Erfahrungsbericht von mackz
Dieses Buch sollte man nicht lesen
Pro:
offener kann ein Deutscher zur Zeit nicht schreiben
Kontra:
es reißt zuviel einfach nur an
Empfehlung:
Nein
...man sollte es vorlesen.
Es bricht und spricht mit so vielen Tabus, daß es laut ausgesprochen gehört, denn um den heißen Brei sind wir zu lange von Büchern und Autoren geführt worden.
Um welches Buch geht es eigentlich: Der Vorleser von Bernhard Schlink
Auch wenn fast alle Schulkassen nun schon seit zwei Jahren mit diesem Buch konfrontiert und gefordert werden, soll es hier noch einmal aufgeschlagen werden. Die Buchmesse läuft, Verleger und Autoren reichen sich die Hände - einer dem besonders häufig die Hände geschüttelt werden ist B. Schlink. Garantierter Erfolgsautor, der jedes Thema, das er anfäßt zu einem gängigen Thema macht.
Und so geht es auch im Vorleser um alles das, was uns in der Form auf- und vielleicht auch abschreckt, aber im Inhalt vertraut und eigen begegnet:
Um die Liebe eines 15jährigen mit einer 36jährigen, um das Erwachsenwerden und doch im Kind verhaftet bleiben, um Schuld und Scham zwischen sich Liebenden, zwischen Erziehenden und Erzogenen und es geht wiedereinmal in einem deutschen Roman um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus.
Dabei schreibt Bernhard Schlink als hitziger 15jähriger, der voller Erwartung der nahenden Liebesnächte auf den Treppenstufen vor der Wohnung der Geliebten wartet, und gleichzeitig schreibt er, als der zurückschauende und über sein Leben nachsinnende Alte, der sich der Hitze noch erinnert, aber oft nicht mehr wissen kann warum.
Und so wird kaum einer das Buch zur Hand nehmen und zwanzig Seiten lesen ohne nicht aufzuschauen und in sich zu gehen und nach dem zu schauen, worauf Schlink den Finger legt. Die Enttäuschung über das Verpaßte und Verpatzte, die Lust über das Erlebte und Erliebte und die Ohnmacht über das nicht Verstandene und das immer noch nicht Verstehen.
Was bei anderen Autoren dabei als Moralpredigt und ethische Erziehung anödet, das erzählt der Vorleser hier in einer Art und Weise, daß man ihn über alles reden hören möchte.
Seine Anziehung liegt nicht in der besonderen Formulierung alter Weisheiten, sondern in dem Licht, indem er scheinbar alte, überlesene Themen neu erscheinen und andere Schatten werfen läßt.
Und genau darin liegt der einzige Wermutstropfen dieses hervorragenden Romans:
Schlink reißt zu viel an um es am Ende auflösen zu können.
Man kann dem Tempo der Handlung folgen, dem der Emotionen kaum.
So läßt das Buch vieles offen, das gewollt zum Weiterdenken führt und ungewollt über das Angesprochensein nicht hinausgeht.
Und doch ist es gut, daß es zumindest einmal aus- und angesprochen wurde.
Euer Mackz
P.S. Für die Formalisten:
Titel: \"Der Vorleser\"
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes TB
Preis: 14,90
Es bricht und spricht mit so vielen Tabus, daß es laut ausgesprochen gehört, denn um den heißen Brei sind wir zu lange von Büchern und Autoren geführt worden.
Um welches Buch geht es eigentlich: Der Vorleser von Bernhard Schlink
Auch wenn fast alle Schulkassen nun schon seit zwei Jahren mit diesem Buch konfrontiert und gefordert werden, soll es hier noch einmal aufgeschlagen werden. Die Buchmesse läuft, Verleger und Autoren reichen sich die Hände - einer dem besonders häufig die Hände geschüttelt werden ist B. Schlink. Garantierter Erfolgsautor, der jedes Thema, das er anfäßt zu einem gängigen Thema macht.
Und so geht es auch im Vorleser um alles das, was uns in der Form auf- und vielleicht auch abschreckt, aber im Inhalt vertraut und eigen begegnet:
Um die Liebe eines 15jährigen mit einer 36jährigen, um das Erwachsenwerden und doch im Kind verhaftet bleiben, um Schuld und Scham zwischen sich Liebenden, zwischen Erziehenden und Erzogenen und es geht wiedereinmal in einem deutschen Roman um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus.
Dabei schreibt Bernhard Schlink als hitziger 15jähriger, der voller Erwartung der nahenden Liebesnächte auf den Treppenstufen vor der Wohnung der Geliebten wartet, und gleichzeitig schreibt er, als der zurückschauende und über sein Leben nachsinnende Alte, der sich der Hitze noch erinnert, aber oft nicht mehr wissen kann warum.
Und so wird kaum einer das Buch zur Hand nehmen und zwanzig Seiten lesen ohne nicht aufzuschauen und in sich zu gehen und nach dem zu schauen, worauf Schlink den Finger legt. Die Enttäuschung über das Verpaßte und Verpatzte, die Lust über das Erlebte und Erliebte und die Ohnmacht über das nicht Verstandene und das immer noch nicht Verstehen.
Was bei anderen Autoren dabei als Moralpredigt und ethische Erziehung anödet, das erzählt der Vorleser hier in einer Art und Weise, daß man ihn über alles reden hören möchte.
Seine Anziehung liegt nicht in der besonderen Formulierung alter Weisheiten, sondern in dem Licht, indem er scheinbar alte, überlesene Themen neu erscheinen und andere Schatten werfen läßt.
Und genau darin liegt der einzige Wermutstropfen dieses hervorragenden Romans:
Schlink reißt zu viel an um es am Ende auflösen zu können.
Man kann dem Tempo der Handlung folgen, dem der Emotionen kaum.
So läßt das Buch vieles offen, das gewollt zum Weiterdenken führt und ungewollt über das Angesprochensein nicht hinausgeht.
Und doch ist es gut, daß es zumindest einmal aus- und angesprochen wurde.
Euer Mackz
P.S. Für die Formalisten:
Titel: \"Der Vorleser\"
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes TB
Preis: 14,90
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