Bulimie Testbericht
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Erfahrungsbericht von EXDREAMA
DER ANFANG VOM ENDE....
Pro:
Kann es da irgendwetwas geben?
Kontra:
Irgendwann macht dein Körper nicht mehr mit
Empfehlung:
Nein
Gerade bin ich durch Zufall in diese Kategorie reingerutscht und wollte zuerst gleich weiterklicken, da dieses Thema mich selbst zu arg betrifft und ich bis jetzt es immer noch nicht schaffe, mit jemanden darüber zu reden. Ich finde es auch ehrlich gesagt blöd, dass solche Berichte beurteilt werden, denn es ist ja eigentlich eine Art von \"Outing\", was hier betrieben wird.
Bullimie ist eine heimliche Krankheit, bzw, man versucht immer, es geheim zu halten. Es ist wie bei einem Alkoholiker, der krampfhaft versucht, seine Alkoholika zu verstecken, Verstecke findet, auf die keiner kommen könnte. Genauso ist es auch mit der Bullimie. Man versucht sich schon beim Essen auszudenken, was man jetzt zusätzlich essen muss, damit das, was schon im Magen ist, leichter wieder rauskommt. Außenstehende können sich gar nicht vorstellen, unter was für einem Druck man steht, innerlich, sich selbst jeden Tag erniedrigt, weil man denkt, keine Willensstärke zu haben, andere beneidet, nur darum, dass sie schlank bleiben, ohne diesem Druck standhalten zu müssen.
Ich möchte euch jetzt gar nicht mit diesem Theorie-und Psychoquatsch volllabern, ich erzähle nur meine Geschichte, wenn ihr sie nicht lesen wollt, klickt wieder weg, und versucht mich bitte nicht zu \"therapieren\".
Angefangen hat das mit meinen Essstörungen etwa vor 12 Jahren, mit meinem ersten richtigen Freund, mit dem ich 4 Jahre zusammen war. Er war sehr dick, ich eigentlich normal, mit einem kleinen Hang zur Mopsigkeit. Er dachte immer, ich würde beim Erstbesten, der schlanker ist, als er, ihn verlassen und er hat mich gestopft. Unbewusst, mir ist das gar nicht so bewusst gewesen, wir waren jeden Abend groß essen, schwer, kalorienreich. Ich hab gefressen, bis \"ich fast geplatzt bin\" (O-Ton meiner Mutter). Im Endeffekt hat er mich dann verlassen, weil ER eine Schlankere kennengelernt hat.
Und ich stand da, mit 115 Kilo, fett und unzufrieden.
Meine Freundin hatte damals schon Bullimie und war saumäßig dünn und ich hab mir geschworen, dass ich nie so werde. Von wegen. Nach 2 Monaten Diät, die nichts gebracht haben, hab ich auch mit der Kotzerei angefangen.
Es ging ganz einfach, v.a. wenn man noch so \"tolle Tips\" von der Freundin bekommt, wie, du musst nach dem Essen noch nen Joghurt oder ein Eis essen, dann geht das alles leichter raus, oder schon vorher viel trinken, usw. Sie kam dann in Therapie...und bei mir hat es entgültig angefangen. Jeden kleinen Bissen, auch wenn es nur ein Stück Semmel war, sogar Salat oder Brühe, alles ist im Klo gelandet, ich hätte mich da schon fast häuslich einrichten können.
Damals lebte ich noch bei meinen Eltern, sie haben zuerst nichts gemerkt, ich hatte auch nie diese typischen Fressanfälle, die in der Theorie immer gepredigt werden, dass die zur Bullimie gehören. Ich habe auch die erste Zeit gut abgenommen, sehr viel sogar, in 2 Monaten über 15 Kilo.Nach etwa einem halben Jahr, ich wurde gerade 19, hat mich meine Mutter darauf angesprochen, ich habe natürlich alles geleugnet, es gab aber nur noch Probleme zu Hause, sie hat mich sogar aufs Klo verfolgt, oder an der Tür gelauscht, hat teilweise Tagespläne verfasst, in denen sie genau zusammengeschrieben hat, was ich gegessen habe, wann und wie oft ich auf dem Klo war. Wir hatten (verständlicherweise) nur noch Streit.
Dann hab ich meine Koffer gepackt und bin zu meiner Oma gezogen, da ging es natürlich weiter, ich hatte niemanden mehr, der mich kontrollierte, und ich trieb alles noch schlimmer. Gesundheitlich hatte ich keine Probleme, ich merkte nur, dass ich in Stresssituationen noch angreifbarer war, mehr gegessen und mehr gebrochen habe, als vorher. Es war ja auch niemand mehr da, der irgendwie rausfinden konnte, was mit mir los ist. Diese Zeit war sehr schlimm, ich bekam langsam Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle, obwohl ich von allen Seiten gesagt bekam, wie toll ich abgenommen hätte usw.
Auch mein neuer Freund, den ich dann hatte und der auch mit mir zusammenwohnte hat mich nicht unterstützt, er wußte es zwar, hat es auch immer mitbekommen, aber es hat ihn nicht recht interessiert. Mit 22 etwa ging es dann los, ich hatte dauernd Schwächeanfälle, Kreislaufzusammenbrüche, ständigen Durchfall (weil ich zusätzlich noch Abführmittel nahm), mir war ständig schlecht, habe sogar in der Früh pure Magensäure erbrochen, weil ja nichts mehr da war.
Zu dieser Zeit habe ich mich schon auf 75 Kilo runtergekotzt (so blöd das Wort auch klingen mag). In dieser Zeit habe ich auch versucht, mein ABI nachzuholen, was aber wegen meiner Konzentrationsschwächen und meinen Kreislaufproblemen zur Katastrophe führte.Natürlich bin ich durchgefallen und die Kraft, es nochmals zu versuchen, hatte ich auch nicht.
Meine Speiseröhre war schon total entzündet, ständig, da half nichts mehr, ist ja auch klar, ich hörte ja auch nicht damit auf.
Mit 23 trennte ich mich dann von meinem damaligen Freund, der anscheinend mit der Situation auch vollkommen überfordert war, aber nie etwas dazu gesagt hat, sondern letztendlich nur noch handgreiflich geworden ist.
Ich war total am Ende, fing auch noch das trinken an. Meine Mutter hatte den letzten Versuch gestartet, mir zu helfen, denn einweisen lassen wollte ich mich nicht. Sie hat mich in einer Schule für eine Ausbildung zur Diätassistentin angemeldet, was im Nachhinein das Schlimmste war, was mir passieren konnte. Danach hab ich gar nichts mehr gegessen, nur noch getrunken. Zu dieser Zeit wog ich noch 60 Kilo, also knapp die Hälfte
meines \"Kampfgewichtes\".
Als das Thema \"Essstörungen\" in dieser Schule behandelt worden ist, habe ich mich dann geweigert, hinzugehen, und habs mehr oder weniger da schon hingeschmissen.
Durch Zufall lernte ich über einen Chat einen Typen kennen, der mich so akzeptierte, wie ich war, ich dachte mir, der kennt mich ja nicht, also kann ich ihm alles erzählen. Dieser Typ war aber so hartnäckig und wollte mich unbedingt kennenlernen und so kam es, dass ich meinen jetzigen Mann kennenlernte. Er hat mir geholfen, mir zugehört, mich bestärkt, mir die schönen Seiten an mir gezeigt (die ich nie wahrgenommen habe).
Die erste Zeit mit ihm (wir waren über 300 Kilometer von einander getrennt) hat sich an meinem Essverhalten nicht viel geändert, ich habe nur langsam wieder angefangen, wenigstens ein bisschen was zu mir zu nehmen, und wenn es blos eine trockene Semmel war, und ich war stolz auf mich, wenn die drinblieb. Nach 2 Monaten habe ich diese Trennungszeit nicht mehr ausgehalten und bin zu ihm gezogen und habe sogar eine ambulante Therapie mitgemacht, die mir zwar nicht geholfen hat, aber immerhin.
Das einzigste, was mir wirklich geholfen hat, waren die Gespräche mit meinem Mann und dass kein Druck mehr auf mir lastete,ich habe mir nichts mehr vorgemacht und nicht von mir verlangt, jemand zu sein, der ich nicht sein kann, nämlich perfekt.
Komplett als geheilt würde ich mich nicht bezeichnen, es ist wie bei einem Alkoholiker, der zwar trocken sein kann, aber ein Lebenlang ein Alkoholiker sein wird. In besonderen Stress-und Drucksituationen könnte es immer wieder passieren, dass man zurückfällt, und das kann mir auch kein Ex-Bullimiker weißmache,dass das bei ihm nicht so wäre.
Seit Oktober letzten Jahres, seit meine Tochter gesund auf die Welt gekommen ist, muss ich mich gesund ernähren, um immer für sie dasein zu können und nicht wieder diese Krankheitssymptome zu bekommen. Ich muss jetzt zuerst an sie denken. Im Moment wiege ich 63 Kilo, bin stabil seit der Geburt meiner Tochter, für manche mag ich vielleicht immer noch recht mager sein, aber für meine Größe ist dieses Gewicht vollkommen in Ordnung und so fühle ich mich auch wohl.
Ich kann jetzt im Nachhinein nicht genau sagen, was der Auslöser bei mir war, ob es der Leistungsdruck meiner Eltern, mein fehlendes Selbstwertgefühl oder nur der \"einfache Weg\" des Abnehmens war, ich kann nur sagen, ich wünsche es nicht mal meinem ärgsten Feind, in diesen Teufelskreis reinzugeraten. Man muss wirklich Glück haben und Freunde, um da wieder rauszukommen.
Trotz meines \"Absprungs\", der nach über 10 Jahren Krankheit schon fast zu spät war, habe ich immer noch mit einigen Spätfolgen zu kämpfen, die ich wahrscheinlich nie wieder loswerde. Zum einen ist meine Speiseröhre immer noch dauerentzündet, da sie von der ganzen Magensäure angeätzt worden ist auf dauer.
Zum Zweiten habe ich Lebensmittelallergieen bekommen, auf fast alles, was man sich vorstellen kann, es hat sich aber noch nicht (ob überhaupt?) herausgestellt, ob man dies direkt auf meine Bullimie zurückführen kann, aber ich hatte nie Probleme mit sowas, erst seit ca. 1,5 Jahren. Außerdem habe ich eine Laktoseintolleranz.Dies gestaltet sich sehr schwierig, da ich fast nichts für meine Kleine probieren kann, da überall dieser Milchzucker enthalten ist. Ernähren tu ich mich hauptsächlich von rohem (allergiearmen) Gemüse.
Zum Dritten weiß ich ganz genau, wenn Magen-Darm-Grippen oder sonstiges in der Art im Umlauf sind, dass ich die Erste bin, die diese aufschnappt, da bei mir alles im Magen sehr angreifbar ist, und die Letzte bin, die sie wieder losbekommt.
Und noch eins, wenn Teenager diesen Bericht lesen sollten, es ist keineswegs cool, diese Krankheit zu haben, so wie ich es oft höre (dann hab ich das eben wieder gekotzt), es ist keine Mode, Bullimie zu haben, es ist nur eine Krankheit des Überflusses, deshalb zählt sie ja auch zu den Zivilisationskrankheiten.
Falls jemand mit mir in Kontakt treten will, über mein privates Gästebuch beommt ihr meine Email-Adresse.
Liebe Grüße,
Andrea
21 Bewertungen, 6 Kommentare
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27.05.2005, 21:31 Uhr von kinddersonee
Bewertung: sehr hilfreichkenne diese krankheit leider selber auch zugut und hoffe immerwieder, dass es irgendwann ein ende hat....
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30.12.2004, 11:15 Uhr von Fernsteuerung
Bewertung: sehr hilfreichFür mich hast Du persönliche Stärke bewiesen, weil Du ehrlich geschrieben hast. Repekt! Liebe Grüsse, Fernsteuerung.
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07.11.2004, 17:28 Uhr von maybe1987
Bewertung: sehr hilfreichich glaube kaum das dein bericht jemanden davon abhält, den meinen erhfarungen zu folge muss ich irgendwie annehmen das es sich für "fremde" ohre irgendwie noch zu gut anhört-warum weiß ich leider nicht,denn ich kenne ziemlic
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20.07.2004, 02:34 Uhr von nintscha
Bewertung: sehr hilfreichJa..grad in meinem Alter sind viele Betroffen...weiß es auch von ein Bekannten...Dein Bericht hat mir wirklich sehr bewegt!Liebe Grüße Nina
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19.07.2004, 23:42 Uhr von Arti25
Bewertung: sehr hilfreichmutig, so offen darüber zu schreiben :-) lg, ARti
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19.07.2004, 12:00 Uhr von kleinvolli
Bewertung: sehr hilfreichund offener Bericht.LG
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