Erfahrungsbericht von Haramis
Victoria Holt / Jean Plaidy - In einer dunklen Zeit
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Hexenverfolgung - Das war wohl das Stichwort, welches meine Mutter dazu bewog, mir dieses Buch vom Flohmarkt mitzubringen. Kein Blick auf die Autorin oder den Klappentext. Ansonsten hätte sie sich die 1 DM damals sicherlich gespart. Ich weiß ja nicht warum, aber der Name Victoria Holt schreckt mich irgendwie ab. Bisher hatte ich zwar noch nie etwas von ihr gelesen, aber sie ist für mich eine Art Inbegriff für billige Schnulzenromane. Ich möchte hier schon einmal vorwegnehmen, daß meine Erwartungen vollkommen erfüllt wurden.
Warum ich es dennoch gelesen habe, lag am Großdruck. Das Buch ließ sich recht schnell durchlesen und ich konnte auf meiner Liste wieder eines abhaken, da ich mir aus irgendeinem Wahn heraus vor zwei Jahren vorgenommen hatte, jeden Monat mindestens zehn Bücher zu lesen.
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Inhalt
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Die junge Luce arbeitet bei Richard Merriman als Zofe auf seinem Gut an der Küste von Plymouth. Wir befinden uns im England des 16. Jahrhunderts, also zur Zeit der Hexenverfolgungen, die hier ein zentrales Thema darstellen.
So kommt es dann auch, daß trotz der Verfolgungen Luce zu einem geheimen Hexentreffen eingeladen wird. Bald darauf stellt sich heraus, daß sie schwanger ist und sofort geht das Gerücht um, der Teufel selbst wäre der Vater des Ungeborenen. Um diese Gerüchte im Keim zu ersticken, verheiratet Richard Luce mit einem seiner Bekannten.
Doch seine Bemühungen zeigen wenig Erfolg. Luce bringt ein Mädchen zur Welt und nennt es Tamar - nach dem Motto: Ein ungewöhnliches Kind braucht einen ungewöhnlichen Namen. Tamar fällt schon sehr früh allen Leuten auf. Sie ist nicht nur außergewöhnlich hübsch, sondern hat auch einen recht eigenwilligen Kopf. Der Verdacht, der Teufel habe seine Hände im Spiel gehabt, wird schnell wieder laut und als ein Hexenjäger in die Stadt kommt, ist nicht nur Tamar in höchster Gefahr.
Als man Luce foltert und aufhängt, schafft es Tamar, den Henkersknechten der Inquisition zu entkommen und flüchtet sich zu dem einzigen Mann, der ihr jemals beigestanden hat - Richard Merriman.
Richard ist, im Gegensatz zu den meisten Engländern, ein sehr aufgeschlossener Mensch, der von Aberglauben nicht viel hält. Als dann plötzlich die Hexenjäger auch vor seiner Tür stehen, beschützt er Tamar und eröffnet allen, daß er ihr richtiger Vater ist...
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Allgemeine Eindrücke
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Es war mir fast unmöglich, eine Inhaltsangabe zu schreiben, denn der Inhalt ist anders als bei den Romanen, die ich sonst lese, nicht nach Einleitung - Höhepunkt - Schluß aufgebaut, sondern verläuft fast schon episodenhaft. Die Story zieht sich in die Länge und kommt trotzdem nie an irgendeinem Punkt an. Auch das Ende ist offen und ich hatte ständig das Gefühl, daß mir etwas fehlt. Die einzelnen Ereignisse, die ab und an stattfinden, sind auch nicht so besonders überwältigend, daß sie den Lesehunger befriedigen könnten. Eigentlich geht es nur um Tamar, die überall (absichtlich oder unabsichtlich) dafür sorgt, daß sie als Hexe erkannt wird.
Tamar ist wahrlich ein ungewöhnlicher Charakter. Dies wird nicht nur im Roman behauptet, sondern auch ich als Leserin empfand die Hauptperson mehr als merkwürdig. Das recht frühreife Mädchen ist wild und kann sich nirgends anpassen. Sie rebelliert gegen die Gesellschaft, indem sie z. B. mit wehenden Haaren über die Felder reitet.
Eine etwas seltsame Beziehung unterhält sie auch zu ihrem Nachbarn Bartle. Der Junge, den sie von klein auf abgrundtief haßt, wird zum Piraten. Das ganze Buch hindurch zeigt er seinen widerlichen Charakter und ich hätte ihm oft am liebsten eine geknallt...
Trotzdem heiratet Tamar in später. Das war für mich eigentlich das unbegreiflichste Ereignis, denn Tamar behauptet die ersten 200 Seiten fast in jedem dritten Satz, daß sie Bartle ja so sehr verabscheut. Wenn man dann noch bedenkt, daß sie zuvor mit einem Puritaner verheiratet war, so könnte man sagen, daß sie doch einen recht wankelmütigen Charakter besitzt. Oder aber die Autorin hat die Figur der Handlung angepaßt anstatt umgekehrt. Tamar handelt an vielen Stellen so, wie man es überhaupt nicht von ihr erwarten würde. Die Heirat mit dem Puritaner war beispielsweise etwas, das mich zwar nicht überraschte, dafür aber fast schon wütend machte, weil es eine völlig unsinnige Handlung war, die einfach nicht zu Tamar paßte, psychische Krise hin oder her (Bartle galt zu dieser Zeit als tot).
Dieser Bartle ist auch so eine Figur, die nicht besonders gut gestaltet wurde. Sein unsympathisches Auftreten kommt ziemlich gut rüber, fast schon ZU gut, möchte ich sagen, denn ich habe es bis zuletzt nicht verstanden, daß Tamar seinen aufdringlichen Annäherungsversuchen doch nachgegeben hat. Was er mit ihr getrieben hat, war glatte Vergewaltigung, trotzdem willigt sie in die Heirat mit Freuden ein. Als sie ihn darauf anspricht, daß er sie praktisch dazu erpreßt hat, mit ihm ins Bett zu gehen - er drohte, sie der Inquisition auszuliefern - meint er: \"Komm schon, Tamar. Sei doch mal ehrlich. Du hast doch meinen Trick durchschaut. Ich war lediglich großzügig. Ich habe dir einen Grund geliefert, dich mir hinzugeben.\" (S. 207) Genauso arrogant redet er den ganzen Roman hindurch.
Als es hieß, Bartle wäre auf See gefallen und Tamar würde sich endlich mit seinem Tod abfinden, dachte ich noch, es wäre ein Pluspunkt für die Autorin, daß sie, entgegen sonstigen Schnulzengewohnheiten, diesen Fiesling nicht mehr zurückkehren läßt. Wer hätte schon gedacht, daß der Arme erst 16 Jahre als Galeerensklave paddeln muß, bis er wieder nach Hause kommen darf? Ein sehr armseliger Lösungsversuch für Tamars Probleme...
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Hexenwahn
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Wenn man gerade mitten im Roman ist, beschleicht einen auf einmal das Gefühl, daß Tamar, Bartle, Richard und wie sie alle heißen, nur Randerscheinungen sind und das eigentliche Thema die Hexenverfolgungen sind. Die Passagen, in denen es um Hexen geht, sind denn auch die einzigen, die recht lebhaft und anschaulich erzählt werden.
Ein wenig irritiert war ich durch den sehr überzogenen Aberglauben. Selbst wenn es damals wirklich so zugegangen ist, so wirkt das auf den modernen Leser doch sehr unglaubhaft und übertrieben. In allem und jedem wird ein Werk des Teufels vermutet, als ob die Leute damals an nichts anderes gedacht hätten. Am Anfang hat man wenigstens ein bißchen Angst um die Hauptpersonen, doch am Ende nervt es eigentlich nur noch, weil dauernd darauf herumgeritten wird. Haramis. Und vor allem werden ständig die \"Jugendsünden\" der Protagonisten wieder wachgerüttelt. Alle paar Seiten wird dem Leser unter die Nase gerieben, daß Tamar vom Teufel abstammt. Sogar ihre beste Freundin stirbt am Ende, weil man sie dafür bestraft, daß sie Jahre vorher mit ihrem späteren Ehemann geschlafen hat.
Ich habe schon einige Filme über die Inquisition gesehen und da ich mich seit mehreren Jahren mit den Templern beschäftige, habe ich auch einiges darüber gelesen. Deshalb möchte ich auf keinen Fall sagen, daß hier etwas FALSCH dargestellt wurde, eher ZUVIEL. Die Autorin hat mehr oder weniger geschickt die grausamen Szenen auf eine erträgliche Art beschrieben, doch stört es einfach, daß praktisch auf jeder Seite davon die Rede ist. Es scheint, als ob Victoria Holt von ganzem Herzen eine Feindin der Inquisition ist und mit jedem Satz in diesem Roman auch darauf hinweisen will. Alles, was sie damit bei mir erreicht hat, war ein gewisser Grad an Genervtheit und Langeweile.
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Zur Autorin
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Die Autorin ist auf dem Cover angegeben mit \"Jean Plaidy\". Hierbei handelt es sich um ein Pseudonym von Victoria Holt.
Holt, die auch unter dem Namen \"Philippa Carr\" schrieb, wurde 1906 in London geboren. Ihr richtiger Name lautet Eleanor Alice Burford Hibberts (Kein Wunder, daß sie den geändert hat *g*).
In meinem Buch steht, daß sie 1989 den Golden Treasure Award \"für ihr umfangreiches Romanwerk\" erhielt.
Ein weiterer Roman, der hier genannt wird, ist \"Die Rache der Pharaonen\", und ist zufällig auch der einzige Roman von ihr, den ich außer \"In einer dunklen Zeit\" noch besitze. Es wird sich allerdings noch rausstellen müssen, ob dieses Buch genauso schlecht ist, denn ich bin bisher noch nicht dazugekommen, es zu lesen.
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Großdruck? Oder eher Falschdruck?
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Eine Sache muß ich unbedingt noch anmerken, weil sie das Lesen - abgesehen von dem schrecklichen Inhalt - noch zusätzlich erschwert hat. Das Buch wurde im Großdruck veröffentlicht, vorne steht sogar noch etwas von \"leserfreundlichem Großdruck\", doch das ist wohl eine Fehleinschätzung. Natürlich liest es sich leichter, wenn die Buchstaben größer gedruckt sind, nur sollten es dann eben auch die richtigen Buchstaben sein. Es ist keineswegs übertrieben, wenn ich sage, daß man auf jeder Seite mindestens zwei Fehler findet.
Vor kurzem habe ich eines meiner Bücher eingescannt und das Textprogramm konnte einige Wörter nicht erkennen und hat andere Buchstaben dafür eingesetzt, meistens für\'s Ö, oder statt \"m\" \"rn\" geschrieben und solche Mätzchen. In diesem Roman hier ist es genauso. Tamars Freundin z.B. heißt Annis, und man findet im ganzen Buch diverse Varianten wie \"Amris\" oder gar \"Arms\". Jedenfalls scheint es so, als hätte der Roman nie einen Lektor gesehen. Dafür, daß es immerhin im Heyne-Verlag erschienen ist, wurde es doch sehr nachlässig verarbeitet und hätte in dieser Form eigentlich gar nicht gedruckt werden dürfen, denn manche Fehler tun richtig weh. Meinen Lesespaß haben diese Fehler jedenfalls sehr getrübt, weil man alle paar Zeilen einfach hängenblieb und der Lesefluß gehörig ins Stocken kam.
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Zum Buch
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Da der Roman im Großdruck erschienen ist, hat er wohl etwas mehr Seiten als normal, 416, um genau zu sein. Geschrieben wurde er bereits 1972. Meine Ausgabe stammt allerdings von 1997 und dürfte in der Zwischenzeit vielleicht sogar schon wieder neu aufgelegt worden sein. Der Originaltitel lautet \"Daughter of Satan\" und trifft die Aussage des Buches weit besser als der nichtssagende deutsche Titel. Die ISBN meiner Ausgabe lautet: 3-453-12428-6, der Preis ist mit 12,90 DM angegeben.
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FAZIT
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Normalerweise lese ich gerne historische Romane, und dank Autoren wie Philipp Vandenberg werde ich diesem Genre wohl auch weiterhin treu bleiben. Victoria Holt dagegen werde ich in Zukunft lieber meiden. \"Die Rache der Pharaonen\" steht noch im Regal, aber weitere werden sicher nicht mehr dazukommen. Was ich bisher gelesen habe, fand ich einfach schlecht. Der Inhalt des Romans war langweilig und hat überhaupt keine bleibenden Spuren hinterlassen. Die schlechte Aufmachung des Buches hat mir dann noch den Rest gegeben.
Wenn ich mich über Hexenverfolgungen informieren will, dann kaufe ich mir lieber ein Sachbuch, damit bin ich sicherlich besser dran als mit diesem drittklassigen Roman. Jemand schrieb mir mal, ich würde zu hohe Ansprüche an Romane stellen, aber ich denke, wenn ich schon Geld dafür ausgeben muß, dann kann ich auch eine entsprechende Gegenleistung erwarten - oder zumindest ein Buch, das wenigstens Korrektur gelesen wurde...
Danke für\'s Lesen.
Eure Haramis.
Warum ich es dennoch gelesen habe, lag am Großdruck. Das Buch ließ sich recht schnell durchlesen und ich konnte auf meiner Liste wieder eines abhaken, da ich mir aus irgendeinem Wahn heraus vor zwei Jahren vorgenommen hatte, jeden Monat mindestens zehn Bücher zu lesen.
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Inhalt
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Die junge Luce arbeitet bei Richard Merriman als Zofe auf seinem Gut an der Küste von Plymouth. Wir befinden uns im England des 16. Jahrhunderts, also zur Zeit der Hexenverfolgungen, die hier ein zentrales Thema darstellen.
So kommt es dann auch, daß trotz der Verfolgungen Luce zu einem geheimen Hexentreffen eingeladen wird. Bald darauf stellt sich heraus, daß sie schwanger ist und sofort geht das Gerücht um, der Teufel selbst wäre der Vater des Ungeborenen. Um diese Gerüchte im Keim zu ersticken, verheiratet Richard Luce mit einem seiner Bekannten.
Doch seine Bemühungen zeigen wenig Erfolg. Luce bringt ein Mädchen zur Welt und nennt es Tamar - nach dem Motto: Ein ungewöhnliches Kind braucht einen ungewöhnlichen Namen. Tamar fällt schon sehr früh allen Leuten auf. Sie ist nicht nur außergewöhnlich hübsch, sondern hat auch einen recht eigenwilligen Kopf. Der Verdacht, der Teufel habe seine Hände im Spiel gehabt, wird schnell wieder laut und als ein Hexenjäger in die Stadt kommt, ist nicht nur Tamar in höchster Gefahr.
Als man Luce foltert und aufhängt, schafft es Tamar, den Henkersknechten der Inquisition zu entkommen und flüchtet sich zu dem einzigen Mann, der ihr jemals beigestanden hat - Richard Merriman.
Richard ist, im Gegensatz zu den meisten Engländern, ein sehr aufgeschlossener Mensch, der von Aberglauben nicht viel hält. Als dann plötzlich die Hexenjäger auch vor seiner Tür stehen, beschützt er Tamar und eröffnet allen, daß er ihr richtiger Vater ist...
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Allgemeine Eindrücke
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Es war mir fast unmöglich, eine Inhaltsangabe zu schreiben, denn der Inhalt ist anders als bei den Romanen, die ich sonst lese, nicht nach Einleitung - Höhepunkt - Schluß aufgebaut, sondern verläuft fast schon episodenhaft. Die Story zieht sich in die Länge und kommt trotzdem nie an irgendeinem Punkt an. Auch das Ende ist offen und ich hatte ständig das Gefühl, daß mir etwas fehlt. Die einzelnen Ereignisse, die ab und an stattfinden, sind auch nicht so besonders überwältigend, daß sie den Lesehunger befriedigen könnten. Eigentlich geht es nur um Tamar, die überall (absichtlich oder unabsichtlich) dafür sorgt, daß sie als Hexe erkannt wird.
Tamar ist wahrlich ein ungewöhnlicher Charakter. Dies wird nicht nur im Roman behauptet, sondern auch ich als Leserin empfand die Hauptperson mehr als merkwürdig. Das recht frühreife Mädchen ist wild und kann sich nirgends anpassen. Sie rebelliert gegen die Gesellschaft, indem sie z. B. mit wehenden Haaren über die Felder reitet.
Eine etwas seltsame Beziehung unterhält sie auch zu ihrem Nachbarn Bartle. Der Junge, den sie von klein auf abgrundtief haßt, wird zum Piraten. Das ganze Buch hindurch zeigt er seinen widerlichen Charakter und ich hätte ihm oft am liebsten eine geknallt...
Trotzdem heiratet Tamar in später. Das war für mich eigentlich das unbegreiflichste Ereignis, denn Tamar behauptet die ersten 200 Seiten fast in jedem dritten Satz, daß sie Bartle ja so sehr verabscheut. Wenn man dann noch bedenkt, daß sie zuvor mit einem Puritaner verheiratet war, so könnte man sagen, daß sie doch einen recht wankelmütigen Charakter besitzt. Oder aber die Autorin hat die Figur der Handlung angepaßt anstatt umgekehrt. Tamar handelt an vielen Stellen so, wie man es überhaupt nicht von ihr erwarten würde. Die Heirat mit dem Puritaner war beispielsweise etwas, das mich zwar nicht überraschte, dafür aber fast schon wütend machte, weil es eine völlig unsinnige Handlung war, die einfach nicht zu Tamar paßte, psychische Krise hin oder her (Bartle galt zu dieser Zeit als tot).
Dieser Bartle ist auch so eine Figur, die nicht besonders gut gestaltet wurde. Sein unsympathisches Auftreten kommt ziemlich gut rüber, fast schon ZU gut, möchte ich sagen, denn ich habe es bis zuletzt nicht verstanden, daß Tamar seinen aufdringlichen Annäherungsversuchen doch nachgegeben hat. Was er mit ihr getrieben hat, war glatte Vergewaltigung, trotzdem willigt sie in die Heirat mit Freuden ein. Als sie ihn darauf anspricht, daß er sie praktisch dazu erpreßt hat, mit ihm ins Bett zu gehen - er drohte, sie der Inquisition auszuliefern - meint er: \"Komm schon, Tamar. Sei doch mal ehrlich. Du hast doch meinen Trick durchschaut. Ich war lediglich großzügig. Ich habe dir einen Grund geliefert, dich mir hinzugeben.\" (S. 207) Genauso arrogant redet er den ganzen Roman hindurch.
Als es hieß, Bartle wäre auf See gefallen und Tamar würde sich endlich mit seinem Tod abfinden, dachte ich noch, es wäre ein Pluspunkt für die Autorin, daß sie, entgegen sonstigen Schnulzengewohnheiten, diesen Fiesling nicht mehr zurückkehren läßt. Wer hätte schon gedacht, daß der Arme erst 16 Jahre als Galeerensklave paddeln muß, bis er wieder nach Hause kommen darf? Ein sehr armseliger Lösungsversuch für Tamars Probleme...
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Hexenwahn
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Wenn man gerade mitten im Roman ist, beschleicht einen auf einmal das Gefühl, daß Tamar, Bartle, Richard und wie sie alle heißen, nur Randerscheinungen sind und das eigentliche Thema die Hexenverfolgungen sind. Die Passagen, in denen es um Hexen geht, sind denn auch die einzigen, die recht lebhaft und anschaulich erzählt werden.
Ein wenig irritiert war ich durch den sehr überzogenen Aberglauben. Selbst wenn es damals wirklich so zugegangen ist, so wirkt das auf den modernen Leser doch sehr unglaubhaft und übertrieben. In allem und jedem wird ein Werk des Teufels vermutet, als ob die Leute damals an nichts anderes gedacht hätten. Am Anfang hat man wenigstens ein bißchen Angst um die Hauptpersonen, doch am Ende nervt es eigentlich nur noch, weil dauernd darauf herumgeritten wird. Haramis. Und vor allem werden ständig die \"Jugendsünden\" der Protagonisten wieder wachgerüttelt. Alle paar Seiten wird dem Leser unter die Nase gerieben, daß Tamar vom Teufel abstammt. Sogar ihre beste Freundin stirbt am Ende, weil man sie dafür bestraft, daß sie Jahre vorher mit ihrem späteren Ehemann geschlafen hat.
Ich habe schon einige Filme über die Inquisition gesehen und da ich mich seit mehreren Jahren mit den Templern beschäftige, habe ich auch einiges darüber gelesen. Deshalb möchte ich auf keinen Fall sagen, daß hier etwas FALSCH dargestellt wurde, eher ZUVIEL. Die Autorin hat mehr oder weniger geschickt die grausamen Szenen auf eine erträgliche Art beschrieben, doch stört es einfach, daß praktisch auf jeder Seite davon die Rede ist. Es scheint, als ob Victoria Holt von ganzem Herzen eine Feindin der Inquisition ist und mit jedem Satz in diesem Roman auch darauf hinweisen will. Alles, was sie damit bei mir erreicht hat, war ein gewisser Grad an Genervtheit und Langeweile.
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Zur Autorin
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Die Autorin ist auf dem Cover angegeben mit \"Jean Plaidy\". Hierbei handelt es sich um ein Pseudonym von Victoria Holt.
Holt, die auch unter dem Namen \"Philippa Carr\" schrieb, wurde 1906 in London geboren. Ihr richtiger Name lautet Eleanor Alice Burford Hibberts (Kein Wunder, daß sie den geändert hat *g*).
In meinem Buch steht, daß sie 1989 den Golden Treasure Award \"für ihr umfangreiches Romanwerk\" erhielt.
Ein weiterer Roman, der hier genannt wird, ist \"Die Rache der Pharaonen\", und ist zufällig auch der einzige Roman von ihr, den ich außer \"In einer dunklen Zeit\" noch besitze. Es wird sich allerdings noch rausstellen müssen, ob dieses Buch genauso schlecht ist, denn ich bin bisher noch nicht dazugekommen, es zu lesen.
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Großdruck? Oder eher Falschdruck?
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Eine Sache muß ich unbedingt noch anmerken, weil sie das Lesen - abgesehen von dem schrecklichen Inhalt - noch zusätzlich erschwert hat. Das Buch wurde im Großdruck veröffentlicht, vorne steht sogar noch etwas von \"leserfreundlichem Großdruck\", doch das ist wohl eine Fehleinschätzung. Natürlich liest es sich leichter, wenn die Buchstaben größer gedruckt sind, nur sollten es dann eben auch die richtigen Buchstaben sein. Es ist keineswegs übertrieben, wenn ich sage, daß man auf jeder Seite mindestens zwei Fehler findet.
Vor kurzem habe ich eines meiner Bücher eingescannt und das Textprogramm konnte einige Wörter nicht erkennen und hat andere Buchstaben dafür eingesetzt, meistens für\'s Ö, oder statt \"m\" \"rn\" geschrieben und solche Mätzchen. In diesem Roman hier ist es genauso. Tamars Freundin z.B. heißt Annis, und man findet im ganzen Buch diverse Varianten wie \"Amris\" oder gar \"Arms\". Jedenfalls scheint es so, als hätte der Roman nie einen Lektor gesehen. Dafür, daß es immerhin im Heyne-Verlag erschienen ist, wurde es doch sehr nachlässig verarbeitet und hätte in dieser Form eigentlich gar nicht gedruckt werden dürfen, denn manche Fehler tun richtig weh. Meinen Lesespaß haben diese Fehler jedenfalls sehr getrübt, weil man alle paar Zeilen einfach hängenblieb und der Lesefluß gehörig ins Stocken kam.
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Zum Buch
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Da der Roman im Großdruck erschienen ist, hat er wohl etwas mehr Seiten als normal, 416, um genau zu sein. Geschrieben wurde er bereits 1972. Meine Ausgabe stammt allerdings von 1997 und dürfte in der Zwischenzeit vielleicht sogar schon wieder neu aufgelegt worden sein. Der Originaltitel lautet \"Daughter of Satan\" und trifft die Aussage des Buches weit besser als der nichtssagende deutsche Titel. Die ISBN meiner Ausgabe lautet: 3-453-12428-6, der Preis ist mit 12,90 DM angegeben.
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FAZIT
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Normalerweise lese ich gerne historische Romane, und dank Autoren wie Philipp Vandenberg werde ich diesem Genre wohl auch weiterhin treu bleiben. Victoria Holt dagegen werde ich in Zukunft lieber meiden. \"Die Rache der Pharaonen\" steht noch im Regal, aber weitere werden sicher nicht mehr dazukommen. Was ich bisher gelesen habe, fand ich einfach schlecht. Der Inhalt des Romans war langweilig und hat überhaupt keine bleibenden Spuren hinterlassen. Die schlechte Aufmachung des Buches hat mir dann noch den Rest gegeben.
Wenn ich mich über Hexenverfolgungen informieren will, dann kaufe ich mir lieber ein Sachbuch, damit bin ich sicherlich besser dran als mit diesem drittklassigen Roman. Jemand schrieb mir mal, ich würde zu hohe Ansprüche an Romane stellen, aber ich denke, wenn ich schon Geld dafür ausgeben muß, dann kann ich auch eine entsprechende Gegenleistung erwarten - oder zumindest ein Buch, das wenigstens Korrektur gelesen wurde...
Danke für\'s Lesen.
Eure Haramis.

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