Darkness (DVD) Testbericht

Darkness-dvd-horrorfilm
ab 12,39
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Erfahrungsbericht von Hindenbook

Die Nacht der ratlosen Leichen ...

Pro:

Ausgefeilte Bildsprache ...

Kontra:

... in einem dramaturgisch gescheitertem Film.

Empfehlung:

Nein

I. Inhalt

Viele Jahre hat Mark in den Vereinigten Staaten gelebt. Nun kehrt er mit Familie in sein Heimatland Spanien zurück. Ein altes Haus auf dem Land wurde gekauft, die Karriere wird sich im nicht allzu weit entfernten Barcelona fortsetzen lassen. Dort freut sich Marks Vater Albert Rua, ein erfolgreicher Arzt, über die Nähe seiner Schwiegertochter Maria und der Enkel Regina und Paul.

Regina hat große Schwierigkeiten sich einzuleben und überlegt sogar zurück nach Amerika zu gehen. Vor allem die Sorge um den kleinen Bruder lässt sie jedoch zögern. Paul ist ein stiller, in sich gekehrter Junge, der sich in der neuen Umgebung unwohl fühlt und vor der Dunkelheit fürchtet. Nachts beobachten ihn unsichtbare, aber feindliche Augen, Spielzeug setzt sich wie von Geisterhand in Bewegung.

Der Umzug lenkt die Eltern ab. Maria ist beruflich stark eingespannt und ständig abgehetzt. Mark wird zunehmend wunderlicher und aggressiver. Besorgt beobachten ihn Frau und Tochter: Vor Jahren erkrankte Mark an einem Hirnleiden, das sich auch durch Medikamente nicht zuverlässig in Schach halten lässt. Steht ein Rückfall bevor? Großvater Albert wiegelt zwar ab, aber die Tatsachen sprechen gegen ihn: Mark hat unheimliche Visionen von verängstigten Kindern, die von einer unsichtbaren Macht gejagt werden.

Regina macht das Haus für die Vorfälle verantwortlich. Sie stellt mit ihrem spanischen Freund Carlos Nachforschungen an und macht den Architekten Villalobos ausfindig, der besagtes Haus vor vierzig Jahren erbaute. Seine Auftraggeber hat er nie kennen gelernt, aber herausgefunden, dass er ihnen eigentlich einen Tempel errichten musste, so Villalobos. Schlimmer noch: Später sind sieben Kinder dort spurlos verschwunden, von denen nur eines völlig verstört und sprachlos wieder aufgefunden wurde ...

Die Familie will Reginas Bericht nicht hören. Marc hatte einen schweren Anfall und muss ins Krankenhaus. Als er wiederkehrt, beginnt er seinen Visionen zu erliegen und stellt ein übernatürliches Wissen über das Haus zur Schau. War er etwa schon einmal hier?. Maria ist mit den Nerven am Ende. Paul trägt Wunden im Gesicht. Hat ihn sein Vater im Wahn attackiert? Das streitet Paul ab: Geisterhafte Kinder hätten ihn angegriffen. Beide will Maria nicht hören. Ratlos sucht Regina Hilfe bei ihrem Großvater. Der hat schon auf sie gewartet, denn er weiß sehr genau, was im Haus seines Sohnes vorgeht; schließlich hat er selbst einst das Unheimliche geweckt, das nun darauf lauert, dass die letzte Barriere niedergerissen wird, die es noch zurückhält, über die Welt herzufallen ...

II. Handlung

Der Spuk im alten Haus - ein Dauerbrenner der Phantastik. Kein Wunder: Genau dort, wo wir uns eigentlich heimisch fühlen möchten, nistet das Unheimliche. Da leidet man automatisch mit Mark und seiner geplagten Familie mit!

Theoretisch jedenfalls, denn praktisch hat Regisseur und Co-Drehbuchautor Jaume Balagueró aus dem klassischen Plot kaum etwas machen können. \"Darkness\" ist ein Film der schönen Bilder und atmosphärischen Stimmungen. Diese stehen nur leider für sich, sie fügen sich nie zu einem harmonischen Ganzen. Der Auftakt ist verheißungsvoll, das Ende überraschend, aber dazwischen herrschen Routine und manchmal sogar faule Tricks.

Nicht die relative Ruhe seiner Geschichte kann man Balagueró zum Vorwurf machen. Es ist vielmehr schön, dass er nicht grobschlächtigen Kopf-ab-Horror, sondern ein Mystery- Abenteuer präsentiert. Grusel will sich entwickeln, spielt sich eher in den Augenwinkeln des Betrachters ab. Die daraus entstehenden Irritationen machen einen Großteil der Faszination aus.

Balagueró wählt klug die Dunkelheit, Feind des Menschen seit Urzeiten, als Maske des Übernatürlichen und Bösen aus. Wir ahnen lange nur, dass etwas Seltsames vorgeht, aber wir sehen es nicht richtig. Unsere Vorstellungskraft füllt die Lücken überzeugender als dies jedem Regisseur, Drehbuchautor, Effektzauberer etc. gelingen könnte.

Auf Balagueró trifft das sicherlich zu. Er hält sich nur kurz an den eigenen Katalog phantastischer Tugenden. Offenbar meint er (oder wurde von seinen Geldgebern dahingehend \"überzeugt\") in seiner ersten internationalen Produktion auf Nummer Sicher gehen zu müssen. Subtilität ist in Hollywood seit jeher ein Fremdwort. Also reihen sich in diesem auch im US-Geld beförderten Film bald wie in jedem x-beliebigen US-Grusler die Überwältigungs-Schocks. Dauernd geht im entscheidenden Moment das Licht aus, dröhnende Musik setzt ein, wenn man sich \"erschrecken\" soll. Dabei müsste doch jedes Kind (und jeder Produzent) beim Betrachten merken, dass gerade zu Szenen am erschreckendsten ausfallen, in denen wir im Halbdunklen gerade noch die stillen Silhouetten lange toter Kinder sehen.

Im Mittelteil holpert die Handlung und wirft dabei die Logik aus dem Sattel. Die zunehmende Entfremdung der Familienmitglieder verläuft zu sprunghaft und wirkt daher nicht überzeugend. Noch immer bemüht sich Balagueró um Atmosphäre, die jedoch sogleich im horrorfilmbewährten Ablauf der Ereignisse verpufft. Auch sonst verläuft die Handlung in durchsichtigen Bahnen. Dass Opa der Schurke im Hintergrund ist, ahnt selbst der dümmste Zuschauer schon viel zu früh. Villalobos zahlt für sein Schwätzchen mit Regina und Carlos genretypisch mit dem Leben; eigenartig, dass das Böse ihn nicht schon vor Jahren vorsichtshalber zum Schweigen gebracht hat, aber sein Auftritt füllt immerhin einige pseudo-spannende Filmminuten ...

Eine Überraschung bietet das Finale. Hier ist Balagueró der \"europäischen\" Tradition des \"Filmemachens\" treu geblieben. Das hollywoodüblich dramatische, mit Schusswaffen & Spezialeffekten untermalte Happy-End - Vati tritt dem Monster in den Arsch und rettet die Familie sowie die ganze Welt - bleibt aus. Statt dessen wird es düster - und endlich, endlich glaubt man die Geschichte, die uns bis dahin nicht erzählt, sondern weisgemacht wurde. Zwar ist es zu spät, den Eindruck der vorangegangenen neunzig Minuten zu tilgen, aber dieses Ende versöhnt immerhin mit dem gut gemeinten, doch letztlich gescheiterten Projekt \"Darkness\".

III. Schauspieler

Die Familie, Keimzelle des menschlichen Seins (urteilen wir an dieser Stelle einfach kurz & konservativ), in der Not: auch dies ein uralter Ausgangspunkt für spannende Geschichten. Eingespielte Rollen müssen aufgebrochen werden. Wie werden die Beteiligten sich entwickeln? Wachsen sie über sich selbst hinaus? Arbeiten sie zusammen? Oder reißen sie einander erst richtig ins Verderben?

Das ist Stoff, aus dem etwas machen lässt, zumal von und mit Schauspielern wie Anna Paquin, Lena Olin, Iain Glen und vor allem Giancarlo Giannini. Doch das Drehbuch lässt sie schnöde im Stich. Besonders Olin muss die dumme Glucke mimen, die nie kapiert, was um sie herum vorgeht und im entscheidenden Moment garantiert das Falsche tut. Iain Glen wirkt als Mark schon vor dem Sturz in den Irrsinn ziemlich kalt und unsympathisch (und ganz sicher nicht spanisch).

Giannini, ein Vollblutschauspieler mit einer quantitativ u n d qualitativ eindrucksvollen Filmografie, brauchte wohl gerade ein bisschen Taschengeld, als er sich für \"Darkness\" verpflichten ließ. Er leistet seinen Film-Frondienst mit der Zuverlässigkeit des echten Profis und Veteranen, den schon längst nichts mehr erschüttern kann. Die \"Erklärungen\" für die von seinem alter ego begangenen Untaten bringt er so ernsthaft vor, dass sie beinahe einen Sinn bekommen.

Die anderen Darsteller nennen wir wohlwollend \"unauffällig\" ...

IV. Fazit

\"Darkness\" ist ein Film der verschenkten Möglichkeiten. Er wartet mit eindrucksvollen Bildern auf, die er nie in eine adäquate Handlung zu gießen weiß. Ein in der Inszenierung sicherer Regisseur schafft es nicht, die Ideenarmut des Drehbuchs auszugleichen. Auch die Schauspieler werden trostlos im Stich gelassen; ihr Spiel lässt die allgemeine Ratlosigkeit erkennen. Das nicht wirklich originelle, aber unerwartete und kompromisslose Ende versöhnt ein bisschen, kann aber Ärger und Langeweile über die vergeudeten anderthalb Stunden davor kaum lindern.

IV. Filmdaten

Originaltitel: Darkness (USA/Spanien 2002)
Regie: Jaume Balagueró
Darsteller: Anna Paquin (Regina), Lena Olin (Maria), Iain Glen (Mark), Giancarlo Giannini (Albert Rua), Fele Martínez (Carlos), Fermí Reixach (Villalobos), Stephan Enquist (Paul) u. a.
Drehbuch: Jaume Balagueró, Fernando de Felipe
Kamera: Syvi Ciménez
Schnitt: Luis de la Madrid
Musik: Carlos Cases
Länge: 98 Minuten
FSK: 16
DVD-Verleihstart:
19.03.2004
DVD-Verkaufsstart:
29.03.2004

V. Features der DVD :

In diesem Punkt gibt es keinen Grund zur Klage. Schwächen im Bild würden bei einem Film wie \"Darkness\" zum Desaster führen. Doch was wir sehen - bzw. eben nicht - ist vor- bild-lich und erfreut durch Schärfe, Kontraststärke, Detailreichtum und kräftige Farben. Die deutsche Tonspur erreicht das Ohr im Format Dolby Digital 5.1. (Diese Qualität kann der englische Sound übrigens nicht erreichen.).

Das Bonusmenü ist zumindest in der Leihversion der \"Darkness\"-DVD nicht der Rede Wert. Noch interessant sind kurze Interviews mit den Darstellern und dem Regisseur, wobei wiederum die \"Europäer\" wenigstens partiell vom \"Das-waren-die-besten- Dreharbeiten-meines-Lebens-\"Phrasendreschen der US-Kollegen abweichen. Ansonsten gibt\'s eine mit Musik unterlegte Schnipselschau von den Dreharbeiten, die dreist als \"Making of\" bezeichnet wird, aber höchstens ein unmotivierter Blick hinter einige Kulissen und mit kaum sechseinhalb Minuten Länge sehr knapp ausgefallen ist.


(Copyright 13.04.2004/Dr. Michael Drewniok)

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