen:
10.August 2000
Ein schöner Sonnentag. Ich beschloss heute Nachmittag den Rasen ums Haus zu mähen. Mittelgrosse Tiere drohten darin zu versinken. Ein Akt der mich schliesslich einigen Schweiss und jede Menge Energie kostete. Nach getaner Arbeit lies ich mir Badewasser ein. Die Schublade des weissen Badschrankes stand auf, obwohl ich die eigentlich immer zu mache.
Ich schloss die Schublade. 5 Minuten später war die Schublade wieder auf. Ich fing an an mir selbst zu zweifeln, schloss sie. Kurz darauf betrat ich das Bad und fand die Schublade geöffnet vor. Eine Untersuchung des Schrankes verlief negativ. Die Schublade klemmte wie immer. Lies sich eigentlich nicht öffnen. Der Schrank stand wie immer in der Waage.
11.August 2000
Endlich wollte ich einmal den Dachboden besichtigen. Wieder ein sonniger Tag. Ich schritt die Treppe hinaus und in diesem Moment überkam mich ein kalter Schauer. Je höher ich die Treppen stieg desto stärker wurde meine Gänsehaut. Ich begriff nicht warum, hatte Angst. Nur einen kurzen Blick warf ich auf den Dachboden. Er war hell, es gab keine Verstecke und er war bis auf einen Kinderspielball leer. Jedoch verlies ich den Dachboden panikartig.
12.August 2000
Ich traf die Vormieter, fragte sie, warum sie damals nichts auf dem Dachboden gelagert hatten. Stattdessen hatten sie ihr Zeug in der Scheune, im Dunkeln, schlecht zugänglich gelagert. Eine Antwort bekam ich nicht. Die Vormieterin wurde bei der Frage etwas blasser und flüchtete sich in die Ausrede, dass das wohl ihr Mann gemacht hätte. Sie war sichtlich erleichtert, als ich das Thema wechselte.
13.August 2000
Katrin wollte ein Bad nehmen. Ich bot ihr an, Badewasser einlaufen zu lassen. Wie üblich drehte ich den Warmwasserhahn nur einmal auf und lies den Kaltwasserhahn aus. Der Boiler der das Wasser erhitzt läuft dann abends leer und es folgt eh nur noch kaltes Wasser. Insgesamt normalerweise eine wohlig warme Mischung.
Nach einigen Minuten ging ich ins Bad, Katrin beobachtete mich vom Schlafzimmerbett aus, und drehte den Wasserhahn aus. Katrin ging kurze Zeit später ins Bad. Es folgte ein Schrei.
Ob ich bekloppt sei, fragte sie mich. Sie zeigte mir, dass die Wanne fast überlief und dass der Kaltwasserhahn bis zum Anschlag aufgedreht war. Ich versicherte ihr das ich das nicht wahr. Eh schwachsinnig den Wasserhahn ganz aufzudrehen. Man kann ihn 5x ganz rumdrehen, aber bereits nach 1x ändert sich nichts am Wasserdruck
14.August2000
Katrin müsse mal mit mir reden, sagte sie mir abends. Sie habe heute einen Mann im Flur gesehen. Direkt vor ihr. Sie konnte sein Gesicht nicht erkennen. Nach ein paar Sekunden war er weg. Einfach so. Ich erzählte ihr von der Dachbodengeschichte und uns beiden viel auf, dass wir in letzter Zeit ein beklemmendes Gefühl hatten. So als würden wir beobachtet.
15.August2000
3 Bauernhofkatzen mussten her. Katzen sind sehr sensibel, wenn etwas nicht stimmt, hab ich mal gelesen. Wir wollten die Katzen auf den Dachboden schicken. Die Katzen weigerten sich die Treppe hochzugehen. Selbst das Locken mit Futter war bei den sonst gefrässigen Katzen erfolglos.
21.August2000
Das Gefühl das wir beobachtet werden stieg. Es wirkte nahezu bedrohlich. Von allen Seiten kommend. Wir bekamen Besuch von Freunden. Erzählten aber nichts von der Story. Bis, ja bis die beiden von sich aus sagten, dass sie ein komisches Gefühl hatten, als sie dem Haus näher kamen.
24.August2000
Im Dunkeln arbeitete ich noch im Büro, war vertieft in meine Arbeit. Mein Schreibtisch stand in einer Ecke im Wohnzimmer. Plötzlich machte es an der Fensterscheibe in gleichmässigen, ruhigen Abständen 3x klack. Nicht als wenn etwas vors Fenster fliegt, sondern wie wenn 5 Fingernägel gleichzeitig auf die Fensterscheibe hauen. Ich erschrak und sprang auf um nachzusehen. Von Aussen ist das Fenster nicht ohne kleine Treppe zu erreichen. Hinter dem Haus ein kleiner Bach und kein Grashalm des hohen Grases war umgeknickt. Ich schaute mich um. Kein Baum, kein Ast, kein Vogel. Es war Totenstille. Ich bekam Angst und ging ins Haus.
25:August2000
Der Mann war wieder da. Unsere Nerven waren angespannt. Das Dorf war immer wie leergefegt. Nur ganz selten sieht man mal eine Person. Für ein paar Sekunden. Es wird kaum gegrüsst, alles wirkt immer düsterer. Das Gefühl beobachtet zu werden wirkt jetzt langsam bedrohlich. Irgend etwas scheint uns nicht nur beobachten zu wollen.
26.August2000
Katrin klopft abends an der Tür, ich öffne. Im selben Moment wird Katrin kreidebleich. Sie stottert und fragt wie ich das gemacht habe ? Ich wusste nicht wovon sie redete und fragte sie was sie meinte. Katrin behauptete ich sei doch direkt vor ihr hergefahren, von der Hauptstrasse aus. Ich sei den ganzen Weg hoch, sie habe noch Lichthupe gemacht und am Briefkasten an der Scheune gehalten. Ich sei weitergefahren wohl bis vors Haus. Und nun stünde ich, höchstens 30 Sekunden Vorsprung in Unterhose da. Wäre Katrin nicht so blass gewesen hätte ich ihre Aussage für einen Scherz gehalten. Aber sie war fertig. Nur wiederwillig lies sie sich davon überzeugen, dass ich nicht unterwegs war. Ich musste schliesslich mit ihr rausgehen und sie den Motorblock meines Autos fühlen lassen.
Woanders aber konnte niemand hinfahren, denn an unserem Haus war Ende. Ausserdem hat sie mein Auto und mein Kennzeichen erkannt.
27.August2000
Babygeschrei vom Dachboden. Wie in einem billigen Horror. Aber es war keine Katze, es war Babygeschrei. Keiner traute sich hoch.
28.August2000
Wir besichtigten gemeinsam den Dachboden. Nichts. Selbst der Ball lag an der selben Stelle. Die kleine Wohnung über uns war leer. Seit einiger Zeit verschlossen wir abends den Hauseingang, nicht nur die Wohnungstür.
29.August2000
Das beklemmende Gefühl wird stärker und stärker. Selbst in der Wohnung fühlen wir uns bedroht. Es lässt erst nach, wenn wir uns mindestens. 200 Meter vom Haus entfernen.
Abends hören wir Tritte in der Wohnung über uns. Schwere Tritte. Niemand ist da, der Hauseingang verschlossen.
30.August2000
Der Druck ist nicht auszuhalten. Wir wollen raus. Raus aus dieser Wohnung. Durch die Wände kam der Schimmel durch, es war also eh kein Verlust. Wieder vernahmen wir Geräusche. Ich schrie, schrie, dass mir jetzt alles scheissegal sei, das was immer es sei, jetzt gewonnen habe. Ich hatte Angst, wir hatten beide Angst. Dann schrie Katrin, dass wir in 2 Monaten ausziehen und wir bis dahin bitte Ruhe haben wollen.
Die bekamen wir.
In den folgenden 2 Monaten passierte nichts mehr. Wir hatten unsere Wohnung gekündigt und vom Abend des 30.August an war es ruhig. Fast glaubte Markus, dass er sich, ja das sie beide sich alles eingebildet haben. Doch dann wollte er mit Katrin in den Wald, nahe des Hauses. Sie blieben auf dem Hügel stehen. Beide überkam ein beklemmendes Gefühl, alle Erinnerungen kamen auf einen Schlag zurück. Angst überkam beide. Sie starrten auf den Wald, der bedrohlicher wirkte als sonst. Der Eingang, schwarz, schien alles zu verschlucken. Kein Vogelgeschrei wie sonst, nichts. „Es ist im Wald! Es wartet bis wir ausgezogen sind!“ Markus war sich seiner Sache völlig sicher. Katrin nickte schweigend.
Schlaft gut Ihr lieben Yopi Leser
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-15 11:38:21 mit dem Titel Der letzte Weg
„Du hast doch ne Andere! Das merk ich doch“, sie war mächtig sauer. Ihre Augen funkelten und innerlich glühte sie. Soviel stand fest. Bald würde sie alle Hemmungen verlieren. Würde ihn anbrüllen, würde ihn zur Schnecke machen. Oder aber er würde zugeben, eine andere zu haben, dann würde sie wohl zusammenbrechen. Die harte Fassade würde einfach zusammenbrechen. Jetzt blos nichts falsches sagen. Er sass da, angespannt, sichtlich verunsichert. Sein Blick schwirrte umher. Es schien ihm peinlich, dass der ganze Park es mitbekommen würde. Es schien ihm peinlich, dass ich es mitbekomme.
Ich sitze gerne hier. Egal welche Jahreszeit. Gut, im Sommer sitze ich ein wenig länger hier, geniesse die Sonne, sofern sie denn mal scheint, lese und denke an dies und das. Nichts bestimmtes. Einfach die Gedanken sortieren, die sich im Alltag sammeln. Sortieren wenn es wieder einmal einer Sortierung bedarf. Schon oft hat mich die Bank vor einem Overkill in meinem Kopf bewahrt. Dafür bin ich ihr dankbar. Dabei ist sie keine Schönheit, nicht einmal richtig bequem. Einfach grün und mit ihren Ecken und Macken, die sie im Laufe der Jahre gesammelt hat. Schweigsam nimmt sie alles hin. Ehekrisen, trauernde Menschen, Kinder die auf ihr rumhüpfen, Jugendliche die irgend etwas in die Bank ritzen. Einmal sogar ein paar Skins, die sie umschmissen, sie arg zurichteten. Damals wurden 2 Bohlen ersetzt. Farblich nicht ganz passend. Ihre Farben waren frisch, die der alten Bohlen verbleicht.
„Ich weis nicht wie Du darauf kommst. Warum soll ich immer eine andere haben ?“ Das war so ziemlich die blödeste Antwort die er geben konnte. Nimm sie doch in den Arm du Depp! Sag ihr das du sie liebst. Oder…lass mich sie in den Arm nehmen. Der Gedanke war sicherlich reizvoll, nur ein Gedanke, aber reizvoll. Sie war attraktiv und ich bekam eine Gänsehaut wenn ich ihre grossen Augen funkeln sah. Funkeln vor Wut, Angst und Enttäuschung. Ein Ausdruck den nur Frauen gleichzeitig in den Augen haben können.
Aber ich war alt. Zu alt für diese Gedanken. Ich erinnerte mich, wie der Park 1980 neu gestaltet wurde. Offener, mit Wiesen, neuen Pflanzen. Nur ein paar Bänke und eine alte Eiche blieben so wie er damals war. Damals gefiel er mir besser. Der Weg war natürlich nicht begradigt und mit Steinchen aufgefüllt, die so garnicht in die Gegend hier passen. Viel zu hell. Damals war es ein besserer Waldweg. Jede Menge Laubbäume standen am Weg wo heute nur noch Wiese und fast militärisch grade Hecken standen.
Immer muss alles begradigt werden, immer muss alles durchgestylt sein.
Das Paar stritt noch eine Weile und irgendwann sagten beide nichts mehr. Schliesslich stand sie auf und ging zügigen Schrittes. Er folgte ihr nur einen Bruchteil einer Sekunde später und lächelte noch einmal verlegen zu mir herüber. Von ihr wäre mir ein Lächeln lieber gewesen. Aber ich will nicht undankbar sein. Die beiden hatten mich für einige Minuten unterhalten.
Ein leichter Windzug umwehte mich. Ein paar Herbstblätter tanzten im Kreis. Ich beobachtete die Szene. Sie schienen garnicht mehr aufhören zu wollen. Sie drehten sich und schraubten sich dabei immer höher, waren schon fast in Augenhöhe. Ein vorbeifahrendes Fahrrad zerstörte den Wirbel. Fast wäre ich sauer auf den Radfahrer geworden.
„Hallo!“ Ich drehte mich leicht zur Seite und schaute in die grossen Augen eines Kindes. Ein kleines Mädchen, vielleicht 3 Jahre, vielleicht 4. „Hallo“ endgegenete ich und lächelte freundlich. Sie musterte mich, lies sich mit dem Gespräch Zeit: „Du schaust traurig aus“ kam es plötzlich. Ich war etwas verunsichert. Was sollte ich dem Mädchen sagen. Sollte ich ihr sagen, dass meine Zeit abgelaufen war, dass ich wusste, dass es mein letzter Tag hier sein würde. „Ach ich schau nur ein bischen vor mich hin.“ Ich hoffte das diese Aussage einem jungen Mädchen genügen würde. „Mein Opa ist auch traurig, seit meine Oma im Himmel ist. Er vermisst sie sehr. Er spricht jeden Tag mit ihr. Dann geht’s ihm wieder besser.“
Paff, dass saß ! Durchschaut von einem kleinen Mädchen. Sie hatte mich kalt erwischt, schien mit einem Schlag die ganze Situation zu begreifen, die ich seit Jahren nicht begriff, begreifen wollte.
„Komm jetzt Tati“ Ihre Mutter war sichtlich genervt. Sie nahm ihre Tochter an die Hand und zog sie mit. Sie schenkte mir noch ein Lächeln. Ein warmes, herzliches und vor allem ehrliches Lächeln. Wie lange wird sie dieses Lächeln noch behalten ? Verlier es bitte nie kleines Mädchen ! Egal was passiert. Verliere Dein Lächeln nie !
„Tschau Tati! Machs gut!“ Sie winkte mir zu. Mit der rechten Hand. Ihre Mutter zog sie an der Linken von mir fort.
Es war wieder Stille. Der Wind nahm nun stetig zu. Aus einer Boe wurde eine gleichmässige Brise. Die Blätter zogen jetzt alle in eine Richtung. Alle folgten dem Befehl des Windes. Es gab nur noch eine Richtung. Auch ich gehorchte. Ich schloss langsam die Augen, sah den Park nur noch verschwommen, irgendwann nicht mehr. Ein Hundegebell, ein hupendes Auto, ein paar Schritte von Fussgängern, dann war es still.
Mein Weg endete hier.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-03 10:06:12 mit dem Titel Orientierung
Parallelgeschichte zu meiner Kurzgeschichte: „Der letzte Weg“ (Zum Verständnis vielleicht beide lesen)
Ich war sauer, ich war richtig sauer. Explodieren hätte ich können. Ich merkte wie mein Herz rast, wie es sich überschlug. Jetzt nen Herzinfarkt bekommen, dass wäre es doch. Dann wird sie schon sehen was sie von Ihrer arroganten Art hat.
Aber ein Herzinfarkt in meinem Alter, mit 17, nein, dass ist utopisch. Aber ich würd es ihr gönnen. Soll sie doch auch mal leider diese blöde Schnepfe.
Ich jedenfalls werde nicht nachgeben. Immer muss sie Recht haben.
Jetzt sitze ich hier auf dieser gammligen alten Parkbank und dabei könnte ich den ganzen Park umgraben vor Wut. Was hat sie sich eigentlich dabei gedacht ?
Und was will dieser Blöde Typ eigentlich, der mich die ganze Zeit so angafft ? Passt dem mein Gesicht nicht, oder was ? Sorry Alter, Du hast ja nicht meine Probleme!
Du bist bestimmt glücklich verheiratet, hast 2 hübsche Kinder und nen sicheren Job. Obwohl, irgendwie siehst Du aus, als ob Du eh ne andere vögelst. Und Deine Frau weis natürlich nichts davon. Du Schwein !
Wenn es mir mies geht, ich ein Problem hab, dann bin ich meist hier im Park auf dieser Bank. Ich weis auch nicht warum. Vielleicht ist es, weil hier das ganze Leben in seiner ganzen Pracht an einem vorbeizieht. Ich mache das schon seitdem ich hier lebe. Das sind immer hin schon satte 17 Jahre. Ja, ich bin hier aufgewachsen.
Die Bank hat mir viel geholfen, ich habe schlechte und schöne Erinnerungen. Sie war immer ein guter Zuhörer. Gut, die Gesprächigste war sie nicht. Ab und an mal ein kleines Knistern.
Mit 14 haben wir hier mit unserer Clique gehockt, natürlich auf der Lehne und haben Mädchen hinterhergeguckt. Im Sommer, im Winter weisste ja nicht wie die drunter aussehen, so dick sind die angezogen.
Mein erstes Bier hab ich mit Tobi hier getrunken. Er hatte da schon mehr Erfahrung, vertrug aber auch nicht mehr. Nach jeweils 3 Flaschen waren wir bereits mächtig angeheitert.
Wir quasselten die ganze Zeit über unsere Mädchen. Natürlich übertrieb ich und verdoppelte doch gleich mal die Zahl meiner Erfahrungen. Ja und ?! Weis ich was bei ihm stimmt. Nachher bin ich der Depp, der am Wenigsten aus der Clique hatte.
Nach meinem ersten Mal sass ich mitten im Winter die halbe Nacht hier. Ich hatte mich ja voll blamiert. Erst gross getönt und dann war nach 2 Minuten alles vorbei.
Ich hoffte die ganze Nacht, dass sie nichts weiter erzählt. Sie sagte nichts! Ich hab gehört, dass sie glaubte, es sei ihre Schuld. Ist doch ok so. Wars ja auch. Es ist sowieso immer die Schuld der Frauen.
Scheisse, nein, es war meine Schuld. Weil ich mich benommen hab wie ein Vollidiot. Aber das durfte niemand wissen.
Jetzt im Frühling sieht der Park richtig schön aus. Überall fangen die Blumen an zu blühen, alles bunt. Die ersten Cabrios haben die Dächer auf und aus einigen kommt sogar richtig coole Mucke. Nur diese Asis mit ihren 3 Watt Deckelboxen die nur dröhnen und Null Bass haben gehen mir auf den Sack. Noch schlimmer sind nur die Türkenschleudern mit ihren hoffnungslos übersteuerten orientalischem Gedudel.
Sass hier nicht sonst immer so ein alter Mann ? Irgendwie ist der nicht mehr da seid einiger Zeit ? Das letzte Mal als ich ihn sah, sah er ziemlich krank aus. Ich glaub das war im Herbst. Irgendwie kam er mir einsam vor. Verdammt, der hat bestimmt noch viel grössere Probleme als ich. Was weis ich. Vielleicht ist seine Frau vor langer Zeit gestorben. Vielleicht kümmert sich niemand um ihn. Und ich, ich hab geblockt als der mal ein Gespräch mit mir anfing. War ja so was von cool. Aber was anderes als immer „ja“ zu stoffeln und in mich hineinzugrinsen fiel mir nicht ein.
Reden wollte er, soviel war klar. Über was denn ? Was weis der Alte schon ?
Hmm, er weis wahrscheinlich viel mehr als ich. Über das Leben. Und jetzt, jetzt tut es mir Leid, dass ich nicht mit ihm geredet habe.
Reden, reden, es geht immer nur ums Reden. Als wenn damit alles besser würde. Reden als Idealrezept. Reden hilft nicht bei Aids und reden hilft auch nicht gegen Kriege. Fuck off Bush! Fuck off ihr dämlichen Amis! Obwohl die Filme sind schon geil. Und J.Lo.
Naja und McDoof oder BurgerKing. Ach ich glaub es ist einfach der Präsident. Aber seine Töchter sind glaube ich richtig cool. Die lassen sich nichts gefallen, saufen auch mal.
Meiner Freundin gefällt das nicht, wenn ich mal saufe. Ich wäre dann unerträglich.
Anders kann man sie ja nicht ertragen wenn sie mit ihren kichernden Freundinnen in der Ecke steht.
Naja, ich glaub ich bin dann wirklich unerträglich. Aber ich sauf doch höchsten alle 6 Wochen einmal. Ist das soo schlimm ?
Ich muss wieder an den alten Mann denken. Warum eigentlich ? Er würde reden. Vielleicht hat er ja Recht. Reden. Es wäre ein Versuch wert. Ich glaub ich hol sie morgen von der Schule ab und versuchs mal. weiterlesen schließen -
Nich unter 18 Jahren... - Des teufels Magier
Pro:
Guter Horror...
Kontra:
Gibts da was...
Empfehlung:
Nein
Hi!
Ich will euch heute mal eine Horrorgeschichte zeigen! Is echt gut!
DES TEUFELS MAGIER
12. MAI 1332
Als ich schon wach war, konnte ich sie immer noch schreien hören, die Seelen der Toten, die sich an mir rächen wollten, indem sie mir den Schlaf raubten. Es war früh morgens, die Sonne war noch nicht aufgegangen. Ich beschloß, noch ein wenig weiterzuschlafen, doch die Schreie in meinem Kopf wollten auch mehrere Minuten nach meinem Erwachen nicht verstummen. So stand ich schließlich auf und zündete einige Kerzen an, um etwas sehen zu können. Ich öffnete eines der Zauberbücher, die wild durcheinander auf dem Tisch neben meinem Bett lagen und begann, im Schein der flackernden Kerze, darin zu lesen. Ich wollte einige neue Erkenntnisse erhalten, die ich für meine Versuche benötigen könnte. Ich hatte es mir nämlich zu meiner Lebensaufgabe gemacht, den menschlichen Körper zu perfektionieren, ihn widerstandsfähiger zu machen, etwa gegen den Tod. Daß es dazu nötig war, Experimente an Menschen durchzuführen, die tödlich für die Versuchspersonen enden könnten, war mir von Anfang an klar. Ich mußte damit leben, auch damit, daß mich diese Opfer meiner Wissenschaft bis in meinen Schlaf und meine Träume verfolgen könnten, was sie seit einiger Zeit ja leider taten. Ich stöberte in dem alten Buch, bis die Sonne aufging und mein Gehilfe an die Tür meines Zimmers klopfte.
"Tritt ruhig ein, ich bin schon wach," forderte ich ihn auf. Er öffnete die hölzerne Tür und schaute mich mit ernster Miene an.
"Hatten Sie wieder einen dieser Träume?" fragte er mich.
"Ja, jetzt ist es mir nicht einmal mehr möglich, bis zum Sonnenaufgang zu schlafen."
"Das tut mir leid, Meister."
"Ach, nicht so schlimm. Dafür habe ich jetzt mehr Zeit für meine Studien." Ich zeigte ihm eine interessante Textstelle, die ich in dem Buch gefunden hatte.
"Salbei? Das ist wirklich interessant. Meinen Sie, das könnte funktionieren?"
"Auf jeden Fall werde ich es ausprobieren. Irgendwie muß die Stabilisation der Knochen ja funktionieren."
"Aber ich glaube kaum, daß man das mit Salbei bewerkstelligen könnte. Zugegeben, Salbei ist ein wichtiges Kraut für Ihre Experimente, aber es wird meist nur in Zusammenhang mit anderen Kräutern verwendet."
"Ich weiß, ich weiß, aber ich lasse es auf einen Versuch ankommen."
"In Ordnung, Meister. Soll ich Ihnen irgend etwas aus der Stadt mitnehmen?"
"Das übliche eben. Vielleicht noch ein paar Erdbeerblätter, ich habe nicht mehr viele davon und ich benötige sie reichlich."
"Benötigen Sie frische oder getrocknete Blätter?"
"Bring mir eine Handvoll von den getrockneten mit, die frischen kann ich zur Zeit nicht gebrauchen."
"In Ordnung, Meister. Ich mach mich dann mal auf den Weg."
Mein Gehilfe hatte einen langen Weg vor sich, weshalb ich ihn erst am nächsten Tag zurück erwartete. Er verließ mein Schlafgemach und nahm einen großen Sack, der draußen in der Eingangshalle an einem Haken hing, und ein Fläschchen von meinem Betäubungsmittel mit. Ich schloß die Tür und lauschte, wie er mit schnellen Schritten zum Eingangstor ging, dieses öffnete, hindurchschritt und es von außen wieder schloß.
Als ich ihn nicht mehr hören konnte, ging ich wieder an meinen Schreibtisch, setzte mich und nahm eine Feder zur Hand, um mir zu notieren, wie man dem Zauberbuch nach Knochen mit Salbei stabilisieren konnte. Ich tauchte die Feder in das Tintenfaß und übertrug den Text aus dem Buch auf ein Stück Papier, auf das ich schon allerlei Notizen gekritzelt hatte. Danach las ich noch ein wenig in dem Buch, fand jedoch nichts sonderlich Aufregendes mehr, nur allgemeine Informationen über den Aufbau der Knochen und wie man sie mittels spezieller Gemische unbrechbar machen konnte. Ich hatte diese Gemische schon ausprobiert, leider nicht mit dem von mir gewünschten Erfolg.
Ich beschloß, nachdem ich gegessen hatte, den restlichen Tag damit zu verbringen, die Leichen der Versuchspersonen zu verbrennen, die wir nach mißglückten Versuchen an ihren Knochen hatten töten müssen, um deren höllische Schmerzen zu beenden. Ich trug zuerst die Leiche des Jungen nach draußen, dessen linker Beinknochen total verbogen war. Wir hätten gar nichts anderes tun können, als ihn zu töten, eine Beinamputation wäre zwecklos gewesen, da die unter den gegebenen Umständen auch zum Tod des Jungen geführt hätte, nur zu einem viel qualvolleren. Ich erinnerte mich noch genau an den Versuch mit einer der bereits erwähnten Mixturen, die wir an ihm ausprobiert hatten. Ich hatte mir viel davon versprochen. Leider hatte ich beim Testen der Knochenstabilität durch einen Hammerschlag mit Entsetzen feststellen müssen, daß sich der Knochen verbogen hatte. Man hatte ihn ganz leicht verbiegen können, ohne viel Kraft aufbringen zu müssen. Ich hatte noch ein wenig testen wollen, woran diese Biegsamkeit des Knochens gelegen haben könnte, war dann aber zu dem Entschluß gekommen, den Versuch abzubrechen, da der Junge, den wir auf einem Tisch festgebunden gehabt hatten, zum Steinerweichen geweint und gebrüllt hatte. Mein Gehilfe hatte ihn daraufhin mit einem kräftigen Schlag auf das Genick getötet.
Ich legte die Leiche des Jungen auf eine nicht bewachsene Fläche im Garten neben meinem Turm, in dem ich einige Kräuter angepflanzt hatte, die jedoch nicht so recht wachsen wollten. An diesem Ort hatte ich schon all die anderen Leichen verbrannt, die bei Versuchen ums Leben gekommen waren oder nach diesen getötet werden mußten. Daher lagen hier auch viele halb verkohlte Knochen und sonstige schwer brennbare Leichenteile herum. Als nächstes brachte ich den Leichnam eines jungen Mädchens zur Feuerstelle, dessen Beine von einem Versuch mit einer Mischung, veon der ich durch einen seltenen Band der Encyclopaedia Magica erfahren hatte, verätzt waren. Der Band war sehr alt. Deshalb war es mir nicht möglich gewesen, jedes Wort zu entziffern, weshalb ich womöglich vollkommen falsche Zutaten verwendet hatte.
Die nächste Leiche, die ich hinaus zu den beiden anderen trug, war die eines etwa 5-jährigen Jungen. Bei einem Experiment zur Festigung der Knochen durch Magie war er in einen Zustand von geistiger Verwirrtheit geraten, seine Knochen jedoch hatten sich kein bißchen verfestigt. Da die Verwirrtheit auf Dauer anhielt und mir kein Gegenzauber bekannt gewesen war, war ich zu dem Entschluß gekommen, den Jungen von meinem Diener töten zu lassen.
Ich fragte mich ernsthaft, wozu ich mir die Mühe machte, möglichst die besten Zauberbücher aus aller Welt aufzutreiben, wenn die Inhalte dieser Bücher so unzuverlässig oder schwer lesbar waren, daß man so viele Versuche ausführen muß, wie ich es bisher hatte tun müssen, und diese meist fehlschlagen. Leider war ich auf sie angewiesen.
Ich entzündete die Leichen durch einen Zauberspruch, dessen Formel ich auswendig gelernt hatte, da ich auf diese Weise ein Feuer entstehen lassen konnte, dessen Temperatur höher war als die eines gewöhnlichen Feuers. Außerdem verbrannte das Feuer nur die verzauberten Gegenstände oder Personen. Ich brauchte daher keine Angst zu haben, daß sich das Feuer ausbreiten könnte.
Als die Flammen des Feuers hoch in den Himmel ragten, ging ich zurück in den Turm und beendete den Tag mit einem dürftigen Mahl und dem Durchstöbern einiger Magie- und Kräuterbücher. Anschließend löschte ich alle Kerzen, legte mich in mein Bett und hoffte, daß die Toten mich diese Nacht einmal in Frieden lassen würden. Angesichts der Tatsache, daß ich heute wieder drei Leichen verbrannt hatte, hielt ich dies jedoch für unmöglich.
12. MAI 1998
Dunkelheit. Das Prasseln des Regens. Als es blitzt, ist ein altes Mauerwerk zu sehen, eine Ruine. Kurz darauf ertönt der Donner. Eine Stimme ist zu hören. Sie murmelt Wörter in einer fremden Sprache, vielleicht alte Zauberformeln. Ein helles, rötliches Licht leuchtet plötzlich auf. Eine Gestalt in mittelalterlicher Kleidung erscheint in dem Licht. Sie lächelt und murmelt etwas vom dritten Jahr des Herrn. Nach ihrem Verschwinden taucht ein Gesicht auf, das Gesicht eines etwa 30-jährigen Mannes. Er hat dunkle Haare, leuchtende Augen und eine ernste Miene. Auf einmal zucken Blitze auf, die nur knapp Katrins Kopf verfehlen, deren grelles Leuchten sie jedoch aus dem Traum erwecken kann.
Dunkelheit. Draußen tobt ein Unwetter. Ein Blick auf die Digitalanzeige ihres Radioweckers verrät Katrin, daß es zehn Minuten nach Mitternacht ist. Sie ist aus einem Traum erwacht, einem seltsamen Traum, einem dämonischen Traum, einem teuflischen Traum. Ein ungutes Gefühl überkommt sie, ein Gefühl, daß dieser Traum einen Wendepunkt in ihrem Leben darstellen könnte. Sie denkt noch einmal über das Geträumte nach, während sie sich wieder in ihre Bettdecke kuschelt. Nach wenigen Minuten ist sie eingeschlafen.
Die Kirchenglocken ertönen, um zu verkünden, daß es nun sechs Uhr ist, und mit etwas Verzögerung zeigt auch die Digitalanzeige des Weckers die neue Uhrzeit an, woraufhin sich das Radio einschaltet und Katrin mit einem englischen Pop-Song aufweckt. Diese reibt sich die Augen und stellt das Radio wieder ab. Sie steht auf und begibt sich ins Badezimmer, wo ihr, während sie sich umzieht, der von ihr geträumte Traum wieder in den Sinn kommt. Ein intuitives Gefühl steigt in ihrem Innern auf, das Gefühl, daß eine starke Verbundenheit zwischen ihr und dem Mann, dessen Gesicht ihr erschienen ist, besteht. Sie dreht den Wasserhahn auf und hält den Kopf ihrer Zahnbürste unter den Wasserstrahl. Danach dreht sie den Hahn wieder zu, greift zur Tube mit der Zahncreme und läßt sie plötzlich wieder fallen, als sie am Ringfinger ihrer linken Hand ein Pentagramm entdeckt, das aussieht, als sei es auftätowiert. Mit dieser Entdeckung wird ihre Erinnerung an den Traum wieder klarer, und sie hört wieder die gemurmelten Zaubersprüche, nur unterbrochen vom gelegentlichen Donnerschall. Das letzte, was sie hört, bevor sie wegen dieser akustischen Erscheinung in Ohnmacht fällt, ist der gesprochene Satz der mittelalterlichen Gestalt aus dem Traum:
"Meine Macht wird wieder aufleben, in diesem dritten Jahr des Herrn!"
13. MAI 1332
Weder das in die Bretter meines Bettes geritzte Pentagramm, noch der Ring mit demselben magischen Symbol, den ich am Ringfinger meiner linken Hand trug, konnten mich in dieser Nacht vor einem Alp bewahren, der mir während der ganzen Nacht die schlimmsten Träume bescherte, die man sich vorstellen kann. Ich durchstand jedesmal Todesängste, wenn ich mitten in der Nacht aufwachte und das Knistern des Feuers neben meinem Turm hörte, in dem noch immer die drei Leichen brannten. Ich konnte spüren, wie deren erhitzte Seelen durch mein Zimmer huschten und mir zusammen mit dem Alp eine schier endlos lange Qual bereiteten, bis endlich die ersten Sonnenstrahlen durch das Fenster schienen. Ich stand aus dem schweißnassen Bett auf und begab mich in den Speisesaal, wo ich, während ich frühstückte, auf die Ankunft meines Dieners wartete. Die Sonne stand schon hoch am Himmel und mein Frühstück war längst beendet, als ich hörte, daß das Eingangstor geöffnet wurde. Ich stand auf und ging in die Eingangshalle, um meinen Helfer zu empfangen.
"Guten Tag, Meister," grüßte er, als er mich erblickte.
"Guten Tag. Hast du alles bekommen?"
"Ja, Meister. Hier sind die getrockneten Erdbeerblätter." Er reichte mir einen Beutel, der an seinem Gürtel befestigt gewesen war.
"Hast du auch eine neue Versuchsperson auftreiben können?"
"Gewiß doch, Meister." Er nahm einen großen Sack von seinem Rücken und öffnete ihn. Darin war ein kleiner, schmächtiger Junge, der durch die Wirkung meines Betäubungsmittels schlief.
"Sehr gut. Ich denke, wir können heute abend mit den Experimenten fortfahren."
"Äh, da ist noch was, Meister."
"Ja, was?"
"Nun ja, ich glaube, irgend jemand ist mir auf dem Weg hierher gefolgt."
"Was?" Ich konnte kaum glauben, was mir mein Gehilfe berichtete.
"Ich bin mir nicht sicher, ich habe auch niemanden gesehen, aber ich werde das Gefühl nicht los, daß mich irgendwer gesehen hat, als ich den Jungen hier entführte, und mir dann gefolgt ist."
"Das bildest du dir bestimmt nur ein." Ich versuchte, ruhig zu bleiben, konnte jedoch meine Angst nur schwer unterdrücken. Wenn irgend jemand herausbekommen würde, daß ich für das Verschwinden der Kinder in der Stadt verantwortlich war, müßte ich damit rechnen, daß einige Bewohner der Stadt mich umbringen würden, sobald sie in Erfahrung gebracht hätten, wo ich wohnte. Es war also durchaus nicht verwunderlich, daß ich beunruhigt war, als mir mein Diener erzählte, daß ihn jemand ertappt und verfolgt haben könnte. Bisher hatte es auch keine Probleme gegeben.
"Wir sollten trotzdem etwas vorsichtiger sein. Verriegele das Tor und die Fenster!" befahl ich meinem Helfer, welcher sich prompt in Bewegung setzte, um den Befehl auszuführen. Ich entschied, den geplanten Versuch unter den gegebenen Umständen auf den nächsten Tag zu verschieben. So beschloß ich den heutigen Tag mit der Lektüre eines Buches über magische Symbole, um ein wirksameres Mittel gegen den Alp zu finden, da es schien, als wäre ein Pentagramm zu diesem Zweck nur bedingt zu gebrauchen. In meinen Turm einzudringen, versuchte niemand, weshalb ich vermutete, daß sich mein Gehilfe geirrt haben mußte.
13. MAI 1998
Dunkelheit. Das Prasseln des Regens ist wieder zu hören. Auch jetzt blitzt es, und auch jetzt ist das Mauerwerk zu sehen und der Donner und die Stimme zu hören. Das rötliche Licht leuchtet auf, die Gestalt erscheint, und kurz darauf das Gesicht der Frau mit den halblangen, dunklen Haaren, die um die 25 Jahre alt sein dürfte. Auch jetzt zucken Blitze auf und erwecken Thomas aus seinem Traum. Alles ist wie am Vortag, nur daß er jetzt neben seinem Bett liegt. Er denkt kurz über den vorherigen Tag nach, bis ihm das Pentagramm auf seinem Finger wieder einfällt. Er hat es gestern kurz nach dem Aufstehen entdeckt und ist dann scheinbar in Ohnmacht gefallen, aus der er erst jetzt wieder erwacht ist. Ungläubig begutachtet er seinen linken Ringfinger, und tatsächlich ist darauf ein Pentagramm.
Er steht auf und sammelt seine rings ums Bett verteilten Kleidungsstücke auf. Mit diesen geht er ins Badezimmer, wo er sich wäscht, sich umzieht und seine Zähne putzt. Danach verläßt er seine Wohnung und macht sich auf den Weg ins Stadtarchiv, wo er schon in vergangener Zeit viele für seine Ahnenforschung wichtige Schriften gelesen hat, um sich dort mit Informationen einzudecken, die er dringend benötigen wird.
14. MAI 1332
Diese Nacht bescherte mir ein Succubus [1] in der Gestalt einer besonders schönen Frau einen unreinen Traum, der mich nach meinem Erwachen zurück an meine eigene Frau denken ließ, die vor vielen Jahren an einer unbekannten Krankheit gestorben war. Ihr Tod war der Auslöser für mein Streben nach einer unsterblichen Menschheit gewesen.
Am Mittag holte ich eine Ziege aus dem Stall. Ich schnitt ihr mit einem Messer die Halsschlagader auf und ließ ihr Blut in einen Holzeimer laufen. Den gefüllten Eimer trug ich in den Keller, in meinen Versuchsraum. Ich zeichnete die aus getrocknetem Blut bestehenden Linien des Pentagramms auf den Boden mit dem frischen Ziegenblut nach und wandte einen Zauberspruch auf dem Zeichen an. Danach ließ ich mir von meinem Diener den gefangenen Jungen bringen und auf dem Tisch, der direkt neben dem Pentagramm stand, festbinden. Ich schnitt dem nun vollkommen wehrlosen Jungen in den Finger und ließ sein Blut in die Mitte des Pentagramms tropfen. Das Blut und die roten Linien des magischen Symbols begannen ein wenig zu leuchten. Ich warf nun auch den Salbei in die Mitte des Pentagramms. Die Linien des fünfzackigen Sterns leuchteten jetzt ziemlich stark. Ich nahm meine Aufzeichnungen zur Hand und las die zu diesem Experiment gehörende Zauberformel laut vor. Das Blut des Jungen vermischte sich mit dem Salbei zu einer braunen Paste, die ich, nachdem das Leuchten des Pentagramms beendet war, in meine Hand nahm und auf den nackten Beinen des Jungen verteilte. Eine leicht rote Aura ging nun von diesen Beinen aus. Ich war gespannt, ob es mir diesmal gelungen war, die Knochen zu stabilisieren. Ich nahm einen Hammer und schlug mit aller Kraft auf das Schienbein des rechten Beines. Der Junge schrie laut auf, aber das Bein war unversehrt geblieben. Ein Ausruf der Freude ging über meine Lippen. Endlich hatte ich es geschafft, den Knochen so zu stabilisieren, daß er gegen den Hammerschlag standhielt. Jetzt mußte er nur noch das Sägen durchstehen, dann war er perfekt. Ich nahm also die Säge und begann, das Bein des Jungen zu durchsägen. Ich sägte die Haut entzwei und sägte weiter durch das rohe Fleisch des Jungen. Das Blut spritzte mir entgegen, und auf dem Boden war im Nu eine riesige Blutpfütze. Seltsamerweise konnte ich den Jungen nicht mehr schreien hören. Wahrscheinlich hatte er einen Schock erlitten und das Bewußtsein verloren. Das störte mich jetzt nicht weiter. Ich sägte und sägte, doch der Knochen ließ sich nicht durchsägen. Er war hundertprozentig stabil. Ich hatte es endlich geschafft! Ich warf die Säge unachtsam zur Seite und hätte beinahe vor Freude einen Luftsprung gemacht, als mein Gehilfe mit ernster Miene sagte: "Er ist tot!"
"Wer? Wer ist tot?"
"Na, der Junge, wer sonst? Er muß einen Schock erlitten haben."
"Ach, nein, der ist doch bloß ohnmächtig."
"Das bezweifle ich, Meister."
"Und wenn schon, ich habe es endlich geschafft, nach so vielen Fehlversuchen hat es endlich funktioniert."
"Wahrscheinlich werden Sie recht behalten. Sie werden es dieses Jahr noch schaffen, den perfekten Menschen zu vollenden."
"Ja, ich habe dir gleich gesagt, daß uns das zweite Jahr des Satans die Möglichkeit gibt, einen Menschen von einer Perfektion zu schaffen, die Gott niemals vollbringen könnte. Und nur die Macht des Bösen besitzt das ewige Leben!"
Mein Diener band die Leiche des Jungen los und trug sie in eine Ecke, als ich sprach, mehr mit mir selbst als mit ihm.
An diesem Abend ging ich gleich, nachdem ich gegessen hatte, zu Bett. Ich war richtig erleichtert, daß ich mir keine Sorgen mehr um diese verdammten Knochen machen mußte. Dies war ein Glückstag für mich.
14. MAI 1998
Dunkelheit. "Meine Macht wird..." Ein Blitz erleuchtet die Nacht. "...wieder aufleben, in diesem..." Der Donner unterbricht die Gestalt. "...dritten Jahr des Herrn!" Die Gestalt wendet sich ab, dreht aber noch einmal ihren Kopf zu Katrin. "Morgen ist es soweit. Ich erwarte dich an der Ruine meines Turmes." Danach dreht sich die Gestalt um und verschwindet in der Dunkelheit. Plötzlich erscheint das Gesicht, das Katrin schon die beiden vorigen Nächte zu sehen bekam, nur diesmal nicht mit ernster, sondern mit ängstlicher Miene. Die Blitze zucken, und im nächsten Moment ist Katrin wach und liegt wieder in ihrem Bett.
"Er erwartet mich," ist ihr erster Gedanke. Sie hat jedoch bedauerlicherweise nicht den kleinsten Hinweis darauf, wo sich die Ruine befindet. Und der Mann, dessen Gesicht ihr immer in den Träumen entgegengeblickt hat, war ihr auch total unbekannt. Sie hat Angst und ist völlig verzweifelt. Seltsame Dinge sind passiert seit sie diesen Traum zum ersten Mal geträumt hat. Das Pentagramm an ihrem Finger, die Ohnmacht, die einen ganzen Tag angehalten hat und am Vortag hat sie der Wahn gepackt, unbedingt nach dem Mann mit dem ernsten und nun ängstlichen Blick zu suchen, ohne Erfolg. Sie hat ihren Job in einem Versicherungsbüro sträflich vernachlässigt, und daß, obwohl sie auf diesen angewiesen ist, da sie keine Verwandten hat, die ihr notfalls aus der Patsche helfen könnten. Sie ist vollkommen allein und durch ihre Einsamkeit äußerst verängstigt. Wenn sie doch nur diesen Mann finden könnte, dann... Was dann wäre, weiß sie nicht, aber sie wäre nicht mehr so allein und so hilflos. Wenn sie wüßte, daß der Mann, den sie sich so dringend herbeisehnt, gerade das Stadtarchiv durchstöbert und vorhat, sie sobald wie nur möglich zu kontaktieren, wäre sie bestimmt nicht so ängstlich, wie sie es im Moment ist.
Thomas hat viel Neues über die Ruine herausgefunden, und auch über den Magier. Beide scheinen verflucht zu sein. Vor allem über die Ruine hat er viel ausgegraben, das sich auch vor kürzerer Zeit zugetragen hat.
Als er um 23 Uhr nach Hause kommt, nimmt er sich zuerst das Telefonbuch vor. Er schlägt die Seite auf, auf der die Liste der Namen mit N beginnt, blättert weiter bis NE, weiter bis NEU, und noch weiter bis NEUB, bis er schließlich den Namen Neubert entdeckt. Neubert, Anton. Neubert, Bertold. Neubert, Eduard. Neubert, Emil. Neuber,... Neubert, Katrin. Er hat sie gefunden. Leider steht kein Adresse dabei. Deshalb nimmt er den Hörer seines Telefons ab und tippt die Nummern, die hinter Katrins Namen stehen. 9-4-3-7-5-1. Er hält den oberen Teil des Hörers an sein Ohr und wartet, bis Katrin den Hörer abnimmt. Es klingelt sechsmal, bevor dies geschieht.
"Katrin Neubert."
"Guten Tag, hier spricht Thomas Strauber. Sie werden mit meinem Namen nicht viel anfangen können, aber ich weiß, daß sie mich kennen."
"Der Traum?"
"Genau."
"Woher kennen sie meinen Namen?"
"Das erkläre ich Ihnen später. Wir haben nicht viel Zeit. Wir müssen ihn aufhalten, bevor es zu spät ist."
"Wer ist er?"
"Das werde ich Ihnen auch noch erklären. Nur sagen Sie mir jetzt bitte, wo sie wohnen, damit ich Sie abholen kann. Wir haben noch eine lange Autofahrt vor uns, bevor wir zur Ruine kommen."
"Ich wohne in der Heinrichstraße 16a. Das ist im Norden der Stadt." "Ich werde es schon finden. Bis gleich!"
"Bis gleich." Dieser Anruf hat Katrin ein wenig verwirrt, aber sie ist froh, daß der Spuk bald ein Ende haben wird. Das hofft sie zumindest.
Eine Viertelstunde später biegt Thomas mit seinem alten Golf in die Heinrichstraße ein. Jetzt muß er nur noch das Haus mit der Nummer 16a finden. Er fährt noch einige Meter, bis er es entdeckt. Er fährt den Golf auf den Gehweg, hält ihn an und steigt aus. Er läuft zur Eingangstür und untersucht die kleinen Schilder neben den Klingelknöpfen. Er betätigt den, neben dem "Katrin Neubert (3.Stock)" zu lesen war. Er muß einige Augenblicke warten, bevor ein verzerrtes "Ja, bitte?" aus dem Lautsprecher zu vernehmen ist. Thomas spricht in die Lautsprechanlage. "Hier ist Thomas Strauber, wir haben telefoniert." Ein Summen verkündet, daß die Tür geöffnet werden kann. Thomas drückt sie auf und betritt das Mietshaus. Er fährt mit dem Fahrstuhl in den dritten Stock und liest dort die Namensschilder an den Türen. Als er Katrins Namen liest, zögert er erst ein wenig, bevor er klingelt. Katrin öffnet die Tür. Die beiden schauen sich zuerst einmal eine Weile an. Sie sehen sich zum ersten Mal. Keiner kennt den anderen. Nur in ihren Träumen sind sie sich bisher begegnet.
"Kommen Sie, wir müssen los," unterbricht Thomas ihr Schweigen. Thomas geht zum Fahrstuhl, und Katrin folgt ihm, nachdem sie ihre Wohnungstür zugeschlossen hat. Sie fahren mit dem Fahrstuhl nach unten, verlassen das Mietshaus und steigen in den Golf ein. Thomas startet den Wagen und fährt los. Nach einiger Zeit beginnt Thomas ein Gespräch mit Katrin. "Ich glaube, ich bin Ihnen einige Erklärungen schuldig."
"Da haben Sie völlig recht."
"Also, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll."
"Sagen Sie mir am besten erst einmal, wo genau wir hinfahren."
"Zu der Ruine, die in Ihren und auch in meinen Träumen zu sehen war."
"Sie hatten diese drei Träume also auch?"
"Ja, natürlich, sonst wäre ich doch nie darauf gekommen, daß etwas Schlimmes passieren könnte und ich hätte Sie niemals aufgesucht." "Wo ist diese Ruine?"
"Sie ist ziemlich weit draußen vor der Stadt, in den Feldern."
"Woher wissen Sie, wo sich die Ruine befindet?"
"Nun ja, ich habe ein paar Quellen über sie im Stadtarchiv entdeckt. Ich bin dort häufiger, müssen Sie wissen. Ich betreibe Ahnenforschung, und da ist es unerläßlich, daß man irgendwoher seine Informationen bezieht."
"Sie betreiben Ahnenforschung?"
"Ja, und ich habe schon vor längerer Zeit herausgefunden, daß einer meiner Vorfahren ein Magier gewesen ist, die Gestalt, die uns in unseren Träumen begegnet ist. Erinnern Sie sich an das Gemurmel dieser Gestalt?"
"Ja."
"Das waren alte Zauberformeln. Das vermute ich jedenfalls. Und wissen Sie, was ich noch herausgefunden habe?"
"Nein, was?"
"Ich habe herausgefunden, daß Sie und ich die einzigen Nachfahren dieses Magiers sind."
"Wirklich?"
"Meine Eltern sind bei einem Hausbrand ums Leben gekommen, und Ihre sind bei einem Autounfall gestorben, aber das dürfte nichts Neues für Sie sein."
"Ja, das stimmt. Woher wissen Sie das alles?"
"Durch meine Ahnenforschung. Deshalb kenne ich auch Ihren Namen."
"Lassen Sie mich raten. Sie haben auch mein Alter herausgefunden, und als Sie dann in Ihrem Traum mein Gesicht gesehen haben, haben Sie sofort gewußt, daß es sich dabei um meines handelt."
"Ja, stimmt genau."
"Was wissen Sie alles über den Magier?"
"Nur das, was die Stadtbewohner damals über ihn aufgeschrieben haben. Er hat angeblich schon in seinem Kindesalter von seinen magischen Fähigkeiten gewußt, wollte aber ein bürgerliches Leben führen. Er hat geheiratet, und seine Frau hat einen Sohn bekommen. Nach einigen Jahren ist sie dann an einer Krankheit gestorben, vielleicht an der Pest oder der Lepra oder was weiß ich, auf jeden Fall ist sie gestorben. Der Magier soll daraufhin verrückt geworden sein und ist aus der Stadt verschwunden. Er ist in einen leerstehenden Turm gezogen, von dessen Existenz damals kaum jemand gewußt hat."
"Was ist mit seinem Sohn passiert?"
"Ein kinderloses Ehepaar hat ihn bei sich aufgenommen."
"Aha." Katrin nickt kaum merklich mit dem Kopf.
"Aber das wirklich interessante ist die Tatsache, daß das Gebiet auf dem der Turm damals gestanden hat, und auf dem sich heute noch seine Überreste befinden, zu denen wir gerade unterwegs sind, verflucht sein soll. Ich habe mehrere Berichte über seltsame Dinge gelesen, die sich dort ereignet haben. Anfang dieses Jahrhunderts beispielsweise ist dort ein Kind, das bei der Ernte auf den umliegenden Äckern helfen sollte, gestorben. Angeblich hat es sich beim Spielen versehentlich mit einem spitzen Stein die Pulsadern aufgeschnitten und ist dann verblutet, so sonderbar das auch klingen mag. Die Erzählungen der Stadtbewohner jedoch haben besagt, daß das Kind plötzlich wieder, aus allen Hautpartien blutend, auf dem Acker aufgekreuzt und erst dann tot umgefallen ist. Ja, und während des Zweiten Weltkriegs ist dort auf mysteriöse Art und Weise ein deutsches Jagdflugzeug abgestürzt und in den 70er Jahren ist dort ein Liebespaar spurlos verschwunden. Es gibt noch etliche Beispiele dieser Art, aus diesem und vorangegangenen Jahrhunderten. Dort müssen eine Menge Gedenktafeln rumstehen, ja, sogar einige der Opfer der Unglücksfälle sollen dort begraben sein. Na ja, auf jeden Fall ist es sonderbar, daß diese Kette von Todesfällen und den anderen Geschehnissen dort erst begonnen hat, als der Magier gestorben ist."
"Wann ist er denn gestorben?"
15. MAI 1332
Diese Nacht erwachte ich aus meinen schrecklichen Träumen, da von draußen Lärm zu hören war. Ich stand sofort auf und ging in die Eingangshalle. Dort konnte ich sehen, daß das Eingangstor durch starke Gewalteinwirkung von außen bebte. Die Stadtbewohner hatten meinen Turm also doch entdeckt. In diesem Moment kam mein Gehilfe aus seinem Zimmer angelaufen.
"Halte die Leute auf, ich gehe in den Keller und hole mein Schwert," rief ich ihm zu, als auch schon das Tor aus seinen Angeln brach, und mehrere Stadtbewohner hereinstürmten. Sie waren mit Keulen, Messern und Beilen bewaffnet und hielten Fackeln in ihren Händen. Mein Diener stand in ihrer Nähe, und die ersten, die hereingekommen waren, prügelten auf ihn ein, noch ehe er flüchten konnte. Er schrie, bis ihm einer der Angreifer den Kopf mit einem Beil spaltete. Sein Blut und seine Gehirnmasse flossen aus dem gespaltenen Schädel und tropften auf den Boden, auf dem sein Körper aufstieß.
Ich war währenddessen die Leiter in den Keller hinabgestiegen und hatte mich mit meinem Schwert bewaffnet. Einige der Leute waren mir nach unten gefolgt und kamen jetzt auf mich zu. Dem ersten, der in meine Reichweite kam, stieß ich das Schwert in den Hals. Er ging röchelnd zu Boden und hielt sich, nachdem ich das Schwert wieder herausgezogen hatte, seine Hände an die klaffende Wunde an seinem Hals. Den nächsten, der sich mir näherte, wehrte ich ab, indem ich dessen Herz zerschnitt.
Ich konnte auch noch einige andere abwehren. Schließlich kamen jedoch zu viele gleichzeitig auf mich zu, so daß ich nicht alle abwehren konnte. Deshalb schaffte es einer von ihnen, mir mit einem Beil den Bauch aufzuschlagen. Meine Gedärme quollen hervor. Ein schier unendlicher Schmerz überkam mich, der aber nicht lange anhielt, da mir ein anderer meinen Kopf von meinem Haupt trennte. Mein Körper fiel rücklings auf das Pentagramm am Boden, und mein Blut ergoß sich in dessen Mitte. Die Stadtbewohner erschraken, als das Blut und die Konturen des Pentagramms aufleuchteten. Sie verließen schlagartig den Keller, zündeten meinen Turm an und flüchteten zurück in die Stadt. Meinen Körper jedoch ließen sie zurück. Er lag verlassen von allem Leben auf dem Pentagramm, mein Kopf gleich daneben. Und dort blieb er auch liegen, bis er vollkommen verwest war.
15. MAI 1998
Dunkelheit. Das Scheinwerferlicht des Golfes durchschneidet die Dunkelheit. Der große Zeiger der Uhr im Armaturenbrett springt um. Es ist gerade Mitternacht, als Thomas Katrins Frage beantwortet. "Nun ja, da es jetzt Mitternacht ist, kann man sagen, daß er heute vor genau 666 Jahren gestorben ist." "Wie ist er gestorben?"
"Ein Lynchkommando aus Bewohnern der Stadt hat ihm den Garaus gemacht."
"Warum denn das?"
"Wissen Sie, er hat in seinem Turm irgendwelche Experimente an Menschen durchgeführt. Und aus diesem Grund hat er Kinder aus der Stadt entführen lassen."
"Entführen lassen? Von wem denn?"
"Er hat angeblich einen Diener gehabt, der ihm bei den Experimenten geholfen hat." Nachdem Thomas dies gesagt hat, schweigen beide erst eine Weile, bevor Katrin fragt: "Ist es noch weit?"
"Nein, in spätestens zehn Minuten sind wir dort."
"Was meinen Sie, was uns dort erwartet?"
"Keine Ahnung." Wieder Schweigen.
Acht Minuten später fahren sie von der kaum befahrenen Landstraße auf einen Feldweg. Ein Schild verkündet, daß das Befahren dieses Weges eigentlich nur in land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen gestattet ist. Weder Thomas noch Katrin stört es im Anbetracht der Geschehnisse auch nur im geringsten, dieses Schild zu mißachten.
Nach einigen weiteren Minuten erreichen sie schließlich die Ruine. Thomas hält den Golf so an, daß sie von den Autoscheinwerfern optimal beleuchtet wird, um auch in dieser dunklen Nacht etwas sehen zu können. Thomas steigt aus, und, nachdem sie kurz innegehalten hat, auch Katrin. Langsam bewegen sich die beiden auf das alte, zerfallene Mauerwerk zu. In dem Durcheinander aus Steinen, Dreck und Unkraut können sie ein rotes Leuchten sehen. Sie schauen einander ratlos an und gehen dann weiter auf das rote Licht zu.
"Helfen Sie mir bitte, den Dreck hier wegzuräumen," bittet Thomas und beginnt den Schutt, durch den das Leuchten dringt, zur Seite zu räumen. Katrin hilft ihm. Sie legen eine Falltür frei.
"Das Leuchten kommt aus einem Raum unter uns, wahrscheinlich der Keller des ehemaligen Turms. Seltsam, daß den noch keiner entdeckt hat," bemerkt Thomas. Er öffnet die Falltür und verharrt, bis sich seine Augen an das Licht gewöhnt haben. Dann klettert er die Leiter hinab, Katrin folgt ihm. Die beiden schauen sich zuerst einmal in dem Raum um. Der Raum ist voll von Regalen, die mit kleinen Schachteln gefüllt sind, auf denen Kräuternamen stehen. In der Mitte des Raumes steht ein Tisch, neben dem auf dem Boden ein teilweise mit Dreck bedecktes Pentagramm aufgezeichnet ist, von dem scheinbar das rote Leuchten ausgeht.
"Was meinen Sie, ist dies der Raum, in dem der Magier seine Experimente mit den Kindern aus der Stadt durchgeführt hat?" fragt Katrin ängstlich.
"Das ist sehr wahrscheinlich."
Plötzlich wird das Licht heller, und Thomas und Katrin müssen ihre Augen zusammenkneifen, um nicht geblendet zu werden. Als es wieder dunkler wird, können die beiden sehen, daß der Magier auf dem Pentagramm erschienen ist.
"Oh, mein Gott!" ruft Katrin aus.
"Ja, ja, bitte deinen verdammten Gott ruhig um Hilfe," sagt der Magier verächtlich.
"Was wollen Sie von uns?" fragt Thomas den Magier.
"Ooh, laß doch dieses förmliche Sie. Schließlich sind wir ja... Verwandte."
"Ja, leider. Also, was willst du von uns?"
"Nun ja, nicht viel. Ich bitte euch nur, meine Experimente zu Ende zu führen."
"Das werden wir bestimmt nicht tun," wendet Katrin ein.
"Och, da muß ich dich leider enttäuschen. Die Entscheidung liegt nämlich bei mir, und ich habe sie bereits getroffen, meine Kleine."
"Was sind das eigentlich für Experimente?" will Thomas wissen.
"Wichtige Experimente für die gesamte Menschheit, bei denen euch allerdings einzig und allein der Teufel helfen kann."
"Wieso denn das?"
"Nun ja, wenn es darum geht, einen Menschen zu schaffen, der unsterblich ist, ist euer allmächtiger Gott leider nicht zu gebrauchen, denn dessen Geschöpfe sind vergänglich und allesamt von minderwertiger Qualität. Nur das Böse lebt für immer. Seht bloß mal mich an! Wenn ich eurem Gott nicht abgedankt hätte, wäre ich seit 666 Jahren tot und könnte mich jetzt nicht mit euch unterhalten. Und das wär doch schade, oder etwa nicht?"
"Das ist nicht wahr. Unsere Seelen sind unsterblich."
"Hm, das muß euch dieser angebliche Prophet Jesus erzählt haben," der Magier lacht. "Es ist ja schon lustig genug, daß dieser Witzbold behauptet hat, er wäre der Sohn einer Jungfrau, aber noch lustiger ist, daß ihr ihm das geglaubt habt, daß ihr ihm wirklich alles geglaubt habt, was er euch erzählt hat, ihr verdammten Gottgläubigen. Und den wahren Propheten und Erlöser habt ihr verkannt. Wahrscheinlich, weil er ehrlich war und euch die Wahrheit über seine Mutter erzählt hat. Er hat niemals gesagt, er sei der Sohn einer Jungfrau, nein, er sagte von Anfang an, daß er der Sohn einer Hure sei, einer Hexe, um genau zu sein, die weise genug war, sich mit dem Teufel einzulassen, aber ihr seid ja nie an der Wahrheit interessiert gewesen, nur an schönen Geschichten. Der wahre Prophet ist unbeachtet von allen in den Tod gegangen. Na ja, das interessiert euch doch sowieso nicht. Die Hauptsache ist, daß der Teufel wieder zwei, sagen wir mal Freiwillige gefunden hat, die sein Ziel weiterverfolgen, die die Menschheit unsterblich machen und die alles Gute vernichten werden!"
"Ich sterbe lieber, als daß ich in einer Welt ohne Liebe lebe," erwidert Katrin.
"Die Liebe ist sinnlos. Wenn jeder unsterblich ist, ist es unnötig, sich fortzupflanzen, um die eigene Rasse zu erhalten. Tja, und wenn die Fortpflanzung ihren Sinn verloren hat, hat auch die Liebe keinen Zweck mehr."
"Ich werde keines dieser Experimente durchführen!"
"Wie schon gesagt, du hast keine Wahl. Ich habe wieder genug Macht, deine Seele in meinen Besitz zu bringen.Es ist nämlich das dritte Jahr des Herrn."
"Das dritte Jahr des Herrn?" Thomas schaut den Magier fragend an.
"Dreimal 666 Jahre sind vergangen seit der Geburt meines Propheten, und der von eurem Lügner. In diesem Jahr ist Satans Macht am größten."
"Äh, ich glaube, daß wir jetzt besser verschwinden," meint Thomas, an Katrin gewandt. Er dreht sich um.
"Oh nein, verdammte Scheiße!" schreit er, als er hinter sich einen Jungen entdeckt, der aus allen Hautpartien blutet. Auch Katrin erschreckt sich, als sie sich daraufhin umdreht. Der Junge kommt langsam auf die beiden zugelaufen. Seine Augen leuchten rot und er hält ein Beil in seiner Hand.
"Ist er nicht süß, der Kleine?" fängt der Magier an zu reden. "Ich habe ihm dieses schöne Spielzeug geschenkt, nachdem er sich bereit erklärt hatte, mir zu dienen, zwar nicht freiwillig, aber immerhin. Das schöne Spielzeug hat übrigens einem der Männer gehört, die mich umgebracht haben, oder zumindest geglaubt haben, daß sie das getan haben. Nun ja, vielleicht wäre es jetzt an der Zeit für eine Meinungsänderung eurerseits. Der Junge spielt nämlich sehr gerne, müßt ihr wissen."
Thomas will gerade etwas sagen, als er hört, daß jemand die Leiter hinabsteigt. Er sieht einen Mann in einem alten, halbverbrannten Pilotenanzug, der mit Hakenkreuzen verziert ist. Als der Mann den Boden erreicht und sich umdreht, kann Thomas erkennen, daß das Gesicht des Mannes total verkohlt ist und seine Augen leuchten.
"Ach, du meine Güte, das werden ja immer mehr," flucht Katrin, die sich auch umdreht, als Thomas leichenstarr zur Leiter blickt. Der Pilot zieht eine Pistole aus seiner Fliegerjacke und richtet sie auf Thomas.
"Ah, mein alter Freund und Kriegskamerad," spricht der Magier mit einer belustigten Stimme. "Ihn zu meinem Untertan zu machen, ist wirklich nicht schwer gewesen. Er ist ein Nazi, wie man an den lustigen Kreuzen auf seiner Jacke leicht erkennen kann, und hat das Böse schon in sich getragen. Nicht wahr, mein Freund?"
Der Nazi nickt, hebt seine rechte Hand und ruft: "Heil Satan!"
"Heil Satan! Tja, wie ihr hört, hat er seinem Führer Adolf Hitler, diesem geistig verwirrten Psychopathen, abgedankt, und den Teufel als seinen neuen Führer anerkannt," grinst der Magier.
"Also, wenn Sie meine Meinung..." beginnt Thomas, wird aber von dem Magier unterbrochen, der wütend sagt: "Du, du sollst mich duzen, verdammte Scheiße noch mal, wir sind Verwandte, merk dir das ein für alle Mal!"
"Ich duze, wen ich will. Und jetzt laß mich dir einmal was sagen, mein lieber Verwandter." Thomas spricht mit einer wütenden Stimme. "Du bist das abstoßendste und widerwärtigste Wesen, dem ich je begegnet bin. Und wir werden keines deiner beschissenen Experimente durchführen, egal mit wie vielen Zombies, Nazischweinen oder sonstigen Arschlöchern du sonst noch aufwarten kannst, nicht wahr, Frau Neubert?"
"Genau," sagt Katrin voller Überzeugung.
"Na gut, ihr habt es nicht anders gewollt. Jetzt muß ich Gewalt anwenden. Macht die beiden fertig!" befiehlt er den beiden Untoten. Augenblicklich bückt Thomas sich, um dem Schuß des Nazis zu entgehen, der daher in der gegenüberliegenden Wand einschlägt und dort ein Loch hinterläßt. Er zieht seinerseits eine großkalibrige Pistole aus seiner Jackentasche, zielt auf die Stirn des 3.-Reichs-Piloten und drückt ab. Das Blut und das Gehirn des Zombie-Nazis spritzen durch den ganzen Raum. Der Untote taumelt, läßt die Waffe fallen und fällt rückwärts auf den Boden. Währenddessen hat das blutende Kind Katrin angegriffen. Es schlägt der schreienden Frau die rechte Hand ab. Blut ergießt sich aus dem neuen Ende des Armes über den ganzen Boden. Thomas reagiert schnell und schießt dem kleinen Untoten eine Kugel in die Brust. Die großkalibrige Patrone durchdringt den Körper des Mini-Zombies und reißt dabei dessen Herz mit an die Wand hinter ihm. Der Junge fliegt mit einem gewaltigen Satz nach hinten und bleibt auf dem nun blutüberströmten Boden leblos liegen.
"Verdammt, nun aber weg hier!" schreit Thomas und reißt Katrin mit sich in Richtung Leiter. Die vor Schmerz schreiende Frau versucht, mit Thomas Schritt zu halten. Thomas läßt sie zuerst die Leiter hinaufsteigen. Sie hat einige Schwierigkeiten wegen ihrer fehlenden Hand, schafft es aber trotzdem. Danach steigt Thomas hinterher.
Der Magier, der das ganze Gemetzel teilnahmslos mitverfolgt hat, bleibt auf dem Pentagramm stehen. Er kann es nicht verlassen. Wieso sollte er auch? Er hat ja seine Helfer.
Kaum sind Katrin und Thomas oben angelangt, bemerken sie, daß ihre ganze Mühe umsonst gewesen ist. Im Scheinwerferlicht des Golfes hat sich eine riesige Schar von Zombies versammelt. Der ehemalige Gehilfe des Magiers ist da, auch einige Teilnehmer des Lynchkommandos, die ihr Leben gelassen haben, ein Liebespaar im 70er-Jahre-Look und viele andere mehr sind zu sehen. Thomas gibt noch ein paar Schüsse auf die Zombies ab, bevor er bemerkt, daß es sinnlos ist. Die Meute aus Untoten fällt über die beiden her und zerfleischt sie bis zur Unkenntlichkeit. Danach tragen sie die zermatschten Körper und einige verstreut auf dem Boden liegende Innereien hinab in den Keller, dem Magier zu Füßen. Dieser beschwört die blutüberströmten Leichenteile seiner beiden Verwandten und macht sich deren Seelen untertan.
Seit diesem Tag verschwinden in der Stadt wieder mehr Kinder als in den Jahren zuvor. Es ist mal wieder Zeit für einen Aufstand gegen das Böse, es ist mal wieder Zeit für ein neues LYNCHKOMMANDO.
ENDE
Fußnoten:
[1] Succubi (auch Drunterlieger) sind im Volksglauben des Mittelalters Dämonen, die schlafenden Männern erotische Träume bereiteten, um von ihnen Samenergüsse geliefert zu bekommen. Entsprechend gab es auch Incubi (auch Drauflieger), die bei Frauen erotische Träume verursachten, um mit dem gesammelten Sperma, neue Dämonen zeugen zu können. Diese Vorstellung entstand durch die Unterdrückung sexueller Wünsche und Triebe während des Mittelalters
----
Und wie war sie? Hoffe gut!
MFG
Müller weiterlesen schließen -
Rette dich selbst!
06.03.2003, 20:26 Uhr von
jamesi_bg
In 9 von 10 Fällen gehört eine verleumderische Zunge einer enttäuschten Person.Pro:
.
Kontra:
.
Empfehlung:
Nein
Ich hab diese Geschichte für einen Wettbewerb geschrieben. Das Thema war "42" in irgendeiner Art zu verarbeiten. Hier mein Ergebnis.
So stand sie nun vor den Trümmern ihrer Existenz. Ein Kind im Bauch, dass keine Familie außer ihr besaß, und auch keine Aussicht auf eine bessere Zukunft.
Sascha. Hätte sie ihn wenigstens an ihrer Seite gehabt. Er hätte ihr die nötige Kraft gegeben. Doch ihn hatte man ihr auf so grausame Weise entrissen.
Zu denen konnte sie nicht gehen. Das war einmal. Der Kontakt war ja bereits vor Jahren vollkommen abgebrochen. „Sie hätten keine Tochter mehr.“ Das hatte sie sich anhören müssen.
„Es tut mir leid, wenn sie die Miete nicht bezahlen können, dann müssen sie die Wohnung räumen.“ Er bedauerte es wirklich, sie konnte es ihm ansehen. Doch auch er musste irgendwie seine Familie ernähren. Selbsterhaltungstrieb nennt man das anscheinend. Warum hatte sie diesen nicht?
Was war falsch gelaufen? Weshalb hatte sie keine Ausbildung gemacht? Es war doch abzusehen, dass sie in Schwierigkeiten geraten würde. Man kann nicht sein Leben lang schwarz arbeiten.
Vom Sozialamt leben? „Das kannst du nicht machen, du kannst nicht andere für deine Fehler bezahlen lassen.“ Wer hatte ihr das gesagt? Aber es war richtig. Sie war an allem schuld. Bis auf die Sache mit Sascha. Dafür konnte sie nichts. Aber er auch nicht, und hat es trotzdem mit dem Leben bezahlt.
Es war Ende Oktober, der Fluss war schon kalt. Der Sprung ins Wasser die einzige ersichtliche Lösung für alle Probleme. „Das Kind wird es nicht spüren. Es ist besser, als ein Leben in Armut und Kummer.“
Der Mann im weißen Kittel sagte, der Kaiserschnitt war erforderlich, da das Überleben des Kindes nicht gesichert war. War das nicht Sinn und Zweck der ganzen Aktion gewesen? Ihr Leben, und das des Kindes für immer zu vernichten. Die Qualen mit einem Schlag zu ertränken.
„Wieso wollten sie einen Doppelmord begehen? Ich habe sie aus dem Wasser gefischt.“ Sie blickte in die tiefblauen Augen einer jungen Frau. Die gleichen Augen hatte Sascha gehabt.
„Ach, rette dich selbst!“ schrie sie die Helferin an. „Ich bin auf keine Hilfe angewiesen!“
Stille rund um ihr Krankenbett. Man legte ihr ein weißes Bündel auf die Brust. Das sollte sie sich ansehen.
Und da lagen sie dann. 5 Wochen zu früh auf dieser Welt, aber bereits fähig selbstständig zu atmen. 42 cm puren Glücks. Sie würden ihr die notwendige Kraft geben weiterzumachen.
Seid ruhig kritisch, ich brauch Hilfe, damit ich noch besser werde, ich hab nämlich nix gewonnen.
;-)
Bis dann, Bianca! weiterlesen schließenKommentare & Bewertungen
-
giselamaria, 25.02.2009, 17:27 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
prima, dazu bitte meine Nachricht lesen!! LG Gisela
-
-
anonym, 19.04.2008, 16:28 Uhr
Bewertung: sehr hilfreich
Kommentar steht im Gästebuch, dennn hier reicht der Platz nicht. Gruss Leseratee.
-
-
Informationen
Die Erfahrungsberichte in den einzelnen Kategorien stellen keine Meinungsäußerung der Yopi GmbH dar, sondern geben ausschließlich die Ansicht des jeweiligen Verfassers wieder. Beachten Sie weiter, dass bei Medikamenten außerdem gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Bewerten / Kommentar schreiben