Citroen C3 Testbericht

Citroen-c3
Abbildung beispielhaft
ab 28,36
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
5 Sterne
(4)
4 Sterne
(3)
3 Sterne
(2)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)
Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  gut
  • Fahrkomfort:  gut
  • Platzangebot:  großzügig
  • Zuverlässigkeit:  sehr schlecht

Erfahrungsbericht von Seneca_X1

C3 Pluriel - Klappfix mit Verstand!

Pro:

Wandlungsfähigkeit, günstigstes viersitziges Cabrio

Kontra:

Haptik der Kunststoffe, nur 2 Motoren

Empfehlung:

Ja

Es war höchste Zeit, dass Citroën wieder ein unverwechselbares Auto auf den Markt bringt. Mit dem C3 Pluriel dürfte das gelungen sein, wie die Reaktionen der Tester in den Fachzeitschriften wie auch die erstaunliche Zahl an Interessenten in den Autohäusern zeigen.

Kaum ein Grosserienhersteller hat soviel konträre Meinungen erzeugt wie Citroën in seiner Geschichte. War die DS bei ihrer Präsentation 1955 auf dem Genfer Salon noch ein beinahe surreales Event mit 12.000 Bestellungen noch am ersten Messetag, war der Rummel um an sich wegweisende Fahrzeuge wie der SM 1970 und der CX 1974 schon deutlich geringer. Die eher traurig stimmende Geschichte der Marke mit dem Doppelwinkel in den späten 70ern und 80ern ist zum Glück mittlerweile überwunden und der Pluriel darf ohne viel Retrogebahren seinen Urahn 2CV in vielen Details kopieren oder zumindest nachahmen.

Was hat Citroën denn nun auf die Räder gestellt? Die eierlegende Wollmilchsau dürfte nicht viel anders aussehen als der knapp vier Meter lange, mit zwei Türen ausgestattete Schrägheckwagen mit Faltdach und vier Sitzplätzen. Basierend auf dem in Deutschland leidlich erfolgreichen C3 wurde die Grundform erheblich verändert, mit 130 kg zusätzlichen Versteifungen versehen und in ihrer Funktionalität deutlich erweitert.

Die Werbung verspricht fünf Fahrzeuge in einem, was im Grossen und Ganzen auch stimmt, wenn man es mit einer winzigen gesetzlichen Vorschrift nicht so genau nimmt, doch dazu später. Das vierlagige Faltdach lässt sich elektrisch in acht Stufen öffnen, der dazu verwendete Drehschalter entspricht dem Konzept, das VW seit einiger Zeit einsetzt. Ein Druck auf den Schalter in der voll geöffneten Stellung lässt das gesamte Dach auf die Glasheckscheibe herunterfahren. Die nun folgende Prozedur ist sehr einfach, wenn man einmal die Reihenfolge verinnerlicht hat: Aussteigen, Heckscheibe durch Tastendruck auf deren Unterkante elektrisch entriegeln, Kofferraumklappe entriegeln und nach unten klappen. Kofferraumboden herausnehmen und auf die Heckklappe legen, unter die Heckscheibe nach innen greifen und Taste drücken, Scheibe leicht anheben und samt Dach nach unten in den Kofferraum schwenken, Kofferraumboden wieder reinlegen, Heckklappe schliessen, fertig. Das dauert mit etwas Übung weniger als eine Minute.

Wer noch mehr Cabriofeeling möchte, sollte vor den nächsten Schritten einen kritischen Blick an den Himmel werfen, denn falls es regnen könnte, sollte man sich die folgenden Handgriffe gut überlegen: Dachholme am hinteren Ende mittels entsprechendem Hebel entriegeln, Holme vorn entriegeln und mit beiden Händen abnehmen (12 Kilo pro Stück). Wohin damit? Ins Auto passen sie nicht, daher entweder auf den im ?Spider-Pack? lieferbaren Ständer stellen oder in die ebenfalls optionale Tasche einpacken. Offener geht´s dann nicht mehr ? ein viersitziges Vollcabrio namens ?Spider? ist entstanden. Sollte es unterwegs zu regnen beginnen, heisst es entweder Unterstellen oder Aussteigen und die auch im ?Spider-Pack? lieferbare Mütze aufsetzen (nennt sich ?Persenning?). Diese schützt den Innenraum vor Nässe, ermöglicht aber nicht das Fahren mit aufgedecktem Fahrerplatz wie es einige altehrwürdige englische Roadster anbieten.

Die Variante ?Pick-up? lässt den Fahrer mit dem oben erwähnten Gesetz in Konflikt kommen, das besagt, dass das Kennzeichen auch im beladenen Zustand sichtbar sein muss. Hatte die selige DS Break noch zwei Kennzeichen am Heck (eines sichtbar im Normalbetrieb, eines sichtbar bei heruntergeklappter Ladeklappe (beide lagen also im 90 Grad-Winkel zueinander), hat man beim Pluriel darauf verzichtet. Warum die Designer das Kennzeichen nicht in den Stossfänger verlegt haben, wissen wahrscheinlich nur sie selbst...

Eine Waschmaschine passt dann wirklich hinein, denn auch bei geschlossenem Verdeck ist die Ladeöffnung sehr gross. Bei offenem Dach sind die Möglichkeiten beinahe grenzenlos und nach oben offen ? es existiert bereits ein Foto, das den Transport eines Zementmischers zeigt...

Wie fährt sich der Pluriel? Da es zurzeit nur zwei Motorisierungen gibt, von denen nur eine mit ESP lieferbar ist, beschränkt sich das Fahrerlebnis bis 2004 auf diese Triebwerke. Ein 138PS-Benziner bekannt aus dem 206CC wird ebenso folgen wie der 92PS-HDi, der schon im C3 angeboten wird. Ich habe den 1,6 mit 109PS und Sensotronic getestet, der auf Grund seines geringen Aufpreises von nur EUR 1.500,-- dem 1,4 in jedem Fall vorgezogen werden sollte. Er verbraucht bei besseren Fahrleistungen weniger, hat das automatisierte Schaltgetriebe, ESP und so nette Kleinigkeiten wie den höhenverstellbaren Beifahrersitz oder das mit der Option Klimaautomatik gelieferte gekühlte Handschuhfach.

Der Pluriel steht mit den 109PS ganz gut in Futter, beschleunigt zügig und ist auffallend leise. Die Sensotronic schaltet unauffällig, wenn man weiss, wie man damit umgehen sollte und überzeugt im Automatikmodus mit unmerklichen Schaltvorgängen. Wenn in dieser Rubrik anderslautende Meinungen auftauchen, hat das meistens mit fehlender Erfahrung mit solcherlei Getrieben zu tun, denn eines muss klar sein: es handelt sich nicht um eine Vollautomatik mit Wandlerüberbrückung, sondern um ein sequentielles Getriebe, das gekuppelt wird ? wenn auch elektronisch. Also: wenn ich bei handgeschaltetem Getriebe schalten will, nehme ich vorher den Fuss vom Gas. Tue ich das beim Sensodrive auch, schaltet es butterweich ? die auf Knopfdruck automatischen Schaltvorgänge lassen sich damit sogar bewusst steuern. Die Schaltpaddel am Lenkrad sind recht dicht an den Lenkstockhebeln und erfordern Konzentration beim Zugreifen. Die Schaltdauer ist sehr kurz. Das Getriebe findet sich in ähnlicher Form auch im Smart ? da wir einen solchen im Haushalt haben, ist das Prinzip natürlich bestens bekannt und beliebt ? der Umstieg ist kinderleicht.

Die Höchstgeschwindigkeit von 188km/h hat der Pluriel auch offen mit montierten Dachholmen erreicht ? ohne viel Zugluft bei geschlossenen Scheiben! Überhaupt fällt auf, dass der Pluriel mit montierten ?Stosszähnen? ausserordentlich zugfrei ist. Selbst bei vollständig geöffneten Scheiben ist das Empfinden stets angenehm ? zumindest bis 100 km/h. Das Durchzugsvermögen ist absolut in Ordnung. Drehmoment steht zwar nicht ohne Ende zur Verfügung, doch fahren wir ja ein Cabrio und keine Rennsemmel. Wer mehr will, muss warten.

Ein Thema mit Licht und Schatten ist die Innenausstattung. Sind die Sitze noch ausserordentlich bequem und gross, wird leider dasselbe Armaturenbrett verwendet wie in der C3 Limousine ? sprich: picklige Oberflächen in hellgrau aus Hartplastik. Das wirkt nicht nur minderwertig, es fühlt sich auch so an. Sogar die kompletten Türfüllungen bestehen aus hartem Kunststoff, lediglich ein farblicher Akzent sowie die von einem Surfsegel abgeschauten Türgriffe entschärfen diese Situation ein wenig. Hier hat Citroën noch Handlungsbedarf, denn so wirkt das Ganze schlicht billig. Wie es besser geht, zeigt das modellgepflegt schwarze Armaturenbrett der C3 Limousine, das deutlich hochwertiger aussieht, sich aber immer noch nicht besser anfühlt.

Die Ausstattung ist recht ordentlich, wenn auch teilweise aufpreispflichtig. Vier separate Fensterheber (der 206CC hat nur zwei für alle vier Scheiben), eine (aufpreispflichtige) Klimaautomatik, Regen- und Lichtsensor, Fernbedienung für die Zentralverriegelung und ein in Höhe und Reichweite verstellbares Lenkrad sorgen für Wohlbefinden. Das recht teure CD-Radio kommt mit Bedienungssatelliten und separatem Display ? einen besseren Diebstahlschutz gibt es nicht. Gegen Aufpreis gibt es nur noch eine Metallic-Lackierung und die Alufelgen ? fertig!

Mit allem ausgestattet liegt der C3 Pluriel 1,6 knapp unter EUR 21.000,--, wobei Citroën bundesweit nur 3% Rabatt gewährt. Mehr gibt´s nur über einen EU-Import ? mit sehr ungewisser Lieferzeit.

Fazit: hätte ich Platz für einen Zweit- bzw. Drittwagen, würde ich nicht lange überlegen. Der Pluriel bietet Platz, Kofferraum wie ein Polo und eine Wandlungsfähigkeit wie kein Zweiter. Ich würde ihn jedem anderen Cabrio seiner Preisklasse vorziehen, da ich mit Sicherheit auch mal etwas zu transportieren habe, das weder in ein Beetle Cabrio noch in einen Smart Roadster passt. Vom Streetka will ich gar nicht reden, das ist und bleibt ein Ford.

Also Entenfreunde und Frischluftfanatiker: probiert´s aus! Macht eine Probefahrt und klappt den Pluriel mal selbst auseinander und wieder zusammen ? das hilft bei der Entscheidungsfindung! Viel Spass dabei...

11 Bewertungen