Peking Testbericht
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Erfahrungsbericht von jabberwocky666
6 Tage in Peking
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
1a) Fox-Tours
- 1. Tag: Ankunft, Lama- und Konfuziustempel, Hotel
- 2. Tag: Platz des Himmlischen Friedens, Kaiserpalsat, Verbotene Stadt, Himmelstempel, Peking-Oper
- 3. Tag: Große Mauer und Ming-Gräber
- 4. Tag: Sommerpalast, Tempel des liegenden Buddah, Akrobatikshow
- 5. Tag: Shopping in Beijing
- Fazit
- Einleitung:
Wenn man mich bisher nach meinen Reisezielen gefragt hat, bekam man einiges zu hören. Trotz aller Reiselust hat mich ein Land jedoch nie gereizt und ich wäre freiwillig wahrscheinlich auch nie dorthin gegangen: China. Mein bisheriges Wissen über China ließ sich in wenigen Worten zusammenfassen: Es gibt über 1 Milliarde Chinesen, die sich von allem ernähren, was nicht schnell genug flüchtet. Das Land liegt in Asien, ist so groß wie Europa, kommunistisch, arm, hat eine große Mauer (die man als einzigstes Bauwerk der Erde sogar vom Mond aus erkennen kann) und einen Platz des Himmlischen Friedens, der vor nicht allzu langer Zeit Schauplatz eines wenig friedlichen Massakers an der Bevölkerung war. Mit diesem Basiswissen ausgestattet konnte ich mir bessere Reiseziele vorstellen als ausgerechnet China.
Nun kommte es öfter anders, als man denkt, und so erging es auch mir. Im August letzten Jahres erhielt meine Freundin ein Schreiben von Kabel 1, in dem man sich für ihre Teilnahme am Gewinnspiel „Erinnere Dich“ bedankte und mitteilte, dass sie den Hauptpreis gewonnen habe: 1 Woche Peking für 2 Personen. Nun gut, sie konnte sich zwar nicht an „Erinnere Dich“ erinnern (was an Gewinn24.de lag, die sie an diesem Gewinnspiel eingetragen hatten), doch das Schreiben klang seriös und wirkte echt. Die Reise sollte mit dem uns unbekannten Unternehmen Fox-Tours (TUI-Gruppe) stattfinden, das uns alle Unterlagen schicken würde.
1a) Fox-Tours: Zu Fox-Tours kann man nicht viel sagen, da die gesamte Abwicklung so perfekt war, dass man einfach keine Kritik äußern kann. Unmittelbar nachdem wir uns mit Frau Kunst von Fox-Tours in Verbindung gesetzt hatten, bekamen wir schon den Katalog, in dem unsere gewonnene Reise aufgeführt war. Außerdem erfuhren wir, dass wir nicht nur die Reise an sich gewonnen hätten, sondern auch die Visa-Gebühren, das Ausflugspaket und den Zubringerflug nach Kopenhagen. Wir mussten für diese Reise lediglich noch die Abflugsteuer in Beijing entrichten, was mit 9 Euro pro Person nicht sonderlich zu Buche schlug.... Die Reiseunterlagen waren super zusammengestellt; man erfuhr nicht nur alle Flugtermine und Wissenswertes über Peking, sondern erhielt auch noch einen Reiseführer. Auch sonst war der gesamte Reiseablauf perfekt organisiert, was wohl ein übliches Leistungsmerkmal von Fox-Tours sei, wie uns mehrere zufriedene Dauerkunden bestätigten.
Ein unschlagbares Argument von Fox-Tours sind jedoch die Preise. Die nachstehend geschilderte Reise hätte es einschließlich Übernachtung/Frühstück in einem 4-Sterne-Hotel bereits ab 499.- Euro gegeben (allerdings zu einem schlechten Reisezeitpunkt und ohne Ausflugspaket). Unsere Reisekosten für den Termin über Ostern hätten eigentlich wie folgt ausgesehen (pro Person):
Reise 699.- Euro / Zubringerflug 50.- Euro / Ausflugspaket 199.- Euro / Visum-Gebühren 31.- Euro. Also ein Erlebnis fürs Leben für unschlagbare 979.- Euro!
- 1. Tag: Ankunft, Lama- und Konfuziustempel, Hotel:
Gegen 11:30 Uhr Ortszeit kamen wir nach 11 Stunden Flug in Peking an. Da in der Nacht an Schlaf nicht zu denken war, waren wir ziemlich fertig und wollten eigentlich nur schnell ins Hotel. Leider gleichen die Einreisebestimmungen in China jedoch denen von Amerika, weshalb wir auch noch eine Erklärung ausfüllen mussten, ehe wir Einzeln zur genauen Musterung zum Zollbeamten durften. Diese Hürden dauerten etwa 30 Minuten, was aber dann den Vorteil hatte, dass unsere Koffer schon da waren. Peking (in der Landessprache Beijing) empfing uns mit angenehmen 20 Grad und einem diesigen Himmel.
Am Ausgang des Flughafens warteten schon einige Chinesen mit Fähnchen in der Hand, auf denen alle möglichen Touristik-Unternehmen standen. Einer trug auch die gelbe Fahne mit dem blauen Schriftzug „Fox-Tours“, den wir zielstrebig ansteuerten. Er fragte uns auf Deutsch nach unseren Namen und strich diese von seiner Liste ab. Dann bat er uns, etwas abseits am ausgestellten Modell eines Audi A8 zu warten. Ich nutzte die Wartepause, um vor dem Flughafen eine Zigarette zu rauchen, da der Flughafen selbst (wie fast alles in China) größtenteils rauchfreie Zone ist. Vor dem sehr modernen Flughafen fuhr ein fast endloser Strom Taxis vorbei, ausschließlich der Marken Citroen und VW-Santana bzw. Jetta. Diese drei Marken bestimmen auch das Stadtbild von Peking; vereinzelt sieht man noch Audis und ganz selten mal einen Mercedes.
Nach einer Wartezeit von fast 30 Minuten gesellte sich endlich mit bekümmerten Gesicht unser Führer zu uns und verkündete uns, dass 5 Gäste verschwunden wären, wir aber jetzt nicht länger warten könnten. Die Vermissten kamen übrigens drei Tage später an; sie hatten in Kopenhagen aus eigenem Verschulden den Flug versäumt.
Unser Führer stellte sich als „Li“ vor, was Pflaumenbaum bedeute und der Name von vielen Millionen Chinesen wäre. Da er sich unsere Namen nicht einzeln merken könne, wären wir für ihn einfach die „Li-Gruppe“. Beim Ertönen dieses Rufs sollten wir nach seinem Fähnchen Ausschau halten und ihm folgen. Bevor wir jedoch zum Bus gingen, sollten wir noch die „Halle der Harmonie“ aufsuchen, die wir schlichter als Toilette betiteln würden.
Nachdem unsere ca. 25 Köpfe starke Truppe sich ausgiebig erleichtert hatte, wurde uns eröffnet, dass wir aus Zeitgründen gleich mit den ersten Besichtigungen anfangen würden, lediglich unsere Koffer dürften mit einem anderen Bus ins Hotel fahren. Wir könnten jedoch im Bus für eine Stunde schlafen oder ihm zuhören. Auf der Fahrt erfuhren wir Wissenswertes über Beijing (was Hauptstadt des Nordens bedeutet), seine 13 Millionen Einwohner, 7 Millionen Fahrräder, 1,5 Millionen Autos und mindestens ebenso vielen Bussen. Wir erfuhren von Streichholzschachtelbauten, verkommenen Hochhäusern im Plattenbaustil mit kleinen Apartments bis zu 60 qm, die die Straßen säumten. Wir lernten die Chinesische Währung kennen (1 Yuan = 10 Ciao = 100 Fen, für einen Euro gibt es derzeit ca. 7 Yuan) und erfuhren, dass der Dollar wesentlich beliebter ist als unser Euro. Man sollte also unbedingt ein paar Dollar in der Tasche haben.
Außerdem wurde uns mitgeteilt, dass wir uns über Aufmerksamkeit seitens der Chinesen nicht wundern sollten, da viele von ihnen vom Land kämen und noch nie eine „Langnase“ (das chinesische Pendant für unser „Schlitzauge“) gesehen hätten. Tatsächlich wurden wir oftmals regelrecht angegafft, oft auch von netten Mädels um Fotos gebeten. Besonders meine Freundin wurde mit ihres langen, blonden Haares oft bewundert. Die Chinesen waren uns gegenüber eigentlich alle sehr freundlich, leider ist jedoch eine Verständigung völlig unmöglich. 99,9 Prozent der Chinesen sprechen nur chinesisch, selbst „Hello“ ist ihnen nicht bekannt. Wir haben dann schnell gelernt, dass „Ni hau“ auf chinesisch Guten Tag bedeutet und die Chinesen dann in ihrer Landessprache begrüßt, was gut ankam.
Vor der ersten Besichtigung sollten wir uns noch stärken, weshalb ein Hotel in Peking aufgesucht wurde. Dort lernten wir erstmals Essen a la China kennen.
Über das Essen hatten wir ja schon viel gehört; so sollte es z.B. in Peking keine Hunde auf den Straßen geben, weil diese immer gleich gegessen würden. Auch sonst bereiteten wir uns innerlich schon auf Schlange, Ratte und ähnliche kulinarische Leckerbissen vor. Wir wurden auf ganzer Linie enttäuscht. Zwar sah man in Peking tatsächlich keine Hunde, doch das liegt an einer Ausgehsperre tagsüber. Hunde dürfen nur früh morgens und spät abends Gassi geführt werden und gelten außerdem (wegen der hohen Hundesteuer) als Luxusartikel.
Das Essen spielt sich in China wie folgt ab: Etwas 10 Personen sitzen um einen großen, runden Tisch. Jeder hat einen Unterteller, eine kleine Reisschale und einen kleinen Teebecher vor sich. In der Mitte des Tisches befindet sich eine große, drehbare Platte, auf der diverse Speisen auf normalen Esstellern aufgetischt werden. Nun muss man sich schnell etwas von den angebotenen Köstlichkeiten nehmen, denn die besten Dinge sind schnell fort. Dargereicht wurde immer Schwein, Fisch und Hühnchen, auf alle möglichen und unmöglichen Arten angemacht. Zum Abschluss des Essens kommt dann noch die Suppe auf den Tisch, einfaches heißes Wasser mit Klössen. Alles in allem konnte uns das Essen selten wirklich begeistern, doch nachdem es im Ausflugspaket enthalten war, haben wir es dankend akzeptiert.
Unser erstes Ziel nach dem Essen war der Lamatempel, der nur bis 15:00 Uhr geöffnet hat. Von außen erkennt man lediglich eine Mauer, die Pagoden-Dächer einiger großer Häuser und eine dicke Rauchwolke, die über allem schwebt. Innen tobte das Leben in einer Art und Weise, die einem Europäer unverständlich erscheinen mag: Das Publikum in dem weitläufigen Areal bestand hauptsächlich aus jungen, modernen Chinesen zwischen 15 und 35 Jahren. Diese bewegten sich nun von Tempel zu Tempel und huldigten den dort aufgestellten Buddha-Figuren durch Kniefälle und Verbeugungen. Außerdem wurden überall Räucherstäbchen bündelweise abgebrannt, was den Rauch verursachte. Bei jeder Figur stand außerdem noch ein großer, prallgefüllter Spendenschrein, der von jedem Besucher weiter gefüttert wurde. Insgesamt gibt es in der Anlage ca. 10 verschiedene Buddhas (für Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Glück, Familie usw.), deren ungekrönter König eine geschnitzte Figur aus einem Baumstamm mit über 30 Metern Länge und 12 Metern Umfang ist. Um diesen Stamm vom Urwald nach Peking zu befördern, musste man den Winter abwarten. Dann hat man Wasser auf die Straßen gegossen und gewartet, bis sich Eis gebildet hatte – darauf wurde der Stamm dann gezogen.
Vom Lamatempel ging es dann in den benachbarten Konfuzius-Tempel, der ein weitgehend unbeachtetes Dasein führt, recht klein und menschenleer ist. Wir erfuhren, dass „Fuze“ ein Ehrentitel im alten China war und der Philosoph Konfuzius eigentlich nur Kon hieß. Diesen Artikel präsentiert Euch also Jabberfuze.
Am Ausgang des Tempels wartete schon unser Bus auf uns und wir durften endlich ins Hotel fahren. Das ursprünglich gebuchte Hotel wurde gerade teilweise renoviert, weshalb man uns in ein 5-Sterne-Hotel in der Nachbarschaft verfrachtete. Das „Beijing New Century Hotel“ ist ein Hochhaus in der Nähe des Zoos (und somit leider recht außerhalb) mit sehr großer Empfangshalle ohne jegliche Sitzmöglichkeit. Die Zimmer sind jedoch groß und geräumig, die (getrennten) Betten auch für Europäer problemlos zu nutzen und das Bad einwandfrei. Das Fernsehprogramm beschränkte sich leider auf Chinesisch und Englisch, war aber wirklich gut (dank dreier Moviechannels). Die Klimaanlage funktionierte am ersten Abend leider nicht (später schon), so dass es unangenehm heiß im Zimmer war. Allerdings waren wir so erschöpft, dass wir gegen 9:00 Uhr problemlos in den Schlaf sanken.
- 2. Tag: Platz des Himmlischen Friedens, Kaiserpalast, Verbotene Stadt, Himmelstempel, Peking-Oper:
Um 4:00 Uhr war die Nacht vorbei und der Jetlag machte sich bemerkbar. Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt zwar lediglich + 6 Stunden (bei Sommerzeit), doch man merkt es deutlich. Bis zum Frühstück um 7:00 Uhr dösten wir noch ein wenig, dann ging es an das, was sich „Intercontinental Breakfest“ nannte, jedoch nicht so berauschend war. Zwar gab es viele Dinge, doch die wenigsten schienen mir zu früher Stunde genießbar, weshalb ich nur ein Weißbrot aß und ein Orangensaft ähnliches Getränk zu mir nahm. Meiner Daniela erging es ähnlich, daran sollte sich in den nächsten Tagen auch nichts ändern.
Nach den angenehmen Temperaturen des Vortags wollte ich die anstehende Tour eigentlich nur mit T-Shirt bekleidet antreten, wovon mich meine Freundin nochmals abbrachte – man sollte öfter auf Frauen hören! Schon auf dem kurzen Weg vom Hotel zum Bus blies uns ein eisiger Wind ins Gesicht, der nichts Gutes erahnen ließ.
Unser Bus hielt direkt am Platz des Himmlischen Friedens, in Peking Tiananmenplatz genannt. Dieser Platz wurde für 1 Million Chinesen konzipiert und ist 2 Kilometer lang und 1,5 Kilometer breit! Wahrlich beeindruckend. In der Mitte befindet sich das Parlamentsgebäude.
An den Platz schließt der ehemalige Kaiserpalast mit Verbotener Stadt an, ein weiteres Areal von den Dimensionen des Tiananmenplatz. Der Tiananmenplatz und der Kaiserpalast bilden quasi das Herz Pekings. Allerdings ein zugiges Herz; der starke, kalte Wind setzte selbst denen zu, die in ihrer allumfassenden Weitsicht sogar eine Jacke dabei hatten. Mir war in meinem dünnen Pulli jedoch lausig kalt. Unseren Führer hinderte dieser Umstand leider nicht, uns den Kaiserpalast in allen Einzelheiten zu erklären, was zwar sehr interessant war, doch auch zu Erfrierungen führte.
Die Pracht des Kaiserpalastes stellt europäische Herrschaftshäuser weit in den Schatten. Ich will Euch (und mir) die Aufzählung der einzelnen Palastgebäude ersparen und nur eine interessante Geschichte wiedergeben: Wahrscheinlich weiß jeder, dass es in China gelegentlich kindliche Kaiser gab, also Kaiser im Alter ab 6 Jahren. Kam nun ein Beamter zu diesem Kaiser um ein Problem zu besprechen, so fand er den Kaiser auf einem Thron sitzend vor. Hinter dem Kaiser war ein Vorhang, hinter dem sich ein weiterer Thron befand. Auf ihm saß die Mutter des Kaisers und gab dem Kaiser die Antworten vor. Eigentlich hat also sie das Land regiert.
Ansonsten ist der Kaiserpalast sehr groß; zwischen den einzelnen Palastgebäuden finden sich große Plätze, durch die Mitte der gesamten Anlage zieht sich ein Marmorweg, der dem Kaiser vorbehalten war. Um das letzte Palastgebäude herum befindet sich die Verbotene Stadt. Hier wohnten die Konkubinen des Kaisers (er hatte meist viele davon). In diese Stadt durfte ausschließlich der Kaiser und seine Frauen. Seine auserwählten Damen wurden in der Sänfte durch das Tor der Stadt getragen und durften sie dann nicht mehr verlassen – erst wenn der Kaiser starb, mussten sie sich erhängen und wurden mit dem Kaiser beerdigt.
Nach dieser anstrengenden und eiskalten Wanderung ging es erst mal wieder zum Mittagessen. Dieses glich dem des Vortages, nur dass die wirklich guten Sachen viel schneller aufgegessen waren, weil man jetzt schon wusste, was genießbar war. Sehr zu empfehlen ist z.B. Mangold in jeglicher Form, auch gebratene Knoblauchsprossen sind ein wahrer Leckerbissen. Zu trinken gab es immer Jasmintee, Cola, Fanta, stilles Wasser oder ein hervorragendes chinesisches Bier.
Frisch gestärkt setzten wir uns nach dem Essen in den Bus und fuhren ca. 30 Minuten zum Himmelstempel. Dort angekommen setzte auch noch Regen ein, was in Verbindung mit der schon vorhandenen Kälte sehr unangenehm zu werden drohte. Allerdings hatten wir die Rechnung ohne die überall lauernden Souvenirverkäufer gemacht, die sich sofort vor unserem Bus aufbauten, mit kleinen Paketen winkten und laut „umbrella“ riefen. Wir erstanden zwei Schirme, den ersten ohne Handeln für 20 Yuan (= 3 Euro), den zweiten mit kurzem Handeln für 10 Yuan. Handeln ist bei allen Straßeneinkäufen in China Pflicht, da man sonst gnadenlos übers Ohr gehauen wird. So wird z.B. ein Postkartenpäckchen mit 10 Karten für 10 Yuan angeboten, nach Feilschen erhält man für das gleiche Geld drei Päckchen. Vor der Feilscherei sollte man sich jedoch die Darstellung der Zahlen durch die Finger von einem Chinesen erklären lassen. Zeigt Ihr z.B. mit den Fingern eine Zwei, versteht das der Chinese als Acht. So werdet Ihr zwar schnell handelseinig, doch bei der Bezahlung ist der Ärger vorprogrammiert.
Bei starken Winden, eisigen Temperaturen und Dauerregen kämpften wir uns zum Himmelstempel empor. Dieser Tempel wurde ausschließlich dafür erbaut, dass der Kaiser einmal im Jahr beten und den Segen für sein Volk erbitten konnte. In der Anlage finden sich noch einige akustische Besonderheiten wie eine Echomauer, Echosteine und ein „Schallberg“, die ich hier jedoch nicht näher erläutern möchte. Beeindruckend waren diese Phänomene jedoch allemal!
Nach einem anstrengenden Tag kehrten wir frierend in unser Hotel zurück. Am Abend gab es ein Abendessen, das sich nicht von den bisherigen Mittagessen unterschied, im Anschluss daran folgte der Besuch der Peking-Oper. Wer nun einen Event in der Art der Mailänder Scala erwartet, wird bitter enttäuscht. Bei dieser Opernform handelt es sich eher um etwas, was wir als Theater mit Gesang (???) bezeichnen würden. Jede Bemalung und jede Geste des Akteurs ist wichtig und bedeutsam und das ganze für einen Europäer einfach furchtbar langweilig. Mit einem Anzug wäre man in dieser Oper übrigens völlig deplaciert; normale Straßenkleidung ist üblich. Eine normale Vorstellung dauert 3 Stunden; wir bekamen die abgespeckte einstündige Touristenversion zu sehen, die dennoch einige aus unserer Gruppe zum Schlaf nutzten.
- 3. Tag: Ming-Gräber und Große Mauer
Der dritte Tag empfing uns mit sonnigem Himmel und unser Führer Li verkündete, dass es bis zu 30 Grad warm werden sollte. Nach den leidvollen Erfahrungen des Vortags wollten wir diesen Worten keinen Glauben schenken und nahmen an Pullis und Jacken mit, was der Koffer hergab. Zu den Ming-Gräbern musste man ca. eine Stunde mit dem Bus fahren. Auf der Fahrt erklärte uns Li das Geburtenregelungsgesetz Chinas, das wohldurchdacht ist. Demnach dürfen Han-Chinesen, die ca. 90 % der Bevölkerung stellen, lediglich ein Kind haben. Sollte dennoch ein weiteres Kind zur Welt kommen, so ist dafür eine hohe Strafe zu bezahlen. Die kleineren Bevölkerungsgruppen dürfen – je nach ihrer Größe – 2 bis unendlich viele Kinder haben. So will man verhindern, dass die kleinen Volksstämme aussterben.
An den Ming-Gräbern angekommen, wussten wir nicht so recht, was uns erwartet. Ursprünglich hatten wir ja mit der berühmten Terrakotta-Armee gerechnet, doch die befindet sich leider etliche Hundert Kilometer von Peking entfernt. Von den Gräbern selbst sah man auf den ersten Blick nicht viel. In einem sehr weitläufigen Tal im Norden Pekings befinden sich 13 Stück davon. Zu erkennen waren sie an kleinen Tempeln, die auf großen Hügeln standen. Wir vermuteten, dass die Ming-Kaiser wohl in diesen Tempeln aufgebahrt wären, doch weit gefehlt. Die von uns besuchte Grabanlage war die größte: Ein mit einer 10 Meter hohen und 4 Kilometer langen Mauer umfasstes Areal bildete das Grab. Zuerst betrat man einen Garten, der zu einem großen Tempel führte (ca. 20 Meter Höhe). Nach diesem Tempel kam ein weiterer Garten und dann eine Art Burganlage, auf die man steigen konnte. Von oben hatte man einen wunderbaren Blick über das Tal, hinter uns erstreckte sich ein großer, bewaldeter Berg. So weit, so schön, doch wo war denn nun das Grab? Unser Führer erklärte es uns: „Früher war alles hinter uns flach. Man ist dann hergegangen und hat eine Fläche von ca. 1 Quadratkilometer auf eine Tiefe von 50 Metern ausgehoben. Irgendwo auf dieser Fläche wurde das Grab angelegt, bestehend aus 4 Kammern: Eine große, jedoch leere Hauptkammer, links und rechts davon kleinere Nebenkammern für die Frauen des Kaisers und an der Nordseite eine kleine Kammer für den Kaiser selbst. Nach dem Tod des Kaisers wurde dieser in der Kammer beerdigt, die Grube zugeschüttet und auf der ganzen Fläche ein Berg von ca. 100 Metern Höhe angelegt“ – eben der bewaldete Berg hinter uns. Bis heute wurde die genaue Grabstelle bei diesem Grab übrigens nicht gefunden. Allerdings bekommt man im Tempel eine Ausstellung von Fundstücken aus anderen Gräbern zu sehen, die allesamt sehr prächtig sind.
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis gab es wieder das obligatorische Mittagessen, im Anschluss stand ein Verdauungsspaziergang auf der Chinesischen Mauer auf dem Plan. Das Gefühl auf der Mauer, die ja zu den Weltwundern zählt, war wirklich erhebend. Die Qualen des Aufstiegs holten uns jedoch bald auf den Boden der Tatsachen zurück. Es war teilweise so steil, das die Treppen eigentlich Leitern waren. Nach einer Stunde Mauerkraxelns waren wir endlich an einem Aussichtspunkt angelangt. Der Abstieg ging zwar schneller, doch danach fühlten sich unsere Beine wie Pudding an. Festes Schuhwerk ist unbedingt erforderlich.
Am Fuß der Mauer findet man unzählige Verkaufsstände für Andenken. Vor den betrügerischen Verkäufern hatte uns unser Reiseleiter schon gewarnt, besonders gerne wird Geld aus anderen asiatischen Ländern als Wechselgeld gereicht, das allerdings wesentlich weniger wert ist als der Yuan. Auch Jabber sollte einen tibetanischen Zehner zurückerhalten, hat aber dank der Warnung von Li aufgepasst und sich nicht abziehen lassen.
Nach der Rückkehr in unser Hotel am Nachmittag hielten wir erst mal ein kleines Schläfchen. Am Abend wuchs in uns die Unternehmungslust und vor allem der Hunger auf etwas deutsches. Wir entschieden uns zu einem Ausflug in das Paulaner Brauhaus im Lufthansa-Center. Ach, war das ein Abend! Der Wirt kam aus Bamberg, die Band aus den Philippinen und die Ober aus China – wie auch ein Großteil der Gäste. Wir aßen Schupfnudeln bzw. eine Hubertuspfanne und fühlten uns richtig wohl. Zum Nachtisch gab es dann einen kleinen Feigling nebst Ritual des auf den Tisch Klopfens, was für große Neugierigkeit bei den anwesenden Gästen sorgte. Am Ende eines langen Abends hatten wir unzählige Feiglinge konsumiert und eine Rechnung über 1.500 Yuan (= 210 Euro).... Merke: Alkoholische Getränke sind in den Lokalen sehr teuer!
- 4. Tag: Tempel des liegenden Buddah, Sommerpalast, Akrobatikshow:
Um 7:00 Uhr wurden wir drei geweckt, also meine Freundin, ich und mein Kater. Heute stand als erster Programmpunkt der Tempel des liegenden Buddha auf dem Programm. Hierbei handelt es sich um eine weitere sehr schöne Tempelanlage, deren Hauptstück eine riesige liegende Buddhafigur ist. Auch hier wieder Weihrauch und viele betende Asiaten. Wir kamen uns manchmal ein wenig deplaciert vor, wenn unser Führer sich zu seinen lautstarken Erklärungen direkt neben den Betenden aufbaute, doch ihm schienen diesbezügliche Skrupel fremd.
Nach dem Tempel folgte das obligatorische Mittagessen, danach sollte es laut unserem Führer in einen Park gehen, den sogenannten Sommerpalast. Was unser Führer da als Park bezeichnet, würde bei uns wohl eher Schwäbische Alb genannt. Die Geschichte, die hinter dem Park steckte, war jedoch sehr interessant und zeugte von der ehemaligen Macht und Herrlichkeit der Kaiser:
Einst gab es eine Kaiserin, die ihre Marine gerne bei Übungen beobachtete. Allerdings war der Weg von Peking ans Meer weit und beschwerlich, weshalb die Kaiserin auf den Gedanken kam, dass man doch einen See in der Nähe von Peking schaffen könne, auf dem die Marine ihre Übungen abhalten könne. Der Kaiserin Wunsch war Befehl, also wurde ein See mit den Ausmaßen des Chiemsees von Hand ausgegraben. Mit dem Aushub wurde eine Bergkette entlang des Ufers geschaffen.
Damit die Kaiserin einen guten Platz hatte, wurde ihr ein mehrstöckiges Marmorboot gebaut, an der Spitze einen Thron. Von diesem Platz aus begutachtete sie nun die Marine. So schön dieser Platz auch war, er hatte doch einen großen Nachteil: Bis zum Sommerpalast musste eine Strecke von fast 1,5 Kilometern zurückgelegt werden. Zwar wurde die Kaiserin in einer Sänfte getragen, doch direkt am Seeufer waren die Temperaturen für die Kaiserin einfach nicht zumutbar. Also wurde ein hölzerner, wunderschön bemalter Gang über die ganze Strecke am Seeufer entlang gebaut, in den man noch 4 Pavillions für eine Teepause integrierte.
Schwer beeindruckt machten wir uns auf den Rückweg ins Hotel. Am Abend gab es noch ein Abendessen und danach eine tolle Akrobatikshow. Hier endete das offizielle Programm; der letzte Tag sollte zur freien Verfügung sein. Allerdings bot Li für diesen Tag noch eine Rikschatour durch die über 1.000 Jahre alte Altstadt von Peking an, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten.
- 5. Tag: Shopping in Beijing
Der letzte Tag begann mit besagter Rikscha-Tour. Die Altstadt sah in unseren Augen sehr verkommen aus und wirkte mit ihren öffentlichen Toiletten wenig einladend. Die Häuser dort hatten alle kein WC, weshalb das Gassenklo benutzt werden musste. Dementsprechend sah es aus... Wir besuchten ein altes Theater der Peking-Oper und erhielten dort eine Tee-Probe, außerdem stand eine Markthalle, ein Kindergarten und ein privater Hausbesuch auf dem Programm.
Am Nachmittag bummelten wir durch die Einkaufszone und tauchten etwas in den basarähnlichen Markt ab, in dem es dann tatsächlich allerlei merkwürdige Dinge zu Essen gab: Skorpione und Maden am Spieß, gebratene Mäuse und andere undefinierbare Dinge. Ich aß einen Calamares-Spieß für 5 Yuan, dann suchten wir einen der über 30 Mc Donalds in Peking auf und zeigten auf das gewünschte Menü – wie gesagt, Englisch versteht niemand und die Chinesischen Zeichen sind schwer zu lesen.
Später gingen wir noch in einen Supermarkt und deckten uns mit CD's ein, die dort um die 12 Yuan kosteten und somit unglaublich günstig waren (wenn das die Gema wüsste). Außerdem waren wir noch im Zoo und haben die 7 Pandas dort bewundert.
- Fazit:
Ohne diesen Gewinn wären wir sicherlich nie nach China gekommen und hätten es wohl auch nicht vermisst. Nachdem wir dort waren, sind wir jedoch einhellig der Meinung, dass wir diese aufregende Erfahrung nicht missen wollen.
Was man aber auch nicht vergessen sollte, ist das Regime in China. Auf den ersten Blick wirkt alles sehr frei und westlich orientiert (40-Stunden-Woche, Läden etc.), doch man sieht auch viel Armee und Polizei auf den Straßen. Wie rigoros diese bei Flugblattaktionen durchgreifen, mussten wir zweimal am Tiananmen erleben. Es gibt in China einen starken Widerstand gegen das Regime, doch das Regime läßt keinerlei Kritik zu. Auch unser Reiseführer wurde während seiner Ausführungen mehrfach von anderen Chinesen gefilmt, die uns sehr merkwürdig vorkamen. Davon abgesehen ist es prinzipiell ratsam, Rucksäcke und Kameras vor dem Bauch zu tragen. Außerdem muss man bei Einkäufen an Souvenir-Ständen immer feilschen, was das Zeug hält. Dollar sind lieber gesehen als Euro und haben einen festen Wechselkurs. Direkt nach der Ankunft sollte man sich eine Karte mit dem Namen seines Hotels geben lassen, die man im Notfall einem Taxifahrer zeigen kann. Taxifahrten sind übrigens vergleichsweise günstig; für eine Fahrt von einer halben Stunde bezahlten wir 30 Yuan, also 4,20 Euro. Erwähnenswert ist noch die Sauberkeit in Peking und bei den Sehenswürdigkeiten. Keine Kippe bleibt lange liegen, überall sind Chinesen im Einsatz für mehr Sauberkeit. Außerhalb von Peking sieht es da allerdings düster aus....
Schi-Schi (Danke) für Euere Geduld!
Carpe Noctem, Euer Jabber
56 Bewertungen, 11 Kommentare
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20.08.2002, 17:09 Uhr von Schlingel62
Bewertung: sehr hilfreichich habs mit dem Rad gemacht. gruss günter
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28.06.2002, 11:08 Uhr von abutilon
Bewertung: sehr hilfreichEine Reise würde ich auch mal gern gewinnen! Liebe Grüße Claudia
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13.06.2002, 20:45 Uhr von Styrex_99
Bewertung: sehr hilfreichJaja, der alte jabby...hmm...der bericht kommt mir irgendwie bekannt vor....kennse nen jabberwocky bei CIAO, LOL ?
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10.06.2002, 02:21 Uhr von LeaofRafiki
Bewertung: sehr hilfreichso ein Glück möcht ich auch mal haben ;-) LiebeNgruß, Lea
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09.06.2002, 22:19 Uhr von Maryan66
Bewertung: sehr hilfreichtoller Bericht, schönes Wochenende noch, Gruß Maryan66
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25.04.2002, 23:15 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichwow, toller bericht
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21.04.2002, 20:34 Uhr von Duffy_2000
Bewertung: sehr hilfreichLöasse Bericht über eine super Reise !! Und so was kann man gewinnen *staun*
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20.04.2002, 04:20 Uhr von uteker
Bewertung: sehr hilfreichHuhu Jan.
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19.04.2002, 22:19 Uhr von Alusru
Bewertung: sehr hilfreichKlasse, ich will auch sofort dort hin, schönes WE und Gruß Uschi.
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18.04.2002, 22:41 Uhr von UNGELE
Bewertung: sehr hilfreichSehr guter beitrag MfG Reiner
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18.04.2002, 22:37 Uhr von unauffaellig007
Bewertung: sehr hilfreichWie unfair bin doch schon bei ciao.com am lesen deines Brichtes...bis dann
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