Mercedes-Benz A-Klasse Testbericht

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- Fahreigenschaften:
- Fahrkomfort:
- Platzangebot:
- Zuverlässigkeit:
Erfahrungsbericht von Overknees
Der Baby-Benz ist volljährig!
Pro:
+ viel Platz auf kleiner Verkehrsfläche + endlich Mercedes gemäßer Innenraum
Kontra:
- extrem teure Anschaffung - nur durchschnittlicher Verbrauch
Empfehlung:
Ja
Und vorweg, für alle Schnellklicker und Leute, die davon überzeugt sind, über ein Auto dürfte man erst nach mindestens 5 Jahren Erfahrung und 100.000 km schreiben... bitte einmal abwerten und weiterklicken, Ihr seid hier falsch.
Dem Rest möchte ich heute den A 200 CDI aus der aktuellen Baureihe W169 vorstellen.
Für die, die keine Romane mögen, hier eine Kurzbewertung:
- Karosserie:
+ überraschend großzügige Platzverhältnisse vorn wie hinten
+ gut ausreichender Kofferraum
+ einfache und logische Bedienung
+ durchweg gute Materialanmutung - Fahrkomfort:
+ auch mit Sportfahrwerk noch brauchbarer Federungskomfort
- leicht erhöhtes Geräuschniveau
O noch brauchbare Sitze - Antrieb:
+ gut ausreichende Motorisierung
- verzögertes Ansprechen
O brauchbar abgestimmtes Schaltgetriebe
- Schaltung nicht sehr präzise - Fahreigenschaften:
+ sicheres Fahrverhalten
+ gute Handlichkeit
+ gute Wintertauglichkeit
- etwas kurvenunwillig - Sicherheit:
+ mit allen Optionen sehr gute Sicherheitsausstattung
O wirksame Bremsen mit spürbarem Fading
- erhöhte Seitenwindempfindlichkeit - Umwelt:
O durchschnittlicher Verbrauch
+ Partikelfilter (als Option)
+ EU4 schadstoffarm - Kosten:
- grotesk hoher Anschaffungspreis
O durchschnittlicher Wertverlust
+ moderate Werkstattkosten
- deutlicher Reifenverschleiß
Gefahren bin ich dieses Auto im Jahr 2004 von Anfang August bis Ende September, also fast zwei Monate, insgesamt habe ich rund 7.500 km mit dem Auto zurückgelegt. Jeweils für ein paar Tage oder auch nur Stunden habe ich in der Zeit auch einige andere A-Klassen bewegen könne, mit verschiedenen Motoren, dazu im Bericht ein paar Details.
Nun denn, sehen wir uns das Fahrzeug also zuerst einmal näher an, das ich hier vorstelle. Das Fahrzeug wurde von mir wie immer nicht bestellt, sondern in dieser Ausstattung übernommen, also werte ich auch wieder die Nützlichkeit der Sonderausstattung nach meinem subjektiven Schema (++ = ein MUSS, + = macht Sinn, - = nicht nötig, -- = rausgeworfenes Geld):
- Mercedes A 200 CDI Avantgarde 5 türig 25.172,00 EUR
- Lackierung Polarsilber metallic 458,20 EUR (++)
- Polster Leder Schwarz 1.206,40 EUR (--)
- Fensterheber elektrisch 4-fach m. Funktionserweiterung 371,20 EUR (-)
- Komfort-Klimatisierungsautomatik THERMOTRONIC 568,40 EUR (++)
- Panorama-Lamellenschiebedach 1.090,40 EUR (-)
- Armauflage vorn mit Fach 220,40 EUR (++)
- Armlehne klappbar und entnehmbar im Fond 174,00 EUR (+)
- ISOFIX Kindersitzverankerungen im Fond 0,00 EUR (-)
- Außenspiegel elektrisch heranklappbar 197,20 EUR (--)
- Gepäcknetz an Fahrer- und Beifahrerlehne 58,00 EUR (++)
- Innenraum-Lichtpaket 150,80 EUR (-)
- Innenspiegel automatisch abblendbar 237,80 EUR (++)
- Lenksäule mechanisch längs einstellbar 156,60 EUR (++)
- PARKTRONIC 638,00 EUR (++)
- Scheibenwaschanlage beheizt 191,40 EUR (++)
- TEMPOMAT inkl. SPEEDTRONIC 290,00 EUR (++)
- CD-Wechsler im Handschuhfach 458,20 EUR (+)
- Handy-Vorrüstung mit Schnittstelle 533,60 EUR (--)
- Radionavigation Audio 50 APS 2.018,40 EUR (+)
- Sound-System Surround 754,00 EUR (-)
- Notlaufrad anstelle Reifendichtmittel TIREFIT 0,00 EUR (++)
- Leichtmetallräder 7-Speichen-Design inkl. Sportfahrwerk 638,00 EUR (++)
- Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Abbiegelicht 957,00 EUR (+)
- Licht- und Sichtpaket Exterieur 127,60 EUR (-)
- Sidebag im Fond 388,60 EUR (-)
- Windowbag 261,00 EUR (+)
- Automatische Kindersitzerkennung (AKSE) 40,60 EUR (++)
- Multikontursitz links vorne 243,60 EUR (++)
- Sitzheizung elektrisch Vordersitze 319,00 EUR (++)
- Vordersitz elektr.verstellb. links 348,00 EUR (+)
- Vordersitz elektr.verstellb. rechts 290,00 EUR (--)
- Dieselpartikelfilter 522,00 EUR (++)
- Steckdose im Laderaum (12V) 23,20 EUR (-)
Gesamtpreis ab Werk zzgl. Überführung inkl. 16 % MwSt. 39.103,60 EUR
Preise Stand 12.10.2004
Preise und Ausstattung
Zugegeben, beim Anblick der Preise befällt mich angesichts des Fahrzeugsformats spontan leichtes Grauen.
Das hier vorgestellte Auto ist auch bis auf ein paar Ausnahmen voll ausgestattet, sicher ein seltenes Exemplar in Kundenhand.
Lassen wir also die Vernunft walten und schauen mal, was denn wirklich sein sollte, wenn man sich zum Kauf entschließt.
Im Grunde bleiben da nicht viele Muß-Zutaten, auch eine A-Klasse ab Werk ist nicht mehr nackt, die angenehmen Dinge des täglichen Lebens sind serienmäßig dabei, beim hier vorgestellten A 200 CDI sogar schon wahlweise eine der höherwertigen Ausstattungen Avantgarde oder Elegance. Grundzutaten wie Klimaanlage, ABS, ESP, eine große Garnitur Airbags hat aber selbst ein A 150 schon serienmäßig an Bord.
Mir eine wirkliche Empfehlung wert sind nur ein paar Dinge: das Xenonlicht, die Parktronic, der Tempomat und ein bißchen was breiteres bei der Bereifung.
Als völlig unverzichtbar sehe ich den aufpreispflichtigen Rußpartikelfilter an, die Investition wird beim späteren Wiedervekauf mit Sicherheit bestens honoriert.
Und als Tip für Sparfüchse: ab Werk kann man auch nur Lautsprecher und Antenne mitbestellen, für unter 280 Euro. Dies dann mit einem Nachrüstnavigationsgerät (z.B. Becker Indianapolis) kombiniert spart eine Menge Geld und bietet annähernd die gleiche Leistung wie die ab Werk verbaute Lösung. Mit einem Sparpotential von über 600 Euro ohne Verzicht.
Karosserie
Hier ist der erste wirkliche Fortschritt gegenüber dem Vorgänger W168 zu verzeichnen. Die A-Klasse ist ein Stück gewachsen, allerdings ohne das Kompaktsegment zu verlassen.
Jetzt wirkt das Auto jedenfalls deutlich erwachsener, es steht viel fülliger auf der Straße, auch die Räder haben an Format gewonnen.
Egal aus welcher Perspektive betrachtet, die A-Klasse hat jede Kleinwagen-Anmutung verloren.
Sieht man sich das Auto ganz genau an, kann man nur eine wirklich routinierte Fertigungsqualität assistieren, die Spaltmaße sind klein, nirgendwo gewinnt man den Anschein, das gespart wurde.
Der Innenraum
Schon beim ersten Öffnen der Tür wird klar, das hier im Vergleich zum Vorgänger, der noch eine triste Plastikwüste im Innenraum ohne jeden gestalterischen Pfiff zeigte, ein gewaltiger Schritt getan wurde.
Nichts wirkt mehr billig, es sind sehr ansehnliche Instrumente ähnlich denen der aktuellen C-Klasse verbaut, die Mittelkonsole mit ihren dezenten Aluzutaten links und rechts macht endlich auch einen gediegenen Eindruck.
Dazu kommt eine den Preisen angemessene Materialauswahl, die A-Klasse ist endlich erwachsen geworden.
Platzverhältnisse
Vorn wie hinten wird gemessen am Fahrzeugformat erstaunlich viel Platz geboten. Hier macht sich das eher vanartige Raumkonzept positiv bemerkbar.
Es dürfte kaum ein Auto geben, das auf dieser Grundfläche ähnlich großzügige Platzverhältnisse wie die aktuelle A-Klasse bietet.
Vorn ist im Vergleich zum Vorgänger der entscheidende Tick an Ellenbogenbreite dazugekommen, um den Unterschied zu einem Kleinwagen auch spürbar zu machen.
Hinten werden sich Passagiere bis 1.85m Körpergröße vernünftig untergebracht vorkommen, zumindest für kurze Strecken.
Der Kofferraum ist der wohl größte seiner Klasse, mit 435 Litern in Normalstellung der Rücksitze ist er durch seine kubische Form und die große Zugangsöffnung auch bestens nutzbar. Bei umgeklappten Rücksitzen ergibt sich eine weitgehend ebene Fläche, die durch eine (aufpreispflichtig) klappbare Beifahrersitzlehne auch für wirklich lange Gegenstände nutzbar wird. Diese klappbare Lehne läßt sich nicht mit der elektrischen Sitzverstellung für den Beifahrer kombinieren, ist im Testwagen also nicht verbaut.
Die Sitze
Bislang eher ein ganz schwarzes Kapitel in der A-Klasse ergibt sich nun erstmals das, was ich einen angenehmen Aufenthaltsort nenne. Im Testwagen mit allen aufpreispflichtigen Zutaten versehen, ergibt sich tatsächlich ein hoher Wohlfühlfaktor.
Ich bestehe bei den von mir gefahrenen Autos zwar meist auf Sportsitzen, diese bietet Mercedes bei der A-Klasse jedoch nicht an.
Die Option Multikontursitz kommt dem aber nahe, allen, die keine sportlichen Ambitionen hegen, empfehle ich auf jeden Fall das Sitzkomfortpaket, das für vergleichsweise extrem günstige 116 Euro Lordosenstützen für Fahrer und Beifahrer sowie eine Höhenverstellung für den Beifahrsitz mitbringt, dazu läßt sich damit auch das Sitzkissen in der Neigung regulieren.
Die elektrische Sitzverstellung muß nicht sein, sie läßt sich zwar perfekt bedienen, es fehlt jedoch eine Speichermöglichkeit, was den Nutzen doch sehr einschränkt.
Die hinteren Sitze verlieren doch ein ganzes Stück weit an Sitzkomfort, da sitzt es sich in einem aktuellen Golf oder Astra einfach besser.
Verarbeitung - Material - Haptik
Die zweitgrößte Schwachstelle der A-Klasse bisher.
Von der traurigen Plastikwüste mit Billigstanmutung und Jammerinstrumenten ist gottseidank nichts geblieben.
Jetzt sieht alles nach Mercedes aus und fühlt sich auch so an. Im hier vorgestellten Avantgarde sind dezente Aluapplikationen verarbeitet, das Gros der Kunden wird wohl Elegance wählen, das dort verwendete Holz ist auch Holz und kein Plastik, wer sowas mag, der wird sich wohlfühlen.
Mein ewiger Kritikpunkt wird allerdings das Leder auf den Sitzen bleiben, das ist bei Mercedes schon traditionell bis zum Kunstlederfeeling lackiert. Nicht mein Ding. Die beim Avantgarde serienmäßige Stoff-/lederkombination ist die angenehmere Alternative.
Ein Wort zur Sitzheizung: wirklich schnell, für kreuzlahme wie mich sehr angenehm ausgelegt.
Die Technik
Der Motor
Der hier vorgestellte Testwagen verfügt über den "größten" lieferbaren Diesel.
Die drei angebotenen Diesel unterscheiden sich aber nicht im Hubraum (alle haben einheitlich 1.991ccm³, ob A160, A180 oder A200 CDI), lediglich die verbauten Turbolader und die Abstimmung der elektronischen Steuerung schafft die verschiedenen Leistungsklassen.
Im A 200 CDI werden 140 PS (103 KW) bei 4.200 U/min geboten, leistungsmäßig entspricht er also z.B. einem Golf 2.0 TDI.
Das maximale Drehmoment von 300Nm bei 1.600 bis 2.600U/min ist in der Zwischenzeit eher am unteren Rand der Klasse angesiedelt.
Zur Übersicht mal alle angebotenen Varianten:
- A160 CDI 82PS/60KW bei 4.200U/min, max. Drehmoment 180Nm bei 1.600-2.600 U/min, 170km/h Höchstgeschwindigkeit, EU-Mix Verbrauch 4.9l/100km, Leergewicht 1.325kg
- A180 CDI 109PS/80KW bei 4.200U/min, max. Drehmoment 250Nm bei 1.600-2.600 U/min, 186 km/h Höchstgeschwindigkeit, EU-Mix Verbrauch 5.2l/100km, Leergewicht 1.345kg
- A200 CDI 140PS/103KW bei 4.200U/min, max. Drehmoment 300Nm bei 1.600-2.600U/min, 201km/h Höchstgeschwindigkeit, EU-Mix Verbrauch 5,4l/100km, Leergewicht 1.365kg
- A150 95PS/70KW bei 5.200U/min, max. Drehmoment 140Nm bei 3.500-4.000U/min, 175 km/h Höchstgeschwindigkeit, EU-Mix Verbrauch 6,2l/100km, Leergewicht 1.225kg
- A170 85PS/116KW bei 5.500U/min, max. Drehmoment 155Nm bei 3.500-4.000U/min, 188 km/h Höchstgeschwindigkeit, EU-Mix Verbrauch 6,6l/100km, Leergewicht 1.240kg
- A200 100PS/136KW bei 5.750U/min, max. Drehmoment 185Nm bei 3.500-4.000U/min, 200 km/h Höchstgeschwindigkeit, EU-Mix Verbrauch 7,2l/100km, Leergewicht 1.270kg
Erstaunlicherweise sind in der A-Klasse auch nur die Diesel als Vierventiler ausgeführt, die Benziner atmen ganz altmodisch durch je ein Ventil ein und ein zweites aus.
Das Getriebe
Auch hier wurde neu entwickelt, bis auf die beiden stärksten Diesel gibt es fünf Gänge ab Werk.
Das hier im Testwagen verbaute 6-Gang Getriebe ist eine komplette Neuentwicklung, in der Schaltbarkeit zwar noch ein Stück weg von wirklichen Spitzenreitern auf dem Gebiet (z.B. BMW im Einser), aber für Benz Verhältnisse doch schon sehr gut verbessert.
Die optionale neue Automatik, Autotronic genannt, ist zumindest technisch ziemlich spannend. Mercedes kombiniert hier erstmals im Serienfahrzeugbau ein stufenloses Getriebe (über Schubketten gelöst, ähnlich wie Audi bei der Multitronic) mit einem konventionellen Drehmomentwandler. Offenbar haben die Daimler Ingenieure aufmerksam auf die Mitbewerber geschaut und ihnen ist nicht entgangen, das die bisher angebotenen Lösungen tatsächlich Probleme mit der Dauerhaltbarkeit hatten. Befreit von Anfahrleistung durch den Wandler, sollte die Mercedes-Lösung lange halten... mit dem großen Nachteil, das ein Teil des Wirkungsgrades wieder im Wandler verpufft... Schlupf kostet nunmal Effizienz und damit Kraftstoff.
Da bin ich schon auf das Fahrerlebnis gespannt, bisher ist mir noch keine A-Klasse damit begegnet, offizieller Einsatz ist auch erst ab dem 1. Quartal 2005.
Das Fahrwerk
Erinnern wir uns an die Markteinführung des Vorgängers.
Der ist in erster Linie durch den Elchtest bekannt geworden, sehr unrühmlicher Aspekt dieses Modells.
Ohne den Fahrwerksmurk bei der ersten A-Klasse würden unsere Autos heute sicher noch alle bestens ohne ESP klarkommen und so mancher Fahrwerksentwickler würde auch weniger der Elektronik als mehr der Realität vertrauen.
Dem einen sin Uhl....
Ich bin bekennender ESP Gegner, oder besser großer Freund von gut abgestimmten konventionellen Fahrwerken, die leider immer seltener werden, weil die Industrie halt an Elektronik glaubt. Ich nicht, ich lebe davon.
Doch endlich zur aktuellen A-Klasse.
Hier kommt eine weiterentwickelte Achskonstruktion zum Einsatz, hinten bleibt Mercedes dem platzsparenden Konzept einer Verbundlenkerachse treu, allerdings im neuen Layout.
Dazu kommen ein neuartiger Stoßdämpfertyp, der ähnlich wie beim Astra meachnisch bereits Regelaufgaben übernimmt.
Die Bremsanlage ist bei allen Modellen mit vier Scheibenbremsen versehen, ab 116 PS vorne innenbelüftet, dazu das obligatorische ABS und ein Bremsassistent, der Ungeübten im Notfall zu einer echten Notbremsung verhilft... mal was sinnvolles, den sogenannten "Bremsschlag" beherrschen von Hause aus nur die, die zumindest mal an einem Sicherheitstraining teilgenommen haben.
Fahren wir endlich!
Also, rein ins Auto.
Dank logischer Sitzverstellung und des (aufpreispflichtig... Mercedes, ihr lernt es nie!) in beiden Ebenen verstellbaren Lenkrads ergibt sich eine fast allen Staturen passende Sitzposition.
Den Schlüsselersatz ins Schloß gefummelt, ein kurzer Dreh, der Diesel nimmt seine Arbeit auf.
Auch im kalten Zustand noch kultiviert, ein wenig mehr dieselig als der BMW Vierzylinderdiesel, aber doch ok.
Die ersten Meter sind leicht verruckelt, auch da bleibt Mercedes der Tradition Bonanza verhaftet.
Mit ein bißchen mehr Gas als gewohnt klappt Anfahren aber doch, vom versprochenen Drehmoment ab 1.600U/min bleibt aber wenig zu fühlen, erst bei 2.000 U/min kommt Leben in die Fahrt.
Die ersten Kilometer bis zur Autobahn schwimmen wir ruhig im Verkehr mit, auf Anhieb gelingt die Bedienung, auch das serienmäßige Multifunktionslenkrad und die damit abrufbaren Funktionen gehen gleich in Fleisch und Blut über.
Ab auf die Autobahn.
Beim Ausdrehen der unteren Gänge wird der Diesel leicht brummelig, nicht lästig, aber mehr Rauhbein like PD-Diesel im Golf als Ohrenschmeichler wie im BMW, störend laut wird es allerdings nie.
Einmal im sechsten Gang angekommen, bleibt der auch für die nächsten fast 300km eingespannt, selbst Baustellen mit 60km/h gehen brummelig, aber klaglos, auch für schaltfaule Fahrer wird genug Druck geboten, ohne das man sich gleich wirklich stark motorisiert vorkommt.
Im Bereich der Höchstgeschwindigkeit ist die A-Klasse aber nach wie vor etwas windempfindlich, mein Wohlfühltempo stellt sich zwischen Tacho 160 und 180 ein, da gibt es noch ein bißchen Reserve nach oben.
Da ich ja (noch) in einer Mittelgebirgslandschaft wohne, geht es die letzten 30km wieder wie gewohnt über schmale und kurvige Landsträßchen bergauf und bergab nach Hause.
War das früher für eine A-Klasse eine absolut unangenehme Strecke, ist auch dies jetzt erträglich. Die absoluten Kurvengeschwindigkeiten bleiben recht niedrig, treibt man es zu heftig, zeigt sich kurz deutliches Untersteuern, bevor das ESP die Fuhre rigoros wieder auf Kurs bringt.
Die Auslegung ist betont sicher, Aktivität und Fahrspaß standen klar hinter dem Thema Sicherheit bei der Fahrwerksentwicklung.
Aber im Gegensatz zu früher stellt sich doch ein wenig Fahrspaß ein, auch die jetzt elektrisch beaufschlagte Servolenkung, die geschwindigkeitsabhängig geregelt ist, steht dem nicht entgegen. Das Lenkgefühl ist in Ordnung, nur minimal synthetisch, lediglich in schnell gefahrenen Wechselkurven verhärtet die Lenkung deutlich, auch wieder auf Sicherheit getrimmt, um ein Verreißen des Fahrzeugs zu verhindern.
Im Alltag bleibt die A-Klasse ansonsten ein unauffälliger Begleiter, die Dinge des täglichen Lebens sind gut gelöst, es gibt genug Ablagen für Kleinkram, die Bedienung gehorcht dem gewohnt guten Mercedes-Schema, es stellt sich ganz schnell eine große Vertrautheit mit dem gesamten Fahrzeug ein.
Dazu gehört auch eine ordentliche Klimatisierung, mit der (aufpreispflichtigen) Thermotronic Klimaanlage zieht eine für Fahrer und Beifahrer separat regelbare Temperatursteuerung ein, die einmal gewählte Temperatur wird gut gehalten.
Andere Motoren
Da kann ich jeweils nur einen Kurzeindruck liefern, da ich bis auf den A 180 CDI (den hatte ich eine Woche), jeweils nur ein paar Kilometer zurücklegen konnte.
- A150: antrittsschwach, bißchen brummig, aber ausreichend, starke Ruckelneigung im Teillastbereich
- A 170: recht harmonisch, sehr kultiviert, nur minimal brummig, weniger verruckelt
- A 200: gleichmäßige Leistungsentfaltung, angenehmes Grunddrehmoment, oben rum brummig, verruckelt bei langsamer Fahrt
- A 160 CDI: subjektiv Anfahrschwäche, wirkt obenrum eingeschnürt, sehr leise, wenig Ruckelneigung
- A 180 CDI: harmonischster Diesel, paßt gut zum Komfortcharakter der A-Klasse, guter Antritt
Und das Fahrverhalten?
Wie schon oben beschrieben, gibt es auch hier einen sehr deutlichen Fortschritt gegenüber dem Vorgänger.
Nicht so kurvengierig wie ein BMW Einser, nicht so handlich und agil wie ein Astra, aber doch für den Normalfahrer sehr gut abgestimmt.
Die Bremse macht einen guten Eindruck, besser jedenfalls als das synthetische Gerät z.B. in der aktuellen E-Klasse.
Weitgehend spurtreu, auch bei hoher Last fast ohne Fading, angenehm.
Licht und Sicht
Beginnend mit der guten Rundumsicht (Mercedes hat gegen den Trend die A-Säulen wieder schmaler gemacht) ergibt sich auch hier ein positives Bild.
Das Abblendlicht mit dem aufpreisbehafteten Xenon-Licht ist gut, das Abbiegelicht nervt wenig, das Fernlicht ist besser als die realisierbaren Fahrleistungen. Lediglich die Ansprechschwelle des Lichtsensors gefällt mir nicht. Lösung: ich fahre auch tagsüber mit Abblendlicht.
Dazu erstmals seit ewigen Zeiten auch bei Mercedes mal ausnahmsweise ein auch bei höherem Tempo ordentlich funktionierender Scheibenwischer, ich finde wenig Raum für Kritik. Ok, doch: die eierlegende Wollmilchsau als Blinker-, Scheibenwischer usw. Steller wird nie meine Zustimmung finden.
Komfort
Mal abgesehen vom leicht brummigen Motor wird ein sehr guter Grundkomfort geboten. Auch mit der optionalen Breitbereifung und Sportfahrwerk, wie es hier im Testwagen verbaut ist, bleibt ein angenehmer Federungskomfort erhalten.
Straff, aber nicht hart, bei zunehmendem Tempo immer besser werden die Unbilden der Straße geschluckt.
Lediglich die Hinterachse ist auf Autobahnquerfugen minimal stößig, vorne Sitzenden stößt das aber kaum negativ auf.
Die Geräuschkulisse ist dezent, auch Windgeräusche halten sich sehr zurück.
Frauentauglichkeit
Der "Knuffel"-Faktor der aktuellen A-Klasse ist recht hoch, alle weiblichen Wesen, mit denen ich über das Auto sprach, fanden die Form gelungen.
Dazu kommt die vanartig (und dank des doppelten Sandwichbodens technisch bedingte) hohe Sitzposition wohl vielen Frauen gerade recht, um sich wohlzufühlen.
Nimmt man dazu die leichte Bedienbarkeit, die vielen wirklich praktisch gelösten Details rund um Beladung, so halte ich die aktuelle A-Klasse für ein sehr geeignetes Frauen- oder Familienmobil im täglichen Kiga Einsatz.
Kosten
Naturgemäß starte ich da mal mit dem Verbrauch.
Den EU-Mix Verbrauch von 5.4l/100km werden wohl nur extrem ruhige Naturen erreichen. Ruhig gefahren liefen bei mir 6.2l/100km durch die Einspritzdüsen, der höchste Verbrauch auf nächtlicher Vollgasetappe betrug knapp 10l/100km.
Im Schnitt über alle Kilometer verbrauchte der hier vorgestellte A 200 CDI fast exakt 7l/100km. Wenig angesichts der Fahrleistungen, höchst durchschnittlich im Vergleich zu den Mitbewerbern.
Ein von mir bewegter Golf V mit DSG Getriebe und 2.0 TDI Motor brauchte im Schnitt 6.4l/100km, selbst unsere BMW 320d in der Firma liegen unter 7 Litern.
Also, kein Ruhmesblatt für die A-Klasse, aber auch keine Schande.
Die beiden anderen Diesel dürften im übrigen bei jeweils gleicher Fahrweise fast identische Verbrauchswerte erzielen, eine Woche hatte ich z.B. einen A 180 CDI, der sich im Verbrauch vom A 200 CDI wirklich nicht unterschieden hat.
Die Versicherungstypklassen für den A 200 CDI sind sehr zivil, von der Haftpflichttypklasse 18 über 21 bei Teilkasko bis 19 bei Vollkasko ist er eher am unteren Rand der Leistungsklasse angesiedelt. Dies kann sich aber ändern, warten wir mal ab, was die Fahrer da verändern durch ihr Schadenverhalten.
Der zu erwartende Wertverlust ist eher niedrig, allerdings da auf eine vernünftige Ausstattung bezogen, eine Vollausstattung wie im Testwagen wird in dieser Fahrzeugklasse nicht honoriert, sondern verliert überdurchschnittlich an Wert.
Die Werkstattkosten bei Mercedes sind eigentlich recht human, auch die aktuelle A-Klasse muß nicht mehr in festen Intervallen zum Service, je nach Fahrweise wird etwa alle 12.000-20.000km eine Wartung fällig sein.
Für kräftige Turbodiesel allerdings typisch ist der deutlich erhöhte Verschleiß der Reifen der Antriebsachse, hier darf man damit rechnen, spätestens alle 20.000km neu zu besohlen.
Die Gesamtkosten sind jedenfalls eher moderat, vom stolzen Anschaffungspreis mal abgesehen.
Fazit
Ich bin sicher nicht als extremer Freund der Marke mit dem Stern bekannt.
Und angesichts des Preises fällt es mir auch schwer, dafür keinen Stern abzuziehen.
Betrachtet man aber mal objektiv alle Qualitäten, die raumökomisch sinnvoll gemachte Karosserie, den kräftigen, doch sparsamen Motor, die gelungene Materialauswahl im Innenraum, dann wird der Baby-Benz der erste Mercedes, dem ich wirklich was gönne.
Fünf Sterne, Operation für Mercedes gelungen!
Soderle. Und wie immer an dieser Stelle sind mir Kommentare, Kritik und Wünsche, was Ihr im Bericht vermißt, sehr willkommen!
Den kompletten Bericht inklusive Bilder und technischen Daten gibt es auf meiner privaten Page: http://www.autotestnet.de
60 Bewertungen, 6 Kommentare
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06.10.2007, 10:57 Uhr von freshmaik
Bewertung: sehr hilfreichsuper Bericht!
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27.06.2005, 13:12 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichtotal ausführlicher bericht. aber ich mag den benz nicht, egal, in welcher ausführung, mir gefallen die autos einfach nicht... liebe grüße tammy
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26.06.2005, 21:13 Uhr von Magayla
Bewertung: sehr hilfreichso wie man es von Dir kennt, in S. Frauentauglichkeit kann ich Dir nur Recht geben, meine Kollegin ist von dem Auto auch nur begeistert. GLG Matthias
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25.06.2005, 18:22 Uhr von mojito
Bewertung: sehr hilfreichWirklich schöner Bericht!
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18.10.2004, 01:09 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichdie kurzzusammenfassung am anfang gefällt mir sehr gut... aber der rest des berichtes natürlich auch! LG Silke
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14.10.2004, 19:53 Uhr von german_girl
Bewertung: sehr hilfreichalso wenn ich mir deine berichte so durchlese, habe ich echt das gefühl, das du schreibsüchtig bist. du schreibst ja halbe romane, wer soll sich denn das alles durchlesen? aber nen sehr ausführlicher guter bericht, wieder mal. Liebe grü
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