Mehr zum Thema Deutsche Literatur Testbericht

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Erfahrungsbericht von DaliM

Bahnwärter Thiel / Hauptmann Gerhart

Pro:

fesselnd, handliches Format, guter Schreibstil

Kontra:

nichts für Kinder

Empfehlung:

Nein

Buch, das mich wirklich gepackt hat... Für eine Arbeit habe ich dann freie
Wahl gehabt, über welches
Buch ich den gerne berichten würde, um es weiterzuempfehlen.
Habe mich für dieses entschieden :-)


1. Biographie des Autors:
Gerhart Hauptmann war der wichtigste Vertreter des Naturalismus in
Deutschland.
Gerhart Hauptmann wurde am 15. November 1862 als Jüngster von vier
Geschwistern in Ober-Salzbrunn geboren. Sein Vater war Gastwirt. Sein
Großvater war Weber.
Hauptmann hat anfänglich nicht verstanden, warum er zur Schule muss um
was zu werden, wenn er doch schon jemand ist. 1874 ging Hauptmann zu
seinen Brüdern nach Breslau, um die Realschule zu besuchen. Er war nie
gut in der Schule und so verliess er sie nach mehrmaligem Wiederholen der
Klasse. Er arbeitete danach in der Landwirtschaft. Diese Beschäftigung
interessierte ihn nur anfangs, so dass er wieder nach Breslau zurückging.
Dort ging er auf die königliche Kunst- und Gewerbeschule, wo er zwei
Jahre studierte. Einen Abschluss machte er nicht, jedoch fiel er mit seinem
ersten Vortrag \"Hermannsliedes\" auf.
Von 1883-84 folgten weitere Ausbildungen. In Italien erkrankte er an
Typhus. Er erholte sich im Hause seiner Schwägerin nahe bei Dresden, wo
er auch deren Schwester Marie kennen lernte.
1885 wurde sie seine erste Frau, und sie zogen nach Berlin. Als er dann
dort anfing zu Schreiben, lernte er viele Dichter kennen und so war er sich
bald seiner Berufung endgültig klar.
1894 verließ ihn seine Frau mit den drei Kindern und ging nach Amerika.
Hauptmann lebte nun teils in Berlin, teils auf Reisen.
1904 heiratete er zum zweiten Mal. Viele bedeutende Werke sind von ihm.
Der Tod seiner ersten Frau und gleichzeitig der Beginn des ersten
Weltkrieges trafen den Dichter schwer. Doch er schrieb weiter. Er schrieb
über einige Kriegserlebnisse und über diese Gewalt.
1912 erhielt Gerhart Hauptmann den Nobelpreis.
Im April 1946 willigte er einer Umsiedlung nach Berlin ein. Mitten unter den
Vorbereitungen erkrankte er. Am 6. Juni 1946 starb er in Agnetendorf. Der
Sonderzug, der bereits für seine Vertreibung aus der Heimat bereitstand,
brachte nur seine Leiche nach Berlin.
Am 28. Juli 1946 wurde er auf dem kleinen Friedhof zu Kloster auf
Hiddensee begraben.


Einige seiner Werke:

Bahnwärter Thiel
Die Weber
Vor Sonnenaufgang
Die versunkene Glocke
Rose Bernd
Der rote Hahn
Der arme Heinrich
Der Biberpelz
Atriden-Tetralogie
Vor Sonnenuntergang


2. Zusammenfassung:

Nichts kann ihn von der Predigt und der Arbeit fernhalten, den Bahnwärter
Thiel. Er ist ein sehr ruhiger, ordnungsliebender und durchaus kräftiger
Mensch. Während zehn Jahren passierte es nur zweimal, dass Thiel nicht
zur Kirche ging. Das eine Mal traf ihn ein vom Kohlewagen herabfallendes
Kohlestück und verletzte den Bahnwärter am Bein. Das zweite Mal traf ihn
eine Weinflasche, die aus dem vorüberfahrenden Schnellzug geworfen
wurde, auf seine Brust.
Üblicherweise geht Thiel alleine zur Kirche. Doch eines Tages kommt er in
Begleitung einer dünnen und kränklich aussehenden Frau. Ihr Name ist
Minna und sie heirateten kurze Zeit später. Zwei Jahre später bringt Minna
einen Sohn zur Welt. Seine Frau Minna jedoch stirbt noch im Wochenbett.
Äusserlich schien das Thiel kaum zu berühren, innerlich jedoch verliert
Thiel seine grosse Liebe. Am Sterbebett verspricht er Minna sich gut um
seinen Sohn zu kümmern und für sein Wohlergehen zu sorgen.
Kaum war der Tod von Minna ein Jahr her, heiratet Thiel Lene. Äusserlich,
so sind sich alle Dorfbewohner einig, passt Lene bestens zu Thiel. Obwohl
Lene eine musterhafte Hausfrau ist, muss der Bahnwärter Thiel nach
kurzer Zeit feststellen, dass er Lene unterlegen ist und er nichts zu sagen
hat.
Das gemeinsame Kind, das bald zur Welt kommt, wird von Lene stark
bevorzugt. Um nur das Beste für das zweite Kind zu erhalten, muss Tobias
auf so manches Mahl verzichten. Während Thiel bei der Arbeit ist, wird der
Junge von ihr misshandelt.
Thiels einsamer Arbeitsplatz mitten im Wald wird zu seinem liebsten
Aufenthalt. Er beginnt
immer mehr aus dem Zusammenleben mit Lene zu fliehen. Jeder Kontakt
mit Lene ist ihm unangenehm. Thiel zieht sich oft in sein
Bahnwärterhäuschen zurück. Dort lebt er in seiner eigenen, perfekten
Welt. Dort hat er keinen Kontakt zu Lene, die von seinem anderen
Zuhause Besitz ergriffen hat. Er lebt in zwei Welten. Zum einen in der
Realität und zum anderen in seiner Wunschwelt, in der Stille der
Einsamkeit.
Eines Tages vergisst Thiel sein Brötchen und muss nach Hause zurück.
Kaum angekommen, hört er die giftige Stimme von Lene, wie sie Tobias
beschimpft. Kurz bevor sie anfangen will Tobias zu schlagen, erscheint
Thiel im Zimmer. Kurze Zeit glaubt Thiel er kann Tobias beschützen. Doch
nachdem er die Frau genau betrachtet muss er feststellen, dass er nichts
dagegen tun kann. Lene beschimpft Thiel sogar, weil er zu früh erschienen
ist. Er nimmt sein Brötchen und macht sich auf den Weg zur Arbeit.
Dort angekommen denkt Bahnwärter Thiel oft an seine erste Frau und
macht sich Vorwürfe, dass er sich nicht für seinen Sohn Tobias einsetzt,
obwohl er der sterbenden Minna versprochen hat, gut für das Kind zu
sorgen. Oft singt er bei aufgeschlagener Bibel Kirchenlieder bis zur
Ekstase, wenn er meint Minna wirklich zu sehen.
Am selben Abend hat Thiel einen Alptraum, der ihn nicht mehr los lässt. Er
glaubt zu sehen, wie
jemand Tobias auf eine entsetzliche Weise misshandelt. Dann träumt er,
wie Minna das
Bahngleis entlang läuft. Sie befindet sich auf der Flucht und trägt in ihren
Armen etwas
Blutiges, Bleiches in Tücher eingewickelt. Diese Beunruhigung veranlasst
Thiel nach
seinem Dienst sofort nach Hause zu eilen.
Eines Tages erhält Thiel einen Kartoffelacker bei seinem
Bahnwärterhäuschen zur
Bewirtschaftung. Dies jedoch stellte sich als grosser Fehler heraus, denn
jetzt hatte Lene Zugriff auf die zweite Welt. Somit geriet das
Gleichgewicht der Welten durcheinander. Auch will Lene eines Tages zur
Besichtigung des Landes vorbeikommen. Um Tobias, der sich schon auf
den Ausflug freut, nicht zu verletzen, willigt Thiel ein.
Während der Zeit, wo Lene fast wie in Ekstase den Acker bearbeitet, zeigt
der Bahnwärter seinem Sohn Tobias seinen Arbeitsplatz. Tobias schaut
jedem vorbeifahrenden Zug mit offenem Mund zu. Das ist das einzige Mal,
dass Lene Spass an Tobias hatte.
Trotzdem darf Thiel seine Arbeit nicht vernachlässigen, denn er muss die
Schranken für einen Schnellzug schließen. Er vertraut Lene Tobias an,
damit er sich um seine Arbeit kümmern kann. Auch sagt er ihr, sie solle
aufpassen, dass Tobias nicht in der Nähe des Zuges kommt.
Plötzlich bremst der Zug. Thiel nähert sich dem Zug und ahnt schon, was
geschehen ist . Er betet, dass es nicht sein Sohn ist, der unter den Zug
gekommen ist. Leider ist es Tobias, der voller Blut am Boden liegt. Alle
Versuche seitens Lene die Schuld von sich zu weisen gehen an Thiel
vorbei. Als der Arzt Tobias in diesem Zustand sieht, muss er den Kopf
schütteln, denn es gibt keine Überlebenschancen für den Jungen.
Anfänglich glaubt Thiel wieder einmal schlecht zu träumen. Auch in dieser
Situation denkt Thiel an seine Arbeit und begibt sich in sein Häuschen.
Dort fällt er zu Boden und wacht später aufgrund des Signaltones eines
Zuges auf. Da Thiel denkt, es sei der Zug mit seinem Sohn, fällt er in
Ohnmacht vor Aufregung. Nachdem er aufgewacht ist, geht er wieder ins
Häuschen zurück. Und schon wieder verlässt er den Arbeitplatz. Wieder
läuft er zur Barriere. Diesmal schreitet er, beide Arme ausbreitend,
zwischen den Bahngeleisen. Es scheint, als ob Thiel etwas vor dem
Wegfliegen hindern will. Mehrmals fleht er das unsichtbare Etwas an, ihn
wieder herzugeben. Es ist seine erste Frau Minna, die er anfleht, nicht
wegzugehen und ihn nicht mitzunehmen.
Im Schockzustand verirrt sich Thiel sogar in seiner eigenen Welt. Er sieht
ein Eichhorn und fragt sich, warum er nur die ganze Zeit an Gott denken
muss. Was ihm erst später einfällt ist, dass Tobias ein Eichhorn sah und
ihn plötzlich nach der Bedeutung Gottes fragte, als er mit seinem Sohn
einen Spaziergang durch sein Revier machte. \"Der liebe Gott springt über
den Weg, der liebe Gott springt über den Weg\". Nach mehrmaligem
Wiederholen des Satzes fällt ihm Tobias ein.
Das Geschrei des zweiten Kindes reisst Thiel zurück zur Realität. Er nähert
sich dem Kinde und denkt sich, der Junge von Lene lebt, sein Sohn jedoch
ist gestorben. Schon hält Thiel das kleine Kind in seine Hände und beginnt
es zu würgen. Nur der Ton des herannahenden Zuges bricht sein Vorhaben
ab und der Bahnwärter läuft zu seinem Arbeitsplatz um die Ankunft des
Zuges vorzubereiten. Dieser von Arbeitern überfüllte Zug beinhaltet auch
seinen Sohn. Als Thiel den toten Jungen sieht, wird ihm schlecht und er
muss nach Hause transportiert werden. Angekommen, sieht Lene wie Thiel
scheinbar schläft. Auch sie versucht einzuschlafen, was ihr nach mehreren
missglückten Versuchen zufällig gelingt.
Männer bringen den verstorbenen Tobias ins Dorf und als sie die offene
Tür des Hauses bemerken, treten sie ein. Was sie da entdecken schockiert
die Männer zutiefst. In seiner Verzweiflung und in seinem Wahn hat Thiel
Lenes Schädel mit dem Küchenbeil gespaltet. Auch das Söhnchen liegt tot
daneben. Nach dieser Tat versucht Thiel sich umzubringen, was ihm
jedoch nicht gelingt. Er wird ins Berliner Untersuchungsgefängnis gebracht,
wo schon am ersten Tag feststeht, der Bahnwärter Thiel muss in die
Irrenabteilung der Charité.
Das braune Mützchen jedoch, das er noch von Tobias übrig hat, bewacht
er mit eifersüchtiger Sorgfalt und Zärtlichkeit.


3. Personenbeschreibung:

Bahnwärter Thiel

- Vater von zwei Kindern
- Ruhige Person, ist der \"Fels in der Brandung\"
- Kräftiger Mann
- Seine Haut ist sonnengebräunt, auf seine Wangen wuchert ein Bart und
sein Nacken ist behaart
- Redet leise, mit einer kühlen Stimme
- Empfindet Scham und Reue für sein Dulden der Herrschaft von Lene
- Das rote Haar hat er zu einem Scheitel geölt
- Das äussere Erscheinen passt nicht zu seinem Inneren, denn im Inneren
ist er ein liebevoller Vater und er empfindet Zuneigung zu seiner ersten
Frau.
- Liebt die Ordnung und achtet sehr auf Perfektion
- Den Tod seiner ersten Frau kann er nur dank Tobias verkraften.
- Der einzige Bezug zur Realität ist Tobias. Nachdem Tobias gestorben ist,
verliert er jeden Sinn für die Realität und er verfällt dem Wahnsinn.
- Heiratet die zweite Frau nur damit Tobias eine Mutter hat
- Wird von seiner zweiten Ehefrau kontrolliert; ist daher ein
\"Leidensgenosse\" von Tobias


Tobias

- Sohn von Thiel und seiner ersten Frau
- Ist für Thiel die einzige Erinnerung an Minna
- Wird von Thiel geliebt und von Thiels zweiter Frau misshandelt
- Lernte seine Mutter nie kennen, da sie bei seiner Geburt starb
- Bleiche Haut, dünn, zart, blaue tief liegende Augen
- Brandrote Haare
- Entwickelte sich nur langsam
- Verehrt seinen Vater
- Kann Thiels zweite Frau (Lene) nicht als Mutter akzeptieren, da sie ihn
nicht mag
- Tobias ist eine seelische Stütze für Thiel.
- Hat Angst davor, Thiel die Misshandlungen seiner Stiefmutter
anzuvertrauen


Minna

- Thiels erste Frau
- Wird nur kurz am Anfang erwähnt, da sie bei der Geburt von Tobias
stirbt
- Ist blass, mager und kränklich
- Ist immer in den Gedanken und Träumen von Thiel
- Ihre Ehe mit Thiel dauert ca. 2 Jahre.



Lene

- Thiels zweite Frau
- Gross, kräftig, robust
- Grobes Gesicht
- Sehr grosse Ausdauer
- Streng zu Tobias und Thiel
- Misshandelt Tobias; jedoch sehr liebevoll und fürsorglich zu ihrem Kind
- Streitsüchtig, liebt das Gefühl von Herrschaft
- Sie wagt es nur Tobias in der Abwesenheit von Thiel zu misshandeln.
- Thiel lässt sie tun was sie will, er stimmt nur immer zu.


4. Interpretation:

\"Bahnwärter Thiel\" ist eine novellistische Studie, eindeutig einzuordnen in
die Epoche des Naturalismus. Der Autor schildert in ihr die Geschichte des
Bahnwärter Thiels, die
ein tragisches Ende nimmt. Die Handlung spielt am Ende des 19.
Jahrhunderts, an den
Hauptspielorten Schön-Schornstein an der Spree und beim
Bahnwärterhaus.

Alles scheint in Ordnung, bis zu dem Augenblick, als Thiel seine erste Frau
Minna
verliert. Dieses Ereignis trifft ihn sehr stark. Ich denke, dass diese
Situation mit den zwei Frauen die Situation vom Gerhart Hauptmann
widerspiegelt. Als er seine erste Frau verlor, fiel Gerhart Hauptmann in eine
tiefe Depression, die er jedoch überwunden hatte. Von seiner zweiten
Ehefrau ist nur wenig erwähnt, was wahrscheinlich die weniger gute
Beziehung zeigt.

Von hier an beginnt der eigentliche seelische Zerfall von Bahnwärter Thiel.
Seine einzige Verbindung zu Minna wird sein Sohn Tobias. Als Thiel Lene
heiratet, findet er einen Moment lang Glück, denn jetzt hat er ja eine
Ersatzmutter für Tobias gefunden. Als er jedoch das Ackerstück bekommt,
muss Thiel schnell realisieren, dass durch die Annahme des Ackerstückes
Lene auch noch von seiner letzten Freiheit Besitz ergreift. Sie dringt in die
Welt der Minna ein und bringt damit das Gleichgewicht der Welten
durcheinander. Er merkt zugleich, dass er sich ihr durch die
Unterwürfigkeit immer mehr ausliefert. Langsam, aber umso schwerer,
folgen Depressionen. Der Bahnwärter versucht nur noch häufiger, aus der
Realität zu fliehen und in seine \"heile\" Welt zu leben. Ein Beweis dafür sind
die nächtlichen Zeremonien in seinem Bahnhäuschen, bei denen er mit
seiner erste Frau Minna Kontakt aufzunehmen versucht. Seine letzte und
einzige geliebte Verbindung zur Realität ist sein Sohn Tobias.
Je mehr Thiel mit der Lene zusammen ist, umso weniger ist er imstande
sich gegen Lene zu wehren. Er gehorcht ihr wie ein Sklave, er stimmt ihr
immer nur zu. Am offensichtlichsten ist es, als Lene den Tobias
misshandelt und der Bahnwärter keinen Mut findet ihn zu beschützen. Und
schon wieder flieht er in seine Scheinwelt.
Die Frage ist, was er an Lene gefunden hat, als er sie geheiratet hat. Es
war wohl einzig das Versprechen von Lene, auf Tobias acht zu geben.
Thiel kann keine Liebe für Lene empfinden, da er nur Minna liebt. Das
heisst konkret, dass er nie aufgehört hat Minna zu lieben. Er hat es nie
geschafft die Trauer um Minna zu überwinden.
Tobias wird immer wieder von seiner Stiefmutter Lene gequält. Eine
weitere Frage ist, warum nur misshandelte Lene den Tobias? Offensichtlich
hatte sie Angst, dass ihr Kind zuwenig von allem bekommt. Also muss sie
dieses \"Stück\" von Tobias nehmen und es dem Kleinen geben. Thiel dreht
durch, nachdem Tobias gestorben ist. Der Grund dafür ist, dass er seine
einzige Verbindung zur Realität verloren hat. Er weiss nicht mehr, was er
tut. Er schiebt Lene die Schuld in die Schuhe und wirft ihr vor, dass sie ihn
auf dem Gewissen hätte. In seinem Wahnsinn bringt er sie und ihr
gemeinsames Kind um. Durch dieses Ereignis wird Thiels Traum, in dem
Minna auf den Schienen läuft, wahr. Das Blutige in ihren Armen ist der
kleine tote Tobias, den sie zu sich holt.
Hauptmann gebraucht viele Vergleiche und Personalisierungen. Oft kommt
die Farbe Rot ins Spiel. Das Bild des Feuers taucht sehr häufig auf. Es
symbolisiert die verdrängte Wut und den Tod.
Die schwarzen parallel laufenden Gleise symbolisieren den unaufhaltsamen
Weg Thiels. Der Zug rast schnell auf den Gleisen zum schwarzen Punkt am
Horizont und irgendwann wird der Punkt erreicht sein an dem der Zug
anhält. Ebenso läuft Thiels Geschichte ab. Er fährt auf den Gleisen und
das schreckliche und blutige Ende ist der Punkt am Horizont, an welchem
alles sein Ende findet.

Was noch ungeklärt bleibt, ist die Tatsache, dass der Leser nicht weiss
wieso sich Tobias auf den Schienen aufhielt... War Lene schuld oder war
es ein Zufall? Eines ist klar. Lene war es bestimmt nicht. Sie wusste
genau, was ihm Tobias bedeutet und sie wäre das Risiko nie eingegangen,
ihm Tobias ganz wegzunehmen. Es war wahrscheinlich ein Unfall, denn
Tobias kannte bis dahin nichts anderes als das Dorf. Er war sich der
Gefahr nicht bewusst, in der er sich gebracht hat.
Ich frage mich, hätte es keine andere Möglichkeit für Thiel gegeben?
Doch, die
hätte es gegeben. Dazu hätte sich aber Thiel öffnen müssen. All seine
Probleme und Ängste hat Thiel immer nur in sich hinein \"gefressen\". Und
um den Teufelskreis durchbrechen zu können, hätte er über seine
Probleme und Gefühle sprechen müssen. Zudem lässt sich eine Depression
nur durchbrechen, wenn man sich seinen Ängsten und Problemen stellt
und nicht in eine andere Welt flieht. Er hätte sich also Lene stellen
müssen, spätestens als er sah, wie Tobias misshandelt wurde. Hätte er
jedoch Lene nicht geheiratet, wäre Thiel an der Einsamkeit zerfallen.


5. Meine Meinung:

Das Buch hat zwar nicht sehr viele Seiten, jedoch fesselt die Geschichte
bis zum letzten Satz. Ständig habe ich mich gefragt, warum Thiel sich nie
gewehrt hat. Er war ja kräftig genug. Was mich erstaunt hat, ist dass
Thiel nicht einmal für Tobias seine zweite Frau \"bezwingen\" konnte. Ich
schätze Thiels Probleme waren so stark, dass er in Depressionen fiel.
Deshalb konnte er nur sehr schwer seine wahre Situation erkennen. Hinzu
kommt die starke Abhängigkeit von Lene. Thiel hätte meiner Meinung nach
viel an seinem Leben ändern können, wenn er sich bewusst geworden
wäre, unter welchen Problemen er leidet und versucht hätte diese zu
unterbinden.
Dieser Schritt ist schwer zu machen, denn es braucht eine grosse
Überwindung. Hat man dies jedoch geschafft, lässt es sich leichter leben.
Hauptmann beschreibt jede Situation genauestens, so dass man sich ein
Bild vom Zustand machen kann. Trotzdem stellt man sich immer wieder
Fragen über den Verlauf. Das Buch befasst sich stark mit den inneren
Gefühlen eines Menschen.

6. Epocheneinteilung / Stilrichtung:

\"Bahnwärter Thiel\" ist eine novellistische Studie, einzuordnen in die Epoche
des
Naturalismus (1880 bis 1900). Der Autor schildert die Geschichte des
Bahnwärter Thiel. Diese Geschichte nimmt ein tragisches Ende. Die
Handlung spielt am Ende des 19. Jahrhunderts, an den Orten
Schön-Schornstein an der Spree und beim Bahnwärterhaus.


Naturalismus:
Neben einer möglichst genauen Wiedergabe der Natur hatte der
Naturalismus natürlich
auch viele andere Merkmale. Für naturalistische Werke wurde
dokumentarisches Material verwendet und man bemühte sich dem
Zuschauer überzeugende Tatsachen zu präsentieren. Dazu war die
Wiedergabe der Realität im Detail, Vollständigkeit im Beschreiben der
Umwelt,
der Figuren und ihr Verhalten (exakte Erfassung von Mienenspiel und
feinsten Bewegungen) notwendig.

Einige Vertreter des Naturalismus:
- Fjodor Dostojewskij
- Arno Holz
- Johannes Schlaf
- Leo Tolstoj
- Henrik Ibsen

Wichtige Werke des Naturalismus (Dramen):

- Gerhart Hauptmann: Vor Sonnenaufgang
- Gerhart Hauptmann: Bahnwärter Thiel
- Henrik Ibsen: Nora


7. Schreibstil:

Hauptmanns Technik ist die Erzählung: jed

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