Amoklauf in Erfurt Testbericht

No-product-image
ab 13,64
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von tommixyz

Sicher schrecklich aber überraschend????

Pro:

keins

Kontra:

keins

Empfehlung:

Nein

Zuerst laßt mich den Familien der Opfer ausdrücklich mein Mitleid und meine Trauer aussprechen - jeder von uns hat sicher mit Schrecken die Geschehnisse in Erfurt versucht zu verarbeiten.
Es ist schrecklich , nicht nur für die Opfer und ihre Familien - aber kommt solch ein Ereignis überraschend?

Sicher ist es eines der erschreckentsten Ereignisse in der Geschichte der Bundesrepublik , aber laßt mich dieses Ereignis bitte mal aus einer anderen Sicht betrachten und bewerten:

Ich war 15 Jahre lang Jugendsozialarbeiter , habe in diesem Job mit Jugendlichen und Kindern gearbeitet ,die zu den sozial Schwachen gehörten und mit Sicherheit eine menge Probleme hatten, manchmal kleinere , manchmal größere - aber es gab fast immer eine Lösung.Diese wurde gefunden ,weil es Menschen wie meine Kollegen und mich gab , die sich mit den Kids beschäftigt haben ,ihnen zugehört haben.

Unserer Jugend wird Gewalt in den unterschiedlichsten Formen täglich geboten und suggeriert - ob in den unterschiedlichsten Medien , ob in der Familie , im täglichen Erleben.
Nicht jeder ist in der Lage , diesen " Psychokrieg" zusammen mit seinen eigenen individuellen Problemen zu verarbeiten.

Waffen besorgen ist heute ja leider auch kein Problem mehr - Waffengesetz hin und her - wer eine Waffe will ,kann sie sich auch ohne Waffenschein besorgen.

Eltern achten nicht auf die Probleme ihrer Kinder , haben kein Interesse oder verstehen ihre eigenen Kinder nicht.

Wen wundert es denn , das Jugendliche immer verzweifelter werden ,wenn ständig das geringe staatliche Geld für Kinder - und Jugendarbeit weiter gekürzt wird , wenn Projekte , Jugendclubs , Vereine untergehen wegen schnöden Geldmangels???

Kurz gesagt: Für mich ist Erfurt ein fast logischer Schritt wegen gesamtgesellschaftlichen Versagens in der Familien- und Jugendpolitik in den letzten 20 Jahren - nur Aktionismus wie nach den Vorfällen in Rostock- und anderen Problemfällen - es wird immer nach erschütternden Ereignissen laut geschrien, schnell etwas aus dem Boden gestampft - aber eine kontinuierliche Jugendarbeit ist unter heutigen Bedingungen leider nicht mehr möglich.

Wen wundert es also noch ,wenn sich daraus folgerichtig Ereignisse dieser Art entwickeln und " Proteste" dieser Art uns alle eigentlich auf die Mißstände hinweisen ,ohne das sie scheinbar jemand richtig versteht??
Ich mißbillige Taten dieser Art , trauere mit den Familien der Opfer -man sollte diesen jetzt endlich Ruhe lassen ,alles zu verarbeiten, den Medien verbieten ,dieses schreckliche Ereignis wiedermal zu zerreden: hier werden wegen Sensationshascherei Rücksichten auf das Innenleben tief betroffener Menschen einfach beiseite gestoßen.
Nehmt Erfurt bitte als einen Aufruf , mehr füreinander dazusein , sich nicht alles gefallen zu lassen ,was staatlicherseits an Möglichkeiten wegrationalisiert wird und : achtet die Privatsphäre der Opfer , trauert , aber nervt nicht , liebe Medien!

32 Bewertungen, 1 Kommentar

  • suppengirl

    01.05.2002, 12:33 Uhr von suppengirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Jaja, die Medien... Wie sagte doch vorgestern ein Schüler der Gutenberg-Schule in einem Statement an die Medien gerichtet: Ihr ward Scheiße!