Erfahrungsbericht von mima007
G. Servat: *Beitrag vom Autor gelöscht*
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
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----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-28 15:49:07 mit dem Titel G. Servat: *Das Geheimnis von Bre*: Kelten-Fantasy
Spannende, actionreiche Science Fantasy bietet dieser Startband einer Trilogie vom französischen Starautor Gilles Servat. Der Dichter, Sänger und Musiker kann seine bretonische Vorliebe nicht verleugnen und taucht ohne Scheu in eine keltische Welt ein, wie sie hätte sein können. Hier denke man \"Bre = Bretagne\". Jedes Kapitel ist mit schönen keltischen Schnörkeln versehen; eine Landkarte erleichtert die Orientierung.
Dies ist der 1. Band des mindestens vierbändigen Zyklus\' \"Der Mythos des Arktur\". Drei Romane sind schon erschienen, der 4. folgt im Winter.
Handlung
Bre, das ist ein kleiner Planet in den Tiefen des Weltraums. Wir erfahren nicht, in welcher Zukunft sich das folgende Geschehen abspielt. Das ist auch nicht wichtig. Jedenfalls erleidet unser Held Skinn Mac Dana auf Bre Schiffbruch und sein Raumschiff explodiert. Doch Skinn ist keineswegs verzagt, denn er ist unter seinem Volk eine Art Anführer der Krieger, der \'Nuada\'. Gerne denkt er an seinen Freund Myrddhin zurück.
Gleich als erstes wird er von einem Ungeheuer angegriffen, das unter der einheimischen menschlichen (!) Bevölkerung Furcht und Schrecken verbreitet. Nachdem er es getötet hat, erfährt er von den Einheimischen, die ihn dafür endlos bewundern, dass ihnen so etwas nicht möglich wäre: Diese Nerden genannten Ungeheuer versetzen ihre Gegner mittels Telepathie in einen traumhaften, hilflosen Zustand, in dem sich das Opfer hilflos --etwa in der Arena - töten lässt. Kein Wunder, dass der Held sofort zum König der Gegend gebracht und dort gesundgepflegt wird.
So lernt er seine zukünftige große Liebe kennen: die Prinzessin Lirne. Er wird ihr Beschützer, ihr treuer Ki (das heißt: Hund). So lautet sein Name von nun an Kilirne. Allerdings ist Lirne bereits einem anderen König versprochen. Das sorgt noch für viel Ärger, denn Lirne hält von diesem König von Askol ebensowenig wie Skinn. Bevor sie abgeliefert werden kann, nimmt sie mit Skinn Reißaus. Während sie bei Fischerleuten leben, wird Lirne schwanger, später gründen die beiden eine Kolonie freier Krieger. Hier bringt Lirne ihrer beider Sohn Arktur zur Welt.
Durch Verrat gelingt es den Kriegern von Askol, das Dorf Lirnes zu erobern, während Skinn und seine Männer auf Nerdenjagd sind. Sie stirbt bei dem Angriff, doch Arktur kann in Sicherheit gebracht werden. Als Skinn zurückkehrt, ist seine Rache an König, Königin und deren Meisterkämpfer ebenso geduldig wie kompliziert. Sein Name ist nun \'Silberhand\'. Diese Szenen erinnerten mich an griechische, aber auch an manche irische Sagen. Es ist absolut unmöglich, das Buch nun wegzulegen.
Als Skinns Freund Myrddhin auf seiner Suche nach Skinn auf Bre eintrifft, geführt von einem verborgenen Sender, findet er weder von Skinn noch von Arktur eine Spur, sondern lediglich diesen Bericht.
Mein Eindruck
Wie schon angedeutet, ist der Roman ungemein lebendig, anschaulich und spannend. Der Autor bzw. seine Erzähler, nämlich Skinn, warten zu Beginn vieler Kapitel mit Hintergrundwissen auf: über Wörter, Tiere, Personen, Ämter usw. So gibt es etwa Druiden, aber in einem Königreich auch Priesterinnen. Der Autor hat an Details in seinem Weltenbau nicht gespart.
Die Ähnlichkeiten mit der Legende um König Artus sind für den Kenner unübersehbar. Myrddhin ist die walisisch-keltische Form des Namens Merlin. Arktur ist Artus, der künftige König und Held, Skinn entspricht seinem Vater Pendragon. Pendragon bedeutet so viel wie \'Drachenbanner\' und mit Drachen hat es auch Skinn: Einer seiner Namen ist \'Drachenkopf\'. (Die Kelten auf Bre haben offizielle Namen und geheime, persönliche Namen. Wahre Namen zu wissen verleiht magische Macht über den so Benannten.) Die Königin von Askol spielt die Rolle der bösen Fee Morgaine: Sie ist wunderschön, doch sobald Skinn sie aus Treue zu Lirne verschmäht, wird sie zu einer hinterhältigen Zicke.
Zahlreiche Eigenheiten kennzeichnen die Völker auf Bre als Kelten. So etwa ist das Konzept des Meisterkämpfers bekannt, des weiteren die Vorstellung eines \'geas\', eines religiösen, quasi-magischen Banns oder Gelübdes. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Figur des Helden namens \'Silberhand\' geht auf alte keltische Legenden zurück. So taucht Silberhand etwa auch bei Stephen Lawhead auf, in dessen Albion-Trilogie. Skinns Vatername \'dana\' (\'mac\' bezeichnet das Verwandtschaftsverhältnis) ist ebenfalls ein keltischer Ausdruck, wahrscheinlich für das Volk selbst; genau weiß ich das gerade nicht. Aber im Sommer gab es ein schönes bretonisches Lied, das \"de dana\" hieß.
Apropos Lieder: Dies wäre keine keltische Saga, wenn es nicht mindestens drei Lieder darin gäbe! Und diese Lieder sind - wie kann es bei einem Autor wie Servat anders sein? - wirklich vom Feinsten und absolut stilecht.
Was es noch zu beachten gilt
Dass Skinn eine Hand abgeschlagen und ersetzt wird, ist ein dezenter Hinweis darauf, dass es in dieser Geschichte - wie in praktisch allen irischen Geschichten - recht gewalttätig zugeht; das ist also nichts für Zartbesaitete.
Diese Trilogie hätte ein besseres Papier und besseres Druck verdient gehabt. So aber erscheinen die Vorsatzbilder zu jedem Kapitel unterschiedlich gut gedruckt. Auch die Schrift selbst ist in meiner Ausgabe recht blass geraten.
Die Karte auf der allerersten Seite zeigt den Kontinent von Bre, aber auch eine sehr merkwürdige Entfernungsangabe: 111 -222 - 333. Sollen das Kilometer oder Meilen oder sonstwas sein? Der Zeichner lässt uns die Wahl.
Unterm Strich
Eine actionreiche Heldensaga mit Drama, Tragödie und List und allem was dazu gehört.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Skinn Mac Dana, 1995; Bastei-Lübbe 11/2000, Nr. 20398, Bergisch Gladbach; 396 Seiten, DM 14,90, aus dem Französischen übertragen von Ulrike Werner-Richter; ISBN 3-404-20398-4
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-28 16:16:48 mit dem Titel Gilles Servat: *Myrddhins Reise* (Der Mythos des Arktur #2)
Action, Mystik und Erotik geben sich in diesem Fantasyroman ein Stelldichein, so dass der Roman zu einer kurzweiligen Lektüre gerät.
Dies ist der 2. Band in dem mehrbändigen Heroic-Fantasy-Zyklus \"Der Mythos des Arktur\", der auf der Welt Bre (= Bretagne) spielt. Es kommen also auch durchaus Science Fiction-Elemente vor. Arkturs Vater, der Nuada, kam von einer fernen Welt, Erth, nach Bre, und sein Freund Myrdhinn (= Merlin) folgt ihm nun.
Band 1: Das Geheimnis von Bre
Band 2: Myrdhinns Reise
Band 3: Das Vermächtnis des Nuada
Band 4: Die Waffen der Götter
Handlung
Dem Ruf seines Freundes Skinn Mac Dana folgend ist Myrdhinn in der großen Königsstadt Camoghere im Reiche Askol eingetroffen. Seitdem Skinn seinen Notruf abgesetzt hat, sind elf Jahre vergangen. Mittlerweile ist Skinns Sohn Arktur schon ein Jüngling und sein 12. Geburtstag steht bevor.
Um rechtzeitig zu diesem bedeutungsvollen Tag im fernen Palast von Kornok zu sein, schiffen sich Myrdhinn Enes, der Rote Druide, zu einer langen Seereise ein. Denn Kornok liegt am anderen Ende des Hauptkontinents, im südlichen Königreich Korn.
Mit von der Partie sind auch Myrdhinns neue Gefährtin Blütenwange sowie ein recht unangenehmer Bursche namens Cam, der ständig nur Zwietracht sät. Denn in einem Zweikampf, den Myrdhinn führte, starb Cams bester Freund, der Riese Hire. In dem Zweikampf ging es natürlich um Blütenwange, der ihrem Gefährten Arar davonlief, der daraufhin seinen Rivalen Myrdhinn herausforderte. Hire war nur zufälliges Opfer, aber in der bresischen Kultur sind auch solche Opfer ein böses Opfer. Die anderen Druiden sind nicht angetan, aber auch Enes hat seine Zweifel.
Diese Reise wird zu einer wahren Prüfung. Bres wilde Naturgewalten bedrohen das Segelschiff, aber auch Menschen und Götter versuchen zu verhindern, dass die beiden Freunde je ihr Ziel erreichen. Diese Fahrt ist eines Odysseus wahrlich würdig, und dass der Druide rechtzeitig Arktur trifft, grenzt an ein Wunder. Einen großen Beitrag zu diesem Erfolg ist Myrdhinn und der tapferen, klugen und schönen Blütenwange zu verdanken.
Denn diese Frau ist etwas ganz Besonderes. Sie besitzt das Losca, die Berserkerwut, und kann sie einem geeigneten Mann übertragen. Folglich überkommt Myrdhinn in manchen Situationen urplötzlich die blinde Wut des Berserkers und macht alles nieder, was ihm im Weg steht. Einmal braucht Blütenwange Stunden, um den nach einem solchen Anfall in Ohnmacht gefallenen Myrdhinn wieder zu Bewusstsein zu bringen.
Das Losca ist eine nützliche Eigenschaft für einen Krieger - es macht ihn praktisch unbesiegbar. Das sehen auch andere Fürstensöhne so - und entführen Blütenwange kurzerhand; man kann sich schon denken, wofür. Doch da hat Myrdhinn noch ein Wörtchen mitzureden.
Mein Eindruck
Auch der zweite Band aus dem Arktur-Mythos schöpft sichtlich aus dem Reichtum der keltischen Mythologie. Der Bretone Gilles Servat beschwört in leidenschaftlich lyrischer Sprache den Gesang von Himmel und Meer ebenso wie das Klirren der Schwerter in der Schlacht. Genau wie Odysseus muss aber auch Myrdhinn seinen Verstand gebrauchen. So etwa baut er neue Segel, findet Spuren in tiefster Nacht und führt sein Schiff an einem Vulkan vorbei. Eine große Hilfe ist ihm natürlich sein Astronautenhelm, in den ein Nachtsichtgerät eingebaut ist.
Die ganze Geschichte ist im Präsens erzählt, was doch recht ungewöhnlich ist und mitunter zu erzählerischen Tricks zwingt. Durch den Präsens ist der Leser zwar nahe dran am Geschehen, aber das kann auch langweilig werden, wenn eben dieses Geschehen zuviel Aufmerksamkeit gar nicht verdient, so etwa eine mühselige Navigation durch einen Archipel und dergleichen.
Auch Gedichte und Lieder finden sich im 2. Band wieder, allerdings nicht so viele wie im 1. Band. Plotmäßig ist dieser Band nur eine Brücke zwischen den Abenteuern Skinns und seines Sohnes Arktur.
Der Band ist schnell zu lesen, das Maß an Spannung und Action ist ebenso hoch wie das an Romantik - es gibt durchaus erotische Szenen, die die zahlreichen Kampfszenen auflockern.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Le navigation de Myrdhinn, 1996; Bastei-Lübbe 11/2000, Bergisch Gladbach, Nr. 20399; 399 Seiten, DM 14,90 (EU 7,62), aus dem Französischen übertragen von Ulrike Werner-Richter; ISBN 3-404-20399-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-26 11:07:30 mit dem Titel Alison Sage: HdR1-*Fotos aus Mittelerde*: Ein klassisches Stück Geldmacherei!
Alison Sage: Der Herr der Ringe: Die Gefährten - Fotos aus Mittelerde: ein Buch, das nur als Souvenir oder Appetithappen taugt - hat die Welt darauf gewartet? Wahrscheinlich nicht.
Inhalt
Rund 70 vierfarbig abgedruckte Szenenfotos bilden den Hauptinhalt dieses schmalen Bandes. Die Fotos von durchaus guter Qualität zeigen ausschließlich Szenen aus dem 1. Teil der HdR-Verfilmung Jacksons. Aber das ist ja nicht wichtig. Wen sie zeigen, ist weitaus wichtiger: Frodo natürlich, Gandalf, Aragorn, Saruman, die liebliche Elbenkriegerin Arwen, Elrond, Galadriel und natürlich Frodos acht Gefährten. Aber da sind auch noch Orks, Uruk-hai und Schwarze Reiter. Beinahe der gesamte Zoo.
Beinahe. Wir vermissen nämlich den Höhlentroll und den Balrog, aber das ist wahrscheinlich dem Behüten des Geheimnisses des Handlung und der Spannung zum Opfer gefallen. Ebenso wie viele Szenen, etwa die Kampfszenen am Schluss. Selbst die Argonath des Filmposters tauchen hier nicht auf.
Die meisten Gestalten und Ereignisse werden mit Texten erklärt, die jedoch derartig einfach formuliert sind, dass sie jeder Zwölfjährige verstehen dürfte. Ich schätze, sogar Jüngere könnten damit etwas anfangen. Ich fühlte mich jedenfalls unterfordert.
Fazit
Schon allein die Tatsache, dass etliche Figuren und Szenen keine Erwähnung finden, macht diesen Band als Souvenir untauglich. Damit wird allenfalls die Oberfläche gestreift. Etwas fragwürdig wird die Sache zudem, wenn man im Text von einem Schicksalsberg liest, das Bild daneben Minas Morgul, den düsteren Wachturm Mordors zeigt. Zwischen Matterhorn und Eiffelturm besteht ja auch ein gewisser Unterschied...
Somit kommt wohl eher die Funktion als Appetithappen in Frage. Und in der Tat stellt die Autorin Alison Sage die wichtigsten Figuren mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Aufgaben vor. Dabei wahrt sie die Knalleffekte bzw. Höhepunkte des Films, um dem Zuschauer in spe die Spannung nicht zu nehmen.
Da aber die Fotos und Texte wenig zum besseren Verständnis des Films beitragen, dürfte der nächste Schritt des Käufers im Erwerb eines der beiden anderen Begleitbücher (siehe die entsprechenden Berichte) bestehen. Zu empfehlen ist dabei lediglich das *Filmbuch*, das die Hintergründe gut erklärt und uns auch etwas zum Regisseur und zu Tolkien, dem Autor, erzählt.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: The Lord of the Rings. The Fellowship of the Ring. Photo guide, 2001; Klett-Cotta 2002, Stuttgart; 48 Seiten, 9,90 Euro, aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Krege; ISBN 3-608-93321-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-12 09:38:28 mit dem Titel Alison Sage: Fotobuch zu Film *Der Herr der Ringe - Die Gefährten*
Ein klassisches Stück Geldmacherei: ein Buch, das nur als Souvenir oder Appetithappen taugt - hat die Welt darauf gewartet? Wahrscheinlich nicht.
Der Titel des Buches: Alison Sage: Der Herr der Ringe: Die Gefährten - Fotos aus Mittelerde (weitere Infos am Schluss).
Inhalt
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Rund 70 vierfarbig abgedruckte Szenenfotos bilden den Hauptinhalt dieses schmalen Bandes. Die Fotos von durchaus guter Qualität zeigen ausschließlich Szenen aus dem 1. Teil der HdR-Verfilmung Jacksons. Aber das ist ja nicht wichtig. Wen sie zeigen, ist weitaus wichtiger: Frodo natürlich, Gandalf, Aragorn, Saruman, die liebliche Elbenkriegerin Arwen, Elrond, Galadriel und natürlich Frodos Gefährten. Aber da sind auch noch Orks, Uruk-hai und Schwarze Reiter. Beinahe der gesamte Zoo.
Beinahe. Wir vermissen nämlich den Höhlentroll und den Balrog, aber das ist wahrscheinlich dem Behüten des Geheimnisses der Handlung und der Spannung zum Opfer gefallen. Ebenso wie viele Szenen, etwa die Kampfszenen am Schluss. Selbst die Argonath des Filmposters tauchen hier nicht auf.
Die meisten Gestalten und Ereignisse werden mit Texten erklärt, die jedoch derartig einfach formuliert sind, dass sie jeder Zwölfjährige verstehen dürfte. Ich schätze, sogar Jüngere könnten damit etwas anfangen. Ich fühlte mich jedenfalls unterfordert.
Mein Eindruck
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Schon allein die Tatsache, dass etliche Figuren und Szenen keine Erwähnung finden, macht diesen Band als Souvenir untauglich. Damit wird allenfalls die Oberfläche gestreift. Etwas fragwürdig wird die Sache zudem, wenn man im Text von einem Schicksalsberg liest, das Bild daneben aber Minas Morgul, den düsteren Wachturm Mordors, zeigt. Zwischen Matterhorn und Eiffelturm besteht ja auch ein gewisser Unterschied...
Somit kommt wohl eher die Funktion als Appetithappen in Frage. Und in der Tat stellt die Autorin Alison Sage die wichtigsten Figuren mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Aufgaben vor. Dabei wahrt sie die Knalleffekte bzw. Höhepunkte des Films, um dem Zuschauer in spe die Spannung nicht zu nehmen.
Da aber die Fotos und Texte wenig zum besseren Verständnis des Films beitragen, dürfte der nächste Schritt des Käufers im Erwerb eines der beiden anderen Begleitbücher (siehe die entsprechenden Berichte) bestehen. Zu empfehlen ist dabei lediglich das Filmbuch, das die Hintergründe gut erklärt und uns auch etwas zum Regisseur und zu Tolkien, dem Autor, erzählt.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: The Lord of the Rings. The Fellowship of the Ring. Photo guide, 2001; Klett-Cotta 2002,Stuttgart; 48 Seiten, 9,90 Euro, aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Krege; ISBN 3-608-93321-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-03 09:48:10 mit dem Titel Gelungene Sherlock- & Fantasy-Parodie
Eine Fantasy-Parodie um einen gewitzten Detektiv, die bereits die Qualitäten einer Satire hat. Kein Wunder, dass diesem Roman eines englischen Autors der World Fantasy Award zugesprochen wurde.
Mich hat die Lektüre nie gelangweilt, denn die Figuren sind ebenso unorthodox wie Ermittlungsmethoden des Detektivs - und die Aufklärung des Falls erfolgt erst auf den letzten Seiten: ein turbulenter Lesespaß.
Handlung
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Die königliche Hafenstadt Turai ist so eine Art Mischung aus Ankh-Morpork und Renaissance-Stadtstaat: Das Hafenviertel ist beherrscht von zwei rivalisierenden Mafia-Clans, die Glücksspiel, Prostitution und neuerdings sogar den Drogenhandel kontrollieren. Durch die vielen Opfer der Drogen Boah und Lalula nimmt die Verbrechensrate im Viertel ZwölfSeen erheblich zu.
Der \"Held\"
Und hier wohnt in einem Zimmer einer Schänke der \"Held\" der Handlung, der Detektiv Thraxas. Er spricht dem Gerstensaft ebenso gerne zu wie einem Spielchen, sagt aber auch zu einem Schwertkampf hie und da nicht nein. Leider haben seine Spielschulden zu einer gewissen finanziellen Klemme geführt, so dass der Boss des einen Mafia-Clans, Corleonaxas (vgl. \"Don Corleone\"), täglich einen seiner Schläger namens Conax (vgl. \"Conan\") mit einer handfesten Mahnung vorbeischickt: Das Zimmerchen wird regelmäßig in seine Einzelteile zerlegt. Kleine Einzelteile.
Doch unser Freund Thraxas ist keineswegs auf den Kopf gefallen, was die Beschaffung der gewünschten Summe betrifft. Als Ex-Höfling im Königspalast kennt er die oberen Zweitausend (Stadtstaat!), als Ex-Soldat etliche Ex-Kameraden und Polizisten sowie als Ex-Gatte auch eine Reihe von interessanten Frauenzimmern. Als Zauberer versteht er sich auf die Bannabwehr.
Bei seinen neuesten Ermittlungen hilft ihm die junge Schwertkämpferin Makri, die als Schankmädchen arbeitet, aber nach Höherem strebt: Sie besucht die Versammlungen der Feministinnen ebenso wie die Seminare von Privatdozenten. Leider hat sie ein echtes Problem: In ihren Adern fließt nicht nur Menschen-, sondern auch Elfen- und Orgkblut. Kein Wunder also, dass sie als Frau an der Uni nicht zugelassen und von Elfen und Orgks gleichermaßen mit Verachtung gestraft wird. Thraxas hat damit kein Problem: Er hat schon mit übler gelaunten Orgks gekämpft. Außerdem trägt Makri ein knappes Kettenhemdoberteil und einen ebenso knappen Rock. Wie sich allmählich herausstellt, ist Makri seine wertvollste Helferin.
Der Fall aller Fälle
Da Thraxas unter akutem Geldmangel leidet, fragt er nicht lange, warum ausgerechnet die Königstochter ihm einen delikaten Auftrag erteilt: Er soll einige kompromittierende Liebesbriefe zurückholen, die sich in den Händen eines ausländischen Edelmanns befinden, mit dem sie einst ein Verhältnis hatte (der Edelmann gehört natürlich einem feindlichen Stadtstaat an). Thraxas nimmt den Fall an, stolpert prompt über die erste Leiche und steht unter dringendem Tatverdacht.
Doch damit nicht genug. Unser Held vom Falstaff-Format sieht sich auch in Drogengeschäfte verwickelt und wird von ungefähr der halben Welt (die andere ist gerade high) beschuldigt, das ungemein kostbare Rote Elfentuch gestohlen zu haben, das die Elfen dem König geschenkt haben. Da es die Eigenschaft hat, vor jeder Art von Magie zu schützen, kommt ihm strategisch wichtige Bedeutung bei geheimen Beratungen zu, die kein Zauberer abhören soll.
Als seine Auftraggeberin auch noch beschuldigt wird, einen von den Orgks (zwecks Fortpflanzung im turanischen Zoo) geliehenen Drachen getötet zu haben, ist der Schlamassel komplett. Denn nun ist auch noch Wahlkampf in Turai: Da sehen die königstreuen \"Traditionalisten\" ob dieser Drachen-Affäre ihre Felle davonschwimmen, und die demokratischen \"Populären\" wittern Morgenluft. Schon kommt es in den Gassen Turais zu ersten heißen Wortgefechten, doch bei Worten wird es nicht lange bleiben, wenn die Wahrheit ans Licht kommt.
Und so steht eines Tages der Chef der Traditionalistenpartei, ein veritabler Vizekonsul, in Thraxas\' unordentlichem Zimmer und beauftragt ihn herauszufinden, wer den Drachen gekillt und das Rote Elfentuch geklaut hat. Diskret, versteht sich!
Leider kann selbst Thraxas\' Version von Diskretion nicht verhindern, dass am Schluss Turais Hafenviertel niederbrennt und mordgierige Bürger die Kirche der heiligen Lisutaris, Herrin des Himmels, stürmen wollen, wo sich Thraxas und Makri nebst einigen Attentätern, Kirchenleuten, Orgks und Elfenvolk verschanzt haben...
Mein Eindruck
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Der Leser hält es lange Zeit für ein Ding der Unmöglichkeit, dass Thraxas diesen Fall - der ja im Grunde aus mehreren Fällen besteht - doch noch aufklärt. Aber mit tatkräftiger Hilfe seiner attraktiven (und mitunter sehr orgkigen) Assistentin Makri bringt er das schier Unmögliche zustande: Er überlebt.
Thraxas überlebt Drachenangriffe aus der Luft, Meuchelmörderattacken in der Kanalisation, Bannflüche von Zauberern und natürlich die regelmäßigen \"Ermahnungen\" von Conax. Dabei ist ihm nicht nur Makri behilflich, sondern auch sein scharfer Verstand (weniger sein Glück) und zu guter Letzt auch sein unerschütterliches Selbstvertrauen.
Dadurch liegt der Vergleich mit Steven Brusts ebenso gewitztem Detektiv Vlad Taltos nahe. Allerdings ist Brusts Welt Dragaera noch um einiges ausgefeilter und gefährlicher als Turai und Umgebung. Im Grunde stellt \"Der Drachentöter\" - ein völlig ungerechtfertigter Titel - nicht nur eine Parodie auf gängige Fantasyromane à la Raymond Feist und Robert Jordan dar, sondern auch eine Satire auf reale Verhältnisse.
Da ist zum einen natürlich die Verbrecherszene à la \"Der Pate\" oder \"Snatch\", komplett mit korrupter Polizei und Justiz sowie mit jeder Menge Meuchelmörder und Junkies. Neu sind lediglich die Zauberer. Aber die haben\'s auch nicht leicht, denn sie können sich immer nur einen Zauberspruch auf einmal merken.
Zum anderen ist da der Wahlkampf, der im Falle von Turai extrem ausartet und schier zum Untergang der Stadt führt. Komplizierte Machenschaften wollen das nahende Unheil abwenden, und in deren Zentrum steckt quasi unser Held, Thraxas. Kein Wunder, dass ihm jeder und jede Meuchelmörder(in) ans Leder will. Thraxas erzählt im Roman von sich selbst, und zwar immer im Präsens, also der Gegenwart. Das macht so manche Wendung in der Geschichte recht überraschend.
Geradezu aktuell wird der Roman, wenn Thraxas allmählich die weitverzweigte Organisation der \"Frauenzimmer\" aufdeckt. Natürlich ist sie den patriarchalischen Organisationen ein Dorn im Auge, etwa der Uni, der Kirche, den Parteien und so weiter. Aber am Schluss zeigt sich, dass die Frauenrechtlerinnen ein gewichtiges Wort bei der Beschaffung des Roten Elfentuchs mitzureden haben...
Die Übersetzung
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...ist als durchweg gelungen zu bezeichnen. Wolfgang Thon überträgt nämlich auch die beziehungsreichen Namen des Originals in unseren Kulturkreis, so dass es etliche witzige Anspielungen gibt, die auch als solche zu erkennen sind. Die Herkunft von \"Corleonaxas\" und \"Conax\" ist ja offensichtlich, doch einen Elfennamen wie \"Vases-al-gipt\" (= \"was es nicht alles gibt!\") auszutüfteln, dazu gehört schon eine gute Portion Einfallsreichtum. Für die Übersetzung gibt\'s 100 Punkte.
Der Autor
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\"Martin Scott\" ist das Pseudonym des in Glasgow geborenen Autors Martin Müller (Scott klingt halt irgendwie besser). Scott lebt seit über 20 Jahren in London. Darf man dem Blanvalet-Verlag glauben, so ist \"Der Drachentöter\" nur der erste Roman einer Serie um \"Die Geheimnisse von Turai\". Wenn die weiteren Romane ebenso witzig und turbulent sind, dürfen wir uns freuen.
Unterm Strich
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Eine kurzweilige Fantasyparodie, die actionreich, sinnlich und gewitzt daherkommt. Man könnte mehr davon vertragen.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Thraxas, 1999; Blanvalet 2002, Nr. 24182, München; 251 Seiten, EU 7,90, aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Thon; ISBN 3-442-24182-0
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-16 17:57:59 mit dem Titel A+K Steinmüller: *Der Traummeister*: 1. und letzter Fantasyroman der DDR
Eine Welt, in der Menschen nicht mehr träumen. Sie haben es verlernt. Dies ist die düstere Vision, die die beiden renommierten ostdeutschen Science Fiction-Autoren vor uns ausbreiten.
Kaum zu glauben, dass hierzulande einmal so schöne Taschenbücher produziert wurden! Die eigens dafür angefertigten zwölf Gemälde von Wolfgang Spuler stammen zwar noch aus der DDR-Ausgabe von 1990 (Verlag Das Neue Berlin), wurden aber 1:1 in die Heyne-Ausgabe übernommen.
\"Der Traummeister\" gilt als der erste und letzte Fantasyroman der DDR. Der erste, weil es hier vorher keine Fantasy gab, und der letzte, weil es nach seinem Erscheinungsjahr 1990 die DDR nicht mehr gab.
Handlung
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Die Autoren entwerfen das Bild einer Stadt, deren Bewohnern die Fähigkeit zu träumen abhanden gekommen ist. Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit der letzte traummeister von seinem Turm aus die Träume der Einwohner von Miscara geleitet hat. Die Menschen haben vergessen, dass es außer Arbeit und Industrie, die die Umwelt belastet, noch andere Ziele, Hoffnungen und Ideale gibt.
Da taucht ein junger Mann in der mittelalterlich gestalteten Stadt auf, der über die begehrte Gabe verfügt; Kilean wird zum neuen Traummeister Miscaras. Die junge Patriziertochter Glauke – sie berichtet von den weiteren Ereignissen aus ihrer Sicht – erhält vom Stadtrat den Auftrag, dem neuen Traummeister ihre Vorstellungen zu übermitteln.
Doch dessen Eingriffe in die Seelen der Bevölkerung ziehen immer weitere und unterschiedliche Beeinträchtigungen der Psyche nach sich, bis schließlich die Dinge eskalieren und das Gemeinwesen zu zerbrechen beginnt. Wer rettet Miscara vor dem falschen Propheten?
Mein Eindruck
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Die Steinmüllers haben eine in sich stimmige Welt geschaffen, die bisweilen erschreckende Parallelen zu unserer Wirklichkeit aufweist. Uns Non-DDRlern dürften zwar etliche Anspielungen verborgen bleiben, doch was bleibt, ist ein interessanter, stimmungsvoller Roman voll Spannung und Dramatik. Das Buch gehört oder besser: gehörte sicherlich zu den Meilensteinen der Science Fiction aus der DDR und überhaupt der deutschsprachigen phantastischen Literatur. Ein einfühlsam gestaltetes Titelbild und die erwähnten farbenfrohen Tafeln runden den positiven Eindruck ab.
Ich sage \"gehörte\", denn ein solches Werk dürfte, wenn überhaupt, nur selten in Antiquariaten auftauchen, denn es ist ein absolutes Sammlerstück. Wer die Originalausgabe besitzt, hat so etwas wie die Rote Mauritius.
Literarischer Hintergrund
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Die Science Fiction der DDR vor deren Ende bot ein zwiespältiges Bild: Neben schlampig geschriebenen, plump anmutenden und ideologisch eingefärbten Texten gab es auch in verstärktem Maß exzellente Werke, innovativ und spannend, sehr hintergründig, so dass sich der Leser häufig gezwungen sah, die eigentliche Aussage eines Satzes oder Absatzes zwischen den Zeilen zu finden – kurzum: beträchtlich besser als das meiste, was da bundesdeutsche oder gar US-amerikanische Autoren zustande brachten oder verkauften.
Das Ehepaar Steinmüller war dabei einer der bedeutendsten Vertreter dieser Science Fiction-Richtung in der DDR, die mit deren abruptem Ende zu einem unverdienten Stillstand kam. Die deutschen Verlage haben von diesen Autoren seit über zehn jahren kein Fiction-Werk mehr veröffentlicht - wohl aber Sekundärliteratur, denn die Steinmüllers sind in Futurologenkreisen wohlbekannt.
Michael Matzer © 2002ff
Info: Heyne 1992, Nr. 06/4881, München; 302 Seiten, DM 12,80, ISBN 3-453-05412-1
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 10:53:03 mit dem Titel Sarah: *Ich bin gekommen*: Auf der Suche nach Lust und Ekstase
Eine junge Französin auf der Suche nach dem ersten Orgasmus - so könnte man die Story auf einen Nenner bringen. Aber das würde diesem schönen und interessanten Erlebnisbericht Unrecht tun.
Es ist auch eine Bestandsaufnahme der erotischen Beziehungen zwischen Mann und Frau: Die Frau geht meistens leer aus. Insofern ist das Buch einerseits anregend und fesselnd, zum anderen aber auch oft traurig, bis am Schluss dann doch wieder Hoffnung entsteht.
Handlung
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Sarah ist 20, lebt in der Stadt der Liebe, Paris, und studiert Philosophie. Die Beschäftigung mit Kant, Nietzsche, Malraux macht sie nachdenklich, aber auch aufmüpfig: Sie liebt alles, was Konventionen sprengt und zudem Lust verspricht. Ihre Neugier kennt keine Grenzen, und sie will vor allem die Welt des Begehrens erforschen. So etwa schaut sie Jungs zu, wie sie von Mädchen bezirzt werden und doch glatt darauf reinfallen. Sie selbst verführt auch, denn das ist die Rolle der Frau, nicht wahr?
Mit ihrem alter ego Charlotte, ihrer besten Freundin, bespricht sie all ihre Eskapaden mit diversen Freunden und Lovern. Doch mit denen hat sie leider wenig Glück. Sie lässt sich von ihnen nehmen, bis sie bedient ist (und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund), doch eines erreicht sie nie, so sehr sie\'s auch versucht: einen Orgasmus. Sie erfüllt sich Phantasie um Phantasie, doch erst auf einem Segeltörn in die ferne Karibik lernt sie den entscheidenden Mann kennen: André.
André ist dreißig Jahre älter, weltgewandt und doch romantisch: Er schreibt ihr kleine neckisch-erotische Briefchen, die Sarah antörnen. Zurück in Paris erlebt sie mit ihm und einem befreundeten Paar einen flotten Vierer, aber das bringt\'s auch nicht so richtig. Seltsam, dass erst Andrés ausgiebige Handarbeit der jungen Frau zum höchsten der Gefühle verhilft. Da dachte ich, dass sie das auch früher hätte haben können. Und von Dildos ist hier auch nirgendwo die Rede.
Mein Eindruck
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Sarah ist eine Mischung aus philosophischer Abgeklärtheit und erotischer Naivität, also eine ganz normale 20-jährige. Wenigstens ist sie aufrichtig und berichtet uns ohne Selbstzensur von ihren Erlebnissen, Empfindungen, Gedanken und Träumen. Sie spricht aber auch von ihrer Angst und Verunsicherung, die einhergeht mit der bedingungslosen Suche nach Erfüllung, die sie leider viel zu oft in der Ekstase sucht. Für tiefe Liebe scheint es noch zu früh zu sein, jedenfalls bis André auftaucht.
Immerhin lässt sich das Buch in 1-2 Tagen auslesen. Es ist mitreißend und humorvoll in seinem Vergnügen an der Lust, interessant durch seine Ehrlichkeit und bewegend durch die Ängste und Freuden der Ich-Erzählerin.
Der Titel legt die Betonung auf das ICH: Dieses Wort ist rot hervorgehoben. Und das ist auch völlig angemessen: Denn schließlich geht es darum, dass auch endlich die Frau in Sex und Liebe Erfüllung findet. - Der Autorenname ist ein Pseudonym.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: J\'ai joui, 2002; Goldmann 8/2002, München; 191 Seiten, EU 16,90, aus dem Französischen übertragen von Gaby Wurster; ISBN 3-442-30998-0
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-30 19:22:28 mit dem Titel Ellen Sussman: *Die Affäre*: Am Abgrund der Leidenschaft
Kann der Supermarkt Ihr Leben verändern? Sie mögen es nicht glauben, aber er kann\'s (Aldi würd\'s freuen). Sie müssen nur den richtigen Menschen treffen. Amour fou – Sie sind wie vom Blitz getroffen. Und ohne dass Sie sich\'s versehen, ändert Ihr Leben seine Richtung um 180 Grad. Mal sehn, was Ihre Lieben davon halten...
Ellen Sussman ist eine amerikanische Autorin von Drehbüchern und Kurzgeschichten. \"Die Affäre\" ist ihr erster Roman. Kein Wunder, dass er sich ebenfalls wie ein Drehbuch liest – nur die Regieanweisungen fehlen. Das ist aber kein Nachteil, sondern trägt zu einer flüssigen Lektüre bei – ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen.
Handlung
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In diesem Roman geht es um eine übersichtliche Schar von acht bis zehn Akteuren, deren Leben bislang in geordneten Bahnen verlaufen ist. Jessa, die weibliche Hauptfigur, und ihr Mann Roger sind schon 15 Jahre miteinander verheiratet, leben in einem sehr ruhigen Bezirk von San Francisco und sind stolz auf ihre beiden Töchter: Rosie ist ein süßer Fratz von sechs Jahren, während Lee mit 14 Jahren schon ernsthaft ein beunruhigendes Interesse an Jungs zeigt, besonders an Zack (der sich als genauso unschuldig herausstellt).
Jessa und Roger sind mit Matt und Grace befreundet, die stolz auf ihre zwei Söhne Jake und Peter sind. Grace ist Jessas beste Freundin, und die beiden erzählen einander alles. Sie fantasieren vom Ausbrechen aus ihren eingefahrenen Ehegleisen. Die beiden Familien fahren traditionell einmal im Jahr in die kalifornischen Berge. Bislang ist immer alles gut verlaufen...
Eines Abends, als beide Familien gemeinsam bei Jessa dinieren, fehlt ihr das Dessert. Sie hüpft kurz mal rüber in den Supermarkt. Bei den gesuchten Erdbeeren lernt sie den attraktiven Simon kennen. Mit einem Schlag fühlt sie, wie ihr der Boden unter den Füßen schwindet. Lange verdrängte Sehnsüchte und Begierden steigen mit einer Kraft empor, die es Jessa unmöglich macht, sich der erotischen Ausstrahlung Simons zu entziehen.
Er ruft sie an. Bei ihrer nächsten Begegnung gibt sie sich dem Unbekannten widerstandslos hin. Er sagt, er will sie. Das hatte ihr Roger zuletzt vor hundert Jahren gesagt. Ihre Rendezvous\' werden immer häufiger und gewagter. Aus dem harmlosen Seitensprung entwickelt sich eine leidenschaftliche, unkontrollierbare und alle Worte der vernünftigen Grace in den Wind schlagende Affäre.
Jessa schläft nicht mehr mit Roger. Die strahlende Erotik in Jessas Leben beeinflusst ihren Ausflug in den Bergen auf verhängnisvolle Weise – die Jungs, die Männer wagen mehr und schließlich zuviel: Jake, Graces Sohn, verletzt sich schwer bei einem Sprung von einem Felsen.
Jessa weiß nicht, wie sie nach diesem Omen ihrer Obsession mit Simon entrinnen kann, denn schon steht alles, was ihr in ihrem Leben teuer war, auf dem Spiel: Ihre Ehe existiert nur noch auf dem Papier, ihre Tochter Lee ertappt Jessa beim Lügen und mit Simon, Grace schüttelt nur noch den Kopf vor lauter Lügen und Jessa droht ihren Job als Zeichnerin zu verlieren. Sie steht am Rande des Abgrunds.
Eines Tages verfolgt Jessa eine Frau, die aus Simons Haus kommt. Es ist Ruby, eine 1,90 große Amazone, die in einer nahen Kunstschule als Aktmodell ein wenig dazu verdient. Ihr Mann Simon weiß nichts davon. Ruby und Jessa lernen sich näher kennen, eine extrem delikate Situation. Denn schließlich kennt sich Jessa mit Rubys Sachen und Verhältnissen sehr intim aus, darf dies aber nicht verraten.
Als Simon auf einem letzten gemeinsamen Wochenende besteht, kommt es zur erlösenden Katastrophe. In einem Strip-Club sieht Jessa, der jedes Gefühl für ihre eigene Identität bereits abhanden gekommen ist, ihre eigene mögliche Zukunft vor sich: als Stripperin, Prostituierte, Treibholz im Sexmarkt. In einem finalen Showdown, bei dem Simon sie nicht gehen lassen will, spielt sie die befreiende Ruby-Karte – jede Affäre verlangt ein Opfer...
Mein Eindruck
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Man sollte erwarten, dass diese dramatische Handlung mit einem warnend erhobenen moralischen Zeigefinger der Autorin verbunden sei. Weit gefehlt. Sussman versteht zu erzählen, indem sie zeigt. Sie erklärt und deutelt nicht wie so viele schlechte Schriftsteller. Die Szenen folgen aufeinander, zusammengefasst zu thematischen Komplexen, und bauen aufeinander auf. Dementsprechend baut sich auch die erotische Spannung auf, die im Wochenende mit Simon in Santa Barbara gipfelt.
Jessa ist ein lebenshungriger Wildfang, kein Hausmütterchen, und daher erscheint es keineswegs unplausibel, dass sie aus ihrem Ehetrott ausbricht, als sich eine Gelegenheit bietet, die sie umhaut. Sie könnte mit Simon wie ein Komet zu anderen Welten des Lebens abschwenken, doch die Liebe zu ihren Töchtern bindet sie, bringt sie wieder auf die Erde zurück. (Die Szenen mit den Töchtern sind unglaublich lebensnah und realistisch erzählt – sehr bewegend.)
Und das ist gut so, denn auch Lee sieht – bereits mit ihren zarten 14 Jahren - eine mögliche Existenz im Sexmarkt vor sich liegen: Jeden Tag gehen sie und Zack zur Straßenecke, wo sich die Huren und Transen feilbieten. Jessa spürt die Verpflichtung, Lee verstehen zu lassen, was das Leben ausmacht, das es wert ist, gelebt zu werden. Insofern geht es in \"Die Affäre\" um die Erkundung der Optionen, die modernen Frauen – nicht nur in den USA – offenstehen, um ihr Leben zu gestalten.
\"Die Affäre\" ist ein durchaus erotisches Buch. Die Autorin hält sich jedoch nicht mit seitenlangen Beschreibungen von Genitalarmaturen und Gymnastik im Schlafgestell auf. Dies sei jedem Leser/Regisseur mit einem Quäntchen Vorstellungskraft überlassen.
Doch weitaus interessanter sind das Davor und das Danach sowie die Parallelexistenz zwischen Seitensprung und Ehebett. Die erotische Spannung knistert selbst zwischen Jessa und Ruby, als sie das Nacktmodell, die Frau ihres Liebhabers, kennenlernt und sie zu Hause besucht. Und diese Hochspannung muss sich irgendwann entladen...
Michael Matzer © 2002ff
Info: The Affair, 2001; Heyne HC 2/2001, München; 304 Seiten, DM 36,00, aus dem US-Englischen übertragen von Caroline Einhäupl; ISBN 3-453-18608-7; ist mittlerweile auch im Taschenbuch erhältlich.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-19 17:47:26 mit dem Titel A. Schuhbeck: *Noch mehr Hausmannskost für Feinschmecker*: Everybody\'s Haute Cuisine
Da sein Kochbuch \"Hausmannskost für Feinschmecker\" so gut ankam, legt Starkoch Alfons Schuhbeck noch eins drauf. Hausmannskost: das ist Muddis Art zu kochen, ganz klar. Doch heute isst man gerne etwas gesundheitsbewusster, und man auch nicht mehr so viele Kalorien, weil man (Gottseidank) weniger körperliche Schwerarbeit verrichten muss als zu Muddis und Omis Zeiten. Daher hat Schubeck bekannte Rezepte verschlankt und verfeinert. Am liebsten möchte man sofort mit Nachkochen anfangen!
Der Autor
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Alfons Schuhbeck ist einer der bekanntesten Fernsehköche der Republik. Dieses Buch zum Beispiel wird im Bayerischen Fernsehen von einer Sendereihe begleitet. Sie wird vom 1.9. bis 17.11.2002 ausgestrahlt (jeweils sonntags um 16:30).
Inhalte
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Die 90 Rezepte des Buches sind sukzessiv in folgende Sparten eingeteilt: Salate & kleine gerichte; Suppen & Eintöpfe; Kartoffeln & Gemüse; Nudeln & Reis; Fisch & Meeresfrüchte; Fleisch; Geflügel & Wild; Süßes & Desserts. (Ein Register und ein Wegweiser zur Sendung beschließen das Buch mit nützlichen Hinweisen.)
Heute asiatisch essen, morgen italienisch oder vielleicht doch zum Griechen? Internationale Angebote findet man heute selbst in Kleinstädten. Aber wo gibt es den besten Zwiebelrostbraten, das saftigste Blaukraut (Rotkohl, natürlich mit Holunderbeeren und Lorbeerblättern, oder?), und wo, ja wo ist der Kartoffelsalat, dieses Geheimnis mit sieben Siegeln, genau richtig zubereitet? (Er sollte nicht gerade \"furztrocken\" sein, darf aber auch nicht \"soichnass\" sein, wie der Schwabe sagt.)
Wenn man solche himmlischen bzw. bodenständigen Genüsse nicht mehr bei Muttern erleben oder abholen kann bzw. will, dann greift man zum Kochbuch. Leider sind viele Kochbücher nicht mehr auf der Höhe der Zeit: sowohl was Kalorienbedarf als auch ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse angeht. Hier schafft Schuhbeck Abhilfe.
Seine neunzig neuen Kreationen reichen von rustikalen Brotzeiten (Vesper) über ausgefallene Fischgerichte bis hin zu verführerischen Desserts (\"Schokoladencreme mit Orangensauce\"!) und Leckerbissen aus der vegetarischen Küche. Pb Reiskrapfen auf Schwammerlragout (Schwammerl: Pilze), Rehragout mit Walnüssen oder Kürbis-Bayerisch Creme auf Himbeersauce: Genießer werden nicht schon vom Foodstyling auf den tollen Fotos verwöhnt, sondern auch realiter am verwöhnten Gaumen.
Damit auch so empfindliche Zutaten wie Trüffel, Spargel oder Rosenkohl nicht zerkocht werden, sondern genau richtig gelingen, verrät der Meisterkoch so manchen Trick und Kniff, damit das Nachkochen nicht in die Hose oder auf die Schürze geht. Und wer nicht in superteure Zutaten investieren will oder kann, dem bietet Schuhbeck auch preisgünstigere Alternativen an.
Alle Rezepte sind für 4 Personen ausgelegt; wer also Single oder Double ist, muss entsprechend kleinere Mengen berechnen. Manche Rezepte sind für 6-8 Personen ausgelegt, so etwa der \"Kartoffelstrudel mit Kräutercreme\". Die macht man dann zu Ostern oder Weihnachten.
Beim Kochen lassen sich ja manche Zutaten im Multitaskingbetrieb herstellen, so etwa das Fleisch lange kochen und währenddessen die Soße oder das Gemüse zubereiten. Die Zutatenlisten machen das von Anfang an deutlich. Die jeweiligen Kochzeiten sind ziemlich genau angegeben, und jeder Zubereitungsablauf in mehrere Phasen aufgeteilt. Es kann fast nichts schiefgehen.
Mein Eindruck
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Ich habe mich schon vom Foodstyling her in so manches vertraute Gericht verliebt. Ja, selbst als \"blutiger\" Laie würde ich mir zutrauen, das eine oder andere Gericht selbst zu fabrizieren: etwa einen ordentlichen Gulasch oder ein Chili con Carne; \"Spaghetti mit Rucola\" (S. 62) sowieso. Auch die Suppen, so raffiniert die Zutaten (Gewürze) auch erscheinen mögen, sind wirklich verlockend.
Natürlich gibt Schuhbeck keine Preise an. Das wäre ja sinnlos, da erstens jeder anderswo einkauft und zweitens die Mengen angepasst werden müssen. Auch Bezugsquellen fehlen logischerweise; aber er gibt Tipps, was man beim Metzger (Schlachter) oder Fischhändler verlangen soll, um das richtige Fleischstück zu bekommen.
Der Starkoch legt zwar keine regionalen Schwerpunkte. Doch da Schuhbeck eindeutig ein Südbayer ist, so aus der Gegend um den Chiemsee, kommen a) viele Gerichte aus dieser Gegend (die man in München sehr zu schätzen weiß), und b) sind manche Vokabeln jenseits des Weißwurstäquators unbekannt. Ich habe bereits in Klammern so manche Erklärung eingefügt. Trotzdem wäre ein bayerisches Wörterbuch bzw. Glossar nicht schlecht für das Buch gewesen.
Unterm Strich
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Hat man diese 90 Kreationen nachgekocht, darf man sich ruhigen Gewissens als Feinschmecker und Starkoch bezeichnen. Stammkunden des Pizza-Service sollten eher die Finger davon lassen, und wer die Mikrowelle für den Gipfel der Cuisine hält, wird wohl auch nicht so erfolgreich beim Nachkochen sein.
Dieses Buch ist also eher für ambitionierte Hobbyköche und passionierte Köchinnen geeignet. Angetörnt von den tollen Bildern (Styling: Monika Schuster; Fotos: Walter Cimbal), dürfen sie gleich loslegen - aber auf keinen die Tiefkühltruhe plündern! Schuhbeck legt in seinem Vorwort Wert darauf, auf die Verwendung stets frischer Zutaten zu dringen. Sei es nun Fleisch oder Gemüse: Frisch muss es sein! Nur dann entfaltet sich der echte Geschmack, die Vitamine etc. bleiben erhalten, und der Gaumen wird richtig verwöhnt. So wird Essen zur Entdeckungsreise.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Zabert Sandmann Verlag (www.zsverlag.de) 08/2002, München; 136 Seiten, EU 14,95, ISBN 3-89883-031-4
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-26 13:40:27 mit dem Titel J. Sladek: *Roderick oder Die Erziehung einer Maschine*: Viel lustiger als *A.I.*
\"Roderick\" ist ein früher Vorläufer von Steven Spielbergs \"A.I.\": Ein unschuldiger Roboter versucht in einer absurden Welt ein guter Mensch zu werden. Leider bringt er in seiner Ahnungslosigkeit eben diese Welt an den Rand der Verzweiflung.
Von der Literaturkritik wird der komplette Roman (er wurde in zwei Hälften geteilt) als die wohl beste Science Fiction-Satire auf Roboter- und Bildungsromane angesehen. Dem Urteil kann ich mich nur anschließen.
Der Autor
John Thomas Sladek wurde 1937 im ländlichen Iowa geboren und lebte 20 Jahre in England, bevor er in seine Heimat nach Minneapolis zurückkehrte, wo er vor kurzem starb (ich glaube, es war letztes Jahr). Er begann 1965 Science Fiction zu schreiben, nahm an der europäischen New Wave teil und machte sich mit ironischen Stories und witzigen Romanen wie \"Der Müller-Fokker-Effekt\" (1970) und \"Die stählerne Horde\" (1970) einen Namen. Er wird mit Kurt Vonnegut verglichen, doch leider fehlt ihm dessen Beliebtheit und unbekümmerter Humor. Und nur \"Roderick\" und dessen Fortsetzung \"Roderick at Random\" fanden Aufnahme in Heynes \"Bibliothek der Science Fiction-Literatur\". Ich stelle hier die ältere Knaur-Ausgabe von 1982 vor.
Handlung
Roderick, der erste wirklich intelligente und selbstlernende Roboter, verdankt sein \"Leben\" einem angeblichen Geheimprojekt der US-Raumfahrtbehörde NASA an der Uni von Minnetonka (wo auch immer das sein mag). Doch dann läuft einiges schief - der NASA-Mann entpuppt sich als Schwindler -, und man möchte Roderick loswerden, so dass er schließlich zu \"Ma\" und \"Pa\" Wood in ein entlegenes Nest in Nebraska abgeschoben wird. (Hier wähnt ihn sein Konstrukteur, Dan Sonnenschein, sicher vor den Regierungsagenten.)
Die beiden Woods behandeln den armen Roderick wie ihren eigenen Sohn. Das Heißt, sie setzen ihn stundenlang vor den Fernseher. Und Jung-Roderick lernt schnell, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten, wenn er das so Gelernte praktisch anwenden möchte: Ein kleines Mädchen verführt ihn zu Doktorspielen (von denen \"Robotererfinder\" Doktor Asimov wohl nie geträumt hätte); Zigeuner verschleppen ihn; er gerät in die Hände eines geldgierigen Automatenaufstellers und hat natürlich Ärger mit den Rüpeln in der Schule.
Doch nachdem er durch seine Unwissenheit und sein Unverständnis dort das totale Chaos herbeigeführt hat, muss er auch die Lehranstalt verlassen. Als Robot Roderick in einer Kloserschule landet, darf der Leser ausgiebig über Glaubenssätze der Kirche und über Religion überhaupt schmunzeln. Ein richtiger Mensch zu werden, ist schwieriger, als man denkt...
Mein Eindruck
Bei seinen Eskapaden entlarvt der Candide-hafte Roderick eine zunehmend unmenschlicher werdende Gesellschaft durch die Augen einer Maschine, die ihrerseits immer menschlichere Züge annimmt. Bizarre Wendungen und überraschende Anspielungen machen das Lesen zum Vergnügen und zum geistigen Abenteuer.
Mehr noch als in \"Die stählerne Horde\" ist dieses Buch eine brillante und amüsant zu lesende Satire auf die moderne Welt im allgemeinen und den \"American Way of Life\" im besonderen. Gängige Science Fiction-Klischees à la Asimov & Co. werden ebenso aufs Korn genommen wie überkommene Verhaltensweisen in Kirche und Gesellschaft.
Natürlich sind Rodericks Abenteuer auch ein Kommentar auf das ganze Thema künstlicher Menschen (Homunkuli, Golems usw.) sowie intelligenter Maschinen und Computer: Das Buch ist der ultimative Roboterroman. (Und \"Roderick\" ist nur die erste Hälfte davon. Der Autor musste auf Verlegerwunsch sein Manuskript aufteilen. Also sollte man auch Teil 2 von 1983 lesen - und den gibt es nur in der Heyne-Ausgabe.)
Durch die unschuldigen Augen des jungen Roderick betrachtet, der sich nach der Methode von Versuch und Irrtum müht, zu einem korrekten Verständnis seiner Umwelt zu gelangen, erscheinen uns zahlreiche Aspekte des täglichen Lebens in neuem Licht.
Der Text ist aufgelockert mit mathematischen Spielen, Rätseln und philosophischen Kopfnüssen. Es wimmelt nur so vor witzigen Wortspielen, Karikaturen und Anspielungen auf Klassiker in der Literatur (besonders auf Werke von Sladeks Kollegen). Wer sich etwas im Genre auskennt, wird hier ein besonderes Vergnügen finden. Doch auch wer mit Science Fiction nichts am Hut hat, findet in \"Roderick\" eine anrührende Entwicklungsgeschichte, die einen Kommentar auf unsere moderne Realität abgibt.
Ein klassischer Bildungsroman ist das Buch wohl nicht, doch auch eine lehrreiche Reise à la \"Candide\" von Voltaire. Ist unsere also \"die beste aller möglichen Welten\"? Ja, natürlich. Aber das muss uns ja nicht daran hindern, herzhaft darüber zu lachen.
Es mag dem einen oder anderen Leser schwerfallen, die ausgiebig verteilte Ironie auf Dauer auszuhalten, die vor allem auf Kosten der USA geht. Da kann man durchaus auch eine klare Handlungslinie vermissen, die unter all den ungewöhnlichen Dialogen und Anspielungen unterzugehen droht. Aber man sollte sich entspannen und zurücklehnen: Dann kommt der Spaß von alleine.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Roderick or The Education of a Young Machine, 1981; Knaur 1982, Nr. 5750, München; 304 Seiten, DM 9,80, aus dem US-Englischen übertragen von Joachim Körber; ISBN 3-442-35463-3
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-28 18:30:24 mit dem Titel Robert J. Sawyer: *Flashforward*: SF-Denkspiel mit Showdown
Dieser Science Fiction-Thriller der nahen Zukunft ist einer der neuen, an Isaac Asimov erinnernden Romane dieses kanadischen Autors. (Ähnliche Romane sind \"Calculating God\" (2000) und \"Factoring Humanity\" (1998).) Wahrscheinlich ist Robert J. Sawyer Kanadas Antwort auf Michael Crichton.
Handlung
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Im Hochenergieforschungszentrum des CERN in Genf führt Lloyd Simcoe zusammen mit seinem Kollegen Theo ein Experiment durch, in dem erstmals eine enorm hohe Energiemenge freigesetzt wird. Im verlauf des Experiments wird das Bewußtsein der gesamten Menschheit für zwei Minuten in das Jahr 2030 transportiert. Alle haben Visionen, und oft nicht die angenehmsten – alle, bis auf diejenigen natürlich, im Jahr 2030 bereits tot sind: so wie Theo. Durch den Bewußtseinsausfall ereignen sich Flugzeug- und Autounglücke, bei denen Tamiko, die Tochter von Lloyds japanischer Verlobter Michiko, ums Leben kommt. Muß sich Lloyd als Initiator des Experiments also schuldig fühlen? Und wie kann Theo seinen eigenen Tod verhindern?
Im Mittelteil des Buches versuchen alle Beteiligten, mit den Nachwehen des epochalen Ereignisse zu Rande zu kommen. Es sieht nämlich so aus, als wäre die Geschichte unveränderbar, die Zukunft festgelegt. Erst als sich Kreative wie Theos Bruder, ein Schriftsteller, umbringen, wird klar, daß die Zukunft nicht feststeht. Erst dann kann sich Lloyd entschließen, Michiko zu heiraten.
Es kommt zu einer Wiederholung des Experiments im jahr 2010, doch niemand hat Visionen. Dafür wird endlich der ursprüngliche Zweck erreicht: die Entdeckung eines lange gesuchten Teilchens. Lloyd macht 20 Jahre später die Bekanntschaft eines reichen Chinesen, der ihm die Unsterblichkeit anbietet. Und Theo gerät am Tag seines vorhergesehenen Todes in eine James-Bond-reife Notlage, als ein Bombenleger ihn beinahe umbringt. Ein echter Showdown.
Fazit
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\"Flashforward\" ist ein äußerst spannender Roman, obwohl eigentlich nicht viel an Action passiert.
Zwei Minuten in die Zukunft, schon ist alles vorbei. Und doch hat die Achterbahnfahrt der Menschheit erst angefangen. Denn nun will niemand mehr fliegen oder Auto fahren. Wie Lloyds Dilemma zeigt, tun sich Abgründe an moralischer Verantwortung auf. Die Schuld würde Lloyd umbringen, wenn er nicht fordern würde, daß die Zukunft unveränderlich sei. Recht hat er. Doch was wird dann aus dem freien Willen? Kann man vergessen, sagt Lloyd. Die Folgerungen sind schwindelerregend!
Sawyer versteht es elegant, philosophische Vorstellungen in konkrete Handlung umzusetzen. Allmählich bangt dem Leser davor, wohin all dies mit größter Konsequenz weitergesponnene Garn ihn noch führen wird. Ideen-getriebene Science Fiction von höchster Güte.
Hoffentlich wird dieses interessante Buch bald mal übersetzt!
Michael Matzer © 2002ff
Info: Flashforward, 1999; Tor, New York City, 320 Seiten, ISBN 0-812-58034-6
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-07 18:22:54 mit dem Titel Giles Smith: *Lost in Music*: Tragikomische Liebesaffäre mit der Popmusik
Der heutige Reporter und frühere \"Popmusiker\" Giles Smith erzählt uns von seine lange währenden Liebesaffäre mit der Popmusik, die schon mit neuen Jahren beim Hören eines T.Rex-Songs begann. Aber was heißt hier \"Affäre\"? Smith ist fest mit der kapriziösen Dame verheiratet, und das führte im Laufe der Jahre zu mehreren tragikomischen Situationen.
Ergo: Unterhaltsame, lesenswerte und informative Lektüre für jeden Pop-Fan (sind wir das nicht alle?) - und außerdem stellenweise saukomisch.
Der Autor
Giles Smith gehört der gleichen Generation wie ich an: Er wurde 1962 geboren, also zu spät für die wilden Sechziger und zu früh für die materialistischen Achtziger, dafür aber mittenmang in die höchst seltsamen Siebziger, wo sich Spät-Hippies und Punks auf den Tod nicht ausstehen konnten - sie lebten quasi in getrennten Welten.
Smith wuchs in Colchester, Essex, rund 60 Meilen östlich von London auf, also dort, wo nicht gerade nicht die Post in Sachen Pop abging. Er spielte in diversen Rockbands, bevor er sich dem Schreiben widmete. Seit 1990 ist er Redakteur bei der Tageszeitung \"The Independent\" und schreibt Artikel für die \"Vogue\", den \"Daily Star\", usw. In Deutschland war er zuletzt in Nick Hornbys Anthologie \"Speaking with Angels\" (Kiepenheuer & Witsch) vertreten. Der britische TV-Sender Channel 4 will aus \"Lost in Music\" einen dreiteiligen Fernsehfilm machen. Smith lebt heute in London - wo sonst?
Inhalt
Von einer \"Handlung\" im eigentlichen Sinne lässt sich bei diesen autobiografischen Aufzeichnungen nicht sprechen. Es ist vielmehr Smiths eigene Geschichte, der sein halbes Leben lang den Traum lebte, ein Popstar zu werden. Mit den \"Orphans of Babylon\" erreichte er eine erhellende, wenn nicht sogar ernüchternde Vorstufe des ewigen Ruhms. Doch der wahre Durchbruch auf den Popmarkt des Kontinents erfolgte mit der Band \"The Cleaners vom Venus\" (das reimt sich nur dann, wenn man\'s in reinstem BBC-Englisch ausspricht).
Kurze Zeit durfte er sich auf einer Deutschlandtournee wie ein Popstar fühlen, doch leider verkaufte sich die Platte bzw. CD kaum - da drehte ihnen RCA den Geldhahn zu. Immerhin erhielt er Einblick in peinlichste Praktiken der Musikindustrie, konnte er aber sowohl sein Leben, seine Gesundheit und sogar die Masterbänder der Cleaners-Aufnahmen retten. Nik Kershaw, der aus einer ähnlich fern Londons gelegenen Gegend stammt, erhaschte zwar mehr vom Ruhm (dank MCA), aber, hey, wo ist Kershaw jetzt?
Die Jagd nach dem Starruhm beginnt damit, dass man süchtig wird: süchtig danach, alle Alben der Lieblingsband oder des Lieblingsinterpreten zu besitzen (sowohl auf Vinyl als auch auf CD) und sie in möglichst alphabetischer Reihenfolge zu sortieren. (Smith hatte mal eine Freundin, die nicht auf diese Reihenfolge achtete. Klar, das konnte ja nichts Dauerhaftes werden.)
Smith beginnt mit T.Rex, pilgert sogar an dessen Sterbeort, wo gedenkwachen von Späthippies abgehalten werden. Dann geht er über zu ersten Luftgitarrenproben mit dem Bruder im Kinderzimmer, erweitert durch Pianostunden bei alten Matronen. Schließlich führt das Ganze zu den ersten Gigs, Demobändern, Interviews und Bühnenklamotten.
Man erfährt alles über Eitelkeiten und Eifersüchteleien unter Musikern (Sucht ist was Schlimmes), die keineswegs immer erfolgreiche Wirkung von Musik als romantische Wunderwaffe und die eine oder andere unglaubliche bis unglaubhafte Anekdote über diesen und jenen Star bzw. Möchtegernstar, so etwa über Nik Kershaw. Der war zunächst ein spitzenmäßiger Gitarrist in einer Band namens \"Fusion\", unterschrieb dann aber bei MCA. Er landete als Teenieschwarm mehrere Hits wie \"Wouldn\'t it be good\" und \"The Riddle\", bis er die Bevormundung durch das MCA-Marketing satt hatte und ein Album produzierte, dass die Teenies nicht kapierten. Er landete im Nirgendwo (wahrscheinlich auf den Bahamas), und kann froh sein, wenn man seine Hits covert. Auch über Captain Sensible (\"Happy talk\") verliert Smith ein paar enthüllende Worte.
Humor
Eine der besten und komischsten Szenen ist die Schilderung einer Musikprobe durch Smiths Band \"Orphans of Babylon\". Die Musiker wussten kaum, wo bei der Gitarre das richtige Ende ist, stellten sich aber schon eine Mega-Auftritt vor kreischenden Teeniegirls vor. Ich habe selbst mal mit einer Band so geprobt, aber dabei versucht, auf dem Teppich zu bleiben. Es ist schon schwer genug, das Tempo gleichmäßig zu halten, aber auch vernünftige Lyrics zu schreiben, ist noch schwieriger (das war mein Job, neben der Rhythmusgitarre). Wir traten nie auf, soweit ich weiß - Gottseidank! Aber als Smiths Schilderung las, konnte ich mich vor Lachen kaum noch im Sessel halten.
Andere humorvolle Stellen sind in dem typisch britischen, recht trocken-ironischen Humor gehalten, den man erkennen muss, um ihn würdigen zu können. Folgende Szene ist leicht vorzustellen: Smith darf zum erstenmal Sir Paul McCartney interviewen. Er erleidet einen kurzen Ohnmachtsanfall, weil er sehr nervös ist und nicht gefrühstückt hat (Smith, nicht \"Macca\"), doch McCartney erträgt den Journalisten mit freundlicher Höflichkeit. Wahrscheinlich kommt ihm so etwas öfters unter.
Kritik
Das Buch wäre nicht halb so gut, wenn sich Smith nicht zu sehr vielen Stars und Alben kritisch zu äußern wüsste. Für Einsteiger in die Popmusik der 70 und 80er Jahre ist dies ein wahrer leitfaden der Qualität. Erstaunlich kenntnisreich zum Beispiel, was Smith zu Todd Rundgren zu sagen hat. Rundgren blind zu kaufen, ist wie ein Lotteriespiel - am besten betet man vorher, dass man eine gute Platte erwischt hat.
Eines der Highlights ist die Reihe jener Alben, die Smith bei seinem Auszug von zuhause aus seiner Sammlung aussortiert und daheim lässt: Status Quo, Genesis, Supertramp, John Lennon (genau: \"Imagine\"!) und weitere, meist Eintagsfliegen. Auch an Pink Floyd lässt Smith kaum ein gutes Haar, und was er zu sagen weiß, hat durchaus Hand und Fuß - sollte man lesen, denn es wirft ein erhellendes Licht auf die eigene(n) Vorliebe(n).
Technik
Die Popmusik hat sich in den letzten 30 Jahren radikal gewandelt - nicht zuletzt in technischer Hinsicht. Smith vergleicht Vinyl (seine geheime Sucht) mit dem neu aufgekommen Tonträger Compact Disc (\"besonders knackiger Sound, wenn frisch aus dem Tiefkühlfach\", lautet eine Legende. Das sind vielleicht Gewissensentscheidungen! Dennoch brachte die Plattenindustrie die Fans dazu, etwas zu kaufen, das sie nicht wollten, weil sie\'s nämlich bereits hatten! Erstaunlich.
Ebenso erstaunlich vielleicht wie die wunderliche Überlegung, ob sich der Sound der teuren Stereoanlage nicht durch dieses oder jenes Gadget verbessern ließe: Kupferkabel zu den Lautsprechern, Ständer für die Boxen usw. Es ist schon ein Kreuz mit der Popmusiksucht.
Mein Eindruck
Zurück bleibt ein runder Eindruck, dass die Popmusik viel mehr mit dem Leben eines Menschen zu tun haben kann als man annimmt. Sie ist bei Giles Smith weder privat und passiv konsumiert, sondern häufig ein Gemeinschaftserlebnis. Die eigene Produktion von Musik hingegen hat noch mehr mit lebhaften, mehr oder wenigen skurrilen Erlebnissen zu tun. Und die Geschichte der \"Cleaners from Venus\" geht immer noch weiter.
Ich hoffe, es wird klar, dass Smiths Buch wenig mit Nick Hornbys verfilmtem Buch \"High Fidelity\" zu tun hat. Natürlich ist der tragikomische \"Held\" völlig süchtig nach dieser Musik, so dass menschliche Beziehungen zurückstehen müssen. Aber er wird ja auch mal erwachsen. Hornby hat sich übrigens sehr lobend über Smiths Buch geäußert: \"Giles Smith ist ein wunderbarer Erzähler: flüssig, elegant, scharfsinnig und sehr, sehr komisch.\"
Ich will aber nicht verhehlen, dass derjenige Leser, der sich in der Popmusik von der Insel sehr gut auskennt, einen großen Vorteil besitzt. Er kann mit all den Namen, die Smith benutzt und als bekannt voraussetzt, wirklich etwas anfangen. So dürfte der Satz auf Seite 283 - \"Aus uns wird einmal eine Nation von selbsterklärten George Martins werden\" - völlig verständlich sein. Allerdings muss man dazu wissen, dass George Martin der Produzent der Beatles war (und mitverantwortlich für ihren Sound).
Die Übersetzung
... hat mich manchmal geärgert, denn ich fand nicht weniger als zwölf offensichtliche Fehler in Grammatik, Rechtschreibung oder Information. Der Übersetzer scheint mit dem deutschen Genitiv auf Kriegsfuß zu stehen. Er bringt auch \"überreden\" und \"überzeugen\" durcheinander (S.19). Etwas nervender ist dann jedoch der Umstand, dass er das Wort \"Northants\" eins zu eins übernimmt, obwohl es kein Ortsname, sondern der Name der Grafschaft Northampshire ist - wenn man ihn auszuschreiben weiß. Auch einfache englische Wörter schreibt er falsch, so etwa \"incidentally\" (S.21), das er \"incidentially\" schreibt. Manche Begriffe wie \"GCSE\" werden nicht erklärt, sondern muss man nachschlagen.
Das Buch enthält weder ein Glossar, noch ein Stichwortverzeichnis noch eine Inhaltsangabe. Es ist quasi ein Blindflug. Am besten lernt man es wohl auswendig. Dafür hat es aber ein sehr schönes Cover - mit Vinylimitat.
Unterm Strich
\"Lost in music\" ist, neben \"High Fidelity\", eine der besten Autobiografien aus dem Abenteuerkreis \"Popmusik\" und eine unterhaltsame, komische bis nachdenklich-kritische Lektüre. Man sollte aber nach Möglichkeit das Original lesen, wenn man so gut Englisch kann.
Michael Matzer (c) 2001ff
Info: Lost in music, 1995; Heyne 2001, Nr. 01/13607, München; 320 Seiten, EU 12,00, aus dem Englischen übertragen von Stefan Rohmig; ISBN 3-453-21083-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-26 11:22:53 mit dem Titel M. Swanwick: *Engel der Schwerkraft*: Lesenswerte SF-Erzählungen
Eine Sammlung von ausgezeichneten SF- und Fantasy-Geschichten möchte ich diesmal vorstellen.
Der Autor
Michael Swanwick ist einer der besten Story-Autoren in der Science Fiction. Aber auch mit einfallsreichen Romanen machte er auf sich aufmerksam. Mit dem Roman \"Vakuumblumen\" wagte er einen sinnlichen Ausflug in den Cyberpunk, mit \"Die Tochter des stählernen Drachen\" verschmolz er Fantasy- mit SF-Motiven. Zuletzt veröffentlichte Heyne den Kurzroman \"Des Greifen Ei\". Swanwick ist ein sehr wandlungsfähiger Stilist mit überraschenden Einfällen.
Als 1980 die Story \'Das Fest der heiligen Janis\' veröffentlicht wurde, war allen Kennern des Science Fiction-Genres klar, dass mit Michael Swanwick ein neuer Star am Himmel der amerikanischen Science Fiction aufgetaucht war. Die meisterhafte Erzählung gelangte prompt in die Endausscheidung des begehrten \'Nebula Awards\' und machte Appetit auf mehr von ihm. Aber der Fan musste weit umher suchen, um zu entdecken, wo Swanwick weitere Erzählungen veröffentlichte, denn die wenigsten erschienen in den üblichen Science Fiction-Magazinen wie Asimov\'s oder Analog, sondern in Omni oder Interzone.
In dieser Collection sind nun Swanwicks beste Arbeiten, die von 1980 bis 1991 erschienen, endlich vereint - und noch dazu ausgezeichnet illustriert. Swanwick hat bis in jüngste Zeit ausgezeichnete und preisgekrönte Stories geschrieben - es lohnt sich, sie zu suchen, u.a. in der deutschen Ausgabe von Asimov\'s Science Fiction #53.
STORIES (in der Reihenfolge ihres Abdrucks)
Ein Wintermärchen
Der Titel ist täuschend harmlos und erinnert ein wenig an Shakespeares gleichnamiges Stück. Das ist nur Tarnung für eine ziemlich grausige Art, Gedächtnisinhalte weiterzugeben. Ein Larl genanntes Fremdwesen erzählt, wie es das Gehirn seines ersten menschlichen Opfers verspeiste, um seine Erinnerungen zu erhalten. So erfahren die Larls, inteligente Tiere, von der Herkunft der Menschen auf ihrem Planeten und erhalten die Sprache. Das Baby der Frau, die sich opferte, brachten sie zurück und wurden dafür als Freunde von den Menschen angenommen. Einer der Larls erzählt einem Menschenkind namens Flip davon.+++Die Story zeichnet s
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-28 15:49:07 mit dem Titel G. Servat: *Das Geheimnis von Bre*: Kelten-Fantasy
Spannende, actionreiche Science Fantasy bietet dieser Startband einer Trilogie vom französischen Starautor Gilles Servat. Der Dichter, Sänger und Musiker kann seine bretonische Vorliebe nicht verleugnen und taucht ohne Scheu in eine keltische Welt ein, wie sie hätte sein können. Hier denke man \"Bre = Bretagne\". Jedes Kapitel ist mit schönen keltischen Schnörkeln versehen; eine Landkarte erleichtert die Orientierung.
Dies ist der 1. Band des mindestens vierbändigen Zyklus\' \"Der Mythos des Arktur\". Drei Romane sind schon erschienen, der 4. folgt im Winter.
Handlung
Bre, das ist ein kleiner Planet in den Tiefen des Weltraums. Wir erfahren nicht, in welcher Zukunft sich das folgende Geschehen abspielt. Das ist auch nicht wichtig. Jedenfalls erleidet unser Held Skinn Mac Dana auf Bre Schiffbruch und sein Raumschiff explodiert. Doch Skinn ist keineswegs verzagt, denn er ist unter seinem Volk eine Art Anführer der Krieger, der \'Nuada\'. Gerne denkt er an seinen Freund Myrddhin zurück.
Gleich als erstes wird er von einem Ungeheuer angegriffen, das unter der einheimischen menschlichen (!) Bevölkerung Furcht und Schrecken verbreitet. Nachdem er es getötet hat, erfährt er von den Einheimischen, die ihn dafür endlos bewundern, dass ihnen so etwas nicht möglich wäre: Diese Nerden genannten Ungeheuer versetzen ihre Gegner mittels Telepathie in einen traumhaften, hilflosen Zustand, in dem sich das Opfer hilflos --etwa in der Arena - töten lässt. Kein Wunder, dass der Held sofort zum König der Gegend gebracht und dort gesundgepflegt wird.
So lernt er seine zukünftige große Liebe kennen: die Prinzessin Lirne. Er wird ihr Beschützer, ihr treuer Ki (das heißt: Hund). So lautet sein Name von nun an Kilirne. Allerdings ist Lirne bereits einem anderen König versprochen. Das sorgt noch für viel Ärger, denn Lirne hält von diesem König von Askol ebensowenig wie Skinn. Bevor sie abgeliefert werden kann, nimmt sie mit Skinn Reißaus. Während sie bei Fischerleuten leben, wird Lirne schwanger, später gründen die beiden eine Kolonie freier Krieger. Hier bringt Lirne ihrer beider Sohn Arktur zur Welt.
Durch Verrat gelingt es den Kriegern von Askol, das Dorf Lirnes zu erobern, während Skinn und seine Männer auf Nerdenjagd sind. Sie stirbt bei dem Angriff, doch Arktur kann in Sicherheit gebracht werden. Als Skinn zurückkehrt, ist seine Rache an König, Königin und deren Meisterkämpfer ebenso geduldig wie kompliziert. Sein Name ist nun \'Silberhand\'. Diese Szenen erinnerten mich an griechische, aber auch an manche irische Sagen. Es ist absolut unmöglich, das Buch nun wegzulegen.
Als Skinns Freund Myrddhin auf seiner Suche nach Skinn auf Bre eintrifft, geführt von einem verborgenen Sender, findet er weder von Skinn noch von Arktur eine Spur, sondern lediglich diesen Bericht.
Mein Eindruck
Wie schon angedeutet, ist der Roman ungemein lebendig, anschaulich und spannend. Der Autor bzw. seine Erzähler, nämlich Skinn, warten zu Beginn vieler Kapitel mit Hintergrundwissen auf: über Wörter, Tiere, Personen, Ämter usw. So gibt es etwa Druiden, aber in einem Königreich auch Priesterinnen. Der Autor hat an Details in seinem Weltenbau nicht gespart.
Die Ähnlichkeiten mit der Legende um König Artus sind für den Kenner unübersehbar. Myrddhin ist die walisisch-keltische Form des Namens Merlin. Arktur ist Artus, der künftige König und Held, Skinn entspricht seinem Vater Pendragon. Pendragon bedeutet so viel wie \'Drachenbanner\' und mit Drachen hat es auch Skinn: Einer seiner Namen ist \'Drachenkopf\'. (Die Kelten auf Bre haben offizielle Namen und geheime, persönliche Namen. Wahre Namen zu wissen verleiht magische Macht über den so Benannten.) Die Königin von Askol spielt die Rolle der bösen Fee Morgaine: Sie ist wunderschön, doch sobald Skinn sie aus Treue zu Lirne verschmäht, wird sie zu einer hinterhältigen Zicke.
Zahlreiche Eigenheiten kennzeichnen die Völker auf Bre als Kelten. So etwa ist das Konzept des Meisterkämpfers bekannt, des weiteren die Vorstellung eines \'geas\', eines religiösen, quasi-magischen Banns oder Gelübdes. Die Liste ließe sich fortsetzen. Die Figur des Helden namens \'Silberhand\' geht auf alte keltische Legenden zurück. So taucht Silberhand etwa auch bei Stephen Lawhead auf, in dessen Albion-Trilogie. Skinns Vatername \'dana\' (\'mac\' bezeichnet das Verwandtschaftsverhältnis) ist ebenfalls ein keltischer Ausdruck, wahrscheinlich für das Volk selbst; genau weiß ich das gerade nicht. Aber im Sommer gab es ein schönes bretonisches Lied, das \"de dana\" hieß.
Apropos Lieder: Dies wäre keine keltische Saga, wenn es nicht mindestens drei Lieder darin gäbe! Und diese Lieder sind - wie kann es bei einem Autor wie Servat anders sein? - wirklich vom Feinsten und absolut stilecht.
Was es noch zu beachten gilt
Dass Skinn eine Hand abgeschlagen und ersetzt wird, ist ein dezenter Hinweis darauf, dass es in dieser Geschichte - wie in praktisch allen irischen Geschichten - recht gewalttätig zugeht; das ist also nichts für Zartbesaitete.
Diese Trilogie hätte ein besseres Papier und besseres Druck verdient gehabt. So aber erscheinen die Vorsatzbilder zu jedem Kapitel unterschiedlich gut gedruckt. Auch die Schrift selbst ist in meiner Ausgabe recht blass geraten.
Die Karte auf der allerersten Seite zeigt den Kontinent von Bre, aber auch eine sehr merkwürdige Entfernungsangabe: 111 -222 - 333. Sollen das Kilometer oder Meilen oder sonstwas sein? Der Zeichner lässt uns die Wahl.
Unterm Strich
Eine actionreiche Heldensaga mit Drama, Tragödie und List und allem was dazu gehört.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Skinn Mac Dana, 1995; Bastei-Lübbe 11/2000, Nr. 20398, Bergisch Gladbach; 396 Seiten, DM 14,90, aus dem Französischen übertragen von Ulrike Werner-Richter; ISBN 3-404-20398-4
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-28 16:16:48 mit dem Titel Gilles Servat: *Myrddhins Reise* (Der Mythos des Arktur #2)
Action, Mystik und Erotik geben sich in diesem Fantasyroman ein Stelldichein, so dass der Roman zu einer kurzweiligen Lektüre gerät.
Dies ist der 2. Band in dem mehrbändigen Heroic-Fantasy-Zyklus \"Der Mythos des Arktur\", der auf der Welt Bre (= Bretagne) spielt. Es kommen also auch durchaus Science Fiction-Elemente vor. Arkturs Vater, der Nuada, kam von einer fernen Welt, Erth, nach Bre, und sein Freund Myrdhinn (= Merlin) folgt ihm nun.
Band 1: Das Geheimnis von Bre
Band 2: Myrdhinns Reise
Band 3: Das Vermächtnis des Nuada
Band 4: Die Waffen der Götter
Handlung
Dem Ruf seines Freundes Skinn Mac Dana folgend ist Myrdhinn in der großen Königsstadt Camoghere im Reiche Askol eingetroffen. Seitdem Skinn seinen Notruf abgesetzt hat, sind elf Jahre vergangen. Mittlerweile ist Skinns Sohn Arktur schon ein Jüngling und sein 12. Geburtstag steht bevor.
Um rechtzeitig zu diesem bedeutungsvollen Tag im fernen Palast von Kornok zu sein, schiffen sich Myrdhinn Enes, der Rote Druide, zu einer langen Seereise ein. Denn Kornok liegt am anderen Ende des Hauptkontinents, im südlichen Königreich Korn.
Mit von der Partie sind auch Myrdhinns neue Gefährtin Blütenwange sowie ein recht unangenehmer Bursche namens Cam, der ständig nur Zwietracht sät. Denn in einem Zweikampf, den Myrdhinn führte, starb Cams bester Freund, der Riese Hire. In dem Zweikampf ging es natürlich um Blütenwange, der ihrem Gefährten Arar davonlief, der daraufhin seinen Rivalen Myrdhinn herausforderte. Hire war nur zufälliges Opfer, aber in der bresischen Kultur sind auch solche Opfer ein böses Opfer. Die anderen Druiden sind nicht angetan, aber auch Enes hat seine Zweifel.
Diese Reise wird zu einer wahren Prüfung. Bres wilde Naturgewalten bedrohen das Segelschiff, aber auch Menschen und Götter versuchen zu verhindern, dass die beiden Freunde je ihr Ziel erreichen. Diese Fahrt ist eines Odysseus wahrlich würdig, und dass der Druide rechtzeitig Arktur trifft, grenzt an ein Wunder. Einen großen Beitrag zu diesem Erfolg ist Myrdhinn und der tapferen, klugen und schönen Blütenwange zu verdanken.
Denn diese Frau ist etwas ganz Besonderes. Sie besitzt das Losca, die Berserkerwut, und kann sie einem geeigneten Mann übertragen. Folglich überkommt Myrdhinn in manchen Situationen urplötzlich die blinde Wut des Berserkers und macht alles nieder, was ihm im Weg steht. Einmal braucht Blütenwange Stunden, um den nach einem solchen Anfall in Ohnmacht gefallenen Myrdhinn wieder zu Bewusstsein zu bringen.
Das Losca ist eine nützliche Eigenschaft für einen Krieger - es macht ihn praktisch unbesiegbar. Das sehen auch andere Fürstensöhne so - und entführen Blütenwange kurzerhand; man kann sich schon denken, wofür. Doch da hat Myrdhinn noch ein Wörtchen mitzureden.
Mein Eindruck
Auch der zweite Band aus dem Arktur-Mythos schöpft sichtlich aus dem Reichtum der keltischen Mythologie. Der Bretone Gilles Servat beschwört in leidenschaftlich lyrischer Sprache den Gesang von Himmel und Meer ebenso wie das Klirren der Schwerter in der Schlacht. Genau wie Odysseus muss aber auch Myrdhinn seinen Verstand gebrauchen. So etwa baut er neue Segel, findet Spuren in tiefster Nacht und führt sein Schiff an einem Vulkan vorbei. Eine große Hilfe ist ihm natürlich sein Astronautenhelm, in den ein Nachtsichtgerät eingebaut ist.
Die ganze Geschichte ist im Präsens erzählt, was doch recht ungewöhnlich ist und mitunter zu erzählerischen Tricks zwingt. Durch den Präsens ist der Leser zwar nahe dran am Geschehen, aber das kann auch langweilig werden, wenn eben dieses Geschehen zuviel Aufmerksamkeit gar nicht verdient, so etwa eine mühselige Navigation durch einen Archipel und dergleichen.
Auch Gedichte und Lieder finden sich im 2. Band wieder, allerdings nicht so viele wie im 1. Band. Plotmäßig ist dieser Band nur eine Brücke zwischen den Abenteuern Skinns und seines Sohnes Arktur.
Der Band ist schnell zu lesen, das Maß an Spannung und Action ist ebenso hoch wie das an Romantik - es gibt durchaus erotische Szenen, die die zahlreichen Kampfszenen auflockern.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Le navigation de Myrdhinn, 1996; Bastei-Lübbe 11/2000, Bergisch Gladbach, Nr. 20399; 399 Seiten, DM 14,90 (EU 7,62), aus dem Französischen übertragen von Ulrike Werner-Richter; ISBN 3-404-20399-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-26 11:07:30 mit dem Titel Alison Sage: HdR1-*Fotos aus Mittelerde*: Ein klassisches Stück Geldmacherei!
Alison Sage: Der Herr der Ringe: Die Gefährten - Fotos aus Mittelerde: ein Buch, das nur als Souvenir oder Appetithappen taugt - hat die Welt darauf gewartet? Wahrscheinlich nicht.
Inhalt
Rund 70 vierfarbig abgedruckte Szenenfotos bilden den Hauptinhalt dieses schmalen Bandes. Die Fotos von durchaus guter Qualität zeigen ausschließlich Szenen aus dem 1. Teil der HdR-Verfilmung Jacksons. Aber das ist ja nicht wichtig. Wen sie zeigen, ist weitaus wichtiger: Frodo natürlich, Gandalf, Aragorn, Saruman, die liebliche Elbenkriegerin Arwen, Elrond, Galadriel und natürlich Frodos acht Gefährten. Aber da sind auch noch Orks, Uruk-hai und Schwarze Reiter. Beinahe der gesamte Zoo.
Beinahe. Wir vermissen nämlich den Höhlentroll und den Balrog, aber das ist wahrscheinlich dem Behüten des Geheimnisses des Handlung und der Spannung zum Opfer gefallen. Ebenso wie viele Szenen, etwa die Kampfszenen am Schluss. Selbst die Argonath des Filmposters tauchen hier nicht auf.
Die meisten Gestalten und Ereignisse werden mit Texten erklärt, die jedoch derartig einfach formuliert sind, dass sie jeder Zwölfjährige verstehen dürfte. Ich schätze, sogar Jüngere könnten damit etwas anfangen. Ich fühlte mich jedenfalls unterfordert.
Fazit
Schon allein die Tatsache, dass etliche Figuren und Szenen keine Erwähnung finden, macht diesen Band als Souvenir untauglich. Damit wird allenfalls die Oberfläche gestreift. Etwas fragwürdig wird die Sache zudem, wenn man im Text von einem Schicksalsberg liest, das Bild daneben Minas Morgul, den düsteren Wachturm Mordors zeigt. Zwischen Matterhorn und Eiffelturm besteht ja auch ein gewisser Unterschied...
Somit kommt wohl eher die Funktion als Appetithappen in Frage. Und in der Tat stellt die Autorin Alison Sage die wichtigsten Figuren mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Aufgaben vor. Dabei wahrt sie die Knalleffekte bzw. Höhepunkte des Films, um dem Zuschauer in spe die Spannung nicht zu nehmen.
Da aber die Fotos und Texte wenig zum besseren Verständnis des Films beitragen, dürfte der nächste Schritt des Käufers im Erwerb eines der beiden anderen Begleitbücher (siehe die entsprechenden Berichte) bestehen. Zu empfehlen ist dabei lediglich das *Filmbuch*, das die Hintergründe gut erklärt und uns auch etwas zum Regisseur und zu Tolkien, dem Autor, erzählt.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: The Lord of the Rings. The Fellowship of the Ring. Photo guide, 2001; Klett-Cotta 2002, Stuttgart; 48 Seiten, 9,90 Euro, aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Krege; ISBN 3-608-93321-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-12 09:38:28 mit dem Titel Alison Sage: Fotobuch zu Film *Der Herr der Ringe - Die Gefährten*
Ein klassisches Stück Geldmacherei: ein Buch, das nur als Souvenir oder Appetithappen taugt - hat die Welt darauf gewartet? Wahrscheinlich nicht.
Der Titel des Buches: Alison Sage: Der Herr der Ringe: Die Gefährten - Fotos aus Mittelerde (weitere Infos am Schluss).
Inhalt
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Rund 70 vierfarbig abgedruckte Szenenfotos bilden den Hauptinhalt dieses schmalen Bandes. Die Fotos von durchaus guter Qualität zeigen ausschließlich Szenen aus dem 1. Teil der HdR-Verfilmung Jacksons. Aber das ist ja nicht wichtig. Wen sie zeigen, ist weitaus wichtiger: Frodo natürlich, Gandalf, Aragorn, Saruman, die liebliche Elbenkriegerin Arwen, Elrond, Galadriel und natürlich Frodos Gefährten. Aber da sind auch noch Orks, Uruk-hai und Schwarze Reiter. Beinahe der gesamte Zoo.
Beinahe. Wir vermissen nämlich den Höhlentroll und den Balrog, aber das ist wahrscheinlich dem Behüten des Geheimnisses der Handlung und der Spannung zum Opfer gefallen. Ebenso wie viele Szenen, etwa die Kampfszenen am Schluss. Selbst die Argonath des Filmposters tauchen hier nicht auf.
Die meisten Gestalten und Ereignisse werden mit Texten erklärt, die jedoch derartig einfach formuliert sind, dass sie jeder Zwölfjährige verstehen dürfte. Ich schätze, sogar Jüngere könnten damit etwas anfangen. Ich fühlte mich jedenfalls unterfordert.
Mein Eindruck
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Schon allein die Tatsache, dass etliche Figuren und Szenen keine Erwähnung finden, macht diesen Band als Souvenir untauglich. Damit wird allenfalls die Oberfläche gestreift. Etwas fragwürdig wird die Sache zudem, wenn man im Text von einem Schicksalsberg liest, das Bild daneben aber Minas Morgul, den düsteren Wachturm Mordors, zeigt. Zwischen Matterhorn und Eiffelturm besteht ja auch ein gewisser Unterschied...
Somit kommt wohl eher die Funktion als Appetithappen in Frage. Und in der Tat stellt die Autorin Alison Sage die wichtigsten Figuren mit ihren jeweiligen Eigenschaften und Aufgaben vor. Dabei wahrt sie die Knalleffekte bzw. Höhepunkte des Films, um dem Zuschauer in spe die Spannung nicht zu nehmen.
Da aber die Fotos und Texte wenig zum besseren Verständnis des Films beitragen, dürfte der nächste Schritt des Käufers im Erwerb eines der beiden anderen Begleitbücher (siehe die entsprechenden Berichte) bestehen. Zu empfehlen ist dabei lediglich das Filmbuch, das die Hintergründe gut erklärt und uns auch etwas zum Regisseur und zu Tolkien, dem Autor, erzählt.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: The Lord of the Rings. The Fellowship of the Ring. Photo guide, 2001; Klett-Cotta 2002,Stuttgart; 48 Seiten, 9,90 Euro, aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Krege; ISBN 3-608-93321-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-03 09:48:10 mit dem Titel Gelungene Sherlock- & Fantasy-Parodie
Eine Fantasy-Parodie um einen gewitzten Detektiv, die bereits die Qualitäten einer Satire hat. Kein Wunder, dass diesem Roman eines englischen Autors der World Fantasy Award zugesprochen wurde.
Mich hat die Lektüre nie gelangweilt, denn die Figuren sind ebenso unorthodox wie Ermittlungsmethoden des Detektivs - und die Aufklärung des Falls erfolgt erst auf den letzten Seiten: ein turbulenter Lesespaß.
Handlung
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Die königliche Hafenstadt Turai ist so eine Art Mischung aus Ankh-Morpork und Renaissance-Stadtstaat: Das Hafenviertel ist beherrscht von zwei rivalisierenden Mafia-Clans, die Glücksspiel, Prostitution und neuerdings sogar den Drogenhandel kontrollieren. Durch die vielen Opfer der Drogen Boah und Lalula nimmt die Verbrechensrate im Viertel ZwölfSeen erheblich zu.
Der \"Held\"
Und hier wohnt in einem Zimmer einer Schänke der \"Held\" der Handlung, der Detektiv Thraxas. Er spricht dem Gerstensaft ebenso gerne zu wie einem Spielchen, sagt aber auch zu einem Schwertkampf hie und da nicht nein. Leider haben seine Spielschulden zu einer gewissen finanziellen Klemme geführt, so dass der Boss des einen Mafia-Clans, Corleonaxas (vgl. \"Don Corleone\"), täglich einen seiner Schläger namens Conax (vgl. \"Conan\") mit einer handfesten Mahnung vorbeischickt: Das Zimmerchen wird regelmäßig in seine Einzelteile zerlegt. Kleine Einzelteile.
Doch unser Freund Thraxas ist keineswegs auf den Kopf gefallen, was die Beschaffung der gewünschten Summe betrifft. Als Ex-Höfling im Königspalast kennt er die oberen Zweitausend (Stadtstaat!), als Ex-Soldat etliche Ex-Kameraden und Polizisten sowie als Ex-Gatte auch eine Reihe von interessanten Frauenzimmern. Als Zauberer versteht er sich auf die Bannabwehr.
Bei seinen neuesten Ermittlungen hilft ihm die junge Schwertkämpferin Makri, die als Schankmädchen arbeitet, aber nach Höherem strebt: Sie besucht die Versammlungen der Feministinnen ebenso wie die Seminare von Privatdozenten. Leider hat sie ein echtes Problem: In ihren Adern fließt nicht nur Menschen-, sondern auch Elfen- und Orgkblut. Kein Wunder also, dass sie als Frau an der Uni nicht zugelassen und von Elfen und Orgks gleichermaßen mit Verachtung gestraft wird. Thraxas hat damit kein Problem: Er hat schon mit übler gelaunten Orgks gekämpft. Außerdem trägt Makri ein knappes Kettenhemdoberteil und einen ebenso knappen Rock. Wie sich allmählich herausstellt, ist Makri seine wertvollste Helferin.
Der Fall aller Fälle
Da Thraxas unter akutem Geldmangel leidet, fragt er nicht lange, warum ausgerechnet die Königstochter ihm einen delikaten Auftrag erteilt: Er soll einige kompromittierende Liebesbriefe zurückholen, die sich in den Händen eines ausländischen Edelmanns befinden, mit dem sie einst ein Verhältnis hatte (der Edelmann gehört natürlich einem feindlichen Stadtstaat an). Thraxas nimmt den Fall an, stolpert prompt über die erste Leiche und steht unter dringendem Tatverdacht.
Doch damit nicht genug. Unser Held vom Falstaff-Format sieht sich auch in Drogengeschäfte verwickelt und wird von ungefähr der halben Welt (die andere ist gerade high) beschuldigt, das ungemein kostbare Rote Elfentuch gestohlen zu haben, das die Elfen dem König geschenkt haben. Da es die Eigenschaft hat, vor jeder Art von Magie zu schützen, kommt ihm strategisch wichtige Bedeutung bei geheimen Beratungen zu, die kein Zauberer abhören soll.
Als seine Auftraggeberin auch noch beschuldigt wird, einen von den Orgks (zwecks Fortpflanzung im turanischen Zoo) geliehenen Drachen getötet zu haben, ist der Schlamassel komplett. Denn nun ist auch noch Wahlkampf in Turai: Da sehen die königstreuen \"Traditionalisten\" ob dieser Drachen-Affäre ihre Felle davonschwimmen, und die demokratischen \"Populären\" wittern Morgenluft. Schon kommt es in den Gassen Turais zu ersten heißen Wortgefechten, doch bei Worten wird es nicht lange bleiben, wenn die Wahrheit ans Licht kommt.
Und so steht eines Tages der Chef der Traditionalistenpartei, ein veritabler Vizekonsul, in Thraxas\' unordentlichem Zimmer und beauftragt ihn herauszufinden, wer den Drachen gekillt und das Rote Elfentuch geklaut hat. Diskret, versteht sich!
Leider kann selbst Thraxas\' Version von Diskretion nicht verhindern, dass am Schluss Turais Hafenviertel niederbrennt und mordgierige Bürger die Kirche der heiligen Lisutaris, Herrin des Himmels, stürmen wollen, wo sich Thraxas und Makri nebst einigen Attentätern, Kirchenleuten, Orgks und Elfenvolk verschanzt haben...
Mein Eindruck
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Der Leser hält es lange Zeit für ein Ding der Unmöglichkeit, dass Thraxas diesen Fall - der ja im Grunde aus mehreren Fällen besteht - doch noch aufklärt. Aber mit tatkräftiger Hilfe seiner attraktiven (und mitunter sehr orgkigen) Assistentin Makri bringt er das schier Unmögliche zustande: Er überlebt.
Thraxas überlebt Drachenangriffe aus der Luft, Meuchelmörderattacken in der Kanalisation, Bannflüche von Zauberern und natürlich die regelmäßigen \"Ermahnungen\" von Conax. Dabei ist ihm nicht nur Makri behilflich, sondern auch sein scharfer Verstand (weniger sein Glück) und zu guter Letzt auch sein unerschütterliches Selbstvertrauen.
Dadurch liegt der Vergleich mit Steven Brusts ebenso gewitztem Detektiv Vlad Taltos nahe. Allerdings ist Brusts Welt Dragaera noch um einiges ausgefeilter und gefährlicher als Turai und Umgebung. Im Grunde stellt \"Der Drachentöter\" - ein völlig ungerechtfertigter Titel - nicht nur eine Parodie auf gängige Fantasyromane à la Raymond Feist und Robert Jordan dar, sondern auch eine Satire auf reale Verhältnisse.
Da ist zum einen natürlich die Verbrecherszene à la \"Der Pate\" oder \"Snatch\", komplett mit korrupter Polizei und Justiz sowie mit jeder Menge Meuchelmörder und Junkies. Neu sind lediglich die Zauberer. Aber die haben\'s auch nicht leicht, denn sie können sich immer nur einen Zauberspruch auf einmal merken.
Zum anderen ist da der Wahlkampf, der im Falle von Turai extrem ausartet und schier zum Untergang der Stadt führt. Komplizierte Machenschaften wollen das nahende Unheil abwenden, und in deren Zentrum steckt quasi unser Held, Thraxas. Kein Wunder, dass ihm jeder und jede Meuchelmörder(in) ans Leder will. Thraxas erzählt im Roman von sich selbst, und zwar immer im Präsens, also der Gegenwart. Das macht so manche Wendung in der Geschichte recht überraschend.
Geradezu aktuell wird der Roman, wenn Thraxas allmählich die weitverzweigte Organisation der \"Frauenzimmer\" aufdeckt. Natürlich ist sie den patriarchalischen Organisationen ein Dorn im Auge, etwa der Uni, der Kirche, den Parteien und so weiter. Aber am Schluss zeigt sich, dass die Frauenrechtlerinnen ein gewichtiges Wort bei der Beschaffung des Roten Elfentuchs mitzureden haben...
Die Übersetzung
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...ist als durchweg gelungen zu bezeichnen. Wolfgang Thon überträgt nämlich auch die beziehungsreichen Namen des Originals in unseren Kulturkreis, so dass es etliche witzige Anspielungen gibt, die auch als solche zu erkennen sind. Die Herkunft von \"Corleonaxas\" und \"Conax\" ist ja offensichtlich, doch einen Elfennamen wie \"Vases-al-gipt\" (= \"was es nicht alles gibt!\") auszutüfteln, dazu gehört schon eine gute Portion Einfallsreichtum. Für die Übersetzung gibt\'s 100 Punkte.
Der Autor
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\"Martin Scott\" ist das Pseudonym des in Glasgow geborenen Autors Martin Müller (Scott klingt halt irgendwie besser). Scott lebt seit über 20 Jahren in London. Darf man dem Blanvalet-Verlag glauben, so ist \"Der Drachentöter\" nur der erste Roman einer Serie um \"Die Geheimnisse von Turai\". Wenn die weiteren Romane ebenso witzig und turbulent sind, dürfen wir uns freuen.
Unterm Strich
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Eine kurzweilige Fantasyparodie, die actionreich, sinnlich und gewitzt daherkommt. Man könnte mehr davon vertragen.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Thraxas, 1999; Blanvalet 2002, Nr. 24182, München; 251 Seiten, EU 7,90, aus dem Englischen übertragen von Wolfgang Thon; ISBN 3-442-24182-0
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-16 17:57:59 mit dem Titel A+K Steinmüller: *Der Traummeister*: 1. und letzter Fantasyroman der DDR
Eine Welt, in der Menschen nicht mehr träumen. Sie haben es verlernt. Dies ist die düstere Vision, die die beiden renommierten ostdeutschen Science Fiction-Autoren vor uns ausbreiten.
Kaum zu glauben, dass hierzulande einmal so schöne Taschenbücher produziert wurden! Die eigens dafür angefertigten zwölf Gemälde von Wolfgang Spuler stammen zwar noch aus der DDR-Ausgabe von 1990 (Verlag Das Neue Berlin), wurden aber 1:1 in die Heyne-Ausgabe übernommen.
\"Der Traummeister\" gilt als der erste und letzte Fantasyroman der DDR. Der erste, weil es hier vorher keine Fantasy gab, und der letzte, weil es nach seinem Erscheinungsjahr 1990 die DDR nicht mehr gab.
Handlung
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Die Autoren entwerfen das Bild einer Stadt, deren Bewohnern die Fähigkeit zu träumen abhanden gekommen ist. Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit der letzte traummeister von seinem Turm aus die Träume der Einwohner von Miscara geleitet hat. Die Menschen haben vergessen, dass es außer Arbeit und Industrie, die die Umwelt belastet, noch andere Ziele, Hoffnungen und Ideale gibt.
Da taucht ein junger Mann in der mittelalterlich gestalteten Stadt auf, der über die begehrte Gabe verfügt; Kilean wird zum neuen Traummeister Miscaras. Die junge Patriziertochter Glauke – sie berichtet von den weiteren Ereignissen aus ihrer Sicht – erhält vom Stadtrat den Auftrag, dem neuen Traummeister ihre Vorstellungen zu übermitteln.
Doch dessen Eingriffe in die Seelen der Bevölkerung ziehen immer weitere und unterschiedliche Beeinträchtigungen der Psyche nach sich, bis schließlich die Dinge eskalieren und das Gemeinwesen zu zerbrechen beginnt. Wer rettet Miscara vor dem falschen Propheten?
Mein Eindruck
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Die Steinmüllers haben eine in sich stimmige Welt geschaffen, die bisweilen erschreckende Parallelen zu unserer Wirklichkeit aufweist. Uns Non-DDRlern dürften zwar etliche Anspielungen verborgen bleiben, doch was bleibt, ist ein interessanter, stimmungsvoller Roman voll Spannung und Dramatik. Das Buch gehört oder besser: gehörte sicherlich zu den Meilensteinen der Science Fiction aus der DDR und überhaupt der deutschsprachigen phantastischen Literatur. Ein einfühlsam gestaltetes Titelbild und die erwähnten farbenfrohen Tafeln runden den positiven Eindruck ab.
Ich sage \"gehörte\", denn ein solches Werk dürfte, wenn überhaupt, nur selten in Antiquariaten auftauchen, denn es ist ein absolutes Sammlerstück. Wer die Originalausgabe besitzt, hat so etwas wie die Rote Mauritius.
Literarischer Hintergrund
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Die Science Fiction der DDR vor deren Ende bot ein zwiespältiges Bild: Neben schlampig geschriebenen, plump anmutenden und ideologisch eingefärbten Texten gab es auch in verstärktem Maß exzellente Werke, innovativ und spannend, sehr hintergründig, so dass sich der Leser häufig gezwungen sah, die eigentliche Aussage eines Satzes oder Absatzes zwischen den Zeilen zu finden – kurzum: beträchtlich besser als das meiste, was da bundesdeutsche oder gar US-amerikanische Autoren zustande brachten oder verkauften.
Das Ehepaar Steinmüller war dabei einer der bedeutendsten Vertreter dieser Science Fiction-Richtung in der DDR, die mit deren abruptem Ende zu einem unverdienten Stillstand kam. Die deutschen Verlage haben von diesen Autoren seit über zehn jahren kein Fiction-Werk mehr veröffentlicht - wohl aber Sekundärliteratur, denn die Steinmüllers sind in Futurologenkreisen wohlbekannt.
Michael Matzer © 2002ff
Info: Heyne 1992, Nr. 06/4881, München; 302 Seiten, DM 12,80, ISBN 3-453-05412-1
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-17 10:53:03 mit dem Titel Sarah: *Ich bin gekommen*: Auf der Suche nach Lust und Ekstase
Eine junge Französin auf der Suche nach dem ersten Orgasmus - so könnte man die Story auf einen Nenner bringen. Aber das würde diesem schönen und interessanten Erlebnisbericht Unrecht tun.
Es ist auch eine Bestandsaufnahme der erotischen Beziehungen zwischen Mann und Frau: Die Frau geht meistens leer aus. Insofern ist das Buch einerseits anregend und fesselnd, zum anderen aber auch oft traurig, bis am Schluss dann doch wieder Hoffnung entsteht.
Handlung
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Sarah ist 20, lebt in der Stadt der Liebe, Paris, und studiert Philosophie. Die Beschäftigung mit Kant, Nietzsche, Malraux macht sie nachdenklich, aber auch aufmüpfig: Sie liebt alles, was Konventionen sprengt und zudem Lust verspricht. Ihre Neugier kennt keine Grenzen, und sie will vor allem die Welt des Begehrens erforschen. So etwa schaut sie Jungs zu, wie sie von Mädchen bezirzt werden und doch glatt darauf reinfallen. Sie selbst verführt auch, denn das ist die Rolle der Frau, nicht wahr?
Mit ihrem alter ego Charlotte, ihrer besten Freundin, bespricht sie all ihre Eskapaden mit diversen Freunden und Lovern. Doch mit denen hat sie leider wenig Glück. Sie lässt sich von ihnen nehmen, bis sie bedient ist (und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund), doch eines erreicht sie nie, so sehr sie\'s auch versucht: einen Orgasmus. Sie erfüllt sich Phantasie um Phantasie, doch erst auf einem Segeltörn in die ferne Karibik lernt sie den entscheidenden Mann kennen: André.
André ist dreißig Jahre älter, weltgewandt und doch romantisch: Er schreibt ihr kleine neckisch-erotische Briefchen, die Sarah antörnen. Zurück in Paris erlebt sie mit ihm und einem befreundeten Paar einen flotten Vierer, aber das bringt\'s auch nicht so richtig. Seltsam, dass erst Andrés ausgiebige Handarbeit der jungen Frau zum höchsten der Gefühle verhilft. Da dachte ich, dass sie das auch früher hätte haben können. Und von Dildos ist hier auch nirgendwo die Rede.
Mein Eindruck
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Sarah ist eine Mischung aus philosophischer Abgeklärtheit und erotischer Naivität, also eine ganz normale 20-jährige. Wenigstens ist sie aufrichtig und berichtet uns ohne Selbstzensur von ihren Erlebnissen, Empfindungen, Gedanken und Träumen. Sie spricht aber auch von ihrer Angst und Verunsicherung, die einhergeht mit der bedingungslosen Suche nach Erfüllung, die sie leider viel zu oft in der Ekstase sucht. Für tiefe Liebe scheint es noch zu früh zu sein, jedenfalls bis André auftaucht.
Immerhin lässt sich das Buch in 1-2 Tagen auslesen. Es ist mitreißend und humorvoll in seinem Vergnügen an der Lust, interessant durch seine Ehrlichkeit und bewegend durch die Ängste und Freuden der Ich-Erzählerin.
Der Titel legt die Betonung auf das ICH: Dieses Wort ist rot hervorgehoben. Und das ist auch völlig angemessen: Denn schließlich geht es darum, dass auch endlich die Frau in Sex und Liebe Erfüllung findet. - Der Autorenname ist ein Pseudonym.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: J\'ai joui, 2002; Goldmann 8/2002, München; 191 Seiten, EU 16,90, aus dem Französischen übertragen von Gaby Wurster; ISBN 3-442-30998-0
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-30 19:22:28 mit dem Titel Ellen Sussman: *Die Affäre*: Am Abgrund der Leidenschaft
Kann der Supermarkt Ihr Leben verändern? Sie mögen es nicht glauben, aber er kann\'s (Aldi würd\'s freuen). Sie müssen nur den richtigen Menschen treffen. Amour fou – Sie sind wie vom Blitz getroffen. Und ohne dass Sie sich\'s versehen, ändert Ihr Leben seine Richtung um 180 Grad. Mal sehn, was Ihre Lieben davon halten...
Ellen Sussman ist eine amerikanische Autorin von Drehbüchern und Kurzgeschichten. \"Die Affäre\" ist ihr erster Roman. Kein Wunder, dass er sich ebenfalls wie ein Drehbuch liest – nur die Regieanweisungen fehlen. Das ist aber kein Nachteil, sondern trägt zu einer flüssigen Lektüre bei – ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen.
Handlung
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In diesem Roman geht es um eine übersichtliche Schar von acht bis zehn Akteuren, deren Leben bislang in geordneten Bahnen verlaufen ist. Jessa, die weibliche Hauptfigur, und ihr Mann Roger sind schon 15 Jahre miteinander verheiratet, leben in einem sehr ruhigen Bezirk von San Francisco und sind stolz auf ihre beiden Töchter: Rosie ist ein süßer Fratz von sechs Jahren, während Lee mit 14 Jahren schon ernsthaft ein beunruhigendes Interesse an Jungs zeigt, besonders an Zack (der sich als genauso unschuldig herausstellt).
Jessa und Roger sind mit Matt und Grace befreundet, die stolz auf ihre zwei Söhne Jake und Peter sind. Grace ist Jessas beste Freundin, und die beiden erzählen einander alles. Sie fantasieren vom Ausbrechen aus ihren eingefahrenen Ehegleisen. Die beiden Familien fahren traditionell einmal im Jahr in die kalifornischen Berge. Bislang ist immer alles gut verlaufen...
Eines Abends, als beide Familien gemeinsam bei Jessa dinieren, fehlt ihr das Dessert. Sie hüpft kurz mal rüber in den Supermarkt. Bei den gesuchten Erdbeeren lernt sie den attraktiven Simon kennen. Mit einem Schlag fühlt sie, wie ihr der Boden unter den Füßen schwindet. Lange verdrängte Sehnsüchte und Begierden steigen mit einer Kraft empor, die es Jessa unmöglich macht, sich der erotischen Ausstrahlung Simons zu entziehen.
Er ruft sie an. Bei ihrer nächsten Begegnung gibt sie sich dem Unbekannten widerstandslos hin. Er sagt, er will sie. Das hatte ihr Roger zuletzt vor hundert Jahren gesagt. Ihre Rendezvous\' werden immer häufiger und gewagter. Aus dem harmlosen Seitensprung entwickelt sich eine leidenschaftliche, unkontrollierbare und alle Worte der vernünftigen Grace in den Wind schlagende Affäre.
Jessa schläft nicht mehr mit Roger. Die strahlende Erotik in Jessas Leben beeinflusst ihren Ausflug in den Bergen auf verhängnisvolle Weise – die Jungs, die Männer wagen mehr und schließlich zuviel: Jake, Graces Sohn, verletzt sich schwer bei einem Sprung von einem Felsen.
Jessa weiß nicht, wie sie nach diesem Omen ihrer Obsession mit Simon entrinnen kann, denn schon steht alles, was ihr in ihrem Leben teuer war, auf dem Spiel: Ihre Ehe existiert nur noch auf dem Papier, ihre Tochter Lee ertappt Jessa beim Lügen und mit Simon, Grace schüttelt nur noch den Kopf vor lauter Lügen und Jessa droht ihren Job als Zeichnerin zu verlieren. Sie steht am Rande des Abgrunds.
Eines Tages verfolgt Jessa eine Frau, die aus Simons Haus kommt. Es ist Ruby, eine 1,90 große Amazone, die in einer nahen Kunstschule als Aktmodell ein wenig dazu verdient. Ihr Mann Simon weiß nichts davon. Ruby und Jessa lernen sich näher kennen, eine extrem delikate Situation. Denn schließlich kennt sich Jessa mit Rubys Sachen und Verhältnissen sehr intim aus, darf dies aber nicht verraten.
Als Simon auf einem letzten gemeinsamen Wochenende besteht, kommt es zur erlösenden Katastrophe. In einem Strip-Club sieht Jessa, der jedes Gefühl für ihre eigene Identität bereits abhanden gekommen ist, ihre eigene mögliche Zukunft vor sich: als Stripperin, Prostituierte, Treibholz im Sexmarkt. In einem finalen Showdown, bei dem Simon sie nicht gehen lassen will, spielt sie die befreiende Ruby-Karte – jede Affäre verlangt ein Opfer...
Mein Eindruck
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Man sollte erwarten, dass diese dramatische Handlung mit einem warnend erhobenen moralischen Zeigefinger der Autorin verbunden sei. Weit gefehlt. Sussman versteht zu erzählen, indem sie zeigt. Sie erklärt und deutelt nicht wie so viele schlechte Schriftsteller. Die Szenen folgen aufeinander, zusammengefasst zu thematischen Komplexen, und bauen aufeinander auf. Dementsprechend baut sich auch die erotische Spannung auf, die im Wochenende mit Simon in Santa Barbara gipfelt.
Jessa ist ein lebenshungriger Wildfang, kein Hausmütterchen, und daher erscheint es keineswegs unplausibel, dass sie aus ihrem Ehetrott ausbricht, als sich eine Gelegenheit bietet, die sie umhaut. Sie könnte mit Simon wie ein Komet zu anderen Welten des Lebens abschwenken, doch die Liebe zu ihren Töchtern bindet sie, bringt sie wieder auf die Erde zurück. (Die Szenen mit den Töchtern sind unglaublich lebensnah und realistisch erzählt – sehr bewegend.)
Und das ist gut so, denn auch Lee sieht – bereits mit ihren zarten 14 Jahren - eine mögliche Existenz im Sexmarkt vor sich liegen: Jeden Tag gehen sie und Zack zur Straßenecke, wo sich die Huren und Transen feilbieten. Jessa spürt die Verpflichtung, Lee verstehen zu lassen, was das Leben ausmacht, das es wert ist, gelebt zu werden. Insofern geht es in \"Die Affäre\" um die Erkundung der Optionen, die modernen Frauen – nicht nur in den USA – offenstehen, um ihr Leben zu gestalten.
\"Die Affäre\" ist ein durchaus erotisches Buch. Die Autorin hält sich jedoch nicht mit seitenlangen Beschreibungen von Genitalarmaturen und Gymnastik im Schlafgestell auf. Dies sei jedem Leser/Regisseur mit einem Quäntchen Vorstellungskraft überlassen.
Doch weitaus interessanter sind das Davor und das Danach sowie die Parallelexistenz zwischen Seitensprung und Ehebett. Die erotische Spannung knistert selbst zwischen Jessa und Ruby, als sie das Nacktmodell, die Frau ihres Liebhabers, kennenlernt und sie zu Hause besucht. Und diese Hochspannung muss sich irgendwann entladen...
Michael Matzer © 2002ff
Info: The Affair, 2001; Heyne HC 2/2001, München; 304 Seiten, DM 36,00, aus dem US-Englischen übertragen von Caroline Einhäupl; ISBN 3-453-18608-7; ist mittlerweile auch im Taschenbuch erhältlich.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-19 17:47:26 mit dem Titel A. Schuhbeck: *Noch mehr Hausmannskost für Feinschmecker*: Everybody\'s Haute Cuisine
Da sein Kochbuch \"Hausmannskost für Feinschmecker\" so gut ankam, legt Starkoch Alfons Schuhbeck noch eins drauf. Hausmannskost: das ist Muddis Art zu kochen, ganz klar. Doch heute isst man gerne etwas gesundheitsbewusster, und man auch nicht mehr so viele Kalorien, weil man (Gottseidank) weniger körperliche Schwerarbeit verrichten muss als zu Muddis und Omis Zeiten. Daher hat Schubeck bekannte Rezepte verschlankt und verfeinert. Am liebsten möchte man sofort mit Nachkochen anfangen!
Der Autor
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Alfons Schuhbeck ist einer der bekanntesten Fernsehköche der Republik. Dieses Buch zum Beispiel wird im Bayerischen Fernsehen von einer Sendereihe begleitet. Sie wird vom 1.9. bis 17.11.2002 ausgestrahlt (jeweils sonntags um 16:30).
Inhalte
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Die 90 Rezepte des Buches sind sukzessiv in folgende Sparten eingeteilt: Salate & kleine gerichte; Suppen & Eintöpfe; Kartoffeln & Gemüse; Nudeln & Reis; Fisch & Meeresfrüchte; Fleisch; Geflügel & Wild; Süßes & Desserts. (Ein Register und ein Wegweiser zur Sendung beschließen das Buch mit nützlichen Hinweisen.)
Heute asiatisch essen, morgen italienisch oder vielleicht doch zum Griechen? Internationale Angebote findet man heute selbst in Kleinstädten. Aber wo gibt es den besten Zwiebelrostbraten, das saftigste Blaukraut (Rotkohl, natürlich mit Holunderbeeren und Lorbeerblättern, oder?), und wo, ja wo ist der Kartoffelsalat, dieses Geheimnis mit sieben Siegeln, genau richtig zubereitet? (Er sollte nicht gerade \"furztrocken\" sein, darf aber auch nicht \"soichnass\" sein, wie der Schwabe sagt.)
Wenn man solche himmlischen bzw. bodenständigen Genüsse nicht mehr bei Muttern erleben oder abholen kann bzw. will, dann greift man zum Kochbuch. Leider sind viele Kochbücher nicht mehr auf der Höhe der Zeit: sowohl was Kalorienbedarf als auch ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse angeht. Hier schafft Schuhbeck Abhilfe.
Seine neunzig neuen Kreationen reichen von rustikalen Brotzeiten (Vesper) über ausgefallene Fischgerichte bis hin zu verführerischen Desserts (\"Schokoladencreme mit Orangensauce\"!) und Leckerbissen aus der vegetarischen Küche. Pb Reiskrapfen auf Schwammerlragout (Schwammerl: Pilze), Rehragout mit Walnüssen oder Kürbis-Bayerisch Creme auf Himbeersauce: Genießer werden nicht schon vom Foodstyling auf den tollen Fotos verwöhnt, sondern auch realiter am verwöhnten Gaumen.
Damit auch so empfindliche Zutaten wie Trüffel, Spargel oder Rosenkohl nicht zerkocht werden, sondern genau richtig gelingen, verrät der Meisterkoch so manchen Trick und Kniff, damit das Nachkochen nicht in die Hose oder auf die Schürze geht. Und wer nicht in superteure Zutaten investieren will oder kann, dem bietet Schuhbeck auch preisgünstigere Alternativen an.
Alle Rezepte sind für 4 Personen ausgelegt; wer also Single oder Double ist, muss entsprechend kleinere Mengen berechnen. Manche Rezepte sind für 6-8 Personen ausgelegt, so etwa der \"Kartoffelstrudel mit Kräutercreme\". Die macht man dann zu Ostern oder Weihnachten.
Beim Kochen lassen sich ja manche Zutaten im Multitaskingbetrieb herstellen, so etwa das Fleisch lange kochen und währenddessen die Soße oder das Gemüse zubereiten. Die Zutatenlisten machen das von Anfang an deutlich. Die jeweiligen Kochzeiten sind ziemlich genau angegeben, und jeder Zubereitungsablauf in mehrere Phasen aufgeteilt. Es kann fast nichts schiefgehen.
Mein Eindruck
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Ich habe mich schon vom Foodstyling her in so manches vertraute Gericht verliebt. Ja, selbst als \"blutiger\" Laie würde ich mir zutrauen, das eine oder andere Gericht selbst zu fabrizieren: etwa einen ordentlichen Gulasch oder ein Chili con Carne; \"Spaghetti mit Rucola\" (S. 62) sowieso. Auch die Suppen, so raffiniert die Zutaten (Gewürze) auch erscheinen mögen, sind wirklich verlockend.
Natürlich gibt Schuhbeck keine Preise an. Das wäre ja sinnlos, da erstens jeder anderswo einkauft und zweitens die Mengen angepasst werden müssen. Auch Bezugsquellen fehlen logischerweise; aber er gibt Tipps, was man beim Metzger (Schlachter) oder Fischhändler verlangen soll, um das richtige Fleischstück zu bekommen.
Der Starkoch legt zwar keine regionalen Schwerpunkte. Doch da Schuhbeck eindeutig ein Südbayer ist, so aus der Gegend um den Chiemsee, kommen a) viele Gerichte aus dieser Gegend (die man in München sehr zu schätzen weiß), und b) sind manche Vokabeln jenseits des Weißwurstäquators unbekannt. Ich habe bereits in Klammern so manche Erklärung eingefügt. Trotzdem wäre ein bayerisches Wörterbuch bzw. Glossar nicht schlecht für das Buch gewesen.
Unterm Strich
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Hat man diese 90 Kreationen nachgekocht, darf man sich ruhigen Gewissens als Feinschmecker und Starkoch bezeichnen. Stammkunden des Pizza-Service sollten eher die Finger davon lassen, und wer die Mikrowelle für den Gipfel der Cuisine hält, wird wohl auch nicht so erfolgreich beim Nachkochen sein.
Dieses Buch ist also eher für ambitionierte Hobbyköche und passionierte Köchinnen geeignet. Angetörnt von den tollen Bildern (Styling: Monika Schuster; Fotos: Walter Cimbal), dürfen sie gleich loslegen - aber auf keinen die Tiefkühltruhe plündern! Schuhbeck legt in seinem Vorwort Wert darauf, auf die Verwendung stets frischer Zutaten zu dringen. Sei es nun Fleisch oder Gemüse: Frisch muss es sein! Nur dann entfaltet sich der echte Geschmack, die Vitamine etc. bleiben erhalten, und der Gaumen wird richtig verwöhnt. So wird Essen zur Entdeckungsreise.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Zabert Sandmann Verlag (www.zsverlag.de) 08/2002, München; 136 Seiten, EU 14,95, ISBN 3-89883-031-4
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-26 13:40:27 mit dem Titel J. Sladek: *Roderick oder Die Erziehung einer Maschine*: Viel lustiger als *A.I.*
\"Roderick\" ist ein früher Vorläufer von Steven Spielbergs \"A.I.\": Ein unschuldiger Roboter versucht in einer absurden Welt ein guter Mensch zu werden. Leider bringt er in seiner Ahnungslosigkeit eben diese Welt an den Rand der Verzweiflung.
Von der Literaturkritik wird der komplette Roman (er wurde in zwei Hälften geteilt) als die wohl beste Science Fiction-Satire auf Roboter- und Bildungsromane angesehen. Dem Urteil kann ich mich nur anschließen.
Der Autor
John Thomas Sladek wurde 1937 im ländlichen Iowa geboren und lebte 20 Jahre in England, bevor er in seine Heimat nach Minneapolis zurückkehrte, wo er vor kurzem starb (ich glaube, es war letztes Jahr). Er begann 1965 Science Fiction zu schreiben, nahm an der europäischen New Wave teil und machte sich mit ironischen Stories und witzigen Romanen wie \"Der Müller-Fokker-Effekt\" (1970) und \"Die stählerne Horde\" (1970) einen Namen. Er wird mit Kurt Vonnegut verglichen, doch leider fehlt ihm dessen Beliebtheit und unbekümmerter Humor. Und nur \"Roderick\" und dessen Fortsetzung \"Roderick at Random\" fanden Aufnahme in Heynes \"Bibliothek der Science Fiction-Literatur\". Ich stelle hier die ältere Knaur-Ausgabe von 1982 vor.
Handlung
Roderick, der erste wirklich intelligente und selbstlernende Roboter, verdankt sein \"Leben\" einem angeblichen Geheimprojekt der US-Raumfahrtbehörde NASA an der Uni von Minnetonka (wo auch immer das sein mag). Doch dann läuft einiges schief - der NASA-Mann entpuppt sich als Schwindler -, und man möchte Roderick loswerden, so dass er schließlich zu \"Ma\" und \"Pa\" Wood in ein entlegenes Nest in Nebraska abgeschoben wird. (Hier wähnt ihn sein Konstrukteur, Dan Sonnenschein, sicher vor den Regierungsagenten.)
Die beiden Woods behandeln den armen Roderick wie ihren eigenen Sohn. Das Heißt, sie setzen ihn stundenlang vor den Fernseher. Und Jung-Roderick lernt schnell, wenn auch mit einigen Schwierigkeiten, wenn er das so Gelernte praktisch anwenden möchte: Ein kleines Mädchen verführt ihn zu Doktorspielen (von denen \"Robotererfinder\" Doktor Asimov wohl nie geträumt hätte); Zigeuner verschleppen ihn; er gerät in die Hände eines geldgierigen Automatenaufstellers und hat natürlich Ärger mit den Rüpeln in der Schule.
Doch nachdem er durch seine Unwissenheit und sein Unverständnis dort das totale Chaos herbeigeführt hat, muss er auch die Lehranstalt verlassen. Als Robot Roderick in einer Kloserschule landet, darf der Leser ausgiebig über Glaubenssätze der Kirche und über Religion überhaupt schmunzeln. Ein richtiger Mensch zu werden, ist schwieriger, als man denkt...
Mein Eindruck
Bei seinen Eskapaden entlarvt der Candide-hafte Roderick eine zunehmend unmenschlicher werdende Gesellschaft durch die Augen einer Maschine, die ihrerseits immer menschlichere Züge annimmt. Bizarre Wendungen und überraschende Anspielungen machen das Lesen zum Vergnügen und zum geistigen Abenteuer.
Mehr noch als in \"Die stählerne Horde\" ist dieses Buch eine brillante und amüsant zu lesende Satire auf die moderne Welt im allgemeinen und den \"American Way of Life\" im besonderen. Gängige Science Fiction-Klischees à la Asimov & Co. werden ebenso aufs Korn genommen wie überkommene Verhaltensweisen in Kirche und Gesellschaft.
Natürlich sind Rodericks Abenteuer auch ein Kommentar auf das ganze Thema künstlicher Menschen (Homunkuli, Golems usw.) sowie intelligenter Maschinen und Computer: Das Buch ist der ultimative Roboterroman. (Und \"Roderick\" ist nur die erste Hälfte davon. Der Autor musste auf Verlegerwunsch sein Manuskript aufteilen. Also sollte man auch Teil 2 von 1983 lesen - und den gibt es nur in der Heyne-Ausgabe.)
Durch die unschuldigen Augen des jungen Roderick betrachtet, der sich nach der Methode von Versuch und Irrtum müht, zu einem korrekten Verständnis seiner Umwelt zu gelangen, erscheinen uns zahlreiche Aspekte des täglichen Lebens in neuem Licht.
Der Text ist aufgelockert mit mathematischen Spielen, Rätseln und philosophischen Kopfnüssen. Es wimmelt nur so vor witzigen Wortspielen, Karikaturen und Anspielungen auf Klassiker in der Literatur (besonders auf Werke von Sladeks Kollegen). Wer sich etwas im Genre auskennt, wird hier ein besonderes Vergnügen finden. Doch auch wer mit Science Fiction nichts am Hut hat, findet in \"Roderick\" eine anrührende Entwicklungsgeschichte, die einen Kommentar auf unsere moderne Realität abgibt.
Ein klassischer Bildungsroman ist das Buch wohl nicht, doch auch eine lehrreiche Reise à la \"Candide\" von Voltaire. Ist unsere also \"die beste aller möglichen Welten\"? Ja, natürlich. Aber das muss uns ja nicht daran hindern, herzhaft darüber zu lachen.
Es mag dem einen oder anderen Leser schwerfallen, die ausgiebig verteilte Ironie auf Dauer auszuhalten, die vor allem auf Kosten der USA geht. Da kann man durchaus auch eine klare Handlungslinie vermissen, die unter all den ungewöhnlichen Dialogen und Anspielungen unterzugehen droht. Aber man sollte sich entspannen und zurücklehnen: Dann kommt der Spaß von alleine.
Michael Matzer (c) 2002ff
Info: Roderick or The Education of a Young Machine, 1981; Knaur 1982, Nr. 5750, München; 304 Seiten, DM 9,80, aus dem US-Englischen übertragen von Joachim Körber; ISBN 3-442-35463-3
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-28 18:30:24 mit dem Titel Robert J. Sawyer: *Flashforward*: SF-Denkspiel mit Showdown
Dieser Science Fiction-Thriller der nahen Zukunft ist einer der neuen, an Isaac Asimov erinnernden Romane dieses kanadischen Autors. (Ähnliche Romane sind \"Calculating God\" (2000) und \"Factoring Humanity\" (1998).) Wahrscheinlich ist Robert J. Sawyer Kanadas Antwort auf Michael Crichton.
Handlung
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Im Hochenergieforschungszentrum des CERN in Genf führt Lloyd Simcoe zusammen mit seinem Kollegen Theo ein Experiment durch, in dem erstmals eine enorm hohe Energiemenge freigesetzt wird. Im verlauf des Experiments wird das Bewußtsein der gesamten Menschheit für zwei Minuten in das Jahr 2030 transportiert. Alle haben Visionen, und oft nicht die angenehmsten – alle, bis auf diejenigen natürlich, im Jahr 2030 bereits tot sind: so wie Theo. Durch den Bewußtseinsausfall ereignen sich Flugzeug- und Autounglücke, bei denen Tamiko, die Tochter von Lloyds japanischer Verlobter Michiko, ums Leben kommt. Muß sich Lloyd als Initiator des Experiments also schuldig fühlen? Und wie kann Theo seinen eigenen Tod verhindern?
Im Mittelteil des Buches versuchen alle Beteiligten, mit den Nachwehen des epochalen Ereignisse zu Rande zu kommen. Es sieht nämlich so aus, als wäre die Geschichte unveränderbar, die Zukunft festgelegt. Erst als sich Kreative wie Theos Bruder, ein Schriftsteller, umbringen, wird klar, daß die Zukunft nicht feststeht. Erst dann kann sich Lloyd entschließen, Michiko zu heiraten.
Es kommt zu einer Wiederholung des Experiments im jahr 2010, doch niemand hat Visionen. Dafür wird endlich der ursprüngliche Zweck erreicht: die Entdeckung eines lange gesuchten Teilchens. Lloyd macht 20 Jahre später die Bekanntschaft eines reichen Chinesen, der ihm die Unsterblichkeit anbietet. Und Theo gerät am Tag seines vorhergesehenen Todes in eine James-Bond-reife Notlage, als ein Bombenleger ihn beinahe umbringt. Ein echter Showdown.
Fazit
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\"Flashforward\" ist ein äußerst spannender Roman, obwohl eigentlich nicht viel an Action passiert.
Zwei Minuten in die Zukunft, schon ist alles vorbei. Und doch hat die Achterbahnfahrt der Menschheit erst angefangen. Denn nun will niemand mehr fliegen oder Auto fahren. Wie Lloyds Dilemma zeigt, tun sich Abgründe an moralischer Verantwortung auf. Die Schuld würde Lloyd umbringen, wenn er nicht fordern würde, daß die Zukunft unveränderlich sei. Recht hat er. Doch was wird dann aus dem freien Willen? Kann man vergessen, sagt Lloyd. Die Folgerungen sind schwindelerregend!
Sawyer versteht es elegant, philosophische Vorstellungen in konkrete Handlung umzusetzen. Allmählich bangt dem Leser davor, wohin all dies mit größter Konsequenz weitergesponnene Garn ihn noch führen wird. Ideen-getriebene Science Fiction von höchster Güte.
Hoffentlich wird dieses interessante Buch bald mal übersetzt!
Michael Matzer © 2002ff
Info: Flashforward, 1999; Tor, New York City, 320 Seiten, ISBN 0-812-58034-6
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-07 18:22:54 mit dem Titel Giles Smith: *Lost in Music*: Tragikomische Liebesaffäre mit der Popmusik
Der heutige Reporter und frühere \"Popmusiker\" Giles Smith erzählt uns von seine lange währenden Liebesaffäre mit der Popmusik, die schon mit neuen Jahren beim Hören eines T.Rex-Songs begann. Aber was heißt hier \"Affäre\"? Smith ist fest mit der kapriziösen Dame verheiratet, und das führte im Laufe der Jahre zu mehreren tragikomischen Situationen.
Ergo: Unterhaltsame, lesenswerte und informative Lektüre für jeden Pop-Fan (sind wir das nicht alle?) - und außerdem stellenweise saukomisch.
Der Autor
Giles Smith gehört der gleichen Generation wie ich an: Er wurde 1962 geboren, also zu spät für die wilden Sechziger und zu früh für die materialistischen Achtziger, dafür aber mittenmang in die höchst seltsamen Siebziger, wo sich Spät-Hippies und Punks auf den Tod nicht ausstehen konnten - sie lebten quasi in getrennten Welten.
Smith wuchs in Colchester, Essex, rund 60 Meilen östlich von London auf, also dort, wo nicht gerade nicht die Post in Sachen Pop abging. Er spielte in diversen Rockbands, bevor er sich dem Schreiben widmete. Seit 1990 ist er Redakteur bei der Tageszeitung \"The Independent\" und schreibt Artikel für die \"Vogue\", den \"Daily Star\", usw. In Deutschland war er zuletzt in Nick Hornbys Anthologie \"Speaking with Angels\" (Kiepenheuer & Witsch) vertreten. Der britische TV-Sender Channel 4 will aus \"Lost in Music\" einen dreiteiligen Fernsehfilm machen. Smith lebt heute in London - wo sonst?
Inhalt
Von einer \"Handlung\" im eigentlichen Sinne lässt sich bei diesen autobiografischen Aufzeichnungen nicht sprechen. Es ist vielmehr Smiths eigene Geschichte, der sein halbes Leben lang den Traum lebte, ein Popstar zu werden. Mit den \"Orphans of Babylon\" erreichte er eine erhellende, wenn nicht sogar ernüchternde Vorstufe des ewigen Ruhms. Doch der wahre Durchbruch auf den Popmarkt des Kontinents erfolgte mit der Band \"The Cleaners vom Venus\" (das reimt sich nur dann, wenn man\'s in reinstem BBC-Englisch ausspricht).
Kurze Zeit durfte er sich auf einer Deutschlandtournee wie ein Popstar fühlen, doch leider verkaufte sich die Platte bzw. CD kaum - da drehte ihnen RCA den Geldhahn zu. Immerhin erhielt er Einblick in peinlichste Praktiken der Musikindustrie, konnte er aber sowohl sein Leben, seine Gesundheit und sogar die Masterbänder der Cleaners-Aufnahmen retten. Nik Kershaw, der aus einer ähnlich fern Londons gelegenen Gegend stammt, erhaschte zwar mehr vom Ruhm (dank MCA), aber, hey, wo ist Kershaw jetzt?
Die Jagd nach dem Starruhm beginnt damit, dass man süchtig wird: süchtig danach, alle Alben der Lieblingsband oder des Lieblingsinterpreten zu besitzen (sowohl auf Vinyl als auch auf CD) und sie in möglichst alphabetischer Reihenfolge zu sortieren. (Smith hatte mal eine Freundin, die nicht auf diese Reihenfolge achtete. Klar, das konnte ja nichts Dauerhaftes werden.)
Smith beginnt mit T.Rex, pilgert sogar an dessen Sterbeort, wo gedenkwachen von Späthippies abgehalten werden. Dann geht er über zu ersten Luftgitarrenproben mit dem Bruder im Kinderzimmer, erweitert durch Pianostunden bei alten Matronen. Schließlich führt das Ganze zu den ersten Gigs, Demobändern, Interviews und Bühnenklamotten.
Man erfährt alles über Eitelkeiten und Eifersüchteleien unter Musikern (Sucht ist was Schlimmes), die keineswegs immer erfolgreiche Wirkung von Musik als romantische Wunderwaffe und die eine oder andere unglaubliche bis unglaubhafte Anekdote über diesen und jenen Star bzw. Möchtegernstar, so etwa über Nik Kershaw. Der war zunächst ein spitzenmäßiger Gitarrist in einer Band namens \"Fusion\", unterschrieb dann aber bei MCA. Er landete als Teenieschwarm mehrere Hits wie \"Wouldn\'t it be good\" und \"The Riddle\", bis er die Bevormundung durch das MCA-Marketing satt hatte und ein Album produzierte, dass die Teenies nicht kapierten. Er landete im Nirgendwo (wahrscheinlich auf den Bahamas), und kann froh sein, wenn man seine Hits covert. Auch über Captain Sensible (\"Happy talk\") verliert Smith ein paar enthüllende Worte.
Humor
Eine der besten und komischsten Szenen ist die Schilderung einer Musikprobe durch Smiths Band \"Orphans of Babylon\". Die Musiker wussten kaum, wo bei der Gitarre das richtige Ende ist, stellten sich aber schon eine Mega-Auftritt vor kreischenden Teeniegirls vor. Ich habe selbst mal mit einer Band so geprobt, aber dabei versucht, auf dem Teppich zu bleiben. Es ist schon schwer genug, das Tempo gleichmäßig zu halten, aber auch vernünftige Lyrics zu schreiben, ist noch schwieriger (das war mein Job, neben der Rhythmusgitarre). Wir traten nie auf, soweit ich weiß - Gottseidank! Aber als Smiths Schilderung las, konnte ich mich vor Lachen kaum noch im Sessel halten.
Andere humorvolle Stellen sind in dem typisch britischen, recht trocken-ironischen Humor gehalten, den man erkennen muss, um ihn würdigen zu können. Folgende Szene ist leicht vorzustellen: Smith darf zum erstenmal Sir Paul McCartney interviewen. Er erleidet einen kurzen Ohnmachtsanfall, weil er sehr nervös ist und nicht gefrühstückt hat (Smith, nicht \"Macca\"), doch McCartney erträgt den Journalisten mit freundlicher Höflichkeit. Wahrscheinlich kommt ihm so etwas öfters unter.
Kritik
Das Buch wäre nicht halb so gut, wenn sich Smith nicht zu sehr vielen Stars und Alben kritisch zu äußern wüsste. Für Einsteiger in die Popmusik der 70 und 80er Jahre ist dies ein wahrer leitfaden der Qualität. Erstaunlich kenntnisreich zum Beispiel, was Smith zu Todd Rundgren zu sagen hat. Rundgren blind zu kaufen, ist wie ein Lotteriespiel - am besten betet man vorher, dass man eine gute Platte erwischt hat.
Eines der Highlights ist die Reihe jener Alben, die Smith bei seinem Auszug von zuhause aus seiner Sammlung aussortiert und daheim lässt: Status Quo, Genesis, Supertramp, John Lennon (genau: \"Imagine\"!) und weitere, meist Eintagsfliegen. Auch an Pink Floyd lässt Smith kaum ein gutes Haar, und was er zu sagen weiß, hat durchaus Hand und Fuß - sollte man lesen, denn es wirft ein erhellendes Licht auf die eigene(n) Vorliebe(n).
Technik
Die Popmusik hat sich in den letzten 30 Jahren radikal gewandelt - nicht zuletzt in technischer Hinsicht. Smith vergleicht Vinyl (seine geheime Sucht) mit dem neu aufgekommen Tonträger Compact Disc (\"besonders knackiger Sound, wenn frisch aus dem Tiefkühlfach\", lautet eine Legende. Das sind vielleicht Gewissensentscheidungen! Dennoch brachte die Plattenindustrie die Fans dazu, etwas zu kaufen, das sie nicht wollten, weil sie\'s nämlich bereits hatten! Erstaunlich.
Ebenso erstaunlich vielleicht wie die wunderliche Überlegung, ob sich der Sound der teuren Stereoanlage nicht durch dieses oder jenes Gadget verbessern ließe: Kupferkabel zu den Lautsprechern, Ständer für die Boxen usw. Es ist schon ein Kreuz mit der Popmusiksucht.
Mein Eindruck
Zurück bleibt ein runder Eindruck, dass die Popmusik viel mehr mit dem Leben eines Menschen zu tun haben kann als man annimmt. Sie ist bei Giles Smith weder privat und passiv konsumiert, sondern häufig ein Gemeinschaftserlebnis. Die eigene Produktion von Musik hingegen hat noch mehr mit lebhaften, mehr oder wenigen skurrilen Erlebnissen zu tun. Und die Geschichte der \"Cleaners from Venus\" geht immer noch weiter.
Ich hoffe, es wird klar, dass Smiths Buch wenig mit Nick Hornbys verfilmtem Buch \"High Fidelity\" zu tun hat. Natürlich ist der tragikomische \"Held\" völlig süchtig nach dieser Musik, so dass menschliche Beziehungen zurückstehen müssen. Aber er wird ja auch mal erwachsen. Hornby hat sich übrigens sehr lobend über Smiths Buch geäußert: \"Giles Smith ist ein wunderbarer Erzähler: flüssig, elegant, scharfsinnig und sehr, sehr komisch.\"
Ich will aber nicht verhehlen, dass derjenige Leser, der sich in der Popmusik von der Insel sehr gut auskennt, einen großen Vorteil besitzt. Er kann mit all den Namen, die Smith benutzt und als bekannt voraussetzt, wirklich etwas anfangen. So dürfte der Satz auf Seite 283 - \"Aus uns wird einmal eine Nation von selbsterklärten George Martins werden\" - völlig verständlich sein. Allerdings muss man dazu wissen, dass George Martin der Produzent der Beatles war (und mitverantwortlich für ihren Sound).
Die Übersetzung
... hat mich manchmal geärgert, denn ich fand nicht weniger als zwölf offensichtliche Fehler in Grammatik, Rechtschreibung oder Information. Der Übersetzer scheint mit dem deutschen Genitiv auf Kriegsfuß zu stehen. Er bringt auch \"überreden\" und \"überzeugen\" durcheinander (S.19). Etwas nervender ist dann jedoch der Umstand, dass er das Wort \"Northants\" eins zu eins übernimmt, obwohl es kein Ortsname, sondern der Name der Grafschaft Northampshire ist - wenn man ihn auszuschreiben weiß. Auch einfache englische Wörter schreibt er falsch, so etwa \"incidentally\" (S.21), das er \"incidentially\" schreibt. Manche Begriffe wie \"GCSE\" werden nicht erklärt, sondern muss man nachschlagen.
Das Buch enthält weder ein Glossar, noch ein Stichwortverzeichnis noch eine Inhaltsangabe. Es ist quasi ein Blindflug. Am besten lernt man es wohl auswendig. Dafür hat es aber ein sehr schönes Cover - mit Vinylimitat.
Unterm Strich
\"Lost in music\" ist, neben \"High Fidelity\", eine der besten Autobiografien aus dem Abenteuerkreis \"Popmusik\" und eine unterhaltsame, komische bis nachdenklich-kritische Lektüre. Man sollte aber nach Möglichkeit das Original lesen, wenn man so gut Englisch kann.
Michael Matzer (c) 2001ff
Info: Lost in music, 1995; Heyne 2001, Nr. 01/13607, München; 320 Seiten, EU 12,00, aus dem Englischen übertragen von Stefan Rohmig; ISBN 3-453-21083-2
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-26 11:22:53 mit dem Titel M. Swanwick: *Engel der Schwerkraft*: Lesenswerte SF-Erzählungen
Eine Sammlung von ausgezeichneten SF- und Fantasy-Geschichten möchte ich diesmal vorstellen.
Der Autor
Michael Swanwick ist einer der besten Story-Autoren in der Science Fiction. Aber auch mit einfallsreichen Romanen machte er auf sich aufmerksam. Mit dem Roman \"Vakuumblumen\" wagte er einen sinnlichen Ausflug in den Cyberpunk, mit \"Die Tochter des stählernen Drachen\" verschmolz er Fantasy- mit SF-Motiven. Zuletzt veröffentlichte Heyne den Kurzroman \"Des Greifen Ei\". Swanwick ist ein sehr wandlungsfähiger Stilist mit überraschenden Einfällen.
Als 1980 die Story \'Das Fest der heiligen Janis\' veröffentlicht wurde, war allen Kennern des Science Fiction-Genres klar, dass mit Michael Swanwick ein neuer Star am Himmel der amerikanischen Science Fiction aufgetaucht war. Die meisterhafte Erzählung gelangte prompt in die Endausscheidung des begehrten \'Nebula Awards\' und machte Appetit auf mehr von ihm. Aber der Fan musste weit umher suchen, um zu entdecken, wo Swanwick weitere Erzählungen veröffentlichte, denn die wenigsten erschienen in den üblichen Science Fiction-Magazinen wie Asimov\'s oder Analog, sondern in Omni oder Interzone.
In dieser Collection sind nun Swanwicks beste Arbeiten, die von 1980 bis 1991 erschienen, endlich vereint - und noch dazu ausgezeichnet illustriert. Swanwick hat bis in jüngste Zeit ausgezeichnete und preisgekrönte Stories geschrieben - es lohnt sich, sie zu suchen, u.a. in der deutschen Ausgabe von Asimov\'s Science Fiction #53.
STORIES (in der Reihenfolge ihres Abdrucks)
Ein Wintermärchen
Der Titel ist täuschend harmlos und erinnert ein wenig an Shakespeares gleichnamiges Stück. Das ist nur Tarnung für eine ziemlich grausige Art, Gedächtnisinhalte weiterzugeben. Ein Larl genanntes Fremdwesen erzählt, wie es das Gehirn seines ersten menschlichen Opfers verspeiste, um seine Erinnerungen zu erhalten. So erfahren die Larls, inteligente Tiere, von der Herkunft der Menschen auf ihrem Planeten und erhalten die Sprache. Das Baby der Frau, die sich opferte, brachten sie zurück und wurden dafür als Freunde von den Menschen angenommen. Einer der Larls erzählt einem Menschenkind namens Flip davon.+++Die Story zeichnet s
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