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Erfahrungsbericht von der_Baer

Langweiliges Pfauenauge

Pro:

gute Denkanstöße

Kontra:

deprimierendes Ambiente

Empfehlung:

Ja

Wir befinden uns gerade im Reich der Mitte. China, im Jahre des Herrn 1896, oder auf chinesisch: bingshen. Die Zügel des Landes hält die Kaiserinwitwe Tseu Hi in der Hand, eineehemalige Konkubine von Kaiser Xianfeng, die den schwachen Kaiser Guangxu lenkt. Guangxu hat zwei Konkubinen, Zhen und deren Schwester Li. Die rechte Hand von Tseu Hi ist ihr Lieblingseunuch Li Lianying.

Alle diese Personen sind geschichtlich verbürgt und das Buch „Mord im Sommerpalast“ von Taiping Shangdi beginnt mit der Reise des kaiserlichen Trosses in das Sommerquartier an den Kunming See. Mit dabei ist Pfauenauge, die Hofdame der Konkubine Yin und der Nachwuchseunuch Kleiner Brillant, einer von Li Lianyings Gefolgschaft. Zwischen den beiden hat sich eine zarte Liebesgeschichte angebahnt, die nur dadurch erschwert wird, dass sich beide eigentlich nicht treffen dürfen, sondern mehr oder weniger in den Gemächern ihrer Herrschaften aufzuhalten haben und der Tatsache, dass dem Kleinen Brillanten das Zeug zum Familienvater fehlt.

Ergo dessen verbringt Pfauenauge ihre Zeit damit, der fettleibigen und unausstehlichen Konkubine Yin bei der Auswahl der Kleidung und dem Einlassen des Bades behilflich zu sein. In ihrer kärglichen Freizeit stickt Pfauenauge wundervolle Pfingstrosen und macht sich Gedanken. Denn einer von Li Lianyings Eunuchen wurde brutal ermordet. Erschlagen, um genau zu sein. Und zwar mit einem Szepter, dass die heimliche Liebe Kleiner Brillant findet und schnellstens versteckt. Pfauenauge ist um ihren kleinen Eunuchen, den sie oft tagelang nicht zu sehen bekommt ziemlich besorgt und macht sich so ihre Gedanken, die noch schlimmer werden, als ein Mädchen aus dem Hofstaat der Kaiserinwitwe erwürgt aufgefunden wird.

In diesem permanenten Ränkespiel um die Macht in China und die Nähe zum Kaiser ist den Damen und Herren in den prachtvollen Gewändern kein Mittel zu schade, um sich dekadent in den Vordergrund zu stellen. Jeder hat Angst, jeder verdächtigt jeden, aber der Zufall will es, dass Pfauenauge das Geheimnis errät und den Mörder findet.

Taiping Shangdi, was so viel wie „Großer Mann des Friedens“ bedeutet, ist ein Pseudonym des französischen Journalisten und Autors Olivier Seigneur, der seine Bücher noch immer brav mit der Hand schreibt und dessen Lieblingsland China ist, was er auch an Hand dieses Kriminalromans beweist.

Der Stoff schleppt sich erst einmal durch die chinesischen Sitten und Gebräuche des ausgehenden 19. Jahrhunderts und zeichnet mehr die Sitten und Unsitten am Kaiserhof. Er führt durch die fast sklavisch anmutende Personalrekrutierung, wobei es für die gezeichneten Frauencharaktere offensichtlich noch erstrebenswert schien, sich so lange von spleenigen Konkubinen schikanieren zu lassen, bis sich ein höherwertiger Beamter erbarmte und eine Ehefrau benötigte. Dasselbe gilt für die Männer, die offensichtlich ein Leben ohne funktionierende Geschlechtsorgane der Armut vorzogen und sich der Auswahl zum Eunuchen stellten. Dass dabei Korruption, Intrigen und Erpressungen zum Tagesgeschäft gehörten, weiß der Autor durchaus authentisch zu schildern, wenn auch diese steten Gedanken, wer mit wem, warum und noch schlimmer, zu ziemlich langweiligen 173 Seiten ausarten.

Dazu kommt, dass die handelnden Personen sich zwar im Dunstkreis eines mörderischen Spiels befinden, aber bis zum zufälligen Ende keine Ahnung haben, worum es eigentlich geht. Und den Leser plagt ein ähnliches Schicksal, weil er zwar die knapp erfährt, warum die Morde passiert sind, aber es findet sich weder ein Kriminalist, der den Täter zur Verantwortung zieht, noch irgendeine andere Lösung, die dem Roman ein halbwegs vernünftiges Ende beschert.

Auch wenn die Serie über die Erlebnisse der kleinen Pfauenauge in Frankreich angeblich sehr beliebt ist, zeitige ich ihr in unserem Lesekreis keinen besonderen Erfolg. Die Idee, Geschehnisse aus dieser Zeit- und Kulturperiode zu einem interessanten Tatort zu verweben, hat durchaus was für sich. Die Ausführung ist jedoch nicht besonders überzeugend, woran meiner Meinung nach nicht die Übersetzung aus dem Französischen von Alexandra von Reinhardt die Schuld trägt, sondern einfach die Ideenlosigkeit, mit der hier nur minimaler Spannungsaufbau mit noch weniger Handlung zum Tragen kommt. Der Autor versäumt es vollständig, eine Identifikation mit der Hauptfigur zu schaffen, so dass diese im gesamten Ablauf weder Sympathieträger, noch das Gegenteil wird.

Das Büchlein aus der Allgemeinen Reihe von Heyne Nr. 01/13471 trägt die ISBN: 3-453-19592-2 und konnte um EUR 7,20 erworben werden, die es leider überhaupt nicht wert ist.

(c) W.Weninger
www.baerenhoehle.tv


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-28 14:14:04 mit dem Titel Smage, Kim - Die Containerfrau

Kommissarin Anne-kin Halvorsen ermittelt im Pennermilieu von Trondheim. Aber es ist nicht die erstochene Leiche im Hafen, die in diesem Buch die kriminalistische Hauptrolle spielt, denn als ein Polizeihund vor einem Müllcontainer zu winseln beginnt, finden sich unter Schutt und Dreck drei Frauen. Eine ist tot, eine überlebt die Bergung nicht, aber die dritte Frau ist zäh und kommt ins Krankenhaus, wo man sie wieder aufpäppeln will.

Ihr Name ist Irina und der \"Spatz\", wie sie von Frau Halvorsen genannt wird, entflieht noch während der Aufklärungskampagne der norwegischen Polizei aus dem Krankenhaus. Die Kriminalistin steht vor einem Rätsel. Was ist passiert. Wer sind die drei jungen Frauen, von denen nur eine überlebt hat, wo kommen sie her, und warum wurden sie derart gewaltsam \"entsorgt\"?

Im Hafen herrscht Stille. Keiner hat etwas gesehen oder gehört. Weder wird im Falle des ermordeten Penners ein Hinweis publik, noch bei den Untersuchungen über den Mädchenhandel, der seinen Ursprung offensichtlich im ehemaligen Ostblock hat. Irina ist und bleibt verschwunden. Sie schlägt sich mehr schlecht als recht durch, immer verängstigt, immer auf der Flucht, die sie unter Anderem in die Arme eines Rockers und später in die eines Großstadtindianers führt. Aber nachdem sie vor dem Einen geflüchtet ist und den anderen mit einem Gewehrschuss in die ewigen Jagdgründe befördert hat, ist sie vor lauter Angst doch bereit, sich zu stellen und ihre Aussage zu machen.

Anne-kin Halvorsen reagiert. Aber jemand ist ihr immer einen Schritt voraus und die Kommissarin beginnt an ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Wird Irina weiter leben und Frau Halvorsen den oder die Mörder dingfest machen und damit einen Wettlauf gegen den Tod gewinnen?

Diese Frage beantwortet Kim Smage auf 254 spannenden Krimiseiten in \"Die Containerfrau\" (Taschenbuchausgabe Scherz-Verlag 2002, ISBN 3-502-51819-X EUR 9,80). Auch wenn in vielen Sequenzen die Protagonistin, genauso wie in ihrer Erzählung über Mentaldoping (\"Ein kerngesunder Tod\" 2000), weitgehend von Selbstzweifeln über die Sinnhaftigkeit des Polizeiwesens und die Auswirkung auf die norwegischen Bevölkerung geprägt ist, weist dieser Roman doch wesentlich stärkere kriminalistische Aspekte und Handlungsabläufe auf als es im Romanvorgänger der Fall war. Dazu kommt, dass die menschenunwürdigen Romansequenzen durchaus aus dem Leben gegriffen sein könnten und deshalb ein beklemmendes Gefühl der Wirklichkeit entsteht, das nur durch gelegentlich langatmige Lesepassagen unterbrochen wird, vor allem dann, wenn Frau Smage zu eindringlich auf den Seelenzustand ihrer Kommissarin eingeht.

Insgesamt gesehen ist dieser Krimi guter Durchschnitt in der momentan überschwappenden Flut von Skandinavienthrillern, und die Präsenz einer weiblichen Fahnderpersönlichkeit unter ihren weitgehend männlichen Kollegen ist darüber hinaus ein zusätzlicher Pluspunkt, die Polizeiarbeit aus anderer Sicht zu sehen. Vier Sterne von Fünfen kann man dem Roman jederzeit zusprechen und ihn als Entspannungslektüre weiter empfehlen.

Zur Autorin: Kim Smage wurde 1945 in Trondheim (Norwegen) geboren und arbeitete dort als Lehrerin und Journalistin. Heute lebt Frau Smage als freischaffende Autorin und hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter die ebenfalls im Scherz-Verlag erschienen Romane \"Wer die Regel bricht\" und \"Ein kerngesunder Tod\"

Das vorliegende Buch erschien 1997 mit dem Originaltitel \"Containerkvinnen\" im Verlag Aschehoug & Co, Oslo, und wurde von Gabriele Haefs aus dem Norwegischen übersetzt

Die Containerfrau.
von Kim Smage
Broschiert - 254 Seiten - Scherz
Erscheinungsdatum: Januar 2001
ISBN: 350251819X
€ 8,90

(c) W. Weninger
www.baerenhoehle.tv



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-12 11:27:39 mit dem Titel Småge Kim - Ein kerngesunder Tod

Wie problematisch ist es eigentlich, ein Kind sobald es seine vier Gliedmaßen halbwegs bewegen kann, in die Laufbahn eines Profisportlers zu hetzen. Und vor allem, mit welchen Mitteln darf man so ein heranwachsendes Leben beeinflussen, um aus dem wachsenden Körper bereits Höchstleistungen zu pressen, die sich in Meter und Sekunden, Medaillen und Pokale messen lassen?

Doping! Ein Thema, dass gerade durch die Diskussion über Deutschlands liebsten Radfahrerheros wieder voll entflammt ist. Wer erinnert sich nicht an den deutschen Langläufer, der für Spanien die Langlaufolympiade gewinnen sollte und dann der Einnahme von unerlaubten Mitteln überführt wurde?

Genau darum geht es in dem Buch „Ein kerngesunder Tod“ von Kim Småge, in dem Kommissarin Anne-Kin Halvorsen ermittelt.

Im Schwimmbad der Stadt Trondheim stirbt ein fünfzehnjähriges Mädchen. Eine Schwimmerin mit dem Körper einer Zehnjährigen, durch gezielte Ernährung und Zusatzpräparate gehemmt in ihrem Wachstum, um besser und effektiver durch das Wasser gleiten zu können. Nach einer Verletzung wird das Mädel mit Hilfe von Anabolika wieder auf Vordermann gebracht, aber der Körper reagiert ungeahnt auf den überdrehten Leistungswillen und so stirbt die Kleine im Wasser.

Durch Zufall findet sich beim ebenfalls fünfzehnjährigen Bruder der Kommissarin eine Kassette mit brisantem Material. Nicht mehr nur Eiweiß- und Vitaminpräparat, Trainingsfleiß und gesunde Ernährung allein sollen den Sportler auf das Siegertreppchen katapultieren, auch nicht mentales Training, sondern beinhartes akustisches Psychodoping, dass eine völlig neue Dimension erreicht, die vom IOC und anderen Sportbehörden nicht verboten wurde, weil es das bisher gar nicht gab.

Kommissarin Anne-Kin Halvorsen und ihre Kollegen beginnen zu ermitteln. Das gesamte Umfeld der jungen Schwimmerin wird in die Untersuchungen einbezogen, während rund um die Polizistin zahlreiche Ungereimtheiten passieren, die sie mittelbar und unmittelbar in ihrem Privatleben beeinflussen und ihr manchmal den Blick trüben für das, was mit ihren Verwandten und Bekannten passiert, während ganz Trondheim scheinbar versucht, von nichts eine Ahnung zu haben.

Kim Småge
wurde 1945 in Trondheim, Norwegen, geboren. Sie absolvierte das Wirtschaftsgymnasium und danach die Fischereitechnische Hochschule. Nach ihrer Assistenzzeit an der Hochschule arbeitete sie als Lehrerin, Journalistin und Tauchinstrukteurin für Unterwasserjagd - sie war die weltweit erste Frau in diesem Beruf.
Heute lebt Kim Småge als freie Schriftstellerin auf der Insel Aukra im Trondheim-Fjord.
1992 wurde ihr schriftstellerisches Werk mit dem Spraklig-Samlings-Literaturpreis ausgezeichnet.
(diese Angaben wurden von der Webseite http://www.krimi-forum.de/ kopiert)


Die erzählerische Leistung von Kim Småge liegt vor allem in der Beschreibung der Ohnmacht des Polizeiwesens, das trotz Wissen um Recht und Unrecht weder so agieren kann, wie es das für richtig hält, weil man sich ganz eindeutig an Paragraphen zu halten hat. Ein weiteres Augenmerk legt die Autorin auf die psychische Komponente, in dem sie nicht zu knapp das Empfinden von Polizisten, die ja auch nur Menschen sind, schildert.

Im Großen und Ganzen läuft dieser Krimi eher in die Richtung Frauenroman mit sportkriminalistischem Hintergrund. Die Handlung verzettelt sich in zahlreichen Nebendetails, die zwar im Endeffekt immer etwas mit der Lösung des Falles zu tun haben, aber sehr konstruiert und an den Haaren herbei gezogen wirken. Wenn etwa der Mörder der Freundin dann im Schlussabschnitt plötzlich auch seine Finger im Dopinggeschäft hat, dann scheint Trondheim zu einem kleinen Dorf zu werden, wo es gemäß diesem Roman gar nicht anders sein kann, als dass sich sämtliche Einwohner irgendwo mit dem Fall verknüpfen.

Darüber hinaus malt Frau Småge ein sehr tristes Bild der sozialen Situation in Trondheim, geprägt von Rentnerdasein, Jugendkriminalität und anderen Bevölkerungsstrukturen, wie es sie praktisch in jeder Stadt gibt. Nirgendwo lässt sich ein positives Erscheinungsbild dieser Stadt finden, was Trondheim möglicherweise nicht verdient hat. Zu sehr versinkt diese Kommissarin im Kleinstadtmief, aus der sie auch die Lösung des Falles nicht heraus bringt.

Die Spannung hält sich fast über die gesamte Lesedauer von 320 Seiten ziemlich in Grenzen. Dieses Buch kann man lesen, muss es aber nicht gelesen haben.

(c) W. Weninger
www.baerenhoehle.tv

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