Kurzgeschichten Testbericht

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Erfahrungsbericht von rubyk

Magischer Moment

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Soeben habe ich entdeckt, dass man hier auch seine Gedichte/Gedanken und auch Kurzgeschichten veröffentlichen kann, was ich sehr schön finde, denn ich liebe es zu Schreiben, da ich mich schriftlich irgendwie besser ausdrücken kann.

Ich möchte euch nun eine meiner Geschichten vorstellen, welche ein Versuch war.
Normalerweiße umfassen meine Storys meist 30 und PC-Seiten, doch da immer und überall von Kurzgeschichten geredet wird, beschloss ich irgendwann auch mal eine zu versuchen.

Über eure ehrliche Resonaz würde ich mich sehr freuen, doch bitte geht nicht so streng mit mir ins Gericht, es ist, wie gesagt, mein erster Versuch.



Magischer Moment

Langsam kam die Nacht hinter der Stadt hervor gekrochen und hüllte die Umgebung in die sehnsüchtig herbei gesehnte Dunkelheit. Vereinzelt funkelten Sterne am Himmel und der volle Mond schenkte der Nacht einen hellen Glanz. Von weitem vernahm ich düstere Klänge, voller Sehnsucht und Melancholie. Ich fühlte mich wohl und lief der Musik entgegen.
Auf meinem Weg begegneten mir immer wieder fremde Menschen, denen ich mich irgendwie verbunden fühlte. Wieder traf ich auf eine Gruppe junger Frauen. Ihre weiß geschminkten Gesichter leuchteten im hellen Schein des Mondes, wobei die dunkel und kunstvoll angemalten Augen geheimnisvolle Blicke versanden. Während sie an mir vorbei liefen, nahm ich den herben, erdig warmen und schweren Geruch ihres Parfums in mich auf. Es roch irgendwie modrig, ähnlich dem Tot. Patschuli,- dachte ich mit einem Lächeln auf den dunklen Lippen und lief langsam weiter. Mein schwarzes, Boden langes Samtgewand wehte dazu leicht im seichten Sommerwind. Je weiter ich ging, umso näher komme ich den Klängen. Dudelsäcke erklangen und unzählige Menschen sangen im Chor. Laute Paukenschläge waren zu hören, aber auch der unverwechselbare Klang von Gitarren und anderen modernen Instrumenten. Erneut musste ich lächeln und dachte bei mir: Das ist der Klang von Freiheit. Zwei Tage unbeschwert sein und an nichts denken.
Der erste Tag des Festival der schwarzen Szene neigte sich nun dem Ende entgegen.
Anfänglich war ich nur wegen ihm gekommen, dem Alptraum aller Eltern, Lehrer, Christen oder auch selbst ernannter Moralapostel, US-Schockrocker Marilyn Manson, doch nun war ich wie verzaubert, aufgrund der familiären Atmosphäre.
Irgendwo hier auf diesem Gelände, auf diesem alten Flugplatz, musste er sein, nur wo? Vielleicht war er schon an mir vorüber gelaufen, ohne das ich es bemerkte.
Er und seine gleichnamige Band waren Headliner des Wochenende und würde am morgigen Abend das Festival mit viel Aufsehen bis in das nächste Jahr ausklingen lassen.
Endlich am Ort der Musik angekommen, war soeben Ruhe eingekehrt, denn nun wurde für den letzten Act des Abends, den Headliner des Samstag Abends, erneut umgebaut.
Im Gras, neben einer weiteren Gruppe aufwendig gestylter Besucher, nahm ich platz und begann zu träumen. Unzählige Gedanken tanzten mir im Kopf umher. Ich dachte über diese Kultur und deren Philosophie nach. War fasziniert von all dem, was ich hier erleben durfte. Diese Freundlichkeit und Herzlichkeit unter den Gästen. Keine lästernden Blicke, kein Getuschel und Geklatsche. Man wurde in Ruhe gelassen und durfte so ein, wie man nun einmal war. Irgendwann ertappte ich mich dabei, wie er plötzlich vor meinem geistigen Auge auf taucht.
Sein schlanker, fast schon magerer Körper, welcher übersät ist von tiefen, langen Narben und zum Teil Furcht erregenden bunten Tätowierungen, steckte in einer Montur aus Coursagen und orthopädischen Stützstrümpfen. Das Gesicht war leichenblass und Augen und Lippen schwarz verschmiert. Sein pechschwarzes Haar fiel in dünnen Strähnen über die knochigen Schultern seines geschunden Körpers. Seine Auftritte waren wahrlich ein Trip in die tiefen und bösen Abgründe der menschlichen Seele.
Plötzlich zuckte ich zusammen, denn von der Bühne her erreichten mich grell bunte Lichteffekte, während eine sanfte aber laute Melodie dazu erklang. Ich stand auf und begab mich in die Massen. Fast ohne Probleme kämpfte ich mich in die sechste Reihe vor, während nun auch die beiden Musiker die große Bühne betraten. Ohne auch nur einmal nach den Fans zu sehen, liefen sie zu ihren Plätzen, wobei einer unmittelbar vor mir stehen blieb. Eine recht unscheinbare Persönlichkeit war er. Nicht besonders groß und auch nicht aufwendig gestylt. Schwarze Jeans und schwarzes Hemd über einem weißen T-Shirt, dass war sein Outfit. Nach dem er hinter dem Mikrofon Position bezogen und sein Buch mit den Texten der Lieder auf den Notenständer abgelegt hatte, fuhr er sich nervös mit der rechten Hand durch das braune Nacken lange Haar und sah über seine linke Schulter in Richtung seines Kollegen. Auch dieser bestach nicht durch herausragende stylische Künste. Auch er gehörte zu den schlichter gekleideten, Jeans und Hemd tragenden Menschen. Ihrer Blicke trafen sich und nach dem der junge Mann mit dem kurz geschnittenen dunkelbraunem Haar, hinter seinem Notebook und Keyboard, kurz genickt hat, trat erstere wieder an das Mikrofon. Langsam legte er die rechte Hand darum, hob den Kopf und sah gerade aus, wobei ihm folgende Worte über die schmalen, zarten Lippen kamen: "Hallo, wir sind Wolfsheim."
Plötzlich begann ein ohrenbetäubender Lärm, denn die Menschenmassen schrien und jubelten vor Begeisterung.
Oh mein Gott, diese Stimme, diese unverwechselbare Stimme! - schoss es mir plötzlich durch den Kopf und ich konnte meinen Blick nicht mehr von ihm lösen.
Unbeirrt trat er jedoch einen Schritt zurück, verschränkte die schlanken Arme hinter seinem Rücken, senkte dabei den Kopf, sah zu Boden und lies seinen Kollegen die melodische Einführung beenden. Erneut bewegte sich der schüchtern, irgendwie scheu wirkende Mann, welcher offensichtlich Mitte Dreißig war, erneut an das Mikrofon und kündigte anschließend kurz und knapp den ersten Song an, bevor er begann diesen zu singen.
Nun stand ich hier, umringt von tausenden von Menschen und schien doch allein zu sein. Ich starrte nach vorn, begann mich wie in Trance zu der ruhigen, einfühlsamen und von Melancholie angehauchten Musik zu bewegen. Ich kannte alle Texte und sang diese leise mit. Meine Augen sahen nur noch eine Person, meine Ohren hörten nur noch seine Stimme und mein Herz begann plötzlich laut zu schlagen. Was war nur mit mir geschehen? Wegen wem war ich gleich noch mal angereist? Ich hatte ihn vergessen, denn nun waren andere Dinge wichtig.
Diese Stimme, seine Stimme, sie war einfach so atemberaubend schön. Sie berührt mich mich noch heute tief im Herzen und weckt längst vergessene Sehnsüchte. Ich fühlte mich augenblicklich geborgen und irgendwie verstanden. Diese Wärme die seine Stimme ausstrahlt, sie tut gut. Ich kann mich fallen lassen, treiben lassen und habe das Gefühl aufgefangen zu werden.
In diesem Moment in der Dunkelheit der Nacht, sprang euer Funke auf mich über und der Mond war mein Zeuge.
Obwohl ich euch beide, sowie eure Musik und Texte schon ewig kannte, konnte ich mir wahrlich nicht einmal ansatzweise vorstellen, welch ein Zauber tatsächlich von euch aus ging. Doch ich durfte es erleben und werde es wohl nie vergessen. Nach dem atemberaubendem Konzert verließ ich den Platz und schlenderte langsam und nachdenklich, in mich zurück gezogen und verträumt zurück zu meinem Zelt, wo ich schließlich diese Zeilen zu Papier brachte....
Ich danke euch für diesen magischen Moment.

Ich danke euch für euer Interesse.

31 Bewertungen, 9 Kommentare

  • panico

    29.11.2006, 01:33 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg panico:-)

  • campimo

    27.10.2006, 08:29 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    Beeindruckend beschrieben, echt super und auf jeden Fall ein SH!

  • swissflyer

    02.10.2006, 17:35 Uhr von swissflyer
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr gut geschrieben! Wirklich klasse und gefühlvoll! Klar ein SH!

  • Estha

    27.08.2006, 02:02 Uhr von Estha
    Bewertung: sehr hilfreich

    ☼☼☼ ... lg susi ... ☼☼☼

  • anonym

    26.08.2006, 18:41 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh von mir für dich :) grüßle

  • LilaLisa

    22.08.2006, 22:35 Uhr von LilaLisa
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöner Bericht!, lg Lisa ;-)

  • anonym

    22.08.2006, 17:25 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • maus1991

    22.08.2006, 17:01 Uhr von maus1991
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh , lg yvonne

  • marina71

    22.08.2006, 16:51 Uhr von marina71
    Bewertung: sehr hilfreich

    ist dir gelungen, liebe grüße