RTL Richterin Barbara Salesch Testbericht

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ab 7,12
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Summe aller Bewertungen
  • Unterhaltungswert:  schlecht
  • Informationsgehalt:  schlecht
  • Präsentation:  schlecht
  • Action:  wenig
  • Spaß:  sehr wenig
  • Spannung:  wenig
  • Romantik:  sehr wenig

Erfahrungsbericht von nosianai

Die Untote Richterin

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

So, nun einmal kurz durchatmen, denn wir sind beim dritten Teil meiner Gerichtsshow-Analyse angekommen, und wir kehren wieder zurück zum Sender Sat1, wo alles begann, und auch, mit wem alles begann: Barbara Salesch, ein alter Hase sozusagen im Geschäft der Juristerei-Vermarktung.

Gibt es eigentlich jemanden, der noch nicht wenigstens 5 min dieser Show gesehen hat?
Dann folgt an dieser Stelle Nosianais Beschreibung des Medienereignisses – und wir stellen fest, dass es in der sechzigminütigen Gerichtsshow alles gibt, was wir am Film so sehr schätzen.

Die 4 Elemente

1. Voyeurismus
„Eyes Wide Shut“

Zugucken macht Spaß, sonst hätte es das Kino wohl nie so weit gebracht. Um den Drang zum Beobachten noch zu verstärken, wurde bei Barbara Salesch in die Vollen gegriffen.
Toller Gerichtssaal, der besser ausschaut als manch Echter. Ein interessiertes Publikum, das dem Fernsehglotzer vormacht, wie es geht. Spannung zum Anfassen, ein Knistern im Raum. Staatsgewalt macht an.
Wir können angeblich echte Fälle beobachten und müssen uns nicht mal aus den Couchkissen frei graben. Schokolade, Chips und Cola – und das Verbrechen im Wohnzimmer.
Gucken, wie es denn so ist, angeklagt zu sein. Unschuldig vielleicht sogar?
Oder doch nur Zeuge sein, der den anderen in die Pfanne haut?
Anwalt vielleicht... oder Richter?
Wir sehen jeden Stirnrunzler, jedes nervöse Zucken ... Zuschauen ohne zu wissen.

Kamera, Schnitt, Ausstattung ... alles stimmt. Da war wohl ein Meister am Werk, denn uns macht das Hingucken Spaß und wir wähnen uns in der Sicherheit des heimischen Sofas, während der Axtmörder verurteilt wird.
Konzept geht auf.

2. Sex & Crime
„Lügen, Sex & Video“

Was wäre eine Gerichtsshow ohne die volle Bandbreite der „Kriminalität“. Vorstadtverbrechen oder doch der große Coup?
Sex & Crime - nur diese zwei Worte genügen, um die Mischung zu beschreiben, die sich so erfolgreich durchsetzt.
Die schönsten Verbrechen fernsehgerecht aufgearbeitet, so gefällt’s dem braven Ottonormalverbraucher.
Es interessiert uns nun einmal, wieso die Sekretärin den Chef um 10.000 DM erpresst oder warum der Vater wegen Urkundenfälschung angezeigt wird, weil er seiner Tochter eine preisgesenkte Hose kaufen wollte. Wir wollen wissen, warum das getan wurde. Und wie. Und überhaupt alles.
Eine kleine Agatha-Christie-Geschichte am Nachmittag, und Miss Marple sitzt im Gerichtsstuhl.
Das spannungsgeladene Hin- und Herrutschen der Zuschauer auf ihrem geblümten Sofabezug zeugt von der Suche nach den Extremen, aber dennoch sind die Fälle nicht halb so reißerisch als die des Herrn Un-Hold, der im Anschluss über die Mattscheibe flimmert.
Dennoch interessiert die Salesch mehr, denn ihre Fälle sind „real“. Das was uns dort gezeigt wird, soll doch tatsächlich passiert sein.
So etwas heizt dem Publikum mehr ein als fiktiver Stuss, der überinszeniert wurde.

Und trotzdem warten wir, dass der Angeklagte ausrastet und über die Bänke springt. Oder das die Zeugin weinerlich zusammenbricht. Oder sie entpuppt sich als olles Luder und hat den Angeklagten doch nur reingelegt. Kommt der Retter in Wahrheit mal wieder aus dem Publikum? Kratzt die Geschädigte der anderen Zeugin die Augen aus, als die Wahrheit ans Licht kommt?
Vertrackt und auf „spannend“ gemacht.
Konzept: erfolgreich.

3. Komik:
„Die Dummschwätzer“

Staatsanwalt Verteidiger. Tom & Jerry im Gerichtssaal.
Sie sind wie immer verschiedener Meinung und fetzen sich, was das Zeug hält. Schiefe Blicke, ein sarkastisches Grinsen und die ein oder andere Bemerkung unter der Gürtellinie (zumindest eines Anwalts) bringen das komische Element in die Verhandlung.

Ein bisschen Abwechslung für den tristen Gesetzesalltag.

Und es funktioniert. Lieblingsstaatsanwälte flimmern uns entgegen, und der Berufsstand steigt in der Achtung der Bürger. Erfüllt dieser ganze Hokuspokus am Vorabend dann doch einen guten Zweck?

Wer weiß. Jedenfalls geht auch diese Taktik auf.
Kein Wunder, dass diese Strategie in jeder Gerichtsshow verfolgt wird!


4. Recht & Ordnung
„Im Namen des Gesetzes“

Die gute Barbara wacht hinter ihrem Richterpult über Recht und Ordnung, lässt die „Verbrecher“ im Schauspielgewand vor ihr antreten und eröffnet die Filmfestspiele im Richtersaal.
Keine dümmliche Bemerkung geht ungestraft durch. Mit einem herrlich intonierten „Meeeeiiine Herren“ werden die Anwälte in ihre Schranken verwiesen. Der Angeklagte erhält vom Bösen-Barbara-Blick über eine schnippische Bemerkung bis hin zum Ordnungsgeld den langen Arm des Gesetzes zu spüren, und auch die Zeugen oder die im Zuschauerraum herumhopsenden Gemüter kriegen ihr Fett weg, wenn sie mal wieder ausrasten.

Keine Frage: die Frau ist gut. Sie kann sich durchsetzen, was wir von der guten Frau Dr. Hertz nicht behaupten können. Und wo es Richter Hold an Esprit fehlt, versprüht Richterin Salesch den ganzen Charme eines Gesetzbuches.

Es wird viel mit Paragraphen um sich geschmissen, um die Rechtsstaatlichkeit fernsehtauglich zu machen. Dass nahe Verwandte und Ehepartner ein Zeugnisverweigerungsrecht haben, wissen wir zwar nicht erst seit es Gerichtsshows gibt, aber wir können auch mit „55“ prahlen. Eine Schnapszahl genügt, um den fleißigen Jura-Zuschauer auf die Matte zu locken: aber beschuldigen muss er sich der Fernsehglotzerei selber nicht. Da darf er schweigen!

Gut, machen wir und hören jetzt auf.

Prädikat: Wenig sinnvoll, sehr unterhaltsam, und eigentlich genau das, was man zur Zeit im Fernsehen sehen will!

++++++
Das "ja" bei Empfehlenswert bezieht sich darauf, dass man sich das durchaus nebenbei antun kann, wenn man z.B. liest oder sonst was macht... z.B. Berichte schreiben!

18 Bewertungen, 7 Kommentare

  • dani___

    19.05.2002, 13:25 Uhr von dani___
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Salesch schau ich auch manchmal an... ciao die dani *;)

  • wilma

    20.03.2002, 09:47 Uhr von wilma
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut beschrieben - ich schau mir die Salesch auch ganz gerne ab und zu an. lg wilma

  • Anubis71

    13.03.2002, 22:13 Uhr von Anubis71
    Bewertung: sehr hilfreich

    Man habe die da viel reingepackt, hätte ich nicht gedacht! *grins* Spitze wie immer!

  • actionnaire

    15.02.2002, 14:46 Uhr von actionnaire
    Bewertung: sehr hilfreich

    tolle analyse - übrigens sind die Fälle zwar angeblich echt, werden aber soweit ich weiß meist von Laienschauspielern "vorgespielt"

  • Donline

    15.02.2002, 14:46 Uhr von Donline
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich kann bei dem Krach der da manchmal herrscht keine Berichte schreiben, da krieg ich ja Ohrensausen. Gruß Donline

  • ddjjtt2

    15.02.2002, 14:42 Uhr von ddjjtt2
    Bewertung: sehr hilfreich

    Genau so denke ich auch über Gerrichtsshows.

  • ch_zocker

    15.02.2002, 14:40 Uhr von ch_zocker
    Bewertung: sehr hilfreich

    gute Meinung, kannst ja auch mal bei mir reinschauen, würde mich freuen