Das Zweite Gedächtnis (gebundene Ausgabe) / Ken Follett Testbericht

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Erfahrungsbericht von Prisca

??? Wer bin ich ???

Pro:

echt spannend geschrieben ...

Kontra:

... wenn auch manchmal ein wenig unrealistisch

Empfehlung:

Ja

Heute soll mal wieder ein Bericht über ein Buch folgen:

DAS ZWEITE GEDÄCHTNIS von KEN FOLLETT

Mit Ken Follett ist das so eine Sache - er schreibt historische Bücher - aber auch moderne Thriller. Obwohl ich historische Bücher eigentlich sehr gern lese haben mir die von Follett nie wirklich gefallen. So war ich auch mehr als skeptisch, als ich letztes Jahr auf meinem Geburtstagstisch ein dickes Buch von Ken Follett fand.

\"Das zweite Gedächtnis\" - sagte mir überhaupt nichts. Das es sich aber nicht wirklich um ein historisches Buch zu handeln schien, verriet mir schon der Schutzumschlag. In dunkelblau ist er gehalten - ein zerrisenes Foto ist ist sehen und ein (ebenfalls zerrissener) Zettel mit dem Buchtitel - darunter ein für mich undefinierbarer Kreis mit \"Blubberblasen\" und einen rotem, zur Seite geneigten V. Dann wand ich mich der Rückseite zu und konnte dort erfahren, worum es in diesem Buch geht.

Ein Mann erwacht in einer Bahnhofstoilette, heruntergekommen, mit Kopfschmerzen ... und ... er kann sich nicht an seinen Namen erinnern! Eigentlich erinnert er sich an garnichts mehr! Seine ganze vergangenheit ist wie ausgelöscht.

Da ist er zunächst dankbar, als sich der Penner Pete seiner annimmt, ihm erzählt, das er sich Luke nennt und in der letzten durchzechten Nacht wohl ein wenig über die Stränge geschlagen hat ...

Luke scheint ein Penner - aber sein Verstand ist hellwach und hinterfragt diesen Zustand, der ihn mehr als nur erschreckt. Wer ist er wirklich? Denn da gibt es einiges an Ungereimtheiten, wie er schnell herausfindet. Er scheint durchaus dazu in der Lage, sich in gefährlichen Situationen zu verteidigen - auch mit Gewalt, wenn es sein muss. Trotzdem scheint er andererseits nicht wirklich gewalttätig zu sein. Er weiß, wie man andere Menschen überlistet - versteht es, sich geschickt einen Koffer voll Kleidung zu \"organisieren\", um wieder zu einem echten Menschen zu werden (denn als Penner stößt er überall nur auf Verachtung - ein Zustand, den Luke unbedingt beenden will, weil ihm scheint, das dies nicht sein wahres Leben gewesen sein kann).

Er versteht es sogar, Autos zu knacken und kurzzuschließen ... und schließlich muss er feststellen, das er bei all seinen Bemühungen herauszufinden, wer er wirklich ist, keine wirkliche Unterstützung findet. Im Gegenteil - Leute, die ihm scheinbar nur helfen wollen stellen sich als seine \"Gegener\" heraus, die offenbar um jeden Preis verhindern wollen, das er sein Gedächtnis zurückfindet ...

Was geht hier bloss vor? Wenn ihr das wissen wollt, tcha, dann müsst ihr das Buch eben lesen, denn mehr werde ich euch hier nicht verraten. Aber ich werde euch schon noch erzählen, wie das Buch denn nun auf mich gewirkt hat.

Zunächst einmal habe ich es nach dem lesen der kurzen Inhaltsangabe auf der Rückseite in mein Bücherregal gestellt - und vergessen. Es hat mich einfach nicht angesprochen. Letzte Woche aber - ich hatte frei und draußen war mal wieder ein absolutes \"Mistwetter\" überkam mich die Langeweile, denn mein Lesestoff war mir ausgegangen. Da erinnerte ich mich an dieses Buch und begann zu schmökern.

Und es hat mich vom ersten Satz an gefangen genommen! Erstaunlich, aber wahr! Ich, die ich sonst für solche Spionagegeschichten (upps - habe ich jetzt zu viel verraten?!) überhaupt nichts übrig habe, war von dem Stil Folletts so gefesselt, das ich das Buch in drei Tagen verschlungen habe.

Besonders gefallen hat mir die Art, wie Follett an diese Geschichte herangeht. Er springt von der Gegenwart (die mit dem Erwachen Lukes in der Bahnhoftoilette beginnt) zurück in die Vergangenheit Lukes (eine Vergangenheit, die sich dem Leser jetzt erschließt, die Luke aber nicht mehr kennt!) und schließlich wieder in die Gegenwart, aber nicht aus Lukes Warte, sondern aus der Warte seiner \"Gegner\" geschrieben - immer hin und her und das in recht schnellem Wechsel. Zuerst kann das schon ein bißchen verwirrend sein - aber man liest sich doch sehr schnell ein und kann dann die einzelnen Handlungszüge gut auseinanderhalten.

Interessant fand ich auch, das mir als Leser eigentlich nie gesagt wird: Luke ist der \"Gute\" - oder Luke ist der \"Böse\" ... möglich ist beides - und trotzdem kann ich als Leser nicht umhin, Sympathie für Luke zu entwickeln und eine Wut aufzubauen gegenüber seinen Gegnern (die ja durchaus auch das \"Gute\" verkörpern könnten). Follett spielt da recht geschickt mit seinen Lesern und baut eine zusätzliche Spannung auf weil ich mich die ganze Zeit gefragt habe: Was machst du, wenn jetzt die Bombe platzt - wenn Luke wirklich der \"Böse\" ist und seine Gegner im Recht sind ...

Die Handlung an sich ist aber auch sehr spannend aufgebaut - man kann nicht anders als mit Luke mitfiebern, wann und wie er nun sein Gedächtnis wiederfinden wird (DAS er es wiederfindet ist für den Leser eigentlich nie die Frage! Das ist irgendwie von vornherein klar!) - und vor allem, WAS sich dann herausstellen wird!

Geschickt eingebaut hat Follett auch eine kleine Liebesgeschichte ( na ja, das gehört doch einfach in jeden guten Agententhriller - schon seit James Bond, oder?! **gg**) - die ist zwar ein wenig unrealistisch und sehr vorhersehbar - da Follett sie aber nicht zu sehr auswalzt, ist das schon OK.

Ich möchte hier noch ein paar Worte über das Buch selbst verlieren:
Es gibt immer noch die gebundene Ausgabe als auch das Taschenbuch zu kaufen (beide haben das von mir beschriebene Cover). Die gebundene Ausgabe kostet 23,-- Euro, das TB 9,90 Euro. Für die Lesefaulen gibt es auch eine CD-Version von dem Buch - na ja, wer´s mag (mir selbst sagen diese meist gekürzten Hörbücher nicht sonderlich zu). Wer ist günstiger mag, versucht es einfach mal bei Ebay - da gehen Follett Bücher oft für \"nen Appel und nen Ei\" weg.

Das Buch hat 470 spannende Seiten, die sich wirklich flott weglesen lassen. Einerseits, weil die Spannung im Buch doch recht groß ist - andererseits aber auch, weil Follett sich eines einfachen, gut verständlichen Stils bedient. Obwohl diese Art Thriller ja meist von Männern gelesen werden würde ich das Buch trotzdem auch Frauen empfehlen, die gern mal ein echt spannendes Buch lesen wollen. Es ist ein Spionageroman, ohne Frage - aber es ist ein \"softer Spionageroman\" ...

Wer sich für weitere Bücher von Ken Follett interessiert, hier mal eine kleine Auswahl:
Der dritte Zwilling ( das ich euch auch sehr empfehlen kann, es ist im ähnlichen Stil geschrieben wie \"Das zweite Gedächtnis\"
Der Schlüssel zu Rebekka
Der Mann aus Sankt Petersburg
Die Säulen der Erde
Die Pfeiler der Macht
Die Leopardin

Mein Fazit:
Follett ist nicht gleich Follett - er schreibt so verschiedenartige Bücher - und wenn einem eines nicht so gefällt sollte man es trotzdem nochmal mit einem zweiten probieren. Mich jedenfalls hat \"Das zweite Gedächtnis\" sehr angenehm überrascht!

@ Prisca - Januar 2004 - ich schreibe für Ciao und Yopi und gelegentlich auch für Dooyoo

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