Erfahrungsbericht von Fahrenheit451
Quo vadis Deutschland ? Gedanken zur PISA-Studie
Pro:
Objektiver Vergleich;das kurzfristige Aufwachen der Massen
Kontra:
Leider schon wieder in Vergessenheit geraten; es hat sich nichts geändert
Empfehlung:
Nein
Ziemlich entsetzt habe ich vor einiger Zeit das Ergebnis der Studie gelesen und nun beschlossen, meine damaligen Gedankengegänge zu diesem Thema hier zu posten, um mal einige andere Aspekte der Sache aufzuzeigen und eventuell eine erneute Diskussion anzuregen, da die verherrenden Ergebnisse leider schon fast wieder in Vergessenheit geraten sind.
Die Pisa Studie - alle sind geschockt und niemand ist der Schuldige.
Deutschland in Sachen Bildung auf den hintersten Rängen weit abgeschlagen? Wie kann das sein? Was wird falsch gemacht und wie können Deutschlands Schüler wieder an die Spitze gelangen? Solche und andere Fragen waren einige Tage nach der Veröffentlichung der Ergebnisse in aller Munde und wurden heftigst diskutiert.
Jedoch geht es nicht alleine um (das vieldiskutierte)
geringe Wissen der Schüler-auch andere wunde Punkte wurde durch die Studie offengelegt; hierzu einige Gedanken meinerseits:
Stellt sich der ursprüngliche Zustand der Gesellschaft wieder ein, der anscheinend schon wieder viel zu lange zurückliegt, als das er erwähnenswert wäre?Alle Menschen sind gleich-nur in punkto Wissen und Bildung sind sie es weniger? Hat jeder (wenn man die Studie liest, anscheinend eher nicht..) wirklich die gleichen Chancen, wenn es um die Schulbildung geht? Wird wieder von Anfang an durch Herkunftsfamilie und soziales Umfeld festgelegt, welche
schulischen und beruflichen Wege ein Mensch beschreiten kann und welche nicht? Höheres Einkommen-bessere Wohngegend-bessere Schulbildung? Wird es bald wieder eine regelrechte "Klassenteilung" der unterschiedlichen Schichten geben? Kommt es eventuell sogar zu einer Renaissance der Privatschulen, durch diejenigen, die sich das für ihre Nachkommenschaft leisten können ?
Außerdem: Vermittelt heutzutage noch irgend ein Mensch den Jugendlichen und Kindern, dass es wichtig ist, nach Wissen zu streben oder es zu erlangen? Man sollte hier wirklich nicht alles auf die Lehrer und die ausländischen Schüler schieben. Das Problem fängt mit der Wertigkeit an, die Wissen in der heutigen Zeit hat; nämlich fast gar keine. Klar, man kann mit einigermaßen guter Allgemeinbildung zu "Wer wird Millionär" gehen und dort eventuell
abräumen. Aber ansonsten? Ist nicht das was heute"scheinbar" wirklich zählt, die Optik und die Verpackung. Wer fragt den noch nach dem Inhalt? Medien reduzieren "Wissensinhalte" immer mehr auf "kleine gebrauchsfertige" Päckchen, die man zwischen den Werbepausen in einer scheinbar "anspruchsvollen" Sendung unterbringen kann. Es geht meistens doch nur um Sex,das Aussehen von Gegenständen und Personen, Unterhaltung, Spaß und hirnlosen Zeitvertreib.
Wenn man sich noch an das TV-Programm vor Jahren erinnert, wird man wissen, was ich meine... doch versteht mich nicht falsch, ich möchte nicht alles nur auf die "bösen Medien" schieben-es gibt ja genug Leute, die sich damit zufrieden geben und denen es (scheinbar?) gut damit geht. Wie sollen Kinder und Jugendliche erst damit umgehen können, wenn Ihnen keiner einen sinnvollen und zufriedenstellenden Weg zeigt; wenn es die Erwachsenen schon nicht
können und damit zum größtenteil überfordert sind?
Die Gesellschaft ist bequem geworden-Sachverhalte und Geschehnisse, die vor Jahren noch undenkbar gewesen wären, werden klaglos hingenommen. Keiner hinterfragt mehr die Dinge und geht dagegen an. (Wie denn auch, mit einer solch "mangelhaften" Schulbildung als "background", in der die guten Noten nicht durch eigenes Denken sondern durch stumpfes "Auswendiglernen" erworben werden..) Und überhaupt- Wie sollen denn die Lehrer bitteschön mit ihren
unzureichenden Lehrmaterialien und den nicht gerade unbedingt "up-to-date" Lehrplänen mit der moderne Gesellschaft mithalten können? Ein Lehrer in direkter Konkurrenz zu Popstars, Entertainern und anderen Showgrößen? Mmmh, da kann er ja nur verlieren. Sollte man vielleicht den "cordhose-tragenden" fast kahlen Lehrer mit der einschläfernder Sprechweise gegen einen Moderator mit Nasenring tauschen, damit die Schüler wenigstens etwas auf den Lehrstoff
reagieren? Sollte man Preisgelder verteilen, wenn jemand eine Frage richtig beantwortet hat? Sollte es vielleicht Pulte mit "Winbuttons" geben, auf die der geneigte Schüler bei passender Antwort dann drücken kann? Seien wir mal ehrlich, nach der dauernden Berieselung mit "tollen Events" im TV und sonstwo kann es doch nicht wirklich interessant sein, in eine Schule zu gehen, in der die komplette Einrichtung noch aus den 70er stammt und der Lehrer
schon längst resigniert hat und dem Ganzen nichts mehr entgegenzusetzen weiß? Lehrer sind auch nur Menschen, nicht schlechter und nicht besser als andere...wie überall in jedem Beruf gibt es welche, die ihr "Fach" beherrschen und andere die völlig fehl am Platz sind. Doch ist das nicht menschlich? Haben wir nicht allgemein einen viel zu überzogenen Anspruch an die Pädagogen, die das ja schließlich "studiert haben" und dann auch noch "haufenweise"
Geld dafür kriegen? (Nicht zu vergessen: die langen Ferienzeiten..) (IRONIE)
Langer Reder -kurzer Sinn:Es muss sich unbedingt etwas ändern. Auf die Dauer kann das alles nicht gut gehen. Ich sehe da vielen "sozialen Sprengstoff" auf uns zu kommen.
29 Bewertungen, 3 Kommentare
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22.11.2002, 08:38 Uhr von greinha
Bewertung: sehr hilfreicheine (Teil)-Lösung: Lehrer sollten KEINE Beamten sein, damit sie mit den Erfolgs- Misserfolgstrends ihrer Schüler direkt mitverantworten und im schlimmsten Falle am eigenen Leib spüren. Wer seinen Job schlecht macht, kann (soll) ihn auch ge
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23.04.2002, 16:25 Uhr von Mesalina
Bewertung: sehr hilfreichÁls betroffene Lehrerin habe ich natürlich viel Anklage auch von den Eltern bekommen (obwohl nicht einmal die Hälfte weiß, worum es bei PISA geht!). Erschüttert hat mich die Tatsache, dass das Ansehen der Lehrer in keinem andere
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23.04.2002, 16:19 Uhr von SexyHexy
Bewertung: sehr hilfreichTja, das Ergebnis ist echt mau!!!
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