Mehr zu AutorInnen mit R Testbericht

No-product-image
ab 12,09
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

5 Sterne
(46)
4 Sterne
(7)
3 Sterne
(3)
2 Sterne
(2)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von Gering

Die Frau fesslelt

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Kathy Reichs ist eine von nur wenigen in Nordamerika zugelassenen forensischen Anthropologen und mittlerweile nebenbei auch eine weithin bekannte Schriftstellerin. Mit ihrem vierten Buch „Durch Mark und Bein“ hat sie meiner Meinung nach auch ihr bisher bestes geschrieben, wobei alle anderen drei Vorgängerbücher schon überdurchschnittlich waren.


Temperance Brennan, kurz Temp, arbeite wie ihre Schöpferin Kathy Reichs ebenfalls als forensischen Anthropologin. Sie gibt Vorlesungen in North Carolina, ist forensischen Anthropologin in Quebec, Kanada und Mitglied des sog. DEMORTS, einem Katastrophenteam der US-Behörden. Und in dieser Funktion wird sie an den Ort eines Flugzeugabsturz gerufen. Ein Regionalmaschine einer kleinen Fluglinie mit der Football – Mannschaft der Universität von Georgia an Bord nebst Trainer und Fans in den Great Smoky Mountains.
Temp ist die Erste vom DEMORT – Team vor Ort und auch wenn sie einiges gewohnt ist aus ihrer langen Berufslaufbahn, so ist doch der Anblick der verstümmelten Leichen des Flugzeuges auch für sie fast zuviel.
Gemeinsam mit den nach und nach eintreffenden Experten diversen Bundesbehörden beginnt man, zunächst die sterblichen Überreste der Passagiere zu bergen, zu katalogisieren und zu versuchen, die einzelnen Teile zu identifizieren und Personen zuzuordnen.
Wie immer ist auch bei dieser Katastrophe der Medienrummel enorm, vor allem auch deshalb, weil sich an Bord der Maschine auch ein kanadischer Polizist befand, der einen gesuchten Mörder nach Kanada überstellen sollte.
Schnell wird klar, dass das Flugzeug vermutlich durch eine Explosion zerstört und zum Absturz gebracht worden ist und die Detonation hat direkt unter den Sitzen des kriminellen Passagiers und des Polizisten stattgefunden. Ein gefundenes Fressen für die Spekulanten von der Presse.
Für Temp ist der Einsatz so wie jeder bei einem Großunglück, bis sie etwas abseits von der eigentlichen Aufschlagstelle ein Rudel Kojoten antrifft, die sich um einen Fuß balgen.
Ohne an die Gefahr zu denken, nimmt sie dem Rudel das Leckerlie ab, wobei sie von ihrem Fastfreund Ryan, einem kanadischen Polizisten, der wegen des Todes eines Kollegen hinzugezogen worden war, Hilfe erhält. Und gerade dieser Fuß soll gravierende Folge für Temp haben.
Schnell stellt sie fest, dass der Fuß kaum einem Passagier des Flugzeuges gehören kann. Zu alt scheint der ehemalige Träger desselben gewesen zu sein, zu fortgeschritten der Verwesungsprozess. Nochmals auf der Suche, findet sie eine verborgene Hütte im Wald, die einen ummauerten Hof besitzt.
Wie üblich, macht sie den Fund publik und damit Beginnen die Probleme.
Von höchster Stelle werden Temp plötzlich hanebüchene Vorwürfe gemacht: Dass sie den Fuß geborgen und vor den Kojoten gerettet und nicht an der Fundstelle belassen hat wurde als Behinderung der Ermittlung und Unterschlagung dargestellt, sie habe unrechtmäßig zutritt zur Absturzstelle verschafft, da sie die erste war, die vom DEMORT Team am Platz eintraf, obwohl sie auf ihre Vorgesetzten hätte warten müssen usw. usf. Selbst Freunde von ihr rücken von ihr ab und schnell wird klar, dass jemand ganz oben in der Hierarchie sich darum bemüht, Temp zu demontieren, ihren Ruf zu vernichten und sie von den Arbeiten an der Absturzstelle fernzuhalten.

Und es klappt: Temp wird aus dem DEMORT Team entlassen, von ihrer Universität suspendiert. Doch sie will diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen, obwohl man ihr alle Knüppel zwischen die Beinen wirft, wie nur möglich. So wird auf dunklen Kanälen auch die presse informiert.
Temp beginnt, auf eigene Faust Nachforschungen zu betreiben und bittet dabei eine alte Kollegin, für sie im Leichenschauhaus nochmals wichtige Vermessungen an dem Fuß vorzunehmen, um genauer bestimmen zu können, welcher Rasse der Fuß zuzuordnen ist, denn sie möchte diese mit den Vermisstenfällen der Gegend vergleichen.
Dabei fällt ihr auf, dass überraschend viele ältere Menschen spurlos zu verschwinden scheinen.

Dramatisch spitzt sich die Situation zu, als die von ihr um Hilfe ersuchte Kollegin ermordet aufgefunden wird.

Jetzt wird klar, dass ein Geheimnis zu verbergen ist, das mehr als nur Menschenleben wert ist und für das einfach auch gemordet wird. und was Temp dann entdeckt, dass schlimmer als die Tatsache des Flugzeugabsturzes.


________________________

Kathy Reichs schreibt als eine Expertin, die beispielsweise auch bei den Arbeiten rund um den 11. September 2001 hinzugezogen worden ist, denn nicht nur ihre Hauptfigur Temp, sondern auch sie selbst ist Mitglied im DEMORT.
Selten genug, dass ein Fachmann aus einem Gebiet, das den meisten von uns die Gänsehaut auf den Rücken schickt, dem Laien auf diese Art einen profunden Einblick in die Arbeiten gibt.
Dabei sind die Personen bei weitem nicht abgehoben, sondern alltäglich, was sie auch für Serie so sympathisch macht, dass man jedem neuen Buch entgegen fiebert.

Zwar sind die Inhalte der Bücher aus einem skurrilen bereich und selten sind Menschen auch daran interessiert, aber die Art und Weise, in der Reichs ihre Bücher schreibt, macht diese zu einem fesselnden Leseerlebnis. Man erhält Einblick, bekommt Verständnis für diese Arbeit und weiß immer, dass es sich sicher um eine fiktive Geschichte handelt, hinter der aber auch grausame, weil von der Autorin selbst erlebte Situationen sich verbergen.
Insofern sind diese Bücher enorm glaubwürdig, doch dass allein lässt den Erfolg von Kathy Reichs nicht unbedingt zwangsläufig erscheinen.
Denn dazu benötigt es auch schriftstellerischen Könnens, und das beweist sie mit jedem neuen Buch.

Für jede Leseratte, der sich nach der Inhaltsangabe oben das Buch zutraut, verspreche ich eine Lektüre, die einen nicht mehr los lässt-. Selten genug gibt es Bücher, für die man auch mal auf den Nachtschlaf verzichtet. Dieses ist eines derselben, ganz oben auf der Topliste.

Michael


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-16 13:21:01 mit dem Titel Thriller der Spitzenklasse

Kathy Reichs / Lasst Knochen sprechen

Der dritte Band von Kathy Reichs Krimi Reihe ist auf dem deutschen Buchmarkt und verspricht, wie die beiden Bände zuvor auch, ein kribbelndes und packendes Lesevergnügen.

Die Heldin der Reihe, die forensische Anthropologin Tempe Brennan, wird in deinem Band tief in die Bandenauseinandersetzungen der kanadisch - amerikanische Bikerszene hineingezogen.
Der Tod eines neunjährigen Mädchens, dass bei dem Mord an dem SPIEß ( der für die Informationsbeschaffung über Polizei, rivalisierende Gangs usw. zuständig ist) einer örtliche Bikergruppe in die Schussbahn gekommen ist, markiert den Beginn einer Entwicklung, bei dem Tempe die einen und andere Leiche unter das Seziermesser kommt.
Dabei wird ihr Neffe, der gerade zu Besuch ist und in den Staaten kurz zuvor mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, tief in die Auseinandersetzungen mit hineingezogen, denn die Bikes der Gangs haben es ihm angetan und so kommt er mit den dunklen Elementen in Kontakt.

Neben dieser Entwicklung wird der Polizist Ryan, mit dem Tempe mehr als nur dasselbe Berufsfeld verbindet, in einen Drogenskandal verwickelt, so dass er (fast gänzlich) von der (beschriebenen ) Bildfläche verschwindet.
Für den gewieften Serienleser ein deutlicher Hinweis dafür, dass schon bald mit dem vierten Band zu rechnen ist!!

********************************************

Wie immer ist auch das neue Buch von Kathy Reichs, im wirklichen Leben neben dem Beruf als Schriftstellerin wie ihre Titelheldin auch eine von nur 50 zugelassenen forensischen Anthropologen in den USA und Kanada.
Ihre bisherigen und auch das vorliegende neue Buch bestechen durch ein enormes Fachwissen, dass aber den Leser nicht auf eine überfordernde Art, sondern quasi nebenher mitvermittelt wird. Gerade die Details, für den einen oder anderen Leser vielleicht abstoßend, machen das Buch zu einer wirklich spannenden Lektüre - und haben bei mir zu dem etwas absonderlichen Hobby geführt, mir zu diesem Thema auch das eine oder andere Fachbuch zuzulegen.

Tempe als Titelheldin etablierte sie als eine (mal abgesehen von dem dann doch eher ungewöhnlichen Beruf) normale und natürliche, sympathische Frau mit den für jeden Menschen eigenen Spleens.

Das einzige Manko an diesem dritten Band: Für die 44 DM erhält man ein im Vergleich zum gleichteuren zweiten Band 100 spannende Seiten weniger. Schade, Schade!

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-04 18:34:53 mit dem Titel Des Mordens nächster Streich ...

Mord am Vesuv / Roberts, Maddox John
John Maddox Roberts hat sich nicht nur als ein Fantasy – Autor einen Namen gemacht, sondern schlägt mit seiner SPQR – Reihe international zu.
Der Held in der Reihe ist der junge Decius Caecilius Metellus, also ein Mitglied der alten patrizischen Familie der Meteller, die schon so manche großen Politiker und Militär für die Stadt Rom hervorgerbacht hat.

Das Buch MORD AM VESUV ist druckfrisch und erst seit 1 Woche auf dem Markt erhältlich.

Decius ist ein Römer durch und durch, lebt den römischen Lebensstil, freilich natürlich nur den der Reichen, versteht sich.
Und als Mitglied eine renommierten, alteingesessenen Gründerfamilie ( das glaubten dann die Patrizier ohnehin nur alleine von sich) ist er auch gehalten, die für eine Patrizier quasi verpflichtende Ämterlaufbahn einzuschlagen. Und das tut, teilweise mit mehr Glück als Verstand, doch immerhin erfolgreich. Denn zum einen sind die Ämter für die Amtsinhaber recht kostspielig, was die meisten Römer schon von vornherein von denselben ausschloss, zum anderen hilft ihm auch sein Name und die nicht mindergroße Klientel seiner Verwandtschaft.

Die Geschichten rund um den jungen Meteller ereignen sich in der Zeit Caesars, allerdings noch in der Phase, in der dieser noch die Gallier windelweich drischt, natürlich mit einer Ausnahme. Pompeius kommt ebenfalls noch vor, hat aber – das wissen die historisch bewanderten – nicht

__________________
MORD AM VESUV
__________________
Decius hat es mittlerweile zum Praetor gebracht und damit ist er zuständig für Gerichtsverfahren in ganz Italia, bei denen Nichtrömer angeklagt sind. Mit dem Amt verbindet sich aber auch militärische Macht, darf er doch zur Durchsetzung auch militärische Gewalt anwenden. Deshalb ist das Amt des Praetors bei den Römern auch ähnlich wichtig wie das eines Konsuls.
Durch sein Amt verschlägt es ihn in den Süden, genauer nach Baiae in der Nähe des Vesuvs. Dort bereit man ihm einen festlichen und kostspieligen Empfang, ist es doch für die Stadt eine Ehre, einen der höchsten Beamten des Staates in den eigenen Mauern weile zu sehen. Und auch das Leben dort ist ein wenig anders, als in Rom selbst. Hier geben die equites den Ton an, eine reiche Händlerschicht.

Und alles sieht auch ungemein schön und nett aus: Die Amtgeschäfte müssen schnell erledigt werden, damit man auch wirklich jeden Festschmaus mitbekommt.

Doch dann erhält das trügerisch schöne Bild einen Riss: Die junge Tochter des örtlichen Apollo – Priesters, Gorgo, wird erdrosselt aufgefunden, wobei zu erwähnen wäre, dass diese Dame nicht nur recht jung an Jahren ( nicht aber an Erfahrung) und von einem ganz und gar lieblichen Äußeren gewesen ist!

Der Verdacht fällt, zumindest für die Ansässigen, sofort auf den Sohn des dortigen Sklavenhändlers, der wiederum wegen seines Reichtums von den meisten nicht nur beneidet, sondern auch gehasst wird.
Und steckt mehr dahinter: Schon bald kommt Decius, dass weder der Vater der schönen, doch nun mausetoten Gorgo eine so weiße Weste hat, wie sein Priestergewand, und auch die anderen hohen Herren in Baiae gehörig Dreck am Stecken haben.

Und wie soll es anders sein: Diese haben natürlich etwas dagegen, das jemand ihre kriminellen Machenschaften aufdeckt ....

______________________________________________
JOHN MADDOX ROBERTS UND DIE GESCHICHTE
______________________________________________
Erstaunlich ist, dass Roberts in seiner SPQR Reihe Bücher vorgelegt hat, die nicht nur historisch ungemein zutreffend sind – alles an diesen Büchern entspricht dem, was wir heute über die Zeit der Römer wissen-, sondern auch die Zeit lebhaft und plastisch durch den jungen Decius im Kopf des Lesers entstehen lässt.

Damit fesselt er nicht nur den Leser, sondern es wird so ganz nebenbei auch ein enormes Fachwissen des Autors vermittelt, das so gar nicht in den üblichen Bildungswegen vermittelt werden könnte. Für mich als Geschichtsabsolvent ist es deshalb immer wieder toll, eines seiner Bücher zu verschlingen, weil es nicht nur Wissbegierde stillt, sondern die Bücher auch wahnsinnig gut geschrieben sind.

Mit einem gerüttelten maß an Humor agiert der junge Decius, wobei die eigentlichen Szenen, die den Leser zum Schmunzeln animieren, für den jungen Decius ganz normal sind, da er ja Römer ist und die das alle so machen.



Michael


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-04 18:36:05 mit dem Titel Krimiserie mit Suchteffekt

Im Namen Caesars - SPQR / Roberts, John Maddox


"Im Namen Cäsars" - das ist der Titel dieses Buches, doch im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass Caesar - diesmal - nun wirklich nichts mit dem, was geschehen wird, zu tun hat.
Decius Caecilius Metellus kandidiert für das Prätorenamt - und wäre damit in der römischen Ämterhierarchie nur noch einen Schritt vom krönenden Konsulat entfernt.
Doch ein Fremder aus einer nahe Rom gelegenen Stadt klagt ihn öffentlich an, sich während seines Piratenfeldzuges auf Zypern (Bd. Die Schiffe der Kleopatra) gegen die Rechte römischer Bürger verstoßen, sich bereichert und noch einige andere delikate, dennoch kaum ungewöhnliche Vergehen begangen zu haben.
Aber sein Kontrahent wird am Tage der Verhandlung mausetot auf den Treppen des Gerichtstempels gefunden - was aufgrund der Schnitt- und Stichverletzungen a la Iden des März - kaum verwundern kann.

Die politisch Situation von Decius wird dadurch brisant - denn die Wahlen sind in einigen tagen und durch das schwebende Gerichtsverfahren kann er an der Teilnahme gehindert werden.- zudem die Anklage nun auf Mord, nicht mehr auf mindere Vergehen lautet.

John Maddox Roberts vorerst letztes Buch aus der Reihe S.P.Q.R ist sicher nicht das Beste, aber immer noch eine hervorragender Lesegenuss und gehört dennoch zur gelungensten historischen Belletristik, die ich bisher gelesen haben.
Die Reihe, das muss ich noch einmal hervorheben, sticht hervor durch die enorme Sachkenntnis John Maddox Roberts, die nur in Details hier und da diskussionswürdig ist. Z.B. wird heute weniger davon ausgegangen, dass sich die Provinzverwalter tatsächlich auf die häufig kolportierte Art und Weise bereichert hätten. Aber hier herrscht bei den Historikern keine Einigkeit, warum sollte sich da ein Schriftsteller nicht einer Richtung anschließen dürfen?

Es ist eine Sittengeschichte des alten Roms - vornehmlich der Oberschicht der Stadt Rom genauer gesagt -, die aber das Leben damals plastisch vor Augen führt.

Es gibt kaum eine bessere, schönere und unterhaltsamer Art und Weise, für die Antike generell und die römische Geschichte insbesondere zu begeistern.


Leider aber sind beim Goldmann - Verlag nicht alle Bücher der Reihe lieferbar - was auf Unverständnis meinerseits stößt. Denn eine aktuelle Reihe zu bewerben und dann doch nur einen Teil der Bände, die inhaltlich aufeinander aufbauen, im Programm zu haben, ist kaum nachvollziehbar.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-04 18:37:34 mit dem Titel Die beste Krimi-Serie derzeit

Der Frevel des Claudius - SPQR / Roberts, John Maddox

Männer in Frauenkleidern - eine vielleicht nicht üblich, heute freilich auch kaum mehr ungewohnte Vorstellung. Zur Zeit der langsam dahinsiechenden und absterbenden römischen Republik allerdings kann nichts Gutes dahinterstecken, zumal, wenn diese Herren sich in Frauengeschmeide bei einer Zeremonie einer alten Gottheit entdecken ließen, bei der auf keinen Fall ein Mann anwesend sein durfte, ja sogar jede männliche Statue im Haus abgedeckt werden musste.

Und das hinter dieser so schändlichen Tat ein dem Leser der Maddox -Krimi - Reihe nicht unbekannter Römer steckt, sollte klar sein : kein Geringer als nämlich Clodius.
Clodius scheint der idealtypische Musterrömer der ausgehenden Republik zu sein: Zu allem fähig aber zu nichts in der Lage, von vornehmer Geburt und einem niederen Charakter, dem ein üppig gefülltes Konto und die Macht über eine der mächtigsten Verbrechergruppen der Straßen Roms(fast) alle Türen öffnet. Wenn, ja wenn der arme und jähzornige Clodius neben seinem erheblichen Maß an Durchtriebenheit und Verderbtheit denn auch ein entsprechendes Maß an Cleverness und Gewitztheit mitbekommen hätte.
Dass hinter den Männern, die in Frauenkleidern einem nur Frauen vorbehaltenen Kult "erforschen" wollten, mehr stecken muss, als die reine Neugier gelangweilter römischer Aristokraten.
Und spätestens nach dem ersten Mordversuch an ihm wird ihm der Ernst der Lage bewusst....

Auch in diesem Band beweist Maddox erneut die Meisterschaft seiner Erzählkunst. Das mag sich nun geschwollen anhören, is` aber so. Und: Kristian Lutze als Übersetzer schafft es, die Ausstrahlung des Originals auch in die deutsche Fassung zu bringen - von beiden eine tolle Leistung.
Sich für die Krimis von Maddox zu begeistern setz auf keinen Fall eine übergroße Begeisterung für Geschichte an sich oder die römische Geschichte im Besonderen voraus.
Gerade die Art und Weise, wie Maddox seinen Helden Decius Caecilius Metellus darstellt und zum Leben erweckt, macht seine Bücher zeitlos und für aller lesenswert. Die Gesellschaft des alternden Roms wird in aller Schärfe, mit Ironie und Witz und einem guten Maß an Komik dargestellt, dass einen die Bücher einfach nicht mehr loslassen.
Und: Das nächste Buch der Reihe wird gerade gelesen: "Die Rache der Flussgötter" - ein Buch, dass sich nun verstärkt den Alltagsproblemen Roms als antiker Großstadt zuwendet.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-27 11:22:13 mit dem Titel Fesselnd und ergreifend

In der Ferne ein Feuer / Robson, Lucia Saint Clair
Lucia St.Clair Robson ist durch ihr Buch DIE MIT DEM WIND REITET international bekannt geworden. Ihre drei mir bekannten Bücher zeichnen sie als eine profunde Kennerin der Kultur der indianischen Ureinwohner Nordamerikas aus, und auch in dem Buch IN DER FERNE EIN FEUER stellt sie dieses wieder unter Beweis.

Erzählt wird die wechselhafte und schlussendlich für viele Indianer tödliche Entwicklung der Geschichte der Auseinandersetzung zwischen den Seminolen und den Weißen in Florida im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts.

Wer sich an dem Begriff Seminolen stört, in der Tat ist es ein Sammelbegriff eine Gruppe der Creek – Indianer, die ihrerseits wiederum im Südosten der heutigen USA ein fastföderalen Indianerstaat begründet hatten mit städtischer Infrastruktur usw. Teile der Seminolen hatten sich von der CREEK –Föderation losgelöst und wurden von letzteren verfolgt. Der Verstärkte Zuzug weißer Siedler und damit auch der Bedarf an Böden für dieselben führte immer wieder zu blutigen, auch vom Staat bewusst herbeigeführten Kämpfen, bei denen die Indianer immer im Nachteil waren, moralisch allerdings im Recht.

Zudem: Die Seminolen unterteilten sich wieder in ungezählte Clans und Stämme, weshalb ich die hier nicht alle anführen möchte. Wenn es interessiert, der lese informiere sich durch den GROßER BILDATLAS INDIANER, den ich mir angeschafft habe, um mich ein weinig über die Hintergründe des Buches zu informieren und der auch schon von mir bei CIAO vorgestellt wurde.



Der Focus des Buches, an dem sich diese großpolitische Perspektive im Kleinen beschrieben wiederfindet, stellt der Indianerkrieger Osceola dar.

Osceolas Geschichte beginnt im Jahre 1819, als er noch seinen Jungennamen Cricket führte. Auf der Flucht vor den Weißen Soldaten und den mit ihnen verbündetet Creek – Indianer, hat sich eine kleine Gruppe im Norden Floridas i unzugänglichen gebieten zurückgezogen. Dennoch werden sie aufgespürt und von den Weißen vernichtend geschlagen. Für Cricket / Osceola ist das die Kindheitserinnerung, die ihn sein Leben lang beeinflussen wird. Der Tod vieler Freunde, vieler Krieger bestimmt seinen Umgang mit den Weißen.
Dabei allerdings verkommt das Ganze nicht zu einem permanent als Vorurteil sein handeln bestimmendes Moment, sondern er ist schon noch in der Lage, den Menschen bewusst wahrzunehmen.

Bei Osceola wird vor allem die ganz unterschiedliche Weltsicht zwischen den Weißen und den Indianer deutlich, aber auch die Arroganz, mit denen die angeblichen überlegenen Weißen die Indianer fortwährend behandelten.

Osceola entwickelt sich zu einem geachteten, für seine jungen Jahre sehr weitsichtigen und reifen Krieger, der die Beziehungen zu den Weißen sehr realistisch sieht. Dennoch: Als die Weißen durch einen gefälschten Vertrag zum zweiten Mal die Seminolen zwangsumsiedeln wollen, entschließen sich die Krieger und mit ihnen auch Osceola zum Kampf, der zwar hoffnungslos ist, aber den man nicht umgehen kann.



Detailreich und genau beschreibt Lucia St.Clair Robson eine Kultur, die vor allem durch (WEST-) deutschen bzw. amerikanischen Filmproduktionen hierzulande durch in der Regel unzutreffende Klischeevorstellungen vertreten ist.

Wie wenig man eigentlich vom leben, Denken der Indianer, von ihrer Art zu Leben, ihrer Kultur weiß, macht das Lesen des Buches deutlich.
Lucia St.Clair Robson erzählt in einem fesselnden Stil die Geschichte der Indianer Floridas, nimmt sicherlich auch Partei für die Indianer, aber das ist etwas, was bisher viel zu selten passiert ist, und deshalb nicht negativ.

In seiner Art ist das Buch deshalb ein Schmöker, eine nachdenklich machende Lektüre, aber auch ein Kulturführer über Indianerstämme, die uns sicherlich so nun gar nichts sagen, den zu den Stämmen, die für aus den Filme kennen, gehören diese sicherlich nicht.

Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, das von Stil und Inhalt her fesselt und informiert.


Michael




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-27 11:40:04 mit dem Titel BIEDERE HAUSMANNSKOST IN SERIE ??

Wolfsmale / Rankin, Ian
In London treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Bei den Toden handelt es sich um Frauen mittleren Alters, die alle nördlich der Themse ermordet wurden.
Die Frauen wurden von hinten angegriffen und durch einen Stich in den Hals getötet. Auffallend auch sind jeweils Bissspuren auf dem bauch der Opfer und noch andere Dinge.
Da die Londoner Polizei sich aus den Taten keinen Reim machen kann – weder die Tatorte, nach Tatzeitpunkte noch andere Dinge lassen auf eine Gesetzmäßigkeit schließen-, entschließt sich der leitenden Inspektor Georg Flight, einen weiteren Polizisten aus Edinburgh zur Unterstützung anzufordern, der in einem aufsehnerregenden Fall in Edinburgh einen Kinds-Seriemörder zur Strecke gebracht hatte.
Der betreffende Polizist ist John Rebus, ein geschiedener Polizist, der im Grunde nicht so recht weiß, weshalb man in London braucht. Er selbst hält sich nicht für den ausgebufften Bullen, der regelmäßig Serienmörder zu Strecke bringt. Dennoch tritt er seinen Dienst in London an und just in dem Moment, als er den Zug verlässt, wird er mit der Meldung konfrontiert, dass ein neues Opfer des Serienmörders aufgefunden worden sei.

Pressewirksam trägt der Serienmörder den Namen Wolfman, benannt nach der Straße, in der sein erstes Opfer aufgefunden worden ist.

John Rebus selbst erkennt rasch, dass die Kollegen in London mit genauso dicken bzw. dünnen Wasser kochen, wie er selbst. Viel kann er scheinbar nicht zu den Ermittlungen beitragen, doch ist er es, der im entscheidenden Moment die Ermittlungen wieder ins Laufen bringt.
John, Schotte, hat aber zunächst mehr damit zu tun, sich die ständigen Stänkereien der Londoner in Bezug auf das Hinterwäldlerimage der Joks (SCHOTTEN) zu erwehren, als wirklich zu ermitteln.

Unterstützung findet John bei der Psychologin Lisa Frazer, die ihm anbietet, ein Profil des Täters anzufertigen.

Schnell aber wird Lisa selbst Ziel des Wolfmanns.


°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Die Rebus-Reihe von Ian Rankin wird hoch gelobt und als die beste der Thrillerliteratur gefeiert, aber so ganz anschließen kann ich mich diesem Urteil nicht. Sicherlich, die Verkaufszahlen sind eine Sache, nach denen man den Erfolg eines Buches beurteilen kann. Aber die lassen sich auch deutlich lenken, beispielsweise dadurch, welche Bücher in den Schaufenstern zu sehen sind, welche im Regal oben, unten oder in der Mitte liegen, für welchen Autor man extra Ausstellungsflächen an Wegen im Geschäft anlegt, an denen die Kunden vorbei müssen.
In diesem Fall handelt es sich um einen solchen gepuschten Thriller.

Nicht, dass das buch schlecht wäre, nein. Aber Ian Rankin liefert mit WOLFSMALE auch keinen nennenswert neuartigen Thriller mit neuen und pfiffigen Ideen zur Handlung. Wie jede Reihe lebt natürlich das Buch auch mit der Hauptperson, hier John Rebus. Aber die Fälle, in diesem Fall der eines Serienmörders sind nicht sonderlich innovativ, sondern eher bieder, nehmen viele Klischees auf und bekannte Bilder aus eben diesem Genre.

Das, was das Buch, macht es nicht schlecht, eher gut, aber nicht so gut, dass es ein Spitzentitel wäre. Es handelt sich um hochwertige Koste für den Vielleser, beleibe aber nicht um das beste, was die Thrillerliteratur derzeit zu bieten hätte.
Ähnlich angelegt sind beispielsweise die MANKELL Bücher, auch hier leben diese von der Hauptperson, nur irgendwie anders, meiner Meinung nach auch besser.

Der Leser wird mit dem Buch nicht enttäuscht aber auch nicht in neue Sphären der Thrillerliteratur entführt.




Michael




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-27 16:39:15 mit dem Titel Ausgezeichnetes historisches Jugendbuch

In 300 Jahren vielleicht (ab 13) / Röhrig, Tilman

Tilman Röhrigs "In 300 Jahren vielleicht" ist ein Jugendbuch, dass selbst von wenig lesefreudigen Schülern zum Großteil sehr positiv aufgenommen wird. Ich selbst habe das Buch als Lektüre in einer schwierigen 8. Hauptschulklasse gelesen.
Das handelt von den Menschen der Gemeinde Eggebusch, die den Schrecken des 30jährigen Krieges erleben. Menschen, von denen sich die meisten Erwachsenen kaum mehr daran erinnern können, was das denn eigentlich war, was man so den "FRIEDEN" nannte. So erzählte die Großmutter dem Tobias immer, der Friede habe "einen dicken Bauch und rote Backen", was für den jungen Realität war. Dasselbe erzählt er auch der sterbenden Anna als Trost, die von Soldaten verschleppt, vergewaltigt und lebensgefährlich verletzt wurde.
Das Schicksal Eggebusch wurde besiegelt, und das war das, was die Schüler am intensivsten beschäftigt hat, durch Soldaten - und zwar "die eigenen". Nur eine Familie überlebt das Drama nebst dem invaliden Amtmann Veit. Der Rest des Dorfes bzw. der Dorfbewohner geht unter in einem Strudel der Gewalt.

Das Buch eignet sich nicht nur als Begleitung des Geschichtsunterrichtes, es steht als eigenständige Lektüre, die den Schülern ein Welt näher bringt, wie sie uns so vielleicht nicht mehr bekannt, aber irgendwo auf der Welt immer wieder tagtäglich Realität wird.
Auch historisch schwer zu vermittelnde Sachverhalte wie die Zeit und die Folgen der PEST, das Leben und Denken von LANDSKNECHTEN (indirekt), dem Erleben und Leiden der Bevölkerung werden so ergreifend und fesselnd geschildert, dass die Lektüre eine eigene Dynamik gewinnt. Selten habe ich erlebt, dass Schüler so interessiert einen Text befragen und das "Warum" wissen wollten.

Das Buch hat zurecht den Deutschen Jugendbuchpreis gewonnen. Es ist als Lektüre in der Schule, als Geschenk für Jugendliche überaus empfehlenswert. Und es hat den Vorteil, dass es nicht moralisierend, problembehaftet an den Schüler herantritt (Vorsicht, Drogen) (Achtung, Gewalt usw.).


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-22 11:41:26 mit dem Titel Lesefrust statt Leselust

Eine große Fangemeinde zu haben und international bekannt zu sein muss nicht immer Garant dafür sein, wirklich gute Bücher zu schreiben. Das Buch „Engel der Verdammten“ von Anne Rice ist meiner Meinung nach ein Buch, das gerade dem entspricht.
Anne Rice ist vor allem in den Staaten durch ihre Vampirromane bekannt.

________
Inhalt
________

Asreal, der Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Babylon zur Zeit Nabondius, ist ein cleverer, aufgeschlossener Jüngling, belesen und gebildet. Freilich trennt er sich bald von seinem jüdischen Glauben und betet den babylonischen Gott Marduk an, einen nicht gerade friedlichen Gott. Marduk spricht mit Asrael und erscheint ihm später auch immer wieder wie leibhaftig. Was zu Beginn von seinen Glaubensbrüdern als Pubertätsproblem gesehen wird, erweckt später ihren Zorn.
Juden ist es verboten, die Götter Babylons anzubeten, und dennoch: In Gegenwart von Priestern lächelt Marduk in seiner Statue Asreal sogar zu.
Das wird ihm zum Verhängnis, denn der alles erobernde Kyros will auch Babylon an sich reißen, allerdings ohne Gewalt. Und deshalb drängt er auf eine Prozession mit dem Gott Marduk, in der dieser ihn als Herrscher über die Stadt anerkennt. Dazu benötigt man einen Jüngling, den man mit Gold überzeigt und der der Statue des Gottes ähnlich sehen muss.
Das Schicksal des Jüngling ist besiegelt, denn er stirbt in der hart werdenden Totenmaske und wenn nicht schnell genug, dann helfen die Priester mit flüssigen Gold, dass in die Körperöffnungen eingeführt wird, ein wenig nach.
Asreal soll dieser Jüngling sein.
Geopfert von seinen Glaubensbrüdern, denen die Rückkehr nach Jerusalem versprochen wird, willigt Asreal ein.
Aber: Ein Priester und eine jüdische Beschwörerin vollziehen nach den Riten eine teuflische Zeremonie, die allerdings furchtbar daneben geht: Asreal wird bei lebendigen Leibe in flüssiges Gold gestoßen und verkocht. Dabei werden Beschwörungsformeln aufgesagt, die aus seiner Seele einen bösartigen Racheengel machen sollen.
Aber eben: Es klappt nicht: Asreal wird zwar ein Engel (wenn man es so nennen will), aber eben nicht gerade ein durch und durch böser.
Von Kyros zu einem Weisen nach Milet geschickt, wird der Geist Asreal dort ausgebildet.

In der Gegenwart erwacht Asrael und kommt der Verschwörung eines Sektenführers auf die Spur, der sich als neuer Alexander d. großen sieht und die Welt nicht nur unterjochen, sondern in großen Teilen auch auslöschen möchte. Um medienwirksam ins Fernsehen zu kommen, schreckt er auch nicht davor zurück, seine eigene Tochter töten zu lassen, um dies als Anschlag auf seine Sekte darstellen zu können.
Asreal beginnt, das Komplott aufzuklären und die Welt zu retten......

________
Meinung
________

Die Kurzbeschreibung auf dem Buchdeckel hat mich zum Kauf dieses Buches verleitet, ich gebe es zu.
Dennoch: Von dieser Autorin werde ich kein weiteres Buch mehr lesen, denn diese Zumutung war dann doch ein wenig viel.
Erbzählerisch hat das Buch unendlich viele und unnötige Längen, bei denen der verdacht aufkommt, dass nur Seiten gefüllt werden sollten und nicht Leseunterhaltung geboten werden. So beispielsweise die endlosen und irren Gespräche zwischen Asreal und dem Sektenführer Gregory Belkin, die samt und sonders eher zum Schlafengehen anregen, als zum Weiterlesen. Denn weder gute Ideen noch Scharfsinn oder aber Tiefgang zeichnen diese aus, sondern sie wirken nur aufgesetzt.
Und auch die Fabel der Geschichte, auch wenn Fantasy, ist so wirr und wenig überzeugend, dass das Buch zu den langweiligsten gehört, die ich bisher gelesen habe.
Auch als Leser unrealistischer Literatur ist dieses Buch harter Tobak: Die ellenlange Darstellung der Geisterwesen, wie sie Asreal sieht, die monologhaften Darstellungen von Zeitungsmeldungen unserer zeit, allesamt apokalyptischen Charakters und in seitenlanger Ausführung, eine wenig Überzeugende Verschwörungstheorie, wenig glaubhafte Charaktere und Dialoge ....puhhh.

Und auch das Ende des Buches ist so weit hergeholt, dass man eigentlich nur ungläubig mit dem Kopf schütteln muss. Wie gesagt, es geht hier nicht um Realität oder nicht. Aber es geht um im Sinne des Aufbaues des Buches realitisch oder nicht. Und da hat das Buch so viel Sprünge und Unglaubwürdigkeiten zu bieten, so viel naive Schreiberei, dass man eigentlich die Lektüre schon wieder empfehlen müsste.....


Michael




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-11 19:29:28 mit dem Titel Bestechender Krimi aus Deutschland? Gibt es!!

Drei Bücher hat er bisher geschrieben, von denen ich per Zufall erst eines Lesen konnte. Aber sollten die beiden anderen Bücher von einer nur annähernden Qualität sein, so kann ich schlichtweg behaupten, endlich einmal einen Krimiautor entdeckt zu haben, der in der Weltspitze des Genres anzusiedeln ist und der, man höre und staune, nicht aus den USA sondern aus Deutschland stammt.

x--------x
INHALT
x--------x

Kommissar Berndorf ist Leiter der Mordkommission der Kripo Ulm und wird am 26. Januar 1998 mit seiner Assistentin Tamar Wegenast in einen Steinbruch gerufen, in dem ein Toter aufgefunden wurde. Der Tote, ein arbeitsloser Ingenieur aus den neuen Bundesländern, der zu Lebzeiten Prototypen für S-Bahn-Wagen entwickelt hatte, sitzt in seinem Toyota. Alles sieht nach Selbstmord aus, doch die genaue Betrachtung der Spuren am Tatort machen Berndorf schnell klar, dass hier eindeutig eine Tötung durch Dritte vorliegt, also ein Tod durch Fremdverschulden.
Gleichzeitig bricht aus einem Gefängnis der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder Thalmann aus, und zwar mit Hilfe einiger Helfer im Gefängnis. Thalmann hat seine Frau und einen Mann vor 17 Jahren mit dem Rasiermesser die Kehlen durchschnitten und auch fast seine Tochter ebenfalls.
Zwei Fälle, um die sich Berndorf kümmern muss und bei dem ihm – scheinbar zu spät – offensichtlich wird, dass beide Fälle mehr miteinander gemein haben, als zunächst anzunehmen. Und das trotz der Tatsache, dass der Mord und der Ausbruch nicht auf eine gemeinsame Planung zurückgreifen.
Schnell wird auch deutlich, dass der eigentliche Modus operanti weit in der Bundesdeutschen bzw. deutschen Vergangenheit zu suchen ist. Beide Schicksale, die des Mordopfers und die des Ausbrechers, scheinen eng mit einer angesehenen Person der Gesellschaft verquickt zu sein, nämlich die des Professors Twienholt, der nach eigenen Angaben ebenfalls aus den alten ostelbischen deutschen gebieten stammen will, freilich aber dafür eine interessante Sprachbesonderheit hat.
Die Ermittlungen werden zunehmend brisanter und Berndorf scheint zu ahnen, was hinter alledem steckt, als er die Exhumierung eines Ende des Krieges gefallenen Leutnants erwirkt, der dann Licht ins Dunkel des Falles bringen könnte.
Könnte wohl gemerkt, wenn höchste politische Kreise nicht dafür Sorge getragen hätten, dass Berndorf sofort die Leitung der Ermittlungen abgeben muss.
Berndorf freilich wird nun selbst aktiv und lanciert über das Ausland hoch brisante Informationen an die Presse......



x--------------x
MEINUNG
x--------------x

Ritzels Buch ist durchaus sozialkritisch, behandelt sein Buch doch ein mit peinlich noch sehr schmeichelhaft umschriebenes Kapitel bundesdeutscher Geschichte, nämlich die Ära der Aufarbeitung von NS-Unrecht an Behinderten, Kranken, Nichtariern auch zum Zwecke der medizinischen Forschung. Kritisch auch aber durchaus zutreffend sind auch seine inhaltlichen Ausführungen darüber, wie die Politik auch teilweise heute noch die Täter von damals schützt bzw., man denke an die ARD Reportage der letzten Woche, wie hoch angesehene Persönlichkeiten am Recht vorbei der ihnen zustehenden Strafe entgehen können.
Wichtiger freilich als die gesellschaftsrelevante Einordnung ist da, das Buch ist ja kein Sachbuch, der Aufbau, der Spannungsbogen, die Glaubwürdigkeit der Charaktere.
Dennoch: Der Verlag spricht von einem Krimi, Thriller und einer Gegenwartsstudie zugleich, und damit liegt er sicherlich nicht falsch.
Das fesselnd erzählende und berichtende Buch bindet die Aufmerksamkeit des Lesers und führt ihn – quasi nebenbei – in die Problematik ein, dass nach dem Krieg die höheren Chargen des Dritten Reiches meistens unbehelligt weiterleben, teilweise sogar mit Wissen der Politik auch in höchste Ämter aufsteigen konnten. Insofern erfüllt dieses Buch – quasi wiederum nebenbei – auch ein Bildungs- und Aufklärungsziel, dass meiner Meinung nach grundlegendes Wissen jeden Wählers und Bürgers in Deutschland sein sollte.
Ritzels Buch verfügt über drei Handlungsstränge – der Mord an dem Ingenieur, dem Ausbruch Thalmanns und dem Fall Twienholt – die hervorragend eigenständig gehalten und skizziert und zum Show – Down kausal stimmig ineinander aufgehen.

Ein super Krimi/Thriller aus deutscher Feder, der zeigt, dass international auch Literatur aus Deutschland in diesem Genre sich nicht zu verstecken braucht.

Ulrich Ritzel
Der Schatten des Schwans
btb - Verlag
9,oo €

Michael


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-04 19:28:18 mit dem Titel Mord und Tod sind ihr Geschäft

Dass Kathy Reichs, ihres Zeichens forensische Anthropologien, als Romanfigur eine forensische Anthropologien zur Titelheldin macht, ist so sicher so mit das einzige scheinbar wenig Einfallslose an ihren Büchern. Alles andere war bisher in den vier Büchern zumindest so gut dargestellt, entworfen, beschrieben, dass sie mit diesen vier Büchern international für Furore gesorgt hat.
Das fünfte Buch, dass ich im Juni in den USA schon in Händen halten konnte (mit dem Lesen war es dann doch nix), hat die Vorfreude auf den nächsten Band eigentlich ins Unermessliche gesteigert.

Nun, Kathy Reichs hat mittlerweile eine feste und große Fangemeinde in Deutschland, ist derzeit auf Platz 2 der Bestsellerliste….


Tempe Brennan arbeitet als forensische Anthropologien praktisch in Montreal / Kanada und theoretisch an einer Universität in den USA. Geschieden, erfolgreich (das Komma ist wichtig), hat sie in der Vergangenheit mit wissenschaftlicher Akribie so mancher mehr oder minder vollständigen Leiche zur wahren Identität zurück verholfen, die ihre jemand durch weniger freundliche Akte genommen hatte.
Im Band Knochenlese hält sich Tempe in Guatemala auf, wo sie für eine Hilfsorganisation die Opfer des Militärs, das für den Tod von mindestens 100 000 Menschen, vor allem Mayas verantwortlich ist, bergen und identifizieren soll.
Ihr Ruf allerdings ist international und so wird sie von der örtlichen Polizei zur Hilfe herangezogen. Vier Mädchen von Oberschichten – Familien werden vermisst und in einem Faultank in einem heruntergekommenen Hotel fand man die sterblichen Überreste eines Menschen. Die Polizei geht davon aus, dass es sich um eines der vermissten Mädchen handelt und befürchtet die Taten eines Serientäters. Tempe soll helfen, die sterblichen Überreste zuzuordnen und den Täter zu stellen.
Freilich ist man in höheren Kreisen besorgt in zweierlei Hinsicht, was Tempe schnell bemerkt. Denn ohne die gerade geborgenen Reste des Toten / der Toten untersuchen zu können, werden diese vom Bezirksstaatsanwalt beschlagnahmt und beseitigt.

Dass hinter diesen Behinderungen Beziehungen aus der Zeit der Militärjunta stecken, kann Tempe noch nicht wissen. Und dass ehemals einflussreiche und zum Teil auch heute noch mächtige Männer ihre weiße Weste nicht befleckt sehen wollen, macht das Arbeiten für Tempe immer wichtiger.
Bleibt noch die Frage nach dem Serienmörder, die im Verlauf des Buches eine überraschende Antwort erhält……….

_/_/_/_/_/_/_/_/_
Meinung
_/_/_/_/_/_/_/_/_
Die Bücher von Kathy Reichs sind nicht jedermanns Geschmack und wer von euch dazu neigt, sich Buchinhalte vor dem inneren Auge vorzustellen, sollte über eine hohe Reizschwelle verfügen, denn bisweilen sind di Beschreibungen der Arbeit von Tempe alles andere als angenehm. Gerade dieser Punkt ist es, weshalb viele die Bücher eben nicht mehr zur Hand nehmen.
Die Hauptfigur, Tempe Brennan, lebt von ihren glaubwürdigen Widersprüchen und den alltäglichen Problemen, die diese Protagonistin auf den „Boden“ der Realität Normalsterblicher zurückholt. Im Beruf mehr als erfolgreich, läuft es privat nicht ebenso: Die latent unsicher Beziehung zu ihrem Montrealer Freund Ryan zumindest bewirkt eine absolute Frustration ihrer Libido: Verliebt in diesen Mann, vermag sie sich in keine wirklich enge Beziehung mit ihm einlassen zu können.
Der Background des Buches, die Herrschaft des Militärs in Guatemala spielt da eine zurückgesetzte Rolle. Massaker, das Verschwinden Tausender Menschen, das Fehlen der Grundrechte im täglichen Leben und die Gefahr, sich durch falsche Äußerungen bei den Oberen unbeliebt und damit in nicht allzu ferner Zukunft tot zu machen ------ das alles ist Grundlage des Buches. Nur nicht so, dass der Leser tatsächlich problematisiert werden soll oder wird. Es ist die Bühne des Buches, aber wer achtet genau auf das Bühnenbild????


Immerhin: Mit ihrem 5 Buch schlägt Kathy Reichs die Erfolge der Vorgängerbände schon jetzt deutlich. In den USA stehen ihre Bücher oft im zentralen Eingangsbereich, man kommt also an ihnen nicht vorbei. In den USA schon jetzt ein Shooting – Star, kann ihr Knochenlese in Deutschland durchaus denselben Erfolg einbringen.

Michael

20 Bewertungen