Mensch Testbericht

Mensch
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  sehr gut
  • Klangqualität:  sehr gut

Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

Die WELT versinkt im CHAOS...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

... das neue Herbert Grönemeyer Album ist erschienen. Schon vor der Veröffentlichung hat der „Bochumer“ sein neustes Werk mit Platin-Status veredeln können. Aber auch am Veröffentlichungstag war in meinem Plattenladen der Ausnahmezustand ausgebrochen: Ein riesiger Stapel mit Grönemeyer-CDs, jeder ging vorbei, jeder griff zu. Verständlicherweise war ich auch einer dieser Käufer, gespannt war ich schon lange auf den kreativen Output Grönemeyers, hoffte ich doch, dass er nach seinem gewöhnungsbedürftigen Vorgänger-Album „Bleibt alles anders“ wieder eingängigere Klänge auf seinem neusten Werk „Mensch“ veröffentlichen würde.

Aufgeregt – man könnte meinen ich hätte „Flugzeuge in meinem Bauch“ gehabt – fuhr ich schließlich nach Hause. Gebannt entwickelte ich die CD aus ihrer unnötigen Plastikumhüllung und legte sie in meinen geliebten CD-Player. Was würde mich erwarten? Eine neue musikalisch Liebe – die schlicht und einfach „die Härte“ sein würde und meinen CD-Player dauerhaft bewohnen würde – oder würde ich wutentbrannt den guten Herrn Grönemeyer aus meinem CD-Player verbannen. Zweifelnd fragend „was soll das“? Aber ihr werdet es herausfinden. Gönnt euch den „Luxus“, lehnt euch zurück und (versucht) meinen Bericht zu genießen. Aber ich übernehme „keine Garantie“, falls jemand nach dem Lesen die unbezwingbare Lust verspürt in das Plattengeschäft seines Vertrauens zu laufen und die neue Grönemeyer-CD zu kaufen. Nicht verzweifelt versuchen das Gefühl zu unterdrücken, einfach nachgeben...


*Die Person hinter „Mensch“*

Der mittlerweile sechsundvierzig Jahre alt Herbert Grönemeyer (Geburtstag war der 12. April 1956) wurde entgegen der meisten Behauptungen nicht in Bochum geboren. Hierher verschlug es den gebürtigen Göttinger erst während seiner Kindheit. Nach anfänglichen Kompositionsarbeiten für das Bochumer Schauspielhaus, tätigte Grönemeyer erste Versuche in den Kreisen der bewegten Bilder, die er mit seinem Auftritt in Wolfgang Petersens Welterfolg „Das Boot“ krönte.

Scheiterte seine ersten musikalischen Versuche noch an kreativen Unstimmigkeiten mit den Produzenten – „Gemischte Gefühle (1983) dürfte wohl das bekannteste der frühen Alben sein, so ging aus ihm im Nachhinein mit „Musik nur wenn sie laut ist“ doch ein Dauerbrenner hervor – eroberte er mit der Veröffentlichung der selbstproduzierten Platte „4630 Bochum“ (1984) den deutschen Rock-Olymp. Er wurde der Stern am Musik-Firmament und begeisterte Millionen von Fans. Ob im „Luxus“ (1990) schwelgend oder dem „Chaos“ (1993) verfallen, seine Alben verkauften sich im deutschsprachigen Raum mehr als 10 Millionen Mal.

Im Jahre 1994 wird Grönemeyer schließlich und endlich weltweit geehrt: Als erster nicht-englischsprachiger Sänger darf er im Rahmen von MTV-Unplugged ein Konzert ohne jeglichen Strom aufnehmen. Und mit den „fantastischen Vier“ ist ihm bisher auch nur „ein“ weiterer deutschsprachiger „Künstler“ gefolgt.

Sein bisher letztes Album „Bleibt alles anders“ veröffentlichte Herbert Grönemeyer im Jahre 1998. Trotz des gewöhnungsbedürftigen Klanges waren die anstehenden Konzert im Nu ausverkauft, durch persönliche Schicksalsschläge (im November des Jahres stirb sein Bruder, kurz darauf verstirbt auch seine Frau an den Folgen einer Brustkrebserkrankung) gebeutelt, verlegte Grönemeyer seine Tour auf den folgenden Frühjahr. Eine Konzertreihe, die mehr als 600.000 Fans zufriedengestellt hatte.

Nach seiner Übersiedlung von Berlin nach Großbritannien und unterschiedlichsten Engagements im Bereich der deutschen Musik – so geht sowohl die Initiative „Pop 2000“ auf sein Konto als auch die Konzertreihe „Gesicht zeigen gegen Gewalt“ – kehrt der Deutschrock-Barde wieder mit neuem musikalischen Material zurück.


*Die Musik auf „Mensch“*

Mensch
Angefangen wird sogleich mit der ersten Singleauskopplung – die im übrigen der erste Nummer-eins-Hit von Herbert Grönemeyer war. Keyboard-Klänge spielen eine lateinamerikanisch-anmutenden Rhythmus, unterstützt von den Drums, entwickelt sich eine Melange, die zunächst nicht sehr herausragend erscheint. Doch schon nach dem Einsetzen der Stimme Grönemeyers entwickelt sich eine unwiderstehliche Zusammensetzung, der man nicht widerstehen kann. Leicht Einstreuungen von Streichinstrumenten und vereinzelte Klänge – die bei mir Erinnerungen an das Meer hervorrufen – vollenden letztendlich den ersten Song. Träumerisch schwelgend erwarte ich die fortsetzenden Klänge von „Mensch“...


Neuland
Rockig geht die Reise durch den Menschen weiter. Dominante Gitarren, Drums die direkt nach vorne spielen. Doch was sind das für komische Hintergrundklänge? Seltsam Töne werden dem Keyboard entlockt – ist das erneut ein „Mambo“, der dort im Hintergrund von den Bläsern vorgetragen wird? Letztendlich eine Frage, die sich erübrigt, harmonieren die Rhythmen doch nach und nach immer besser und auch die Gitarren und die Drums drängen sich hörbar in den Vordergrund. Lautstark wird Herbert Grönemeyer von Henning Rümenapp (der Gitarrist von den Guano Apes) unterstützt, nach vorne preschend gibt „Herbie“ ein musikalisches Statement zu der derzeitigen Situation in Deutschland ab. Trotz dieser „harten“ Gitarrenklänge verlasse ich das „Neuland“ nachdenklich. Versuche meine Gedanken zu ordnen...


Der Weg
Mein absoluter Favorit auf der gesamten Platte. Ein Orgel unterstützt den Gesang, schüchtern werden Streicher eingestreut. Gefühlvoll offenbart Herbert Grönemeyer einen Nachruf auf einen geliebten Menschen – vermutlich seine Frau. Traurig – obgleich der optimistischen Stimme Grönemeyers – verfolgt der Zuhörer die poetischen Zeilen. Trotz der wundervollen Zweisamkeit, muss Grönemeyer feststellen, dass das Leben bei weitem nicht fair ist. Leicht Depressiv lässt mich „der Weg“ zurück, versunken in Gedanken...


Viertel vor
Aber auch hier lässt uns Grönemeyer nicht gänzlich in Melancholie versinken. Um aus der bedrückten Lethargie zu erwachen, wird man von fröhlichen Keyboard-Klängen begrüßt. Lauthals setzen die Gitarren ein. Verstummen jedoch bis auf ein Minimum beim Einsetzen des Gesanges. Energievoll mausert sich „Viertel vor“ zum Refrain. Wie es scheint weiß Grönemeyer seinen Zuhörer erneut durch eindrucksvolle wechselartige Songs zu beeindrucken. Man darf gespannt sein, was als nächstes kommt...


Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht
Seicht groovend beginnt der nächste Song. Trotz der textlichen Schwermut offenbart uns „Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht“ einen dominanten Rhythmus, der direkt ins Tanzbein geht. Nach und nach wissen sich auch die textlichen Tiefschläge aufzuhellen und man kann die gewisse Ironie im Text erkennen. Fröhlich von Blasinstrumenten unterstützt zaubert Grönemeyer seinem Zuhörer erneut ein Lächeln auf das Gesicht...


Unbewohnt
Erneut hoffnungsvolle Klänge bevölkern „Unbewohnt“, gänzlich im Vordergrund steht die Stimme Grönemeyers. Sanft erzählt er seinem Zuhörer von seiner inneren Leere, durch und durch ist die schwermütigen Thematik des Songs ein Kontrast zu den eher seichten Hintergrundklängen. Doch die abschließenden Streichinstrumente holen den Zuhörer zurück in seine Melancholie...


Dort und hier
Leicht verkratzt erscheint der Anfang von „dort und hier“, auch die Stimme Grönemeyers wirkt seltsam fern und dumpf. Gesungen durch ein Trichtermikrophon, lediglich von einem Bass unter einer Gitarre unterstützt, baut Grönemeyer erneut eine depressive Stimmung auf. Er versucht den Tod seiner Frau langsam zu verarbeiten. Versucht sein Leben erneut einen Sinn zu geben. Den Tränen nahe, hört man gebannt zu...


Blick zurück
Seltsam anmutende Computer-Klänge eröffnen den „Blick zurück“. Der Synthesizer dominiert. Leicht sieht man sich versucht an die Trance-Version von Grönemeyers „Cosmic Chaos“-Album zu denken. Gitarrenklänge werden vereinzelt eingestreut. Eine Melange, die nicht gänzlich zu überzeugen weiß. Letztendlich dominiert aber der träumerische Rhythmus, der den Gesang Grönemeyers, der zeitweise leicht verzerrt erscheint, wundervoll untermalt...


Kein Pokal
Die träumerische Stimmung wird zunächst aufrecht erhalten. Dumpfe Gitarren, Grönemeyers Gesang. Doch nach und nach wird die Verträumtheit von lauterwerdenden Gitarren zerstört. Das Thema der Trennung steht erneut in „Kein Pokal“ im Vordergrund. Weit entfernt vom Liebeshimmel, beleuchtet der Barde die Thematik von einer anderen Seite. Grönemeyer versucht sich von einer verebbten Liebe zu trennen, einer Liebe die keine Zukunft mehr hat...


Zum Meer
Drum-Orientiert erklingt der Anfang, lediglich unterstützt von Keyboard-Klängen. Nach und nach setzen die Gitarren und der Gesang ein. Eine eingängige von Streichern getragene Melodie trägt den Song. Doch leider fehlt „zum Meer“ das besondere etwas, höhepunktlos plätschert der Song voran. Zum Abschluss des regulären Albums noch einmal ein schwächelndes Lied...


Demo (letzter Tag) - Bonus Track
Ein summender Background-Chor eröffnet den Zusatzsong. Nach dem Einsetzen des Gesanges verstummen die Summer, Grönemeyer eröffnet sein Klavierspiel. Spielfreudig setzen die Streicher ein. Offenbaren dem Zuschauer einen hoffnungsvollen Blick, der schlussendlich von zurückhaltenden Drums untermalt wird. Mit einem sanften Lächeln verlässt der Zuhörer die Sphären von „Mensch“, versucht zurückzufinden in die reale Welt...

Eine lange Pause setzt ein. Keine musikalischen Töne erklingen mehr aus den Lautsprechern, doch plötzlich nach mehr als zehn Minuten... Eine ruhige Gitarre, ebenso gefühlvoll gespielte Drums, das Klavier setzt ein. Doch was für eine Stimme ist das? Aus meinen Lautsprechern ertönt eine tiefe männliche Stimme... Herbert Grönemeyer ist das mit Sicherheit nicht. Doch mindert das die Qualität des Songs? Bei weitem nicht. Ein überraschender Ausklang für eine immer mehr wachsende CD...



*Abschließende Worte*

Zwar kann mich „Mensch“ (noch) nicht auf der ganzen Linie überzeugen, aber ein Hörgenuss ist das Album allemal. Eine ständige Gratwanderung zwischen gefühlvollen Balladen und rockigen Klängen verleitet den Zuhörer zum gebannten Lauschen. Und in bester Tradition seiner früheren Werke bietet der Barde – der gerne mal ein paar Silben der gesungenen Worte verschluckt – seinem Publikum tiefgreifende Texte, die den Zuhörer in den einzelnen Liedern versinken lassen. Zwar ist „Mensch“ erneut kein Album für die ständige Nebenbeiberieselung, vor allem die einzelnen Texte sind zu nachhaltig, um bei einem netten Plausch in Vergessenheit zu geraten.

Wertung: 8 träumerische Punkte auf meiner 10er-Skala – die Tendenz deutet aber eindeutig nach oben...


*Anmerkung*

Teile der Biographie Herbert Grönemeyers wurden von diversen Internet-Quellen übernommen. Diese soll aber nur als Schmankerl für den Leser dienen und verständlicherweise kann ich nicht alle (Jahres-)Zahlen im Kopf haben...

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