Mehr zu AutorInnen mit S Testberichte
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Tests und Erfahrungsberichte
-
Dieses Buch sollte man nicht lesen
11.10.2002, 22:12 Uhr von
mackz
Heute habe ich mich endlich wieder zurückgemeldet. Lange genug habe ich geschmollt, dass meine al...5Pro:
offener kann ein Deutscher zur Zeit nicht schreiben
Kontra:
es reißt zuviel einfach nur an
Empfehlung:
Nein
...man sollte es vorlesen.
Es bricht und spricht mit so vielen Tabus, daß es laut ausgesprochen gehört, denn um den heißen Brei sind wir zu lange von Büchern und Autoren geführt worden.
Um welches Buch geht es eigentlich: Der Vorleser von Bernhard Schlink
Auch wenn fast alle Schulkassen nun schon seit zwei Jahren mit diesem Buch konfrontiert und gefordert werden, soll es hier noch einmal aufgeschlagen werden. Die Buchmesse läuft, Verleger und Autoren reichen sich die Hände - einer dem besonders häufig die Hände geschüttelt werden ist B. Schlink. Garantierter Erfolgsautor, der jedes Thema, das er anfäßt zu einem gängigen Thema macht.
Und so geht es auch im Vorleser um alles das, was uns in der Form auf- und vielleicht auch abschreckt, aber im Inhalt vertraut und eigen begegnet:
Um die Liebe eines 15jährigen mit einer 36jährigen, um das Erwachsenwerden und doch im Kind verhaftet bleiben, um Schuld und Scham zwischen sich Liebenden, zwischen Erziehenden und Erzogenen und es geht wiedereinmal in einem deutschen Roman um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus.
Dabei schreibt Bernhard Schlink als hitziger 15jähriger, der voller Erwartung der nahenden Liebesnächte auf den Treppenstufen vor der Wohnung der Geliebten wartet, und gleichzeitig schreibt er, als der zurückschauende und über sein Leben nachsinnende Alte, der sich der Hitze noch erinnert, aber oft nicht mehr wissen kann warum.
Und so wird kaum einer das Buch zur Hand nehmen und zwanzig Seiten lesen ohne nicht aufzuschauen und in sich zu gehen und nach dem zu schauen, worauf Schlink den Finger legt. Die Enttäuschung über das Verpaßte und Verpatzte, die Lust über das Erlebte und Erliebte und die Ohnmacht über das nicht Verstandene und das immer noch nicht Verstehen.
Was bei anderen Autoren dabei als Moralpredigt und ethische Erziehung anödet, das erzählt der Vorleser hier in einer Art und Weise, daß man ihn über alles reden hören möchte.
Seine Anziehung liegt nicht in der besonderen Formulierung alter Weisheiten, sondern in dem Licht, indem er scheinbar alte, überlesene Themen neu erscheinen und andere Schatten werfen läßt.
Und genau darin liegt der einzige Wermutstropfen dieses hervorragenden Romans:
Schlink reißt zu viel an um es am Ende auflösen zu können.
Man kann dem Tempo der Handlung folgen, dem der Emotionen kaum.
So läßt das Buch vieles offen, das gewollt zum Weiterdenken führt und ungewollt über das Angesprochensein nicht hinausgeht.
Und doch ist es gut, daß es zumindest einmal aus- und angesprochen wurde.
Euer Mackz
P.S. Für die Formalisten:
Titel: "Der Vorleser"
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes TB
Preis: 14,90 weiterlesen schließen -
Désirée... die hat doch was mit Napoleon zu tun?
06.10.2002, 17:03 Uhr von
suwesmile
Ich liebe Gummibärchen, gelungene Kurzgeschichten, Humor, Ironie. Ich mag neues, interessantes un...Pro:
Geschichte in hervorragender Romanform
Kontra:
viel zu schnell zu Ende gelesen
Empfehlung:
Nein
... Klar, kenne ich die. Aber die Geschichte als solche? Wie war das eigentlich? So in etwa schossen mir die Gedanken durch den Kopf, als ich mir das Buch "Désirée" von einer Freundin auslieh. "Das legst du nicht mehr so schnell aus der Hand, das Buch!" sagte sie noch und schon war ich gefangen. Gefangen in einer Geschichte. Eine sehr schöne.
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben. Désirée erzählt einen Großteil ihres Lebens. Sie bekommt ein Tagebuch von ihrem Vater geschenkt. Einem Seidenhändler. Zuerst weiß sie nicht recht, was sie dort hinein schreiben soll. Es ist ihr viel zu schade, die "feinen weißen Seiten voll zu schreiben". Doch ihr Vater meint: "Schreib die Geschichte der französischen Bürgerin Eugénie Désirée Clary".
Das ist der Beginn des Buches. Ende März 1794. Es endet im August 1829. Denn da ist Désirée nicht mehr französische Bürgerin.
Eugénie (erst später nennt sie sich Désirée) lernt den Bruder Napoleons kennen, als sie zusammen mit ihrer Schwägerin versucht, ihren Bruder Etienne aus dem Gefängnis zu holen. Sie sprechen im Büro des Volksrepräsentanten Albitte vor. Doch da sehr viele Leute dort sind, die Wartezeit sehr lang ist, schläft Eugénie ein. Sie erwacht, als der Sekretär des Volksrepräsentanten (Napoleons Bruder Joseph) sie weckt. Er bringt sie nach Hause und damit beginnt alles.
Joseph lernt Eugénies Schwester kennen. Er heiratet sie aufgrund der großen Mitgift. Eugénie verlobt sich mit Napoleon, den sie durch Joseph kennen lernt. Einen kleinen schlecht gekleideten Mann, der großes vor hat. Die Bonapartes leben unter sehr ärmlichen Verhältnissen. Für eine Seidenhändlerstochter eigentlich nicht die richtige Partie.
Eugénie, ich möchte sie von hier ab mal Désirée nennen, schreibt in ihrem Tagebuch wie ihre Schwester Königin wird; wie sehr Désirée leidet, als Napoleon sich in Paris mit einer anderen Frau, Josephine, verlobt und sie auch heiratet; wie er sich selber zum Kaiser krönt. Désirées Begegnung mit ihrem späteren Ehemann Jean-Baptiste Bernadotte, der ihr zur Seite steht, als sie an einem sehr verzweifelten Punkt in ihrem Leben ankommt, am dem sie sich von einer Brücke in den Tod stürzen möchte.
Sie bleibt immer in Verbindung mit Napoleon, der sich zu ihr hingezogen fühlt, der aber nur ein Ziel hat: Das Kaiserreich Frankreichs zu vergrößern. S e i n Kaiserreich!
Sie rettet Situationen und Menschen und bleibt einfach Bürgerin. Selbst als ihr Mann zum Thronfolger Schwedens ernannt wird. Sie also den Titel Kronprinzessin führt, bleibt sie in Frankreich, um ihrer Familie zu helfen, die zu ihr flüchtet, als das Reich Napoleons zusammen bricht. Sie lässt nicht nur ihren geliebten Mann, sondern auch ihren Sohn in Schweden und verbringt Jahre in Frankreich.
Erst ganz zum Schluss, als sie erkennt, dass sie hätte ihrem Mann zur Seite stehen sollen die ganzen Jahre, anstatt ihn allein in Schweden zu lassen, in der Meinung, dass das besser für ihn wäre, fährt sie nach Schweden.
Dort endlich lässt sie sich krönen und ist nun nicht mehr Bürgerin Frankreichs. Das Tagebuch ist nach Jahren voll geschrieben und hat seinen Zweck erfüllt. Es hat das Leben der Eugénie Désirée Clary, einer Seidenhändlerstochter, aufgenommen.
Meine Meinung:
Es lässt sich sehr gut lesen, dieses Buch. Es macht Désirée sehr sympathisch in ihrer einfachen, mitunter naiven Art, den Menschen zu helfen. Es ist auch nicht kitschig geschrieben. Überhaupt nicht. Eine wunderschöne Liebesgeschichte mit sehr viel Fakten verbunden.
Ich mag solche Bücher, in denen ich in etwas "lerne" und das in einer Weise, die sich so nett lesen lässt. Die Geschichte Frankreichs.
Zum Buch an sich:
Es ist von Annemarie Selinko, Titel: Désirée
Deutscher Taschenbuch Verlag, München
1. Auflage November 1978
5. Auflage Juni 1985
ISBN 3-423-01399-0
Der Preis ist mit 15,90 DM angegeben. Keine Ahnung, was es jetzt kostet, sofern es dieses Buch noch zu kaufen gibt! weiterlesen schließen -
Schäfer, Bodo - Der Weg zur finanziellen Freiheit
Pro:
Hoher Lesespass, Gute Ratschläge, praktisch anwendbar
Kontra:
ab und an etwas oberlehrerhaft
Empfehlung:
Nein
In sieben Jahren die erste Million – der Titel und die Verpackung machen neugierig und gespannt auf den Inhalt. Kann es wirklich jeder schaffen oder ist bis auf die schöne Verpackung alles nur ein leeres Versprechen. Ich habe mich jedoch entschlossen, das Buch von Bodo Schäfer zu kaufen und mein Urteil gleich vorweg - ich habe die Lektüre genossen und mit Aufmerksamkeit gelesen.
Inhalt:
Angefangen von einer ersten grundlegenden Bestandsaufnahme der eigenen Ausgangslage sind die Themen gegliedert in persönlichkeitsbildende Aspekte, generelle Lebensanschauung, Umgang mit Konsumschulden, Erwirtschaften eines Vermögens durch Sparen, Anlegen und wieder Sparen, Anlegen, Zinseszins, Karriereplanung im Beruf mit den entsprechenden Erfolgsfaktoren – insbesondere das Kontaktnetz und Ausbreitung – bis hin zu gezieltem Coaching. Der Weg ist so gegliedert das jeder nach finanzieller Unabhängigkeit über die Definition seiner eigenen Wünsche zunächst das benötigte Vermögen versucht sich vorzustellen und anschließend Konzepte entwickelt, wie er dieses Ziel erreicht.
Der Inhalt wird leicht verständlich übermittelt und ist auch nach ein bis zwei Gläsern Rotwein noch gut zu verstehen. Am Ende von jedem Kapitel gibt es „PowerTips“ in denen die wichtigsten Dinge zusammengefasst sind. Dies ist mit Sicherheit nicht jedermanns Sache, aber für den ein oder anderen ganz hilfreich. Immer wieder wird der Leser mit der konkreten Aufforderung zur Teilnahme an schriftlichen Übungen konfrontiert – ich persönlich habe es gut gefunden und die Übungen auch durchgezogen.
Anwendbarkeit:
Einige der Ratschläge lassen sich in der Tat recht gut umsetzen und die Gleichung das Vermögen nicht gleich Vermögen ist und für jeden von uns individuell bestimmt werden muss halte ich für einen guten Ansatz. Zum einen kann man Einkommen steigern oder Kosten senken. Die Art und Weise alles von 2 Blickwinkeln zu betrachten hilft bei der Bestimmung der eigenen Situation. Auch die Anregungen, dass Glaubenssätze zu ändern sind halte ich für anwendbar und gut. Das Problem, dass meiner Ansicht nach nicht in 30 Minuten zu lösen ist (Aussage Herr Schäfer), die eigenen Glaubenssätze zu ergründen und zu bestimmen.
Wie auch immer, ein weiterer Gedanke, des „sich selbst bezahlen“ ist sofort für jeden umsetzbar und hilft auf jeden Fall Vermögen zu bilden.
Bewertung:
Was Bodo Schäfer sehr gut vermittelt ist die Macht der Sprache. Der Dialog den man mit sich selbst führt. Er spornt an persönliche Verantwortung zu übernehmen und gibt praktische Tipps, die es Wert sind getestet zu werden. Ob am Ende der Zeit wirklich ein Vermögen geschaffen wird, wie in der aktuellen Börsenlage sich Traumrenditen von 12 – 15% noch erwirtschaften lassen bleibt dahin gestellt. Auf jeden Fall ist das Buch eine Bereicherung und gibt grundsätzliche Denkanstöße bestimmte Dinge im Leben zu prüfen und zu ändern. Wenn die Erwartung nicht unbedingt das Erwirtschaften eines Vermögens ist, sondern generelle Anregungen über die eigene Lebenseinstellung und Selbstverantwortung zu bekommen ist, ist die Lektüre auf jeden Fall zu empfehlen. Das Geheimnis der Goldgans muss jeder für sich lösen, wenn es denn so erstrebenswert ist.
Ich werde auf jeden Fall diese Lektüre meinen Kinder in die Hand geben (wenn sie 16 sind), da die Ratschläge – insbesondere die des Sparens, sehr gut sind und je früher diese Erkenntnis reift um so besser.
Buchreferenzen:
Wem das Buch gefällt, dem empfehle ich noch 2 weitergehende Titel, die nicht direkt in dem Buch zur weiteren Vertiefung empfohlen werden, jedoch im Text erwähnt werden:
1. Hill - Denke nach und werde reich
2. Robbins - Das Powerprinzip weiterlesen schließen -
Sinoue, Gilbert: Der blaue Stein
Pro:
---
Kontra:
---
Empfehlung:
Nein
Der Weg ist das Ziel
Hallo lieber Leserinnen und Leser,
seit einiger Zeit interessiere ich mich sehr für Bücher mit historischem Hintergrund. So bin ich dann auch mehr oder weniger zwangsläufig auf den Buchautor Gilbert Sinoué gestossen. In einer Bibliothek fand ich dann das Buch „Der blaue Stein“ von ihm.
Inhalt:
Der zum Christentum konvertierte Abel Baruel kommt hinter ein Familiengeheimnis. Es geht um ein Buch, welches über Generationen in seiner Familie weitergegeben wurde. Da er sein Ende kommen sieht beschlisst er das Buch, eine saphirblaue Steintafel welche das Wort Gottes wiedergibt, zu verstecken, damit es nicht der Inquisition in die Hände fällt. Damit es aber nicht ganz verloren geht, verfasst er einen Plan, den er in drei Teile splittert und so an drei grundverschiedene Personen weitergibt. Die erste Person, der er einen Teil persönlich übergibt ist der Franziskanermönch Rafael Vargas. Er teilt ihm weiterhin mit, das sich in geraumer Zeit zwei weitere Personen an ihn wenden werden, um mehr zu erfahren.
Einen weiteren Teil bekommt sein alter Studienfreund Samuel Ezra. Da er sein ableben ja vorausgesehen hatte, ist in diesem Fall sein Sohn der Überbringer der Botschaft.
Als dritter im Bunde wird sein alter Freund Scheich Ibn Sarrag in den Plan eingeweiht.
Doch allein für sich kann keiner das Rätsel lösen und das Buch finden. Nur wenn sie ihre Teile zusammenfügen, können sie die komplizierten Rätsel, die Baruel gestellt hat, lösen.
Durch einen Diener von Ibn Sarrag bekommt nun aber auch die Inquisition Wind von diesem Rätsel. Er stielt einen Teil des Planes, der Ibn Sarrag übergeben wurde. Da der Scheich allerdings in weiser Voraussicht eine Kopie der Schrift verfasst hat, können sich der Scheich und der Rabbi, die sich als erstes gefunden haben auf den Weg das erste Rätsel zu lösen, welches sie zu Fray Vargas führt.
Da die Inquisition durch den Dieb an einen Teil der Rätsel gelangt ist und nur in Erfahrung bringen kann, das es sich um einen Wegplan handelt, sie aber nicht feststellen können, was am Ende des Weges zu finden ist, vermutet die Inquisition in Person von Fray Francisco Torquemada, das es sich um eine Verschwörung handelt, die ganz Spanien und damit die Christenheit gefährdet.
Um hinter das Geheimnis zu kommen wird die Freundin von Königin Isabella von Kastilien, Dona Manuela Vivero, eine durchaus als belesen zu bezeichnende Frau auf die drei angesetzt.
Da ein untergebener von Fray Torquemada, der gelehrte Mönch Fray Perdo Menendes soweit entschlüsseln kann, das ein Ziel der drei bekannt wird, bekommt sie so Manuela Vivero so die Möglichkeit sich der Gruppe anzuschliessen.
Aber auch der Inquisitor hat einen Gegenspieler. Er zeigt sich in der Person des Beichtvaters der Königin Isabella. Während Torquemada Spanien durch die drei gefährdet sieht, ist Fray Hernando Talavera der Meinung, das diese drei nicht so gefährlich sein können. Vielmehr sieht er so eine Möglichkeit, den Inquisitor bloss zu stellen und so seine Macht auf die Königin zu verringern. Es entbrennt ein Wettlauf zwischen den drei Suchenden, dem Inquisitor und dem Beichtvater der Königin.
Mehr möchte ich zum Inhalt nicht verraten um Euch nicht die Spannung zu nehmen.
Personen:
Abel Baruel:
Er ist ein ehemaliger Jude, der unter dem Zwang der Inquisition zum Christentum konvertierte. Ein sogenannter Konverso. Durch seine Studien der drei Glaubensrichtungen, dem Judentum, den Christentum und dem Islam ist er ein grosser Gelehrter. Er schickt die drei, einen Juden, einen Christen und einen Muslim auf eine Reise, die nur alle drei zusammen bestehen können. Auf diese Weise gelingt es ihm, das sie zueinander finden.
Im Angesicht seines Todes durch den Autodafe ( den Tod auf dem Scheiterhaufen nachdem die Kirche festgestellt hat, das er immer noch dem Judentum verbunden ist) stellt er sich aufrecht dem Tod.
Rabbi Samuel Ezra:
Studienfreund von Baruel und gelehrter Jude. Er kennt alle Gesetzte der Thora. Durch seine Lebenserfahrung ist er ein weiser Mann, der in der Lage ist in der Seele des anderen zu lesen. Trotz seines Alters und seine Krankheit begibt er sich auf diese Reise, die besonders durch den Krieg zwischen den Moslems und den Christen um Granada besonders gefährlich ist.
Scheich Ibn Sarrag:
Der Scheich vom Stamme der Barru Sarrag gehört einem alten Adelsgeschlecht an. Auch er ist ein Gelehrter seiner Religion und ist sehr bewandert in der Philosophie. Durch seine Familiengeschichte kommt das ganze Unternehmen in Gefahr. Da sich sein Diener an seiner Familie Rächen will, übergibt er einen Teil des Rätsels an die Inquisition.
Fray Rafael Vargas:
Ein noch sehr junger Mönch, den Baruel auf einer Reise kennen lernte. Er stammt direkt von einem Templer ab und ist so mit seinem Wissen sehr wichtig für das Unternehmen. Aber auch so hat er einen sehr grossen Wissensschatz, der den dreien immer wieder zu gute kommt.
Er wurde Mönch, weil er in seiner Liebe zu einer Frau enttäuscht wurde.
Dona Manuela Vivero:
Eigentlich ist sie eine Gegnerin der Inquisition und hatte auch ein Buch geschrieben, welches von der Inquisition verboten wurde. Da sie aber sehr eng mit der Königen seit ihrer Kindheit verbunden ist, stimmt sie dem Plan zu, für die Inquisition als Spionin an dem Unternehmen teil zu nehmen.
Fray Francisco Torquemada:
Sein Grossvater war ein Konverso. Ein zum Christentum übergetretener Jude. Das zerrt noch immer an ihm. Deswegen will er mit aller macht, das die Juden mit allen Mitteln aus Spanien vertrieben werden. Da kommt ihm dieses Komplott gegen Spanien, wie er es sieht, nur recht und bestätigt. Ihm ist jedes Mittel recht, um zum Erfolg zu kommen. Dabei schreckt er auch vor Mordaufträgen und vor Lügen nicht zurück.
Fray Hernando Talavera:
Der Beichtvater seine Majestät Königin Isabella und Gegenspieler von Torquemada. Er sieht in der Reise der Drei keinen Komplott gegen Spanien. Er verfolgt das Unternehmen allerdings, da er darin die Möglichkeit sieht, den Inquisitor bloss zu stellen und so seine Macht zu beschneiden.
Das Vogelgesicht Mendoza:
Ein Getreuer Soldat von Fray Torquemada. Er verfolgt die drei Männer und die Frau auf ihren Weg auf schritt und tritt. Dabei passieren ihm immer wieder Fehler, die für die Reisenden sehr gefährlich werden. Er ist ein mordlüsterner Geselle, der immer wieder Kontakt zwischen Dona Manuela Vivero und dem Inquisitor.
Gilbert Sinoué:
Er wurde im Jahre 1947 in Ägypten geboren und ist besonders in Frankreich mit seinen zeitgenössischen, historischen Romanen bekannt. In Deutschland wurde er durch sein Werk „Die Strasse nach Isfahan“ bekannt. Für das Buch “Der blaue Stein“ wurde er 1996 mit dem Prix des librailes ausgezeichnet.
Fazit:
Das Buch ist fesselnd geschrieben. Die Story hält einem vom Anfang bis zum Ende gefangen. Es geling dem Autor mit dem Buch viele Gemeinsamkeiten der verschiedenen Religionen immer wieder in den Fordergrund zu stellen. Für die Geschichte zählt, nicht nur das Ziel ist wichtig, sondern auch der Weg, den auf dem Weg lernen sich die vier immer besser kennen und werden schliesslich trotz ihrer gegensätzlichen Glaubensrichtungen zu guten Freunden.
Gruss arthus2000@Sören Vehstedt weiterlesen schließen -
Bei Einbruch der Nacht - Anne Stuart
Pro:
ein literarisches Werk für jedermann
Kontra:
als Taschenbuch 9,90 Euro, das ist teuer
Empfehlung:
Nein
Bei Einbruch der Nach von Anne Stuart
Die Autorin
Der erste Roman von Anne Stuart wurde 1974 veröffentlicht. Sie hat unzählige Preise gewonnen für romantische, historische und zeitgenössische Romane. Sie lebt in Nord-Vermont mit ihrem Mann und zwei Kindern. Ihre Hobbys sind Reisen, Tiere, alte Filme und Nähen.
Das Buch
Die deutschsprachige Ausgabe ist beim Bastei Verlag H. Lübbe GmbH & Co KG in Bergisch Gladbach im Jahr 1998 erschienen. Ich habe es im Verlag „Moments“ für 12,50 Euro bezogen.
Der Inhalt
Der Vater von Cassidy O’Rourke bittet seine Tochter um Hilfe. Sie soll ihm bei der Datenzusammenstellung für einen Roman über einen zu Tode verurteilten Mörder „Richard Tiermann“ behilflich sein.
Was sie nicht weiß ist, dass ihr Vater Sean, ein Bestsellerautor, diesen Richard Tierman gegen Kaution in sein Haus geholt hat.
Sean will die Wahrheit über den Tod an seiner Frau herausfinden. Die Polizei hat ihn neben der blutüberströmten Leiche gefunden.
Cassidy verliebt sich über kurz oder lang in den vermeintlichen Mörder. Sie versucht herauszufinden, was hinter der schrecklichen Familientragödie steckt.
Meine Meinung
Das Buch ist flüssig und sehr spannend beschrieben. Man liest es eigentlich möglichst in einem Stück durch und legt es nicht wieder weg. Trotzdem ist die Geschichte an sich sehr unwahrscheinlich und an den Haaren herbeigezogen.
Da es mir in meinem Urlaub aber mehr um den Unterhaltungswert gegangen ist, würde ich durchaus von der Autorin auch ein anderes Buch kaufen und auch dieses sicher mit Spannung lesen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-15 07:21:03 mit dem Titel Patrick Süskind - Das Parfum
In den letzten Wochen vor den Ferien musste ich für meine Tochter als Schullektüre „Das Parfum von Patrick Süskind kaufen.
Nachdem sie es gelesen hatte, hat sie so davon geschwärmt, dass auch ich damit begann, das Buch zu lesen.
Patrik Süskind überraschte die Kritiker in Mailand, Paris, London und auch in Deutschland. Es handelt sich um ein Literarisches Werk, das fesselnd und mitreißend geschrieben ist. Die amerikanischen Verlegen waren so begeistert von dem Werk, dass sie sich um die Rechte gerissen haben.
Der literarische Roman ist im Diogenes-Verlag AG Zürich als Taschenbuchausgabe erschienen. Es verfügt über 320 Seiten und kann für 9,90 Euro in jeder Buchhandlung bezogen werden.
Die Überschrift umreißt grob, dass es sich um die Geschichte eines Mörders handelt.
Jean-Baptiste Grenouille wurde am 17.Juli 1738 in Paris auf recht ungewöhnliche Weise geboren. Seine Mutter gebar das Kind heimlich in einer stinkenden Waschküche und hätte es sterben lassen, wenn es nicht durch Zufall entdeckt worden wäre. Man brachte es in ein Kloster und besorgte ihm eine Amme. Jedoch wollte keine Amme es länger als ein paar Tage behalten, weil es so gierig war und einfach keinen typischen Babygeruch hatte. Es roch überhaupt nicht. Schließlich wurde es dann doch in einem Heim untergebracht.
Als es zu einem jungen Mann herangewachsen war, musste er einmal etwas in einer Parfümerei abgeben. Da er mit einem besonders ausgeprägten Geruchssinn ausgestattet war, bemerkte er sofort, dass Baldini, der Besitzer des Geschäftes versucht hatte ein Parfüm zu kreieren, was jedoch jämmerlich misslang. Er überredete diesen, ihn einmal einen Versuch mit einem neuen Parfüm machen zu lassen und es gelang ihm ein ganz Besonderes. So wurde er als Lehrling dort beschäftigt.
Nach einigen Monaten verlies er diesen Ort jedoch und wanderte weiter. Er wollte noch weitere Techniken lernen, Parfüm zu gewinnen. In Grasse, bei einem angesehenen Parfumeur bekam er die Gelegenheit, wieder sein Können unter Beweis zu stellen. Dort stellte er ein Parfum für sich ganz alleine her, eines, das die Menschen glauben lies, dass auch er einen eigenen Körpergeruch hätte.
Als er sich im Ort umschaute, roch er plötzlich, den für ihn besonders aufregenden Duft eines jungen Mädchens und beschloss zu lernen, den Duft des Mädchens als Parfum einzufangen. Zuerst experimentierte er mit Insekten, bald schon mit Tierkadavern und schließlich brachte er das erste Mädchen um, um dessen Duft zu konservieren.
Er wurde immer besser und die Angst grassierte in Grasse. Denn mittlerweile hatte er schon 24 Mädchen umgebracht. Nur die 25. stand noch auf seiner Liste. Der Vater des Mädchens wurde misstrauisch und brachte das Mädchen weg. Wird sie dem Mörder entkommen? Dies will ich hier nicht beantworten. Wird es gelingen, den unheimlichen Mörder zu fassen?
Meine Meinung
Der Autor beschreib anschaulich und spannend die verworrenen Gedanken und Handlungen eines offensichtlich geistesgestörten Mörders. Ein Buch, das man sich unbedingt zu Gemüte führen sollte, nicht nur dann, wenn man es als Schullektüre lesen muss. weiterlesen schließen -
Rahel Sanzara: Das verlorene Kind - Anna´s Mörder -
Pro:
sprachlich ausgezeichnet, zart und einfühlsam, schön illustriert
Kontra:
der tiefere Sinne blieb mir verborgen
Empfehlung:
Nein
Anna´s Mörder
Den Roman „Das verlorene Kind“ von Rahel Sanzara habe ich vor vielen Jahren einmal ganz zufällig im Regal einer Freundin entdeckt. Ich las ihn in einem Schwung und war fasziniert und gefangen in dieser doch sehr traurigen Geschichte und gab das Buch nur ungern der Freundin zurück.
Viele Jahre später hatte ich lang schon den Namen dieser heute weithin unbekannten Autorin vergessen, nicht aber das Buch, welches mir schemenhaft in der Erinnerung blieb. Carl Zuckmayr schrieb über dieses Buch: „Das ist ein Buch von der Art, daß man vergißt, es gelesen zu haben, daß man glauben muß, man habe es geträumt oder wachend erlebt.“ Dem kann ich nur zustimmen, es ist mir in Erinnerung geblieben wie ein Traum, den ich einmal hatte.
Nun, viele Jahre später bin ich durch Zufall bei ebay wieder auf dieses Buch gestoßen und habe es ohne Zögern sofort ersteigert. Auch beim nunmehr zweiten Lesen bin ich wieder ebenso schnell in die Geschichte hineingetaucht und habe es in einem Zuge durchgelesen.
Zum Inhalt:
Die Geschichte spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie ist in der Sprache an diese Zeit angelehnt, etwas altertümlich, was jedoch durchaus nicht störend sondern sehr passend und authentisch scheint. Christian B. ist Domänenpächter auf dem Gut Treuen in Norddeutschland. Er ist ein rechtschaffener guter Herr für seine Knechte, Mägde und anderen Arbeiter, wirtschaftet gut und schafft es die heruntergekommene Pacht zu einer einträglichen zu mausern. Er ist bescheiden und fleißig und findet früh eine gute Frau, Martha, die als einfache Magd bei seiner Schwester Klara beschäftigt war. Nach der Heirat bekommen sie zunächst zwei Söhne, da Martha nicht stillen kann wird eine Amme, nämlich Emma auf den Hof geholt, die die beiden Söhne mit aufzieht.
Emma selbst hat bereits einen eigenen Sohn, der aber nicht in Liebe gezeugt, sondern Produkt einer Vergewaltigung ist. Zwar wird der Vergewaltiger gezwungen, Emma zu heiraten, aber dieser graust vor ihm, sie verlässt ihn gemeinsam mit dem Sohn früh und tritt ihre Arbeit in Treuen an. Es scheint, dass sie ein gespaltenes Verhältnis zu ihrem Sohn Fritz hat, denn fast hat sie mehr Liebe und Zuneigung für die fremden Söhne der Herrin, die sie mit aufzieht. Doch ist sie auch nicht schlecht zu Fritz und sorgt für ihn. Obwohl Christian, der Gutsherr und seine Frau Martha Fritz neben ihren Söhnen klaglos dulden, zieht dieser sich von selbst schon früh zurück, arbeitet hart, entwickelt einen fanatischen Ordnungs- und Arbeitssinn und führt das Leben eines Knechtes. Auch kann er menschliche Gesellschaft nur schwer ertragen und lebt zurückgezogen auf dem Gut.
Einige Jahre später bekommen Christian und Martha noch eine kleine Tochter – Anna. Diese wird zu ihrem ganzen Glück. Martha selbst stillt sie, sie hat ihren Schlafplatz im Schlafzimmer der Eltern, welche täglich mit ihr spielen und sie herzen. Anna wächst sorglos heran und wird vom ganzen Hof verwöhnt. Auch und besonders zu Fritz hat sie ein vertrautes Verhältnis. Als sie vier Jahre alt ist jedoch überkommt Fritz im Spiel mit ihr eine seltsame Wandlung und er tötet sie und vergräbt sie in einer Scheune des Hofes.
Nun wird geschildert, wie sich die zuvor herrschende Idylle auf dem Hof und in der Familie nach und nach ins Gegenteil verwandelt. Auf der Suche nach der Tochter und in der Trauer um sie entfernen sich die Eheleute voneinander, der Hof und die Familie zerfallen nach und nach, die Pacht gerät in Schulden. Erst ein volles Jahr später wird die Leiche der kleinen Anna gefunden und noch einmal der Mörder gesucht. Niemand hat Fritz im Verdacht außer Emma, seine Mutter, die instinktiv durch einige Ereignisse der Vergangenheit Misstrauen empfindet und Fritz verdächtigt.
Wie es nun weitergeht soll hier nicht verraten werden.
Es sei nur soviel gesagt, dass die Geschichte der verschiedenen involvierten Personen und des Hofes über ein halbes Jahrhundert nach diesem Mord beschrieben wird.
Das Buch geht zum einen sehr detailliert und realistisch auf die einzelnen Personen ein. Es gibt keine schwarz-weiß-Malerei. Die Person des Mörders Fritz wird in verschiedenen Schattierungen dargestellt und neben den nicht zu leugnenden durchweg bösen Antrieben werden auch seine guten und liebenswerten Seiten dargestellt. Interessant ist auch, wie die verschiedenen Personen mit der Trauer, aber auch mit dem Mörder, der ja all die Zeit mitten unter ihnen gelebt hat, umgehen. Die Autorin geht hier sehr genau vor. So handelt das Buch weniger von dem Mord als solchen, sondern von den endlosen Folgen aneinandergereihter Ereignisse, die er nach sich zieht.
Daneben ist die Zeit und das Leben auf dem Hof historisch interessant geschildert. Rahel Sanzara schildert diese Geschichte in einer zugleich distanziert-realistischen und dann auch wieder blumig-naturalistischen Sprache. Naturereignisse wie der Wechsel und die Auswirkungen der Jahreszeiten lassen uns das Gefühl der eisigen Kälte im Winter und der Dürre im Sommer miterleben.
Viele der geäußerten Gedanken über den Menschen als solchen und in seinen sozialen Bezügen haben auch heute noch Gültigkeit und erscheinen mir aus der frühen Zeit heraus, in der das Buch entstand, als äußerst modern und gleichzeitig weitblickend.
Ach, man muss es einfach gelesen haben.
Zur Autorin:
Rahel Sanzara (welches ein Künstlername ist, in Wirklichkeit handelt es sich um Johanna Bleschke) wurde 1984 in Jena als Tochter eines Berufsmusikers geboren. Sie selbst war auch äußerst musikalisch. Später in Berlin als Verlagsangestellte tätig, lernt sie den Arzt und Schriftsteller Ernst Weiß kennen. Sie ist eine gute Freundin und zeitweilige Lebensgefährtin von ihm. Ernst Weiß wiederum, wenn auch heute nicht so bekannt, hat viele bekannte Romane geschrieben und war Zeitgenosse und bekannt mit solchen Persönlichkeiten wie Kafka und vielen weiteren Schriftstellern dieser Zeit. Rahel Sanzara hingegen macht eine Ausbildung zur Tänzerin und ist in der expressionistischen Musik- und Theaterszene lange Zeit bekannt und gefeiert. Nach mehreren Misserfolgen beginnt sie urplötzlich zu schreiben und bringt dieses Erstlingswerk heraus, welches ein Bestseller wird. Es gibt eine Menge Tamtam um das Buch. Zeitweilig wird Ernst Weiß verdächtigt, dieses Buch selbst geschrieben zu haben und Sanzara des Plagiats beschuldigt, weil sie es einer Reihe von Kriminalfall-Sammlungen entnommen haben soll. Es scheint heute wahrscheinlich, dass sie es selbst verfasst hat, wenn auch die Grundidee zum Buch wohl tatsächlich einer wahren Geschichte entsprungen ist.
Rahel Sanzara hat danach noch zwei weitere Romane und ein Hörspiel verfasst, doch ist heute nur noch dieser Roman von ihr erhältlich. Zwei der Werke gelten als verschollen, das andere wird nicht mehr aufgelegt.
In der Nazizeit werden ihre Bücher (übrigens auch die von Ernst Weiß) von den Nazis verboten. Hauptsächlich, weil sie den „jüdisch“ klingenden Künstlernamen trägt. Da sie nicht mit den Nazis sympathisiert macht sie sich auch nicht die Mühe, diesen Irrtum aufzuklären.
Sie folgt Ernst Weiß nicht, der 1933 ins Exil flüchtet und stirbt wenige Jahre später in Berlin am Krebs.
Das vorliegende Buch erschien erstmals 1926 im Ullstein-Verlag Berlin. Es ist heute als Suhrkamp Taschenbuch erhältlich unter der ISDN-Nr. 6789-9493. Die mir vorliegende Ausgabe aus den 80er Jahren gab es ehemals für 14,00 DM, heute dürfte das Buch wohl etwas teurer sein. Die Geschichte hat knapp 300 Seiten und ein längeres Nachwort über das Leben der Autorin von Peter Engel im Anhang.
Eine exzellent geschriebene und ergreifende Geschichte, die ich jedem empfehlen kann.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-05 21:32:31 mit dem Titel Süskind, Patrick: Das Parfum - Eiskaltes Genie
Eiskaltes Genie
Nicht gerade brandaktuell aber noch immer auf den Bestsellerlisten findet man „Das Parfum“ von Patrick Süskind. Keine Ahnung warum ich bislang immer verpasst hatte es zu lesen. Ich habe es jedenfalls kürzlich nachgeholt und musste feststellen, dass ich mir unter diesem Buch etwas ganz anderes vorgestellt hatte als das, was ich dann zu lesen bekam.
Zunächst zum Autor:
Patrick Süskind wurde 1949 in Ambach geboren. Selbst Sohn eines Journalisten und Erzählers schrieb er nach einem Geschichtsstudium über 10 Jahre lang Drehbücher für das Fernsehen. Daneben war er auch als Bühnenautor tätig. Nachdem er 1985 „Das Parfum“ schrieb wurde er hiermit weltberühmt. Das Buch ist bislang in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden. Seine später folgenden Werke „Die Taube“ (1987) und „Die Geschichte von Herrn Sommer“ (1991) haben jedoch nicht solche Beachtung gefunden.
Zum Inhalt:
„Das Parfum“ trägt sowohl Züge eines historischen als auch eines Kriminal-Romans. Es spielt im 18. Jahrhundert und ist sprachlich dieser Zeit in etwa angepasst, wobei es sich doch zumeist etwas neuzeitlicher liest. Damit will ich sagen, dass beim Lesen des Buches schon deutlich ist, dass es in neuerer Zeit verfasst wurde. Patrick Süskind erzählt die Geschichte von Jean-Baptiste Grenouille (frz. Frosch), der am 17. Juli 1738 in Paris unter erbärmlichen Umständen von einer Marktfrau auf die Welt gebracht wird. Zwischen den Innereien der ausgenommenen Fische findet die Geburt direkt unter dem Marktstand statt. Nur durch sein Geschrei kann der Säugling auf sich aufmerksam machen und wird vor dem sicheren Tod gerettet, den viele seiner Geschwister vor ihm erleiden mussten. Denn die arme und noch junge Mutter hätte ihn einfach dort liegen und sterben lassen. Grenouille kommt zu verschiedenen Ammen, die Mutter aufs Schafott. Doch auch bei den Ammen hat er es nicht leicht. Immer wieder verstoßen sie ihn, denn er hat einen unangenehmen Makel: Ihm fehlt nämlich jeglicher Geruch. Er riecht einfach nach gar nichts, was die Menschen irritiert.
Schließlich findet sich eine Kinderfrau, die ohnehin ihren Geruchssinn verloren hat und zieht ihn ebenso lieblos wie den Rest der ihr anvertrauten Kinder groß.
Von dort geht es zu einem Gerber als Gehilfe, wo er eine der dreckigsten und unbeliebtesten Arbeiten der damaligen Zeit verrichten muss.
Doch Grenouille, der selbst nach nichts riecht, hat eine umso feinere Nase. Schnell merkt er, dass er zum Parfumeur geboren wurde und es gelingt ihm auch bald bei einem solchen in die Lehre zu gehen.
Grenouille ist gefühlskalt und ihm fehlt jede menschliche Regung, möchte man sagen. Das einzige woran er sich berauschen kann und was ihm Lust bereitet, sind die Gerüche. Schon früh tötet er kaltblütig ein Mädchen, nur um dem ihr anhaftenden Geruch habhaft zu werden. Das Verbrechen bleibt ungeklärt und Grenouille auf freiem Fuß.
Als seine Lehrzeit endet, macht er sich zu Fuß auf den Weg zur Stadt Grasse, welche zur damaligen Zeit noch berühmter ist als Paris, was die Parfumherstellung angeht. Dort soll er jedoch erst nach über sieben Jahren ankommen und eine furchtbare Reihe von Morden verüben.
Mehr soll hier für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben, nicht verraten werden.
Meine Meinung:
Das Buch lässt sich schwer einem bestimmten Genre unterordnen. Es ist kein richtiger Kriminalroman, aber auch kein wirklicher historischer Roman. Vielfach eher ein fantastischer Roman, der auch märchenähnliche Züge trägt.
Es wird mittlerweile vielfach in Schulen zu Interpretationen und Analysen benutzt, wofür es sich sicherlich auch gut eignet. Jedenfalls erging es mir beim Lesen immer wieder so, dass ich das Gefühl hatte, dass hier vieles übersetzt bzw. richtig gedeutet werden muss, um verstanden zu werden. Insofern ist es kein leichtes Buch. Trotzdem ist es sprachlich gesehen nicht schwer zu lesen.
Der historische Hintergrund ist recht gut und authentisch beschrieben. Über die Geschichte der Parfum-Herstellung habe ich vieles aus diesem Roman erfahren, was mir nicht geläufig war und was ich sehr interessant fand. Ebenso über die Bedingungen denen viele Menschen im damaligen Frankreich unterworfen waren.
Das Buch ist biographisch aufgebaut und erzählt in chronologische Reihenfolge den Werdegang des Grenouille. Dabei ist es schwer eine Beziehung zu ihm als Hauptperson zu finden, weil er dazu einfach zu unmenschlich und zu unsympathisch ist. Ebenso wenig wie er selbst in der Lage ist Beziehungen zu knüpfen, fand ich als Leserin eine Beziehung zu ihm. Doch auch alle anderen Personen dieses Buches sind so negative und wenig sympathische Gestalten, dass eine Identifikation oder auch nur Mitleid schwierig ist. Einzig die Opfer scheinen positive Züge zu haben, werden aber wiederum nicht so ausführlich beschrieben, dass eine tiefergehende Beschäftigung mit ihnen möglich wird.
Dies ist eine Tatsache, die es mir mitunter etwas schwer machte das Buch zu lesen.
Sehr positiv ist mir aufgefallen, dass die Geschichte immer wieder ausgesprochen überraschende Wendungen nimmt, mit denen man absolut nicht gerechnet hat oder gerechnet haben kann. Dies macht sie einmalig und interessant.
Insgesamt fand ich jedoch den ersten Teil bei weitem spannender. Gerade der Mittelteil enthält einige Längen, die das Buch zeitweilig etwas langweilig machen. Erst zum Schluss hin wird es dann wieder etwas spannender.
Dass es solange ein Bestseller war, kann ich mir damit erklären, dass es inhaltlich sehr ungewöhnlich und im Stil guter Literatur geschrieben ist. Allerdings hat es auch Schwächen und es hat mich als Leserin nicht komplett überzeugt.
Daher bewerte ich es hier mit 4 Sternen und nicht mit der Höchstnote.
Das Buch gibt es bei Diogenes als Taschenbuch für 9,90 Euro unter der ISBN-Nr. 3257228007.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-03 08:09:36 mit dem Titel Süskind, Patrick: Die Geschichte von Herrn Sommer - Kleiner Prinz in Unternsee?
Kleiner Prinz in Unternsee?
Nachdem ich erst kürzlich „Das Parfum“ von Patrick Süskind gelesen hatte, kam ich nicht daran vorbei, als ich vor einigen Tagen auf dem Flohmarkt ein weiteres Buch von Süskind sah – „ Die Geschichte von Herrn Sommer“. Ich war einfach neugierig darauf, zu sehen, wie es um Süskinds weitere Werke bestellt ist, die ja nicht solche Furore gemacht haben, und nahm es mit.
Zunächst zum Autor:
Patrick Süskind wurde 1949 in Ambach geboren. Selbst Sohn eines Journalisten und Erzählers schrieb er nach einem Geschichtsstudium über 10 Jahre lang Drehbücher für das Fernsehen. Daneben war er auch als Bühnenautor tätig. Nachdem er 1985 „Das Parfum“ schrieb wurde er hiermit weltberühmt. Das Buch ist bislang in mehr als 20 Sprachen übersetzt worden.
Daneben hat Süskind aber noch weitere Bücher wie „Die Taube“, „Der Kontrabass“ und „Die Geschichte von Herrn Sommer“ veröffentlicht.
Seine Bücher sind, soweit mir bekannt, alle im Diogenes Verlag erschienen.
„Die Geschichte von Herrn Sommer“ erzählt aus der Sicht eines zunächst noch jungen Erstklässlers Anekdoten, Eindrücke und Gefühle dieses Jungen, der im Verlauf dieser kleinen Geschichte langsam erwachsen wird. Die Geschichte umfasst einen Zeitraum von ca. 10 Jahren. Dies auf nur 129 Seiten, mit nur wenig Text und mit 25 meist 1-seitigen Illustrationen des Franzosen Sempé. Die Illustrationen könnte man vielleicht als eine Art naive Malerei bezeichnen, die ebenso gut ein Kinderbuch schmücken könnten.
So ist auch der Stil der Geschichte gehalten. Man weiß eigentlich nicht: Ist dies nun ein Buch für Erwachsene oder für Kinder. Vielleicht eines für Erwachsenen, die noch ein wenig Kind geblieben sind. Neben der Geschichte des Jungen geht es um Herrn Sommer, einen Mann aus dem Dorf, der laut Aussagen von Eltern und Dorfbewohnern an Klaustrophobie leidet und der ununterbrochen auf Wanderschaft ist und durch die Gegend hetzt. So ist er in 60 km Umkreis allen bekannt, vor allem aber den Kindern, die ihm auf ihren Streifzügen und auf den Wegen zur Schule und nach Hause beständig begegnen. Obgleich alle Herrn Sommer kennen, kennt ihn eigentlich niemand wirklich. Denn kaum jemand hat einmal mit ihm gesprochen. Und als er am Ende der Geschichte den Freitod wählt, dauert es Wochen, bis jemandem auffällt, dass Herr Sommer nicht mehr da ist.
Das Buch ist sprachlich ausgesprochen schön, zart, einfühlsam, aber auch mit viel Witz geschrieben. Es trifft sehr gut die Denkweise von Kindern und Heranwachsenden, ist aber zeitlich und örtlich so angesiedelt, dass einige Themen ein heutiges Stadtkind sicher nicht mehr zu interessieren vermögen. Auf den ersten Seiten, wenn man es liest, erinnert man sich unwillkürlich an die Geschichte vom kleinen Prinzen. Dieses Gefühl verliert sich aber mit der Zeit.
Auch geht es im kleinen Prinzen um eine handfeste Moral. Die Wahrheiten über die menschlichen Schwächen werden dort ja unumstößlich und eigentlich für jeden unmissverständlich aufgegriffen. Die versteckte Philosophie in der Geschichte von Herrn Sommer jedoch ist mir persönlich nicht sofort ins Auge gesprungen. Entweder weil ich mich nicht genug damit beschäftigt habe oder aber weil sie nicht wirklich vorhanden ist.
Sicherlich kann man über Herrn Sommer, seine Krankheit, sein Anderssein und sein Ende rätseln und sich Gedanken darüber machen, zu welchen Einsichten sie den Erzähler dieser Geschichte geführt haben oder ob sie ihm beim Erwachsenwerden und beim Erlangen von Selbstbewusstsein geholfen haben. Auch deutet sich an einer Stelle an, dass das „im Leben bleiben wollen“ des Jungen mit der Beobachtung von Herrn Sommer, der so ein gehetztes angstvolles Leben führt, zu tun hat. Zitat: „Ich verstand nicht mehr, wie ich je auf einen so idiotischen Gedanken hatte kommen können: sich umzubringen wegen eines Nasenpopels! Und hatte ich doch soeben einen Mann gesehen, der sein Leben lang auf der Flucht war vor dem Tod“.
Mir jedenfalls ist der tiefere Sinn dieser kleinen Geschichte leider nicht offenbar geworden.
Deshalb war es für mich nur eine nette amüsante und ausgesprochen gut geschriebene (sprachlich ist es wirklich wunderschön) Geschichte, die ich bedenkenlos auch meinem Sohn weiterreichen kann, nachdem ich sie nun ausgelesen habe.
Die Geschichte hat mich aber nicht derart berührt oder überzeugt, dass ich sie z. B. wie „den kleinen Prinzen“ jemandem schenken würde. Dazu nämlich müsste ich wissen, was Süskind mit der Geschichte wirklich hat sagen wollen.
„Die Geschichte von Herrn Sommer“ gibt es als Diogenes Taschenbuch für 8,90 Euro. ISBN-Nr. lautet 3-257-22664-0
P.S.: Nichtsdestotrotz lasse ich mich gern von Philosophen und Interpreten dieser Geschichte über deren Sinn und Aussage belehren. weiterlesen schließen -
Puppenmord von Tom Sharpe
Pro:
witzig und flüssig zu lesen
Kontra:
keine bekannt
Empfehlung:
Nein
Hallo liebe Leser,
heute versuche ich zum ersten Mal einen Bericht über ein Buch zu verfassen. Auf Empfehlung eines guten Bekannten habe ich in meinem Sommerurlaub das Buch der Puppenmord von Tom Sharpe gelesen oder besser formuliert förmlich in mich aufgesogen. Ein Buch voller Raffinesse und Ironie.
Zum Inhalt:
Ich glaube, ich bringe sie um. Dieses aus einem Loriot-Sketch wohlbekannte Zitat hält auch seinen Einzug in die Gedankengänge von Henry Wilt, dem Helden aus dem Roman der Puppenmord.
Henry Wilt ist Hilfslehrer an einer englischen Berufsschule auf dem Lande. Er ist mitte dreißig und versucht in seiner Funktion als Lehrer künftigen Fleischern, Maurern und Druckern die hohe Literatur näherzubringen. Zuhause erwartet in Eva, seine Frau. Diese Ehe erfüllt weder Henry noch seine Frau. So sucht sie Ersatz in vielen modischen Exkursen wie. z.B. Judo, Töpfern und Meditation. Plötzlich, angestachelt von einer guten Bekannten, ist Eva wild entschlossen sich von ihrem lustlosen Ehemann zu emanzipieren.
Dass dieses Ansinnen Henry zum Äußersten treibt, erscheint nur natürlich und logisch. Hernry Wilt probt den Mord an seiner Frau zunächst – insbesondere um bei der echten Durchführung keinen Fehler zu begehen – an einer Gummipuppe (Sextoy). Leider löst er damit, nachdem seine Frau dummerweise verschwunden ist, eine absurde Kettenreaktion aus. In diesem so ausgelösten Tohuwabohu entwickelt sich nun Henry Wilt´s wahre Stärke.
Nun aber Schluss mit weiteren Inhalten, schließlich sollt ihr auch noch Spaß beim Lesen dieses Buches haben.
Kurz zum Autor:
Tom Sharpe wurde 1928 in England geboren und studierte in Cambridge. Als Buchhalter, Sozialarbeiter und Fotograf lernte er Südafrika noch in den Zeiten der Apartheid kennen. Nach seiner Ausweisung aus Südafrika unterrichtete er als Hilfslehrer an einer Berufsschule in Cambridge, bis ihm der Erfolg seiner Bücher die Freiheit schenkte, mit Frau und drei Töchtern als Schriftsteller zu leben.
Meine Empfehlung:
Ein Buch für alle die gern einmal herzhaft lachen und sich mit dem englischen Humor anfreunden können. Das Buch ist sehr flüssig zu lesen und wer sich erst einmal in die Geschichte von Henry Wilt vertieft hat, wird es dann kaum mehr aus der Hand legen. Nebenbei erfährt der Leser , natürlich mit viel Spott und Ironie gewürzt, einiges über das englische Schulwesen sowie die akkurate Arbeitsweise der britischen Polizei. Für mich war Tom Sharpe meine Entdeckung dieses Sommers. Ich vergebe deshalb für den Puppenmord 5 Sterne.
Vielen Dank für das Lesen dieser Meinung
Gruß magistermag weiterlesen schließen -
Der kleine Prinz - einfach zauberhaft!
Pro:
tolle Weisheiten Geschichte für kleine und große Leute
Kontra:
keine
Empfehlung:
Nein
Er ist zauberhaft, der komische kleine Kerl mit den weizenblonden Haaren, mit der Rose, die er so sehr liebt, der Prinz, der auf der Suche ist, auf der Suche nach Freunden.
"Ach was!" mag jetzt mancher sagen: Was soll ich mit dem kleinen Prinzen! Das ist doch ein Kinderbuch! Nein, das ist es nicht oder nicht nur. Gerade auch Erwachsene können hier immer und immer wieder neue Wahrheiten erkennen.
Antoine De Saint-Exupery hat die Geschichte des Prinzen 1946 geschrieben. Doch sie ist keineswegs ein "alter Hut von gestern".
Wenn man sie liest, merkt man, dass viele Dinge auch heute noch aktuell sind. Doch alles von Anfang an:
Die Geschichte beginnt nämlich nicht mit dem kleinen Prinzen. Sie fängt an mit dem Autor als Sechsjährgem und seinem Versuch, zu zeichnen. Doch die großen Leute haben keine Phantasie. Sie erkennen in seiner "Riesenschlange, die einen Elefanten verschlungen hat" nur einen Hut. Erst Jahre später, als der Autor, der nach einer Motorpanne an seinem Flugzeug mitten in der Wüste ist, trifft er auf jemanden, der genug Phantasie hat, um seine Zeichnung zu durchschauen. Der große Mann
wird von einem kleinen, höchst ungewöhnlichen Männchen geweckt, der den verunglückten Piloten vehement bittet, ihm ein Schaf zu zeichnen und eine Riesenschlange mit Elefantem im Leib nicht akzeptieren will.
Nach und nach lernt der erzähler den kleinen Kerl näher kennen, erfährt, dass dieser von einem winzigen Planeten kommt, auf dem sich eine eitle Rose befindet, dass der kleine Prinz nach einem Streit mit der Rose aufgebrochen ist, um Freunde zu gewinnen und dabei auf viele merkwürdige Gestalten trifft. Sie sind beispielhaft für all die Macken und Eitelkeiten, die es so gibt.
Bei seiner Station begegnet der kleine Prinz einem König, der in ihm einen gehorsamen Untertan sucht, bei der zweiten redet er mit einem Eitlen, der bewundert werden möchte, bei der dritten läuft ihm ein Säufer über den Weg, der sich betrinkt, um zu vergessen, dann sieht er einen Geschäftsmann, der nur Zahlen im Kopf hat. Auf Planet Nr. 5 wirkt ein Laternenanzünder. Er führt seine Weisung durch, die Laternen anzuzünden und wieder auszulöschen. Auch bei der sechsten Begnung stößt der kleine Kerl wieder auf einen merkwürdigen Menschen, der nur seinen Job als Geograph im Kopf hat.
Schließlich gelangt dieser Prinz vom fernen Stern auf die Erde. Ein Fuchs öffnet ihm die Augen und das kleine Männlein erkennt, dass er seine Rose liebt. Dieses Kapitel (Nr. XXI) ist besonders lesenswert. Man kennt nur die Dinge, die man zähmt, sagte der Fuchs. Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgend etwas kennenzulernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn Du einen Freund willst,
musst Du mich zähmen. Fuchs und Prinz, dieses ungleiche Paar, machen sich vertraut und werden Freunde. Zum Abschied verrät er dem kleinen Prinzen sein Geheimnis, einen Spruch, den vielleicht mancher kennt. Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche bleibt für die Augen unsichtbar.
Es ist irgendwie ein klein wenig traurig, wenn man von dem kleinen Prinzen Abschied nehmen muss. Doch man kann - wie der Fuchs - auch froh sein, dass man ihm begegnet ist und Einblick gewonnen hat in all seine besonderen Begegnungen und Erkenntnisse ...
Den kleinen Prinzen gibt es in zig verschiedenen Sprachen. Er ist inzwischen sogar in Dialekten erschienen, z.B. "Up Kölsch". Es gibt ihn als handliches Taschenbuch für 5 Euro oder gebundene Ausgabe und natürlich auch als Hörbuch. Egal in welcher Form.
Für mich ist der kleine Prinz eine zauberhafte Lektüre - für kleine UND große Leute. weiterlesen schließen -
Bram Stoker's Dracula
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Angeblich ist meine Bastei-Lübbe Ausgabe von 1993 eine „originalgetreue() Übersetzung“, des Klassikers der „Weltliteratur“: Bram Stoker’s Dracula. Erschienen ist der Roman anno 1897. Er ist eines der wenigen Werke, die von Stoker noch bekannt sind. Stoker wurde 1847 in Dublin geboren, studierte dort Mathematik und war Präsident der Philosophischen Gesellschaft. Von 1867 bis 77 arbeitete er als Beamter, wie einst sein Vater, gleichzeitig veröffentlichte er aber einige Schreibarbeiten. Danach wurde er Theaterkritiker, später Sekretär und Tourneemanager des Schauspielers Henry Irving. Stoker starb im Jahre 1912.
Nun zu Dracula:
Die eigentliche Geschichte hat mich noch nie umgehauen. Allerdings hatte auch ich die Coppola-Verfilmung von 1992 gesehen und meinte daraufhin, mal einen Blick auf das Buch werfen zu müssen. Diese Verfilmung ist bis auf ein paar hollywoodtypische „Verkitschungen“ ziemlich nah am Original – und weniger kurios als die alten Schinken mit Christopher Lee.
Die Geschichte:
Dracula sitzt auf seiner Burg in Transsylvanien und möchte nach London ziehen, weshalb Jonathan Harker, frisch gebackener Notar, anreist, um mit dem Grafen einige Grundstücksgeschäfte zu tätigen. Nicht wissend, daß Dracula bereits Renfield – Harkers Vorgänger – in den Wahnsinn getrieben hat. Zu gleicher Zeit sitzt also dieser Renfield schon in einer Londoner Irrenanstalt. Harker merkt schnell, daß Dracula ihn nicht ohne weiteres wieder ziehen lassen wird, wobei Dracula Hilfe von drei ihm untergebenen Vampirweibern erhält. Während Dracula abreist, verbleibt Harker bei den drei Schönen, denen er schließlich entkommt, um in einem Kloster zu genesen.
In London kündigen Renfields sich steigernde Ausbrüche, die Ankunft des Grafen an. Dieser macht zunächst einen Vampir aus Lucy, der Freundin von Harkers Verlobten Mina. Lucy’s drei Verehrer, Lord Arthur, der Amerikaner Morris und Dr. Seward, Leiter der besagten Irrenanstalt und Schüler van Helsings versuchen sie zu retten. Trotz Erscheinens des Vampirexperten van Helsing haben die drei nur noch die unschöne Aufgabe Lucy den endgültigen Tod zu geben.
Währenddessen wird klar, daß Dracula auch für Renfields Wahnsinn verantwortlich ist, Harker kehrt zurück und bestätigt mit seinem Bericht van Helsings Thesen. Die fünf Männer beginnen umgehend damit, Draculas Liegeplätze zu vernichten, treffen ihn aber schließlich selbst an – bei dem Versuch Mina zu seinesgleichen zu machen.
Da Dracula nun kein Versteck mehr in London hat, flieht er nach Transsylvanien. Mit Minas Hilfe, die als Halbvampir telepatisch mit ihm in Verbindung steht, spüren die Männer ihn auf und vernichten ihn.
Das Buch:
Eigentlich ist der Aufbau des Buches das wirklich interessante. Es setzt sich nämlich wie ein Puzzle aus einigen Fragmenten zusammen. Anscheinend führte damals nahezu jeder ein Tagebuch, zumindest die Figuren des Romans tun es. Ergänzt werden die Tagebucheinträge durch Briefe und Telegramme der Figuren untereinander. Aufzeichnungen des Irrenarztes Seward ergänzen das Bild ebenso, wie Auszüge von Tageszeitungen oder Logbucheintragungen des Schiffes auf dem Dracula nach London kam. Die Anordung der einzelnen Abschnitte ist wirklich schlüssig.
Man bekommt zusätzlich einige Teile der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Weltanschauung der damaligen Zeit geboten, die den heutigen Leser an manchen Stellen zu belustigen vermögen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:06:18 mit dem Titel Das Parfüm
Geschrieben von Patrick Süskind 1985, als Diogenes Taschenbuch (DM 16,90) veröffentlicht im Jahre 1994, gehört „Das Parfum“ zu den wenigen deutschen Romanen, die auch international so richtig eingeschlagen haben.
Patrick Süskind: *1949 in Ambach (Starnberger See)
studierte Geschichte, arbeitete als Journalist, lebt teilweise in Paris
Kopfschüttelnd mußte ich feststellen, daß ich nun also freiwillig einen Roman gelesen habe, mit dem sich wohl andere in Abiturkursen herumärgern müssen oder dürfen... und er hat mir sogar gefallen...
Das Buch lebt von Paradoxien mit denen man gedanklich so lange herumspielen kann bis einem der Kopf raucht.
Geschichte:
Jean-Baptiste Grenouille wird am 17. Juli 1738 in Paris als uneheliches Kind geboren. Ironischerweise erblickt er das Licht der Welt am stinkendsten Ort von ganz Paris. Grenouille sticht nämlich aus der Masse durch seinen exzellenten Geruchssinn hervor. Sein Dilemma dagegen ist, daß er keinen menschlichen Eigengeruch innehat, was ihn von der Welt ausschließen wird. Grenouille wird aus diesem Grunde zum Massenmörder.
Grenouille:
Grenouille bringt Verderben, schon von der Mutter abgelehnt, wird er buchstäblich von Hand zu Hand weitergereicht. Mehr als Ding, denn als Mensch betrachtet, dient er seinen Mitmenschen als Geldquelle, billiger Arbeitssklave, aber keinesfalls als ebenbürtig, liebenswert oder menschlich. Grenouille reagiert unbewusst nach dem Motto, was uns nicht tötet, macht uns hart. Er zieht sich in sich selbst zurück, lässt sich scheinbar ausbeuten, tut sogar ohne zu murren alles, was verlangt wird und lernt dabei, wiegt die „Ausbeuter“ in Vertrauen und gewinnt so Stück für Stück an Freiheit. Grenouille ist Zeit seines Lebens ungebildet, aber nicht dumm, er entwickelt sich Stück für Stück. Während seine anderen Sinne verkümmern, lässt er sich von nur seinem Geruchssinn leiten, was ihn einerseits von der Menschheit trennt, ihm andererseits Überlegenheit verleiht – wie er später erkennen wird. Ironischerweise startet Grenouille sein Erwerbsleben als Gerbergehilfe, ein Handwerk, wo es zum Himmel stinkt. Es gelingt ihm sich zum Parfumeur ausbilden zu lassen – praktisch in der Hierarchie der möglichen Düfte aufzusteigen. Nahezu ein „Running Gag“ des Romans: alle Menschen, auf die er trifft und die ihn auf die eine oder andere Art ausbeuten, finden ihr Ende (nicht durch ihn), wenn Grenouille sie verlässt.
Grenouille entwickelt keine Freundschaften oder Beziehungen. Seine Kommunikationsfähigkeiten bleiben eingeschränkt, weil sich niemand um ihn als Person kümmert. So vegetiert er im emotionslosen Nichts vor sich hin, schnappt aber nach jedem Krümel Wissen, den er kriegen und gebrauchen kann. Am Anfang sogar ohne zu wissen mit welchem Ziel, aber immer auf dieses Ziel zugehend. Sein Ziel erkennt er nach einem 7jährigen Einsiedlerleben auf einem einsamen Berg, wo er eines Nachts in seinen Träumen sein Dilemma erkennt: man kann ihn nicht riechen.
Geruchssinn:
Ein interessantes Spiel: der Geruchssinn wird unterschätzt, weil der moderne Mensch ihn kaum noch nutzt. Der unscheinbare Grenouille hat dadurch einen entscheidenden Vorteil, den aber kaum einer erkennt, auch nicht erkennen will, da dieser menschliche Sinn eher als unwichtig betrachtet wird. Komischerweise können die Menschen Grenouille nicht riechen – d. h. nicht, das er vielleicht stinkt oder unsympathisch wäre, nein, Grenouille hat keinen Körpergeruch. Unterbewusst nimmt sein Umfeld ihn aus diesem Grunde auch überhaupt nicht wahr (zumindest nicht als menschliches Wesen). Genau diese Erkenntnis macht Grenouille vollkommen fertig. Um von der Menschheit angenommen zu werden, kreiert er ein Parfum, das den menschlichen Geruch simuliert – und ist fasziniert, wie anders er nun behandelt wird. Grenouille will diesen Duft vervollkommnen, wobei er dem Wahn erliegt, nicht nur dazugehören zu wollen, sondern der bestriechende Mensch auf Erden sein zu wollen... Nicht nur das: Warum nicht gleich ein Gott?
Grenouille erreicht sein Ziel, in dem er ein Parfum aus den Körpern, der von ihm ermordeten jungfräulichen Mädchen kreiert... muss aber gleichzeitig erkennen, daß er über sein Ziel herausgeschossen ist, er gehört wieder nicht dazu, er ist etwas zu besonderes und: nicht er wird akzeptiert, nur sein Geruch! Was ihm komplett den Rest gibt: niemand vermag zu erkennen, was für ein perfektes Parfum er überhaupt entwickelt hat. Andersherum erkennt er, daß er der einzige „Mensch“ ist, der die Wirkung/den Zauber des Parfums nicht zu spüren vermag. Was Grenouille zu spät begreift ist, daß er nicht nach einem Geruch sucht, sondern nach Anerkennung als Teil der Menschheit.
Ort und Zeit:
Grenouille wächst im Paris des 18. Jahrhunderts auf. Damals war Körperpflege in Bezug auf Hygiene kein Thema, die Welt stank buchstäblich zum Himmel, Parfumeure waren so von dringender Wichtigkeit. Nach seiner Ausbildung verlegt die Hauptfigur ihr Wirken nach Grasse, der Parfumhauptstadt des damaligen Frankreich, um sein Wissen zu vervollständigen. So lernt der Leser einiges über die Kunst des Parfum-Machens. Zum Piepen komisch dagegen die Ansichten der teils „aufgeklärten“ Menschen, wenn man wissenschaftliche Hintergründe betrachtet. Da sollen Mörder durch Bannsprüche des Bischoffs von der Stadt ferngehalten werden (und das ist noch harmlos).
Das perfekte Parfum:
Wurde gemacht aus dem Duft von 25 Jungfrauen. Grenouille, der Mörder dieser Mädchen, wird zum Tode verurteilt, was ihn nicht stört. Ein Tropfen des Parfums rettet ihn vor der gerechten Strafe, in dem es den lauernden Mob in Extase versetzt. Grenouille erscheint der am Schafott versammelten Menge als unschuldig, steht da, wie ein Superstar – was er einfach nicht verkraftet... er kehrt zurück nach Paris, in die Nähe seiner stinkenden Geburtsstätte, wo er seine Existenz beenden will. Er übergießt sich mit dem gesamten Duft und wird vom herumlungernden Gesindel, dem er wie ein Engel erscheint, buchstäblich verschlungen (am 28. Juni 1767). Typisch für Grenouille, keine Spuren seiner Existenz zu hinterlassen...
Schreibe:
„Das Parfum“ ist wohl eins der am besten geschriebenen Bücher, die ich je gelesen habe. Entsprechend der Isolation der Hauptfigur wird wenig gesprochen, man stößt selten auf wörtliche Rede, wichtiges wird häufig mit indirekter Rede wiedergegeben, was zu langen, verschachtelten Satzstrukturen führt. Selten wird hier Grenouille wiedergegeben, häufiger die Nebenfiguren. Der eigentliche Erzähler weiß alles, scheint irgendwie selbst, wie ein „Geruch“ über der Geschichte zu liegen und diese aufzunehmen. Der Erzähler vermittelt dem Leser die Genugtuung, die Grenouille selbst nicht erfährt... alle die ihn mies behandelten und/oder ausbeuteten, bekamen letztendlich doch ihr Fett weg. Genauso wenig wird Grenouille je erfahren, wie viel Glück er gerade zu Anfang seines Lebens hatte. Wäre seine Mutter nicht erst einmal nach seiner Geburt in Ohnmacht gefallen, hätte sie ihn sofort getötet (sie hielt das Messer schon in der Hand). Wäre er nicht zufällig zu seinem späteren Parfumeurmeister geschickt worden, an dem Abend an dem er eigentlich sein Geschäft aufgeben wollte – Grenouilles Leben hätte vielleicht in der Gerberkloake geendet...
Was fesselt, ist die Emotionslosigkeit des Erzählers. Fast schon sachlich, lauernd und beobachtend (manchmal meint man, der Erzähler selbst würde hämisch grinsend in irgendeiner Ecke sitzen) schildert er das Geschehen, dabei ist aber seine Ausdrucksweise in keinster Weise langweilig. Teilweise ist die Nüchternheit des Erzählers so trocken, daß man genau aus diesem Grunde in brüllendes Gelächter ausbrechen möchte. Es gelingt, Düfte und Gerüche nachvollziehbar zu umschreiben, was gar nicht so einfach ist – wenn man darüber mal nachdenkt. Der Erzähler versucht gerade auf diese Art und Weise das Empfinden Grenouilles darzustellen, der alle Erlebnisse und Vorkommnisse an Düfte und Gerüche anbindet. Die Welt der Düfte ist teils so gut beschrieben, daß man endlose Blütenfelder vor Augen sieht, oder daß einem die Nasenhaare zu Berge stehen, wenn man sich die ekelhafteren Stätten des Buches vorstellt.
Die gesamte Ausdrucksweise passt eigentlich nicht zu einem Autoren unseres Zeitalters. Man könnte meinen „Das Parfum“ sei ein historischer Roman, von einem Autor des damaligen Zeitalters geschrieben.
Hinzu kommt, daß der Erzähler den Leser mit einbezieht (was wohl bei französischen Autoren sehr beliebt ist): bereits auf der ersten Seite, schreibt er „wir“, womit Leser und Erzähler gemeint sind. Dadurch nimmt der Erzähler wie selbstverständlich Einfluss auf den Leser, indem er eigene Wertungen der Ereignisse und Figuren auf den Leser überträgt.
Moderne Zeiten:
Bücher über Massenmörder werden heutzutage auf den Markt geschmissen, wie sonst was. In „Das Parfum“ sind aber die Morde nicht das wirklich wichtige, es fließt kein Blut in Strömen, doch sind die Motive des Mörders den Menschen unverständlich. Die Morde finden statt, werden aber nur am Rande beschrieben. Da sie aber um die Figur Grenouille zentriert sind, sind die Morde notwendig.. Aus. Punkt. Fertig. Da ist Grenouille ganz pragmatisch.
Grinsend nahm ich die Aussage Grenouilles Lehrer Baldini zur Kenntnis. Dieser Parfumeurmeister wollte so gar nicht einsehen, daß zu jeder Saison ein neuer Duft für die hohe Pariser Gesellschaft vonnöten war. Was würde wohl Baldini sagen, wenn er heute einen bestimmten Duft (von Gaultier) finden würde, dessen Flakon sogar regelmäßig ein neues Kleid erhält??
Dann die Hinrichtungsszene, der Aufbau des Schafotts, die nach Blut lechzende Menge putzt sich heraus, sucht sich schon Stunden vorher die besten Plätze, speisend und saufend jubelt man dem Henker zu, der seine „Werkzeuge“ aufbaut.. Eine Hinrichtung als Massenevent! Eine Mischung aus Rockkonzerten und dem Gaffen bei Unfällen auf der Autobahn.
Meiner Ansicht nach lebt das Buch nicht allein von seiner Geschichte. Massenmörder gibt es in der Literatur viele. Was fasziniert ist, wie das Buch geschrieben ist – die Idee den Leser in die Welt des Riechens zu führen, eben weil dieser Sinn im menschlichen Leben so in den Hintergrund getreten ist, obwohl man unbewusst mehr durch diesen Sinn beeinflusst wird, als man denkt. Was weiter fesselt, ist Grenouilles innere Kälte, seine Härte, der Pragmatismus mit dem er seine Zeit abwartet, seinen Weg unermüdlich verfolgt. Was nicht loslässt, ist der Erzähler, sein Wechsel der Erzählperspektiven, seine Allwissenheit, seine Nüchternheit. Man mag das Buch einfach nicht aus der Hand legen.
(Mir wurde letztens die Frage gestellt: wonach riecht dein neues Parfum denn? Tja.. öh.. mir ist keine Antwort eingefallen.) weiterlesen schließen -
WIE VERHALTE ICH MICH RICHTIG???
21.08.2002, 15:46 Uhr von
Peter3110
Hallo Leute! Ich bin 18 Jahre alt und schreibe eigentlich über alles was mir so vor die Nase komm...Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Was bewegt den Menschen? Was liegt seinem Verhalten zu Grunde? Wie ist seine persönliche Ausrichtung? Dies war und ist eine der interessantesten philosophischen Fragestellungen, die das ganz alltägliche Leben für uns bereithält.
So schrieben über dieses Thema Platon, Aristoteles, Thomas von Aquin und viele andere, um hier nur wenige zu nennen.
Und wenn wir ganz ehrlich zu uns sind, so fragen auch wir uns manchmal, ob das was wir tun richtig ist, oder wir fragen uns wieso sich andere auf eine bestimmte Art und Weise verhalten.
Der berühmte Tragiker Sophokles hat diese Problemstellung in seinem Werk „Philoktet“ behandelt und diskutiert.
Zu Sophokles nur ein paar Worte: Er lebte im 5Jhd. v.Chr., war Staatsmann und hochgebildet.
Solche Politiker würde man sich heute wünschen.
Die Vorgeschichte
Die Geschichte beginnt schon etwas länger vor der eigentlichen Tragödie mit dem Tod des Herakles (Herkules). Herakles wird langsam von dem Gift des Kentauren (Halb Pferd-Halb Mensch) Nessus zerfressen. So bittet er seinen Sohn darum nicht wie ein Sterblicher sondern wie ein Gott verbrannt zu werden. Sein Sohn bringt es jedoch nicht übers Herz seinen eigenen Vater zu verbrennen. So erfüllt ihm sein bester Freund Philoktet diesen Wunsch und erhält dafür zum Dank den unfehlbaren Bogen des Herakles mit den Drachengift überzogenen Pfeilen. Zu dieser Zeit tobte der trojanische Krieg, an dem auch Philoktet teilnehmen wollte.
Auf der Schiffsreise wurde jedoch bei einer Rast auf einer Insel von einer Schlange gebissen. Dieser Biss war jedoch nicht tödlich, sondern er schuf eine ewig eiternde Wunde. Die Qualen und die damit verbundenen Schreie des Philoktet waren so laut, dass seine Gefährten ihn auf einer Insel zurückließen und zwar durch eine List des Odysseus.
In Troja angekommen und nach einigen weiteren Jahren des Kampfes erhielten die Griechen den Orakelspruch, dass nur mit dem unfehlbaren Bogen des Herakles, den jetzt Philoktet hatte, der Krieg zu gewinnen sei.
So schickten die Griechen Odysseus und den Neoptolemos des Sohn des Achilleus des Bogen zu holen.
Die Tragödie
Odysseus schwört Neoptolemos gleich darauf ein sich bloß nicht von der schrecklichen Situation des Philoktet beeindrucken zu lassen und keinesfalls Mitleid mit ihm zu haben. Ihm würden aber wenn er den Bogen beschaffen könnte eine große Belohnung und viel Ruhm und Ehre winken.
Der junge Neoptolemos lässt sich dazu verführen und verwickelt auf der Insel angekommen Philoktet in ein Gespräch und erweckt so dessen Vertrauen. Philoktet bittet daraufhin seinen Bogen mitzubeschützen, da dieser seine einzige Möglichkeit sein Nahrung zu bekommen, da er wegen seiner Wunde nicht richtig jagen könne.
Nun tritt Odysseus auf, der nicht mehr auf Neoptolemos warten wollte und reißt den Bogen an sich. Philoktet ist am Boden zerstört und ergibt sich fast in sein Schicksal, doch Neoptolemos schwenkt plötzlich um und erkennt, dass er falsch gehandelt hat. So bietet er an Philoktet mitzunehmen und in Troja heilen zu lassen. In dem nun folgenden heftigen Streit wird zwischen den dreien keine Löschung, da niemand so recht dem anderen traut.
Diese Situation wird nun für den bei Sophokles unüblichen „deus ex machina“ (=Gott aus der Maschine, ein Schauspieler erschien am oberen Teil des Bühnenbildes als Gott und löste Konflikte). Herakles löste somit als Gott den Konflikt.
Damit endet die Tragödie mit einem guten Ende und im trojanischen Krieg kamen alle drei zu höchster Ehre.
Die Botschaft des Sophokles
Im „Philoktet“ wird explizit die Frage behandelt, wie man sich richtig zu verhalten hat. Der junge Neoptolemos wird von Odysseus dazu verführt dem armen Philoktet, den seine Freunde einfach ausgesetzt haben, seine Überlebensmöglichkeit und das letzte Geschenk seines Freundes Herakles zu nehmen. Hier zeigt sich eine unglaubliche Skrupellosigkeit. Diese hat Sophokles sein ganzes Leben lang angeprangert.
Und wenn man sich die heutige Zeit so anschaut machen einfach zu viele Menschen nur das was ihnen nützt oder was sie persönlich voranbringt. Dabei kennen sie keine Schranken. Diese Entwicklung ist überall in der Gesellschaft zu bemerken, nicht nur wie die meisten jetzt wahrscheinlich denken in der Politik.
Dieser Personenkreis wird durch Odysseus symbolisiert, während Neoptolemos die Jugend die zwischen Gut und Böse wählen muss, repräsentiert. So bekommt er das verlockende Angebot zu Geld und Ruhm zu kommen, mit dem man heute sicher auch noch viel erreichen kann.
Neoptolemos lässt sich zwar zuerst überzeugen, doch im Endeffekt bricht das Gute doch in ihm durch, worin sich auch das positive Menschenbild der Griechen zeigt.
So gehört mit zur Botschaft, dass wenn alle an einem Strang ziehen es für alle ein gutes Ende gibt.
Durch diese Gesamtbotschaft ist dieses Werk, wie so viele andere aus dem antiken Griechenland zeitlos und sollte auch heute öfter gelesen werden. Vielleicht konnte ich es euch ein bisschen schmackhaft machen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-01 14:34:38 mit dem Titel DAS ENDE EINES GROßEN MANNES
Von den Sagengestalten der Antike ist Ödipus wohl eine der berühmtesten. So ist sein legendäres Leben bis heute in der Literatur aktuell.
Der antike Tragiker Sophokles beschrieb sein Leben in insgesamt 3 Tragödien („König Ödipus“, „Ödipus auf Kolonos“ und „Antigone“) beschrieben.
Damit auch diejenigen, die sich mit dem Leben des Ödipus nicht gut auskennen, etwas von diesem Bericht haben, hier erst einmal eine kleine Vorgeschichte.
Die Vorgeschichte
Laios, der König Thebens, erhält aus Delphi (Orakel des Apollon) den Orakelspruch, dass wenn er einen Sohn bekommt, dieser ihn töten werde und seine Mutter heiraten würde. Daraufhin setzt Laios seinen Sohn im Gebirge mit zerstochen Fersen aus, damit dieser dort ums Leben komme.
Das Kind wird jedoch von einem Hirten aufgenommen und an den Königshof von Korinth gebracht. Dort wird es von der Königsfamilie, die kinderlos ist, als ihr eigenes Kind groß gezogen. Wegen seiner Schwellfüße wird Ödipus genannt.
Ödipus verlebt in der Folgezeit eine äußerst glückliche Kindheit bis auf einem großen Fest in Korinth ein Betrunkener ihm erzählt, dass er nicht der richtige Sohn des korinthischen Königspaares sei. Getrieben von dieser Ungewissheit, zieht Ödipus zum Orakel nach Delphi, um durch einen Orakelspruch seine wahre Herkunft zu entdecken. In Delphi erhält er jedoch die niederschmetternde Antwort, dass er seinen Vater töten und seine Mutter heiraten werde. Da er jedoch immer noch glaubt, dass seine Eltern in Korinth sind, flieht er und begibt sich auf eine lange Wanderschaft.
An einem Gebirgspass kommt es dann zu einer verhängnisvollen Begegnung mit seinem Vater Laios, der versucht Ödipus mit seinem Wagen abzudrängen. In Notwehr erschlägt Ödipus seinen Vater und dessen Begleiter.
Nun kommt er schließlich nach Theben in die Stadt seines Vaters, die gerade von einer Sphinx bedroht wird. Diese tötete nämlich jeden, der ihr Rätsel nicht lösen konnte. Ödipus schafft dies und befreit damit die Stadt. Als Dank wird er der neue König und bekommt die Königin, seine Mutter, zur Frau. Zusammen bekommen sie vier Kinder Antigone, Ismene, Polyneikes und Etheokles.
Als nun jedoch eine Pest in Theben wütet und diese nur besiegt werden kann, wenn der Mörder des Laios gefunden wird, kommt Ödipus hinter das schreckliche Geheimnis. In Folge dessen sticht er sich die Augen aus und lebt, geführt von seiner Tochter Antigone, in Verbannung.
Hier setzt nun Sophokles mit seiner Tragödie „Ödipus aus Kolonos“ ein.
Die Tragödie
Ödipus merkt das sein Leben allmählich zu Ende geht und bemüht sich darum vielleicht doch noch in seiner Heimatstadt bestattet zu werden. Doch zuerst muss er in Kolonos, einem heiligen Randbezirk Athens Rast machen. Die dortige Bevölkerung erschreckt sich jedoch vor diesem verfluchten Mann und will dazu bewegen wieder zu gehen. Ödipus bittet sie jedoch darum, dass sie für ihn den athenischen König Theseus rufen.
Theseus, der gerade in der Nähe opfert, kommt auch sogleich herbei und gewährt Ödipus Bleiberecht und vor allem auch Schutz. Ferner bietet er ihm an, dass Ödipus in Kolonos bestattet werden solle, da er weiß, dass auf Grund des Fluches von Apollon Ödipus niemals in Theben bestattet werden kann.
Nachdem sich Theseus wieder entfernt hat, tritt nun Kreon, der Berater des momentanen thebanischen König Etheokles, auf. Er will Ödipus zur Rückkehr nach Theben zwingen, da um die Stadt hart gekämpft wird (nachzulesen in Aischylos „Sieben gegen Theben“, dazu habe ich auch schon einen Bericht verfasst). Und nur der, der Ödipus auf seiner Seite hätte, könnte diesen Krieg gewinnen. Ödipus weigert sich entschieden Kreon zu folgen, der dann versucht in mit Waffengewalt zu zwingen. Doch nun kommt Theseus, der Ödipus auch Schutz versprochen, herbeigeeilt und weist Kreon in seine Schranken. Als Kreon ihm nicht folgt, lässt er ihn aus Athen verbannen und verdammt sein frevelhaftes Verhalten.
Nun tritt noch Polyneikes, Ödipus Sohn, der gegen Etheokles um die Herrschaft in Theben kämpft, vor seinen Vater und bittet ihn ebenfalls um Unterstützung. Doch auch ihn weist Ödipus und verflucht ihn wegen seinem schändlichen Verhalten die Heimatstadt anzugreifen.
Nun stirbt Ödipus in einer Höhle und wird zum Heros (Schutzheiligen) von Kolonos und damit von ganz Athen.
Die Wirkung
Kernstück des „Ödipus auf Kolonos“ ist die Darstellung der perfekten Staatsmannes. Diese Position nimmt der legendäre Theseus ein, der zum einen als Stadtgründer Athens gilt und zum anderen die Stadt vor dem Minotaurus bewahrt hat.
Theseus wird in der gesamten Tragödie als demütig, bescheiden, durchsetzungsstark und tugendhaft charakterisiert.
Dem gegenüber steht der schändliche Kreon, der sich über jedes Recht und Gesetzt hinwegsetzt.
Hier sind zwei für die Deutung wichtige Aspekte im zeitlichen Hintergrund zu finden. Zu dieser Zeit war Theben die Hegemonialmacht Griechenlands und hat auch schon die Mauern Athens schleifen lassen. Dieses Verhalten wird hier von Sophokles, der selbst lange Jahre in der Politik war, kritisiert. Im gleichen Atemzug verweist er jedoch darauf, dass es völlig legitim sei, dass jede Stadt versucht so mächtig wie möglich zu sein.
So lehrt uns diese Tragödie zum einen wie der richtige Herrscher sich zu verhalten hat und vor allem aber lehrt sie uns auch vom Wert des Menschen. Denn selbst dem verfluchten Ödipus darf ein guter Mensch die Hilfe nicht verweigern. So muss man auch über Ängste hinwegsehen und sich vor allem nicht von anderen bedrängen lassen.
So ist diese Tragödie ein weiteres Meisterstück des Sophokles und ich kann sie euch auch ans Herz legen.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-02 14:43:35 mit dem Titel ERKENNE DICH SELBST
Die Pest tobt im antiken Theben und rafft eine ganze Stadt nieder. Die vollkommen verängstigte Bevölkerung zieht vor den Palast ihres Herrschers, den großen Ödipus.
So lautet die jetzige Situation, die über der Stadt Theben liegt. Doch was viele nicht wissen bewegt sich vernichtend und unaufhaltsam auf die Stadt zu. Denn niemand kennt den Grund der Pest, die nach Meinung der Priester vom delphischen Gott Apollon geschickt worden sein soll.
Eine Vorgeschichte brauche ich euch hier nicht aufzuführen, da die ganze Geschichte im Verlauf des Dramas aufgedeckt wird.
Als nun die verängstigten Menschen vor den Palast ihres Herrschers ziehen und ihm ihre Not unterbreiten, verspricht er ihnen sofort zu reagieren und alles Menschen mögliche zu tun, um sie von der Pest zu befreien. So hat er bereits Tage zuvor seinen Schwager Kreon zum Orakel nach Delphi geschickt, damit dieser dort die Lösung des Problems erfahren sollte.
Als Kreon dann endlich vor Ödipus tritt, verkündet er, dass man den Mörder des Laios finden müsse und ihn dann töten oder außer Landes weisen müsse.
Nun erfährt Ödipus, dass Laios vor ihm der König von Theben war, der dann jedoch angeblich von Räubern erschlagen wurde. Ödipus, der zur derselben Zeit nach Theben kam, wurde dann, nachdem er das Rätsel der Sphinx gelöst hatte, der neuen König Thebens und heiratete die Königin Iokaste.
Der Mord an Laios wurde jedoch nie aufgeklärt, da die Stadt Theben mit der Sphinx, die alle die ihr Rätsel nicht lösen konnten, in einen Abgrund warf.
Ödipus verkündet nun, dass man den Schuldigen sofort finden müsse und niemand diesen schützen oder verstecken dürfe, da ihm sonst dasselbe Schicksal blühe.
Da sich niemand meldet, wird der erfahrene Seher Teiresias gerufen, der bei der Aufklärung des Falles helfen soll. Teiresias möchte jedoch nichts dazu sagen und will die Stadt sofort wieder verlassen. So beginnt ein Streit, der immer weiter hoch kocht, bis Teiresias schließlich mit der Wahrheit herausrückt und Ödipus offenbart, dass Ödipus selbst der Mörder von Laios sei. Ödipus glaubt ihm natürlich überhaupt nichts im Streit. Doch als Teiresias noch weiter redet und sagt Ödipus habe seine eigene Mutter geheiratet und sei der Bruder seiner Kinder, platzt Ödipus komplett der Kragen und er will Teiresias wegen Verleumdung aus der Stadt werfen lassen, doch dann stockt er und kommt nach längerer Überlegung zu dem Schluss, dass eine Verschwörung im Gange ist und nur sein Schwager Kreon dahinter stecken könne, da schließlich auch er ihm geraten hatte Teiresias herzuholen.
Er stellt Kreon zur Rede, doch der streitet alles ab. Als dann noch Ödipus Frau Iokaste einschreitet ist der Streit geschlichtet.
Ödipus ist doch etwas misstrauisch geworden, ob er nicht doch der Täter sein könnte und berichtet seiner Frau, dass seine Herkunft nicht ganz klar ist und er einen Orakelspruch erhalten habe, dass er seinen Vater töten werde und seine Mutter heiraten würde. Aus diesem Grunde sei er auch aus seiner vermeintlichen Heimatstadt Korinth geflohen. Doch mitten in diese Überlegungen stürzt nun ein Bote, der vom Tod des Korinthischen König berichtet. Dies erleichtert Ödipus, da er ihn trotz seiner Zweifel immer noch für seinen Vater hält.
Plötzlich berichtet der Chor, der aus den ältesten Thebaner besteht, von einem Boten, der damals bei dem Mord des Laios dabei gewesen war und überlebt hat. Dieser sei auch schon auf dem Wege zum Palast.
Als der alte Bote angekommen ist, berichtet er, dass Laios von einem einzigen Wanderer an einem Bergpass erschlagen wurde. Ödipus schwant Schlimmes, denn er selbst hatte in Notwehr an einem Bergpass einige Männer erschlagen. Als dann der Bote auch noch berichtet, dass er vor langer Zeit ein Kind aussetzen sollte, dass wegen eines Orakelspruchs die Macht des Königs bedrohte und sogar der Sohn des Königs selbst war, dass er dann nach Korinth gebracht hatte, bricht Ödipus zusammen und rennt in den Palast. Iokaste folgt ihm.
Wegen der großen Schande erhängt sich Iokaste in ihren Gemächern. Als Ödipus dies sieht sticht er sich die Augen aus und will das Land verlassen, doch Kreon sagt sein Schicksal läge in der Hand Apollons.
Interpretation
In der Mitte des Werkes steht die Frage der Gerechtigkeit, die sich eigentlich jeder selbst beantworten muss. Ist Ödipus schuldig am Mord an seinem Vater oder war es Notwehr oder „göttliche Bestimmung“? Was ich aus meiner Sicht klar sagen kann, ist, dass er in Notwehr gehandelt, da Laios ihn nachdem er ihn einmal verdrängt hat, an einem Bergpass ein zweites Mal verdrängen wollte, Ödipus sich dort aber wehren konnte, denn sonst wäre er abgestürzt.
So werden es wohl auch die meisten Griechen damals gesehen haben, deshalb kann davon ausgehen, dass Sophokles die große Gerechtigkeit diskutieren wollte. Hätte Laios nicht den Orakelspruch des Apollon missachtet, wäre es zu all diesen schrecklichen Ereignissen nie gekommen. Demnach muss die gnadenlose Gerechtigkeit, die hier nach grausamen Naturgesetzen verfährt, auf den einzelnen nicht achtet und nur ein allgemeines Recht durchsetzen will, Ödipus vernichten, obwohl es für ihn überhaupt nie einen Ausweg gab.
Mit diesem Gerechtigkeitsverständnis habe ich persönlich starke Probleme, da das einfach nicht gerecht ist.
Dieser Punkt darf jedoch nicht separat gesehen werden, sondern muss in den zeitlichen Kontext und die damaligen geistlichen Strömungen eingeordnet werden.
Zu dieser Zeit wandten sich immer mehr von der alten Volksreligion mit Zeus, Apollon, Hera usw, ab, die zum Beispiel in Homers Epen beschrieben werden. Besonders die Sophisten, die heute eher negativ dargestellt werden, da man ihnen Käuflichkeit und Morallosigkeit vorwirft, standen an der Spitze der griechischen Aufklärung, vergleichbar mit der Aufklärung im Europa der Früh-Moderne. Aus dieser Richtung stammt der homo-mensura-Satz des Protagoras, der besagte, dass der Mensch das Maß aller Dinge sei, also eine totale Abkehr von äußeren Einflüssen und damit von allen anderen Gottesbildern.
So muss man diesen Gerechtigkeitsbegriff im „König Ödipus“ mit dieser Geistesströmung übereinanderlegen und bemerkt, dass der Gerchtigkeitsbegriff nicht die Meinung des Sophokles widerspiegelt, sondern eindringlich daraufhinweist, dass es nun einmal Mächte gibt die der Mensch nicht beeinflussen und steuern kann. Der Mensch kann sogar von diesen Mächten dominiert werden.
Ödipus ist einer dieser Menschen, die glauben sie könnten alles. Diese Hybris (Hochmut) wird von Sophokles durch diverse Übertreibungen und Ausschmückungen innerhalb seiner Reden stark hervorgehoben. Diese sprachlichen Feinheiten, die für das Verständnis des Werkes überaus wichtig sind, werden leider in den meisten Übersetzungen unterdrückt und einfach herausgelassen. Mein Vorteil war, dass ich dieses Werk im griechischen Original gelesen habe, was eben nicht jeder machen kann und auch nicht jeder machen will.
So muss der hochmütige Ödipus, der mit seinem Verhalten die Götter in Frage stellt, fallen, da dies nicht geduldet werden kann.
Das schlimmste daran ist, dass Ödipus durch seinen Scharfsinn sich sogar selbst enttarnen und sich selbst erkennen muss.
Das Werk ist neben dieser geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzung eine Fundgrube für politischen Denken und gesellschaftliches Verhalten, was vom heutigen nur marginal unterscheidet.
So kann ich jedem diese Lektüre nur empfehlen und freue mich über zahlreiche Kommentare.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-21 13:46:20 mit dem Titel DIE EINHEIT DER GEGENSÄTZE
Zehn Jahre eines grausamen Krieges haben viele Helden dahingerafft, doch Troja ist immer noch nicht gefallen. Nachdem Achilleus den Hektor, den stärksten Krieger der Trojaner getötet hat, ereilt auch ich der Tod.
Die Trojaner versuchen nun jedoch, wie es Achilleus bei Hektor getan hatte, den Leichnam in ihre Gewalt zu bekommen. Dies wird jedoch von Aias, den Homer in der Ilias als größten Kämpfer bezeichnet und der die vorzeitige Niederlage der Griechen mehrfach abwenden konnte, und Odysseus, dessen Irrfahrten das Thema der Odyssee ist, durch großen Heldenmut verhindern.
Nach altem Brauch soll nun einer von beiden die Waffen des Achilleus erhalten, die Hephaistos der Gott der Schmiedekunst für ihn angefertigt hatte.
Dies soll durch einen Wettkampf gelöst werden, da jedoch Aias Odysseus im Kampfe überlegen ist, erreicht Odysseus, dass der Wettkampf im Bereich der Rhetorik stattfinden soll.
Diesen Wettkampf kann natürlich der schlaue Odysseus für sich entscheiden.
Aias fühlt sich betrogen und wird zum Spielball der Göttin Athene, da Aias zwar ein frommer Mann war, jedoch lieber auf seine eigenen Fähigkeiten vertraute und die Hilfe der Götter schon oft zurückgewiesen hatte.
Athene stürzt ihn nun in den Wahnsinn, worauf Aias die Schafsherde für das Herr der Argeier hält, zu dem seine Feinde Odysseus und Agamemnon gehören. Er wütet nun fürchterlich und peitscht den Widder, den er für Odysseus hält, brutal aus.
Nun setzt der große Tragiker Sophokles mit seinem wohl ältesten der erhaltenen Stücke ein.
Den Inhalt diesen teilweise sehr archaischen Stückes möchte ich euch nun kurz wiedergeben.
Der Inhalt
Aias ist zu Beginn des Stückes noch in seiner Hütte und foltert den Widder, den er für Odysseus hält. Nun betritt die Göttin Athene mit ihrem Schützling Odysseus die Bühne und führt ihm Aias in seinem Wahnsinn vor. Athene ist sehr belustigt, doch Odysseus ist über die Tat der Göttin schockiert und möchte so schnell wie möglich diesen Ort verlassen, was er daraufhin auch ausführt.
Während dessen treibt sich das Gerücht herum, das Aias etwas furchtbares getan habe. Seine Gefährten wollen ihn nun aufsuchen, treffen jedoch nur seine Frau Tekmessa an. Mit ihrer Hilfe erfahren sie alles und wollen so schnell wie möglich mit Aias fliehen, da ihm für sein Handeln schlimmste Strafen drohen.
Nun tritt Aias aus der Hütte und kommt wieder zur Besinnung und bemerkt was geschehen ist. In seiner nun folgenden Rede spricht er sehr verklausuliert, was dazu führt, dass seine Frau und auch seine Gefährten glauben alles sei in bester Ordnung. In Wahrheit hat Aias schon den Entschluss gefasst sich das Leben zu nehmen. Als letztes trägt er seinen Gefährten noch auf, seinem Halbbruder Teukros, der zu den besten Bogenschützen der Griechen gehört, zu sagen, er solle sich um seine Frau und seinen Sohn kümmern.
Teukros hat unterdessen schon von den Gerüchten um Aias getan und erhält einen Orakelspruch, dass er seinen Bruder heute beschützen müsse, da er nur noch heute unter dem Fluch der Götter läge. Ein Bote, den er schickt, kommt jedoch zu spät, denn Aias ist verschwunden. Eine Suche ist erfolglos.
An einem abgelegenen Strand steckt Aias, das Schwert, das er von Hektor dem Trojaner erhalten hatte, in den Sand und stürzt sich nach einem Abschlussmonolog, die sogenannte Trugrede in sein Schwert.
Kurz darauf wird der Leichnam gefunden und soll von Teukros begraben werden. Doch einer der Heerführer Menelaos will dies verhindern, doch Teukros bleibt hart, da er seinem Bruder diese letzte Ehre nicht verwehren will.
Nun will der König von Argos Agamemnon, der die Griechen anführt, den Befehl erlassen, dass Aias unter keinen Umständen bestattet werden darf, doch nun greift Odysseus ein. Er überzeugt Agamemnon und verweist auf das göttliche Recht, auf die Taten des Aias und die Verantwortung vor den Menschen. Agamemnon ist völlig überrumpelt und gibt nach.
Überglücklich beginnt nun Teukros mit der Bestattung seines Halbbruders Aias.
Interpretation
Wie in der Dramenforschung schon oft festgestellt wurde, handelt es sich zweifelsohne bei dem Stück „Aias“ um ein Problemstück. Im „Aias“ werden unheimlich viele Fragenstellungen der antiken Zeit angesprochen. Ferner weisen viele Sätze in die in andere Bereiche, wie zum Beispiel in die Geschichtsschreibung, was ich aber am Ende nur kurz anschneiden werde.
Vom Aufbau her ist das Stück offensichtlich zweigeteilt, was man am für die griechische Tragödie selten Szenenwechsel deutlich merkt.
Im ersten Teil wird die Tat und das Leiden des Aias thematisiert. Während der zweite Teil die Frage der Bestattung diskutiert.
Allein schon der Ausgangspunkt birgt einige Fragen. Aias ist nur nach Troja gekommen, da er dem Vater der Helena, deren Entführung der Grund für den trojanischen Krieg war, einen Eid zum Schutze der Ehe geleistet hat und nicht, da er dem Hegemonialherrscher der Griechen Agamemnon gefolgt ist. Somit kam er als freier Mann und nicht als Untertan, obwohl er vom Stande tiefer ist, doch er stützt sich auf seine eigene Kraft und nicht auf die Herkunft.
Als er dann der List des Odysseus zum Opfer fällt, kann er seine eigene Kraft nicht mehr kontrollieren und wird zum Spielball der Athene.
Hier liegt etwas begraben, was noch heute den Menschen bestimmt. Das Verhältnis zwischen dem eigenen Handeln und den äußeren Einflüssen, und in wie weit man frei von ihnen ist. Heraklit hat dies in der Antike schon die Frage der „Einheit der Gegensätze“ genannt. So muss der beste Mensch diese Einheit auch am besten vollziehen, wobei jeder im Tode diese Gegensätze entgültig vereint.
Aias bemerkt, dass er in dieser von schlechten Mächten bestimmten Welt nicht mehr existieren kann, wenn er sich ihr nicht beugt, doch dieser Mann will sich nicht beugen und antwortet mit der totalen Entsagung von der Welt, nämlich mit dem Selbstmord.
Soweit ging auch die Überlieferung des trojanischen Krieges, doch nun dreht Sophokles die Handlung im zweiten Teil in eine andere Richtung. Zwar besteht der Standeskampf weiter, was in den Rededuellen zwischen Teukros und Menelaos zu sehen ist, doch Hauptfigur wird nun der vielgescholtene Odysseus.
Sein Verhalten erhebt ihn und zeigt seinen guten Charakter und sein Vereinbarung der „Einheit der Gegensätze“. Sophokles hat hier eine deutliche Botschaft versteckt, die zum Leben in der Leistungsgesellschaft des demokratische Athens passte. Jeder muss mit seinen Fähigkeiten das Bestmögliche schaffen, dabei darf er jedoch auch den größten Feinden die Ehre nicht verweigern und anständig bleiben. Die Person des Odysseus ist ein besonders guter Träger dieser Botschaft, da er in der Überlieferung eher schlechter dargestellt wurde und Veränderungen in der Darstellung so viel besser erkannt werden konnten.
Neben diesen Dingen möchte in besonders noch einmal die Trugrede des Aias vor seinem Selbstmord hervorheben. Hier liegt das Geschichtsverständnis der griechischen und damit auch westlichen Welt begraben. So sagt Aias, dass die lange unmessbare Zeit alles was unklar ist hervorbringt, während alles, was sich offenbart hat, wieder verborgen wird. Nichts ist von Dauer. Von diesem Satz ist auch das große Werk des Herodot geprägt, das ich nur jedem empfehlen kann.
Fazit
Neben den Standesgegensätzen der griechischen Zeit kann man aus dem Aias viele Aspekte mit in unsere heutige „moderne“ Zeit übernehmen. So bestimmt die Frage der „Einheit der Gegensätze“ bis heute unser tägliches Leben.
Ferner der Gedanke einer Leistungsgesellschaft, die auf dem Boden der Demokratie geboren wurde, wobei Sophokles klar macht, dass nicht das geschehen darf, was wir heute „Ellenbogen-Gesellschaft“ nennen.
Aus diesen Gründen kann ich euch dieses Werk mehr als empfehlen und vergebe die höchste Bewertung.
Vielen Dank fürs Lesen und ich freue mich schon auf zahlreiche Kommentare. weiterlesen schließen
Informationen
Die Erfahrungsberichte in den einzelnen Kategorien stellen keine Meinungsäußerung der Yopi GmbH dar, sondern geben ausschließlich die Ansicht des jeweiligen Verfassers wieder. Beachten Sie weiter, dass bei Medikamenten außerdem gilt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
¹ Alle Preisangaben inkl. MwSt. und ggf. zzgl. Versand. Zwischenzeitl. Änderung der Preise, Lieferzeiten & Lieferkosten sind in Einzelfällen möglich. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr.
Bewerten / Kommentar schreiben