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Erfahrungsbericht von bachelor

Richard Bachmann: Todesmarsch

Pro:

äußerst interessant und spannend

Kontra:

teilweise etwas zu brutal und ecklig

Empfehlung:

Nein

Geschrieben wurde \"Todesmarsch\" von Stephen King, der sich für dieses Buch erneut seinem Pseudonym Richard Bachmann bediente. Die Gründe für das Pseudonym sind mir nicht bekannt. Vielleicht wollte er nur versuchen eine neue Leserschaft zu gewinnen, die sich durch seinen Namen abgeschreckt fühlte, da sie dabei spontan an Monster und Vampire denken musste.
Dies ist jedoch nur Spekulation. Sollte dies aber seine Absicht gewesen sein, dann ist es ihm vollends gelungen. Denn dieses Buch setzt sich von allen anderen, mir bekannten, Stephen King Büchern weit ab und ist aus meiner Sicht gleichzeitig mit das Beste, was er je geschrieben hat.

Zum erstenmal habe ich dieses Buch vor ca. 12 Jahren gelesen. Ich lag gerade im Krankenhaus für ca. 2 Wochen und wie sicher die meisten nachempfinden können, ist das nicht gerade spannend. :-) Ein Freund, der mich besuchte, brachte mir das Buch \"Brennen muss Salem\" zum Zeitvertreib mit. Da ich nichts besseres zu tun hatte, schnappte ich es mir irgendwann und fing an zu lesen. Ich muss dazu sagen, ich bin nicht gerade eine \"Leseratte\", aber dieses Buch hatte ich unwahrscheinlich schnell verschlungen. Als ich es durchhatte, bat ich den besagten Freund, mir noch ein Buch von Stephen King mitzubringen.
Er kam dann auch bald vorbei und brachte mir \"Todesmarsch\" von Richard Bachmann mit.
Einen kurzen Moment lang dachte ich wirklich, er will mich für dumm verkaufen. Nur weil ich was am Knie hatte, heisst das ja noch lange nicht, dass ich nicht mehr klar denken konnte. :-) Bachmann ist nicht King, dachte ich. Aber nach einem kurzen Einwand meinerseits, erklärte er mir, dass Bachmann nur ein Pseudonym von King wäre und das es das beste Buch ist, dass er jemals von ihm gelesen hat.
Also vertraute ich Ihm mal und gab Ruhe. Als mein Besuch dann \"endlich\" weg war, fing ich gleich an zu lesen. Es war erstaunlich. Ich glaube ich habe das Buch nur einmal aus der Hand gelegt, weil die anderen Leute auf dem Zimmer das Licht aus haben wollten.
Am nächste Tag hatte ich es dann aber durch. :-)

Inhalt:
Soweit ich mich erinnere, spielt die Handlung ein paar Jahre in der Zukunft. Die Bevölkerung lebt größtenteils in eher ärmlichen Verhältnissen. Vor diesem Hintergrund wird alljährlich eine sogenannter Todesmarsch veranstaltet. Dieser erfreut sich größter Popularität. Zum einen ist es ein Ereignis, dass für die Zuschauer eine willkommene Abwechslung zum tristen Alltag bedeutet und für den Gewinner bedeutet es die Erfüllung seines grössten Traumes.
Dieses Ziel vor Augen haben sich auch dieses Jahr wieder viele junge Männer aus den unterschiedlichen Staaten für den Marsch beworben.
Letztlich dürfen aber \"nur\" 100 Personen an dem Marsch teilnehmen. Einer von ihnen ist Garraty, aus dessen Sicht die gesamte Handlung \"erzählt\" wird.
Er beschreibt, wie es dazu gekommen ist, dass er sich für den Marsch beworben hat, wie er letztlich trotz einiger Bedenken an der Startlinie steht und wie er den Marsch erlebt, den Todesmarsch.
Diesen Marsch, der 99 jungen Männern das Leben kosten wird, da nur einer überleben kann. So sind die Spielregeln. Es gibt nur einen direkten Startpunkt. Das Ende wird durch die Teilnehmer \"selber\" bestimmt.
Die Teilnehemer müssen in einer vorgegebenen Geschwindigkeit von 4 Meilen / Stunde gehen. Unterschreitet jemand die Geschwindigkeit, so wird er von den begleitenden Soldaten verwarnt. Insgesamt darf jeder Teilnehmer max. 3 Verwarnungen erhalten. Danach ist das Rennen und auch sein Leben für ihn beendet. Denn die Teilnehmer werden nach 3 Verwarnungen an Ort und Stelle erschossen. Das ganze Rennen dauert solange, bis nur noch eine Person übriggeblieben ist.

Meinung:
Zugegebenermassen, die Geschichte hört sich sehr brutal an und das ist sie auch. Hinzukommt, dass Stephen Kings \"Vorliebe\" detaillierte Beschreibungen der Leiden, der Schmerzen und der Verletzungen der Teilnehmer zu beschreiben, die Brutalität weiter vertieft. Aber im Gegensatz zu manch anderem Buch von ihm sind seine Beschreibungen hier von einem eindringlichen Realismus. Die dargestellte Gewalt ist nicht Mittel zum Zweck, sondern sie wird hier zwingend zur Darstellung eines Überlebenskampfes von 100 jungen Männern beschrieben.
Besonders intensiv wird das Buch dadurch, dass man durch die Erzählungen von Garraty mitten in die Handlung integriert wird. Eigentlich sind es vielweniger Erzählungen, sondern man hat an den Gedanken von Garraty teil. Man hat förmlich das Gefühl selber an dem Marsch teilzunehmen. Man lernt durch ihn die anderen Charaktere kennen, die teilweise ebenfalls sehr eindringlich beschrieben werden. Man ist dabei, wie sich Freundschaften bilden, wie Menschen sterben, die einem ans Herz gewachsen sind, wie sich Charaktere innerhalb kürzester Zeit durch eine extreme Lebenssituation verändern.
All dies kommt einem so vor, als wenn man Prozesse, die sich im wahren Leben teilweise über viele Jahre erstrecken, hier in einer komprimierten Form dargeboten bekommt, dass man am Ende froh ist, dass es \"nur\" ein Buch ist und dass man sich wünscht, niemals in eine so extreme Situation zu geraten.
Dieses Buch ist mehr als nur ein Marsch mit Todesfolge, es ist vielmehr eine eindringliche Charakterstudie. Sie bietet einem Einblicke in die Psyche des Menschen unter extremen Situation, vielleicht nicht wissenschaftlich fundiert, aber dennoch sehr interessant.

Fazit:
Wer eine extreme Situation \"hautnah\" miterleben möchte und sich in diesem Zusammenhang nicht davor scheut auch brutale und teilweise ecklige Inhalte zu verarbeiten, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Es ist Detailreich in seinen Beschreibungen und gibt einem wirklich das Gefühl, welches vom Sportkanal DSF so geren als Werbespruch verwendet wird: \"Mitten drin statt nur dabei!\"

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