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Erfahrungsbericht von Anachronistin

Buchbesprechung: Richard Sennett, "Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus.&quot

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Sennett, Richard (1998): Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus
(Originalausgabe: The Corrosion of Character)
Berlin Verlag

Dieser Beitrag soll einen allgemeinen Einblick in das Buch von Richard Sennett geben. Vertiefende Informationen findet man unter dem von mir veröffentlichten Beitrag: "Richard Sennett - Eine Abhandlung". Viel Spaß beim Lesen!


Im Mittelpunkt der Untersuchungen von Richard Sennett steht der Begriff der Flexibilität. Sennett zeigt verschiedene Phänomene kapitalistischer Charaktere auf. Anhand von Fallbeispielen erklärt er den Wandel vom Kapitalismus zum flexiblen Kapitalismus und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft. So beschreibt er, dass es heutzutage für den einzelnen Menschen unmöglich ist, das eigene Leben noch als „lineare Erzählung“ (S.17) verständlich machen zu können. Das Individuum verharrt „in einem Zustand des Dahintreibens“ (S.22) – was als „Drift“ (S.37) bezeichnet wird. „Die Angst“ (S.10) ist steter Begleiter im Zeitalter der Schnelllebigkeit. Der menschliche Charakter ist ursprünglich ausgelegt auf Langfristigkeit, Verlässlichkeit und Entwicklung. Der flexible Kapitalismus jedoch verlangt vom flexiblen Menschen die stete Bereitschaft, sich immer neuen Aufgaben zu stellen, jederzeit Arbeitsstelle und Wohnort zu wechseln, offen für Veränderungen zu sein, ständig Risiken einzugehen und weniger abhängig von Regeln und förmlichen Prozeduren zu sein. So schafft das neue Regime in Wirklichkeit neue Kontrollen, statt die alten Regeln einfach zu beseitigen.
Sennett bezieht in seinen Ausführungen eindeutig Stellung und bekennt sich als Anhänger des „alten Regimes“. An seinem Bespiel wird deutlich, dass Wissenschaft eben immer auch subjektiv ist. Er fand bei seinen Untersuchungen eben jene „Wahrheiten“ heraus, die zu entdecken er sich erhofft hatte, dies ist zumindest mein Eindruck.
Sennett schreibt unterhaltsam und verständlich, das Buch erscheint eher romanhaft als populärwissenschaftlich.
Im großen und ganzen ist Sennetts Buch sehr interessant, und bietet durch die enthaltenen Thesen viel Stoff für Diskussionen. Insgesamt hätte ich mir den Aufbau des Buches jedoch systematischer gewünscht.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-20 20:41:04 mit dem Titel Shalev, Zeruya: "Liebesleben"

Ich glaube mich in einem Strudel wieder zu finden, der mich, zum Großteil ungefragt, in diese Geschichte, in diese fremde, und doch auch bekannte Welt hineinreißt...

Zeruya Shalev beschreibt in ihrem Roman eine junge Frau, verheiratet, unauffällig, angepasst. Ihr Leben ist eines derer, die man als gewöhnlich bezeichnen würde. – Der Leser wird schnell gepackt von ihren Zweifeln, es sind Zweifel an sich selbst, an ihrem Leben, an den Menschen, die sie umgeben. Sie ist die still Leidende, die ausbrechen will aus ihrem Sumpf von Traurigkeit und Eintönigkeit. Man wird Zeuge ihrer reichhaltigen und vielfältigen, doch sehr negativ ausgerichteten Emotionen. Auf der Suche nach dem, was glücklicher, zuversichtlicher und zufriedener machen könnte, stürzt sie von einem Tal ins nächste.
„Liebesleben“ vermittelt authentisch und lebensnah das Dasein eines Menschen, dessen Innenleben und Denken auf so direkte Weise dargestellt werden, dass man sich einfach angesprochen fühlen muss. Teilweise habe ich mich gefühlt wie ein heimlicher Beobachter. Ich habe mich dabei fast ein bisschen geschämt, weil ich den Eindruck hatte, etwas mitzuerleben, was mir nicht zusteht. Irgendwie hatte ich das Bedürfnis, in die tragischen Geschehnisse einzugreifen, das Drama aufzuhalten oder wenigstens zu unterbrechen. Ich empfand mich beim Lesen als Teil des Romans, mal war ich die junge Frau, mal die fassungslose Außenstehende.

Das Buch ist sehr eindrucksvoll geschrieben. Als gewöhnungsbedürftig würde ich die fehlende wörtliche Rede bezeichnen.

Dezember 2001




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-13 21:25:04 mit dem Titel Sennett, Richard - Eine Abhandlung

Sennett, Richard (1998): Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus
(Originalausgabe: The Corrosion of Character)
Berlin Verlag


Aufgrund mehrfacher Nachfragen veröffentliche ich nun eine tiefgreifendere Abhandlung über vorgenanntes Buch. Es handelt sich bei der Veröffentlichung um Auszüge einer wissenschaftlichen Hausarbeit, welche ich vor ca. zwei Jahren geschrieben habe.


1. Kapitel: Drift

Sennett beschreibt den menschlichen Charakter als ethischen Wert, den wir unseren eigenen Entscheidungen und unseren Beziehungen zu anderen zumessen. So ist der Mensch bestrebt, langfristigen und gemeinschaftlichen Zielen zu folgen und dabei Erfahrungen zu sammeln. Treue und gegenseitige Verpflichtung spielen hierbei eine wichtige Rolle. Der Mensch gewinnt durch diese Charaktermerkmale an Selbstachtung und Selbstwertgefühl, er definiert sich über selbst erbrachte Leistungen und der dafür erhaltenen Zuwendung seiner Mitmenschen.
Der flexible Kapitalismus jedoch zeigt, dass Unternehmen, die auf selbige tradierte Werte bauen, und in Generationen denken wollen, zum Scheitern verurteilt sind. Die Ikonen des schnellen Erfolges heißen Silicon Valley, Microsoft oder Intel – Firmen, die sich der neuen Zeit- und Arbeitszeitorganisation angepasst haben. „Projekte“ und „Arbeitsfelder“ ersetzen dort die herkömmlichen Arbeitsstellen.
Der auf Kurzfristigkeit angelegte Kapitalismus bedroht den Charakter, insbesondere die Bindungsfähigkeit des einzelnen.
„Distanz und oberflächliche Kooperationsbereitschaft sind ein besserer Panzer im Kampf mit den gegenwärtig herrschenden Bedingungen als ein Verhalten, das auf Loyalität und Dienstbereitschaft beruht.“ (S.29)
„Auf die Familie übertragen bedeuten diese Werte einer flexiblen Gesellschaft: bleib in Bewegung, geh keine Bindungen ein und bring keine Opfer.“ (S.29)


2. Kapitel: Routine

In diesem Kapitel werden die Auffassungen von Diderot und Adam Smith gegenübergestellt, wobei Sennett eindeutig mit Diderot symphatisiert, und weit mehr positive Gedanken zu dessen Sichtweise herausstellt, als er dies bei Adam Smith tut. Diderot glaubte daran, dass der Mensch durch die – regelmäßige und routinierte – Arbeit zum Frieden mit sich selbst fände, da er die Kontrolle über Arbeitsvorgänge hätte. Hingegen schildert Adam Smith, Autor des Buches „Der Wohlstand der Nationen“, dass ein Zusammenhang zwischen dem Wachstum freier Märkte und gesellschaftlicher Arbeitsteilung bestünde. Smith: „Jemand, der tagtäglich nur wenige einfache Handgriffe ausführt, ... verlernt, seinen Verstand zu gebrauchen, und (wird) so stumpfsinnig und einfältig ... , wie ein menschliches Wesen nur eben werden kann.“ Sennett kommt schlussfolgernd zu dem Ergebnis: „Routine kann erniedrigen, sie kann aber auch beschützen. Routine kann die Arbeit zersetzen, aber auch Leben zusammenhalten.“ (S.54)


3. Kapitel: Flexibilität

Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Flexibilität entstammt der Beobachtung, dass sich ein Baum, der durch den Wind bewegt wird, zwar biegen kann, dann aber wieder seine vorherige Gestalt annimmt.
„Im modernen Gebrauch des Wortes Flexibilität verbirgt sich ein Machtsystem. Es besteht aus drei Elementen: dem diskontinuierlichen Umbau von Institutionen, der flexiblen Spezialisierung der Produktion und der Konzentration der Macht ohne Zentralisierung.“ (S.58/59)


4. Kapitel: Unlesbarkeit

Die berufliche Identität ist für die wenigsten Menschen noch definierbar, da durch die Aufhebung der Routinearbeit kaum noch ein Arbeiter genau bestimmen kann, welche Aufgaben er an seiner Arbeitsstelle erledigen muss. Die Arbeitskräfte sind in immer größer werdender Anzahl von computerprogrammierten Maschinen abhängig, und besitzen kaum noch praktisches Wissen. Die Arbeit wird per Knopfdruck bewältigt.


5. Kapitel: Risiko

Die Instabilität flexibler Organisationen zwingt die Arbeitskräfte zum Eingehen immer neuer Risiken.
„ ... die gesellschaftliche Produktion von Reichtum geht einher mit der gesellschaftlichen Produktion von Risiken.“ (Ulrich Beck, Soziologe)
„Im flexiblen Kapitalismus erfahren Menschen, die sich verändern, drei Arten von Unsicherheit, nämlich durch mehrdeutige Seitwärtsbewegungen (1), retrospektive Verluste (2) und unvorhersehbare Einkommensentwicklung (3).“
(1) Der Arbeitnehmer wird in den Glauben versetzt, eine höhere Stellung in dem losen Netzwerk zu erlangen, dabei findet im eigentlichen Sinne lediglich eine Seitwärtsbewegung statt.
(2) Geht der Arbeitnehmer in einer flexiblen Organisation das Risiko des Wechsels ein, besitzt er in den meisten Fällen nur wenige Informationen über seine neue Position, und erkennt dadurch Fehlentscheidungen erst nachträglich.
(3) Konnte man im alten Regime davon ausgehen, dass ein Stellenwechsel in ein anderes Unternehmen unbedingt mit einer Lohnerhöhung verbunden war, so ist dies heute nicht der Fall.
„ ... die Fähigkeit, Vergangenheit abzuschreiben und die Unordnung als fruchtbar zu sehen, sind Arten, am Rande des Abgrunds zu leben.“ (S.105)
Sennett betont, dass zu früheren Zeiten die Fluktuation zwischen den Firmen weitaus niedriger war als heute. Damals waren sich die Arbeitnehmer sicherer, ihren Arbeitsplatz zu behalten, und konnten dementsprechend eine Bindung zum Unternehmen aufbauen.
„Das Risiko im realen Leben hat eine ganz andere, elementare Antriebskraft: Die Furcht davor, nichts zu tun. In einer dynamische Gesellschaft ist der Stillstand wie der Tod.“ (S.116)
„Bei der Konfrontation mit etwas, das ungewiss, konfliktträchtig und daher beunruhigend ist, richtet sich die Aufmerksamkeit eines Menschen eher auf die unmittelbaren Umstände als auf langfristige Perspektiven. Die Sozialpsychologie bezeichnet diese Verfassung als ´kognitive Dissonanz´ - miteinander konfligierende Bedeutungsrahmen.“ (S.120) Der Mensch ist also stets bemüht, etwas Greifbares in seinem Leben zu haben, etwas, auf das er sich stützen kann, etwas, das Bestand hat.
Ein weiterer Problembereich liegt im Lebensalter begründet. So steht heute „Jugend“ für Flexibilität, während „Alter“ Erstarrung bedeutet. Im flexiblen Kapitalismus zählen nur unmittelbare Fähigkeiten: Im Laufe der Jahre gesammelte Erfahrungswerte werden kaum geachtet, sondern lediglich als festgefahrene Einstellungen gewertet. Es konnte beobachtet werden, das ältere Angestellt eher Entscheidungen von „oben“ widersprechen, welche ihnen verfehlt erscheinen. Allerdings drücken sie damit ihre Loyalität gegenüber dem Unternehmen aus. Jüngere Angestellte hingegen sind aus Sicht der Unternehmen wesentlich formbarer, da sie eher Risiken eingehen und bereitwilliger Anordnungen befolgen, auch wenn diese falsch sind. Auch lösen sie sich leichter vom Unternehmen, sie „springen lieber selbst, als das sie geschubst werden“.


6.Kapitel: Das Arbeitsethos

Sennett beginnt dieses Kapitel mit einem Zitat von Oscar Wilde: „Alle Kunst ist zugleich Oberfläche und Symbol. Wer unter die Oberfläche geht, tut es auf eigene Gefahr.“
Die Arbeitsethik befindet sich in der Krise. Besonders deutlich zeigt sich dieser ethische Konflikt zwischen Arbeitswelt und Familie. Eltern wollen ihren Kindern Verhaltensweisen wie Solidarität vorleben, geraten jedoch in Konflikte mit den Anforderungen, denen sie sich selbst in der Arbeitswelt stellen müssen, und die so wenig mit Gemeinschaftlichkeit und Brüderlichkeit zu tun haben. Vielmehr sind solche Fähigkeiten gefragt, welche auf distanzierte, oberflächliche und selbstdisziplinierte Beziehungen abzielen.
In der alten Arbeitsethik waren die Menschen versucht, sich ihren Wert durch die Arbeit zu beweisen.
Die heutige Konzentration auf Teamarbeit, Kooperationsfähigkeit und die Anpassungsfähigkeit des Teams an verschiedenste Anforderungen kennzeichnet den neuen Arbeitsethos. Sennett bringt es auf Seite 133 auf den Punkt: „Teamwork ist die Gruppenerfahrung der erniedrigenden Oberflächlichkeit.“
„Gruppen neigen dazu, zusammenzuhalten, indem sie sich auf die Oberfläche beschränken, geteilte Oberflächlichkeit hält die Leute durch die Vermeidung schwieriger, umstrittener und persönlicher Fragen zusammen.“ (S.145)
Die neue Kultur von Image und Information betont die ihr eigene Flexibilität und Offenheit. Diese Eigenschaften lassen aber nur Oberflächlichkeit zu, da sie stets einem Wandel der Anforderungen gegenüberstehen.
Unternehmen trimmen ihre Angestellten durch Verhaltensmaßregeln eher zur „Freundlichkeit“, als dass sie ihnen die tatsächlichen Anliegen ihrer Kunden nahe legen. Von Sennett werden diese Verhaltensnormen sehr treffend als „Masken der Kooperativität“ bezeichnet, welche sich durch diese erlernte, förmlich-freundliche Sprache ausdrücke. Doch nicht nur in Bezug auf die Kunden der Unternehmen werden solche Regeln des Verhaltens eingeübt und propagiert, sondern auch in den Beziehungen der einzelnen Arbeitnehmer untereinander im Gefüge eines Unternehmens. „Die Arbeiter hielten ... einander direkt ihre Fehler vor. Sie wurden dazu bei Meetings angehalten, die einer Gruppentherapie ähnelten – einer Therapie im Interesse der Bilanz.“ (S.152)


7. Kapitel: Scheitern

„Der Markt, auf dem der Gewinner alles bekommt, wird von einer Konkurrenz beherrscht, die eine große Anzahl von Verlierern erzwingt.“ (S.159)
Der Mensch gerät in arge Konflikte mit sich selbst, wenn es ihm nicht gelingt, ein Mindestmaß an Stabilität und Festigkeit in seinem Leben aufrechtzuerhalten, zu leben, statt nur zu existieren. Da es aber im neuen Kapitalismus unmöglich zu sein scheint, eine Karriere zu verfolgen, also etwas Vorhersehbares vor Augen zu haben, woran man sich festhalten, worauf man sich stützen, und worauf man aufbauen und planen kann, ist das Scheitern automatisch vorprogrammiert. „Der Mensch, der eine Karriere verfolgt, definiert für sich langfristige Ziele, Verhaltensmaßregeln im Berufs- und Privatleben und ein Verantwortungsgefühl für sich und sein Verhalten.“ (S.163)
Katherine Newman erklärt das Scheitern eines Individuums so, dass der Mensch entdeckt, dass er nicht so gut ist, wie er geglaubt hat, und gerät dadurch in Unsicherheit, weil er nicht mehr definieren kann, wer oder was er ist.


8. Kapitel: Das gefährliche Pronomen

Durch die Verwendung des Wortes „WIR“ wird ein Gemeinschaftsgefühl gezeigt.
„Eine der unbeabsichtigten Folgen des modernen Kapitalismus ist die Stärkung des Ortes, die Sehnsucht der Menschen nach Verwurzelung in einer Gemeinde. All die emotionalen Bedingungen modernen Arbeitens beleben und verstärken diese Sehnsucht: die Oberflächlichkeit des Teamworks; und vor allem die allgegenwärtige Drohung, ins Nichts zu fallen ...“ (S.189)
Ursprünglich entstehen soziale Bindungen aus einem Gefühl gegenseitiger Abhängigkeit. Derartige Symbiosen sind jedoch im flexiblen Kapitalismus nicht gefragt, nein, ihnen wird sogar entgegengewirkt, denn eine zu enge Bindung der Mitarbeiter untereinander ist nicht erwünscht, sondern wird eher als Gefahr angesehen.
Alte Hierarchien standen für Abhängigkeit, aus welcher die Menschen durch das neue Regime befreit werden sollten, um durch ein risikogekennzeichnetes Leben Selbstversicherung zu erlangen, anstatt, wie im alten Regime, voller Ehrfurcht auf das Unvermeidliche zuzugehen.
„Die Scham über Abhängigkeit hat eine praktische Konsequenz. Sie untergräbt das gegenseitige Vertrauen und die Verpflichtung auf ein gemeinsames Ziel, und das Fehlen dieser sozialen Bindungen bedroht die Funktion jeder kollektiven Unternehmung.“ (S.194)


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-28 18:07:18 mit dem Titel Der Campus - Ein grandioses Werk

Der Campus - Ein grandioses Werk


Vor einiger Zeit zog es mich wieder einmal auf einen Flohmarkt. Mein hauptsächliches Interesse bei Flohmarktbesuchen gilt den angebotenen Büchern. Auch dieses Mal wurde ich fündig, und konnte u. a. „Der Campus“ von Dietrich Schwanitz zu einem Schnäppchenpreis von 1,50 € erwerben.

Dietrich Schwanitz ist Professor für Englische Sprache und Kultur. Er arbeitete an der Universität Hamburg, gab seine Professur allerdings aus gesundheitlichen Gründen im Jahre 1997 auf.
Sein Erstlingsroman, „Der Campus“, wurde zum Bestseller und wurde schließlich auch verfilmt.


Zunächst erhält man auf den ersten Seiten des Buches den Hinweis darauf, dass die Figuren des Romans frei erfunden sind, und daher Ähnlichkeiten mit lebenden Personen nicht beabsichtigt und rein zufällig sind.

Hauptperson des Romans ist Prof. Hanno Hackmann, der an der Universität Hamburg Kultursoziologie lehrt. Seine Frau Gabrielle wird als hysterische, exaltierte und exzentrische Person beschrieben, die Hanno Hackmann mehr als einmal die Nerven zu zermürben zerscheint. Die Eheleute Hackmann haben eine gemeinsame Tochter.

Seit einiger Zeit schon unterhält Hanno eine Affäre zu einer seiner Studentinnen, Barbara Clauditz, genannt Babsi. – Da dieses Verhältnis Gefahr läuft, von seiner Frau aufgedeckt zu werden, und Hanno Befürchtungen hegt, dass Gabrielle sich dann von ihm scheiden lassen würde, beschließt er, Babsi zu verlassen. Als diese nun einen Gesprächstermin bei ihm wahrnimmt, klärt er sie über sein Vorhaben auf. Babsi möchte zum Abschied noch einmal mit ihm schlafen, was Hanno natürlich nicht ablehnen kann. – Das sich nun, in seinem Arbeitszimmer, darbietende Schauspiel wird von fünf Bauarbeitern beobachtet, die auf einem Gerüst stehend Beifall klatschen.
Hanno ist folglich besorgt, dass durch diese Bauarbeiter Gerüchte über ihn und Babsi verbreitet werden, die dann seiner Frau Gabrielle zugetragen würden.

Babsi bricht ihr Soziologie-Studium ab, um sich dem Theater zuzuwenden. Sie bekommt zunächst die Hauptrolle in einer modernen Fassung des Theaterstücks „Medea“, in welchem sie eine Studentin spielen soll, die von ihrem Professor vergewaltigt wurde. – Bei einer Theaterprobe spielt sie die entsprechende Szene und bricht danach zusammen, als sie berichtet, dass sie vor kurzem erst von einem Hochschullehrer vergewaltigt wurde. – Sie glaubt, mit dieser Aussage ihrer Karriere einen Anstoß gegeben zu haben und hofft auf begeisterte Anteilnahme. – Die jedoch bleibt aus, zumindest in der von Babsi erwünschten Form. Sie verliert die Hauptrolle und wird aufgrund ihres Nervenzusammenbruchs sofort in die Psychiatrie eingeliefert.

Die Ereignisse überschlagen sich und die Dinge nehmen ihren unhaltbaren Lauf. Eine Reihe von Intrigen werden gesponnen, Verdächtigungen werden hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Schließlich gerät Hanno Hackmann ins Zentrum der Gerüchte. Er wird verdächtigt, der gesuchte Täter zu sein.
Alle Versuche von Babsi, ihre Aussage zu revidieren, werden nicht mehr hinreichend beachtet. Längst hat der Fall zu viele Interessenten gefunden, die mittels falscher Verdächtigungen, Bestechungen und Verleumdungen ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen.

Wie es weitergeht mit Prof. Hackmann, ob er seine Unschuld beweisen kann, und was mit Babsi geschieht, und wer sonst noch seine Finger im Spiel hat, wird hier natürlich nicht verraten.

„Der Campus“ ist ein überaus intelligenter Roman, verfasst in der gewohnt brillanten Sprache von Dietrich Schwanitz.
Empfehlenswert ist dieses Buch mindestens für jene Menschen, die selbst an einer Universität studieren oder vorhaben, das zu tun. Besonders geeignet erscheint mir der besprochene Roman für Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften, weil diese neben der Freude am Roman auch noch das fachliche involviert sein des Autoren Schwanitz genießen können.


Schwanitz, Dietrich (1995): Der Campus
Goldmann-Verlag
ISBN 3-442-43349-5
Neupreis: 14,90 DM

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