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Erfahrungsbericht von vampire-lady

Die Königin der Verdammten

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

„Erzähle mir, wie schlecht ich bin. Das gibt mir ein so gutes Gefühl.“

„Die Königin der Verdammten“ ist das dritte Buch der Vampirchronik von Anne Rice, geschrieben 1988, in Deutschland erschienen 1991. Originaltitel: „The Queen of the Damned – the third book of the Chronicle of Vampires”.

Es ist die direkte Fortsetzung von “der Fürst der Finsternis“, aber dank einer kurzen, gut gemachten Einführung auch für jemanden nachvollziehbar, der die vorhergehenden Teile nicht kennt. Für jemand der den zweiten Teil mochte, nahezu eine Pflichtlektüre, das dieser Teil nicht ganz abgeschlossen war und so einiges offenließ.

Die Grundgeschichte ist kurz zu erzählen. Lestat, ein Vampir (hübsch und rebellisch) hat die Aufmerksamkeit Akashas, der Mutter aller Vampire ziemlich beabsichtigt auf sich gezogen. Sie tötet ihren Mann und entführt Lestat, um mit seiner Hilfe die Welt neu zu gestalten, was für die Menschheit aber nicht so gut ausgehen würde. Lestat stellt sich daraufhin gegen sie, ebenso wie zahlreiche seiner Artgenossen. Leider ist es aber keine besonders gute Idee, Akasha einfach ins jenseits zu befördern, da mit ihrem Tod auch alle anderen Vampire sterben würden.

Akasha ist mehrere tausend Jahre alt, und der erste Vampir überhaupt. Sie vereinigte sich damals mit einem Dämon und saß im sehr alten Ägypten auf dem Pharaonenthron. Ihr Wiedererscheinen ruft auch ihre alten Feinde und Gegner auf den Plan, denen sie zum Teil auch schon zu Lebzeiten zugesetzt hatte, eine Geschichte die im Rahmen des Buches ausführlich abgehandelt wird. Hervorzuheben sind dabei die Zwillinge Maharet und Mekare, deren menschliche Familie bis in die heutige Zeit zurückverfolgt werden kann. Die Zwillinge waren aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten und ihres Glaubens schon immer ein Dorn in Akaschas Auge, und hatten sehr unter ihr zu leiden. Akasha wird ihr Ende in einem der einstmals verhassten Glaubensrituale der Zwillinge finden.

Lestat geht aus der ganzen Geschichte stärker und unternehmungslustiger hervor als je zuvor. Hat er doch schließlich eine neue Gruppe von Menschen gefunden, die er zur Weißglut treiben kann. Mehr am Rande wird der Talamasca-Orden eingeführt, Menschen die seit Jahrhunderten nichts anderes tun als Übernatürliches zu beobachten und zu dokumentieren (ups Highlander, die Serie lässt grüßen). Ein Laden auf den man als Leser eigentlich auch verzichten könnte, da aber Lestat mit einem Obertalamasca, David Talbot, Freundschaft schließt, und diese Tatsache von Wichtigkeit für nächste Buch der Vampirchronik ist, kann man sich damit abfinden.

Am Rande des Buches werden diesmal viele kleine, aber zusammengehörende Geschichten erzählt, die man kaum in Kürze wiederzugeben vermag, die dem Buch aber ein gewisses Tempo geben. Die einzelnen Teile der Geschichten werden nie komplett, sondern Stück für Stück abwechselnd erzählt, was den Leser natürlich zum „dranbleiben“ veranlasst.

In diesem Teil wird der Leser übrigens kreuz und quer durch diese unsere Weltgeschichte geschleudert und gezerrt, was bei Anne Rice im allgemeinen immer gerne mal wieder vorkommt. Wer allerdings sehr auf geschichtliche Fakten versessen ist, dem sei anzuraten ein Sachbuch zu lesen.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 19:11:01 mit dem Titel The Vampire Armand

„The Vampire Armand“ dürfte das 6te Buch der sogenannten Vampirchronik von Anne Rice sein – soweit ich noch durchblicke. Anne Rice ist so richtig bekannt geworden, als der erste Teil der Chronik „Interview mit einem Vampir“ verfilmt wurde. Die einzelnen Teile der Chronik sind in sich mehr oder weniger selbständig, obwohl ich mich manchmal frage, wie ein Leser der gerade die Vorgängerbände nicht kennt, mit einzelnen Aspekten klar kommt.

„The Vampire Armand“ ist ein Buch, welches mich wenig überrascht hat. So ist Armand eine Figur, die man bereits aus dem ersten Buch der Serie her kennt – die während der gesamten Chronik immer mal wieder als „Bekannter“ der jeweiligen Hauptfigur erschien.

Die Chroniken waren meist um Lestat zentriert, einem gutaussehenden, blondgelockten Vampir gegen den selbst der gute alte Dracula ein Waisenknabe gewesen sein dürfte. Trotzdem hat man zu Lestat eine starke Sympathie entwickelt, einfach wahrscheinlich aus der Tatsache heraus, daß selbst die Autorin von diesem Charakter fasziniert zu sein schien. Sehr enttäuscht war man, als Rice diesen Charakter zum Ende des 5ten Teils (Memnoch der Teufel) nahezu ausbluten ließ. Lestat hat aber auch so ziemlich alles durchgemacht, was man einer untoten Existenz zumuten kann – die Chronik schien an einem Ende zu sein. Ich muß noch einfügen, daß ich diesen 5ten Teil nur mit absoluter Langeweile zur Kenntnis genommen habe. Lestat ist hier durch Memnoch sowohl in den Himmel als auch in die Hölle gelangt, und natürlich zurückgekehrt – etwas wirr um Kopf aber immerhin.

Armand nun war mir ein guter alter Bekannter, ein zu Lestat passender Freund und eine nicht sehr viel weniger faszinierdende Figur, nicht zuletzt, weil Armand sich immer gern in Schweigen hüllt, wenn es um seine Vergangenheit ging. Armand und Lestat verbrachten so einige Jahrzehnte miteinander bevor sie sich wieder trennten.

Rice hatte zu dieser Zeit eine Angewohnheit Lebensgeschichten diversester Vampire abzuspulen und nichts anderes ist in „The Vampire Armand“ zu erwarten. Umso entsetzter war ich als Armand von den in „Memnoch der Teufel“ geschehenen Ereignissen aus der Versenkung wieder entstand mit der Absicht zu Lestat zu gelangen. Warum? Armand erinnert sich an seine religiös umschwängerte Kindheit in Russland und erhofft sich von Lestat über Himmel und Hölle neue Erkenntnisse. Angeekelt warf ich das Buch zunächst mal weit von mir, wollte ich mich doch nicht durch etwas wie „Memnoch Teil 2“ quälen müssen. Ein paar Wochen später nahm ich den Kampf dann doch wieder auf.

Armand erzählt, wie er aus Russland entführt auf Umwegen zum Renaissance-Vampir Marius nach Italien gerät, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Straßenjungen eine Erziehung zu geben. Marius hat zunächst nicht die Absicht, Armand zu seinesgleichen zu machen – aus tragischen Umständen heraus geschieht es aber doch. (bis zu diesem Punkt ist das Buch auch noch ganz gut) Marius wird von anderen Vampiren – mit einer seltsam sektierenden „Lebensart“ – als Ketzer aus seinem Heim vertrieben, während Armand sich notgedrungen dieser düsteren Sektiererei anschließt, der erst Lestat einige hundert Jahre später ein Ende machen wird. Armand muß sich daraufhin endlich auf eigene Beine stellen.

Armand selbst ist und bleibt eine Figur, die Rice mal wie ein Teil eines Renaissance-Gemäldes beschrieben hat. Auf der einen Seite schön und fast kindlich unschuldig, auf der anderen Seite, unter seines gleichen ein machtvolles Monster – also ein interessanter Gegensatz in sich. Ein Charakter, der aber trotz allem nicht an den unvergleichlichen Lestat heranzureichen vermag.

Eine Tatsache, der sich Armand selbst am Buchende auch irgendwie gegenüber sieht.

Mal zusammengefasst was ich hier zu nörgeln habe:
Rice schreibt nur noch „Lebensgeschichten“ die auf die gleiche blödsinnige Art in einen aktuellen Handlungsrahmen eingebunden sind. Neuerdings belatschert nämlich eine Figur namens David Talbot alle in seinem Dunstkreis befindlichen Vampire ihre Geschichten aufzuschreiben oder zu Protokoll zu geben. David? Auch ein nervender Aspekt – nicht die Figur selbst, aber ihr Background: die Talamasca! Ein seit ewigen Zeiten bestehender Orden, in dem Menschen übernatürliche Wesen und Geschehnisse beobachten und katalogisieren. Kommt uns bekannt vor? Querverweis hier auf die Beobachter aus Highlander, die Serie oder auch auf das Legat aus Poltergeist.
Rice greift mir des weiteren zu viel aus „Memnoch“ auf, ein Buch, daß ich wegen des ganzen Religionstamtam am liebsten auf ewigen Zeiten vergessen hätte.

Originaltitel: „The Vampire Armand“ aus 1998, gerade in Deutschland erschienen für DM 44 und ein paar gequetschte im Hardcover-Format unter „Armand der Vampir“, wie ich letzte Woche in einer Zeitschrift las.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 19:16:09 mit dem Titel Blood and Gold



„Blood and Gold“ ist im Jahr 2001 im kanadischen Randomhouse-Verlag erschienen und der x-te Teil der sogenannten „Vampirchronik“, die einst mit „Interview mit einem Vampir“ begann und verschiedenen Düsterlingen in unchronologischer Reihenfolge nachgeht. Da die deutschen Verlage übersetzungstechnisch gewöhnlich nicht gerade fix aus dem Quark kommen, muß man eben warten oder eben doch die Originalversion lesen – mich hat sie € 23,- gekostet. Da ich das Durcheinander mit der „Vampirchronik“ und der „neuen Vampirchronik“ nicht mehr verstehe, denke ich bei „Blood and Gold“ handelt es sich um den achten Teil der ursprünglichen Chronik.

Das Buch ist ein Hardcover-Exemplar, stilgemäß schwarz mit goldenen Buchstaben. Besonders ins Auge springt der geschmackvolle Umschlag: ein Auszug aus Botticellis Bild: La Primavera: The Three Graces, welches man in den Uffizien bewundern darf, wenn man denn möchte. Ich möchte nicht und oute mich mal als Kunstbanause („nicht schön, aber selten“). Hinten im Umschlag sieht man ein Foto der Autorin, Anne Rice, die mich verdächtig an meine ehemalige Englischlehrerin (allerdings mit Topten-Schnitt) erinnert.

Vorab betrachtet hat mich das Buch etwas geärgert, hatte ich doch gehofft, daß es direkt an „Merrick“ anschließt, welches der siebte Teil der Chronik war und welches auf ziemliche Action im Anschluß hoffen ließ, deutete es doch an, daß Lestat (der bekannte Obervampir aus den Filmen „Interview mit einem Vampir“ =Teil 1 und „Königin der Verdammten“ =Teil 3) nach langer Zeit wieder zur Topform auflaufen würde. Leider sollte dem nicht so sein, was ich grummelnd bereits beim Überfliegen des Klappentextes zur Kenntnis nehmen mußte. Vielmehr hat Rice sich mit „Blood and Gold“ zufällig (?) mit ihrer Geschichte wieder unmittelbar in die Nähe der „Königin der Verdammten“, was natürlich marketingtechnisch wunderbar mit dem Erscheinen des gleichnamigen Films harmoniert.

Erzählt wird die Geschichte von Marius, einem uralten Vampirgesellen, welcher seit dem römischen Reich durch die Weltgeschichte pilgert. Wenn man den Rest der Chronik schon gelesen hat, wird man zunächst vor Freude nicht gerade in die Luft springen. Ist die Figur des Marius doch bereits in drei oder vier der vorhergehenden Romane dermaßen ausgenudelt worden, daß man sich fragt: was soll das? Schließlich weiß man nahezu alles über den blonden Gesellen mit Vorliebe für dunkelrote Samtanzüge – auch wenn man sich diese Informationen aus mehreren Geschichten zusammenpöckeln mußte. So erfährt man im wesentlichen nicht sehr viel Neues, wobei man aber im nachhinein doch zugeben muß, das es nicht uninteressant ist, eine bekannte Geschichte aus einer anderen Perspektive zu sehen, zumal man nebenbei noch Antworten auf zahlreiche Fragen erhält, die in anderen Teilen der Chronik aufgeworfen wurden in denen Marius als Nebenfigur erschien und von anderen Figuren nur beschrieben wurde.

So betrachtet man die 2000 Jahre währende Lebensgeschichte des Marius aus den verschiedensten Perspektiven und er wird zu einer der bestbeschriebenen Figuren der gesamten Chronik – wobei es wohl kein Zufall ist, daß sein „Leben“ dem Lauf der Geschichte zu folgen scheint. Absolute Präsenz während der Blütezeit der Antike, Zurückgezogenheit im Mittelalter und Neuerscheinen in der Renaissance.

Marius erscheint stets als machtvoller Meistervampir mit dem auch seinesgleichen sich ungern anlegt – viel mehr ziehen sie es meist vor ihm zu folgen. Gleichzeitig ist er eine luxusversessene Lichtgestalt, die sich gern mit Kunst, Künstlern und Gelehrten umgibt. „Blood and Gold“ passt schon!

Gleichzeitig leidet der Gutste aber an einer Art Helfersyndrom, was denn auch noch immer wieder damit endet, daß er allein da steht. Jahrtausendelang müht er sich mit dem königlichen Paar, dem Ursprung seiner Art ab, die ziemlich regungs- als auch nutzlos zu Statuen erstarrt vor der gierigen Vampirverwandtschaft geschützt werden müssen. Eine Pflicht die nicht unbedingt einfach zu bewältigen ist und ihn von vielem abhält. Was ist der Dank? Akasha (die Königin) erwacht und hat nichts besseres zu tun als ihm fies auf das Käppi zu hauen. Pandora, seine erste Liebe, kratzt die Kurve, weil sie es leid ist mit ihm zu streiten. Armand, noch so ein Schatzi wird von Feinden entführt und bekommt es nicht wirklich geregelt selbst zu entfleuchen, weil ihm die Entführung ganz gut in den Kram passt. Bianca zieht in einer Aktion von dannen, die eine Alice Schwarzer beglückt hätte, als sie erkennt, daß sie nur als Lückenbüßerin für Pandora dient (Alter schützt vor Torheit nicht *g).

So richtig fertig in der Welt ist Marius nachdem seine ewige Aufgabe Akasha zu hüten, rapide beendet wurde und er erkennen muß, daß die alte Schachtel von Vampirkönigin in so ein paar Tausend Jährchen ziemlich an der Nase herumgeführt hat. Was macht man mit soviel ungewohnter Freiheit, wenn der eigene Stolz geknickt ist und kein alter Kumpel etwas von einem Wissen will.

Der Leser trifft Marius in unserer Zeit. Er lebt wie gewohnt in Luxus zusammen mit einem Unsterblichen namens Daniel, der natürlich eine Macke hat und eines Aufpassers bedarf – weshalb er wenigstens nicht abhaut. Da dieser Daniel in seinem eigenen Wahnsinn gefangen ist, trifft es sich gut, daß Marius auf Thorne trifft – mit dem er einige Zeit durch die Gegend zieht, was den Rahmen für Marius Lebensgeschichte bildet.

Trotz bekannter Story ist das Buch keineswegs langweilig, es lebt von einer vielschichtigen und interessanten Hauptfigur, die den Leser durch zahlreiche geschichtliche Epochen und Orte schleift. Wobei es mir allerdings schleierhaft ist, ob das Buch sich wirklich für jemanden eignet, der die anderen Teile der Chronik überhaupt nicht kennt. In diesem Fall bleiben meiner Ansicht nach zu viele Querverweise offen und ungeklärt. Für einen Leser, der „im Bilde“ ist beantworten sich dagegen durch diesen Roman einige „was ist eigentlich mit...“-Fragen, die durch andere Teile der Serie aufgeworfen wurden, was wiederum alles andere als verkehrt ist. Worüber ich nach wie vor nachgrüble, weil noch nicht alle Klarheiten beseitigt sind, ist die Rahmenhandlung um Thorne und Marius. Hier ist der tiefe Sinn noch nicht so recht in meine Hirnwindungen gedrungen.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:06:55 mit dem Titel Falsetto

Für mich ein ganz neues Thema für ein Buch, was mich zu Anfang etwas skeptisch stimmte. Anne Rice schreibt hier mal nicht über Unsterbliche in welcher Form auch immer.

In diesem Fall liegt die Unsterblichkeit eher in der des Künstlers. In die Hände gefallen ist mir „Cry to Heaven“ (dt. Version = Falsetto), weil ich nahezu alles von Anne Rice lese, und es zwei Ihrer Bücher als Doppelpack in einer Sonderedition gab. Ich mag einfach, wie sie schreibt und die Tatsache, daß ich auch die Originalfassungen ohne grössere Probleme lesen kann, worauf man leider in Deutschland angewiesen ist. Bis eine Übersetzung mal im Paperback erscheint, hat der Autor schon wieder 5 neue Bücher geschrieben. Trotz meiner anfänglichen Skepsis für mich momentan ihr bestes Buch. Zitat einer Arbeitskollegin:“ich habe Rotz und Wasser geheult.“ Das kann man auch. Die Ironie, wie die Hauptfigur am Ende zu Ihre Rache kommt, hat mir doch das Grinsen ins Gesicht getrieben.

Im Allgemeinen ist Anne Rice demjenigen zu empfehlen, der ein Buch zur Entspannung für die Freizeit lesen möchte, und gerne Romane liest die in früheren Zeiten spielen, wobei man die Geschichtsbezüge nicht allzu Ernst nehmen sollte.

Zum Inhalt:

Wobei das Italien dieser Zeit auch in anderen Büchern von Anne Rice immer wieder ein beliebter Schauplatz ist. Die Hauptfigur „Tonio“ wächst behütet im adligen Elternhaus seines greisen Vaters in Venedig auf. Schon im jungen Alter fällt ihm dabei ein Familiengeheimnis auf, welches ihm später zum Verhängnis werden soll: Nach dem Tode des Vaters soll Tonio der Haupterbe werden, was sein vom Vater ehemals verbannter älterer Sohn Carlos verhindern will. Dieser bringt Tonio dieserhalb aber nicht einfach um. Da Tonio sich als begnadeter Sänger erweist, und nur als ganzer Mann Familienerbe sein kann, wird Tonio im dafür späten Alter von 14 oder 15 Jahren kastriert. An einer berühmten Gesangsschule lernt Tonio erstens das Singen in Perfektion und zweitens mit seinem Schicksal zu leben, wenn auch nicht es anzunehmen. Tonio behält im Gegensatz zu fielen seiner Kollegen einen Rest von Männlichkeit, treibt Sport und fechtet, tut sich schwer damit weibliche Bühnenrollen (wie damals üblich) zu singen und sich entsprechend zu kleiden. Der Gedanke, sich zu rächen, wird ihn nie ganz verlassen.

Tonio entwickelt sich unter Hilfe seines Lehrers und Mentors Guido zum großen Arien-Sänger der bald in Rom ein gefeierter Star ist. Sein Leben wird durch einige Affären und Liebesbeziehungen mit beiderlei Geschlechtern bestimmt, aber auch durch Intrigen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Tonio begreift hier, welche Macht er als Künstler über die Menschen hat – und welche Möglichkeiten ihm der verhasste Auftritt in der Frauenrolle bietet. Dies führt letztendlich zu seiner Rache an seinem „Bruder“ Carlos.


Allgemeines

Zumindest lt. Nachwort hat Anne Rice für dieses Buch umfassendste Recherchen betrieben und sich selbst mit der Anatomie von Kastraten beschäftigt, die im Allgemeinen wohl durch einen veränderten Hormonhaushalt vom Normalbürger abweicht. Zusätzlich hat sie sich die einzige Aufnahme die je von einem derartigen Sänger gemacht wurde angehört, und sich zudem noch mit den Theorien der damaligen Gesangslehre befasst, was man beim Lesen (leider) auch merkt. Leider, weil gerade diese Abschnitte mich sowenig interessiert haben, daß ich sie dann doch überlesen mußte. Anne Rice bringt hier, wie auch im Nachwort beschrieben, die geschichtlichen Aspekte mal wieder etwas durcheinander, was einige Leser immer mal wieder zum Nörgeln veranlassen dürfte, mich selbst aber unter dem Stichwort „Dichterische Freiheit“ noch nie sonderlich gestört hat (nagut solange jetzt niemand behauptet, Ramses II sei eine Figur aus Star Trek)

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:17:04 mit dem Titel Der Fürst der Finsternis

„der Krieg all meiner Artgenossen untereinander oder aller gegen mich allein. Das also war das Spiel, das ich spielte.“

„Der Fürst der Finsternis“ ist das zweite Buch der Vampirchronik von Anne Rice, geschrieben 1985, in Deutschland erschienen 1990. Originaltitel: „The Vampire Lestat – the second book of the Chronicle of Vampires”.

Das Buch ist so aufgezogen, als hätte die Hauptfigur Lestat den Roman selbst verfasst. Er erzählt seine Lebensgeschichte:

Die Geschichte beginnt 1984. Lestat hat so einige Jahrzehnte zurückgezogen in New Orleans vor sich hinvegetiert, bis er plötzlich vom Bedürfnis ein Rockstar zu werden, wieder an die Oberfläche zurückfindet. Lestat ist ziemlich gelangweilt. Die Tatsache, daß sein Nachkömmling Louis sich hat interviewen lassen (erster Teil der Chronik) ärgert ihn. Da dieses Interview als Buch veröffentlich wurde, hat Lestat das Bedürfnis es mit einem eigenen Buch besser zu machen, und andere verborgen existierende Vampire zu ärgern. Woraus auch seine Rockstar-Idee entstanden ist.

Lestat blickt zurück auf sein Leben als Mensch. Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts als Sohn eines verarmten französischen Landadligen geboren, besondere Möglichkeiten im Leben hat er nicht, was ihn ziemlich anödet. Eine Einstellung, die auch Gabrielle, seine Mutter teilt. Lestat entdeckt seine Liebe zum Theaterspiel und treibt sich bevorzugt mit einer Schauspielertruppe und dem seinem Freund Nicolas, einem Geiger herum. Er setzt sich nach Paris ab. Dort findet ihn der Vampir Magnus, welcher Lestat sozusagen zu seinem Erben macht – bevor er sich selbst verbrennt. Lestat bleibt untot, aber ziemlich reich zurück, und holt sich seine Mutter als unsterbliche Gefährtin.

Lestat trifft rasch auf seinesgleichen. Vampire die zusammengerottet, wie eine Sekte unterhalb eines alten Friedhofs ihr Unwesen treiben und in deren Weltbild Lestat mit seinem Prunk und seiner Macht nicht hineinpasst. Er lernt einen ihrer Anführer kennen, der ihm von einem uralten Vampir namens Marius erzählt. Lestat verlässt die anderen Vampire, die sich mittlerweile schauspielerisch betätigen, um nach Marius zu suchen. Was auch gelingt und folgendes Ergebnis hervorbringt: Marius ist der Hüter von „jenen, die bewahrt werden müssen“. Kurz gesagt: die beiden Obervampire, Akasha und Enkil. Sterben diese endgültig, sterben auch deren Nachfolger. Leider haben die beiden nichts anderes mehr im Sinn als lethargisch auf ihren Thrönen zu sitzen. Lestat kann es sich natürlich nicht verkneifen, ein wenig an Akashas Hals zu knabbern, was ihn umso mächtiger werden lässt. Akasha verliebt sich in Lestat, ihr Mann Enkil wird auf einmal ziemlich munter und sauer, und Lestat sucht fürs erste das Weite.

Er geht nach Amerika und verbringt einige Jahrzehnte mit Louis, der Hauptfigur aus „Gespräch mit dem Vampir“. Aus dieser Geschichte lädiert hervorgehend, liegt Lestat lange Zeit unter der Erde begraben bis ihn Musikübertragungen, die er aufschnappt erwecken. Lestat wird also Rockstar, nimmt Platten auf und gibt schließlich ein Konzert. Alte Bekannte sammeln sich um Lestat, andere seiner Art wollen ihn mal wieder vernichten und lassen den Konzertsaal in Flammen aufgehen. Lestat wird von einem „etwas“ gerettet, daß diese Feinde vernichtet.

Lestat hat am Ende sein Ziel erreicht und alte Bekannte um sich versammelt, andere Vampire aufgerüttelt – und Akasha geweckt, was die Überleitung zum dritten Teil der Vampirchronik „die Königin der Verdammten“ sein wird. Das Buch ist zwar in sich abgeschlossen, aber irgendwie schließt man es doch mit der Neugierde, wie es wohl weitergehen mag (– marketingtechnisch wohl auch keine so schlechte Idee).

In diesem Buch bekommt man eine gehörige Ladung „Lestat“ ab, was – sofern man mit einem Sinn für schwarzen Humor „gesegnet“ ist – durchaus amüsant sein kann. Lestat ist nämlich rotzfrech, provozierend, arrogant, neugierig und ziemlich makaber. Ein bisschen Stress und Ärger sind ihm allemal lieber, als Langeweile und Anpassung. Von Regeln hält er wenig, besonders wenn sie seine eigenen Artgenossenschaft aufgestellt haben. Er tut nun wirklich, was er will – er hat aber auch kaum noch etwas zu befürchten.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:28:38 mit dem Titel Gespräch mit dem Vampir

...“und dann sagte ich dem Sonnenaufgang lebe wohl und ging davon, ein Vampir zu werden“ (und das ist gut so)

„Gespräch mit dem Vampir“ wurde 1976 in den USA von Anne Rice geschrieben und erschien 1989 als deutsche Taschenbuchausgabe. Das Buch ist der erste Teil der „Chronik der Vampire“. 1993 wurde die Geschichte dann letztendlich auch noch verfilmt.


Die Geschichte

an sich ist schnell erzählt. Sie beginnt 1791 auf einer Plantage bei New Orleans, die dem 25jährigen vom Leben gerade gefrusteten Louis gehört. Louis trifft auf den Vampir Lestat, der Louis eben aus diesem Grunde die Existenz eines Unsterblichen anbietet. Lestat sucht nach einem Gefährten und eine Plantage als hübscher Landsitz kommt ihm auch nicht eben ungelegen. Mit Louis und Lestat treffen im Endeffekt zwei unterschiedliche Charaktere aufeinander.
Lestat genießt seine Existenz, liebt den Luxus und hat den Hang zum makabren. Louis wird mit seinem selbstgewählten (oder auch nicht?) Schicksal nicht fertig – er bleibt eher menschlich, was Lestat auf der einen Seite amüsiert, auf der anderen Seite ärgert.
Vertrieben von der Plantage gehen beide nach New Orleans. Louis will mit der Zeit hinter den Sinn und den Ursprung seiner Existenz kommen – Lestat stellt sich dabei stur und will dabei nicht weiterhelfen – weil er es selbst nicht weiß.
Da die beiden sich immer weiter auseinanderleben und Lestat merkt, dass Louis in verlassen möchte, greift er zu einem typisch menschlichen Trick – die beiden bekommen ein Kind, die 5jährige Claudia, die ansonsten an der Pest gestorben wäre. Lestat wird für sie der Lehrmeister, Louis der Beschützer. Alle leben in glücklicher Vampiridylle bis Claudia im Geiste erwachsen wird, aber immer noch wie ein Kind aussieht. Claudia erledigt nun das, wozu Louis nie in der Lage war, sie beseitigt Lestat (nicht sehr gründlich). Louis und Claudia verlassen New Orleans in Richtung Europa um ihresgleichen zu suchen, was erst mal scheitert. Nach langer Reise findet sich in Paris eine ziemlich abstruse Vampirtruppe, die dort Theater spielt und nach festen Regeln lebt. Geführt wird die Truppe von Armand, optisch gerade der Spätpubertät entsprungen. Dieser ist sein Leben in Paris leid, er möchte Louis als „Lebens-“Gefährten, Claudia stört ihn. Armand, scheinbar der älteste existierende Vampir kann Louis bei seiner Sinnsuche allerdings auch nicht helfen. Er schafft es aber seine Truppe und Louis gegeneinander auszuspielen: die Truppe erledigt das Mädchen, das durch seine bloße Existenz im Kinderkörper und, weil sie Lestat angegriffen hat, die Regeln der Pariser Vampire gebrochen hat. Louis fackelt aus Rache dafür deren Schlafstätte inclusive ihres vampirischen Inhalts ab. Armand und Louis bleiben übrig, um fürs Erste gemeinsam durch die Weltgeschichte zu wandern.

Eingerahmt wird die Erzählung durch eine Interviewsituation in der Louis einem jungen Reporter seine Existenz erzählt, was diesen so fasziniert, dass dieser fast selbst ein Vampir sein möchte.


Warum das Buch geschrieben wurde? (Ich habe ausnahmsweise mal den Klappentext gelesen.)

Die 6jährige Tochter der Autorin starb an einer Blutkrankheit, was bei der Mutter Alpträume und Depressionen auslöste. Das Buch diente als Trauerbewältigung: ein krankes Kind, das vorerst vor dem Sterben gerettet wurde, auch nicht glücklich wird und am Ende auch wieder den Tod als Erlösung findet.(?)


Anmerkungen:

Interessant war für mich folgendes, was die Figuren betraf: Eigentlich ist Louis die Hauptfigur – allerdings ist er vergleichsweise langweilig - vor allem gegen Lestat. Anne Rice hat das wohl später auch erkannt, und Lestat in der folgenden Chronik von vier weiteren Büchern zur Hauptfigur gemacht. Was immer wieder faszinierend ist, und wozu Bram Stoker mit „Dracula“ nicht in der Lage war, ist die Tatsache, dass die Autorin es immer wieder schafft Gut und Böse ineinander fließen zu lassen. Schwarz-Weiß-Malerei entfällt. Es geht nicht um die übliche Monsterjagd. Auch sehr entspannend finde ich, dass sie auf die alten Geschichten, wie Weihwasserwerfen, Knoblauchatem , pfählen, mit Kruzifixen wedeln und Pfähle zücken, verzichtet hat – Dinge die ich schon bei meinem ersten Draculafilm irgendwie eher ulkig als effektiv fand.


Verfilmung:

Anfang der 90er waren Vampire wieder modern, nachdem Coppola sich schon über Dracula hergemacht hatte. Anne Rice war zunächst insbes. mit der Besetzung von Tom Cruise als Lestat nicht sehr zufrieden – ich im Übrigen auch nicht. Wieder Erwarten hat er allerdings seine Sache recht gut gemacht. Louis wurde von Brad Pitt gespielt, der wie ich mal gelesen hatte, nicht sehr begeistert darüber war. Der Knüller war allerdings Antonio Banderas als Armand. Nun hatte ich zum Zeitpunkt der Verfilmung schon einige Teile der Chronik gelesen, worin Armand nicht ohne Grund als Junge von etwas 18 Jahren dargestellt wurde. Das ist bei Banderas wohl schon zu einige Zeit her... gut besetzt war die Rolle von Claudia, die Kleine die hier gespielt hat, hat wirklich alles andere in den Schatten gestellt (wie sie heißt, weiß ich trotzdem nicht mehr). Bis auf einige hollywoodmässige Modifikationen (die einigen Lesern neben mir die Tränen –vor lachen- in die Augen trieben) ist der Film aber im großen und ganzen wirklich gut gelungen.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:41:20 mit dem Titel Memnoch, der Teufel

„Memnoch der Teufel“ ist das fünfte Buch der Vampirchronik von Anne Rice, geschrieben 1995. Originaltitel: „Memnoch the Devil – the fifth book of the Chronicle of Vampires”.

Auch wenn der Klappentext behauptet, Fans würden diesen Roman ohne Zweifel im positiven Sinne „verschlingen“ (the Washington Post), für mich das ödeste was Anne Rice je geschrieben hat.

Mir tat Lestat, die Hauptfigur aus den bereits vorhergegangenen Bänden so richtig leid, daß er diese ganze Geschichte durchleben mußte. Was dies dann auch mit Vampiren zu tun hat, wie man\'s gewohnt ist, ist mir ein Rätsel. Lestat verkörpert in vorgenannter Chronik den Vampir schlechthin. Vergißt seine Menschlichkeit und lebt sein neues Ich total. Wobei er natürlich im Laufe seines ewigen Lebens auch mal vom Gewissen gebeutelt wird. Er erlebt so einiges: schafft Nachfolger, kommt der Entstehung der Vampire auf die Spur, tauscht seinen Körper mit einem Lebenden... Alles aus purer Neugier und \"Lebenslust\". In Memnoch führt ihn alles auf die religiöse Schiene. So bringt er doch aus der Reise in diesem Roman den Mantel mit den Jesus zuletzt trug. Lestat endet ziemlich zerfetzt im Delirium.

Engel, Teufel, Religion und Dantes Inferno mir war es zu viel. Da hätte Rice Lestat doch lieber einen Band zuvor in Ehren sterben lassen sollen. Um ehrlich zu sein, könnte ich bei all dem Tohuwabohu nicht mal mehr sagen, worum es in dem Buch eigentlich ging. Ich versuche es dann doch:

Lestat verfolgt und tötet einen ziemlich obstrusen aber charismatischen Geschäftsmann aus Faszination, verliebt sich aber in dessen Tochter – die wiederum den religiösen Tick hat eine eigene Kirche aufzubauen (ein Grundthema von Rice z. B. auch in ähnlicher Form in „Engel der Verdammten“ aufgegriffen wurde). Gleichzeitig wird Lestat selbst von Memnoch verfolgt, der ihn schließlich in höhere Gefilde (Himmel und Hölle) entführt. Amen.

Einziger Lichtblick: da ich Anne Rice seit Jahren im englischen Original lese, weil ich auf dem neuesten Stand sein will und die deutschen Übersetzungen erst nach Ewigkeiten kommen, kann ich sagen, daß sie mit „Pandora“ und „the Vampire Armand“ (= Teil 6 der Chronik) wieder halbwegs zu gewohnter Form gefunden hat.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:43:06 mit dem Titel Merrick

„Merrick“ dürfte also nun das siebte Buch der Vampirchronik sein, die einst so schön mit dem später verfilmten Buch „Gespräch mit dem Vampir“ begann. Die amerikanische Ausgabe erschien im Jahre 2000 und ist bisher noch nicht ins Deutsche übersetzt worden. Meine Hardcover-Ausgabe ist mit einer ungemein kitschigen Schutzhülle versehen und kostete DM 56,-.

„Merrick“ ist ein Buch, daß dem gewogenen Leser der Chronik, dem eigentlich schon die Füße eingeschlafen waren, endlich mal wieder ein paar Überraschungen bietet, wobei die Geschichte allerdings keineswegs einen unvorhersehbaren Verlauf nimmt. Etwas geärgert habe ich mich schon.

Beginnen wir mit dem Positiven: vielen mag das Buch „Gespräch mit dem Vampir“ bzw. dessen Verfilmung „Interview mit einem Vampir“ bekannt sein. Gerade den Lesern des Buches dürfte aber immer etwas gefehlt haben, zumindest ich habe etwas vermisst. So war der gute Louis, Haupt“vampir“ des „Gesprächs“ bald gegen seinen Schöpfer, den charismatischen und abenteuerlustigen Lestat verblasst. In den folgenden Teilen der Chronik sollten auch die Erlebnisse des Lestat sehr ins Handlungszentrum gerückt werden, Louis erschien schemenhaft (wenn überhaupt am Rande). Wobei man zugeben muß, daß Louis mit seiner Melancholie und seiner Menschlichkeit ein recht uninteressantes Monster ist.

Nun Rice scheint vorübergehend Lestat auf Eis gelegt zu haben, im wahrsten Sinne des Wortes vegetiert er vampirisch-komatös vor sich hin, was manchen Leser oder Lestat-Fan in Rage getrieben hat. Einen wachsamen Blick haben auf ihn seine alten Gefährten Louis und David. Womit ich wieder bei Louis wäre und bei dem was ich vermisst habe, schließlich mag die Geschichte aus dem „Gespräch“ zwar für den Leser (vielleicht) für Louis als Figur aber noch nicht beendet sein, so daß man „Merrick“ fast schon als Fortsetzung des ersten Teils der Chronik bezeichnen kann. Louis hat in diesem Teil das Vampirkind Claudia verloren, wobei sein Verhältnis zu Claudia ziemlich schuldlastig für ihn war. Louis will nun zu dem Geist Claudias Kontakt aufnehmen, einerseits erhofft er Absolution, andererseits ist er selbst todessehnsüchtig und wünscht sich Erkenntnisse darüber, was ihn nach seinem Dahinscheiden im Jenseits erwarten mag.

Kommen wir zum zweiten Positivpunkt: Rice ist endlich wieder davon weggekommen, Figuren zu entwickeln und deren simple Lebensgeschichten in Biographieform herunterzuspulen – zwar nicht zu hundert Prozent, aber ausreichend um frischen Wind in ihre Geschichten zu bringen. So erweist sich auch die Titelfigur Merrick als eine der wenigen starken Frauenfiguren in den Vampirromanen, sie hat nämlich, wie sich erst gegen Ende herausstellt einiges auf dem Kerbholz.

Nun aber (endlich) zum Meckern: Rice hat in ihren Büchern (auch außerhalb der Vampirchronik) ziemlich früh eine uralte Gruppierung eingeführt, die „Talamasca“ heißt und nur damit beschäftigt ist, Übernatürliches zu beobachten und aufzuzeichnen. Zu dieser Gruppierung gehörte zu Lebzeiten der Vampir David, der nun für Louis Kontakt zu einem Mitglied der Talamasca aufnimmt. Persönlich finde ich die Idee mit den Talamasca ja ziemlich ausgenudelt und überflüssig, man sollte den Laden sprengen. (Schließlich gibt es in der heutigen medialen Welt in jeder Scifi/Fantasyklamotte so einen Verein.. wie öde!). genanntes Mitglied der Talamasca ist David „Freundin“, die Hexe und Voodootante Merrick. Diese ist (ach du Eigenwerbung) ein entferntes Mitglied des Mayfair-Clans, einem Hexenclan über den es zufällig auch eine Chronik mit mehreren Büchern gibt (hat Rice nicht einen netten Zaunpfahl geschwungen). Merrick nun hat die Gabe, den Geist Claudia für Louis zu rufen. Bis dies geschieht erfährt man – wie sollte es auch anders sein – Merricks Lebensgeschichte, nicht zu vergessen ihr Techtelmechtel mit David.

Was dem Buch nun wieder Aufschwung gibt und den werten Leser aus der Lethargie der Rice-schen Vampirchroniken reißt, passiert auf den letzten Seiten, rettet zwar das Buch „Merrick“ nicht mehr so ganz, lässt aber für folgende Romane hoffen:

Der lahmarschige Talamasca-Haufen wird endlich mal munter – als die gutste Merrick, vorhersehbarer Weise, zur Untoten wird – und erklärt der versammelten Vampirschaft doch tatsächlich den Krieg! Währenddessen erwacht Lestat angesichts von Louis Selbstmordplänen wieder zu neuem „Untod“ und hat sichtlich gute Laune, ob des Gedankens sich mit den Talamasca mal so richtig zu käbbeln.

Abschließend mag „Merrick“ wohl eher was für Fans oder Gewohnheits-Rice-Leser sein, einfach weil es Laune auf den möglichen Weitergang macht. Ein richtiger Hammer ist das Buch, aufgrund der genannten Ärgernisse allerdings nicht. Vielleicht mag aber ein unvoreingenommenerer Leser seinen Spaß an dem Buch finden – es dürfte kein großes Problem sein sich auch als Nichtkenner der Chronik in die Geschichte hineinzufinden.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:52:19 mit dem Titel Nachtmahr

„Nachtmahr“ ist das vierte Buch der Vampirchronik von Anne Rice, geschrieben anno 1992. Der deutsche Titel ist dabei etwas danebengegangen, eine Übersetzung des englischen Titels ins deutsche (vgl. z. B. Titel) wäre zwar treffender, aber eher lächerlich. Mit „Nachtmahr“ kann man im übertragenen Sinne leben.

Das Buch klärt folgendes:
Was macht ein lange untoter und ziemlich unkaputtbarer Vampir, der schon so einige Abenteuer überstanden hat, wenn das Unleben ihm außer Langeweile und Einsamkeit nichts mehr gibt? Selbstmord! Genau.
Aber selbst das geht der Hauptfigur –Lestat- ziemlich daneben. Lestat ist bereits zum dritten Mal die Hauptfigur in der Vampirchronik. Sein wildes, auch für Vampire unkonventionelles Treiben, hat ihn in der Vergangenheit sehr mächtig, aber auch etwas unbeliebt unter seinen Artgenossen werden lassen.

Eben diese Stärke verhindert es aber, daß die Sonne Lestat, der sich in die Wüste Gobi zu einem Sonnenbad begibt, buchstäblich in die Wüste schickt. Nach mehreren Tagen des Sonnenbadens erwacht in Lestat dann doch der Lebenswille und er kehrt zurück zu seinem Freund David Talbot, seinesgleichen Mensch, nach London.
David ist der Leiter der Talamasca (erstmals aufgetaucht im dritten Teil der Chronik „die Königin der Verdammten“), einer Gesellschaft, die es sich seit ewigen Zeiten zur Aufgabe gemacht hat, Übernatürliches zu dokumentieren. Lestat hatte es sich zuvor zur lieben Angewohnheit gemacht diese Brüder zu ärgern, über die Zeit aber Freundschaft mit David geschlossen.
In London erhält er eine Nachricht von Raglan James, der ihm bald das Angebot macht, die Körper für einen Tag zu tauschen. James ist eine Art wandernde Seele, die auch für Lestat einen hübschen Körper geklaut hat. Lestat geht auf das Angebot ein. Zuerst genießt er das Menschsein, bis er feststellt, daß auch Alter nicht vor Torheit schützt. James verlässt mit dem mächtigen Vampirkörper die Bildfläche, da er nicht die Absicht hat, die Körper zurückzutauschen. Lestat probiert für’s Erste die schönen Dinge des Menschseins aus, stellt sich dabei aber leicht dämlich an - und stirbt fast, weil er krank wird. Er wird gerettet und hat eine Liebesaffäre mit einer Nonne, bis er zu dem Ergebnis kommt, doch lieber Vampir zu sein.
Währenddessen benimmt sich James im Vampirkörper, wie die Axt im Walde. Seine Taten gelangen in die Medien, was bei den anderen Vampiren zu dicken Hälsen führt. Lestat sucht bei Ihnen Hilfe, erfährt aber, daß dazu keine Bereitschaft besteht. Im Gegenteil, einige der älteren Vampire wollen James und damit Lestats Körper vernichten. Eine Tatsache, die nun wieder Lestat stinkt.
Hilfe bekommt er wiederum von David. Mit dessen Unterstützung kann er James auf einen Kreuzfahrt-Dampfer überlisten und flieht im eigenen Körper. Ende? Nein, es folgt ein Lestat-typischer Dank an David und natürlich noch das Ende von James.

Das Ende vom Lied wird dem Leser zeigen, daß der gute alte Lestat wieder da ist... Pech, für David! Ich habe das Buch ziemlich schnell weggefressen. Rice zeigt hier, daß sie auch was anderes bearbeiten kann, als nur die Vampire, trotzdem flacht das Buch gegen seine Vorgänger ab, wie ich nach rückblickender Betrachtung sagen muss.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:10:29 mit dem Titel Pandora

Wenn ein Vampir Kaffeetrinken geht

Pandora ist das erste Buch, der „neuen Vampirchronik“, geschrieben 1998. Pandora als Figur ist allerdings schon aus dem dritten Buch (die Königin der Verdammten) der ursprünglichen Vampirchronik bekannt.

Meiner Ansicht nach ein Buch, das man unter „ferner liefen“ abhaken kann. Im Vergleich zu einem anderen Ihrer Bücher des gleichen Verlages, hätte man Pandora mit 150 Seiten veröffentlichen können, hätte man nur eine kleinere Schriftart gewählt. In diesem Buch wird mal wieder eine Lebensgeschichte erzählt, wobei hier aber das sterbliche Leben des späteren Vampirs wesentlich spektakulärer ist, als das Untotsein. Ungewöhnlich auch: eine Frau als Hauptfigur.

Pandora selbst sitzt in einem Straßencafe, wo sie von David, einem Artgenossen belatschert wurde, ihre Geschichte aufzuschreiben. Sie wendet sich dabei direkt an David, und gibt dem Leser, der die Vampirchronik nicht kennt einen kurzen Einstieg, um sich zurechtzufinden. Pandora wurde als Adlige im alten Rom geboren, wo sie sich schon sehr jung in den bereits Erwachsenen Marius verliebt, den sie heiraten möchte. Dies ist aber aufgrund seines niedrigeren Standes und seiner nicht so ganz astreinen Herkunft nicht möglich. Kaum Erwachsen erlebt Pandora mit, wie ihre Familie verraten und dahingemeuchelt wird. Sie selbst kann nach Antiocha fliehen, wo sie ein Haus und ein paar Bedienstete kauft. Dort wird sie immer wieder von üblen Träumen heimgesucht, die sie als Anhängerin der Göttin Isis zu deren Tempel führen.
Nun erfährt der Leser, daß in der Stadt ein übler, verbrannter Bluttrinker sein Unwesen treibt. Es sieht so aus als schicke er Pandora die üblen Träume. Sie trifft auch Marius, mittlerweile auch untot, wieder. Marius bewacht Akasha und Enkil – deren Geschichte ausführlich in „die Königin der Verdammten“ erzählt wird – den Ursprung aller Vampire. Marius hat einst Akasha, die zur Statue erstarrt auf ihrem Thron von ihren Anhängern der Sonne ausgesetzt wurde, aus Ägypten gerettet. Während Akasha noch in der Sonne lag, verbrutzelten dabei alle anderen existierenden Vampire, so auch der vorgenannte üble Bluttrinker von Antiocha. Dieser erhofft sich Heilung durch ein Treffen mit Akasha, was Marius nicht erlaubt.
Pandora, dem Wahn erlegen, Akasha sei Isis, dringt – verfolgt vom üblen Bluttrinker – in Marius Versteck ein, wo der üble sie fast niedermetzelt. Marius tötet den üblen Bluttrinker, Pandora wird von Akasha zur Untoten gemacht.
Marius und Pandora teilen lange Zeit die Unsterblichkeit, bis sie sich entzweien. Als Pandora ihn für einige Zeit verlässt, kann sie Marius nach ihrer Rückkehr nicht mehr finden. Wer wissen will, wie sich die zwei wiedersehen, wird von der Autorin liebevoll auf „die Königin der Verdammten“ verwiesen (ich will hier mal mitteilen, daß mir ein anderer Anne Rice Leser im Zusammenhang mit einem ihrer ersten von mir beschriebenen Bücher kommentierte, er meine die Autorin wäre mit steigender Bekanntheit bei ihren neuesten Büchern nur noch auf Kommerz aus, was man nach Pandora irgendwie bestätigen kann).

Zum Schluss: für Rice-Kenner ein Muss um auf dem Laufenden zu bleiben, für den Rest der Welt wohl doch eher überflüssig.

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:24:35 mit dem Titel Die Mumie

Anne Rice bekannt aus ihren Vampirchroniken beschäftigt sich ausnahmsweise nicht mit Vampiren, sondern mit anderen Unsterblichen, wahren Sonnenkindern:
Ramses II, ehemaliger Pharao von Ägypten wird als Mumie nach England gebracht. Als seine Mumie mit Sonnenlicht, das sie zum Leben braucht, in Berührung kommt erwacht er zu neuem Leben und verwandelt sich zu einem jungen Mann, in den sich die hübsche, junge Tochter (Julie) seines Entdeckers Lawrence Stratford verliebt.
Mit ihr kehrt er in das moderne Ägypten zurück:
Auf der einen Seite soll der Tod Stratfords aufgeklärt werden, der hinterrücks danieder gemeuchelt wurde. Auf der anderen Seite hängt Ramses, der aufgrund seiner Unsterblichkeit auch schon eine Affäre mit der guten alten Cleopatra hatte und wegen Marc Anton von ihr abserviert wurde, noch immer an derselben. Gegenspieler der beiden ist Henry, der fiese Meuchelmörder und Cousin von Julie.
Sie greift mit dem Buch ein altes Hollywood-Thema auf und gibt dem ganzen aber einen modernen, zeitgemäßen Touch. So dankt die Autorin ihrem Vater im Vorwort, dafür daß er sie als Kind aus dem Kino abholte, als ihr der Film „die Mumie“ Angst gemacht hatte. Die Geschichte ist aber ohne die altmodische Gut/Böse oder Schwarz/Weiß-Malerei erzählt. Auch wenn gerade die Sache mit Cleopatra hart an der Grenze des Zu-Dick-Auftragens (und teils eher unfreiwillig komisch) erscheint – ein gut erzähltes und spannendes Buch.
In Analogie zu den Vampirchroniken heißt auch Ramses Verdammnis Unsterblichkeit, mit der er nicht so ganz glücklich ist. Während aber Ramses durch die Sonne lebt – was eine ziemlich hübsche Idee ist, da die alten Ägypter die Sonne als Gott verehrten – wurden ihre Vampire davon immer gegrillt. Man kann also zu dem Buch sagen: eigentlich das selbe noch mal in grün.
„Die Mumie oder Ramses der Verdammte“ erschien 1992. Originaltitel: „The Mummy or Ramses the Damned“ aus 1989. Eine Fortsetzung ist am Ende groß und fett angekündigt – bis jetzt aber noch keine Spur davon (meines Wissens nach, wer mehr weiß also bitte Bescheid geben!).


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 21:26:27 mit dem Titel Engel der Verdammten

Noch ein vampirloses Buch von Anne Rice:

Engel der Verdammten (Servant of the Bones) wurde 1996 geschrieben. Da Rice selten über normale Menschen schreibt, geht ist auch diesmal um ein untotes Wesen, um einen besonderen Geist. Interessant ist diesmal die Widmung des Buches: für Gott.

Inhalt:
Der Geist Azrael sucht eines Tages den Schriftsteller Jonathan auf, der sich aufgrund einer Art Schreibblockade in eine einsame Hütte zurückgezogen hat, und bittet Ihn seine Geschichte aufzuschreiben.
Azrael war ein Jude im alten Babylon, der zwischen seinem eigenen und dem babylonischen Glauben aufwuchs. Azrael hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem babylonischen Gott Marduk, der ihm schon als Jugendlicher erscheint. Aus eben diesem Grunde erhält er den Vorschlag babylonischer Mächtiger, sich zu opfern, um dem schwachgewordenen Gott Marduk zu stärken. Dafür dürfen die ehemals verschleppten Juden, Babylon verlassen. Azrael willigt ein, obwohl Marduk ihn warnt.
Azrael wird einem Ritual unterzogen, daß ihn eigentlich töten soll, im Endeffekt aber seine Seele von seinem Körper trennt und aus ihm ein Geisterwesen werden lässt, das an die eigenen Knochen –durch das Ritual vergoldet- gebunden ist, wie ein Flaschengeist an seine Flasche. Der Besitzer der Knochen hat die Macht über den Geist.
Über die Jahrtausende entwickelte sich Azrael vom schwachen verwirrten Gespenst, das seinem jeweiligen Meister gehorchen muss, und demzufolge auch mißbraucht wird, zu einem starken, unabhängigen Geisterwesen, welches zur Legende wird. Azrael erkennt dabei, daß er keinem Meister mehr folgen muss und auch nicht mehr an die Knochen gebunden ist. Er zieht durch die Lande und lässt sich teilweise unmateralisiert durch die Zeit treiben, immer auf der Suche nach einem Weg ins endgültige Jenseits, welcher ihm aber verwehrt bleibt.
Was ihn in unserem Jahrhundert wieder auf den Plan ruft, ist Gregory Belkin. Dieser hat ein riesiges religiöses Imperium aufgebaut, und ist als charismatischer Sektenführer medial allseits präsent. Belkin plant die Vernichtung der Menschheit mit Viren. Für sein Ziel opfert er selbst die eigene Tochter, deren Tod Azrael rächen will. Belkins Frau begeht Selbstmord. Azrael nimmt Kontakt zu Belkins Familie (Vater und Bruder) auf, die er verleugnet, da sie Juden sind. Er wendet sich aber auch an Gregory direkt, weil dieser ihn irgendwie fasziniert. Gregory sieht natürlich in erster Linie das Machtpotential, das er meint mit dem Besitz des Geistes Azrael erworben zu haben – schließlich gelangte Gregory in den Besitz dessen Gebeine.
Nun, das Ende ist happy, kein Virenalarm, der fiese Gregory kriegt sein Fett weg – von seinem Bruder und von Azrael in Gemeinschaftsarbeit.

Anne Rice macht das, was sie immer tut: sie schleift den Leser über ein paar hundert Seiten durch Jahrtausende von Weltgeschichte. Die Story ist diesmal an für die Autorin nicht ganz gewöhnliche Orte gebettet – d. h. nicht New Orleans, nicht San Franciso, nicht Ägypten, nicht Italien. Azrael ist eine recht sympatische und ein wenig tragische Hauptfigur, die mit dem Schicksal hadert, das Gute zu wollen, aber daür das Böse in Kauf nehmen zu müssen - sympatisch gerade gegen andere, vampirische Figuren, die z. T. einen doch etwas schwarzen Humor haben. Obwohl mir in ihren letzten Büchern die religiösen Aspekte eher auf die Nerven gehen, doch ein Buch, daß ich an zwei oder drei Nachmittagen „erledigt“ hatte.

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