Mehr zum Thema Lebensversicherungen Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von calrissian

Kapitalbildende Lebensversicherung oder der legale Betrug am Kunden

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Fast jeder Deutsche hat eine oder mehrere Kapitallebensversicherungen. Zum einen soll damit das Todesfallrisiko des Versicherungsnehmers (der korrekte Name müsste daher Todesversicherung lauten) abgesichert werden und zum anderen soll Vermögen gebildet werden, alles kombiniert in einem Produkt. Warum es diese fragwürdige Kombination gibt, ist objektiv gesehen schleierhaft, eigentlich aber doch zu erklären: eine LV mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einem monatlichen Beitrag von 250 DM bringt dem Vermittler immerhin bis zu 3800 DM Provision bar auf die Hand. Bedeutet also, dass man die 16 Monate fast ausschließlich den Vermittler bezahlt, warum also sollte er ihnen etwas anderes empfehlen. Für einen Fondssparplan in Aktien- oder Rentenfonds würde er bei einem Ausgabeaufschlag von 5% jeden (!) Monat nur bis zu 12,50 DM Provision bekommen. Mehr ist also dazu nicht zu sagen.

Wenden wir uns nun den Versprechungen/Leistungen zu.
1. Im Todesfall bekommen die Hinterbliebenen einen garantierten Mindestbetrag ausbezahlt. Wer also Single ist und folglich keine Familie abzusichhern hat, der wirft das Geld einfach weg. Immerhin beträgt der Preis für dieses Todesfallrisiko oft mehr als 20% der monatlichen rate (ggf. 50 DM für nix!),
2. Garantiert wird eine Mindestverzinsung von 3 oder 3,5% (bin mir nicht ganz sicher(, doch die bezieht sich nicht auf die 250 DM, sondern auf den Sparanteil von ca. 200 DM,
3. Es wird eine sog. Ablaufleistung (dass, was am Ende rauskommt) scheinbar garantiert, oft zwischen 6 und 7 % Rendite, das Wort Beispiel- oder Musterrechnung wird oft ignoriert. Finanziert wird das aus den sog. Überschussbeteiligungen (= der Betrag , den die Versicherung über die Mindestverzinsung hinaus erwirtschaftet hat), die aber nicht nachvollziehbar ist und von der Gnade der Versicherung abhängt. Die Anlagepolitik hat der Gesetzgeber festgelegt. Es darf max. 30% in Aktien investiert werden (übrigens die Anlageform, die ihr „Berater“ vorher ihnen als Teufelszeug verschrieen hat)
4. Nach einer Mindestlaufzeit von 12 Jahren sind alle Erträge steuerfrei.

Geht das also wirklich nicht anders und sogar besser bei gleicher Asset Allocation (Aktienanteil 30%, Rentenanteil 70%)?
Die erste zu stellende Frage, habe ich eine Familie oder LAG, den/die ich im Todesfall versorgen möchte? Falls ja, reicht eine Risikolebensversicherung völlig aus, ist dann aber ein muss! Der Todesfallschutz mit monatlich 50 DM, also das, was ich auch im obigen Beispiel bezahlen würde, ist bei der Qualität mancher Anbieter sicher zu toppen.

Die verbleibenden 200 DM investiere ich dann zu 60 DM in einen internationalen Aktienfonds (wegen der Mindestanlagesumme ggf. 120 DM alle 2 Monate), und die 140 DM in festverzinsliche Wertpapiere. Damit die Zinsen steuerfrei bleiben, empfiehlt sich ein Zertifikat der DG-Bank auf den REXP-Index, der die Wertentwicklung (Kursgewinne + Zinsen) der auf € lautenden Bundesanleihen misst (der REXP ist im Anleihesektor das, was der DAX für den Aktienmarkt ist. Das Zertifikat läuft bis 2017 und die Erträge sind nach derzeitiger Rechtslage nach 1 Jahr steuerfrei. Das gilt auch für den Aktienfonds.

Allerdings ist eine Aktienquote von max. eigentlich viel zu gering, aber das muss jeder selbst entscheiden.

Mit der LV „verkaufe“ ich auch meine Flexibilität. Weder die Laufzeit noch der Sparbetrag kann ohne Nachteile verändert werden. Mit einem Fonds kann ich flexibelll handeln und selbr bestimmen, ob und wann ich aussteige, ob ich noch einmalig Geld dazu lege, aufhöre oder unterbreche.

Also Finger weg von Kapitallebensversicherung. Sie sind weder vollkommen sicher noch rentabel!! Bestehende Verträge sollten beitragsfrei gestellt werden und nicht gekündigt werden, so kann der Schaden minimiert werden, denn bei einer Kündigung bekommt man gerade in den ersten Jahren viel weniger zurück als man eingezahlt hat.

P.S.
Die Behauptung ist sogar legal!!

17 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Volker111

    04.04.2002, 02:14 Uhr von Volker111
    Bewertung: sehr hilfreich

    Momentan schaut es aber sehr mau aus für aktienindizierte Anlageformen, die häufig so stark im Minus sind, dass es fragwürdig bleibt, ob und wann sie überhaupt ins Plus drehen. Wer dann auf´s Geld angewiesen ist? Recht hast du bez

  • spyro

    03.04.2002, 18:47 Uhr von spyro
    Bewertung: sehr hilfreich

    P.S. Es gibt inzwischen den Euro!