Erfahrungsbericht von Bearcat
Eine kleine Weltgeschichte
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Das Klingeln der Türglocke weckte Jim auf. Er stieß mit seinem Kopf gegen die Kante des Oberbettes, als er zu schnell empor fuhr. Es klingelte erneut.
„Ja, was ist denn?“, fragte er, während er langsam seine Beine aus dem Bett drehte und aufstand. Die Tür fuhr beiseite, und der Lieutenant Boris trat ein. „Jim,“ sagte er. „Wir sind angekommen.“ Dann deutete er zum Bullauge. Jim drehte sich in die Richtung und begab sich zum Fenster, das ihm die Weiten des Alls zeigte. Nun waren sie also angekommen. In einem Planetensystem mit neun Planeten.
„Wann werden wir in Reichweite sein?“, fragte Jim seinen alten Freund. Nachdem er sich umgedreht hatte, sah er in ein lächelndes Gesicht. „Zehn Minuten, und wir erreichen den dritten Planet.“ Mit diesen Worten verneigte sich Boris kurz, ohne das Lächeln zu verlieren, drehte sich um, und trat aus der Tür wieder hinaus. Da waren sie nun zu diesem Routineauftrag in diese verlassene Gegend abkommandiert worden. Vor zwanzig Jahren, war schon einmal ein Schiff hier angekommen, und hatte auf dem dritten Planeten Radioaktivität festgestellt, die eine genauere Untersuchung des Planeten und seiner Oberfläche verhindert hatte. Deshalb konnte auch nicht der Grund der Radioaktivität ergründet werden. Aber eines war sicher: Die Verseuchung war nicht natürlichen Ursprungs.
Deshalb wurde wohl auch Jim mit seinem Schiff hierher abkommandiert. Aber wie sehr wünschte er sich doch eine andere Aufgabe. In alten Sachen herumkramen, dachte er spöttisch. Haben wir keine anderen Aufgaben? Nicht, daß er was gegen Leute hatte, die gern so etwas machen. Aber für ihn war so etwas nichts. Er empfand es eher als eine lästige Pflicht.
„Commandant Valentine bitte in die Kommandozentrale kommen,“ tönte es und riß ihn aus seinen Überlegungen. Er löste sich vom Anblick des Weltalls. In der Ferne konnte er im Augenwinkel noch den neunten Planeten erkennen, wie er sich langsam vorbeibewegte.
Auf der Brücke war alles normal. Kein Anzeichen von Langeweile. Aber Jim wußte, daß so gut wie jeder hier sich fragte, wieso sie dies machen. Wir sind doch kein Forschungsschiff!, hatte Reina gesagt, als sie davon erfahren hatte. Reina, Boris und Jim waren alte Freunde und kannte sich dementsprechend lange. Jim verstand ihre Aufregung. Meinten die von der Regierung etwa, daß hier irgendwo ein feindlich gesinntes Schiff lauern könnte, oder warum schicken die ein Kriegsschiff anstelle eines Forschungsschiffs hier raus? Jim war sich nicht ganz klar, was die Bürokraten sich ausgedacht hatten.
„Wie lange noch?“, fragte Jim, als er die Mitte des Raumes erreicht hatte. Er beugte sich etwas, um durch die Scheibe den Stern mit den ihn umkreisenden Planeten, und ihrem Ziel zu sehen.
„Noch drei Minuten, dann können wir in eine planetennahe Umlaufbahn einschwenken,“ las Boris von seinem Bildschirm ab. Er saß etwas links von Jim. Jim blickte ihn an, und sah in seinen Augen, die er kurz vom Bildschirm gelöst hatte, die Frage, die er sich auch schon gestellt hatte. Jim machte einen ratlosen Gesichtsausdruck, und Boris schien das zu verstehen. „Lieutenant Reina empfangen wir irgendetwas von unserem Ziel?“, fragte er die Frau, die rechts vor ihm saß, und auf ihren Bildschirm blickte. Diese schüttelte kurz mit dem Kopf, und sagte: „Nein. Keine starke Radioaktivität, keine Übertragungen. Kein Gar Nichts.“ Sie schien wütend zu sein. Aber wer konnte es ihr übel nehmen? Hier draußen in aller Fremde nach irgendetwas Verstaubtem zu suchen, von dem sie nicht mal wußten, was sie suchen sollten.
Der Zielplanet wurde nun größer im Bullauge. Eine blaue Kugel, die mit weißen Streifen überzogen war, und von einem grauen Gesteinssatelliten umkreist wird. „Wir treten nun in eine planetennahe Umlaufbahn ein,“ meldete Boris. Nun hatten sie also ihr Ziel erreicht. Staub, Ruinen, Leichen, und viel Müll. Ich freu mich schon richtig, dachte Jim sarkastisch.
Was er, und was, seiner Meinung nach, auch Boris gedacht hat, brachte Reina auf den Punkt: „16 Lichtjahre für ein Haufen Geröll!“ Boris prustete zustimmend, und Jim nickte. Sie drei waren sich einig über den Sinn der Mission. „Dann gehen wir hinunter,“ beschloß Jim. Dann legte er einen Schalter an der Decke um. „Sandoval, wir fliegen nun auf den Planeten. Übernehmen sie solange das Kommando.“ Die Besatzung von vierzig Mann war ein eingeschworene Truppe, so daß der Kommandant auch einmal entgegen der Bestimmungen das Schiff verlassen konnte.
Unter Landgang hatte ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt, dachte er sich, während er mit Boris und Reina zur Landefähre ging.
Nachdem sie durch die weißen Wolken in der Atmosphäre getaucht waren, und gelandet waren, untersuchte Reina die nähere Umgebung. „Radioaktivität in annehmbaren Bereichen,“ meldete sie, nachdem sie eine umfassende Analyse der Umgebung abgeschlossen hatte. „Wir können hinaus gehen.“ Jim öffnete die Luftschleuße, und trat hinaus ins Freie. Ein Hustanfall schüttelte ihn durch. Nachdem er sich gefangen hatte, drehte er sich mit einem fragenden Blick zu Reina um. „Der Kohlenstoffdioxidgehalt ist etwas höher als sonst, daß ist aber auch so ziemlich alles.“
Jim blickte sich um. Eine weite Ebene war vor ihnen. Aber es schien hier früher einmal etwas gestanden zu haben. Als Jim etwas durch die Gegend ging, konnte er vereinzelt noch einige Steine aufeinander gebaut sehen. Es schien, daß hier Gebäude gestanden haben. Bloß was hatte dies hier verursacht? Die Radioaktivität und zerstörte Gebäude? Wurden hier etwas Atombomben gezündet?, fragte sich Jim. Aber diesen Gedanken verwarf er gleich wieder. Niemand könnte dermaßen dumm sein, und so etwas tun. Er drehte sich zu den Anderen um, um zu sehen, wo sie waren. Beide waren in verschiedene Richtungen gegangen, und sahen sich nach Brauchbarem um.
Plötzlich blieb Reina stehen, und bückte sich. Sie hob etwas hoch. Es waren einige große Papiere, die zusammengemacht waren. „Was ist das?“ Sie konnte nicht entziffern, was auf diesen Papieren geschrieben stand: Time 10/02/2020. Diese Symbole sagten ihr nichts. Als Jim bei ihr angekommen war, besah er sich das Fundstück kurz. Er überflog die oberste Zeile, konnte aber nichts lesen: Dritter Weltkrieg ausgebrochen!
„Anscheinend ist das hier ein toter Planet,“ sagte Jim. „Hier ist wohl nichts mehr zu holen. Geben wir den Planeten frei.“ Sie gingen zur Fähre zurück. „Vielleicht hat sich diese Zivilisation selbst ausgelöscht,“ mutmaßte Boris. „Womit denn?“, fragte Reina. „Mit Atombomben? Wer könnte so bescheuert sein?“ Sie hatte anscheinend dieselbe Idee wie Jim gehabt.
„Hier ist noch etwas,“ sagte Boris und blieb stehen, damit er etwas aus dem Dreck ziehen konnte. Es war ein Bild. Darauf war die Hälfte des blauweißen Balles, den sie im Weltall gesehen hatten, dargestellt. Darunter war eine graue Gesteinsmasse, und der Weltraum zu erkennen. Anscheinend war es ein Bild vom Trabanten des Planeten. Darunter stand ebenfalls etwas geschrieben: Unsere Heimat: Die Erde.
Ende
„Ja, was ist denn?“, fragte er, während er langsam seine Beine aus dem Bett drehte und aufstand. Die Tür fuhr beiseite, und der Lieutenant Boris trat ein. „Jim,“ sagte er. „Wir sind angekommen.“ Dann deutete er zum Bullauge. Jim drehte sich in die Richtung und begab sich zum Fenster, das ihm die Weiten des Alls zeigte. Nun waren sie also angekommen. In einem Planetensystem mit neun Planeten.
„Wann werden wir in Reichweite sein?“, fragte Jim seinen alten Freund. Nachdem er sich umgedreht hatte, sah er in ein lächelndes Gesicht. „Zehn Minuten, und wir erreichen den dritten Planet.“ Mit diesen Worten verneigte sich Boris kurz, ohne das Lächeln zu verlieren, drehte sich um, und trat aus der Tür wieder hinaus. Da waren sie nun zu diesem Routineauftrag in diese verlassene Gegend abkommandiert worden. Vor zwanzig Jahren, war schon einmal ein Schiff hier angekommen, und hatte auf dem dritten Planeten Radioaktivität festgestellt, die eine genauere Untersuchung des Planeten und seiner Oberfläche verhindert hatte. Deshalb konnte auch nicht der Grund der Radioaktivität ergründet werden. Aber eines war sicher: Die Verseuchung war nicht natürlichen Ursprungs.
Deshalb wurde wohl auch Jim mit seinem Schiff hierher abkommandiert. Aber wie sehr wünschte er sich doch eine andere Aufgabe. In alten Sachen herumkramen, dachte er spöttisch. Haben wir keine anderen Aufgaben? Nicht, daß er was gegen Leute hatte, die gern so etwas machen. Aber für ihn war so etwas nichts. Er empfand es eher als eine lästige Pflicht.
„Commandant Valentine bitte in die Kommandozentrale kommen,“ tönte es und riß ihn aus seinen Überlegungen. Er löste sich vom Anblick des Weltalls. In der Ferne konnte er im Augenwinkel noch den neunten Planeten erkennen, wie er sich langsam vorbeibewegte.
Auf der Brücke war alles normal. Kein Anzeichen von Langeweile. Aber Jim wußte, daß so gut wie jeder hier sich fragte, wieso sie dies machen. Wir sind doch kein Forschungsschiff!, hatte Reina gesagt, als sie davon erfahren hatte. Reina, Boris und Jim waren alte Freunde und kannte sich dementsprechend lange. Jim verstand ihre Aufregung. Meinten die von der Regierung etwa, daß hier irgendwo ein feindlich gesinntes Schiff lauern könnte, oder warum schicken die ein Kriegsschiff anstelle eines Forschungsschiffs hier raus? Jim war sich nicht ganz klar, was die Bürokraten sich ausgedacht hatten.
„Wie lange noch?“, fragte Jim, als er die Mitte des Raumes erreicht hatte. Er beugte sich etwas, um durch die Scheibe den Stern mit den ihn umkreisenden Planeten, und ihrem Ziel zu sehen.
„Noch drei Minuten, dann können wir in eine planetennahe Umlaufbahn einschwenken,“ las Boris von seinem Bildschirm ab. Er saß etwas links von Jim. Jim blickte ihn an, und sah in seinen Augen, die er kurz vom Bildschirm gelöst hatte, die Frage, die er sich auch schon gestellt hatte. Jim machte einen ratlosen Gesichtsausdruck, und Boris schien das zu verstehen. „Lieutenant Reina empfangen wir irgendetwas von unserem Ziel?“, fragte er die Frau, die rechts vor ihm saß, und auf ihren Bildschirm blickte. Diese schüttelte kurz mit dem Kopf, und sagte: „Nein. Keine starke Radioaktivität, keine Übertragungen. Kein Gar Nichts.“ Sie schien wütend zu sein. Aber wer konnte es ihr übel nehmen? Hier draußen in aller Fremde nach irgendetwas Verstaubtem zu suchen, von dem sie nicht mal wußten, was sie suchen sollten.
Der Zielplanet wurde nun größer im Bullauge. Eine blaue Kugel, die mit weißen Streifen überzogen war, und von einem grauen Gesteinssatelliten umkreist wird. „Wir treten nun in eine planetennahe Umlaufbahn ein,“ meldete Boris. Nun hatten sie also ihr Ziel erreicht. Staub, Ruinen, Leichen, und viel Müll. Ich freu mich schon richtig, dachte Jim sarkastisch.
Was er, und was, seiner Meinung nach, auch Boris gedacht hat, brachte Reina auf den Punkt: „16 Lichtjahre für ein Haufen Geröll!“ Boris prustete zustimmend, und Jim nickte. Sie drei waren sich einig über den Sinn der Mission. „Dann gehen wir hinunter,“ beschloß Jim. Dann legte er einen Schalter an der Decke um. „Sandoval, wir fliegen nun auf den Planeten. Übernehmen sie solange das Kommando.“ Die Besatzung von vierzig Mann war ein eingeschworene Truppe, so daß der Kommandant auch einmal entgegen der Bestimmungen das Schiff verlassen konnte.
Unter Landgang hatte ich mir eigentlich etwas anderes vorgestellt, dachte er sich, während er mit Boris und Reina zur Landefähre ging.
Nachdem sie durch die weißen Wolken in der Atmosphäre getaucht waren, und gelandet waren, untersuchte Reina die nähere Umgebung. „Radioaktivität in annehmbaren Bereichen,“ meldete sie, nachdem sie eine umfassende Analyse der Umgebung abgeschlossen hatte. „Wir können hinaus gehen.“ Jim öffnete die Luftschleuße, und trat hinaus ins Freie. Ein Hustanfall schüttelte ihn durch. Nachdem er sich gefangen hatte, drehte er sich mit einem fragenden Blick zu Reina um. „Der Kohlenstoffdioxidgehalt ist etwas höher als sonst, daß ist aber auch so ziemlich alles.“
Jim blickte sich um. Eine weite Ebene war vor ihnen. Aber es schien hier früher einmal etwas gestanden zu haben. Als Jim etwas durch die Gegend ging, konnte er vereinzelt noch einige Steine aufeinander gebaut sehen. Es schien, daß hier Gebäude gestanden haben. Bloß was hatte dies hier verursacht? Die Radioaktivität und zerstörte Gebäude? Wurden hier etwas Atombomben gezündet?, fragte sich Jim. Aber diesen Gedanken verwarf er gleich wieder. Niemand könnte dermaßen dumm sein, und so etwas tun. Er drehte sich zu den Anderen um, um zu sehen, wo sie waren. Beide waren in verschiedene Richtungen gegangen, und sahen sich nach Brauchbarem um.
Plötzlich blieb Reina stehen, und bückte sich. Sie hob etwas hoch. Es waren einige große Papiere, die zusammengemacht waren. „Was ist das?“ Sie konnte nicht entziffern, was auf diesen Papieren geschrieben stand: Time 10/02/2020. Diese Symbole sagten ihr nichts. Als Jim bei ihr angekommen war, besah er sich das Fundstück kurz. Er überflog die oberste Zeile, konnte aber nichts lesen: Dritter Weltkrieg ausgebrochen!
„Anscheinend ist das hier ein toter Planet,“ sagte Jim. „Hier ist wohl nichts mehr zu holen. Geben wir den Planeten frei.“ Sie gingen zur Fähre zurück. „Vielleicht hat sich diese Zivilisation selbst ausgelöscht,“ mutmaßte Boris. „Womit denn?“, fragte Reina. „Mit Atombomben? Wer könnte so bescheuert sein?“ Sie hatte anscheinend dieselbe Idee wie Jim gehabt.
„Hier ist noch etwas,“ sagte Boris und blieb stehen, damit er etwas aus dem Dreck ziehen konnte. Es war ein Bild. Darauf war die Hälfte des blauweißen Balles, den sie im Weltall gesehen hatten, dargestellt. Darunter war eine graue Gesteinsmasse, und der Weltraum zu erkennen. Anscheinend war es ein Bild vom Trabanten des Planeten. Darunter stand ebenfalls etwas geschrieben: Unsere Heimat: Die Erde.
Ende
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