Erfahrungsbericht von schraddel
John Blofeld: "Eine Reise von tausend Meilen..."
Pro:
beeindruckend, spannend, und voller Weisheit
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
John Blofeld:
Eine Reise von tausend Meilen...
... beginnt mit einem Schritt
"Denken Sie daran, daß der Geist König ist. Aus dem Geist wird Frustration geboren; nur der Geist kann zu einem glücklichen, sinnvollen Leben verhelfen."
Philosophische Worte aus der Feder eines Engländers; wer hätte das gedacht? Doch überhaupt scheint John Blofeld ein außergewöhnlicher Mensch zu sein. Zu einer Zeit, als sich im Westen kaum jemand für östliche Weisheiten interessierte - in den 40er Jahren - bekannte er sich zum Buddhismus und reiste durch China, um dort Mönche und Mystiker kennen zu lernen. Mehr als 25 Jahre später, 1973, fasste er seine Erlebnisse und Einsichten in einem Buch zusammen, das mehr ist, als einfach nur ein Reisebericht.
Blofeld hat sich die Freiheit des Schriftstellers genommen, Aussagen, die von verschiedenen Personen stammten, jeweils einer einzigen Person in den Mund zu legen, um den Leser nicht mit einer Vielzahl von Namen zu verwirren. Das Ergebnis ist sowohl eine spannende Reise durch das China, wie es vor der Herrschaft der Kommunisten war, als auch eine Reise durch die faszinierende Gedankenwelt des Buddhismus.
Ich weiß nicht, wie der Autor es angestellt hat, dieses Buch so zu schreiben, dass es spannend zu lesen, aber gleichzeitig von einer meditativen Geisteshaltung durchzogen ist, die es einem erlaubt, die Stimmungen der beschriebenen Personen und die Atmosphäre der besuchten Orte quasi mitzuerleben. Vielleicht kann nur ein Mensch so schreiben, der von dem, was er zu sagen hat, zutiefst überzeugt ist; und es ist bestimmt kein Zufall, dass Blofeld sich 25 Jahre Zeit gelassen hat, bis er dieses Buch schrieb.
Und es ist schwer, eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, denn eine Inhaltsangabe oder kurze Zusammenfassung würde dem Bericht nicht gerecht. Wie wäre es dehalb mit einem Zitat?
"Wenn man sich mit dem Gedanken trägt, eine kleine Veränderung vorzunehmen, tut man gut daran, zunächst einmal das, was man ändern möchte, zu verschiedenen Stunden des Tages und zu jeder Jahreszeit zu beobachten, damit nicht durch übereiltes Handeln etwas Wertvolles verlorengeht. Auch muß man zuerst selbst ein Felsen oder ein Baum werden, ehe man zu beurteilen vermag, wie eine Veränderung beschaffen sein muß, damit sie mit seiner Natur in Einklang steht."
"Selbst ein Baum werden?"
"Überrascht Sie das? Wenn Sie sehr viel Zeit hätten, würde ich es Ihnen zeigen. Sie setzen sich einfach bei Sonnenschein und trübem Wetter, notfalls bei Regen oder Schnee, vor ihn hin und projizieren Ihren Geist in ihn hinein. Allmählich lernen Sie, mit ihm eins zu sein, seinen Rhythmus zu erfühlen, zu erkennen, wie seine Äste sich unter geringfügig veränderten Bedingungen ausbreiten würden. Erst dann können Sie eine Veränderung vornehmen, ohne seiner Baumheit Gewalt anzutun."
Ich habe diesen Abschnitt oft gelesen, und schaffe es immer noch nicht, mich in einen Baum hinein zu versetzen. Aber wenn ich anschließend um mich schaue, wirkt ihr Grün irgendwie grüner, und selbst die Zimmerpalme ist kein bloßes Dekorationsobjekt mehr.
Dies ist kein Buch zum einmal Lesen und Weglegen. In ruhigen Minuten kann man immer mal wieder ein Kapitel aufschlagen und sich in die fremde Welt des alten China entführen lassen. Und gerade nach einem stressigen Tag tut es gut, mit ein paar Weisheiten der taoistischen Mönche zurückzukehren.
Ich habe das Buch übrigens vor vielen Jahren geschenkt bekommen, und unter den vielen Geschenken, die man im Lauf der Zeit halt so erhält, ist dieses eins der schönsten.
Leider ist die Ausgabe von 1991, die ich besitze, in dieser Form nicht mehr erhältlich. Es ist jedoch eine Neuauflage im selben Verlag erschienen:
John Blofeld, "Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt", O. W. Barth Verlag München, ISBN 3502610630, 15,50 Euro. Unter anderem bei amazon erhältlich.
Eine Reise von tausend Meilen...
... beginnt mit einem Schritt
"Denken Sie daran, daß der Geist König ist. Aus dem Geist wird Frustration geboren; nur der Geist kann zu einem glücklichen, sinnvollen Leben verhelfen."
Philosophische Worte aus der Feder eines Engländers; wer hätte das gedacht? Doch überhaupt scheint John Blofeld ein außergewöhnlicher Mensch zu sein. Zu einer Zeit, als sich im Westen kaum jemand für östliche Weisheiten interessierte - in den 40er Jahren - bekannte er sich zum Buddhismus und reiste durch China, um dort Mönche und Mystiker kennen zu lernen. Mehr als 25 Jahre später, 1973, fasste er seine Erlebnisse und Einsichten in einem Buch zusammen, das mehr ist, als einfach nur ein Reisebericht.
Blofeld hat sich die Freiheit des Schriftstellers genommen, Aussagen, die von verschiedenen Personen stammten, jeweils einer einzigen Person in den Mund zu legen, um den Leser nicht mit einer Vielzahl von Namen zu verwirren. Das Ergebnis ist sowohl eine spannende Reise durch das China, wie es vor der Herrschaft der Kommunisten war, als auch eine Reise durch die faszinierende Gedankenwelt des Buddhismus.
Ich weiß nicht, wie der Autor es angestellt hat, dieses Buch so zu schreiben, dass es spannend zu lesen, aber gleichzeitig von einer meditativen Geisteshaltung durchzogen ist, die es einem erlaubt, die Stimmungen der beschriebenen Personen und die Atmosphäre der besuchten Orte quasi mitzuerleben. Vielleicht kann nur ein Mensch so schreiben, der von dem, was er zu sagen hat, zutiefst überzeugt ist; und es ist bestimmt kein Zufall, dass Blofeld sich 25 Jahre Zeit gelassen hat, bis er dieses Buch schrieb.
Und es ist schwer, eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, denn eine Inhaltsangabe oder kurze Zusammenfassung würde dem Bericht nicht gerecht. Wie wäre es dehalb mit einem Zitat?
"Wenn man sich mit dem Gedanken trägt, eine kleine Veränderung vorzunehmen, tut man gut daran, zunächst einmal das, was man ändern möchte, zu verschiedenen Stunden des Tages und zu jeder Jahreszeit zu beobachten, damit nicht durch übereiltes Handeln etwas Wertvolles verlorengeht. Auch muß man zuerst selbst ein Felsen oder ein Baum werden, ehe man zu beurteilen vermag, wie eine Veränderung beschaffen sein muß, damit sie mit seiner Natur in Einklang steht."
"Selbst ein Baum werden?"
"Überrascht Sie das? Wenn Sie sehr viel Zeit hätten, würde ich es Ihnen zeigen. Sie setzen sich einfach bei Sonnenschein und trübem Wetter, notfalls bei Regen oder Schnee, vor ihn hin und projizieren Ihren Geist in ihn hinein. Allmählich lernen Sie, mit ihm eins zu sein, seinen Rhythmus zu erfühlen, zu erkennen, wie seine Äste sich unter geringfügig veränderten Bedingungen ausbreiten würden. Erst dann können Sie eine Veränderung vornehmen, ohne seiner Baumheit Gewalt anzutun."
Ich habe diesen Abschnitt oft gelesen, und schaffe es immer noch nicht, mich in einen Baum hinein zu versetzen. Aber wenn ich anschließend um mich schaue, wirkt ihr Grün irgendwie grüner, und selbst die Zimmerpalme ist kein bloßes Dekorationsobjekt mehr.
Dies ist kein Buch zum einmal Lesen und Weglegen. In ruhigen Minuten kann man immer mal wieder ein Kapitel aufschlagen und sich in die fremde Welt des alten China entführen lassen. Und gerade nach einem stressigen Tag tut es gut, mit ein paar Weisheiten der taoistischen Mönche zurückzukehren.
Ich habe das Buch übrigens vor vielen Jahren geschenkt bekommen, und unter den vielen Geschenken, die man im Lauf der Zeit halt so erhält, ist dieses eins der schönsten.
Leider ist die Ausgabe von 1991, die ich besitze, in dieser Form nicht mehr erhältlich. Es ist jedoch eine Neuauflage im selben Verlag erschienen:
John Blofeld, "Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt", O. W. Barth Verlag München, ISBN 3502610630, 15,50 Euro. Unter anderem bei amazon erhältlich.
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