Philosophie Allgemein Testbericht

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Erfahrungsbericht von magicgott

Von tollen Menschen und Dir...

Pro:

es ist eine Selbstreflexion

Kontra:

...naja, es ist eben eine Selbstreflexion

Empfehlung:

Nein

Von tollen Menschen & Dir
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Ich habe heute einen Menschen kennengelernt, den es so eigentlich nicht geben dürfte. Er kann nichts dafür, aber eigentlich müßte man ihn hassen. Man kennt das Gefühl, wenn jemand den Raum betritt und plötzlich, nur durch seine bloße Anwesenheit alle, aber auch wirklich alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Egal, ob es die Freundin ist oder Bekannte, einfach jeder hängt an seinen Lippen, und wenn er nichts sagt, dann wirkt er nur durch seine bloße Anwesenheit im Raum so, daß ich mich so unendlich klein fühle und um eine Erdspalte oder sonst etwas flehe, in dem ich mich verkriechen könnte.
Oh ja, jetzt kommen so Sprüche wie: "Der ist nicht unbedingt besser als Du."
Oder noch besser : "Er mag zwar Ausstrahlung haben, aber als Person, sagt das nichts über ihn aus."
Vergeßt es! Nett gemeinte Sprüche helfen in so einer Situation nicht ansatzweise. Die Köpfe nicken bei seinen Äußerungen und Kommentaren, "stimmt" oder "ganz genau" , die zeigen, wie sehr es dieser Mensch versteht, die Leute in seinen Bann zu ziehen. In diesen Momenten fragst Du Dich, wieso Du überhaupt existierst. In solch einem Moment würde es keinen Unterschied machen, ob Du noch da oder auch nie existent gewesen bist. Wie neidisch man auf so eine Person sein kann.

Alles was man bis jetzt gemacht hat oder wofür man selber steht, jede kleinste positive Seite an einem selbst, hat dann keine Bedeutung mehr und man fragt sich unwillkürlich, was man die letzten 21 Jahre eigentlich gemacht hat ? so viel kann es nicht gewesen sein. Man wünscht sich dann, auch so frei sprechen zu können, wenigstens ein wenig so rhetorisch gewandt zu sein, wie er und eins steht außer Fage: man würde auch gerne so unverschämt gut aussehen. Es ist, als wenn man seiner eigenen Nemesis direkt ins Auge blickt.
Er kann sich den Schädel kahl rasieren und alle im Raum befindlichen Personen würden dies als Ausdruck seiner Persönlichkeit bewerten, was diesen Menschen noch unendlich viel interessanter machen würde. Denkt man darüber nach dies selbst zu machen, so stellt man sofort fest, daß man sich selber gerade dies nicht leisten kann, denn man ist selbstverständlich kahler auf dem Kopf als er und würde sich noch mehr zu einer Witzfigur machen, als man ohnehin schon ist.

In solchenMomenten ist die Welt einfach nicht gerecht oder anders - die Welt ist nie gerecht, aber in so einem Moment kommt es der Welt nur darauf an, Dir zu zeigen, wie jämmerlich Deine Versuche sind, Dich in irgendeiner Weise zu positionieren. Und trotzdem versuchst Du, Dich auf irgendeine Weise in das Gespräch miteinzubringen, obwohl Du genau weißt, daß Du auf verlorenem Posten stehst und Du Dich durch jede noch so intelligente Äußerung nur ins Abseits stellt, denn gegen ihn kommst Du einfach nicht an. In solchen Momenten fragst Du Dich, ob es irgendetwas gibt, mag es auch noch so unwesentlich sein, in dem Du besser bist als er. Denke nicht weiter darüber nach, es ist zwecklos! Mit jedem Gedanken wird Dir Deine eigene Unzulänglichkeit nur noch deutlicher und Du kommst zu dem Schluß´, wenn es so etwas wie Montagsautos auch bei Menschen gibt, die übervoll an Mängeln sind, egal wie oft man sie in Reparatur schickt, wenn es so etwas auch bei Menschen gibt, - dann bist Du der einzige Wagen, der an diesem Tag hergestellt worden ist.

Und in diesem Bewußtsein, dem Wissen um Deine eigene Schlechtigkeit, gerätst Du unweigerlich in Panik. Wie ein angeschossenes Tier machst Du Dinge, die zum Scheitern verurteilt sind, noch bevor Du sie begonnen hast. Du lächelst schief an den falschen Stellen, Du pflichtest Kommentaren bei, die keiner Reaktion bedürfen und erntest dafür nur Mißfallen. Deine Freundin ?beschenkt? Dich mit einem gequälten Lächeln, von dem Du direkt weißt, daß es nur aus Mitleid entstanden ist und sie im Moment mit dem Gedanken spielt, ob Du denn heute wirklich hier sein mußt ,oder ob Du nicht vor dem Fernseher eine bessere, oder für sie weniger peinliche Figur abgeben würdest, sofern dies denn jemals möglich sein könnte. Es ist der blanke Hohn, daß solche Menschen wirklich alles haben, von dem Du nur träumen kannst. Natürlich sieht er besser aus als Du. Selbstverständlich hat er viel Geld, eine wirklich verbotene Wohnung und so unendlich bessere Zukunftsaussichten. Sein Körper schreit förmlich heraus, daß er es jeder Frau in diesem Raum um ganze (Erfahrungs-) Ebenen besser besorgen könnte, als Du, und Du zweifelst keinen Augenblick daran.

Jetzt werden Dir auf einmal die Blicke bewußt, die er Deiner Freundin schenkt und Du wirst langsam wirklich unsicher. Charmant ist sein Lachen, weltmännisch sein Auftreten und so einfühlsam. Wenn Du einmal so einfühlsam wärst, würde sich jeder Sorgen machen, Du seist schwul. Er hat eine makellose Haut, bei der Du Dich fragst, was für einen Mist Du anscheinend immer ißt. Du würdest nie so eine Haut haben, selbst wenn Du sie wechseln könntest. Na klar, kennt er so unendlich viele wichtige Menschen, von denen Du noch nie gehört hast, der ganze Raum aber beeindruckt ist. Du könntest auf einem Papierflieger zum Mond fliegen und das einzige, was Du hören würdest ist, daß er schon da war ? zu Fuß. Alles, was er an seinem Körper trägt, scheint wie für ihn gemacht; als wenn er eine Maßpuppe wäre, an der diese Kleidung für ihn entworfen wurde. Dann blickst Du an Dir selber herunter und stellst fest, daß die Fetzen, die Du in diesem Moment trägst, und von denen Du gerade vorhin noch dachtest, sie könnten von den kleinen und den noch viel zahlreicheren großen Fehlern ablenken und stellst fest, daß er sich damit seine Schuhe putzen kann, wenn er sich seine Schuhe überhaupt selbst putzt. Natürlich putzt er sich seine Schuhe selbst und es ist mit Sicherheit ein dermaßen hocherotischer Akt, wie Du ihn in den eindeutigsten Situationen nicht erlangen würdest. Wenn sich so eine Person über den Kopf streicht oder sich am Bauch kratzt, dann siehst Du in allen weiblichen Augen in diesem Raum, wie sehr sie sich wünschen, ihm diese Last abzunehmen.
Du merkst dann, wie weit Du vom Urtyp des Mannes entfernt bist, so wie Jahrtausende der Evolution Dich zum Weichei gemacht haben, welches Du bist ,und daß dieses bezaubernde Testosteronmonster nur mit dem Finger schnippen müßte, um Wogen der Paarungsbereitschaft auszulösen. Natürlich würde er dies nicht tun, er agiert viel lieber mit Blicken. Blicke, die, wenn sie Deine Freundin treffen, eine unbändige Wut auf Dich selber auslösen. Du hättest Jahre Zeit gehabt, Dich in Konversationskursen, Krafträumen und Literaturklubs auf diesen Moment vorzubereiten um wenigstens symbolischen Widerstand gegen diesen Inbegriff von Verlangen, Lust, Intellekt und Liebenswürdigkeit zu üben.
Aber so, sitzt Du nur hoffnungslos verloren auf Deinem Platz und betest, daß der Abend vorbei geht und Deine Freundin nicht völlig Deine Anwesenheit vergißt und dann mit ihm verschwindet. Deine Gedanken springen von Gift bis zum Keislaufkollaps und Du kommst durch irgendeinen unerklärlichen Gedankengang zu dem Schluß, daß nur die massive Mischung von diesen beiden Situationsauslösern, wirklich Deine Rettung bedeuten könnte. Dir vielleicht sogar wieder etwas von der Aufmerksamkeit, die Du heute abend ab einem gewissen Zeitpunkt eben nicht mehr gehabt hast, doch zurückgeben könnte. Und dann sagst Du Dir, wie jämmerlich dieser Gedanken ist, denn Du kannst doch nicht ernsthaft annehmen, dein Zusammenbruch würde Dir helfen.
Es wären vielmehr Hindernisse in diesem Raum erntfernt, welche die Situation momentan noch halbwegs geordnet halten (sonst wäre Deine Freundin längst mit ihm auf und davon).

Und wenn dann der Abend vorbei ist und völlig am Ende - aber eben noch am Leben - bist, wenn Du Dir dann noch anhören kannst, diese beneidenswerte Person sei ja mit Abstand einer der Besten, dann fagst Du Dich, auf welchem Platz Du denn - wenn überhaupt - erwähnt werden wirst und hälst diese Reihenfolge für sehr, sehr beängstigend. Dann schaust Du Dich im Raum nach einer versteckten Kamera um und kommst nicht auf den Namen von dem Land, in dem sich gerade Millionen von Fernsehzuschauern über Deine jämmerliche Vorstellung kaputtlachen - live!

Das Problem dabei ist nur, es ist keine Kamera da, der Abend war keine Inszenierung ? und Du bist wirklich so arm dran. In solch´einem Augenblick fragst Du Dich dann, was für unbeschreibliche Dinge Du in Deinem früheren Leben verbrochen haben mußt, um es auf diese Weise zurückzubekommen. Wenn es jemals einen Moment gibt, in dem man sich eine Umtauschmöglichkeit für sein eigenes Modell wünschen könnte, wäre es dieser Moment, und Du mußt damit klarkommen, daß Du nie Porsche, sondern immer nur ein gebrauchter Kleinwagen sein wirst.


Ein schönes Leben noch, Du armer Wicht!


(c) magicgott/magicfuchs

14 Bewertungen, 3 Kommentare

  • anonym

    04.04.2002, 10:48 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wirklich eine Selbstreflektion? So wenig Selbstbewusstsein wäre wirklich beängstigend, da hilft auch kein Rhetorikkurs mehr. Gruß, nosianai

  • Ironic

    03.04.2002, 16:01 Uhr von Ironic
    Bewertung: sehr hilfreich

    frust :-(

  • ISd3d

    31.03.2002, 23:44 Uhr von ISd3d
    Bewertung: sehr hilfreich

    wie aufbauend...