RTL Richterin Barbara Salesch Testbericht

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ab 7,12
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Summe aller Bewertungen
  • Unterhaltungswert:  schlecht
  • Informationsgehalt:  schlecht
  • Präsentation:  schlecht
  • Action:  wenig
  • Spaß:  sehr wenig
  • Spannung:  wenig
  • Romantik:  sehr wenig

Erfahrungsbericht von tweety3

Sind denn jetzt hier alle schwul oder was?

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Was diese leicht entsetzt zum Ausdruck gebrachte und von zwei Händen, die über dem Kopf ihren Weg zueinander gefunden haben, begleitete Frage mit der sicher vielen bekannten Sendung Richterin Barbara Salesch zu tun hat mag sich der geneigte Leser durchaus fragen.

Ihm sei die Antwort nicht verwehrt, denn eben oben genannte Frage war es, die mich dazu veranlasste eine der mittlerweile doch recht zahlreichen Richtershows genauer unter die Lupe zu nehmen.
Nachdem ich aus Mangel an Alternativen eher zufällig über Richterin Barbara Salesch gestolpert bin, blieb mir obiger Satz doch sehr einprägsam im Gedächtnis haften und so ließ ich mich am Folgetag eine Stunde lang von Zeugenaussagen und Richterfragen berieseln um mir ein genaueres Bild von dieser Sendung machen zu können.

Wie es mir dabei ergangen ist, folgt auf dem Fuße...


Vorbetrachtungen
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Es scheint ein Trend macht sich breit. Die neuen Sterne die hoch am deutschen Fernsehhimmel leuchten sind nicht etwa Talkshows, nein die sind langsam aber sicher dabei den Weg zu gehen, den jeder Stern früher oder später antreten muss, sie erlöschen. Was dem geneigten Fernsehzuschauer neu und frisch entgegenstrahlt sind die Gerichtsshows.
Zugegebenermaßen habe ich wohl den Trend ein wenig verschlafen, was daran liegen könnte, dass ich meinen Fernseher nur selten dazu bringe mir bunte Bilder ins Haus zu liefern.
Mehr zu den Gründen und auch dazu ob sich durch die neuen Sterne am Fernsehhimmel etwas daran ändern wird, sei an dieser Stelle noch nicht gesagt.

Kaum möglich scheint es mir zwar, dass es noch Leser gibt, die nicht schon zumindest etwas über eben eine spezielle unter den Gerichtsshows gehört haben, trotzdem sei an den Anfang meines Berichtes eine kurze Beschreibung gesetzt, worum es sich bei Richterin Barbara Salesch denn überhaupt handelt.


Die Sendung
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Richterin Barbara Salesch präsentiert sich täglich von Montag bis Freitag um 15 Uhr auf SAT1. Eine Stunde lang versucht sie hier seit nunmehr Oktober des Jahres 2000 als Richterin für Strafsachen ihr bestes zu geben.
Als Schauplatz der jeweiligen Verhandlungen dient ein Studio in Köln, das einem Gerichtssaal nachempfunden wurde. Inwieweit dieser Gerichtssaal sich mit einem wahrhaftigen messen kann, vermag ich nicht zu sagen, aber er erscheint mir durchaus gut gelungen.
Schlicht und einfach ohne Schnörkel und eher zweckmäßig ist er nur mit dem Nötigsten ausgestattet, wenn man mal von dem doch recht erschlagenden Namenschild absieht, das direkt vor dem Platz von Frau Salesch prangt. Wahrscheinlich dient eben dieses dazu es dem Zeugen, der direkt vor der Richterin an einem schlichten Tisch Platz nehmen darf, leichter zu machen sie anzusprechen oder auch dem vergesslichen Zuschauer zur Orientierung, welche Sendung gerade in sein Wohnzimmer flimmert.
Wie an der leichten, wohl nicht so einfach zu übersehenden, Ironie zu erkennen ist, erkenne ich keinen wirklichen Sinn darin derart unpassend bekannt zu geben, mit wem man es denn zu tun hat.
Aber dazu später mehr, ich wollte mich zunächst bemühen sachlich zu bleiben.

Alle Sendungen laufen nach einem festgeschriebenen und leicht verständlichen Schema ab.
Zu Beginn wird dem Zuschauer kurz und sachlich geschildert worum es im nachfolgenden Fall geht. Die Richterin bleibt zu diesem Zeitpunkt noch außen vor, bis sie schließlich das Wort ergreift und sowohl den Staatsanwalt als auch den jeweils anwesenden Verteidiger des Angeklagten namentlich vorstellt.
Es folgt eine nunmehr genauere Schilderung des Falles und das Verlesen der Anklageschrift durch den Staatsanwalt.

Gemäß der geltenden Rechtsordnung erhält zunächst der Angeklagte die Möglichkeit sich zu dem ihn vorgeworfenen Tatbeständen zu äußern.
Am Anfang einer jeden Zeugenaussage steht die Überprüfung der Personalien, die unter anderem dazu dient festzustellen, ob der geladene Zeuge eventuell die Möglichkeit hat sich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht zu berufen. Was genau es damit auf sich hat bleibt dem nicht zivil- oder strafrechtlich vorgebildeten Zuschauer wohl schleierhaft.

Sind alle geladenen Zeugen gehört folgen die Plädoyers zunächst des Staatsanwaltes, der dabei, ein in seinen Augen angemessenes, Strafmaß beantragt und darauf folgend das des Strafverteidigers, der seinerseits natürlich versucht das soeben beantragte Strafmaß zu Gunsten seines Klienten geringer ausfallen zu lassen.

Bevor Richterin Barbara Salesch das tatsächlich verhängte Strafmaß verliest und anschließend ausführlich begründet, erhält der Angeklagte gemäß geltendem Recht die Möglichkeit noch ein paar abschließende Sätze zu seiner Verteidigung vorzubringen.

Nach diesem Schema werden in jeder Sendung mehr oder weniger interessante Fälle verhandelt. Im Falle der Sendung, die ich verfolgt habe, wurde in zwei Fällen ein Urteil gesprochen.
Die Sendezeit von ursprünglich einer Stunde wird durch drei Werbeunterbrechungen um ca. 15 Minuten verkürzt.

So viel sei zu den Fakten gesagt.


Meine Eindrücke
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Vielleicht sollte ich erst mal in aller Deutlichkeit sagen, dass es bei allen Beteiligten an der hier beschriebenen Sendung, mal abgesehen von den Zuschauern die der Verhandlung im Gerichtssaal beiwohnen, um Schauspieler handelt. Die Fälle, also besser deren Tatbestand mögen real sein, aber die Verhandlung ist es keinesfalls. Dem Zuschauer wird etwas vorgespielt und genau da liegt auch schon einer der größten Schwachpunkte begründet, die ich in Richterin Barbara Salesch sehe.

Ein Schauspiel, als welches man diese Gerichtsshow ja durchaus bezeichnen kann, lebt nun mal von seinen Schauspielern und damit wären wir schon bei des Pudels Kern.
Die schauspielerische Leistung der Beteiligten konnte mich nicht wirklich überzeugen. Zwar sollte man annehmen, dass es zumindest der Richterin, den Staatsanwälten und auch den Verteidigern nicht schwer fallen sollte ihre Rollen auszufüllen, sind sie doch alle auch im wirklichen Leben eben das, was sie vor der Kamera darstellen, doch sollte ich eines Besseren belehrt werden.
Die Anwälte, ob nun Staatsanwalt oder Verteidiger gehen mit einem recht geringen Engagement an ihre jeweilige Aufgabe heran. Von einem Verteidiger sollte man erwarten können, dass er sich für seinen Klienten stark macht und nicht einfach sein Plädoyer herunterleiert wie ein Gedicht, das man ihn zu lernen gezwungen hat.
Auch der Staatsanwalt lässt zumeist ein wirkliches Interesse an dem verhandelten Fall vermissen und beantragt das Strafmaß eher lustlos. Von beiden Seiten, werden während der Verhandlung kaum Fragen gestellt, was den Eindruck eines gewissen Desinteresses noch zusätzlich verstärkt.
Es würde der Sendung durchaus gut tun, wenn die allesamt studierten Juristen nicht nur ihre Zeit vor der Fernsehkamera absitzen würden, sondern sich zumindest teilweise damit identifizieren würden, was sie tun.

Die schauspielerische Leistung der Richterin Barbara Salesch ist für mich schwer zu beurteilen. Ich werde nicht so recht schlau daraus, was genau diese Frau darzustellen versucht. Auf der einen Seite will sie cool und abgeklärt wirken und auf der anderen lässt sie nur allzu deutlich erkennen, wer ihr sympathisch ist oder eben nicht.
Das wiederum passt für mich so gar nicht in das Bild, dass ich von einer Richterin habe. Frau Salesch täte so manches mal wohl gut daran eine wirklich neutrale und unparteiische Richterin zu sein. Ein Richter mag Sympathien oder Antipathien hegen, aber er sollte tunlichst vermeiden durch falsch verstandene Ironie oder gar durch Sarkasmus seinen Empfindungen auch Ausdruck zu verleihen.
Ein weiterer Punkt, der mich an Richterin Salsch stört ist diese teilweise recht überzogene Art mit der sie gewöhnlich ihre Urteilsbegründungen zu verkünden pflegt. An einigen Stellen ist hier ganz eindeutig der gehobene Zeigefinger unangebracht. Auch hat Frau Salesch eine für meinen Geschmack gewöhnungsbedürftige Betonung auf den von ihr gesprochenen Sätzen. Es kann schnell anstrengend werden ihren belehrenden Worten zuzuhören, die nicht selten oberlehrerhaft klingen.

Als charmant und souverän wird Richterin Barbara Salesch auf der Homepage von SAT1 angepriesen. In meinen Augen ist sie allerdings weit davon entfernt.
Mag sein, dass der ein oder andere in Frau S. eine charmante Frau sieht, mir will das nicht gelingen. Eher ist noch das Gegenteil der Fall, ich hege eine gewisse Antipathie gegen diese Frau und kann mir noch nicht mal genau erklären, wodurch diese verursacht wird. Ein Grund könnte allein ihr Auftreten oder besser ihr Aussehen sein. Die Art wie sie über ihre auf der Nasenspitze sitzende Brille hinweg die Zeugen begutachtet ist so gar nicht nach meinem Geschmack.

Souveränität kann ich Frau Salesch nicht in allen Punkten zusprechen. So herrscht im Gerichtssaal nicht selten heilloses Durcheinander und jeder nimmt sich das Recht heraus zu reden, wenn ihm gerade danach ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Verhalten in einem realen Gerichtssaal geduldet würde.
Was die Verkündung der Urteile und deren Begründung angeht könnte man Frau Salesch durchaus als souverän bezeichnen. Sie lässt hierbei keine Zweifel an ihr Kompetenz aufkommen. Diese wird ihr auch so schnell niemand absprechen wollen, denn Richterin Barbara Salesch trägt diesen Titel zu recht, hat sie doch bereits 1997 begonnen als Staatsanwältin tätig zu sein.

Von mangelnden Fachkenntnissen bei den Beteiligten kann also nicht die Rede sein. Doch auch das kann durchaus ein Problem darstellen. Für den juristisch nicht unbedingt bewanderten Zuschauer, der die Sendung vielleicht zum ersten Mal sieht, könnte es schwer werden die Bedeutung einzelner Paragraphen, die teilweise ohne Erklärung verwendet werden, abzuschätzen.
Sieht man die Sendung nicht nur einmal, dann hat auch das Rätselraten um die Paragraphen ein Ende, denn sie werden immer wieder auftreten und somit erschließt sich ihre Bedeutung nach und nach.

Somit hat eine Gerichtsshow wie diese schon mal einen Lerneffekt, der vielleicht gar nicht unbedingt in dieser Weise gewollt ist. Es bleibt aber nicht nur bei einem Lerneffekt, denn gerade die Begründungen nach der Urteilsverkündung machen dem Zuschauer so einige juristische Zusammenhänge klar. Hier wird größtenteils darauf verzichtet mit Paragraphen um sich zu werfen und Schritt für Schritt kann der Zuschauer so nachvollziehen, wie das Urteil zu Stande gekommen ist.

Die Fälle selbst sind sehr unterschiedlicher Art, aber eines ist ihnen allen gemein, sie werden alle mit einem recht reißerischen Titel angekündigt. Da bin ich auch schon wieder an einem Punkt angelangt, der mich stört. Mich beschleicht das Gefühl, dass die Fälle nicht wirklich realitätsnah sind. Zu sehr sind sie mir auf Sensationen angelegt und zu unnatürlich ist auch in den meisten Fällen das Verhalten der Darsteller die als Zeugen oder Beklagte agieren.
Was diese „Schauspieler“ abliefern wirkt nicht selten einfach nur aufgesetzt und unglaubwürdig.
Ein bisschen sollte schon darauf geachtet werden, ob sich Menschen auch wirklich so verhalten würden, wie es die Darsteller bei Richterin Barbara Salesch tun. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es einer Sendung gut tun kann, wenn nicht nur die Fälle auf Sensationsgier ausgelegt sind, sondern auch noch das Verhalten der Zeugen darauf abzielt möglichst viel Unvorhergesehenes geschehen zu lassen.

Die Produzenten deutscher Fernsehsendungen schaffen es leider immer wieder teilweise gute Konzepte durch die pure Jagd nach Quoten zu zerstören und auf ein Niveau herunterzufahren, dass ich so nicht gut heißen kann.
Wären die Fälle nicht nur darauf ausgerichtet durch möglichst provozierende Zusammenfassungen einen möglichst großen Interessentenkreis zu mobilisieren und diesen dann durch zwanghaft herbeigeführte Aktionen, die möglichst unvorhersehbar sind, unterhalten zu wollen, wäre diese Sendung um Längen besser und würde wohl auch in meinem Ansehen steigen.


Fazit
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Das Konzept der Sendung ist nicht schlecht dafür die Umsetzung in meinen Augen umso mehr.

Die Fälle scheinen teilweise an den Haaren herbei gezogen zu sein und nur darauf abzuzielen die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen.
Die oft schlechte schauspielerische Leistung trägt leider nicht unbedingt dazu bei, die Glaubwürdigkeit und das Niveau der Sendung zu erhöhen, nein im Gegenteil, für mich setzt sie diese wohl eher noch herab.

Die Kompetenz der Beteiligten Anwälte und auch der Richterin kann und will ich nicht anzweifeln, denn daran gibt es in meinen Augen nichts zu rütteln.
Die Charaktere vermögen mich allerdings nur auf fachlicher Ebene zu überzeugen. Durch ihr Auftreten hingegen wecken sie, insbesondere die Richterin selbst, hingegen meist eher Antipathien als Sympathien.

Die Sendung mag für manchen unterhaltsam sein und einen gewissen Lerneffekt will ich ihr nicht absprechen. Ich allerdings werde mit der Umsetzung des Sendekonzeptes nicht warm und werde es in Zukunft wohl vermeiden um 15 Uhr SAT1 einzuschalten.
Zu sehr wird mir hier wert auf Sensationen gelegt.

Im Namen des Volkes ergeht daher folgendes Urteil: NICHT mein Fall


In diesem Sinne grüße Euch
tweety3 alias Antje

© tweety3
8. März 2002

54 Bewertungen, 9 Kommentare

  • Mallonn

    26.06.2002, 17:43 Uhr von Mallonn
    Bewertung: sehr hilfreich

    Einen wichtigen Aspekt hast du vergessen: Kurz vor den Plädoyers taucht entweder ein Überraschungszeuge auf, oder ein Zwischenrufer aus dem Publikum wird zum Zeugen, oder ein Zeuge fällt um, alles drei mit dem Ergebnis dass sich die Sachlage

  • wilma

    19.06.2002, 11:58 Uhr von wilma
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut geschrieben! Die Fälle sind übrigens echt - die Schauspieler sind Laienschauspieler - also kann man schon verzeihen, daß sie nicht soooo toll sind. Am Anfang der Serie waren die Fälle noch lustiger (und auch die Laienschauspieler),

  • Papaschlumpf_16

    27.05.2002, 11:23 Uhr von Papaschlumpf_16
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mir tun vom lesen schon die Augen weh, so viel ist das, es gibt aber bereit weitere Gerichtssendungen, wie Richter Alexander Hold, oder das Jugendgericht, sie sind alle ähnlich afgebaut und wirken unrealistisch und bei allen 3 Sendungen (Barbara einge

  • katze35

    16.05.2002, 14:26 Uhr von katze35
    Bewertung: sehr hilfreich

    Und die Sendung sorgt für musikalische Unterhaltung, sie "Maschendrahtzaun". gruss Katze

  • uteker

    10.05.2002, 23:15 Uhr von uteker
    Bewertung: sehr hilfreich

    Auch wenn du, wie ich, nicht sooo begeistert von dieser Sendung bist, hast du doch einen ganz tollen, ausführlichen Bericht darüber geschrieben. Viele Grüße von Ute

  • Gabri

    08.05.2002, 11:47 Uhr von Gabri
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht ! Gabri

  • hpmaier

    15.04.2002, 13:32 Uhr von hpmaier
    Bewertung: sehr hilfreich

    Mich nerven diese vielen Gerichtssendungen inzwischen schon, gruesse hpmaier

  • suesses

    02.04.2002, 20:22 Uhr von suesses
    Bewertung: sehr hilfreich

    Aber ganz schön viel!

  • anonym

    09.03.2002, 13:51 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht, vielleicht liest man sich ja mal 8-)