Erfahrungsbericht von emmtie
Baldacci, D. / Das Labyrinth(Total control) - Hochspannung im Umfeld Internet und Hochfinanz
Pro:
als reiner Unterhaltungsroman ganz nett
Kontra:
siehe Text
Empfehlung:
Nein
Nachdem ich „Absolut power“, den ersten Roman von David Baldacci sehr gut fand, war ich gespannt, ob er diese Niveau auch in seinem zweiten Buch aufrecht erhalten kann. Nachdem sich „Absolut power“ im Umfeld des Weißen Hauses und des Präsidenten spielte, hat er in „Das Labyrith. Total control“ die Handlung in einem Umfeld aus Internet-Unternehmen, der Hochfinanz und der Juristerei angesiedelt.
Handlung:
Sidney Archer ist eine Top-Anwältin in einer Kanzlei für Firmenrecht, die gerade den Kauf eines Internet-Unternehmens durch ein anderes anbahnt. Ihr Mann ist im mittleren Management des kaufenden Unternehmens. Eine typische erfolgreiche Yuppie-Ehe, mit einer kleinen Tochter. Doch dann stürzt das Flugzeug, mit dem Jason angeblich zu einem geheimen Bewerbungsgespräch fliegen wollte und in dem auch der Präsident der amerikanischen Zentralbank war, ab. Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass das Flugzeug sabotiert wurde, Jason anscheinend doch nicht an Board war und er scheinbar auch noch geheime Firmenpapiere an die größte Konkurrenz beim Kauf des Internet-Unternehmens geliefert hat. Die Welt um Sidney Archer scheint immer mehr zusammenzubrechen.
Mehr als diesen „Anreißer“ will ich hier gar nicht schreiben, da ein Thriller ja aufgrund seiner Spannung wirken soll.
Die Story wird sowohl aus der Sicht Sidney Archers, als auch ihres Mannes und des ermittelnden FBI-Beamten Saywer erzählt.
Mein Eindruck:
Wiederum ist es David Baldacci gelungen, einen Thriller zu schreiben, der mit überraschenden Wendungen, spannender Action und detailreicher Kenntnis des beschriebenen Umfelds aufwarten kann. Was aus meiner Sicht das Wichtigste ist und für mich einen guten Thriller ausmacht, ist die Tatsache, dass man nicht nach 50 Seiten schon mehr oder weniger weiß, wie es ausgeht und wer die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind. Immer wieder schwenkt die Handlung plötzlich in eine völlig neue Richtung und Handlungsfäden aus den ersten Seiten, die man schon längst vergessen hat, werden wieder wichtig. Die Personen werden relativ glaubhaft dargestellt, so dass man deren Handeln nachvollziehen kann. An einigen Stellen gegen Ende des Buches gibt es zwar meiner Ansicht nach einige kleinere „Ausreißer“ von dieser Regel, die aber den Gesamteindruck nicht allzu sehr trügen. Ich will ja die Spannung nicht nehmen, daher nur so viel. Etwas Schießtrainig in der Jugend macht noch keine „Rambo“.
Die Einblicke in die Bereiche zukünftige Internet-Technologie und die Konkurrenz der Unternehmen, um diese neuen Technologien zu erlangen, ist gut beschrieben, wenn auch nicht allzu tiefgehend. Auch die Verknüpfungen des Finanzsektors werden gut dargestellt. Natürlich kann man nicht erwarten, dass hier bis ins Detail erklärt wird, denn es handelt sich ja um einen Roman, der solche Infos hauptsächlich dazu benutzt, eine Handlung aufzubauen J Aber die Einblicke und Gedanken, in wie weit moderne Technologie in den falschen Händen gefährlich sein kann, sind recht interessant.
Ähnlich wie bei Grisham kann man bei den Romanen Baldacci natürlich nicht leugnen, dass sie in gewisser Hinsicht immer auch schon so ausgelegt sind, dass man auch ein gutes Film-Drehbuch daraus machen kann. Aber im Gegensatz zu Werken wie z.B. Crichtons „Timeline“, hat „Total control“ immer noch den Aufbau und die Struktur eines Romanes und nicht die „Momentausnahmen“, in denen man quasi schon den Film sieht, die aber die Ausgestaltung der Charaktere kaum möglich macht.
Insgesamt betrachtet ist „Total control“ aber wieder ein spannendes und gut zu lesender Thriller, der zwar nicht ganz an „Abolut power“ heranreicht, aber doch klar in der „Oberliga“ mitspielt.
P.S. Wieder einmal die Anmerkung, dass ich das englische Original gelesen habe und es daher eventuell kleinere Abweichungen bei Bezeichungen geben kann. Und vielleicht ist dies auch im Zusammenhang mit dem Stil wichtig. Denn ich habe mittlerweile von Leuten, die das Buch auf Deutsch gelesen haben, gehört, dass die Übersetzung etwas abgehakt sein soll.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-28 13:25:07 mit dem Titel Boukreev,A.-DerGipfel: Eine Art Rechtfertigungsbuch eines Beteiligten
„Der Gipfel“ ist ein weiteres Buch, das sich mit der Tragödie bei der Besteigung des Mount Everest durch 2 kommerziellen Kletterteams 1996 beschäftigt.
Richtig bekannt und auch in einer makaberen Weise populär wurden die damaligen Ereignisse durch den Weltbestseller „In eisigen Höhen (Into thin air)“ von John Krakauer , einem Bergjournalisten, der für einer Fachzeitschrift Mitglied einer der beiden Expeditionen war und in seinem Buch in ergreifender Weise die Geschehnisse, bei denen mehrere Bergsteiger den Tod fanden, beschreibt. In seinem Buch kommt einer der Führer der anderen Expedition relativ schlecht weg, da er u.a. ohne Sauerstoff-Unterstützung aufstieg und, nach Meinung Krakauers, eher am eigenen Gipfelerfolg als am Erfolg und der Unterstützung der Klienten interessiert war.
Dieser Führer war Anatoli Boukreev, der im hier beschriebenen Buch „Der Gipfel - Tragödie am Everest“ eine Art Antwort auf Krakauer gibt. Er beschreibt den Ablauf der Expedition und insbesondere die Katastrophe am „Gipfeltag“ und gibt dabei insbesondere Erklärungen für speziell seine Rolle in diesem Drama. Einen wichtigen Teil des Buches macht auch die Schilderung seiner Rettungsversuche der am Berg eingeschlossenen Bergsteiger in den späten Nachmittags- und Abendstunden dieses Tages aus. Denn wie schon Krakauer geschildert hatte, war Boukreev einer der Ersten, die den Gipfel erreichten und auch wieder komplett bis zum Lager abstiegen. Was in diesem Buch auch immer wieder deutlich gemacht wird, ist die besondere Freundschaft zwischen Boukreev und dem Leiter seines Expeditionsteams, Scott Fischer, der schon angeschlagen an den Aufstieg ging und Probleme bekam. Aus dieser Tatsache und dem Problem, das eine kommerzielle Expedition zum Erfolg verdammt ist, um auch weiterhin zahlenden Kletterer anzulocken, versucht Boukreev auch einige seiner Handlungen zu begründen.
Für sich alleine genommen wäre diese Buch eine gute Beschreibung der Tragödie, eigentlich relativ flüssig zu lesen und mit sehr persönlichen Eindrücken versehen. Man muß aber davon ausgehen, daß fast jeder Leser dieses Buches auch das Buch von Krakauer kennt. Und wenn man diese beiden Bücher direkt vergleicht, merkt man, daß vieles in „Der Gipfel“ einfach nur Rechtfertigungsversuche des angegriffenen Boukreev sind. Dies schadet meiner Ansicht nach dem Gesamtzusammenhalt des Buches, da es mir manchmal vorkam, als ob eine Art Liste von Vorwürfen abgehakt wurde. Natürlich muß man auch bedenken, daß in Punkto Schreibbstil und -fähigkeit hier keine Chancengleichheit bestand. Während Krakauer mit dem Schreiben von Artikel und Büchern zu diesem Thema schon Jahre vorher seine Lebensunterhalt verdient, konnte der Kasache Boukreev (nicht nur nach Krakauers sondern auch einiger anderer Beteiligter, die alle im Laufe der Jahre ebenfalls Bücher zu den Ereignissen geschrieben haben) nicht besonders gut Englisch. Das machte es ihm zum einen eventuell schwerer die Gespräche und Verhältnisse während der Expedition richtig zu erfassen und bringt auch beim Schreiben, auch wenn ein amerikanischer Ghostwriter zu Seite gestellt wurde, Nachteile.
Was damals wirklich geschehen ist, wird wohl niemals ganz geklärt werden, da einige der Hauptpersonen sich dazu nicht mehr äußern können; auch Boukreev ist einige Zeit später bei einer Besteigung tödlich verunglückt. Ich persönlich habe auch viel zu wenig Ahnung vom Bergsteigen um mir in irgend einer Weise ein Urteil zu erlauben, wessen Version der Geschichte näher an der Wahrheit liegen könnte. Aber nur von den Büchern betrachtet, ist vieles bei Krakauer schlüssiger und logischer dargestellt und schlägt den Leser mehr in seinen Bann. Aber als eine weiterer Sicht eines Beteiligten ist "Der Gipfel" als Zusatzlesestoff durchaus empfehlenswert.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-20 21:05:57 mit dem Titel Bingül,B.-Ping.Pong: Pop-Roman mit Tischtennis-Background
Ein Roman im Stil der aktuellen Pop-Literatur, der sich unter anderem auch mit Tischtennis beschäftigt? Und dann auch noch in der FAZ besprochen; da konnte ich, der seitdem er über die Platte schauen kann, aktiv im Verein Tischtennis spielt, doch nicht widerstehe und musste mir das Buch sofort besorgen.
Na gut, das mit der FAZ-Besprechung ist etwas übertrieben. Es handelte sich dabei um einen Bericht über eine Lesung aus dem betreffenden Buch und erschien nicht im Feuilleton sondern im Sportteil. Aber immerhin bin ich so auf „Ping.Pong“ von Birand Bingül aufmerksam geworden.
Inhalt.
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Hakim, der Protagonist und Ich-Erzähler in diesem Roman, ist Deutsch-Türke, Ende 20 und eigentlich Medizin-Student. Doch das Studium interessiert ihn nicht und er hat es eigentlich nur begonnen, weil er seinen Eltern einen Gefallen tun wollte. Stattdessen jobbt er als Radio-Moderator und seine Leidenschaft gilt dem Tischtennis, das er bei einem Verein in der 5.Liga spielt. Irgendwie läuft Vieles schief in seinem Leben: Seine Freundin hat ihn verlassen und er muss erfahren, dass sie jetzt mit seinem besten Freund und Tischtenniskumpel zusammen ist, seine Idee für eine neuartige Radioshow entwickelt sich durch die nicht abgesprochenen Eingriffe seines neuen Chefs zwar zu einem quotenträchtigen Skandal, aber nicht zu dem, was sich Hakim eigentlich vorgestellt hat. Er kündigt den Job. Und auch im Tischtennis klappt nichts mehr, so das er schließlich so verzweifelt ist, dass er sogar Noppen ausprobiert.
(Exkurs für Nicht-Tischtennisspieler: Noppen sind eine bestimmt Belagart, die hauptsächlich dazu dienen, das Spiel des Gegners zu zerstören, da gewisse Techniken wie Schnitt oder Topspin gegen diesen Belag viel von ihrer Wirkung verlieren. Noppen stehen in dem Ruf, eingesetzt zu werden, wenn der Spieler gewisse eigene Schwächen kompensieren will. Noppenspieler sehen das natürlich ganz anders :-))
Durch die Ich-Perspektive wird in diesem Roman zwar auch die Handlung vorrangetrieben, doch einen weiten Raum nehmen auch die Gedanken, Sorgen und Ängste der Hauptfigur ein.
Der Autor:
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Wie sein Protagonist ist Birand Bingül Deutsch-Türke, 1974 im Sauerland geboren und arbeitet als Hörfunkmoderator und Autor beim WDR. Doch laut eigener Aussage handelt es sich bei dem Buch um kein autobiographisches Werk, sondern er habe nur die Eckdaten seiner eigenen Persönlichkeit benutzt, um die Figur des Hakim zu schaffen.
Meine Meinung:
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Meiner Meinung nach muss man diesen Roman mit zweierlei Maß beurteilen:
Zum einen ist es ein Roman aus der momentan so angesagten, aber nicht unbedingt fest definierbaren Kategorie „Pop Literatur“. Eine sehr auf die Hauptperson fixierte Geschichte, die aber genügend Platz für einen Einblick in sein/ihr Innenleben zulässt. Die Sprache des Buches ist sehr flott und offenherzig, mit Ausdrücken aus der Jugendkultur gespickt. In vielem ähnelt dies den Büchern von Stuckradt-Barre (den ich überhaupt nicht mag) oder auch Leuten wie dem Engländer Nick Hornby. Trotz all der Probleme, die die Hauptperson mit sich herumträgt, fand ich es eigentlich eher amüsant als schwermütig, da alles mit einer gewissen Prise Selbstironie und Galgenhumor dargestellt wird.
Das die Figur Hakim ein Deutscher türkischer Herkunft ist, spielt zwar im Buch eine große Rolle und es gibt immer wieder Berührungspunkte der Kulturen, sei es seine Putzfrau Ötzlem, einer blitzgescheiten Studentin die Hakim immer mal den Kopf gerade rückt (übrigens ein der besten Figuren im Roman), der Reise zum schwerkranken Großvater nach Istambul, die gleichzeitig eine Art Sinnsuche ist oder der häufige Gebrauch türkischer Ausdrücke. Doch dieses Leben zwischen den Kulturen wird nie als Problem dargestellt, es ist vielmehr einfach der Background der Figur, weder besonders negativ noch besonders positiv. Ein aus meiner Sicht sehr interessanter und sympathischer Ansatz. Man muss diese Thematik nicht automatisch in jedem Buch, in dem ein Deutsch-Türke vorkommt, problematisieren. Hier wird nichts schön gefärbt oder verschwiegen, aber man wird dieser immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe (wobei das natürlich für alle Nationalitäten gilt) nicht gerecht, wenn man ihr Leben auf diesen einen Konflikt zu fixieren versucht.
Ein weiteres erzählerisches Element, das mir häufiger aufgefallen ist, ist die Rückerinnerung an die Jugend. Manchmal kam ich mir vor, als ob Bingül dem Kultbuch „Generation Golf“ Konkurrenz machen will. Doch im Gegensatz zu diesem Buch, das mich durch die ständigen Wiederholungen nach etwa 40-50 Seiten gelangweilt hat, findet der Autor hier ein gesundes Mittelmaß. Die Rückerinnerungen sind so gut dosiert und immer zum Handlungsverlauf passend. Und so konnten diese Teil bei mir, der etwa genauso alt ist, machen schöne Erinnerung wecken.
Die zweite grundlegende Betrachtungsweise des Romans hat für mich etwas mit dem Tischtennis zu tun. Denn Tischtennis hat für die Romanfigur Hakim in gewisser Form die Aufgabe des Katalysators. Es werden zwar auch in liebenswerter und etwas überzeichneter Form all die kleinen Macken und Besonderheiten dieser Sportart, von Belagpräparierung und Vorbereitungszeremonien über bestimmte Spielertypen bis zu den psychologischen Spielereien an der Platte dargestellt. Dies mach das buch für jeden Tischtennisspieler fast zur Pflichtlektüre und jeder wird garantiert eine seiner eigenen Macken wiederfinden :-)
Doch Tischtennis wird im Buch auch immer wieder dazu benutzt, gewisse allgemeine Lebenssituationen, Probleme oder Entscheidungen Hakims zu verdeutlichen. Die Figur benutzt Tischtennis-Beispiele um sein Beziehungen zu charakterisieren oder seine nervosität vor seiner Radioshow zu schildern.. Tischtennis zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und es ist doch keinesfalls ein Roman über die Sportart und man muss sich nicht unbedingt mich Tischtennis auskennen, um den Roman mit Freude zu lesen.
Wahrscheinlich kann ich als langjähriger Tischtennisspieler so etwas nicht ganz neutral beurteilen, aber mir persönlich haben gerade diese Einbindung der Bilder aus der Sportart in die alltägliche Lebenssituation sehr gut gefallen.
Erschienen ist das Buch als Taschenbuch in der Knaur Reihe Lemon; gekostet hat es 8,90 €.
Fazit.
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Ein gelungener Roman aus der Rubrik „Pop-Kultur“, der zwar das Genre nicht neu erfindet, aber flott und unterhaltsam zu lesen ist. Durch die Einbindung des Themas Tischtennis wird er natürlich für Leute aus diesem Umfeld noch viel interessanter und auch diese werden nicht enttäuscht. Eine 2 mit Tendenz zur 1.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-24 20:05:13 mit dem Titel Baldacci, David - Simple Truth: Spannung pur, doch Unlogik in der Handlung
Nach einem (überraschend guten) Ausflug in die literarische Welt des deutschsprachigen Krimis hat es mich bei meinem nächsten \"Lesefutter\" aber doch wieder in gewohnte Gefilde der amerikanischen Thriller-Spezialisten zurückgezogen. David Baldacci zählt neben Namen wie John Grisham, Jeffery Deaver oder Ken Follett zu den absoluten Top-Autoren im Bereich Thriller.
(Kleine Anekdote am Rande: Erstaunlich viele dieser Top-Autoren sind von Beruf eigentlich Rechtsanwalt. Werden da Berufserfahrungen verarbeitet oder ist dieser Berufsstand so wenig ausgelastet, dass er sich eine Nebenbeschäftigung suchen muß? :-)))))
Nachdem ich von den beiden Baldacci-Werken \"Der Präsident\" und \"Das Labyrinth\" sehr überzeugt wurde, hat es sich aufgrund von Auktionen und Schnäppchen in Antiquariaten ergeben, dass ich noch einige seiner Bücher \"auf Vorrat\" gekauft habe. Von den drei ungelesenen Baldacci-Romanen, die in meinem Regal noch warten, fiel meine Wahl auf: The Simple Truth (auf Deutsch als \"Die Wahrheit\" erschienen)
Inhalt:
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Rufus Harms, ein schwarzer Soldat, sitzt seit 25 Jahren wegen dem Mord an einem kleinen Mädchen im Militärgefängnis. Als er sich mit Hilfe seines ehemaligen Anwalts mit neuen Fakten an den Obersten Gerichtshof der USA in Washington wendet, fällt dieses Schreiben Michael Fiske, einem äußerst begabten jungen Juristen und persönlichen Assistenten eines Bundesrichters in die Hände. Als er feststellt, dass am ursprünglichen Verfahren gegen Harms Leute, beteiligt waren, die heute große Macht haben, sorgt er dafür, dass der Eingang des Briefes nirgendwo im Obersten Gerichtshof registriert wird, in dem er ihn unterschlägt, und macht sich sofort auf den Weg zu Harms. Am nächsten Tag wird er tot in einem verrufenen Viertel Washingtons aufgefunden. Alles sieht wie ein Raubüberfall aus.
John Fiske, sein älterer Bruder, ehemaliger Polizist und nun Pflichtverteidiger, kommt in die Hauptstadt, um die Leiche seines Bruders zu identifizieren. Doch als er dabei einige Ungereimtheiten entdeckt, versucht er auf eigene Faust, den Tod seines Bruders zu klären. Unterstützt wird er dabei von Sara Evans, die auch als Assistentin eines Bundesrichters am Gerichtshof arbeitet und seinem Bruder scheinbar sehr nah stand. Sehr bald müssen sie erkenne, dass jemand versucht, ihrer Suche zu verhindern und dabei auch vor Morden nicht zurückzuschrecken. Das FBI arbeitet scheinbar gegen sie und schließlich fällt sogar auf John Fiske der Verdacht, seinen eigenen Bruder getötet zu haben.
In einem zweiten Handlungsstrang gelingt Rufus Harms nach dem Zusammentreffen mit Michael Fiske die Flucht. Doch statt sich abzusetzen, versucht er auch in seiner wiedergewonnenen Freiheit weiterhin sein Recht zu bekommen.
Mehr als das es natürlich zu einem dramatischen Showdown kommt, sei an dieser Stelle nicht mehr verraten.....
Schließlich soll diese eine Meinung über das Buch, die eine Entscheidung, ob man es lesen will, beeinflusst, sein und keine vollständige Inhaltszusammenfassung.
Meinung:
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The Simple Truth enthält eigentlich alles, was ich an einem Thriller schätze. Der Stoff verpackt eine interessante Thematik, nämlich das Gebiet der obersten Rechtssprechung in den USA, in eine spannende Rahmenhandlung.
Baldacci, der ja wie weiter oben schon erwähnt von Hause aus Rechtsanwalt ist, zeigt deutlich auf, dass Recht haben und Recht bekommen nicht unbedingt das gleiche ist. Es wird geschildert, wie der Ablauf einer Anrufung des Obersten Gerichtshofes geschieht, wie viele Formalien dabei zu beachten sind und wie durch Mitarbeiter schon eine Auswahl getroffen, die dann den Bundesrichtern vorgelegt wird. Außerdem erfährt man, wie (wahrscheinlich, da natürlich auch Baldacci an den vertraulichen Beratungen dieses Gremium teilgenommen hat) eine Stimmmehrheit zustande kommt. Da wird geschachert und gehandelt nach dem Motto \"stimmst du hier zu, stimme ich dann bei dir zu\". Doch dies ist garantiert nicht nur in den USA so, sondern wird am deutschen Bundesverfassungsgericht genauso ablaufen.
Dadurch das die eigentlich Hauptperson Militärangehöriger und dazu noch schwarz und aus der Unterschicht ist, kann Baldacci gleich mehrere gesellschaftlich relevante Themen einbringen. Zum eine natürlich das momentan in den USA wieder heiß diskutierte Problem, das afroamerikanische Angeklagte im Vergleich immer härter bestraft werden, als vergleichbare weiße Straftäter. Ein Grossteil der Insassen der Todeszellen sind schwarz. Zum anderen wird auch ausführlich der besondere Status des Militärs in der amerikanischen Rechtsprechung im Rahmen der Handlung aufgezeigt und kritisch betrachtet.
Dies ist alles sehr interessant und gleichzeitig unterhaltsam zu lesen. Da diese Informationen auch in der Handlung gut verpackt sind und diese wirklich mit überraschenden Wendungen und der Ungewissheit über die wirklich Schuldigen ganz bis zu Schluss aufwartet, müsste das Buch eigentlich überzeugen. Es gibt Aktion, es entwickelt sich eine Liebesgeschichte und für Spannung ist reichlich gesorgt.
Doch beim Handlungsrahmen beginnt mein Problem: Denn in der Handlung gibt es meiner Ansicht nach einige Ungereimtheiten zuviel. Für mich ist immer wichtig, die Handlungen der Personen und ihre Beweggründe nachvollziehen kann. Und dabei hat Baldacci hier doch etwas zu viele Annahmen und Zufälle eingebaut, um die Handlung einigermaßen glaubwürdig zu machen:
Ohne zuviel von der Handlung zu verraten, will ich doch einige wenige Ansätze geben. Wie man schon vermutet, gibt es ein Geheimnis hinter dem Mord, den Rufus Harms vor 25 Jahren begangen hat. Doch erst nach dieser Zeit kann er sich selbst, ausgelöst durch einen Brief, daran erinnern. Schon sehr weit hergeholt. Das die Verantwortlich von damals u.a. zwei Männer abstellen, die ihn 25 Jahre als Gefängniswärter überwacht haben und auch bei der Verlegung in andere Militärgefängnisse bei ihm bleiben, ist dann noch utopischer. Warum wurde er, wenn die potentielle Gefahr bestand, das er sich an etwas Verfängliches erinnert, nicht beiseite geschafft? (Es wird im Buch angedeutet, dass dies nicht gelungen sein ??????) Kurze Zeit später sind die gleichen Personen nicht so zimperlich und morden skrupellos. Außerdem ist dieser Zufall, dass alle Beteiligten von damals gerade im Umfeld des Obersten Gerichtshofes gelandet sind, auch sehr unwahrscheinlich. Alles in allem habe ich doch an vielen Stellen nur mit dem Kopf geschüttelt. Auch fiktive Literatur braucht ein Mindestmaß an Realismus, um zu überzeugen. Daher war ich, gerade im Vergleich zu den Büchern, die ich vorher von Baldacci gelesen habe, doch etwas enttäuscht.
Zum Abschluss wieder mein üblicher Hinweis: Ich habe das englische Original gelesen und hat damit keinerlei Probleme. In Bereich der Unterhaltungsliteratur kann man mit normalem Schulenglisch und ein klein wenig Übung problemlos der Handlung folgen und hat dabei auch noch den positiven Nebeneffekt, dass man etwas für seine Bildung tut.
Fazit:
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Sowohl von der Spannung als auch vom Hauptthema, dem Rechtssprechungssystem der USA und seiner obersten Instanz, eigentlich ein absoluter Top-Roman. Doch der manchmal doch sehr konstruierte Handlungsverlauf, in dem meiner Ansicht nach ein wenig zuviel und nicht unbedingt glaubhafte und nachvollziehbare Gegebenheiten und Zufälle, gerade in der Personenkonstellation, eingebaut wurden, hat mir den Lesespaß etwas verdorben. Daher gibt es nur eine 3, obwohl das Buch unwahrscheinlich spannend war.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-26 12:44:35 mit dem Titel Bellingen, Barbara von: Der steinerne Gast / Mal wieder ein Krimi im Frankfurt des 19.Jh
Krimis, die in einem historischen Umfeld spielen, gehören ganz eindeutig zu meinem Lieblingslesestoff. Wenn dann ein Buch auch noch in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main spielt, dann kann ich ihm definitiv nicht widerstehen.
Und so verwundert es auch nicht, daß ich das folgende Buch gekauft habe und jetzt bespreche:
Bellingen, Barbara von Der steinerne Gast
Inhalt:
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Felicitas Faber ist die Ehefrau eines angesehenen Arztes in Frankfurt am Main in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Als eine junge Frau eines Abends an ihrem Haus läutet und ihren Mann um Hilfe bittet, aber gleich darauf zusammenbricht und stirbt, wird ihre Neugier geweckt und sie beobachtet heimlich die Obduktion der Leiche, die ihr Mann mit einigen Kollegen vornimmt. Dabei stellt sich heraus, daß die Frau im dritten Monat schwanger war und an den Folgen einer mißglückten illegalen Abtreibung verblutet ist. Kurze Zeit später stirbt ein angesehener Kaufmann, der noch am Abend vorher eine Loge in der Oper mit dem Ehepaar Faber geteilt hat, angeblich durch Selbstmord. Doch der Arzt hat Zweifel am Selbstmord und seine Frau „stibitzt“ aus den Sachen des Toten eine geheimnisvolle Nachricht, die er am Vortag in der Oper bekommen hatte. Diese Notiz deutet auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Todesfällen hin. Felicitas beginnt daher, auf ein eigene Faust den Spuren nachzugehen und begibt sich auch an Orte in Frankfurt, die eine „edle Dame“ der damaligen Zeit weder kennen noch besuchen sollte.
Die Autorin:
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Ich bin auf das Buch durch die Auslage einer Buchhandlung gestoßen. Von der Autorin habe ich vorher noch nie etwas gehört; daher kann ich auch nur die Infos, die über sie im Buch selbst stehen, wiedergeben:
Barbara von Bellingen stammt aus der Gegend von Köln, hat Malerei studiert, als Übersetzerin gearbeitet und schreibt seit 1982 vorwiegend historischen Kriminalromane, u.a. eine Reihe von Büchern, die in Hamburg spielt.
Meine Meinung:
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Fangen wir einmal ganz bewußt umgekehrt an und stellen das Fazit an den Anfang: Das Buch ist ein netter Krimi zum Zwischendurch-Lesen im Park oder während einer Bahnfahrt.
Wer hier zwischen den Zeilen ein „Aber“ gelesen hat, liegt damit schon ganz richtig. Doch da die nun folgenden Kritikpunkte zumindest teilweise ganz speziell mit meinen Vorlieben und Abneigungen im Zusammenhang mit diesem Genre zutun haben und das Buch an sich nicht wirklich schlecht ist, wollte ich den doch insgesamt noch positiven Eindruck voranstellen.
Aber kommen wir nun zu den Kritikpunkten:
Die Krimihandlung selbst, die bei allem historischen Beiwerk immer noch das Stützgerüst für diese Art von Büchern darstellt, weist zwar einige nicht vorhersehbare Wendungen auf und ist eigentlich in sich schlüssig. Aber ich hatte an manchen Stellen doch das Gefühl, das einiges zu sehr konstruiert war. Mit dazu beigetragen hat auch die Tatsache, das viele der dargestellten Figuren doch sehr stereotyp waren. Die Guten sind gut, die Bösen sind bis auf wenige Ausnahme sofort als Böse zu erkennen und bei vielen Figuren wird die Persönlichkeit zu wenig differenziert dargestellt. Dies gilbt leider teilweise auch für die Hauptfigur.
Ähnlich ging es mir mit den historischen Tatsachen, die im Buch vermittelt wurden. Eigentlich wird das Leben der damaligen Zeit häufig mit einbezogen und auch soziale Unterschiede und Problemeund das Klassendenken werden eingearbeitet. Die weibliche Hauptfigur, die sich entgegen der damaligen Konventionen verhält und selbständig denkt und handelt und an wissenschaftlichen Methoden interessiert ist, ist eigentlich ideal um all dies aufzuzeigen. Aber auch hier wirkt vieles seltsam leblos und wird hauptsächlich benutzt, um die Handlung voranzutreiben. Man mag hier zurecht einwerfen, daß dies doch der Zweck aller verwendeten Elemente in einem Unterhaltungsroman sein sollte. Dem stimme ich zu, doch ich persönlich mag es wenn auch noch eine kleine Prise an Sozialkritk und Moral in diesen Romanen vermittelt wird. Gar nicht mal den großen Anspruch, aber doch den kleinen „erhobenen Zeigefinger“. Dies hat mir in diesem Buch etwas gefehlt; obwohl eigentlich die Elemente verwendet wurden.
Kommen wir auch noch zur lokalen Komponente. Da ich nun schon weit mehr als ein Jahrzehnt in Frankfurt am Main lebe und mich auch für die Geschichte meiner Heimatstadt interessiere, bin ich gerade in diesem Zusammenhang sehr kritisch. (Bei anderen Städten (bis auf London :-), ist meine Kritikfähigkeit mangels intensiver Kenntnisse einfach geringer; siehe z.B. die Hamburg-Romane von Petra Oelker).
In diesem Buch werden zwar sehr viele Details aus Frankfurt verwendet, es tauchen ständig Straßennamen auf, der Dialekt wird verwendet und auch so Dinge wie der damals noch selbständige und verrufene Stadtteil Bornheim, der sich noch heute als das „lustige Dorf“ bezeichnet, werden verwendet. Aber wer sich etwas besser auskennt, merkt schon, daß die Autorin nicht aus der Gegend stammt und die lokalen Infos „angelesen“ sind.
Mein Urteil wird garantiert auch dadurch getrübt, daß es seit einigen Jahren mit dem Roman „Die Detektivin“ von Nikola Hahn ein erfolgreiches Werk gibt, das mit fast der gleichen Grundkonstellation (Frankfurt Mitte des 19.Jh, Frau als Ermittlerin etc.) aufwartet und das mich begeistert hat. Und all die Punkte, die ich oben kritisiere sind in diesem Buch (zumindest nach meiner Ansicht) ideal verbunden. Daher habe ich natürlich beim Lesen unbewußt immer verglichen und daher kommt das hier besprochenen Buch vielleicht etwas schlechter weg, als es eigentlich ist.
Das Buch ist noch im Handel erhältlich; im Heyne-Verlag erschienen (ISBN 3-453-21149-9) und kostet 8,95 €
Fazit:
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Für alle, die erst das Ende eines Berichtes lesen und daher mein vorgezogenes Fazit nicht gelesen haben, hier noch einmal die Wiederholung:
Ein netter Krimi zum Zwischendurch-Lesen im Park oder während einer Bahnfahrt. Typische Unterhaltungsliteratur; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Da viele der aufgeführten Kritikpunkt doch sehr durch mein besonderes Verhältnis zu dieser Art des Genres und dem Handlungsortes geprägt sind, gibt es insgesamt dann doch noch knapp mittelmäßig (3)
Handlung:
Sidney Archer ist eine Top-Anwältin in einer Kanzlei für Firmenrecht, die gerade den Kauf eines Internet-Unternehmens durch ein anderes anbahnt. Ihr Mann ist im mittleren Management des kaufenden Unternehmens. Eine typische erfolgreiche Yuppie-Ehe, mit einer kleinen Tochter. Doch dann stürzt das Flugzeug, mit dem Jason angeblich zu einem geheimen Bewerbungsgespräch fliegen wollte und in dem auch der Präsident der amerikanischen Zentralbank war, ab. Im Laufe der Handlung stellt sich heraus, dass das Flugzeug sabotiert wurde, Jason anscheinend doch nicht an Board war und er scheinbar auch noch geheime Firmenpapiere an die größte Konkurrenz beim Kauf des Internet-Unternehmens geliefert hat. Die Welt um Sidney Archer scheint immer mehr zusammenzubrechen.
Mehr als diesen „Anreißer“ will ich hier gar nicht schreiben, da ein Thriller ja aufgrund seiner Spannung wirken soll.
Die Story wird sowohl aus der Sicht Sidney Archers, als auch ihres Mannes und des ermittelnden FBI-Beamten Saywer erzählt.
Mein Eindruck:
Wiederum ist es David Baldacci gelungen, einen Thriller zu schreiben, der mit überraschenden Wendungen, spannender Action und detailreicher Kenntnis des beschriebenen Umfelds aufwarten kann. Was aus meiner Sicht das Wichtigste ist und für mich einen guten Thriller ausmacht, ist die Tatsache, dass man nicht nach 50 Seiten schon mehr oder weniger weiß, wie es ausgeht und wer die „Guten“ und wer die „Bösen“ sind. Immer wieder schwenkt die Handlung plötzlich in eine völlig neue Richtung und Handlungsfäden aus den ersten Seiten, die man schon längst vergessen hat, werden wieder wichtig. Die Personen werden relativ glaubhaft dargestellt, so dass man deren Handeln nachvollziehen kann. An einigen Stellen gegen Ende des Buches gibt es zwar meiner Ansicht nach einige kleinere „Ausreißer“ von dieser Regel, die aber den Gesamteindruck nicht allzu sehr trügen. Ich will ja die Spannung nicht nehmen, daher nur so viel. Etwas Schießtrainig in der Jugend macht noch keine „Rambo“.
Die Einblicke in die Bereiche zukünftige Internet-Technologie und die Konkurrenz der Unternehmen, um diese neuen Technologien zu erlangen, ist gut beschrieben, wenn auch nicht allzu tiefgehend. Auch die Verknüpfungen des Finanzsektors werden gut dargestellt. Natürlich kann man nicht erwarten, dass hier bis ins Detail erklärt wird, denn es handelt sich ja um einen Roman, der solche Infos hauptsächlich dazu benutzt, eine Handlung aufzubauen J Aber die Einblicke und Gedanken, in wie weit moderne Technologie in den falschen Händen gefährlich sein kann, sind recht interessant.
Ähnlich wie bei Grisham kann man bei den Romanen Baldacci natürlich nicht leugnen, dass sie in gewisser Hinsicht immer auch schon so ausgelegt sind, dass man auch ein gutes Film-Drehbuch daraus machen kann. Aber im Gegensatz zu Werken wie z.B. Crichtons „Timeline“, hat „Total control“ immer noch den Aufbau und die Struktur eines Romanes und nicht die „Momentausnahmen“, in denen man quasi schon den Film sieht, die aber die Ausgestaltung der Charaktere kaum möglich macht.
Insgesamt betrachtet ist „Total control“ aber wieder ein spannendes und gut zu lesender Thriller, der zwar nicht ganz an „Abolut power“ heranreicht, aber doch klar in der „Oberliga“ mitspielt.
P.S. Wieder einmal die Anmerkung, dass ich das englische Original gelesen habe und es daher eventuell kleinere Abweichungen bei Bezeichungen geben kann. Und vielleicht ist dies auch im Zusammenhang mit dem Stil wichtig. Denn ich habe mittlerweile von Leuten, die das Buch auf Deutsch gelesen haben, gehört, dass die Übersetzung etwas abgehakt sein soll.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-28 13:25:07 mit dem Titel Boukreev,A.-DerGipfel: Eine Art Rechtfertigungsbuch eines Beteiligten
„Der Gipfel“ ist ein weiteres Buch, das sich mit der Tragödie bei der Besteigung des Mount Everest durch 2 kommerziellen Kletterteams 1996 beschäftigt.
Richtig bekannt und auch in einer makaberen Weise populär wurden die damaligen Ereignisse durch den Weltbestseller „In eisigen Höhen (Into thin air)“ von John Krakauer , einem Bergjournalisten, der für einer Fachzeitschrift Mitglied einer der beiden Expeditionen war und in seinem Buch in ergreifender Weise die Geschehnisse, bei denen mehrere Bergsteiger den Tod fanden, beschreibt. In seinem Buch kommt einer der Führer der anderen Expedition relativ schlecht weg, da er u.a. ohne Sauerstoff-Unterstützung aufstieg und, nach Meinung Krakauers, eher am eigenen Gipfelerfolg als am Erfolg und der Unterstützung der Klienten interessiert war.
Dieser Führer war Anatoli Boukreev, der im hier beschriebenen Buch „Der Gipfel - Tragödie am Everest“ eine Art Antwort auf Krakauer gibt. Er beschreibt den Ablauf der Expedition und insbesondere die Katastrophe am „Gipfeltag“ und gibt dabei insbesondere Erklärungen für speziell seine Rolle in diesem Drama. Einen wichtigen Teil des Buches macht auch die Schilderung seiner Rettungsversuche der am Berg eingeschlossenen Bergsteiger in den späten Nachmittags- und Abendstunden dieses Tages aus. Denn wie schon Krakauer geschildert hatte, war Boukreev einer der Ersten, die den Gipfel erreichten und auch wieder komplett bis zum Lager abstiegen. Was in diesem Buch auch immer wieder deutlich gemacht wird, ist die besondere Freundschaft zwischen Boukreev und dem Leiter seines Expeditionsteams, Scott Fischer, der schon angeschlagen an den Aufstieg ging und Probleme bekam. Aus dieser Tatsache und dem Problem, das eine kommerzielle Expedition zum Erfolg verdammt ist, um auch weiterhin zahlenden Kletterer anzulocken, versucht Boukreev auch einige seiner Handlungen zu begründen.
Für sich alleine genommen wäre diese Buch eine gute Beschreibung der Tragödie, eigentlich relativ flüssig zu lesen und mit sehr persönlichen Eindrücken versehen. Man muß aber davon ausgehen, daß fast jeder Leser dieses Buches auch das Buch von Krakauer kennt. Und wenn man diese beiden Bücher direkt vergleicht, merkt man, daß vieles in „Der Gipfel“ einfach nur Rechtfertigungsversuche des angegriffenen Boukreev sind. Dies schadet meiner Ansicht nach dem Gesamtzusammenhalt des Buches, da es mir manchmal vorkam, als ob eine Art Liste von Vorwürfen abgehakt wurde. Natürlich muß man auch bedenken, daß in Punkto Schreibbstil und -fähigkeit hier keine Chancengleichheit bestand. Während Krakauer mit dem Schreiben von Artikel und Büchern zu diesem Thema schon Jahre vorher seine Lebensunterhalt verdient, konnte der Kasache Boukreev (nicht nur nach Krakauers sondern auch einiger anderer Beteiligter, die alle im Laufe der Jahre ebenfalls Bücher zu den Ereignissen geschrieben haben) nicht besonders gut Englisch. Das machte es ihm zum einen eventuell schwerer die Gespräche und Verhältnisse während der Expedition richtig zu erfassen und bringt auch beim Schreiben, auch wenn ein amerikanischer Ghostwriter zu Seite gestellt wurde, Nachteile.
Was damals wirklich geschehen ist, wird wohl niemals ganz geklärt werden, da einige der Hauptpersonen sich dazu nicht mehr äußern können; auch Boukreev ist einige Zeit später bei einer Besteigung tödlich verunglückt. Ich persönlich habe auch viel zu wenig Ahnung vom Bergsteigen um mir in irgend einer Weise ein Urteil zu erlauben, wessen Version der Geschichte näher an der Wahrheit liegen könnte. Aber nur von den Büchern betrachtet, ist vieles bei Krakauer schlüssiger und logischer dargestellt und schlägt den Leser mehr in seinen Bann. Aber als eine weiterer Sicht eines Beteiligten ist "Der Gipfel" als Zusatzlesestoff durchaus empfehlenswert.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-20 21:05:57 mit dem Titel Bingül,B.-Ping.Pong: Pop-Roman mit Tischtennis-Background
Ein Roman im Stil der aktuellen Pop-Literatur, der sich unter anderem auch mit Tischtennis beschäftigt? Und dann auch noch in der FAZ besprochen; da konnte ich, der seitdem er über die Platte schauen kann, aktiv im Verein Tischtennis spielt, doch nicht widerstehe und musste mir das Buch sofort besorgen.
Na gut, das mit der FAZ-Besprechung ist etwas übertrieben. Es handelte sich dabei um einen Bericht über eine Lesung aus dem betreffenden Buch und erschien nicht im Feuilleton sondern im Sportteil. Aber immerhin bin ich so auf „Ping.Pong“ von Birand Bingül aufmerksam geworden.
Inhalt.
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Hakim, der Protagonist und Ich-Erzähler in diesem Roman, ist Deutsch-Türke, Ende 20 und eigentlich Medizin-Student. Doch das Studium interessiert ihn nicht und er hat es eigentlich nur begonnen, weil er seinen Eltern einen Gefallen tun wollte. Stattdessen jobbt er als Radio-Moderator und seine Leidenschaft gilt dem Tischtennis, das er bei einem Verein in der 5.Liga spielt. Irgendwie läuft Vieles schief in seinem Leben: Seine Freundin hat ihn verlassen und er muss erfahren, dass sie jetzt mit seinem besten Freund und Tischtenniskumpel zusammen ist, seine Idee für eine neuartige Radioshow entwickelt sich durch die nicht abgesprochenen Eingriffe seines neuen Chefs zwar zu einem quotenträchtigen Skandal, aber nicht zu dem, was sich Hakim eigentlich vorgestellt hat. Er kündigt den Job. Und auch im Tischtennis klappt nichts mehr, so das er schließlich so verzweifelt ist, dass er sogar Noppen ausprobiert.
(Exkurs für Nicht-Tischtennisspieler: Noppen sind eine bestimmt Belagart, die hauptsächlich dazu dienen, das Spiel des Gegners zu zerstören, da gewisse Techniken wie Schnitt oder Topspin gegen diesen Belag viel von ihrer Wirkung verlieren. Noppen stehen in dem Ruf, eingesetzt zu werden, wenn der Spieler gewisse eigene Schwächen kompensieren will. Noppenspieler sehen das natürlich ganz anders :-))
Durch die Ich-Perspektive wird in diesem Roman zwar auch die Handlung vorrangetrieben, doch einen weiten Raum nehmen auch die Gedanken, Sorgen und Ängste der Hauptfigur ein.
Der Autor:
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Wie sein Protagonist ist Birand Bingül Deutsch-Türke, 1974 im Sauerland geboren und arbeitet als Hörfunkmoderator und Autor beim WDR. Doch laut eigener Aussage handelt es sich bei dem Buch um kein autobiographisches Werk, sondern er habe nur die Eckdaten seiner eigenen Persönlichkeit benutzt, um die Figur des Hakim zu schaffen.
Meine Meinung:
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Meiner Meinung nach muss man diesen Roman mit zweierlei Maß beurteilen:
Zum einen ist es ein Roman aus der momentan so angesagten, aber nicht unbedingt fest definierbaren Kategorie „Pop Literatur“. Eine sehr auf die Hauptperson fixierte Geschichte, die aber genügend Platz für einen Einblick in sein/ihr Innenleben zulässt. Die Sprache des Buches ist sehr flott und offenherzig, mit Ausdrücken aus der Jugendkultur gespickt. In vielem ähnelt dies den Büchern von Stuckradt-Barre (den ich überhaupt nicht mag) oder auch Leuten wie dem Engländer Nick Hornby. Trotz all der Probleme, die die Hauptperson mit sich herumträgt, fand ich es eigentlich eher amüsant als schwermütig, da alles mit einer gewissen Prise Selbstironie und Galgenhumor dargestellt wird.
Das die Figur Hakim ein Deutscher türkischer Herkunft ist, spielt zwar im Buch eine große Rolle und es gibt immer wieder Berührungspunkte der Kulturen, sei es seine Putzfrau Ötzlem, einer blitzgescheiten Studentin die Hakim immer mal den Kopf gerade rückt (übrigens ein der besten Figuren im Roman), der Reise zum schwerkranken Großvater nach Istambul, die gleichzeitig eine Art Sinnsuche ist oder der häufige Gebrauch türkischer Ausdrücke. Doch dieses Leben zwischen den Kulturen wird nie als Problem dargestellt, es ist vielmehr einfach der Background der Figur, weder besonders negativ noch besonders positiv. Ein aus meiner Sicht sehr interessanter und sympathischer Ansatz. Man muss diese Thematik nicht automatisch in jedem Buch, in dem ein Deutsch-Türke vorkommt, problematisieren. Hier wird nichts schön gefärbt oder verschwiegen, aber man wird dieser immer größer werdenden Bevölkerungsgruppe (wobei das natürlich für alle Nationalitäten gilt) nicht gerecht, wenn man ihr Leben auf diesen einen Konflikt zu fixieren versucht.
Ein weiteres erzählerisches Element, das mir häufiger aufgefallen ist, ist die Rückerinnerung an die Jugend. Manchmal kam ich mir vor, als ob Bingül dem Kultbuch „Generation Golf“ Konkurrenz machen will. Doch im Gegensatz zu diesem Buch, das mich durch die ständigen Wiederholungen nach etwa 40-50 Seiten gelangweilt hat, findet der Autor hier ein gesundes Mittelmaß. Die Rückerinnerungen sind so gut dosiert und immer zum Handlungsverlauf passend. Und so konnten diese Teil bei mir, der etwa genauso alt ist, machen schöne Erinnerung wecken.
Die zweite grundlegende Betrachtungsweise des Romans hat für mich etwas mit dem Tischtennis zu tun. Denn Tischtennis hat für die Romanfigur Hakim in gewisser Form die Aufgabe des Katalysators. Es werden zwar auch in liebenswerter und etwas überzeichneter Form all die kleinen Macken und Besonderheiten dieser Sportart, von Belagpräparierung und Vorbereitungszeremonien über bestimmte Spielertypen bis zu den psychologischen Spielereien an der Platte dargestellt. Dies mach das buch für jeden Tischtennisspieler fast zur Pflichtlektüre und jeder wird garantiert eine seiner eigenen Macken wiederfinden :-)
Doch Tischtennis wird im Buch auch immer wieder dazu benutzt, gewisse allgemeine Lebenssituationen, Probleme oder Entscheidungen Hakims zu verdeutlichen. Die Figur benutzt Tischtennis-Beispiele um sein Beziehungen zu charakterisieren oder seine nervosität vor seiner Radioshow zu schildern.. Tischtennis zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und es ist doch keinesfalls ein Roman über die Sportart und man muss sich nicht unbedingt mich Tischtennis auskennen, um den Roman mit Freude zu lesen.
Wahrscheinlich kann ich als langjähriger Tischtennisspieler so etwas nicht ganz neutral beurteilen, aber mir persönlich haben gerade diese Einbindung der Bilder aus der Sportart in die alltägliche Lebenssituation sehr gut gefallen.
Erschienen ist das Buch als Taschenbuch in der Knaur Reihe Lemon; gekostet hat es 8,90 €.
Fazit.
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Ein gelungener Roman aus der Rubrik „Pop-Kultur“, der zwar das Genre nicht neu erfindet, aber flott und unterhaltsam zu lesen ist. Durch die Einbindung des Themas Tischtennis wird er natürlich für Leute aus diesem Umfeld noch viel interessanter und auch diese werden nicht enttäuscht. Eine 2 mit Tendenz zur 1.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-24 20:05:13 mit dem Titel Baldacci, David - Simple Truth: Spannung pur, doch Unlogik in der Handlung
Nach einem (überraschend guten) Ausflug in die literarische Welt des deutschsprachigen Krimis hat es mich bei meinem nächsten \"Lesefutter\" aber doch wieder in gewohnte Gefilde der amerikanischen Thriller-Spezialisten zurückgezogen. David Baldacci zählt neben Namen wie John Grisham, Jeffery Deaver oder Ken Follett zu den absoluten Top-Autoren im Bereich Thriller.
(Kleine Anekdote am Rande: Erstaunlich viele dieser Top-Autoren sind von Beruf eigentlich Rechtsanwalt. Werden da Berufserfahrungen verarbeitet oder ist dieser Berufsstand so wenig ausgelastet, dass er sich eine Nebenbeschäftigung suchen muß? :-)))))
Nachdem ich von den beiden Baldacci-Werken \"Der Präsident\" und \"Das Labyrinth\" sehr überzeugt wurde, hat es sich aufgrund von Auktionen und Schnäppchen in Antiquariaten ergeben, dass ich noch einige seiner Bücher \"auf Vorrat\" gekauft habe. Von den drei ungelesenen Baldacci-Romanen, die in meinem Regal noch warten, fiel meine Wahl auf: The Simple Truth (auf Deutsch als \"Die Wahrheit\" erschienen)
Inhalt:
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Rufus Harms, ein schwarzer Soldat, sitzt seit 25 Jahren wegen dem Mord an einem kleinen Mädchen im Militärgefängnis. Als er sich mit Hilfe seines ehemaligen Anwalts mit neuen Fakten an den Obersten Gerichtshof der USA in Washington wendet, fällt dieses Schreiben Michael Fiske, einem äußerst begabten jungen Juristen und persönlichen Assistenten eines Bundesrichters in die Hände. Als er feststellt, dass am ursprünglichen Verfahren gegen Harms Leute, beteiligt waren, die heute große Macht haben, sorgt er dafür, dass der Eingang des Briefes nirgendwo im Obersten Gerichtshof registriert wird, in dem er ihn unterschlägt, und macht sich sofort auf den Weg zu Harms. Am nächsten Tag wird er tot in einem verrufenen Viertel Washingtons aufgefunden. Alles sieht wie ein Raubüberfall aus.
John Fiske, sein älterer Bruder, ehemaliger Polizist und nun Pflichtverteidiger, kommt in die Hauptstadt, um die Leiche seines Bruders zu identifizieren. Doch als er dabei einige Ungereimtheiten entdeckt, versucht er auf eigene Faust, den Tod seines Bruders zu klären. Unterstützt wird er dabei von Sara Evans, die auch als Assistentin eines Bundesrichters am Gerichtshof arbeitet und seinem Bruder scheinbar sehr nah stand. Sehr bald müssen sie erkenne, dass jemand versucht, ihrer Suche zu verhindern und dabei auch vor Morden nicht zurückzuschrecken. Das FBI arbeitet scheinbar gegen sie und schließlich fällt sogar auf John Fiske der Verdacht, seinen eigenen Bruder getötet zu haben.
In einem zweiten Handlungsstrang gelingt Rufus Harms nach dem Zusammentreffen mit Michael Fiske die Flucht. Doch statt sich abzusetzen, versucht er auch in seiner wiedergewonnenen Freiheit weiterhin sein Recht zu bekommen.
Mehr als das es natürlich zu einem dramatischen Showdown kommt, sei an dieser Stelle nicht mehr verraten.....
Schließlich soll diese eine Meinung über das Buch, die eine Entscheidung, ob man es lesen will, beeinflusst, sein und keine vollständige Inhaltszusammenfassung.
Meinung:
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The Simple Truth enthält eigentlich alles, was ich an einem Thriller schätze. Der Stoff verpackt eine interessante Thematik, nämlich das Gebiet der obersten Rechtssprechung in den USA, in eine spannende Rahmenhandlung.
Baldacci, der ja wie weiter oben schon erwähnt von Hause aus Rechtsanwalt ist, zeigt deutlich auf, dass Recht haben und Recht bekommen nicht unbedingt das gleiche ist. Es wird geschildert, wie der Ablauf einer Anrufung des Obersten Gerichtshofes geschieht, wie viele Formalien dabei zu beachten sind und wie durch Mitarbeiter schon eine Auswahl getroffen, die dann den Bundesrichtern vorgelegt wird. Außerdem erfährt man, wie (wahrscheinlich, da natürlich auch Baldacci an den vertraulichen Beratungen dieses Gremium teilgenommen hat) eine Stimmmehrheit zustande kommt. Da wird geschachert und gehandelt nach dem Motto \"stimmst du hier zu, stimme ich dann bei dir zu\". Doch dies ist garantiert nicht nur in den USA so, sondern wird am deutschen Bundesverfassungsgericht genauso ablaufen.
Dadurch das die eigentlich Hauptperson Militärangehöriger und dazu noch schwarz und aus der Unterschicht ist, kann Baldacci gleich mehrere gesellschaftlich relevante Themen einbringen. Zum eine natürlich das momentan in den USA wieder heiß diskutierte Problem, das afroamerikanische Angeklagte im Vergleich immer härter bestraft werden, als vergleichbare weiße Straftäter. Ein Grossteil der Insassen der Todeszellen sind schwarz. Zum anderen wird auch ausführlich der besondere Status des Militärs in der amerikanischen Rechtsprechung im Rahmen der Handlung aufgezeigt und kritisch betrachtet.
Dies ist alles sehr interessant und gleichzeitig unterhaltsam zu lesen. Da diese Informationen auch in der Handlung gut verpackt sind und diese wirklich mit überraschenden Wendungen und der Ungewissheit über die wirklich Schuldigen ganz bis zu Schluss aufwartet, müsste das Buch eigentlich überzeugen. Es gibt Aktion, es entwickelt sich eine Liebesgeschichte und für Spannung ist reichlich gesorgt.
Doch beim Handlungsrahmen beginnt mein Problem: Denn in der Handlung gibt es meiner Ansicht nach einige Ungereimtheiten zuviel. Für mich ist immer wichtig, die Handlungen der Personen und ihre Beweggründe nachvollziehen kann. Und dabei hat Baldacci hier doch etwas zu viele Annahmen und Zufälle eingebaut, um die Handlung einigermaßen glaubwürdig zu machen:
Ohne zuviel von der Handlung zu verraten, will ich doch einige wenige Ansätze geben. Wie man schon vermutet, gibt es ein Geheimnis hinter dem Mord, den Rufus Harms vor 25 Jahren begangen hat. Doch erst nach dieser Zeit kann er sich selbst, ausgelöst durch einen Brief, daran erinnern. Schon sehr weit hergeholt. Das die Verantwortlich von damals u.a. zwei Männer abstellen, die ihn 25 Jahre als Gefängniswärter überwacht haben und auch bei der Verlegung in andere Militärgefängnisse bei ihm bleiben, ist dann noch utopischer. Warum wurde er, wenn die potentielle Gefahr bestand, das er sich an etwas Verfängliches erinnert, nicht beiseite geschafft? (Es wird im Buch angedeutet, dass dies nicht gelungen sein ??????) Kurze Zeit später sind die gleichen Personen nicht so zimperlich und morden skrupellos. Außerdem ist dieser Zufall, dass alle Beteiligten von damals gerade im Umfeld des Obersten Gerichtshofes gelandet sind, auch sehr unwahrscheinlich. Alles in allem habe ich doch an vielen Stellen nur mit dem Kopf geschüttelt. Auch fiktive Literatur braucht ein Mindestmaß an Realismus, um zu überzeugen. Daher war ich, gerade im Vergleich zu den Büchern, die ich vorher von Baldacci gelesen habe, doch etwas enttäuscht.
Zum Abschluss wieder mein üblicher Hinweis: Ich habe das englische Original gelesen und hat damit keinerlei Probleme. In Bereich der Unterhaltungsliteratur kann man mit normalem Schulenglisch und ein klein wenig Übung problemlos der Handlung folgen und hat dabei auch noch den positiven Nebeneffekt, dass man etwas für seine Bildung tut.
Fazit:
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Sowohl von der Spannung als auch vom Hauptthema, dem Rechtssprechungssystem der USA und seiner obersten Instanz, eigentlich ein absoluter Top-Roman. Doch der manchmal doch sehr konstruierte Handlungsverlauf, in dem meiner Ansicht nach ein wenig zuviel und nicht unbedingt glaubhafte und nachvollziehbare Gegebenheiten und Zufälle, gerade in der Personenkonstellation, eingebaut wurden, hat mir den Lesespaß etwas verdorben. Daher gibt es nur eine 3, obwohl das Buch unwahrscheinlich spannend war.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-06-26 12:44:35 mit dem Titel Bellingen, Barbara von: Der steinerne Gast / Mal wieder ein Krimi im Frankfurt des 19.Jh
Krimis, die in einem historischen Umfeld spielen, gehören ganz eindeutig zu meinem Lieblingslesestoff. Wenn dann ein Buch auch noch in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main spielt, dann kann ich ihm definitiv nicht widerstehen.
Und so verwundert es auch nicht, daß ich das folgende Buch gekauft habe und jetzt bespreche:
Bellingen, Barbara von Der steinerne Gast
Inhalt:
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Felicitas Faber ist die Ehefrau eines angesehenen Arztes in Frankfurt am Main in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Als eine junge Frau eines Abends an ihrem Haus läutet und ihren Mann um Hilfe bittet, aber gleich darauf zusammenbricht und stirbt, wird ihre Neugier geweckt und sie beobachtet heimlich die Obduktion der Leiche, die ihr Mann mit einigen Kollegen vornimmt. Dabei stellt sich heraus, daß die Frau im dritten Monat schwanger war und an den Folgen einer mißglückten illegalen Abtreibung verblutet ist. Kurze Zeit später stirbt ein angesehener Kaufmann, der noch am Abend vorher eine Loge in der Oper mit dem Ehepaar Faber geteilt hat, angeblich durch Selbstmord. Doch der Arzt hat Zweifel am Selbstmord und seine Frau „stibitzt“ aus den Sachen des Toten eine geheimnisvolle Nachricht, die er am Vortag in der Oper bekommen hatte. Diese Notiz deutet auf einen Zusammenhang zwischen den beiden Todesfällen hin. Felicitas beginnt daher, auf ein eigene Faust den Spuren nachzugehen und begibt sich auch an Orte in Frankfurt, die eine „edle Dame“ der damaligen Zeit weder kennen noch besuchen sollte.
Die Autorin:
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Ich bin auf das Buch durch die Auslage einer Buchhandlung gestoßen. Von der Autorin habe ich vorher noch nie etwas gehört; daher kann ich auch nur die Infos, die über sie im Buch selbst stehen, wiedergeben:
Barbara von Bellingen stammt aus der Gegend von Köln, hat Malerei studiert, als Übersetzerin gearbeitet und schreibt seit 1982 vorwiegend historischen Kriminalromane, u.a. eine Reihe von Büchern, die in Hamburg spielt.
Meine Meinung:
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Fangen wir einmal ganz bewußt umgekehrt an und stellen das Fazit an den Anfang: Das Buch ist ein netter Krimi zum Zwischendurch-Lesen im Park oder während einer Bahnfahrt.
Wer hier zwischen den Zeilen ein „Aber“ gelesen hat, liegt damit schon ganz richtig. Doch da die nun folgenden Kritikpunkte zumindest teilweise ganz speziell mit meinen Vorlieben und Abneigungen im Zusammenhang mit diesem Genre zutun haben und das Buch an sich nicht wirklich schlecht ist, wollte ich den doch insgesamt noch positiven Eindruck voranstellen.
Aber kommen wir nun zu den Kritikpunkten:
Die Krimihandlung selbst, die bei allem historischen Beiwerk immer noch das Stützgerüst für diese Art von Büchern darstellt, weist zwar einige nicht vorhersehbare Wendungen auf und ist eigentlich in sich schlüssig. Aber ich hatte an manchen Stellen doch das Gefühl, das einiges zu sehr konstruiert war. Mit dazu beigetragen hat auch die Tatsache, das viele der dargestellten Figuren doch sehr stereotyp waren. Die Guten sind gut, die Bösen sind bis auf wenige Ausnahme sofort als Böse zu erkennen und bei vielen Figuren wird die Persönlichkeit zu wenig differenziert dargestellt. Dies gilbt leider teilweise auch für die Hauptfigur.
Ähnlich ging es mir mit den historischen Tatsachen, die im Buch vermittelt wurden. Eigentlich wird das Leben der damaligen Zeit häufig mit einbezogen und auch soziale Unterschiede und Problemeund das Klassendenken werden eingearbeitet. Die weibliche Hauptfigur, die sich entgegen der damaligen Konventionen verhält und selbständig denkt und handelt und an wissenschaftlichen Methoden interessiert ist, ist eigentlich ideal um all dies aufzuzeigen. Aber auch hier wirkt vieles seltsam leblos und wird hauptsächlich benutzt, um die Handlung voranzutreiben. Man mag hier zurecht einwerfen, daß dies doch der Zweck aller verwendeten Elemente in einem Unterhaltungsroman sein sollte. Dem stimme ich zu, doch ich persönlich mag es wenn auch noch eine kleine Prise an Sozialkritk und Moral in diesen Romanen vermittelt wird. Gar nicht mal den großen Anspruch, aber doch den kleinen „erhobenen Zeigefinger“. Dies hat mir in diesem Buch etwas gefehlt; obwohl eigentlich die Elemente verwendet wurden.
Kommen wir auch noch zur lokalen Komponente. Da ich nun schon weit mehr als ein Jahrzehnt in Frankfurt am Main lebe und mich auch für die Geschichte meiner Heimatstadt interessiere, bin ich gerade in diesem Zusammenhang sehr kritisch. (Bei anderen Städten (bis auf London :-), ist meine Kritikfähigkeit mangels intensiver Kenntnisse einfach geringer; siehe z.B. die Hamburg-Romane von Petra Oelker).
In diesem Buch werden zwar sehr viele Details aus Frankfurt verwendet, es tauchen ständig Straßennamen auf, der Dialekt wird verwendet und auch so Dinge wie der damals noch selbständige und verrufene Stadtteil Bornheim, der sich noch heute als das „lustige Dorf“ bezeichnet, werden verwendet. Aber wer sich etwas besser auskennt, merkt schon, daß die Autorin nicht aus der Gegend stammt und die lokalen Infos „angelesen“ sind.
Mein Urteil wird garantiert auch dadurch getrübt, daß es seit einigen Jahren mit dem Roman „Die Detektivin“ von Nikola Hahn ein erfolgreiches Werk gibt, das mit fast der gleichen Grundkonstellation (Frankfurt Mitte des 19.Jh, Frau als Ermittlerin etc.) aufwartet und das mich begeistert hat. Und all die Punkte, die ich oben kritisiere sind in diesem Buch (zumindest nach meiner Ansicht) ideal verbunden. Daher habe ich natürlich beim Lesen unbewußt immer verglichen und daher kommt das hier besprochenen Buch vielleicht etwas schlechter weg, als es eigentlich ist.
Das Buch ist noch im Handel erhältlich; im Heyne-Verlag erschienen (ISBN 3-453-21149-9) und kostet 8,95 €
Fazit:
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Für alle, die erst das Ende eines Berichtes lesen und daher mein vorgezogenes Fazit nicht gelesen haben, hier noch einmal die Wiederholung:
Ein netter Krimi zum Zwischendurch-Lesen im Park oder während einer Bahnfahrt. Typische Unterhaltungsliteratur; nicht mehr, aber auch nicht weniger. Da viele der aufgeführten Kritikpunkt doch sehr durch mein besonderes Verhältnis zu dieser Art des Genres und dem Handlungsortes geprägt sind, gibt es insgesamt dann doch noch knapp mittelmäßig (3)
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