Erfahrungsbericht von [email protected]
Jakob der Lügner
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
HALLO Yopis,
Heute möchte ich euch einen interessanten Roman vorstellen.
In dem Roman "Jakob der Lügner' stellt Jurek Becker auf realistische Weise das Alltagsleben eines Juden im Dritten Reich dar. In Anbetracht der geschichtlichen Hintergründe erscheint es lohnenswert, den Charakter des Titelhelden genauer zu untersuchen.
Jakob Heym ist Jude, von kleiner Gestalt und trägt eine Mütze. Sein Äußeres ist nicht näher beschrieben, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass er stellvertretend für alle im Ghetto lebenden Juden in dieser Zeit stehen soll.
Vor seinem Leben im Ghetto verdient er als Straßenverkäufer seinen Lebensunterhalt. Daraus lässt sich schließen, dass er vermutlich keine höhere Schulbildung besitzt. Dies und die Tatsache, dass er einmal einen Kredit aufnehmen muss (Z. 60f), deuten darauf hin, dass er nicht wohlhabend ist.
Jakob besitzt eine gute Beobachtungsgabe:"[...] Über der Jacke hängt das Lederkoppel mit dem Revolver. Das ist irgendwie unlogisch [...]" (Z. 11ff). Es fällt ihm sofort auf, dass die Ausrüstung des Wach habenden anders am Haken hängt, als man es erwarten würde. Auch die Anmerkung, dass ,,[...] er ein Ohr für Schlafende besitzt [...]" (Z. 19 f), bestätigt sein ausgeprägtes Wahrnehmungsvermögen.
Neben seiner guten Beobachtungsgabe zeichnet er sich ebenfalls durch seine
Vorsichtigkeit und Klugheit gegenüber dem diensthabenden Offizier aus. Er überlegt sehr lange, wie er ihn am besten wecken soll, weil er es nicht riskieren will, seinen Unmut hervorzurufen (Z. 21 f). Diese Verhaltensweise erscheint in seiner prekären Lage äußerst klug. Darüber hinaus zeigt sich seine Klugheit und Diplomatie ebenfalls im Gespräch mit
dem Deutschen. Sowohl durch den "ehrlichen" Bericht über den Grund seiner Anwesenheit (Z. 21 f) als auch durch seine Forderung nach "einer gerechten Strafe" (Z. 129) hofft Jakob sein Gegenüber milde zu stimmen, was ihm schließlich auch gelingt. Er ist sich darüber bewusst, dass er dies nur durch "hinreißende" Ehrlichkeit und Gehorsam erreichen kann (Z. 130ff). Auch an dieser Stelle handelt er taktisch klug.
Trotz seiner positiven Eigenschaften wirkt sein Verhalten auf den ersten Blick eher negativ auf den Leser, da er sich ängstlich, unterwürfig und betulich verhält. Untertänig hebt er das Feuerzeug des Beamten auf und fast panisch vor Angst beteuert er dem Wachhabenden, dass er natürlich "selbstverständlich" mit Deutschen rede, als er von diesem danach gefragt wird (Z. 113ft). Seine Angst und Verzweiflung wird auch am Ende deutlich, als er sich selbst "zitternd" und mit Tränen in den Augen beschreibt. (Z. 170f).
Dieses Verhalten muss jedoch vor dem Hintergrund der speziellen Situation gesehen werden, in der sich unser Held befindet. Jakob Heym lebt als Jude in einem Ghetto in einem totalitären System, in dem nur die Gesetze der Machthabenden gelten und die Gerechtigkeit ausgeschaltet ist. Als "Gefangener' ist er hilflos dem Willen der Aufseher ausgeliefert. Ein falsches Wort von ihm könnte zu seinem Tod führen. Insofern ist es völlig normal, dass ein Mensch bereit ist, sich selbst zu er niedrigen, wenn er dafür sein Leben retten kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jakob insgesamt als positive Figur dargestellt
wird. Er hat durchwegs gute Eigenschaften und ist gleichzeitig sehr menschlich. Ich finde, dass durch Jakob sehr eindrucksvoll geschildert wird, was für fürchterliche Qualen Juden während des Naziregimes aushalten mussten.
Liebe Grüße,
MAMAANNA
© 2002-03-23
Heute möchte ich euch einen interessanten Roman vorstellen.
In dem Roman "Jakob der Lügner' stellt Jurek Becker auf realistische Weise das Alltagsleben eines Juden im Dritten Reich dar. In Anbetracht der geschichtlichen Hintergründe erscheint es lohnenswert, den Charakter des Titelhelden genauer zu untersuchen.
Jakob Heym ist Jude, von kleiner Gestalt und trägt eine Mütze. Sein Äußeres ist nicht näher beschrieben, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass er stellvertretend für alle im Ghetto lebenden Juden in dieser Zeit stehen soll.
Vor seinem Leben im Ghetto verdient er als Straßenverkäufer seinen Lebensunterhalt. Daraus lässt sich schließen, dass er vermutlich keine höhere Schulbildung besitzt. Dies und die Tatsache, dass er einmal einen Kredit aufnehmen muss (Z. 60f), deuten darauf hin, dass er nicht wohlhabend ist.
Jakob besitzt eine gute Beobachtungsgabe:"[...] Über der Jacke hängt das Lederkoppel mit dem Revolver. Das ist irgendwie unlogisch [...]" (Z. 11ff). Es fällt ihm sofort auf, dass die Ausrüstung des Wach habenden anders am Haken hängt, als man es erwarten würde. Auch die Anmerkung, dass ,,[...] er ein Ohr für Schlafende besitzt [...]" (Z. 19 f), bestätigt sein ausgeprägtes Wahrnehmungsvermögen.
Neben seiner guten Beobachtungsgabe zeichnet er sich ebenfalls durch seine
Vorsichtigkeit und Klugheit gegenüber dem diensthabenden Offizier aus. Er überlegt sehr lange, wie er ihn am besten wecken soll, weil er es nicht riskieren will, seinen Unmut hervorzurufen (Z. 21 f). Diese Verhaltensweise erscheint in seiner prekären Lage äußerst klug. Darüber hinaus zeigt sich seine Klugheit und Diplomatie ebenfalls im Gespräch mit
dem Deutschen. Sowohl durch den "ehrlichen" Bericht über den Grund seiner Anwesenheit (Z. 21 f) als auch durch seine Forderung nach "einer gerechten Strafe" (Z. 129) hofft Jakob sein Gegenüber milde zu stimmen, was ihm schließlich auch gelingt. Er ist sich darüber bewusst, dass er dies nur durch "hinreißende" Ehrlichkeit und Gehorsam erreichen kann (Z. 130ff). Auch an dieser Stelle handelt er taktisch klug.
Trotz seiner positiven Eigenschaften wirkt sein Verhalten auf den ersten Blick eher negativ auf den Leser, da er sich ängstlich, unterwürfig und betulich verhält. Untertänig hebt er das Feuerzeug des Beamten auf und fast panisch vor Angst beteuert er dem Wachhabenden, dass er natürlich "selbstverständlich" mit Deutschen rede, als er von diesem danach gefragt wird (Z. 113ft). Seine Angst und Verzweiflung wird auch am Ende deutlich, als er sich selbst "zitternd" und mit Tränen in den Augen beschreibt. (Z. 170f).
Dieses Verhalten muss jedoch vor dem Hintergrund der speziellen Situation gesehen werden, in der sich unser Held befindet. Jakob Heym lebt als Jude in einem Ghetto in einem totalitären System, in dem nur die Gesetze der Machthabenden gelten und die Gerechtigkeit ausgeschaltet ist. Als "Gefangener' ist er hilflos dem Willen der Aufseher ausgeliefert. Ein falsches Wort von ihm könnte zu seinem Tod führen. Insofern ist es völlig normal, dass ein Mensch bereit ist, sich selbst zu er niedrigen, wenn er dafür sein Leben retten kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jakob insgesamt als positive Figur dargestellt
wird. Er hat durchwegs gute Eigenschaften und ist gleichzeitig sehr menschlich. Ich finde, dass durch Jakob sehr eindrucksvoll geschildert wird, was für fürchterliche Qualen Juden während des Naziregimes aushalten mussten.
Liebe Grüße,
MAMAANNA
© 2002-03-23
32 Bewertungen, 4 Kommentare
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18.05.2003, 14:58 Uhr von Wurzelchen2
Bewertung: sehr hilfreichKlingt lesenswert.
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02.07.2002, 20:29 Uhr von EndlichUrlaub
Bewertung: sehr hilfreichIch liebe Bücher! Ich kannte dieses Buch bisher nicht, aber ich werde mich mal danach umsehen. Andi :)
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25.03.2002, 14:56 Uhr von TorbenStruck
Bewertung: sehr hilfreichMoin Moin ! Das Buch musste ich auch lesen, in der Schule und ne 4 Stunden Klausur drüber schreiben..der Film hat mir besser gefallen. MfG Torben
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23.03.2002, 13:08 Uhr von Maeuschen21
Bewertung: sehr hilfreichVLG und ein schönes WE Mandy
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