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Erfahrungsbericht von IvoryB

Wie entschuldigt man einen MORD ? Die Sünderin v. Petra Hammesfahr!

Pro:

Spannung, Anspruch, fesselnd, realistisch

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Nein

Vor einer Woche habe ich es beendet, das Buch von dem ich mehr als nur begeistert war. Eigentlich bin ich momentan gar nicht so die grosse Leseratte, gehe lieber mit Freunden ein Bier trinken und zeche die Abende durch. Man gönnt sich ja sonst nichts. *SMILE*
Aber dieses Buch hatte meine Schwester mir empfohlen, meine Mutter sich gekauft und ich hatte das Glück es direkt lesen zu können. In drei Tagen, durchgelesenen Nächten, geschwollenen Augen und einem verspannten Nacken hatte ich es durch.
Das Buch hat circa 500 Seiten und kostet in Taschenbuchformat so um die EUR 7,--.
Ein Preis der Auszugeben sich lohnt. "Die Sünderin" von Petra Hammesfahr!

Kurzer Inhalt:
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Cora Bender ist eine 24-jährige verheiratete Frau, sie hat einen netten Ehemann, einen zweijährigen Sohn und eigentlich sollte man meinen das diese Punkte eine gute Basis abgeben um glücklich zu sein. Aber bei Cora ist das anders, ihr Leben ist ihr völlig egal, ihre Ehe, der Freitag-Abend-Pflicht-Sex, ihre Schwiegereltern, ihre Arbeit und sogar das Kümmern um ihren Sohne, das alles lässt sie einfach über sich ergehen und empfindet nichts dabei. Oft denkt sie ans sterben und dass sowieso niemand sie vermissen würde und noch öfter kommen plötzlich Erinnerungsfetzen in ihr hoch, die sie nicht zuordnen kann, die heftige Qualen in ihr hervorrufen, vor allen Dingen beim Sex mit ihrem Mann, dann wenn er etwas von ihr verlangt was sie nicht machen möchte.
Irgendein verborgenes grausames Geheimnis befindet sich in Coras Seele, das sie so tief vergraben hat, dass noch nicht einmal sie selbst es wieder hervorrufen kann.
Was mit ihr passiert ist, kann sie selber nicht sagen, nur das irgendwann etwas ganz Schlimmes passiert ist, für das sie büßen müsse, eine tiefe Narbe ziehrt auch ihre Stirn, von der sie auch nicht weiß woher diese stamm.

An einem schönen Tag fährt sie mit ihrer kleinen Familie, Mann und Kind an den See, (übrigens der Otto-Maigler-See in Hürth, direkt bei mir um die Ecke).
Um ihr Leben endgültig zu beenden, beschließt sie ihren Suizidversuch als Unfall zu tarnen. Sie möchte ertrinken, einfach ertrinken.
Doch bevor Cora sich selbst das Leben nehmen kann geschieht das Unvermeidliche. Plötzliche Panik steigt in ihr auf als sie ein knutschendes Pärchen beobachtet, das auf der Nachbardecke wild herumknutscht.
Ohne Vorwarnung schreit sie den Mann an die Frau loszulassen, immer und immer wieder und im gleichen Moment sticht sie mit einem Apfelmesser zielstrebig auf den Mann ein, der sich nicht einmal wehrt. Er steht wie angegossen und starrt die Frau an, die ihn töten wird. ERKENNEN LIEGT IN SEINEM BLICK UND TIEFE SCHAM.
Cora sticht solange auf den Mann ein bis sie von ihrem Ehemann überwältigt werden kann.

Alle stehen vor einem Rätsel. Was bringt eine zurückhaltende, treusorgende Ehefrau und Mutter, die niemals durch nur einen einzigen Ausbruch der Gefühle aufgefallen ist dazu, auf einen wildfremden Mann einzustechen, der sich scheinbar auch noch nie etwas zu Schulden kommen gelassen hat.
Die Polizei hat eine geständige Täterin, ein Opfer, zahllose Zeugen die alle das selbe aussagen, aber kein Motiv.
Nur Hauptkommissar Rudolf Grovian zweifelt an der Tatsache der geistigen Verwirrtheit und möchte den Fall nicht voreilig abschließen, da sie für ihn keineswegs einen verwirrten Eindruck macht.
Er ist fest davon überzeugt, dass sich Täter und Opfer kennen und dass ein bestimmtes Erleben die beiden verbindet.
Und was der Hauptkommissar mit viel Geduld und Nachforschungen bis hin zu Coras extrem religiös durchgeknallten Mutter aufdeckt, ist das Grauen selbst ...

Während den Untersuchungen taucht man immer wieder in die Psyche und das Denken von Cora Bender. Dinge spuken in ihrem Kopf herum, die sie dem Hauptkommissar anfänglich verschweigt, die sie selbst nicht einmal versteht. Er zwingt sie dazu sich zu erinnern und sie versucht sich kläglich dagegen zu wehren. Aber die Erinnerungen lassen sich nicht ewig zurückhalten und fordern ihren Geist, ihre Seele, ihren Verstand.

Man bekommt einen erschreckender Einblick in Coras Kindheit. Die Mutter total fanatisch religiös. Ihre Schwester heimgesucht von einer schrecklichen unheilbaren Krankheit. Der Vater, dem es nicht gelingt seine Töchter vor dem Wahn seiner Frau zu schützen und sich selbst noch als Mann fühlen zu können.
Schon als kleines Mädchen lernt Cora also als die „Sünderin“ zu leben und aufzuwachsen.

Bis zum Ende dieses Buches wusste ich nicht auf was die Autorin hinauswill. Perfekte Schnitte von den Erinnerungen zu den Verhörungen des Hauptkommissars. Immer wieder Coras Gedankengänge.
Zwischenzeitlich hat man immer mal wieder einen Verdacht, was passiert ist, was das Opfer, was Sex und was die Narbe damit zu tun haben, aber immer wieder gibt es neue Hinweise, die auf einer neuen Theorie basieren.

Und glaubt mir, auf das tatsächliche Ende ist man nicht vorbereitet und hat es auch in keinster Weise in Betracht gezogen. Ein Erlebnis, dass kein normaler Mensch verarbeiten kann ... ein Trauma.

Die Spannung ist unbeschreiblich, man verfolgt Rudolf Grovian, der immer weiter versucht die Puzzleteile, die er von Cora erhält, richtig zusammenzulegen und herauszufinden, welche Ereignisse nur aus Coras Phantasie entspringen und welche sie wirklich erlebt hat.

Petra Hammesfahr schafft es treffsicher, die Psyche eines Menschen, der nie wieder an ein bestimmtes Erlebnis erinnert werden will realistisch zu beschreiben.
Im Verlauf der Geschichte wird dargestellt wie die Mauer in Coras Seele immer weiter bröckelt.

Das einzige, was die ganze Zeit festzustehen scheint ist, dass das Geschehen am 16. Mai, fünf Jahre zuvor passiert ist. Ein Keller, drei Männer, viel viel Kokain, Alkohol, laute Musik, ein gläserner Aschenbecher, der eine sehr heftige Narbe im Gesicht hinterlassen kann und eine Frau ... die nach diesem Erlebnis niemals wieder dieselbe sein wird und die füng Jahre später einen ihr völlig fremden Mann ersticht, an dem Tag an dem eigentlich sie selbst sich das Leben nehmen will.

Ein Buch, das alle Grenzen überschreitet, das mich von Anfang bis Ende gefesselt hat und das Ende hat mich total erschüttert. Es ist ein Buch, dass nur allzu schnell Realität werden kann und das man je länger man liest immer mehr vor Augen geführt bekommt.

Es ist nur ein kleiner Schritt von der Realität bis zum beginnenden Wahnsinn und Dinge die man versucht zu verdrängen werden ihren Weg an die Oberfläche finden ...

Ich kann dieses Buch zu 7482 Prozent empfehlen ... das Wochenende ruft.

Lieben Gruß und danke fürs Lesen und Kommentieren,
Ivory

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