Mehr zum Thema Bücher über Religion Testbericht

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Erfahrungsbericht von fishbrain

Ein Buch mit sieben Siegeln?

Pro:

leicht zu lesen

Kontra:

abstruse Theorien

Empfehlung:

Nein

Ich bespreche das Buch "Der Bibel Code" von Michael Drosnin.

Nachdem ich aus dem Bekanntenkreis mehrfach auf das Buch hingewiesen wurde und es mir als super tolles Buch beschrieben wurde, habe ich es mir mal ausgeliehen und gelesen.

Ich muß gestehen, daß meinen Meinung zu dem Buch schon im Vorfeld durch verschiedene Schilderungen nicht die Beste war und ich deshalb sehr skeptisch und kritisch an die Lektüre heran trat.


Inhalt
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Michael Drosnin schildert in diesem Buch, wie durch Anwendung eines bestimmten Verfahrens aus der Bibel (genauer die Thora) Prophezeiungen gelesen werden können. Nach der Darstellung könnten alle Ereignisse, religiös wie weltlich aus der Bibel vorhergesagt werden. Noch mehr: diese Vorhersagen sind quasi in der Bibel schon getroffen und vorkodiert. Sie müssen nur noch gefunden und gelesen werden.
Diese Vorhersagen und die Decodierung sind in Zusammenarbeit mit dem Israelischen Mathematiker Eliyahu Rips entstanden, der diese Entdeckung schon 1994 veröffentlichte.

Der Autor schildert anhand einiger Beispiele, wie diese Vorhersagen getroffen wurden und zeigt, daß alle Ereignisse in Wissenschaft (z.B. der Meteor-Einschlag Shoemaker-Levi 9 auf Jupiter), Politik (Ermordung Kenedy?s) und Weltgeschehen (Entführungen usw.) bereits vor 3000 Jahren in der Bibel kodiert wurden.

Letztendlich kommt der Autor zu dem Schluß, daß die Apokalypse begonnen hat. Begründet wird dies auch durch den Bibel Code und die entsprechend interpretierten Klartext-Bibelstellen.
Interpretiert wird es so, daß ...am Ende der Zeit das Buch mit den sieben Siegeln geöffnet wird..., diesen Vorgang, das öffnen des Buches mit den sieben Siegeln nimmt der Autor mit dem Bibel Code für sich in Anspruch.


Das Verfahren
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Es kommen zu Entschlüsselung des Bibel Codes im Wesentlichen 3 Verfahren zur Anwedung:

1. Das Verfahren der \"konstanten Buchstabenfolge\"
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Zunächst wird der (geprüfte) Thora -Text ab Diskette in den Computer eingelesen. Dabei werden alle Leerstellen zwischen den Wörtern und Kapiteln eliminiert. Auf diese Weise entsteht eine \"zweidimensionale Reihe\" von insgesamt 304\'805 hebräischen Buchstaben. Nun werden daraus neue Buchstabenketten gebildet, indem alle x-ten Buchstaben ( also beispielsweise jeder vierte oder jeder zwölfte oder auch jeder 2\'378. Buchstabe) \"heraus gepickt\" und aneinandergereiht wird. Diese Buchstabenreihen wird dann computermäßig darauf abgesucht, ob in ihnen bestimmte vorgegebene Wörter zusammenhängend auftreten, also beispielsweise die achtbuchstabige Sequenz J-Ts-Ch-Q- R-B-J-N für \"Jitzhak Rabin\". Allein zum Suchen dieses Namens stehen somit außer der Grundreihe noch 38\'100 weitere Buchstabenreihen mit einem Inhalt von 8 bis 152\'402 Zeichen als Ausgangsfeld zur Verfügung.

2. Das Verfahren der bustrophedonen Matrix
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Eine ganz erhebliche Erweiterung des Suchfeldes besteht nun darin, daß eine beliebige Zeilenlänge zwischen 2 und 152\'402 Buchstaben festgelegt wird. Am Ende jeder Zeile wird der restliche Datenstrang abgeknickt und gegenläufig unter der jeweils vorangehenden Zeile plaziert. Das Ergebnis ist jeweils eine bustrophedone Matrix (Zickzackband) mit stets 304\'805 Buchstaben Inhalt, die sich jedoch bei jeder neuen Zeilenlänge in ihrer vertikalen Zusammensetzung vollständig verändert. Die letzte Zeile wird jeweils vom verbleibenden Rest gebildet. Jeder Buchstabe besitzt in einer solchen Matrix ein kleines quadratisches Feld wie in einem Kreuzworträtsel. Deshalb kann nun ein vorgegebenes Suchwort zusätzlich auch noch vertikal oder diagonal zu finden sein und das jeweils noch vor- oder rückwärts sowie auch hier mit konstanten Zwischenräumen. Das Suchfeld erweitert sich auf diese Weise ins schier Unermeßliche.

3. Das Verfahren des \"spiralförmigen Zylinders\"
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Schließlich wurde noch ein Sonderfall konstruiert, um die Suchfeld-Möglichkeiten nahezu vollständig auszureizen [Drosnin 249]. Hierbei wird die Matrix wie ein Blatt Papier zylindrisch derart zu einer Röhre geformt, daß sich der rechte und der linke Rand berühren. Damit können nun Suchbegriffe auch noch \"über den Rand hinaus\" aufgespürt werden.


Die Glaubwürdigkeit
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Die ersten 100 Seiten des Buches beschäfigen sich mit der Geschichte der ?Entdeckung? des Codes, sowie des Beleges, daß der Code auch stimmt. Hierbei werden Beispiele aus der jüngeren Geschichte gewählt, vom 2. Weltkrieg über das Kenedy-Attentat bis zur Ermordung Rabins usw., welche dann anhand der beschriebenen Verfahren aus der Bibel herausgelesen werden.
Hier hat mich gestört, daß über 100 Seiten immer wieder die gleichen Ereignisse und Begebenheiten strapaziert werden und die Argumentation sich im Kreise dreht.

Dann wird es aber spannend. Es kommen Begründungen, daß der Bibel wohl von außerirdischen Intelligenzen mit einem höheren Wissen geschrieben sein muß, und diese uns diesen Code mitgegeben haben, daß wir ihn zu gegebener Zeit, also nun, da wir die Aufgabe mit Computern lösen können, entschlüsseln können.
Das Buch wird ab hier immer abgedrehter und erinnerte mich an diverse Mutmaßungen von Erich von Däniken und ähnlichen Phantasten.

Dabei wird dann durch immer wildere Verfahren (siehe zweiter Abschnitt: Das Verfahren) und statistische Spielereien versucht die Annahmen zu belegen.

Das Buch wird zum Ende hin für mich immer unglaubwürdiger und ich wurde in meinen anfänglichen Zweifen bestätigt.


Viel Wirbel
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Die Theorien, die in dem Buch aufgestellt wurden, haben viel Aufsehen erregt, da für das Buch ja auch ganz gut die PR-Trommel gerührt wurde. Weltweit haben sich Mathematiker dran gemacht und habe versucht das Verfahren zu bestätigen oder zu widerlegen.

Hierbei wurde das Verfahren zwar statistisch belegt, das heißt aber noch nichts. Die Aussage ist vielmehr die, daß auf der Basis der Wahrscheinlichkeitsrechnung der Sache nicht bei zu kommen ist.
Andere Wissenschaftler behaupten (ich habe es natürlich nicht nachgerechnet), daß man so wie in dem Bibel Code die Apokalypse oder der Kenedy-Mord vorhergesagt werden auch in einem beliebigen chinesischen Text das Rezept für \'Ente à l\'orange\' entdeckt werden könne.

Weitere Arbeiten belegen, daß bei der versuchten Decodierung der Bibel viel Fehler und willkürliche Annahmen gemacht wurden, um auf das gewünschte Ergebnis zu kommen.


Fazit
*****
Wenn man mit dem nötigen Abstand und kritisch an das Buch herangeht ist es meiner Meinung nach eine recht amüsante Lektüre, die mitunter ziemlich abstruse Theorien hervorbringt.
Gefährlich wird es, wenn man das geschickt vermarktete Buch ernst nimmt.
Weltuntergangsprophezeiungen gab es schon viele. Eingetreten ist bisher keine.
Ich bin weder sehr religiös, noch ausgesprochener Atheist. Vielmehr setze ich mich mit Religion und religiösen Themen kritisch auseinander. Diesen Buch hat nach meiner Auffassung aber keine religiöse Bedeutung, sondern ist lediglich der Versuch mit geschicktem PR-Wirbel eine wilde Theorie zu vermarkten. Ich fühlte mich teilweise an Verschwörungstheorien und Auserirdische-Geschichten erinnert. Von seriöser Literatur ist das Buch weit entfert.

Interessant zu lesen ist das Buch, deshalb spreche ich ein bedingte Empfehlung aus. Ernst nehmen sollte man es nicht. Geschrieben ist es in der Form einer Reportage (der Autor ist Journalist) und liest sich deshalb auch sehr flüssig.

Ich hatte die Taschenbuchausgabe aus dem Heyne-Verlag, 282 Seiten, ISBN 3453151674

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