Erfahrungsbericht von BjoernS
London, Part VIII: Die Straßen von London (Binchy, Maewe)
Pro:
ganz nett geschrieben
Kontra:
Titel leitet etwas in die Irre
Empfehlung:
Ja
Wenn man während seines Urlaubs am Abend – nach einem langen Sightseeing-Tag – ins Hotel kommt, gibt es doch nichts erholsameres, als die Füße hoch zu legen und ein wenig zu lesen. Und wenn man dann schon in einer fremden Stadt ist, dann kann man sein Lesestoff ja auch thematisch anpassen. Während meines Londonurlaubs bot sich da das Buch „Die Straßen von London“ gerade zu an.
Fakten
Das Buch „Die Straßen von London“ wurde von Maeve Binchy geschrieben, ist in Deutschland bei Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. erschienen und kostet aktuell 7,90 Euro in der broschierten Ausgabe. Als ISBNummer wird die Zahlenkombination 3426614502 verzeichnet und insgesamt verfügt dieses Werk über 448 Seiten. Thematisch werden alle Bücher von Maeve Binchy in der Rubrik „Bücher für Frauen“ einsortiert, was sicherlich nicht unbedingt ein Fehler ist.
Storyline
Von einer Storyline im eigentlichen Sinn kann man nicht sprechen, denn eigentlich handelt es sich eher um eine Sammlung von Kurzgeschichten. Anhand der einzelnen Stationen der U-Bahn-Linien „Victoria“ und „Bakerloo“ werden Geschichten von Menschen erzählt, die an dieser Station (oder im entsprechenden Umfeld) leben, arbeiten oder gerade vorbei kommen. Zu jeder Station gibt es eine in sich abgeschlossene Geschichte, die überhaupt nichts mit einer der vorhergehenden Geschichten zu tun hat.
Es wird beispielsweise die Geschichte von einem Paar in mittlerem Alter erzählt, die erstmals auf dem Weg zu einer Swingerparty sind. Dabei kommen der Frau ziemlich Zweifel und es wird schnell deutlich, dass sie es eigentlich nicht will. Andererseits sieht sie die Begeisterung ihres Mannes und glaubt, ihrer Beziehung einen neuen Schups geben zu müssen. Kurz vorm Ziel kommt es dann endlich zu einer Aussprache zwischen den beiden ...
In einer anderen Geschichte kämpft eine junge Frau gegen die Unterdrückung von weiblichen Angestellten in den Betrieben. Hierzu fängt sie stets als persönliche Assistentin bei leitenden Frauen an und zeigt denen, was sie falsch machen und wie sie die höheren Positionen erreichen können – und vor allem wie sehr sie bisher ausgenutzt und unterdrückt worden sind ...
Es wäre recht mühsam und vor allem auch wenig spannungsfördernd, wenn ich hier jetzt alle Geschichten aufzählen würde. Deshalb verzichte ich mal darauf ...
Klappentext
Tagaus, tagein fahren Tausende von Menschen mit der Londoner U-Bahn, lassen sich von diesem unterirdischen Zug zu ihren diversen Zielen transportieren. Die Schicksale einiger dieser Menschen schildert Maeve Binchy auf gewohnt packende und einfühlsame Weise in diesem Roman: Da ist das nervöse junge Paar, das das erstemal zu einer Party fährt, auf der Partnertausch angesagt ist; die mysteriöse Rita, die in Notting Hill Gate lebt, und Sophie, die ein Handtaschengeschäft bei Marble Arch führt.
Was ich denke
Auch bei meinen Eindrücken möchte ich eigentlich nicht auf die einzelnen Geschichten sondern viel mehr auf das Gesamtwerk eingehen. Dabei ist es schon interessant, dass in den einzelnen Geschichten der Schreibstil stets ein wenig variiert. Mal wird aus der Perspektive eines Erzählers geschrieben, mal aus der Perspektive der handelnden Personen. Insgesamt sind es wirklich alles Geschichten für sich – sie hätten auch als Kurzgeschichten in irgendwelchen Zeitschriften oder Zeitungen erscheinen können.
Die Idee, die Kurzgeschichten anhand der Stationen des Londoner U-Bahn-Systems zu verbinden fand ich erst ganz witzig. Aber irgendwie ist das dann doch nicht ganz so klasse umgesetzt worden. Viele der Geschichten hätten auch an einem anderen Ort in London spielen können – manche – aber eher wenige - Geschichten sind nicht mal typisch für London oder für Großbritannien, sie hätten auch in Paris, Rom oder Peking stattfinden können. Dann gibt es wieder Stories, die sehr wohl einen Bezug zum Ort haben, manchmal spielt der Ort auch eine entscheidene Rolle, wie z.B. bei der Verkäuferin von Marble Arch. Ein britische Grundtendenz ist aber häufig festzustellen – meistens in kleinen Nuancen oder Nebensächlichkeiten, wie z.B. die stoische Ruhe der Fahrgäste, wenn die U-Bahn mitten im Tunnel stehen bleibt – britische Gelassenheit halt.
Mit der Einordnung „Bücher für Frauen“ ist sicherlich kein Fehler begangen worden. Viele Geschichten werden aus der Perspektive einer Frau erzählt und sind mal mehr mal weniger vom Emanzipationsgedanken geprägt. Ich würde jetzt nicht sagen, dass die Männer in den Geschichten ultraschlecht weg kommen, aber die weiblichen Figuren werden stets detaillierter und liebevoller beschrieben und eigentlich auch immer mit weitestgehend positiven Attributen ausgestattet. Die männlichen Personen werden hingegen – selbst wenn sie die Hauptfigur sind – in ihren Eigenschaften meist nur grob angerissen und eher mit negativen Attributen (wie z.B. Egoismus und sehr häufig auch mit einem Mutterkomplex) versehen. Das Buch spricht also eindeutig eher die weibliche Leserschaft an – trotzdem ist es auch für einen Mann eine interessante Lektüre. Zum einen fand ich es ganz nett, mal zu lesen, wie das Männerbild einer Frau aussieht oder aussehen könnte, zum anderen sind diese Punkte hier eher eine Grundtendenz. Es werden Menschen und deren Beziehungen beschrieben, was auch für einen Mann von Interesse sein sollte. Das die Frauen dabei ein wenig besser weg kommen (berechtigt oder nicht ist hier nicht die Frage, also erspart euch bitte entsprechende Kommentare ;-)) war mir schon vorher klar.
Auch zum Titel des Buches möchte ich noch ein paar Worte verlieren, denn er ist in meinen Augen falsch gewählt. Die Geschichten haben nur ganz, ganz am Rand etwas mit den Straßen von London zu tun – sie haben aber durchweg alle etwas mit Menschen zu tun, und in vielen Fällen auch mit Menschen aus London. Sogesehen wäre „Menschen von London“ sicherlich die bessere Lösung gewesen.
Fazit
Ein nettes Buch über die Beziehung von Menschen, was manchmal aber nicht immer ein Bezug zur Weltstadt London hat. Manche Kurzgeschichte könnte irgendwo auf der Welt spielen, in vielen kommen aber typisch-britische Eigenheiten vor. Die Geschichten stellen die Frauen tendenziell in einem besseren Licht da als die Männern, sind aber trotzdem auch für einen Mann ganz nett zu lesen. Wer Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen mag und nebenbei noch ein wenig über britische Eigenheiten erfahren möchte ist mit diesem Buch gut bedient – wer etwas direktes über die Stadt London erwartet wird aber enttäuscht. Insgesamt würde ich dem Buch eine durchschnittliche Bewertung geben – nett es mal zu lesen, aber es ist auch kein Beinbruch, wenn man es nicht tut.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren
Cu easywk
Fakten
Das Buch „Die Straßen von London“ wurde von Maeve Binchy geschrieben, ist in Deutschland bei Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. erschienen und kostet aktuell 7,90 Euro in der broschierten Ausgabe. Als ISBNummer wird die Zahlenkombination 3426614502 verzeichnet und insgesamt verfügt dieses Werk über 448 Seiten. Thematisch werden alle Bücher von Maeve Binchy in der Rubrik „Bücher für Frauen“ einsortiert, was sicherlich nicht unbedingt ein Fehler ist.
Storyline
Von einer Storyline im eigentlichen Sinn kann man nicht sprechen, denn eigentlich handelt es sich eher um eine Sammlung von Kurzgeschichten. Anhand der einzelnen Stationen der U-Bahn-Linien „Victoria“ und „Bakerloo“ werden Geschichten von Menschen erzählt, die an dieser Station (oder im entsprechenden Umfeld) leben, arbeiten oder gerade vorbei kommen. Zu jeder Station gibt es eine in sich abgeschlossene Geschichte, die überhaupt nichts mit einer der vorhergehenden Geschichten zu tun hat.
Es wird beispielsweise die Geschichte von einem Paar in mittlerem Alter erzählt, die erstmals auf dem Weg zu einer Swingerparty sind. Dabei kommen der Frau ziemlich Zweifel und es wird schnell deutlich, dass sie es eigentlich nicht will. Andererseits sieht sie die Begeisterung ihres Mannes und glaubt, ihrer Beziehung einen neuen Schups geben zu müssen. Kurz vorm Ziel kommt es dann endlich zu einer Aussprache zwischen den beiden ...
In einer anderen Geschichte kämpft eine junge Frau gegen die Unterdrückung von weiblichen Angestellten in den Betrieben. Hierzu fängt sie stets als persönliche Assistentin bei leitenden Frauen an und zeigt denen, was sie falsch machen und wie sie die höheren Positionen erreichen können – und vor allem wie sehr sie bisher ausgenutzt und unterdrückt worden sind ...
Es wäre recht mühsam und vor allem auch wenig spannungsfördernd, wenn ich hier jetzt alle Geschichten aufzählen würde. Deshalb verzichte ich mal darauf ...
Klappentext
Tagaus, tagein fahren Tausende von Menschen mit der Londoner U-Bahn, lassen sich von diesem unterirdischen Zug zu ihren diversen Zielen transportieren. Die Schicksale einiger dieser Menschen schildert Maeve Binchy auf gewohnt packende und einfühlsame Weise in diesem Roman: Da ist das nervöse junge Paar, das das erstemal zu einer Party fährt, auf der Partnertausch angesagt ist; die mysteriöse Rita, die in Notting Hill Gate lebt, und Sophie, die ein Handtaschengeschäft bei Marble Arch führt.
Was ich denke
Auch bei meinen Eindrücken möchte ich eigentlich nicht auf die einzelnen Geschichten sondern viel mehr auf das Gesamtwerk eingehen. Dabei ist es schon interessant, dass in den einzelnen Geschichten der Schreibstil stets ein wenig variiert. Mal wird aus der Perspektive eines Erzählers geschrieben, mal aus der Perspektive der handelnden Personen. Insgesamt sind es wirklich alles Geschichten für sich – sie hätten auch als Kurzgeschichten in irgendwelchen Zeitschriften oder Zeitungen erscheinen können.
Die Idee, die Kurzgeschichten anhand der Stationen des Londoner U-Bahn-Systems zu verbinden fand ich erst ganz witzig. Aber irgendwie ist das dann doch nicht ganz so klasse umgesetzt worden. Viele der Geschichten hätten auch an einem anderen Ort in London spielen können – manche – aber eher wenige - Geschichten sind nicht mal typisch für London oder für Großbritannien, sie hätten auch in Paris, Rom oder Peking stattfinden können. Dann gibt es wieder Stories, die sehr wohl einen Bezug zum Ort haben, manchmal spielt der Ort auch eine entscheidene Rolle, wie z.B. bei der Verkäuferin von Marble Arch. Ein britische Grundtendenz ist aber häufig festzustellen – meistens in kleinen Nuancen oder Nebensächlichkeiten, wie z.B. die stoische Ruhe der Fahrgäste, wenn die U-Bahn mitten im Tunnel stehen bleibt – britische Gelassenheit halt.
Mit der Einordnung „Bücher für Frauen“ ist sicherlich kein Fehler begangen worden. Viele Geschichten werden aus der Perspektive einer Frau erzählt und sind mal mehr mal weniger vom Emanzipationsgedanken geprägt. Ich würde jetzt nicht sagen, dass die Männer in den Geschichten ultraschlecht weg kommen, aber die weiblichen Figuren werden stets detaillierter und liebevoller beschrieben und eigentlich auch immer mit weitestgehend positiven Attributen ausgestattet. Die männlichen Personen werden hingegen – selbst wenn sie die Hauptfigur sind – in ihren Eigenschaften meist nur grob angerissen und eher mit negativen Attributen (wie z.B. Egoismus und sehr häufig auch mit einem Mutterkomplex) versehen. Das Buch spricht also eindeutig eher die weibliche Leserschaft an – trotzdem ist es auch für einen Mann eine interessante Lektüre. Zum einen fand ich es ganz nett, mal zu lesen, wie das Männerbild einer Frau aussieht oder aussehen könnte, zum anderen sind diese Punkte hier eher eine Grundtendenz. Es werden Menschen und deren Beziehungen beschrieben, was auch für einen Mann von Interesse sein sollte. Das die Frauen dabei ein wenig besser weg kommen (berechtigt oder nicht ist hier nicht die Frage, also erspart euch bitte entsprechende Kommentare ;-)) war mir schon vorher klar.
Auch zum Titel des Buches möchte ich noch ein paar Worte verlieren, denn er ist in meinen Augen falsch gewählt. Die Geschichten haben nur ganz, ganz am Rand etwas mit den Straßen von London zu tun – sie haben aber durchweg alle etwas mit Menschen zu tun, und in vielen Fällen auch mit Menschen aus London. Sogesehen wäre „Menschen von London“ sicherlich die bessere Lösung gewesen.
Fazit
Ein nettes Buch über die Beziehung von Menschen, was manchmal aber nicht immer ein Bezug zur Weltstadt London hat. Manche Kurzgeschichte könnte irgendwo auf der Welt spielen, in vielen kommen aber typisch-britische Eigenheiten vor. Die Geschichten stellen die Frauen tendenziell in einem besseren Licht da als die Männern, sind aber trotzdem auch für einen Mann ganz nett zu lesen. Wer Geschichten über zwischenmenschliche Beziehungen mag und nebenbei noch ein wenig über britische Eigenheiten erfahren möchte ist mit diesem Buch gut bedient – wer etwas direktes über die Stadt London erwartet wird aber enttäuscht. Insgesamt würde ich dem Buch eine durchschnittliche Bewertung geben – nett es mal zu lesen, aber es ist auch kein Beinbruch, wenn man es nicht tut.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren
Cu easywk
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