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Erfahrungsbericht von denali

Hickam, Homer: Rocket Boys "Tüfteltypen mit Erfindergeist"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Zum Ausgleich zu den von mir bevorzugten Kriminalromanen brauche ich Lektüre völlig anderer Art. So hat mich vor langer Zeit eine Rezension dazu bewegt, mir dieses Buch von Homer H. Hickam jr., genannt „Sonny“, zuzulegen. Lange fristete es sein Dasein im Bücherregal – Leider, muss man im Nachhinein sagen.

Denn Sonny Hickam schreibt hier über seine Jugendzeit und zeichnet seinen in die Realität umgesetzten Traum nach. Er lebt mit seinen Eltern und einem älteren Bruder in Coalwood, im südlichen West-Virginia. Hinter Coalwood verbirgt sich eine Ortschaft, die direkt dort errichtet wurde, wo der Steinkohlebergbau florierte. Jeder Mann im Ort arbeitete für die Bergbaugesellschaft, die den Familien das Wohnen und Leben im Ort ermöglichte. Sonnys Vater ist im Laufe der Zeit zum Zechenleiter aufgestiegen, ordnete alles seiner Arbeit unter und ließ sich auch von einer arbeitsbedingten Lungenkrankheit nicht ins Bockshorn jagen. Jim, Sonnys älterer Bruder, war Vaters ganzer Stolz, da er ein As im Football war. Mutter Elsie war der „Friedensrichter“ im Haus und verwaltete auch die Finanzen. So verlebte Sonny seine Jugendzeit im Kreise seiner Freunde Roy Lee, Sherman und O’Dell bis zum Herbst 1957....

Denn am 05.10.1957 änderte sich vieles. „Sputnik“ wurde von den Russen ins All geschossen und die verschiedensten Befürchtungen über einen bevorstehenden Krieg wurden im Landkreis laut. Schlimmer war allerdings, dass die eigene Nation in der Technologie (noch) hinterherhinkte. Fortan interessierte sich Sonny für die Geschehnisse um die Raumfahrt. Als „Sputnik II“ mit der Hündin Leika die Erde umkreiste, war für ihn klar, dass er Raketen bauen wollte. Mit dem Segen seiner Mutter („Spreng Dich nicht in die Luft“) versammelte er seine Freunde und umgehend wurde aus alten Böllern eine erster Flugkörper gebastelt und gleich an Mutters Rosengartenzaun ausprobiert. Die spontane Intelligenz der Vier sorgte jedoch vorerst nur für den Flug des Zaunes.....

Entmutigt von dem Experiment erwartete Sonny die Strafe seiner Mutter. Doch sie empfahl ihm alles daranzusetzen, dass es mit dem Raketenbau klappt, da es eine Chance für ihn wäre, dem Kohle-Städtchen zu entkommen. Trotz der ermutigen Worte folgte ein weiterer Tiefschlag. Nicht nur, dass die Jungs im Ort jetzt als „Knallfrösche“ verschrien waren, nein auch seine Freunde wandten sich von ihm und seinen Vorstellungen ab. Bestärkt in der Weiterführung seiner Idee wurde er von dem missglückten Vanguard-Projekt der USA, das nach nur einem Meter Flug scheiterte. So suchte sich Sonny in dem Klassenstreber Quentin einen neuen Verbündeten und folgt seinem Traum, einmal an der Seite seines Idols Wernher von Braun zu arbeiten.

Nachdem die US-Army in 1958 dann erfolgreich den Explorer-Satelliten ins Weltall schoss, waren aber auch Sonnys Freunde wieder Feuer und Flamme von diesem Thema und schlossen sich den beiden wieder an. Umgehend gründeten die Fünf einen eigenen Raketenverein. So tüftelten und bastelten sie an Raketenkörpern und Antriebstechniken. Rückschläge aufgrund mangelndes Wissens (woher auch zur damaligen Zeit) konnten sie nicht mehr beirren und ließen die Arbeitsintensität höchstens steigen. Freundliche Helfer fanden sie in den Bewohnern des Ortes, besonders in den Werkzeugschlossern der Kohlemine, die ihnen vor allem beim Bau einzelner Raketenteile halfen – natürlich sehr zum Leidwesen von Sonnys Vater.

Mit Unterstützung der Chemielehrerin, die Sonny auch ein Buch über die Grundlagen von Lenkflugkörpern schenkte, schaffte der Verein es sogar, dass Teile des notwendigen Wissens (vor allem mathematischer Natur) in der Schule als Sonderkurs gelehrt wurden. Die begrenzten Plätze wurden ausgeschrieben und überraschenderweise war die Zahl der Bewerber höher. Aufgrund der schlechteren Noten blieb nun ausgerechnet Sonny auf der Strecke....

Wie der Verein nicht nur mit diesem Tiefschlag fertig wurde sondern auch weitere Widerstände umschiffte erfahrt Ihr, wenn Ihr dieses tolle Buch lest.


Meinung:

Sicher, das Buch ist sehr amerikanisch, aber auch sehr lesenswert. Hickam schreibt mit sehr viel Liebe zum Detail in der Ich-Form über seine Teenager-Zeit. Er vermittelt dem Leser so das Leben in solch einer Retortenstadt wie Coalwood sehr authentisch. Somit auch den Versuch der Jungen, aus diesem Milieu auszubrechen, um eben nicht als Arbeiter der Minengesellschaft, sei es Über- oder Unter-Tage, zu enden.

Man möchte meinen, dass so eine Story keine Spannung erzeugen kann. Weit gefehlt. Hickam hat nicht nur einen sehr lebendigen Schreibstil, er baute auch viel Witz, Selbstironie und Augenzwinkern mit in den Text ein. Die Neugierde beim Lesen ist sehr hoch und wächst, da man erfahren will, wie die Tüfteltypen ihre eigenen Ziele erreichen und welche abenteuerlichen Mischungen aus Schwefel, Zucker, Klebstoff oder Zinkstaub als Treibstoffgemisch herhalten. Kurzum, ich habe dieses Buch regelrecht verschlungen und es schneller ausgelesen als so manchen Krimi-Thriller. Mit dem Highschool-Abschluss von Hickam endet leider das Lesevergnügen. Die weiteren Lebensläufe sind im Epilog zusammengefasst.

Das Werk überfordert den Leser auch nicht mit den wenigen Erklärungen technischer und mathematischer zusammenhänge. Diese sind so gestaltet, dass sie durchaus lehrreich wirken und zur Eigeninitiative aufrufen. Lernen kann man vieles, man muss dafür nicht volljährig oder hochbegabt sein, nur wollen muss man.... Fazit: unbedingt lesen

Autor/Buch:

Jetzt noch mehr über den Autoren zu verraten, hieße auch das Finale des Buches preiszugeben. Also verzeiht mir diese „Nichtinformation“. Jedenfalls ist das Buch „Rocket Boys“ nur ein Teil der Biografie von Hickam. Insgesamt hat er über seinen Lebensweg drei Bücher geschrieben. Allerdings sind die anderen Werke der Coalwood-Trilogie („Sky of Stone“ und „The Coalwood Way“) nicht in einer deutschen Übersetzung erhältlich. Auch andere Erzählungen Hickams gibt es nur im Original.

Das Buch ist 1998 unter dem Titel „October Sky“ auch verfilmt worden. Aus den Internetseiten des Autors ist zu entnehmen, dass hier u.a. verschiedene Personen zu Einer verschmolzen wurden. Dies nur als Hinweis.

Für glatte 10 Euro erhält man (unter der ISBN-Nr. 3-423-20494-X) 438 Seiten vergnüglichen Lesespaß. In der deutschen Übersetzung hat der Deutsche Taschenbuch Verlag das Werk aufgelegt.


Tipp:

Nach dem Lesen empfiehlt sich ein Besuch auf des Autoren Homepage (www.homerhickam.com), um dort die Bilder aus der Epoche und zum Buch zu genießen....

Viele Grüße
denali

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