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Erfahrungsbericht von Tut_Ench_Amun
Das Boot / Lothar-Günther Buchheim
Pro:
Einige durchaus interessante Passagen, stimmungsvoll
Kontra:
Zu sehr in die Länge gezogen
Empfehlung:
Ja
Wohl kaum jemand kennt ihn nicht, einen der bedeutendsten Filme der deutschen Geschichte, der sogar international Anerkennung fand, die Rede ist natürlich von „Das Boot“, dessen Verfilmung von Lothar-Günther Buchheims Roman über das U-Boot U96 so manchem Schauspieler den wohlverdienten Durchbruch verschaffte. Doch besser als der Film ist meist...na was? Klar, das Buch natürlich!... In Kontakt mit dem Stoff kam ich wie die meisten anderen auch durch den besagten Film und das bereits im zarten Schulalter, als der dreiteilige Fernsehfilm (zu je etwa 2 Stunden) erstmals 1982 in den dritten Programmen über die Schirme flimmerte. Du meine Güte, was haben wir damals auf dem Schulhof gefachsimpelt! Es sollte aber einige Jahre dauern, bis ich - als stadtbekannte und erklärte Leseratte - auch die literarische Grundlage endlich zur Hand nehmen sollte, seither sehe ich den Fernsehfilm und den neueren (aber dafür kürzeren) Director’s Cut nicht weniger gern, doch mit etwas anderen Augen und mit mehr Hintergrundwissen. Dazu muss man sagen, dass ich an Seefahrt generell und speziell U-Booten eh nen Narren gefressen habe, daher findet sich in meinem heimischen Buchregal auch einige Sekundärliteratur zum Thema und nicht alle Autoren von Geschichts- und Sachbüchern (meist selbst Kapitäne oder wenigstens ehemalige U-Boot Fahrer) sind gut auf Buchheim zu sprechen und brandmarken „Das Boot“ als zu übertrieben und unsachlich. Tauchen wir buchstäblich ab und finden raus, was es trotz der Kritik dieser Herren lesenswert macht... ;-)
Der Autor
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Buchheim ist Jahrgang 1918, in Weimar geboren und galt schon als 14 jähriger als künstlerisches Talent und Wunderkind. Seine Kindheit verbrachte er in Chemnitz, machte Abitur und studierte später Kunst in Dresden. Bereits in seiner Jugend waren seine Zeichnungen und Malerarbeiten in diversen Zeitungen und Kollektiv-Ausstellungen anzutreffen. Heute unterhält er einer der grössten privaten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus in seinem Wahl-Heimatort Feldafing. Kurz nach dem Krieg eröffnete er eine Kunstwerstätte und Kunstgalerie - 1951 hob er sogar einen eigenen Kunst-Verlag aus der Taufe. Während des Krieges diente der schon immer maritim interessierte Buchheim als Marinekriegsberichter auf diversen Schiffen, von Minenräum- und Schnellbooten über Zerstörer bis eben hin zu den U-Booten, die ihm dann letztendlich auch den heutigen Ruhm und natürlich den Stoff für seine zahlreichen Bücher bescherten. Diese Art der Vergangenheitsbewältigung ist aber nicht sein gesamtes literarisches Schaffen, er verfasste auch schon einige Standardwerke über Kunst, speziell des Expressionismus. Gerade aber seine beinahe autobiographischen Romane in denen er seine Fahrten und Erlebnisse auf Schiffen im und nach dem Krieg verarbeitet, sind nicht unumstritten und stiessen gerade bei einigen seiner ehemaligen Kameraden auf teils weniger Gegenliebe...wie sagt er schon selbst im Vorwort?: „Dies ist ein Roman - aber kein Werk der Fiktion“. Einige Veteranen sehen das etwas anders... ;-)
Der Streckbrief
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Titel: „Das Boot“
Autor: Lothar-Günther Buchheim
Genre: (teils autobiographischer) Kriegs-Roman
Ersterscheinungsjahr: 1973
Verlag: PIPER - München
Seiten: 604 (HC)
ISBN (HC): 3-492-02175-1
ISBN (TB): 3-492-21800-8
Preis: 9,90 € (Paperback), 19,90 € (Gebunden)
Die Story
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Saint Nazaire, Nordfrankreich - Herbst/Winter 1941:
Der Roman beginnt, wie auch der Film mit der Anfahrt des Kriegsberichters Leutnant Werner, dem „Alten“ (dem Kommandanten von U-96) und dem LI (Leitender Ingenieur) des Bootes auf St. Nazaire, wo Leutnant Werner als Gast des BdU auf dem U-Boot mitfahren soll. Sie werden bereits auf dem Weg über die Landstrasse in die Stadt zur „Bar Royal“ von volltrunkenen Teilen der Mannschaft in ihrem Wagen belästigt. Klartext: sie werden angepöbelt und angepinkelt - was der Kommandant jedoch nur lakonisch kommentiert. Der „Alte“ wird dem Leser als stoischer, ruhiger Dreissigjähriger präsentiert, der aber durch das Erlebte aussieht, als wäre er schon weit über 40. Ganz besonders deutlich wird sein Charakter, als er später am Abend in der besagten Bar nicht - wie so viele andere - dem Suff verfällt, sondern als ruhender Pol das stattfindende und gegen Ende immer mehr ausufernde Gelage der zurückgekehrten „Seehelden“ über sich ergehen lässt. Man ist ausgelassen und überspielt den eigenen Schiss mit demonstrativ zur Schau gestelltem Optimismus und noch mehr Alkohol - Das Leben der U-Besatzungen wird in diesen Tagen des Krieges immer schwerer: die Briten stellen sich auf die U-Boote ein, haben neue Messmethoden sie aufzuspüren und greifen mit Bombern beinahe unablässig die deutschen Marinestützpunkte an der französischen Küste an...Allein wer lebend von der Feindfahrt zurückkehrt ist schon ein Held, wer auch noch Versenkungen aufzuweisen hat, kann sich des Ritterkreuzes schon beinahe sicher sein.
Die Versenkungen durch die U-Waffe nehmen in dieser Phase des Krieges rapide ab, teils durch das von den Alliierten eingeführte Konvoi-System - mit Begleitzerstörern, die über Unterwasserortung (ASDIC) verfügen - teils durch unerfahrene, frisch von der Ausbildung kommende Kommandanten ohne Fronterfahrung. Zudem ist oft die Technik der stählernen Särge von Fehlfunktionen geschüttelt, Torpedos detonieren nicht und allerhand geht an Bord aus diversen Gründen „einfach so“ zu Bruch - ganz zu schweigen von den durch pausenlose Einsätze verbrauchten Mannschaften, einerseits durch nervenaufreibenden, oft wochenlangen Gammeldienst auf Patrouille ohne Feindkontakt oder eben das genaue Gegenteil: Nicht enden wollende Wasserbombenteppiche durchgeschüttelt. Kein Wunder dass die Crews nervlich verständlicherweise vollkommen platt sind. Hinzu kommt natürlich die gnadenlose Enge und hygienische Ausnahmezustand nach unzähligen Seetagen an Bord eines U-Boots. Kurzum: Mensch und Material sind an der absoluten Belastungsgrenze, manchmal sogar bereits weit jenseits davon. Da aber die U-Waffe Hitlers und Dönitz’ liebstes Prestige-Objekt ist, kommen solche Marinekriegsberichter wie Leutnant Werner (das Alter-Ego Buchheims) als Propaganda-Lieferanten zum Einsatz, man will an der Heimatfront ein möglichst gutes Bild präsentieren. Der Leser begleitet den jungen Leutnant mit U-96 auf einer „typischen“ Feindfahrt in den Atlantik - quer durch das volle Programm des gnadenlosen U-Boot Krieges...
Pharaos Meinung
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Pate für das Material des Romans stehen Buchheims reale Erlebnisse in der deutschen Kriegsmarine (auch auf U96, richtiger müsste es aber heissen: UA), allerdings ist ihm aus berufenen Mündern schon oft der Vorwurf gemacht worden, er betreibe Geschichtsverfälschung. „Das Boot“ ist ein Sammelsurium aus Buchheims gesammelten Erfahrungen im (See-)Krieg und alle die kleinen Geschichtchen und Personen rund um das legendäre U-Boot gehören nicht wirklich alle hierher, sondern sind vom Autor in Romanform nur auf U96 vereint worden.. Die Figur des „Alten“ ist seine Hommage an den Kapitänleutnant, der das betreffende Boot als Buchheim darauf Dienst tat befehligte, doch auch dieser weist einige der geschilderten Vorfälle ins Reich der Phantasie und Übertreibung. Hervorzuheben ist beispielsweise der „Gibraltar-Unfall“ (eine dramatische Schlüsselstelle im Roman sowie im Film), dort sollen sich die Ereignisse weit weniger tragisch und nicht so spektakulär abgespielt haben, als Buchheim sie ausführt - das lässt sich im Nachhinein nur schwerlich belegen, was aber Fakt ist: Das Meer an dieser Stelle ist flach und nicht 300 Meter tief, hier hat Buchheim offensichtlich und eindeutig viel zu dick aufgetragen. Fragt sich wo noch? Insofern tat er jedenfalls gut daran, das Buch nicht als biographisches Werk zu labeln, sondern als „Roman“, wenn er auch steif und fest behauptet, die Begebenheiten seien keine Fiktion - so hat man immer eine passende Entschuldigung parat, wenn mal etwas historisch nicht ganz akkurat beschrieben wird ;-)
Man merkt Buchheim aber an, dass er sich mit der Seefahrt und den technischen Hintergründen exzellent auskennt, Leser, die keine Ahnung vom Bord-Jargon und auch maritimen Begriffen haben, werden den Text eventuell als etwas holperig empfinden - er geht sehr ins seemännische Detail und bedient sich Ausdrücken, die nicht jeder Landratte geläufig sein dürften. Gottseidank befindet sich aber am Ende des Buches ein Glossar, sodass man dort im Zweifelsfall nachschlagen kann, was der eine oder andere Begriff bedeutet. Ansonsten ist der Schreibstil sehr bildhaft-blumig - dann wieder kontrastierend deutlich vulgär - und reich an Ironie, die streckenweise sogar als überzogen heiter zu bezeichnen ist. Die handelnden Charaktere sind sehr ebenfalls detailliert ausgeführt, weswegen mir auch klar ist, warum so einige seiner alten Kameraden aufheulten (die werden sich wohl wiedererkannt haben *g*), wer sieht sich schon gerne als ungewaschener, stets zotenreissender Haudegen und somit Anti-Held beschrieben, von denen das Buch nur so strotzt? Also ich wär auch nicht glücklich darüber so unvorteilhaft wegzukommen ;-).
In meinen Augen sind die dargestellten Personen dennoch realistisch und überaus glaubhaft in ihrem Verhalten in diesen Ausnahmesituationen, die hier beschrieben werden - ich hab keinen Zweifel, dass Buchheim der psychologischen Wahrheit des U-Krieges hier zumindest sehr nahe kommt, auch wenn die ein oder andere Konversation, Figur und Vorfall vielleicht erfunden- oder nicht auf eben diesem Boot geschehen - sein mag. Nebenbei erfährt man auch eine Menge Wissenswertes über U-Boote, deren Technik an sich und im Speziellen natürlich über den legendären Typ VII-C, dem U96 angehört - Buchheim beschreibt gerade während der ansonsten langatmigen ersten 200 Seiten, wo die Mannschaft ohne Feindkontakt Gammeldienst schiebt sehr plastisch, wie ein U-Boot funktioniert.. Hier werden auch die Figuren und ihre Funktionen an Bord etwas näher vorgestellt und immer wieder ergiesst sich der Autor in prosaischer Beschreibung des Meeres und des Himmels - was anderes hat man ja eh nicht zu tun, wenn der Kahn sinnlos durch den Nordatlantik schippert. Zwischendrin werden die Reibereien, Sympathien und Antipathien deutlich, wenn 50 Mann 1 Monat lang stupide ohne eigentliche Aufgabe auf engstem Raum zusammenhocken. Die Mannschaften geben sich vorzugsweise Thema Nr. 1 hin, während die Offiziere gegen die Seekriegsführung und die Politik des Reiches generell (meist verkappt) wettern. Wenn die erste Feindberührung stattfindet ist das alles obsolet, jetzt muss man funktionieren - Politik wird zweitrangig - jetzt gilt das nackte Überleben in der stickigen und verwundbaren Stahlröhre.
Die Ich-Form, in der das Werk verfasst ist, unterstreicht die Ambitionen des Autors sich seine Erlebnisse von der Seele zu schreiben und erleichtert uns Lesern den Einstieg in die Handlung, man empfindet die stickige Enge, die ständig drohende Gefahr entdeckt und mit Wasserbomben belegt zu werden förmlich nach und kann sich in die Rolle eines Crew-Mitglieds versetzen. Ja, man hofft, dass der Zosse den nächsten Angriff trotz aller eingehenden Ausfallmeldungen heil übersteht und möglichst ohne Tote sicher zum Hafen zurückkehren wird. Allerdings besteht auch gerade hier die grosse Gefahr sich mit den Hauptfiguren und ihrem eigentlich menschenverachtenden „Handwerk“ zu sehr zu identifizieren, zu solidarisieren und alle beschriebenen Geschehnisse unreflektiert für bare Münze und tatsächlich stattgefundene Realität zu nehmen - wie wir gesehen haben sind jedoch beim Wahrheitsgehalt des Buches einige Abstriche zu machen. Zudem sollte man nie vergessen, dass auch auf der anderen Seite des Periskops Menschen auf den Schiffen ihr Leben riskieren und im Falle der Versenkung auch qualvoll verlieren - Zwar widmet sich Buchheim auch dem menschlich-moralischem Aspekt des U-Krieges und pflegt neben ein wenig gutem, deutschem Rittertum auch überaus kritische Töne, doch insgesamt ist der Blickwinkel naturgegeben ziemlich einseitig...trotz des Versuchs den Gegner zu ent-anonymisieren...also Vorsicht und Nachdenken ist angebracht, wenn man sich mit der Mannschaft über einen gelungenen Torpedotreffer freut: Die liebgewonnene Mannschaft „unseres“ Bootes ist erfolgreich...stimmt...doch zum Preis des Lebens der „Anderen“.
Fazit
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Ein stimmungsvoller, in weiten Teilen glaubwürdiger und realistischer Roman über das Bordleben einer WK2 U-Boot Mannschaft, den ich immer wieder gerne lese. Einige Punkte im Wahrheitsgehalt dürfen hier durchaus bezweifelt werden, doch da Buchheim sein Werk ausdrücklich als Roman und nicht als Tatsachenbericht ausgibt, ist das aber völlig legitim. Spannend (ab etwa Seite 200) und lesenswert (über die gesamte Länge) ist das Buch auf jeden Fall - auch wenn manche militärische und seemännische Fachtermini zu verdauen sind, ist es doch dank der sonst locker-gefälligen Schreibweise relativ leichte und kurzweilige Kost, sieht man vom etwas zähen ersten Drittel mal ab. Anspruch kann ich auch vermelden, der begründet sich darin, dass man das Geschriebene nicht einfach konsumiert, sondern sich seine eigenen Gedanken macht - überzogenen Pathos, Kriegsverherrlichung und Deutschtümelei kann man Buchheim nicht vorwerfen, dennoch neigt er verständlicherweise geringfügig zur Parteilichkeit - logisch - handelt es sich doch um ein Buch mit autobiographischen Zügen und wird aus der Sicht eines jungen Kriegsberichters erzählt.
Immerhin gibt er sich redlich Mühe die damalige menschenverachtende Politik und grotesk-unsinnige Kriegsführung - bei der er ja auch ein Zahnrad im Getriebe war - zu illustrieren, hinterfragen und dem sonst so gesichtslosen Haufen von armen Schweinen die dafür den Kopf hinhalten mussten eine Identität zu verleihen. Auch wenn er nachweislich zur Überzeichnung neigt und nicht alle Personen tatsächlich auf U96 Dienst taten, lässt sich schwer sagen, wer davon nun erfunden ist und wer nicht, die Charaktere sind allesamt in sich schlüssig. Gleiches gilt auch für die Handlung als solches: Es KÖNNTE trotz der offensichtlichen Ausschmückungen wirklich so gewesen sein. Hat man erstmal Zugang gefunden (was nicht schwerfällt) legt man den Wälzer so schnell nicht mehr aus der Hand. Relativ geübte Leser ziehen das Buch schätzungsweise in etwa 8 - 10 Stunden reiner Lesezeit durch. Die filmische Umsetzung war bereits ein genialer Meilenstein, das Buch ist noch einen ganzen Tick interessanter und ausführlicher, mal abgesehen davon dass der „Alte“ am Ende...Ach, das lest besser selbst! ;-)
Mast und Schottbruch
Der Periskop-Pharao
Warnhinweis:
Schnellklicker dürfen noch eben schnell das Deck picobello schrubben, bevor sie über Bord geschubbst werden...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-14 19:36:52 mit dem Titel Der Abschied / Lothar-Günther Buchheim
Der Bücherfrühling neigt sich unerbittlich dem Ende zu, Zeit für Merkwürden noch mal schnell etwas Literarisches aus seinem Regal zu ziehen und zu rezensieren. Die Auswahl ist gross, kein Zweifel, aber wo ich letztens schon „Das Boot“ noch einmal komplett durchgeackert habe fiel mein Blick auf ein weiteres Werk von Lothar-Günther Buchheim, das sich mit der Thematik ebenfalls beschäftigt und von mir letztes Jahr nur kurz angelesen wurde und seitdem Staub sammelt: „Der Abschied“. Alsbald hatte ich nämlich das Buch wegen des arg schleppenden Anfangs auf den ersten 50 Seiten wieder beiseite gelegt und mir immer wieder geschworen, es irgendwann mal GANZ zu lesen – Nun ist es endlich soweit gewesen, der Urlaub ist da und somit hab ich auch mal Ruhe & Muße mir diesen fast 600 Seiten-Wälzer in seiner ganzen Pracht vorzuknöpfen. Vielleicht ist es ja genau, wie bei „Das Boot“, das plätschert auch zunächst vor sich hin, bevor ein wenig Action in die Bude kommt? Naja, wohl eher nicht: Der Buchumschlag lässt schon erahnen, dass es wohl um tiefsinnige Rekapitulation der Vergangenheit zweier vom Seekrieg gezeichneten und geprägten Männer geht, die auch das U-Boot U96 aus Buchheims ersten Roman betrifft. Gut, dann schaun mer mal, was uns der Autor über sich und seinen alten Kommandanten so zu sagen hat... ;-)
Der Autor
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Buchheim geboren 1918, in Weimar galt schon als 14 jähriger als künstlerisches Talent und Wunderkind. Seine Kindheit verbrachte er in Chemnitz, machte Abitur und studierte später Kunst in Dresden. Bereits in seiner Jugend waren seine Zeichnungen und Malerarbeiten in diversen Zeitungen und Kollektiv-Ausstellungen anzutreffen. In der NS-Zeit besuchte er die Marineschule und wurde als Leutnant vom OKM (Oberkommando Marine) bzw. der PK (Propaganda Kompanie) als Marinekriegsberichter auf unterschiedlichen – vom Zerstörer bis hin zu den U-Booten - Einheiten eingesetzt. Kurz nach dem Krieg eröffnete er eine Kunstwerkstätte und Kunstgalerie - 1951 gründete der nicht immer vom Schicksal begünstigte Buchheim (Augen- und Beinverletzung, Zuchthaus, gescheiterte Ehe) sogar einen eigenen Kunst-Verlag, der sich heute zu einer der grössten privaten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus gemausert hat. Im bayrischen Feldafing, in welchem er in den Wirren der Nachkriegszeit sogar (unfreiwillig) Polizei-Chef war lebte Buchheim seit Kriegsende fest. Neben seinen (teils autobiographischen) Geschichten rund um den Seekrieg und vor allem dem der U-Boote, schrieb Buchheim auch Werke über Malerei/Expressionismus. Seit seiner Zeit auf U96 hat Buchheim immer wieder Kontakt zu dem damaligen Kaleun (bürgerlich: Heinrich Lehmann-Willenbrock) der auch für die Figur des „Alten“ in „Das Boot“ Pate stand.
Der Streckbrief
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Titel: „Der Abschied“
Autor: Lothar-Günther Buchheim
Genre: Roman
Ersterscheinungsjahr: 2000
Verlag: PIPER - München
Seiten: 560 (HC)
ISBN (HC): 3-492-04273-2
ISBN (TB): 3-492-23572-7
Preis: 12,90 € (Paperback) / 24,90 € (Gebunden)
Die „Story“
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Von einer Story im herkömmlichen Sinn kann man eigentlich nicht reden, das Buch ist eher ein Reisebericht und Vergangenheitsbewältigung zweier Kriegsveteranen zugleich. Auf der einen Seite haben wir den „Alten“, der mittlerweile das Kommando auf seiner letzen Fahrt der „Otto Hahn“ (einem Nuklear-Forschungsschiff) innehat und Buchheim auf der anderen Seite, der seinen alten Kaleun und Freund auf dieser Reise nach Durban (Südafrika) als Passagier begleitet. Buchheim als Künstler und Fotograf interessiert sich immer noch für die Schönheit des Meeres und des Himmels - aber auch ganz besonders für die technischen Aspekte des Reaktors des Schiffes. Dadurch scharwenzelt Buchheim auch quer durch das Schiff, lässt sich alles ên detail zeigen und erklären, beobachtet die Besatzung und vergleicht die Seefahrt damals und heute. Wobei „Heute“ so auch nicht stimmt, denn diese Reise muss schon etwas länger her sein und fällt definitiv hinter die Veröffentlichung von „Das Boot“ aber noch vor die von „Die Festung“. Die Reise ist natürlich durchzogen von Gesprächen der beiden, die sich gegenseitig bei jeweils kleinen Umtrunken unter 4 Augen Informationsbrocken hinschmeissen, was nach den Ereignissen auf U96 nach „Das Boot“ alles mit ihnen in Nachkriegsjahren passiert ist. 3 Wochen haben die beiden Zeit sich über dieses und jenes zu unterhalten, den solange dauert die Fahrt der Otto Hahn in den Zielhafen, wo sie (neben einigen auf der Reise stattfindenden Tests der Manövrierfähigkeit) eine Ladung Steinkohle übernehmen soll. Da dies die offensichtlich letzte Fahrt des „Alten“ sein soll, der schon seinen Ablöser hinter sich weiss, muss Buchheim sich sputen, wenn er Antworten haben will...
Pharaos Meinung
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Mit einem Wort – Langatmig! Dies ist eigentlich kein Roman, sondern ein Reisebericht, denn es fehlt die Handlung. Action oder aussergewöhnliche Zwischenfälle finden nicht statt, die Otto Hahn schippert zusammen mit den Protagonisten und dem Leser gemächlich in Richtung Südafrika, wobei man sich irgendwie an den Gammeldienst an Bord von U96 erinnert fühlt. Die Gespräche der beiden sind zunächst nicht besonders ergiebig, ist der Alte doch eh als extrem wortkarg bekannt, er druckst bei ihm unangenehmen Themen seiner Vergangenheit gerne rum und beschwert sich dafür lieber subtil über die neuen gesellschaftlichen Zeiten in der Seefahrt – Als Angehöriger einer ganz anderen Generation und der Kriegsmarine seinerzeit sind ihm so manche der demokratischen Gepflogenheiten an Bord scheinbar zuwider. Er fühlt sich wohl damit leicht überfordert, denn als Kapitän eines zivilen Handelsschiffes ist man nicht mehr die mächtige Gestalt des Kaleun, der die alleinige Herrschaft über ein Schiff hat. Gewerkschaften, Krankmeldungen und die im Grund genommenen Sinnlosigkeit der „Otto Hahn“ (sie ist ja kein reines Handels- sondern eher ein Versuchsschiff und muss daher auch nicht wirtschaftlich fahren) zehren an seinen Nerven. Im tiefsten Inneren ist er doch froh, dass dies seine letzte Fahrt als Kapitän ist und er sich dann zur Ruhe setzen kann – ohne auf diesen Kindergarten aufpassen zu müssen.
Dazu insistiert Buchheim immer wieder mit Fragen betreffend der gemeinsamen Vergangenheit und dem Werdegang des Alten, nachdem der Krieg gelaufen ist – Diese Passagen sind dann wieder leidlich interessant zu lesen. Doch auch der Alte will im Gegenzug ein paar Informationen aus Buchheim herausholen, so ist jeder von ihnen mal dran die Ereignisse von damals aufzurollen – Übrigens duzen sich die beiden, seit wann ist nicht erwähnt – doch ist dies auch schon die zweite Reise von Buchheim mit dem Alten auf der „Otto Hahn“. Wenn das Gespräch auf das Thema „Simone“ kommt mauern beide bis fast zum Schluss (Simone ist Buchheims erste Frau, die wohl auch was mit dem Alten gehabt zu haben scheint, sie wird zum ersten Mal bereits im Roman „Das Boot“ immer wieder erwähnt), Apropos: „Das Boot“ und eventuell auch „Die Festung“ sollte man schon gelesen haben, denn solche „Nebenkriegsschauplätze“ in der Biographie der beiden bekommt man sonst nicht mit und überliest sie unter Umständen, was die Geschichte dann noch öder werden lässt. Überhaupt eignet sich „Der Abschied“ nicht als Stand-Alone-Lektüre, trotz Buchheims krampfhaften Versuch durch seine ansonsten trefflichen – fast schon prosaischer - Beobachtungen des Schiffes, des Meeres, Himmels und nicht zuletzt der zivilen Besatzung. Das mag auch einen guten Kontrast zu den Geschehnissen im Krieg darstellen, doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass etwas an Zeit und Text zu schinden versucht wird, um von den spärlichen fliessenden Informationshäppchen abzulenken.
Übertragbar sind die Zustände an Bord sowieso nicht vollständig auf unsere Zeit heute, diese Reise muss sich etwa um 1980 oder eher kurz davor angespielt haben, wenngleich Buchheim keinerlei Datumsangaben macht, sondern nur von den „Seetagen“ an Bord spricht. Einige Sätze enthalten dennoch Hinweise auf das WANN der Tour: Aktuelle Nachrichten, seine Uhr (die er „seit 40 Jahren“ - also auch schon 1941 auf U96 - schon hatte) oder auch die Tatsache, dass laut meiner Internet-Recherche, die „Otto Hahn“ 1968 offiziell in Dienst gestellt wurde und der Alte 10 Jahre lang der Kapitän des Schiffes war. Somit ergibt sich ein Zeitfenster von 1978 – 1981, denn der Alte ist nur noch ehrenhalber der Kapitän an Bord dieser Reise und nicht mehr der offizielle Schiffsführer. Warum Buchheim jedoch erst 2000 das Buch veröffentlichte, kann ich nur raten, vielleicht aus Pietätsgründen seinem Freund Heinrich Lehmann-Willenbrocks (dem „Alten“) und dessen Familie gegenüber, der aber auch schon bereits im November 1986 verstarb. Brisante Enthüllungen sind augenscheinlich jedenfalls nicht zu entdecken und somit bleibt das „Warum?“ reine Spekulation, eine weitere Möglichkeit ist, dass Buchheim mit sich selbst vielleicht auch erst Mal ins Reine kommen musste, um diesen Roman zu verfassen – Von ihm erfahren wir auch eine Menge Privatkram, der aber auch nicht unbedingt skandalös sondern allenfalls interessant ist – Nix genaues weiss man nicht ;-)
Fazit
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Für Nichtkenner der Materie rund um U96 bestimmt nicht geeignetes Buch über den Nachkriegswerdegang von Buchheim und dem Alten, zwar kann man diesen „Roman“ auch als Reisebericht lesen, der Einblick in das erste (und letzte) deutsche Nuklear-Testschiff „Otto Hahn“ erhalten, Schwerpunkt sind aber die Erinnerungen der beiden Kriegsveteranen. Diese ziehen sich aber stellenweise, wie Kaugummi dahin, weil beide Hauptakteure bei bestimmten Themen erstmal Nebelkerzen werfen, sich drücken und das dann auf spätere Kapitel vertagen. Immer wieder muss der jeweils Andere nachbohren zu einem Punkt in der Vita des Gegenübers und zwischendrin wird dann wieder über die „Jetztzeit“ (etwa 1978 – 1980) schwadroniert, was die zivile Schiffsführung und deren Probleme angeht. Das unterbricht den Lesefluss oftmals ganz erheblich und hinterlässt einen konfusen Beigeschmack, selbst bei erklärten Fans von „Das Boot“, wie mir.
Alles in allem ja ganz nett und ein paar wissenswerte Informationen und Anekdoten aus den Biographien finden sich auch – doch ist der insgesamte Stoff arg trocken und übertrieben in die Länge gezogen. Ausserdem wären da noch die bildhaften Beschreibungen des Schiffes,Meeres und des Himmels (und seine bekannten, leicht sexistisch gefärbten Einlagen zum weiblichen Teil der Bevölkerung), in denen sich Buchheim auch schon in seinen anderen „Romanen“ so gern verliert – streicht man dieses ganze unnötige Drumherum auf ein vernünftiges Maß runter, dann bliebe ein Buch mit vielleicht 150 Seiten übrig, die restlichen 400 hätte er sich gerne sparen können – so hart das auch klingt. 3 Sterne für Buchheim und „Boot“ Begeisterte, die hier versteckt in jeder Menge belanglosem Text doch noch einige interessante Facts finden, alle anderen dürfen innerlich noch einen Stern abziehen – denen kann ich „Der Abschied“ auch wirklich und beim besten Willen nicht mit ruhigem Gewissen weiterempfehlen, daher: Nur für Fans.
Mast und Schottbruch
Der Nuklear-Pharao
Haushalts-Tipp:
Schnellklicker eignen sich hervorragend zum Auswechseln von alten Uranium235-Brennstäben...OHNE Schutzkleidung, versteht sich ;-)
Der Autor
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Buchheim ist Jahrgang 1918, in Weimar geboren und galt schon als 14 jähriger als künstlerisches Talent und Wunderkind. Seine Kindheit verbrachte er in Chemnitz, machte Abitur und studierte später Kunst in Dresden. Bereits in seiner Jugend waren seine Zeichnungen und Malerarbeiten in diversen Zeitungen und Kollektiv-Ausstellungen anzutreffen. Heute unterhält er einer der grössten privaten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus in seinem Wahl-Heimatort Feldafing. Kurz nach dem Krieg eröffnete er eine Kunstwerstätte und Kunstgalerie - 1951 hob er sogar einen eigenen Kunst-Verlag aus der Taufe. Während des Krieges diente der schon immer maritim interessierte Buchheim als Marinekriegsberichter auf diversen Schiffen, von Minenräum- und Schnellbooten über Zerstörer bis eben hin zu den U-Booten, die ihm dann letztendlich auch den heutigen Ruhm und natürlich den Stoff für seine zahlreichen Bücher bescherten. Diese Art der Vergangenheitsbewältigung ist aber nicht sein gesamtes literarisches Schaffen, er verfasste auch schon einige Standardwerke über Kunst, speziell des Expressionismus. Gerade aber seine beinahe autobiographischen Romane in denen er seine Fahrten und Erlebnisse auf Schiffen im und nach dem Krieg verarbeitet, sind nicht unumstritten und stiessen gerade bei einigen seiner ehemaligen Kameraden auf teils weniger Gegenliebe...wie sagt er schon selbst im Vorwort?: „Dies ist ein Roman - aber kein Werk der Fiktion“. Einige Veteranen sehen das etwas anders... ;-)
Der Streckbrief
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Titel: „Das Boot“
Autor: Lothar-Günther Buchheim
Genre: (teils autobiographischer) Kriegs-Roman
Ersterscheinungsjahr: 1973
Verlag: PIPER - München
Seiten: 604 (HC)
ISBN (HC): 3-492-02175-1
ISBN (TB): 3-492-21800-8
Preis: 9,90 € (Paperback), 19,90 € (Gebunden)
Die Story
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Saint Nazaire, Nordfrankreich - Herbst/Winter 1941:
Der Roman beginnt, wie auch der Film mit der Anfahrt des Kriegsberichters Leutnant Werner, dem „Alten“ (dem Kommandanten von U-96) und dem LI (Leitender Ingenieur) des Bootes auf St. Nazaire, wo Leutnant Werner als Gast des BdU auf dem U-Boot mitfahren soll. Sie werden bereits auf dem Weg über die Landstrasse in die Stadt zur „Bar Royal“ von volltrunkenen Teilen der Mannschaft in ihrem Wagen belästigt. Klartext: sie werden angepöbelt und angepinkelt - was der Kommandant jedoch nur lakonisch kommentiert. Der „Alte“ wird dem Leser als stoischer, ruhiger Dreissigjähriger präsentiert, der aber durch das Erlebte aussieht, als wäre er schon weit über 40. Ganz besonders deutlich wird sein Charakter, als er später am Abend in der besagten Bar nicht - wie so viele andere - dem Suff verfällt, sondern als ruhender Pol das stattfindende und gegen Ende immer mehr ausufernde Gelage der zurückgekehrten „Seehelden“ über sich ergehen lässt. Man ist ausgelassen und überspielt den eigenen Schiss mit demonstrativ zur Schau gestelltem Optimismus und noch mehr Alkohol - Das Leben der U-Besatzungen wird in diesen Tagen des Krieges immer schwerer: die Briten stellen sich auf die U-Boote ein, haben neue Messmethoden sie aufzuspüren und greifen mit Bombern beinahe unablässig die deutschen Marinestützpunkte an der französischen Küste an...Allein wer lebend von der Feindfahrt zurückkehrt ist schon ein Held, wer auch noch Versenkungen aufzuweisen hat, kann sich des Ritterkreuzes schon beinahe sicher sein.
Die Versenkungen durch die U-Waffe nehmen in dieser Phase des Krieges rapide ab, teils durch das von den Alliierten eingeführte Konvoi-System - mit Begleitzerstörern, die über Unterwasserortung (ASDIC) verfügen - teils durch unerfahrene, frisch von der Ausbildung kommende Kommandanten ohne Fronterfahrung. Zudem ist oft die Technik der stählernen Särge von Fehlfunktionen geschüttelt, Torpedos detonieren nicht und allerhand geht an Bord aus diversen Gründen „einfach so“ zu Bruch - ganz zu schweigen von den durch pausenlose Einsätze verbrauchten Mannschaften, einerseits durch nervenaufreibenden, oft wochenlangen Gammeldienst auf Patrouille ohne Feindkontakt oder eben das genaue Gegenteil: Nicht enden wollende Wasserbombenteppiche durchgeschüttelt. Kein Wunder dass die Crews nervlich verständlicherweise vollkommen platt sind. Hinzu kommt natürlich die gnadenlose Enge und hygienische Ausnahmezustand nach unzähligen Seetagen an Bord eines U-Boots. Kurzum: Mensch und Material sind an der absoluten Belastungsgrenze, manchmal sogar bereits weit jenseits davon. Da aber die U-Waffe Hitlers und Dönitz’ liebstes Prestige-Objekt ist, kommen solche Marinekriegsberichter wie Leutnant Werner (das Alter-Ego Buchheims) als Propaganda-Lieferanten zum Einsatz, man will an der Heimatfront ein möglichst gutes Bild präsentieren. Der Leser begleitet den jungen Leutnant mit U-96 auf einer „typischen“ Feindfahrt in den Atlantik - quer durch das volle Programm des gnadenlosen U-Boot Krieges...
Pharaos Meinung
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Pate für das Material des Romans stehen Buchheims reale Erlebnisse in der deutschen Kriegsmarine (auch auf U96, richtiger müsste es aber heissen: UA), allerdings ist ihm aus berufenen Mündern schon oft der Vorwurf gemacht worden, er betreibe Geschichtsverfälschung. „Das Boot“ ist ein Sammelsurium aus Buchheims gesammelten Erfahrungen im (See-)Krieg und alle die kleinen Geschichtchen und Personen rund um das legendäre U-Boot gehören nicht wirklich alle hierher, sondern sind vom Autor in Romanform nur auf U96 vereint worden.. Die Figur des „Alten“ ist seine Hommage an den Kapitänleutnant, der das betreffende Boot als Buchheim darauf Dienst tat befehligte, doch auch dieser weist einige der geschilderten Vorfälle ins Reich der Phantasie und Übertreibung. Hervorzuheben ist beispielsweise der „Gibraltar-Unfall“ (eine dramatische Schlüsselstelle im Roman sowie im Film), dort sollen sich die Ereignisse weit weniger tragisch und nicht so spektakulär abgespielt haben, als Buchheim sie ausführt - das lässt sich im Nachhinein nur schwerlich belegen, was aber Fakt ist: Das Meer an dieser Stelle ist flach und nicht 300 Meter tief, hier hat Buchheim offensichtlich und eindeutig viel zu dick aufgetragen. Fragt sich wo noch? Insofern tat er jedenfalls gut daran, das Buch nicht als biographisches Werk zu labeln, sondern als „Roman“, wenn er auch steif und fest behauptet, die Begebenheiten seien keine Fiktion - so hat man immer eine passende Entschuldigung parat, wenn mal etwas historisch nicht ganz akkurat beschrieben wird ;-)
Man merkt Buchheim aber an, dass er sich mit der Seefahrt und den technischen Hintergründen exzellent auskennt, Leser, die keine Ahnung vom Bord-Jargon und auch maritimen Begriffen haben, werden den Text eventuell als etwas holperig empfinden - er geht sehr ins seemännische Detail und bedient sich Ausdrücken, die nicht jeder Landratte geläufig sein dürften. Gottseidank befindet sich aber am Ende des Buches ein Glossar, sodass man dort im Zweifelsfall nachschlagen kann, was der eine oder andere Begriff bedeutet. Ansonsten ist der Schreibstil sehr bildhaft-blumig - dann wieder kontrastierend deutlich vulgär - und reich an Ironie, die streckenweise sogar als überzogen heiter zu bezeichnen ist. Die handelnden Charaktere sind sehr ebenfalls detailliert ausgeführt, weswegen mir auch klar ist, warum so einige seiner alten Kameraden aufheulten (die werden sich wohl wiedererkannt haben *g*), wer sieht sich schon gerne als ungewaschener, stets zotenreissender Haudegen und somit Anti-Held beschrieben, von denen das Buch nur so strotzt? Also ich wär auch nicht glücklich darüber so unvorteilhaft wegzukommen ;-).
In meinen Augen sind die dargestellten Personen dennoch realistisch und überaus glaubhaft in ihrem Verhalten in diesen Ausnahmesituationen, die hier beschrieben werden - ich hab keinen Zweifel, dass Buchheim der psychologischen Wahrheit des U-Krieges hier zumindest sehr nahe kommt, auch wenn die ein oder andere Konversation, Figur und Vorfall vielleicht erfunden- oder nicht auf eben diesem Boot geschehen - sein mag. Nebenbei erfährt man auch eine Menge Wissenswertes über U-Boote, deren Technik an sich und im Speziellen natürlich über den legendären Typ VII-C, dem U96 angehört - Buchheim beschreibt gerade während der ansonsten langatmigen ersten 200 Seiten, wo die Mannschaft ohne Feindkontakt Gammeldienst schiebt sehr plastisch, wie ein U-Boot funktioniert.. Hier werden auch die Figuren und ihre Funktionen an Bord etwas näher vorgestellt und immer wieder ergiesst sich der Autor in prosaischer Beschreibung des Meeres und des Himmels - was anderes hat man ja eh nicht zu tun, wenn der Kahn sinnlos durch den Nordatlantik schippert. Zwischendrin werden die Reibereien, Sympathien und Antipathien deutlich, wenn 50 Mann 1 Monat lang stupide ohne eigentliche Aufgabe auf engstem Raum zusammenhocken. Die Mannschaften geben sich vorzugsweise Thema Nr. 1 hin, während die Offiziere gegen die Seekriegsführung und die Politik des Reiches generell (meist verkappt) wettern. Wenn die erste Feindberührung stattfindet ist das alles obsolet, jetzt muss man funktionieren - Politik wird zweitrangig - jetzt gilt das nackte Überleben in der stickigen und verwundbaren Stahlröhre.
Die Ich-Form, in der das Werk verfasst ist, unterstreicht die Ambitionen des Autors sich seine Erlebnisse von der Seele zu schreiben und erleichtert uns Lesern den Einstieg in die Handlung, man empfindet die stickige Enge, die ständig drohende Gefahr entdeckt und mit Wasserbomben belegt zu werden förmlich nach und kann sich in die Rolle eines Crew-Mitglieds versetzen. Ja, man hofft, dass der Zosse den nächsten Angriff trotz aller eingehenden Ausfallmeldungen heil übersteht und möglichst ohne Tote sicher zum Hafen zurückkehren wird. Allerdings besteht auch gerade hier die grosse Gefahr sich mit den Hauptfiguren und ihrem eigentlich menschenverachtenden „Handwerk“ zu sehr zu identifizieren, zu solidarisieren und alle beschriebenen Geschehnisse unreflektiert für bare Münze und tatsächlich stattgefundene Realität zu nehmen - wie wir gesehen haben sind jedoch beim Wahrheitsgehalt des Buches einige Abstriche zu machen. Zudem sollte man nie vergessen, dass auch auf der anderen Seite des Periskops Menschen auf den Schiffen ihr Leben riskieren und im Falle der Versenkung auch qualvoll verlieren - Zwar widmet sich Buchheim auch dem menschlich-moralischem Aspekt des U-Krieges und pflegt neben ein wenig gutem, deutschem Rittertum auch überaus kritische Töne, doch insgesamt ist der Blickwinkel naturgegeben ziemlich einseitig...trotz des Versuchs den Gegner zu ent-anonymisieren...also Vorsicht und Nachdenken ist angebracht, wenn man sich mit der Mannschaft über einen gelungenen Torpedotreffer freut: Die liebgewonnene Mannschaft „unseres“ Bootes ist erfolgreich...stimmt...doch zum Preis des Lebens der „Anderen“.
Fazit
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Ein stimmungsvoller, in weiten Teilen glaubwürdiger und realistischer Roman über das Bordleben einer WK2 U-Boot Mannschaft, den ich immer wieder gerne lese. Einige Punkte im Wahrheitsgehalt dürfen hier durchaus bezweifelt werden, doch da Buchheim sein Werk ausdrücklich als Roman und nicht als Tatsachenbericht ausgibt, ist das aber völlig legitim. Spannend (ab etwa Seite 200) und lesenswert (über die gesamte Länge) ist das Buch auf jeden Fall - auch wenn manche militärische und seemännische Fachtermini zu verdauen sind, ist es doch dank der sonst locker-gefälligen Schreibweise relativ leichte und kurzweilige Kost, sieht man vom etwas zähen ersten Drittel mal ab. Anspruch kann ich auch vermelden, der begründet sich darin, dass man das Geschriebene nicht einfach konsumiert, sondern sich seine eigenen Gedanken macht - überzogenen Pathos, Kriegsverherrlichung und Deutschtümelei kann man Buchheim nicht vorwerfen, dennoch neigt er verständlicherweise geringfügig zur Parteilichkeit - logisch - handelt es sich doch um ein Buch mit autobiographischen Zügen und wird aus der Sicht eines jungen Kriegsberichters erzählt.
Immerhin gibt er sich redlich Mühe die damalige menschenverachtende Politik und grotesk-unsinnige Kriegsführung - bei der er ja auch ein Zahnrad im Getriebe war - zu illustrieren, hinterfragen und dem sonst so gesichtslosen Haufen von armen Schweinen die dafür den Kopf hinhalten mussten eine Identität zu verleihen. Auch wenn er nachweislich zur Überzeichnung neigt und nicht alle Personen tatsächlich auf U96 Dienst taten, lässt sich schwer sagen, wer davon nun erfunden ist und wer nicht, die Charaktere sind allesamt in sich schlüssig. Gleiches gilt auch für die Handlung als solches: Es KÖNNTE trotz der offensichtlichen Ausschmückungen wirklich so gewesen sein. Hat man erstmal Zugang gefunden (was nicht schwerfällt) legt man den Wälzer so schnell nicht mehr aus der Hand. Relativ geübte Leser ziehen das Buch schätzungsweise in etwa 8 - 10 Stunden reiner Lesezeit durch. Die filmische Umsetzung war bereits ein genialer Meilenstein, das Buch ist noch einen ganzen Tick interessanter und ausführlicher, mal abgesehen davon dass der „Alte“ am Ende...Ach, das lest besser selbst! ;-)
Mast und Schottbruch
Der Periskop-Pharao
Warnhinweis:
Schnellklicker dürfen noch eben schnell das Deck picobello schrubben, bevor sie über Bord geschubbst werden...
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-05-14 19:36:52 mit dem Titel Der Abschied / Lothar-Günther Buchheim
Der Bücherfrühling neigt sich unerbittlich dem Ende zu, Zeit für Merkwürden noch mal schnell etwas Literarisches aus seinem Regal zu ziehen und zu rezensieren. Die Auswahl ist gross, kein Zweifel, aber wo ich letztens schon „Das Boot“ noch einmal komplett durchgeackert habe fiel mein Blick auf ein weiteres Werk von Lothar-Günther Buchheim, das sich mit der Thematik ebenfalls beschäftigt und von mir letztes Jahr nur kurz angelesen wurde und seitdem Staub sammelt: „Der Abschied“. Alsbald hatte ich nämlich das Buch wegen des arg schleppenden Anfangs auf den ersten 50 Seiten wieder beiseite gelegt und mir immer wieder geschworen, es irgendwann mal GANZ zu lesen – Nun ist es endlich soweit gewesen, der Urlaub ist da und somit hab ich auch mal Ruhe & Muße mir diesen fast 600 Seiten-Wälzer in seiner ganzen Pracht vorzuknöpfen. Vielleicht ist es ja genau, wie bei „Das Boot“, das plätschert auch zunächst vor sich hin, bevor ein wenig Action in die Bude kommt? Naja, wohl eher nicht: Der Buchumschlag lässt schon erahnen, dass es wohl um tiefsinnige Rekapitulation der Vergangenheit zweier vom Seekrieg gezeichneten und geprägten Männer geht, die auch das U-Boot U96 aus Buchheims ersten Roman betrifft. Gut, dann schaun mer mal, was uns der Autor über sich und seinen alten Kommandanten so zu sagen hat... ;-)
Der Autor
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Buchheim geboren 1918, in Weimar galt schon als 14 jähriger als künstlerisches Talent und Wunderkind. Seine Kindheit verbrachte er in Chemnitz, machte Abitur und studierte später Kunst in Dresden. Bereits in seiner Jugend waren seine Zeichnungen und Malerarbeiten in diversen Zeitungen und Kollektiv-Ausstellungen anzutreffen. In der NS-Zeit besuchte er die Marineschule und wurde als Leutnant vom OKM (Oberkommando Marine) bzw. der PK (Propaganda Kompanie) als Marinekriegsberichter auf unterschiedlichen – vom Zerstörer bis hin zu den U-Booten - Einheiten eingesetzt. Kurz nach dem Krieg eröffnete er eine Kunstwerkstätte und Kunstgalerie - 1951 gründete der nicht immer vom Schicksal begünstigte Buchheim (Augen- und Beinverletzung, Zuchthaus, gescheiterte Ehe) sogar einen eigenen Kunst-Verlag, der sich heute zu einer der grössten privaten Kunstsammlungen des deutschen Expressionismus gemausert hat. Im bayrischen Feldafing, in welchem er in den Wirren der Nachkriegszeit sogar (unfreiwillig) Polizei-Chef war lebte Buchheim seit Kriegsende fest. Neben seinen (teils autobiographischen) Geschichten rund um den Seekrieg und vor allem dem der U-Boote, schrieb Buchheim auch Werke über Malerei/Expressionismus. Seit seiner Zeit auf U96 hat Buchheim immer wieder Kontakt zu dem damaligen Kaleun (bürgerlich: Heinrich Lehmann-Willenbrock) der auch für die Figur des „Alten“ in „Das Boot“ Pate stand.
Der Streckbrief
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Titel: „Der Abschied“
Autor: Lothar-Günther Buchheim
Genre: Roman
Ersterscheinungsjahr: 2000
Verlag: PIPER - München
Seiten: 560 (HC)
ISBN (HC): 3-492-04273-2
ISBN (TB): 3-492-23572-7
Preis: 12,90 € (Paperback) / 24,90 € (Gebunden)
Die „Story“
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Von einer Story im herkömmlichen Sinn kann man eigentlich nicht reden, das Buch ist eher ein Reisebericht und Vergangenheitsbewältigung zweier Kriegsveteranen zugleich. Auf der einen Seite haben wir den „Alten“, der mittlerweile das Kommando auf seiner letzen Fahrt der „Otto Hahn“ (einem Nuklear-Forschungsschiff) innehat und Buchheim auf der anderen Seite, der seinen alten Kaleun und Freund auf dieser Reise nach Durban (Südafrika) als Passagier begleitet. Buchheim als Künstler und Fotograf interessiert sich immer noch für die Schönheit des Meeres und des Himmels - aber auch ganz besonders für die technischen Aspekte des Reaktors des Schiffes. Dadurch scharwenzelt Buchheim auch quer durch das Schiff, lässt sich alles ên detail zeigen und erklären, beobachtet die Besatzung und vergleicht die Seefahrt damals und heute. Wobei „Heute“ so auch nicht stimmt, denn diese Reise muss schon etwas länger her sein und fällt definitiv hinter die Veröffentlichung von „Das Boot“ aber noch vor die von „Die Festung“. Die Reise ist natürlich durchzogen von Gesprächen der beiden, die sich gegenseitig bei jeweils kleinen Umtrunken unter 4 Augen Informationsbrocken hinschmeissen, was nach den Ereignissen auf U96 nach „Das Boot“ alles mit ihnen in Nachkriegsjahren passiert ist. 3 Wochen haben die beiden Zeit sich über dieses und jenes zu unterhalten, den solange dauert die Fahrt der Otto Hahn in den Zielhafen, wo sie (neben einigen auf der Reise stattfindenden Tests der Manövrierfähigkeit) eine Ladung Steinkohle übernehmen soll. Da dies die offensichtlich letzte Fahrt des „Alten“ sein soll, der schon seinen Ablöser hinter sich weiss, muss Buchheim sich sputen, wenn er Antworten haben will...
Pharaos Meinung
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Mit einem Wort – Langatmig! Dies ist eigentlich kein Roman, sondern ein Reisebericht, denn es fehlt die Handlung. Action oder aussergewöhnliche Zwischenfälle finden nicht statt, die Otto Hahn schippert zusammen mit den Protagonisten und dem Leser gemächlich in Richtung Südafrika, wobei man sich irgendwie an den Gammeldienst an Bord von U96 erinnert fühlt. Die Gespräche der beiden sind zunächst nicht besonders ergiebig, ist der Alte doch eh als extrem wortkarg bekannt, er druckst bei ihm unangenehmen Themen seiner Vergangenheit gerne rum und beschwert sich dafür lieber subtil über die neuen gesellschaftlichen Zeiten in der Seefahrt – Als Angehöriger einer ganz anderen Generation und der Kriegsmarine seinerzeit sind ihm so manche der demokratischen Gepflogenheiten an Bord scheinbar zuwider. Er fühlt sich wohl damit leicht überfordert, denn als Kapitän eines zivilen Handelsschiffes ist man nicht mehr die mächtige Gestalt des Kaleun, der die alleinige Herrschaft über ein Schiff hat. Gewerkschaften, Krankmeldungen und die im Grund genommenen Sinnlosigkeit der „Otto Hahn“ (sie ist ja kein reines Handels- sondern eher ein Versuchsschiff und muss daher auch nicht wirtschaftlich fahren) zehren an seinen Nerven. Im tiefsten Inneren ist er doch froh, dass dies seine letzte Fahrt als Kapitän ist und er sich dann zur Ruhe setzen kann – ohne auf diesen Kindergarten aufpassen zu müssen.
Dazu insistiert Buchheim immer wieder mit Fragen betreffend der gemeinsamen Vergangenheit und dem Werdegang des Alten, nachdem der Krieg gelaufen ist – Diese Passagen sind dann wieder leidlich interessant zu lesen. Doch auch der Alte will im Gegenzug ein paar Informationen aus Buchheim herausholen, so ist jeder von ihnen mal dran die Ereignisse von damals aufzurollen – Übrigens duzen sich die beiden, seit wann ist nicht erwähnt – doch ist dies auch schon die zweite Reise von Buchheim mit dem Alten auf der „Otto Hahn“. Wenn das Gespräch auf das Thema „Simone“ kommt mauern beide bis fast zum Schluss (Simone ist Buchheims erste Frau, die wohl auch was mit dem Alten gehabt zu haben scheint, sie wird zum ersten Mal bereits im Roman „Das Boot“ immer wieder erwähnt), Apropos: „Das Boot“ und eventuell auch „Die Festung“ sollte man schon gelesen haben, denn solche „Nebenkriegsschauplätze“ in der Biographie der beiden bekommt man sonst nicht mit und überliest sie unter Umständen, was die Geschichte dann noch öder werden lässt. Überhaupt eignet sich „Der Abschied“ nicht als Stand-Alone-Lektüre, trotz Buchheims krampfhaften Versuch durch seine ansonsten trefflichen – fast schon prosaischer - Beobachtungen des Schiffes, des Meeres, Himmels und nicht zuletzt der zivilen Besatzung. Das mag auch einen guten Kontrast zu den Geschehnissen im Krieg darstellen, doch kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass etwas an Zeit und Text zu schinden versucht wird, um von den spärlichen fliessenden Informationshäppchen abzulenken.
Übertragbar sind die Zustände an Bord sowieso nicht vollständig auf unsere Zeit heute, diese Reise muss sich etwa um 1980 oder eher kurz davor angespielt haben, wenngleich Buchheim keinerlei Datumsangaben macht, sondern nur von den „Seetagen“ an Bord spricht. Einige Sätze enthalten dennoch Hinweise auf das WANN der Tour: Aktuelle Nachrichten, seine Uhr (die er „seit 40 Jahren“ - also auch schon 1941 auf U96 - schon hatte) oder auch die Tatsache, dass laut meiner Internet-Recherche, die „Otto Hahn“ 1968 offiziell in Dienst gestellt wurde und der Alte 10 Jahre lang der Kapitän des Schiffes war. Somit ergibt sich ein Zeitfenster von 1978 – 1981, denn der Alte ist nur noch ehrenhalber der Kapitän an Bord dieser Reise und nicht mehr der offizielle Schiffsführer. Warum Buchheim jedoch erst 2000 das Buch veröffentlichte, kann ich nur raten, vielleicht aus Pietätsgründen seinem Freund Heinrich Lehmann-Willenbrocks (dem „Alten“) und dessen Familie gegenüber, der aber auch schon bereits im November 1986 verstarb. Brisante Enthüllungen sind augenscheinlich jedenfalls nicht zu entdecken und somit bleibt das „Warum?“ reine Spekulation, eine weitere Möglichkeit ist, dass Buchheim mit sich selbst vielleicht auch erst Mal ins Reine kommen musste, um diesen Roman zu verfassen – Von ihm erfahren wir auch eine Menge Privatkram, der aber auch nicht unbedingt skandalös sondern allenfalls interessant ist – Nix genaues weiss man nicht ;-)
Fazit
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Für Nichtkenner der Materie rund um U96 bestimmt nicht geeignetes Buch über den Nachkriegswerdegang von Buchheim und dem Alten, zwar kann man diesen „Roman“ auch als Reisebericht lesen, der Einblick in das erste (und letzte) deutsche Nuklear-Testschiff „Otto Hahn“ erhalten, Schwerpunkt sind aber die Erinnerungen der beiden Kriegsveteranen. Diese ziehen sich aber stellenweise, wie Kaugummi dahin, weil beide Hauptakteure bei bestimmten Themen erstmal Nebelkerzen werfen, sich drücken und das dann auf spätere Kapitel vertagen. Immer wieder muss der jeweils Andere nachbohren zu einem Punkt in der Vita des Gegenübers und zwischendrin wird dann wieder über die „Jetztzeit“ (etwa 1978 – 1980) schwadroniert, was die zivile Schiffsführung und deren Probleme angeht. Das unterbricht den Lesefluss oftmals ganz erheblich und hinterlässt einen konfusen Beigeschmack, selbst bei erklärten Fans von „Das Boot“, wie mir.
Alles in allem ja ganz nett und ein paar wissenswerte Informationen und Anekdoten aus den Biographien finden sich auch – doch ist der insgesamte Stoff arg trocken und übertrieben in die Länge gezogen. Ausserdem wären da noch die bildhaften Beschreibungen des Schiffes,Meeres und des Himmels (und seine bekannten, leicht sexistisch gefärbten Einlagen zum weiblichen Teil der Bevölkerung), in denen sich Buchheim auch schon in seinen anderen „Romanen“ so gern verliert – streicht man dieses ganze unnötige Drumherum auf ein vernünftiges Maß runter, dann bliebe ein Buch mit vielleicht 150 Seiten übrig, die restlichen 400 hätte er sich gerne sparen können – so hart das auch klingt. 3 Sterne für Buchheim und „Boot“ Begeisterte, die hier versteckt in jeder Menge belanglosem Text doch noch einige interessante Facts finden, alle anderen dürfen innerlich noch einen Stern abziehen – denen kann ich „Der Abschied“ auch wirklich und beim besten Willen nicht mit ruhigem Gewissen weiterempfehlen, daher: Nur für Fans.
Mast und Schottbruch
Der Nuklear-Pharao
Haushalts-Tipp:
Schnellklicker eignen sich hervorragend zum Auswechseln von alten Uranium235-Brennstäben...OHNE Schutzkleidung, versteht sich ;-)
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