Freiwilliges Soziales Jahr Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
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Erfahrungsbericht von seehuhn
Schwester ich hab schon 10-mal in meine Windel gemacht
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
1. Eigene Erfahrungen
2. Informationen
Hallo liebe Leser,
heute möchte ich einen Bericht über mein Freiwilliges Soziales Jahr schreiben. Es ist nun schon knapp drei Jahre her, ist mir aber immer noch in guter Erinnerung geblieben.
Da ich damals eigentlich Krankenschwester werden wollte, ich dazu aber ein Praktikum vorweisen musste, beschloss ich mich beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in München um eine Stelle zu bewerben.
Zuerst musste ich nach Kempten um mich dort vorzustellen. Das war eine Zweigstelle des Wohlfahrtsverbandes. Nachdem ich von dort das OK hatte musste ich noch eine geeignete Arbeitsstelle finden.
Ich bewarb mich beim Kreiskrankenhaus in Günzburg, welches mich dann auch einstellte.
Das freiwillige Soziale Jahr fing am 01.09. an. Doch bevor wir auf die Menschheit losgelassen wurden, mussten alle Teilnehmer zu einem Seminar nach Oberstdorf.
In diesem Seminar wurden wir auf die Arbeit im Krankenhaus vorbereitet. Wir lernten das Blutdruck- und Pulsmessen und auch die Körperpflege. Na, ja in Sachen Körperpflege lernten wir eigentlich nur, jemanden die Zähne zu putzen. Das brauchte ich allerdings nicht, denn die meisten Patienten putzen ihre Zähne selber oder hatten bereits eine Prothese.
Nach dem Seminar wurden wir also auf die armen Patienten losgelassen, die gar nicht wussten wie ihnen geschah. Mein erstes halbes Jahr verbrachte ich auf einer Station für Innere Medizin. Gleich am ersten Tag stellte ich fest, dass es manchmal ziemlich viel Überwindung braucht. Ich „durfte“ zu einem Patienten, der mit Teerstuhl (stinkt wirklich bestialisch) auf seinem Toilettenwagen saß. Im ersten Moment dachte ich, ich muss mich übergeben, doch ich hab mich zusammenreißen können.
Wenn man dieses Praktikum macht, muss man sich im Klaren sein, dass man gerade anfangs nur Drecksarbeiten macht. Windeln wechseln ist da schon Alltag. Wobei ich aber sagen muss, dass es mit der Zeit gar nicht mehr so schlimm ist.
Während meines Praktikums in der Inneren Medizin habe ich wirklich nur das nötigste gelernt. Man hat sich nicht sehr viel Zeit für mich genommen.
Mein anderes halbes Jahr verbrachte ich auf der Chirurgie. Anfangs hatte ich recht Panik, da ich Angst vor den vielen offenen Wunden hatte. Doch die Arbeit auf dieser Station war wesentlich interessanter. Auch nahm man sich hier viel mehr Zeit für mich. Ich durfte am Schluss sogar Insulin- und Thrombosespritzen setzen.
Vielleicht noch etwas zu den Seminaren. Insgesamt waren es 5 Seminare. Das Einführungsseminar, 3 normale Seminare und eine Abschlussfahrt.
Das Einführungsseminar war, wie gesagt, in Oberstdorf, ziemlich öde dort. Die anderen Seminare waren in Lindau, da war es wirklich toll. Die Seminarinhalte waren sehr interessant. Es wurde über den Tod diskutiert, über AIDS und weitere Themen die in der heutigen Zeit eine Rolle spielen.
Die Abschlussfahrt verbrachten wir in Berlin. Dazu kann man sagen, dass es wirklich toll war. Wir hatten fast die ganze Zeit für uns. Die Kosten der Reise waren mit 100 DM (ca. 50 €) wirklich super. Den Rest der Reise bezahlte der Paritätische Wohlfahrtsverband.
Wir hatten im Laufe des Jahres vier Seminare. Da waren wir dann aber in Lindau untergebracht. In den anderen Seminaren geht es dann viel um Menschenkenntnisse, Umgang mit dem Tod, und viele weitere interessante Themen.
Das FSJ war wirklich etwas, dass mich sehr geprägt hat. Ich habe nie bereut, dass ich es gemacht habe, auch wenn ich heute keine Krankenschwester bin.
Man lernt viel über Menschen und merkt, dass es einem selbst gar nicht so schlecht geht.
Ich habe in dieser Zeit eine Patientin kennen gelernt die mich wirklich fasziniert hat. Ich muss heute noch viel an sie denken. Diese Frau hatte Zucker und hatte auch nur noch ein Bein. Das andere hatte sie aufgrund des Zuckers verloren.
Sie kam zu uns auf Station und war die fröhlichste Frau. Sie war bei uns, da ihr anderes Bein auch amputiert werden musste.
Nach der Operation war sie noch etwas benommen, war aber schnell wieder auf dem Weg der Besserung. Als sie eines Tages allerdings am Fenster beim Essen saß, hatte sie einen Herzinfarkt und nichts war mehr wie früher. Sie war von nun an Pflegefall und konnte kaum noch sprechen. Es war für mich sehr schlimm, das mit an zu sehen.
Man sollte den Beruf auf keinen Fall machen, wenn man zu sehr beseitet ist. Man kann nichts dagegen tun, aber man baut ein gewisses Verhältnis zu den Patienten auf. Umso schlimmer ist es dann, wenn sie plötzlich versterben.
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Und jetzt kommen noch ein paar Infos für euch:
=== Einsatzstellen ===
Gearbeitet werden kann in sozialen Einrichtungen. Also in Altenheimen, Behindertenheimen, Kindergärten, Krankenhäusern, Sozialstationen und Werkstätten von psychisch Kranken.
=== In welchem Alter ===
Das FSJ kann eigentlich fast jeder machen der zwischen 17 und 27 Jahre alt ist. Man sollte natürlich einigermaßen fit sein.
=== Bezahlung ===
Es gibt ein Taschengeld. Bei mir waren es ca. 650 DM (ca. 330 €) im Monat. Zusätzlich wurden die Seminare, die Fahrten zu den Seminaren und die Abschlussfahrt bezahlt.
=== Aufgaben ====
Hier werde ich euch nun sagen, was ich alles machen durfte und machen musste.
- Patienten waschen (beim Waschen helfen, duschen oder Ganzkörperwäsche bei Pflegefällen)
- Betten überziehen
- Tropfen herrichten (Medikamente werden von den Schwestern hergerichtet)
- Essen ausgeben und bei Pflegepatienten eingeben
- Vitalwerte messen (Blutdruck, Puls, Temperatur und Blutzucker)
- Berichte über den Patienten in Patientenakte eintragen
- Patientengespräche
- Neuaufnahmen
- Wenn ein Patient nach Hause entlassen wird, muss sein Bett ausgewechselt werden.
- Botengänge
- Patienten zu Untersuchungen bringen
- Kaffee und Tee austeilen
- Patienten zur Toilette begleiten (manchmal brauchen sie auch etwas mehr Hilfe)
- Windeln wechseln (da ist mir einmal was Tolles passiert: Als ich einem Patienten die Windel wechseln wollte, meinte dieser er hätte schon 10-mal reingemacht. Könnt ihr euch vorstellen wie schwer diese Windel war?)
Solltet ihr noch Fragen haben, so hinterlasst mir einen Kommentar.
2. Informationen
Hallo liebe Leser,
heute möchte ich einen Bericht über mein Freiwilliges Soziales Jahr schreiben. Es ist nun schon knapp drei Jahre her, ist mir aber immer noch in guter Erinnerung geblieben.
Da ich damals eigentlich Krankenschwester werden wollte, ich dazu aber ein Praktikum vorweisen musste, beschloss ich mich beim Paritätischen Wohlfahrtsverband in München um eine Stelle zu bewerben.
Zuerst musste ich nach Kempten um mich dort vorzustellen. Das war eine Zweigstelle des Wohlfahrtsverbandes. Nachdem ich von dort das OK hatte musste ich noch eine geeignete Arbeitsstelle finden.
Ich bewarb mich beim Kreiskrankenhaus in Günzburg, welches mich dann auch einstellte.
Das freiwillige Soziale Jahr fing am 01.09. an. Doch bevor wir auf die Menschheit losgelassen wurden, mussten alle Teilnehmer zu einem Seminar nach Oberstdorf.
In diesem Seminar wurden wir auf die Arbeit im Krankenhaus vorbereitet. Wir lernten das Blutdruck- und Pulsmessen und auch die Körperpflege. Na, ja in Sachen Körperpflege lernten wir eigentlich nur, jemanden die Zähne zu putzen. Das brauchte ich allerdings nicht, denn die meisten Patienten putzen ihre Zähne selber oder hatten bereits eine Prothese.
Nach dem Seminar wurden wir also auf die armen Patienten losgelassen, die gar nicht wussten wie ihnen geschah. Mein erstes halbes Jahr verbrachte ich auf einer Station für Innere Medizin. Gleich am ersten Tag stellte ich fest, dass es manchmal ziemlich viel Überwindung braucht. Ich „durfte“ zu einem Patienten, der mit Teerstuhl (stinkt wirklich bestialisch) auf seinem Toilettenwagen saß. Im ersten Moment dachte ich, ich muss mich übergeben, doch ich hab mich zusammenreißen können.
Wenn man dieses Praktikum macht, muss man sich im Klaren sein, dass man gerade anfangs nur Drecksarbeiten macht. Windeln wechseln ist da schon Alltag. Wobei ich aber sagen muss, dass es mit der Zeit gar nicht mehr so schlimm ist.
Während meines Praktikums in der Inneren Medizin habe ich wirklich nur das nötigste gelernt. Man hat sich nicht sehr viel Zeit für mich genommen.
Mein anderes halbes Jahr verbrachte ich auf der Chirurgie. Anfangs hatte ich recht Panik, da ich Angst vor den vielen offenen Wunden hatte. Doch die Arbeit auf dieser Station war wesentlich interessanter. Auch nahm man sich hier viel mehr Zeit für mich. Ich durfte am Schluss sogar Insulin- und Thrombosespritzen setzen.
Vielleicht noch etwas zu den Seminaren. Insgesamt waren es 5 Seminare. Das Einführungsseminar, 3 normale Seminare und eine Abschlussfahrt.
Das Einführungsseminar war, wie gesagt, in Oberstdorf, ziemlich öde dort. Die anderen Seminare waren in Lindau, da war es wirklich toll. Die Seminarinhalte waren sehr interessant. Es wurde über den Tod diskutiert, über AIDS und weitere Themen die in der heutigen Zeit eine Rolle spielen.
Die Abschlussfahrt verbrachten wir in Berlin. Dazu kann man sagen, dass es wirklich toll war. Wir hatten fast die ganze Zeit für uns. Die Kosten der Reise waren mit 100 DM (ca. 50 €) wirklich super. Den Rest der Reise bezahlte der Paritätische Wohlfahrtsverband.
Wir hatten im Laufe des Jahres vier Seminare. Da waren wir dann aber in Lindau untergebracht. In den anderen Seminaren geht es dann viel um Menschenkenntnisse, Umgang mit dem Tod, und viele weitere interessante Themen.
Das FSJ war wirklich etwas, dass mich sehr geprägt hat. Ich habe nie bereut, dass ich es gemacht habe, auch wenn ich heute keine Krankenschwester bin.
Man lernt viel über Menschen und merkt, dass es einem selbst gar nicht so schlecht geht.
Ich habe in dieser Zeit eine Patientin kennen gelernt die mich wirklich fasziniert hat. Ich muss heute noch viel an sie denken. Diese Frau hatte Zucker und hatte auch nur noch ein Bein. Das andere hatte sie aufgrund des Zuckers verloren.
Sie kam zu uns auf Station und war die fröhlichste Frau. Sie war bei uns, da ihr anderes Bein auch amputiert werden musste.
Nach der Operation war sie noch etwas benommen, war aber schnell wieder auf dem Weg der Besserung. Als sie eines Tages allerdings am Fenster beim Essen saß, hatte sie einen Herzinfarkt und nichts war mehr wie früher. Sie war von nun an Pflegefall und konnte kaum noch sprechen. Es war für mich sehr schlimm, das mit an zu sehen.
Man sollte den Beruf auf keinen Fall machen, wenn man zu sehr beseitet ist. Man kann nichts dagegen tun, aber man baut ein gewisses Verhältnis zu den Patienten auf. Umso schlimmer ist es dann, wenn sie plötzlich versterben.
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Und jetzt kommen noch ein paar Infos für euch:
=== Einsatzstellen ===
Gearbeitet werden kann in sozialen Einrichtungen. Also in Altenheimen, Behindertenheimen, Kindergärten, Krankenhäusern, Sozialstationen und Werkstätten von psychisch Kranken.
=== In welchem Alter ===
Das FSJ kann eigentlich fast jeder machen der zwischen 17 und 27 Jahre alt ist. Man sollte natürlich einigermaßen fit sein.
=== Bezahlung ===
Es gibt ein Taschengeld. Bei mir waren es ca. 650 DM (ca. 330 €) im Monat. Zusätzlich wurden die Seminare, die Fahrten zu den Seminaren und die Abschlussfahrt bezahlt.
=== Aufgaben ====
Hier werde ich euch nun sagen, was ich alles machen durfte und machen musste.
- Patienten waschen (beim Waschen helfen, duschen oder Ganzkörperwäsche bei Pflegefällen)
- Betten überziehen
- Tropfen herrichten (Medikamente werden von den Schwestern hergerichtet)
- Essen ausgeben und bei Pflegepatienten eingeben
- Vitalwerte messen (Blutdruck, Puls, Temperatur und Blutzucker)
- Berichte über den Patienten in Patientenakte eintragen
- Patientengespräche
- Neuaufnahmen
- Wenn ein Patient nach Hause entlassen wird, muss sein Bett ausgewechselt werden.
- Botengänge
- Patienten zu Untersuchungen bringen
- Kaffee und Tee austeilen
- Patienten zur Toilette begleiten (manchmal brauchen sie auch etwas mehr Hilfe)
- Windeln wechseln (da ist mir einmal was Tolles passiert: Als ich einem Patienten die Windel wechseln wollte, meinte dieser er hätte schon 10-mal reingemacht. Könnt ihr euch vorstellen wie schwer diese Windel war?)
Solltet ihr noch Fragen haben, so hinterlasst mir einen Kommentar.
23 Bewertungen, 3 Kommentare
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03.06.2003, 19:06 Uhr von excituz
Bewertung: sehr hilfreichbah.. das klingt ja lecker
-
14.03.2002, 09:45 Uhr von ReginaKuehn
Bewertung: sehr hilfreichEin sehr interessanter Bericht.
-
09.03.2002, 21:19 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht, vielleicht liest man sich mal wieder 8-)
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