Elisabeth (Musical) Testbericht

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Erfahrungsbericht von ikaros

Nicht umsonst "Musical des Jahres"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Elisabeth, das Musical um die berühmte österreichische Kaiserin Sissi, ist ein Juwel, das die kulturelle Szene Deutschlands mitprägen und verzieren dürfte, denn dieses mitten im „Pott“ inszenierte und in einer alten Werkhalle gastierende Spitzenwerk der Musicalszene ist einfach umwerfend und auf keinen Fall zu Unrecht auch „Bestes Musical 2001“ geworden! Dabei wird – glücklicher- wie auch angenehmerweise – auf den vergleichsweise großen Kitsch-Anteil in der Sissi-Trilogie der TV-Serie verzichtet, vielmehr auf Showeffekte und Schauspielerkönnen gesetzt. Und daß das aufgeht, kann jeder Besucher schon nach wenigen Minuten erleben bzw. bestätigen.

Der Inhalt des Musicals ist, wie schon erwähnt, das (tragische) Leben der jungen Elisabeth, die auf einer Reise, auf der ihre Schwester mit Franz Josef, Kaiser von Österreich, vermählt werden soll, von diesem anstelle ihrer Schwester ausgewählt wird. Sehr zum Ärger ihrer zukünftigen Schwiegermutter Sophie, der Mutter des Kaisers und forthin strenge Ziehmeisterin und spätere Feindin der jungen Kaiserin. Doch diese wird nicht nur von Franz Josef umworben, sondern vielmehr auch von einer dunklen Macht jenseits aller Vorstellungskraft: dem Tod.

Seine dunkle Majestät, dessen Auftrag „die Vernichtung“ ist, erlebt erstmals das, was „(...) die Menschen Lieben nennen!“ Fortan versucht er, nachdem Elisabeth sich gegen „(...) den Dunklen Prinzen (...)“ entschieden hat, ihr das Leben mit Franz Josef zu vergällen, wobei er beständige Triumphe verbuchen kann. Nicht nur, daß Sophie mit eiserner Hand über das Kaiserpaar herrscht, auch ihre Kinder werden Sissi weggenommen und der Erziehung des Dynastieoberhauptes übergeben – ohne Widerspruch oder Einsehen von Franz Josef.

In einer einsamen Stunde, als der Tod erneut um sie wirbt, entscheidet sich Elisabeth erneut gegen ihn und setzt auf ihre Schönheit, um selbst diesem unmenschlichen Gegner zu trotzen, obgleich dies, bedingt durch die dafür erforderlichen Maßnahmen, bis hin zu einem Volksaufstand führt. Im Spiel der politischen Intrige, angefacht durch ihre Schwiegermutter, wird Franz Josef mit einer infizierten Konkubine zusammengeführt, wodurch ihrerseits Sissi „(...) eine französische Krankheit (...)“ bekommt, die zum einen fortan ihren Haß auf Franz Josef begründet, zum anderen sie aber für 18 lange Jahre vom Kaiserhof vertreibt.

Unterdessen beginnt Rudolph, Sohn des Kaiserpaares, zunehmend unter den Härten seiner Jugend zu leiden und – schlimmer – in ähnlicher Weise wie seine Mutter für das rebellierende Ungarn Sympathie zu empfinden, die sich schließlich bis hin zur einer im geheimen gestrickten Revolte gegen seinen eigenen Vater entwickelt, nach deren Aufdeckung er, um der daraus resultierenden Schande zu entgehen, Selbstmord begeht – freilich nicht, ohne vom Tod stets auf die dahin führenden Wege geleitet worden zu sein.

Am Ende treffen sich Franz Josef sowie die ebenfalls gealterte Sissi, doch die Aussprache führt nicht zu einem Happyend, vielmehr reist Sissi weiterhin alleine und ständig unruhig, bis sie schließlich in Ägypten von einem Attentäter endgültig in die Arme des Todes getrieben wird, der mit ihr den lange ersehnten „(...) letzten Tanz (...)“ vollzieht.

Soweit der Inhalt, der schon alleine durch das Hinzutreten des Todes so ganz von der klassischen „Sissi-Saga“ abweicht. Doch das dies nicht schadet, wird spätestens nach den ersten Szenen klar, denn die Ausdrucksstärke, die in dem ständigen Widerstreben gegen den Werbenden jenseits von Raum und Zeit Sissi quält und zugleich in ihrem Bestreben, diesem durch die Kraft ihrer Schönheit zu begegnen, in immer realitätsfernere und hochmütigere Sphären treibt, ist einfach fesselnd.

Denn nicht nur die zahlreichen Licht- und Bühneneffekte, die im Einklang mit dem Meer an Kulissen, das ständig über die Bühne gleichsam gegen die Zuschauer brandet, beeindrucken auch noch auf den hintersten Plätzen, auch die Ausdrucksstärke des erstmals blonden Todes oder der überirdisch schönen Sissi sind tragende Säulen der fesselnden und Schauer erzeugenden Atmosphäre, in der die Zeit gegenstandslos wird und die Pause zu einer quälenden Durststrecke verwandelt, auf deren Ende man noch während des Aufdämmerns der Saalbeleuchtung wartet.

Die Schauspieler, eingekleidet in zeitgenössische Prunkgewänder und Uniformen, bieten dabei nicht nur koreographische Meisterleistungen an, bei denen die höfischen Zeremonielle gleichsam klassisch und dennoch modern nachempfunden werden, sondern bestechen vor allem auch durch die Tiefe ihrer gesanglichen Betätigung, bei der insbesondere Uwe Kröger als „der Tod“ glänzen kann, da im mehrmaligen Duett mit Sissi, gespielt von Maike Boerdam, ein unglaubliches Klangvolumen entsteht.

Das Musical gehört nach meinen eigenen Erfahrungen, die sich mittlerweile unter anderem auf Erlebnisse wie Starlight Express, Jekyll & Hyde, Tanz der Vampire, Die Schöne und das Biest sowie Cats und Phantom der Oper stützen, zu den absoluten Highlights dieses Unterhaltungsbereichs, das auch auf jeden Fall die – wie bei allen Musical nicht unbedingt kinogünstigen – Eintrittspreise rechtfertigt. Hier schon vorab die Empfehlung, das Erlebnis nicht durch das (falsche) Sparen an der Eintrittskarte zu trüben, denn auch die Nähe zur Bühne und damit zu den Schauspielern trägt zu einem nachhaltigen Eindruck bei, der zwar hier sicherlich auch auf den „billigeren Plätzen“ ankommt, jedoch dann eben nicht in voller Größe zur Entfaltung gelangt. Die Eintrittspreise sind – wie weiterführende Informationen auch – unter www.elisabeth-das-musical.de abrufbar, ich verzichte hier auch eine (langweilende) Auflistung derselben.

Ich kann jedem, der für Musicals etwas übrig hat und nicht unbedingt ausschließlich nur nach „Touristenmusicals“ wie Ludwig II. giert, nur empfehlen, das Musical Elisabeth in die erste Wahl der nächsten Ausflugsziele aufzunehmen, da es, ähnlich wie Tanz der Vampire, aktionsgeladenes Schauspiel mit tragischer Dramatik verbindet und das ganze zusätzlich mit eindrucksvollen Effekten und mitreißender Musik untermalt. Wem hier keine Schauer der Ergreifung überlaufen, ist entweder ein völliger Eisklotz oder aber innerlich auf dieser Ebene tot!

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