Mehr zu AutorInnen mit R Testbericht

No-product-image
ab 12,09
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

5 Sterne
(46)
4 Sterne
(7)
3 Sterne
(3)
2 Sterne
(2)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von clauds22

Ich möchte auch einen Shy Boy...

Pro:

wunderschöne Geschichte, anschaulich beschrieben, herrlich bebildert, nicht nur für Pferdefreunde empfehlenswert

Kontra:

absolut nichts

Empfehlung:

Nein

Hi ihr Lieben,

heute mal ganz abseits von meinen sonstigen Genuss- oder Kosmetikthemen möchte ich euch mal wieder ein Buch vorstellen. Dass ich ein Pferdefreund bin, wissen ja bereits viele von euch, und so bin ich auch immer an neuen Methoden im Umgang mit Pferden interessiert. So stieß ich eines Tages natürlich auch auf Monty Roberts, der mit seiner sensationellen Methode, Pferde zu verstehen und dies weiterzugeben, weltweit bekannt wurde und mindestens jedem Pferdekenner, wenn nicht auch sonst diversen anderen Menschen, ein Begriff ist. Das Buch, über das ich euch heute erzählen möchte, heißt ‚Shy Boy – Gespräche mit einem Mustang’ und ist das Nachfolgewerk von dem Buch ‚Der mit den Pferden spricht’, welches ich zuerst gelesen und hier auch bereits vorgestellt habe.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Zuerst möchte ich ein wenig über Monty Roberts erzählen. Er ist schon sehr früh, eigentlich als Baby, im Sattel gesessen, da seine Eltern in Kalifornien die Leitung einer großen Ranch übernommen hatten. Bereits mit 4 Jahren gewann er sein erstes Turnier und widmete im Prinzip seine ganze Kindheit den Pferden. Die Methode, Pferde an den Menschen zu gewöhnen, war damals (und ist angeblich und erschreckenderweise teilweise sogar heute noch) sehr hart und nannte sich ‚breaking’, also zu deutsch ‚brechen’. Das heißt, man bindet ein Pferd an einem Pfosten fest, bindet ihm die Hinterbeine hoch und verängstigt sie, indem man einen beschwerten Sack auf sie wirft. Dadurch wurden die Pferde natürlich verängstigt und wollten flüchten und sich wehren, wurden daraufhin aber nur noch grober behandelt. Schließlich sollte man sich ‚laut der Ausbilder’ auf sie setzen können, während sie am Boden liegen, ohne dass sie irgendein Zeichen der Wehr zeigen, dann wären sie ‚gebrochen’. Ich finde diese Methode einfach nur erschreckend und bin schockiert darüber, dass es das heutzutage auch noch geben soll.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Nun, Monty fand diese Methoden ebenso widerwärtig, da er der Meinung war, das Pferd würde so eigentlich nur aus Angst vor Bestrafung für den Menschen arbeiten, nicht aber aus eigenem Willen und vor allem mit Vertrauen. Als er im Alter von etwa 14 Jahren mal einige Wildpferde für ein Rodeo zusammentreiben sollte, gelang es ihm, diese Pferd in ihrem natürlichen Herdenverhalten zu beobachten. Dies wiederholte er noch einige male und bemerkte viele kleine Dinge, die ihn später dazu bewegten, die Pferdesprache, die er ‚Equus’ nannte, auf die Zusammenarbeit von Mensch und Pferd zu übertragen. So wollte er zum Beispiel die Rolle der Leitstute einnehmen, die ein Fohlen, sobald es frech wird, aus der Herde treibt und so lange wartet, bis es sich entsinnt, wieder anständig zu sein und sich unterzuordnen, bevor sie es wieder in den Herdenverband aufnimmt. Dies übte er dann zuhause in einem Longierring und kam zu fantastischen Ergebnissen, einfach dadurch, dass er selber versuchte, die Sprache der Pferde zu sprechen und ihnen so mehr Freund als Feind zu sein und sie zu ‚überreden’, ihm zu vertrauen. Diese Methode, die er das ‚join-up’ nennt und die daraus besteht, ein Wildpferd innerhalb von 30 Minuten an den Menschen und selbst an Zaumzeug, Sattel und Reiter zu gewöhnen, ist inzwischen weltweit bekannt und Monty tourte bereits durch sämtliche Länder der Welt, um sie den Leuten hautnah vorzustellen.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Da Monty in England bereits mehrere Touren hinter sich hatte und auch schon diverse male im königlichen Reitstall Vorführungen hatte und Pferde der Queen eingeritten hat, bekam er ca. 1999 das Angebot, nach einer schon erfolgreichen Dokumentation über das ‚Join-Up’ weitere Sendungen für’s Fernsehen zu machen. Entschieden hat man sich dann für etwas ganz Spektakuläres, um das sich nämlich auch das Buch ‚Shy Boy’ dreht. Monty sollte in der Wildnis von Nevada mit einem freilebenden, wilden Mustang innerhalb von ca. 3 Tagen ein Join-Up ausprobieren und versuchen, dieses Pferd zu zähmen. Für Monty war das eine große Herausforderung, und das nicht nur, weil er nun schon über 60 Jahre alt war, sondern vor allem deswegen, weil er eben dieses Phänomen früher schon einmal zustande gebracht hat und ihm damals keiner geglaubt hat. Somit hatte er also nun die Möglichkeit, der Welt zu beweisen, was er mit seiner einzigartigen Methode bewerkstelligen konnte.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Eines Tages war es dann also soweit und Monty machte sich mit seinen ‚Helfern’ auf den Weg. Erstes Ziel war, den Mustang, und hier wurde einer hübscher junger Hengst ausgesucht, dem man den Namen ‚Shy Boy’ gab, von seiner Herde zu trennen und ihn eben von dieser fortzutreiben. Monty konnte ständig zwischen 3 Pferden wechseln, denn für eines wären diese 3 Tage sicherlich zu anstrengend gewesen. Am Anfang zum Beispiel, nachdem Shy Boy von seiner Herde getrennt wurde, floh er natürlich und lief in vollem Galopp ein einhalb Stunden vor seinen Verfolgern davon. Pferdekenner dürften also wissen, was Pferd und Reiter dafür für eine Kondition benötigen. Hier ist definitiv von einer großen Anstrengung die Rede. Das Buch beschreibt sehr anschaulich, wie Monty es langsam schafft, sich dem Mustang zu nähern und wie dieser immer aufmerksamer auf ihn wird, nur um dann doch wieder seinem Instinkt nach schnellstmöglich zu fliehen.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Schließlich schaffte er es aber doch, sich dem Mustang auf wenige Meter zu nähern und ihm einen Strick umzulegen, sodass er ihn einfach neben sich herlaufen lassen konnte. Man muss hierbei auch bedenken, wie anstrengend es sein muss, 3 Tage lang Tag und Nacht im Sattel zu sein und ständig ein wachsames Auge haben zu müssen – mal ganz davon abgesehen, dass man das Gelände nicht kennt und an jeder Ecke Schlangen warten könnten, was das Aus für die gesamte Dokumentation und ebenfalls Mensch oder Tier bedeuten könnte. Aber zurück zum Thema... Monty schaffte es schließlich, Shy Boy berühren zu dürfen und der Hengst zeigte kaum Scheu, sondern schien einverstanden zu sein, dass dieses ihm fremde Wesen sich ihm nähert und er verstand offensichtlich, dass man ihm nichts Böses wollte. Das Join-Up war also gelungen und wenig später kamen auch die ersten Versuche mit Zaumzeug und Sattel, die zwar anfangs noch mit großem Widerwillen von Shy Boy betrachtet wurden, aber schließlich doch ohne große Gegenwehr angenommen wurden. Das Ziel war erreicht und einer von Montys Begleitern ritt Shy Boy zurück zur nächstgelegenen Ranch, als hätte er vorher noch nie etwas anderes getan.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Vielleicht klingt das für euch jetzt nicht sonderlich faszinierend, aber ich finde schon allein die Vorstellung gigantisch. Wenn ich mir vorstelle, dass da ein absolut wilder Hengst ist, der wahrscheinlich vorher noch nie in seinem Leben einem Menschen begegnet ist, und dieser bekommt in ein paar wenigen Tagen so viel Vertrauen zu dem menschlichen Wesen, dass er sich reiten lässt und keine Scheu mehr zeigt... da fehlen mir die Worte! Dieses Buch ist mit so viel Einfühlungsvermögen geschrieben, dass man das Join-Up gedanklich richtig nachvollziehen und miterleben kann. Noch dazu sind eine Menge Farbbilder dabei, für die ich dem Buch glatt noch 2 Extra- Sterne verleihen würde, weil sie einfach wunderschön sind und man sich so ganz genau vorstellen kann, wie es war und von jeder Situation den richtigen Eindruck vermittelt bekommt. Ich würde fast sagen, die Bilder machen beinahe die Hälfte des Buches aus und sind aber passend zum Text einfach eine ganz tolle Ergänzung, die man nicht hätte weglassen dürfen, weil sonst etwas ganz Besonderes gefehlt hätte.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Interessant finde ich auch, dass Monty Roberts bei seinen Aufführungen oft, nachdem die Dokumentation bereits ausgestrahlt wurde, gefragt wurde, ob er denn meint, dass Shy Boy lieber bei seiner Herde geblieben wäre, oder ob er das Leben als Arbeitstier und Freund des Menschen bevorzugt. Natürlich lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten, aber auch hier ergab sich eine Lösung, da Monty genau dies ausprobieren wollte, um für das Buch ‚Shy Boy’ einen passenden Abschluss zu finden. So war er also mit einigen anderen und auch Shy Boy unterwegs, eine Viehherde auf ein Feld zu treiben, ganz in der Nähe der Stelle, an der er Shy Boys Herde vermutete. Irgendwann im Laufe des Tages tauchte die Herde dann tatsächlich am Horizont auf und das einzige Pferd, dem dies auffällt und das sich nach den Artgenossen umdreht, ist Shy Boy (übrigens ganz arg schön auf einem Foto festgehalten). Er stand ganz starr und aufmerksam da, bis ihm das Halfter abgenommen wurde und er sich in wildem Galopp seiner Herde näherte, von der er seltsamerweise auch gleich wieder akzeptiert wurde.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

Am nächsten Morgen waren Monty und seine Gruppe bereits um 5 Uhr wach, um zu sehen, ob Shy Boy wieder zurück kommen würde, aber es tat sich bis zum Frühstück nichts. Doch plötzlich tauchte ein einzelnes Pferd auf einem Hügel ganz in der Nähe auf – es war Shy Boy. Zu diesem Punkt war noch keinem klar, was nun passieren würde, aber dennoch war es ein denkwürdiger Moment. Shy Boy wandte daraufhin seinen Kopf bedächtig in Richtung seiner Herde und senkte den Kopf. Dann setzte er sich langsam in Bewegung, fiel in Trab und rannte schließlich in vollem Galopp in Richtung seiner neuen Heimat – zu Monty und dessen Gruppe.
An dieser Stelle möchte ich mal anmerken, dass ich diesen Part einfach zum Weinen schön finde und mir sogar jetzt, wo ich das schreibe, ein paar Tränchen runterlaufen. Vielleicht bin ich einfach ‚zu nah am Wasser gebaut’, aber ich kann gar nicht in Worte fassen, wir einmalig und wunderschön ich dieses Ereignis finde. Das zeigt für mich, dass es einen guten Weg gibt, mit Pferden umzugehen und genau diesen hoffe ich, auch mal gehen zu können. Mit diesen Worten möchte ich auch meinen (sowieso viel zu lange gewordenen Bericht) nun abschließen und hoffe, euch vielleicht ein wenig neugierig gemacht zu haben.

*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*

2 Anmerkungen möchte ich mir aber noch schnell erstatten. Erstens gibt es diese Dokumentation auch auf Video zu kaufen (beispielsweise auf Amazon) und sie ist eine wirklich schöne Ergänzung zum Buch. Und außerdem ist Monty zwischen April und Mai auf großer Deutschlandtour und präsentiert sein Join-Up in diversen Reitzentren in der Bundesrepublik. Vielleicht möchte sich ja mal jemand davon überzeugen, dass das tatsächlich möglich ist :)

Titel: Shy Boy – Gespräche mit einem Mustang
Autor: Monty Roberts
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN Nr.: 3-404-60486-5
Preis: 9,95 Euro

Liebe Grüsse, eure Claudi

46 Bewertungen