Ehrenamt allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von Allgäuer

Jeder will die Ehre - keiner will das Amt - Neue Köpfe braucht das Land

Pro:

Gibt echt was

Kontra:

stirbt leider aus

Empfehlung:

Ja

Zufällig bin ich auf diese Kathegorie. So wurde ich motiviert selbst etwas zusammenzuschreiben, weil ja Wochenende ist und weil wieder einmal ein paar Zeilen fällig sind.

Leider ist in unserer modernen Gesellschaft ein immer stärkeres Streben nach persönlichen Vorteilen für jedes Handeln erkennbar. Das Eherenamt, noch vor etwa 15 Jahren von vielen aktiven Menschen angestebt, hat einen derben Imageverlust erlitten und ist kaum mehr an den Mann zu bringen. Ich suche nach nun mittlerweile18 Jahren interessanter und nicht zu aufwendiger Vorstandstätigkeit einen Nachfolger – Fehlanzeige. Man merkt dieses ‚Verhalten auch in Sportvereinen, bei sozialen Einrichtungen, in Betriebsräten und überall wo persönliches Engagement notwendig ist um Einrichtungen, Vereine oder Initiativen zu betreiben und am Leben zu erhalten.

Ich war von Jugend an in allen möglichen Institutionen an verantwortlicher Stelle aktiv. Nur um einmal den Querschnitt darzulegen einige Beispiele:
Jugendleiter in der evangelischen Jugendarbeit (als Katholik)
Übungsleiter und Vorstandsmitglied in verschiedenen Sportvereinen
Kreisvorsitz und Bezirksvorsitz der KOMBA-Gewerkschaft Bayern
Personalratsmitglied und Personalratsvorsitzender
Elternbeirat und Elternklassensprecher
Mitarbeit bei verschiedensten Anlässen wie Wahlen, caritativen und öffentlichen Veranstaltungen.

Der Leser, und natürlich auch die Leserin, erkennt also hoffentlich, dass ich schon selbst erlebt habe wovon ich berichte. Diese Aktivitäten haben mir alle sehr viel Vergnügen bereitet, sie haben meinen Horizont erweitert und mir die Gelegenheit gegeben hinter die Kulissen zu schauen, mitzugestalten statt nur zu motzen und Unzufriedenheit zu verbreiten. Über Jahre hinweg hatte ich auch immer ausreichend Vorreiter und/oder Mitstreiter, die bereit waren sich für eine Sache zu engagieren (und zu arbeiten). Der Dank war meistens mager und die Anerkennung gering, trotzdem hat es Spass gemacht etwas auf die Beine zu stellen und hinterher mit den anderen Aktiven ein Fest zu feiern oder auch nur etwas zusammenzusitzen und darüber zu diskutieren wie wir es das nächste Mal besser machen können. Meistens gab es aber auch einige Menschen denen unsere Arbeit wirklich etwas bedeutet hat und deren dankbare Augen Lohn genug für uns waren (Siehe Bericht über das Gespannfahren).

In der jüngsten Vergangenheit mußte ich nun feststellen, dass immer mehr von der alten Truppe nicht mehr dabei sind. Dass ist natürlich verständlich, dass altersbedingt oder nach vielen Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit einmal Schluß sein muß. Während aber früher in ausreichender Anzahl junge Nachwuchskräfte vorhanden waren ist nun ein nicht zu übersehendes Vakuum hinter uns. Immer seltener sind Nachfolger für freiwerdende Funkionärsposten in Vereinen und Gewerkschaften zu finden. Oft gibt es sogar Schwierigkeiten eine Personalvertretung in Betrieben aufzustellen. Mitgliedschaft in Gewerkschaften oder politischen Parteien wird immer weniger geschätzt. Auch Vereine haben oft Nachwuchssorgen, weil kommerzielle Anbieter als Konkurrenten auftreten. Ich stelle immer mehr fest dass viele Menschen anscheinend Angst haben sich „zu binden“.

Ist es der Erwartungsdruck der Vereinkameraden, ist es die Regelmäßigkeit, oder ist es einfach die Bequemlichkeit, die immer mehr Menschen dazu veranlasst irgendwo eine diestleistung in anspruch ztu nehmen, die genau wie in einem Verein erbracht wird, die aber genau dokumentiert und in Rechnung gestellt wird. Damit ist man mit der Überweisung seine Verpflichtungen – auch die moralischen – los und braucht nicht kameradschaftlich zu sein und beim Bau des Vereinsheimes mitzuhelfen. Dazu kommt, dass ich ja nur das bezahle was ich in Anspruch nehme, während im Verein Monatsbeiträge erhobej werden ob ich da hingehe oder nicht. Vielleicht wird MEIN Geld auch noch dafür verwendet etwas zu beschaffen was ICH gar nicht benötige und damit handelt der Verein gegen meine Interessen. So ähnlich habe ich Vereinsarbeit leider auch schon erleben müssen.

Ich bin der Auffassung dass unsere Gesellschaft damit einen Irrweg beschritten hat. Die soziale Bedeutung der vielen Vereine, insbesondere derer, die Jugendarbeit betreiben, ist nicht beschreib- und bezifferbar. Dadurch bringen wir die Kinder und Jugendlichen von der Strasse, geben ihnen Ziele und Werte, halten sie vom herumlungern ab, bieten die Geborgenheit und die Zusammegehörigkeit eines Vereins, einer Mannschaft, eines Teams. Wir vermitteln Sozialverhalten, Teamfähigkeit, Verantwortungsbewußtsein und andere gesellschaftliche Werte auf eine Art und Weise, die von staatlichen Institutionen weder in dieser Qualität noch in diesem Umfang leistbar und durch die öffentlichen Haushalte schon gar nicht bezahlbar sind und die den Kindern von Eltern nur mit sehr viel Aufwand und Engagement beigebracht werden können........

Es stellt sich die Frage warum wir für diese wichtigen Aufgaben keine freiwilligen Helfer mehr finden können. Warum werden wir immer mehr ein Volk von Indvidualisten, von Egoisten und von Einzelgängern obwohl auf der anderen Seite am liebsten alle gleich sein wollen. Alle wollen Nike, Adidas oder Diesel und sonst irgendwelchen Marken. Wer nicht in ist, der ist out aber schon sowas von out, dass er in der Clique nichts mehr zu suchen hat. Das Image entsteht nicht mehr aufgrund von persönlichen Fähigkeiten sondern durch Outfit und solche Oberfächlichkeiten die dem Ansehen eigentlich eher abträglich sein sollten.

Unsere Gesellschaft ist anscheinend nicht mehr in der Lage allgemeingültige Werte zu definieren und zu vermitteln. Wir sind viel zu viel damit zu beschäftigt darüber nachzudenken, was andere von uns halten wenn wir uns so oder anderst verhalten. Nur wenige Jugendliche können diesem Gruppenzwang widerstehen und durch eigene Persönlichkeit aus der vorgegebenen Wertefalle ausbrechen um den eigenen Weg auch ohne die Anerkennung vermeintlicher Feunde zu finden.

Ich denke es ist auch deswegen so schwierig geworden ehrenamtliche Helfer zu finden, weil unsere Eventgesellschaft so wahnsinnig viel anbietet und dadurch die jüngeren Generationen es nicht mehr gewohnt sinc selbst etwas in die Hand zu nehmen. Ich höre oft die Bemerkung „Da ist ja nichts los“. Früher war fast nirgends was los und deswegen mußten wir selbst etwas los machen. Diese Fähigkeit wird den Jungen weitgehend aberzogen. Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass etwas organisiert wird, sonder man will entertaint werden. Viele sind nur noch Informationsempfänger und haben das Senden schon lange eingestellt.

Wie können wir aus der Krise kommen? Natürlich habe ich kein Patentrezept an der Hand, aber ich glaube wir müssen unseren Kinder die Kreativität durch weniger fernsehen, durch weniger Game-Boy und durch weniger Computerspiele wiedergeben. Um nicht falsch verstanden zu werden. Ich will das nicht alles abschaffen und ich will auch nicht wieder zurück ins Mittelalter. Ich glaube aber, dass wir unseren Kindern die Chance nehmen ihre Phantasie zu entwickeln wenn wir sie schon von klein an mit Information bombardieren wie einen Großrechner.

Das ist die eine Seite und ich denke es gibt noch ein paar andere, die ich hier gar nicht alle beleuchten kann. Ich muß aber noch auf das Image, das ansehen in unserer Gesellschaft eingehen. Das Ehrenamt war früher wirklich mit der Ehre verbunden eine Aufgabe in einem Gemeinwesen übernehmen zu dürfen. Heutzutage gibt es oft einen kleinen Haufen Aufrechter, die versuchen den Verein oder die Organisation satzungsgemäß erfolgreich umzutrreiben und daneben existieren viele Kritiker, die als eigen Beiträge nur Miesmacherei und Besserwisserei von sich geben und die Stimmung auf einem niedrigen Niveau halten, sobald einmal etwas nut 80% statt 100% gelaufen ist. Und damit fehlt dem EHREN-Amt plötzlich etwas Wesentliches, nämlich die EHRE und übrig bleibt das Amt. Das allein will natürlich keiner haben, während die Miesmacher sich oft genug dann die Ehre teilen jemanden schlecht gemacht zu haben.
Ich denke es gibt noch viele Aspekte, die ich mir jedoch für ein eventuelles Update aufhebe. Ich hoffe ich konnte mit diesen Zeilen ein wenig zum Nachdenken und zu Kommentaren provozieren. Ich freue mich über jede Zuschrift auch wenn der Absender eine völlig andere Meinung hat.

Fazit:

Meine Ehrenämter haben mir alle ietwas gebracht. Es war nicht immer nur Freude aber immer interessant und hinterher war ich stolz etwas geschafft zu haben, was mich ohne Ehrenamt nie berührt hätte. Ich finde wir müssen alles Mögliche dafür tun, dass Ehrenämter wieder attraktiv werden.

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