Erfahrungsbericht von Raileigh
Das Auge des keltischen Tigers - Ralf Sotscheck
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Ralf Sotscheck ist Ire.
Das stimmt nicht ganz. Er ist seit mehreren Jahren irischer Staatsbürger. Er liebt dieses Land, hat dort geheiratet und lebt nun als deutscher Ire unter Iren.
Ralf Sotscheck ist Journalist. Ein guter Beruf, um seinen ehemaligen Landsleuten in Deutschland vom Leben in seinem Lieblingsland teilhaben zu lassen.
Dies tut er vornehmlich als Kolumnist der Berliner Tageszeitung "die tageszeitung", kurz "taz".
Wenn er genug zusammenkolumniert hat, erscheinen seine Reise- und Lebensbeobachtungen in Buchform und dann kann man sich von den kauzigen, aber häufig auch wenig gemütlichen und verbitterten Iren ein Bild machen.
2000 erschien die Kolumnensammlung "Das Auge des keltischen Tigers". Ein verhältnismäßig dünnes, aber lesenswertes Büchlein.
"Der keltische Tiger" so nennt man den wirtschaftlichen Aufschwung , der Irland vor einigen Jahren ereilte und der bis heute anhält.
Sotscheck berichtet von den Gewinnern, den Multimedia- und Computerfirmen, die ihre europäischen Filialen nach Irland verlegt haben. Von der Firma Guinness, der größten und ertragreichsten Brauerei der Welt.
Aber mehr Aufmerksamkeit widmet er den Verlierern des Aufschwungs, den Problemen in den Trabantenstädten und Vororten, die ihre eigene Autonomie, besser ihr eigenes Chaos zum Gesetz gemacht haben und in denen sich selbst: "... die Rottweiler nur paarweise durch die Strassen trauen..."
Er berichtet von den irischen Unabhängigkeitsaufständen und den Gefängnissen, Politikern und Rebellen. Historische Fakten, die er souverän und beispielreich erklärt.
Richtig ärgerlich wird er, wenn er sich über die von ihm gehasste Steptanzeuphorie á la Riverdance auslässt. Das tut gut, denn an dieser Stelle hat Sotscheck den Biss und den Witz, mit dem er sich in der Anfangsphase seiner Irlandbeschreibungen vor knapp zehn Jahren in meine Favoritenliste schrieb. Sotscheck zählt für mich bis heute zu den Reportern, die nicht nur professionell mit dem Kopf wackeln, wenn sie im abgehackten Tonfall des Profijournalisten Statement abliefern, sondern, der ein feines Gespür für den Alltag und das Leben der Menschen um ihn herum besitzt und dieses mit dem Leser teilt.
Ein kurzes und ein kurzweiliges Buch, das eine nicht all zu lange Zugfahrt noch kürzer macht.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-13 21:32:21 mit dem Titel Ralf Sotscheck - Whysky, Seetang und karierte Röcke
Meist kann der fremde Betrachter im Alltäglichen der Fremde mehr entdecken, als der Ortsansässige.
Ralf Sotscheck ist Irlandkorrespondent und Kolumnist für die Berliner Tageszeitung. Er befindet sich selbst an der Grenze zwischen fremd und ortsansässig. Vor einigen Jahren ließ er sich einirländern. Jetzt lebt er dort, beobachtet und schreibt.
Einige Bücher mit Betrachtungen aus seiner neuen irischen Heimat sind bereits erschienen, feinfühlig beobachtete Alltagssituationen und kauziges, zuweilen groteskes Geschehen, das selbst für die Insulaner ungewöhnlich erscheinen mag. Allerdings bleibt er seinen neuen Landsmännern gegenüber jovial und streicht immer wieder die sehr realen Probleme heraus, die der Ire damit hat, Ire zu sein.
Kürzlich verschlug es Ralf Sotscheck in den Norden der Nachbarinsel, der britischen. Er probierte etwas vom schottischen Whisky und bekam einiges über die Probleme mit, die nun wiederum der Schotte damit hat, Schotte zu sein.
Zunächst ist da der Wunsch nach Unabhängigkeit von den Engländern. Dieses Problem kämpfen die Schotten bereits seit Jahrhunderten aus. William Wallace ist auch heute noch einer der größten Nationalhelden Schottlands, aber auch Sean Connery ist sehr beliebt. Immerhin ist er das prominenteste und für schottische Verhältnisse spendenfreudigste Mitglied der schottischen Nationalpartei.
Dann spielt, wie wir von Sotscheck hören, natürlich auch die hohe Arbeitslosigkeit eine Rolle, aber die würden sie schon in den Griff bekommen, wenn sie unabhängig oder zumindest unabhängiger wären. Schließlich war es Maggy Thatcher die, bis auf ein einziges, sämtliche schottischen Kohlebergwerke schließen lies.
Auch die durch London verwalteten Nordsee-Ölreserven, die neben dem Scotch Großbritanniens wichtigste Einnahmequellen sind, brennt auf der Seele des Schotten, wie der Scotch auf der Zunge. Lediglich Nessis Unzuverlässigkeit bei Fototerminen kreiden sie der Regierung in London nicht unmittelbar an.
Sotschecks Momentaufnahmen, sind wie kleine, in Worte gerahmte Fotos vom verregneten Land der Clans. Er ist allerdings, so entsteht der Eindruck etwas zu eilig durch die High- and Lowlands gereist. Die Geschichten, die er niederschrieb, hätten ruhig etwas ausführlicher sein können. Manchen Menschen, den er beschrieb, hätte ich gern ein wenig genauer kennengelernt.
Erschienen bei Picus-Lesereisen
ISBN 3-85452-721-7
Das stimmt nicht ganz. Er ist seit mehreren Jahren irischer Staatsbürger. Er liebt dieses Land, hat dort geheiratet und lebt nun als deutscher Ire unter Iren.
Ralf Sotscheck ist Journalist. Ein guter Beruf, um seinen ehemaligen Landsleuten in Deutschland vom Leben in seinem Lieblingsland teilhaben zu lassen.
Dies tut er vornehmlich als Kolumnist der Berliner Tageszeitung "die tageszeitung", kurz "taz".
Wenn er genug zusammenkolumniert hat, erscheinen seine Reise- und Lebensbeobachtungen in Buchform und dann kann man sich von den kauzigen, aber häufig auch wenig gemütlichen und verbitterten Iren ein Bild machen.
2000 erschien die Kolumnensammlung "Das Auge des keltischen Tigers". Ein verhältnismäßig dünnes, aber lesenswertes Büchlein.
"Der keltische Tiger" so nennt man den wirtschaftlichen Aufschwung , der Irland vor einigen Jahren ereilte und der bis heute anhält.
Sotscheck berichtet von den Gewinnern, den Multimedia- und Computerfirmen, die ihre europäischen Filialen nach Irland verlegt haben. Von der Firma Guinness, der größten und ertragreichsten Brauerei der Welt.
Aber mehr Aufmerksamkeit widmet er den Verlierern des Aufschwungs, den Problemen in den Trabantenstädten und Vororten, die ihre eigene Autonomie, besser ihr eigenes Chaos zum Gesetz gemacht haben und in denen sich selbst: "... die Rottweiler nur paarweise durch die Strassen trauen..."
Er berichtet von den irischen Unabhängigkeitsaufständen und den Gefängnissen, Politikern und Rebellen. Historische Fakten, die er souverän und beispielreich erklärt.
Richtig ärgerlich wird er, wenn er sich über die von ihm gehasste Steptanzeuphorie á la Riverdance auslässt. Das tut gut, denn an dieser Stelle hat Sotscheck den Biss und den Witz, mit dem er sich in der Anfangsphase seiner Irlandbeschreibungen vor knapp zehn Jahren in meine Favoritenliste schrieb. Sotscheck zählt für mich bis heute zu den Reportern, die nicht nur professionell mit dem Kopf wackeln, wenn sie im abgehackten Tonfall des Profijournalisten Statement abliefern, sondern, der ein feines Gespür für den Alltag und das Leben der Menschen um ihn herum besitzt und dieses mit dem Leser teilt.
Ein kurzes und ein kurzweiliges Buch, das eine nicht all zu lange Zugfahrt noch kürzer macht.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-13 21:32:21 mit dem Titel Ralf Sotscheck - Whysky, Seetang und karierte Röcke
Meist kann der fremde Betrachter im Alltäglichen der Fremde mehr entdecken, als der Ortsansässige.
Ralf Sotscheck ist Irlandkorrespondent und Kolumnist für die Berliner Tageszeitung. Er befindet sich selbst an der Grenze zwischen fremd und ortsansässig. Vor einigen Jahren ließ er sich einirländern. Jetzt lebt er dort, beobachtet und schreibt.
Einige Bücher mit Betrachtungen aus seiner neuen irischen Heimat sind bereits erschienen, feinfühlig beobachtete Alltagssituationen und kauziges, zuweilen groteskes Geschehen, das selbst für die Insulaner ungewöhnlich erscheinen mag. Allerdings bleibt er seinen neuen Landsmännern gegenüber jovial und streicht immer wieder die sehr realen Probleme heraus, die der Ire damit hat, Ire zu sein.
Kürzlich verschlug es Ralf Sotscheck in den Norden der Nachbarinsel, der britischen. Er probierte etwas vom schottischen Whisky und bekam einiges über die Probleme mit, die nun wiederum der Schotte damit hat, Schotte zu sein.
Zunächst ist da der Wunsch nach Unabhängigkeit von den Engländern. Dieses Problem kämpfen die Schotten bereits seit Jahrhunderten aus. William Wallace ist auch heute noch einer der größten Nationalhelden Schottlands, aber auch Sean Connery ist sehr beliebt. Immerhin ist er das prominenteste und für schottische Verhältnisse spendenfreudigste Mitglied der schottischen Nationalpartei.
Dann spielt, wie wir von Sotscheck hören, natürlich auch die hohe Arbeitslosigkeit eine Rolle, aber die würden sie schon in den Griff bekommen, wenn sie unabhängig oder zumindest unabhängiger wären. Schließlich war es Maggy Thatcher die, bis auf ein einziges, sämtliche schottischen Kohlebergwerke schließen lies.
Auch die durch London verwalteten Nordsee-Ölreserven, die neben dem Scotch Großbritanniens wichtigste Einnahmequellen sind, brennt auf der Seele des Schotten, wie der Scotch auf der Zunge. Lediglich Nessis Unzuverlässigkeit bei Fototerminen kreiden sie der Regierung in London nicht unmittelbar an.
Sotschecks Momentaufnahmen, sind wie kleine, in Worte gerahmte Fotos vom verregneten Land der Clans. Er ist allerdings, so entsteht der Eindruck etwas zu eilig durch die High- and Lowlands gereist. Die Geschichten, die er niederschrieb, hätten ruhig etwas ausführlicher sein können. Manchen Menschen, den er beschrieb, hätte ich gern ein wenig genauer kennengelernt.
Erschienen bei Picus-Lesereisen
ISBN 3-85452-721-7
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