Tropico (PC Strategiespiel) Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 03/2008
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Erfahrungsbericht von Swinja
Der Tyrann von Tropico
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
\"Jestatten, Ick bin Ihr Diktator\"
Das fällt mir als erstes ein, wenn ich das Cover dieser CD anschaue.
Vor einem gemaltem Hintergrund eines Südseeparadieses grinst mich ein bärtiger Uniformierter an, der ein jüngerer Bruder oder älterer Sohn von Fidel Castro oder eines anderen Militärputschrefugiums sein könnte.
Das Spiel versetzt einen - man hat eine sogenannte Wirtschafts-Sim vor sich - in die Situation, auf einer Insel, deren einziger Kontakt zur Außenwelt in einem Hafen besteht (in dem Warenaustausch und eine gewisse Einwanderung abgewickelt werden), eine funktionierende Wirtschaft Aufbauen zu müssen. Dabei bleibt es allerdings nicht. Wie in der Realität muß man auch zusehen, daß man an der Macht bleibt - das heißt, man muß entweder Aufstände und Putschversuche niederschlagen bzw. erst gar nicht soweit kommen lassen, oder alle paar Jahr Wahlen gewinnen.
Das Eingangsmenü läßt einem die Wahl zwischen einer selbst zusammenzubauenden Insel (wobei man die Topographie, das Klima, Vegetation, Vorkommen an Bodenschätzen und weitere Parameter völlig frei einstellen kann, auch die Gutmütigkeit und Putschfreudigkeit der Bevölkerung), oder einem bereits vorkonstruierten Szenario, bei dem es bestimmte Ziele zu erreichen gilt. Baut man seine eigene Insel zusammen (und auch den Charakter seiner selbst), so kann man sogar die guten und schlechten Eigenschaften des neugebackenen Staatschefs einstellen - ob er durch Putsch oder durch Einfluß des KGB an die Macht kam, welcher Herkunft er ist (Proletariat oder Moskauer Universität usw.), welche guten und schlechten Eigenschaften er hat (arbeitsam, unbestechlich, feige, Alkoholiker etc.). Alle diese Dinge beeinflussen die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend!
Und nun geht es los. In Schrägdraufsicht erkennt man eine grüne Insel im Meer, über der Wolken dahinziehen - und einige wenige Häuschen, zwischen denen Figürchen auf und ab laufen. Diese haben - was einen etwas an das Spiel \"Cultures\" (ja, das mit den Wikingern) erinnert - alle eine eigene Individualität, Geschichte, gute und schlechte Launen, und ihren Arbeitsplatz auf der Insel. Auf Anordnung bauen sie Häuser, Fabriken, Bauernhöfe, Bergwerke und anderes - und sind mehr oder weniger zufrieden mit ihrem Leben, ihrem Gehalt, und der Möglichkeit, auf der Insel ihr Leben zu leben.
Aber die Zusammenhänge sind sehr viel komplizierter, als man ihnen ansieht. Denn jedes der Figürchen, die da geboren werden oder einwandern, hat seinen eigenen Charakter, seine Faulheiten und Trägheiten, ist schlau oder doof wie ein Brett, ist politisch desinteressiert oder ein Revoluzzer. Hier eine Gehaltserhöhung zuviel - und sofort ist der andere, weil neidisch, unzufriedener als der eine mit seinem Geld zufrieden ist.
Eine Auswahl von Szenarien bietet einem die Möglichkeit, vor wechselndem politischem Hintergrund eine vorgegebene Zeit an der Macht zu bleiben (irgendwo zwischen 1950 und 2000), wobei es einem frei steht, ob man Wahlen abhält (mit dem Risiko, davongejagt zu werden), oder diktatorisch regiert (mit dem Risiko, davongejagt zu werden). Zuverlässig steht einem ein mit starkem Latino-Akzent redender Berater zur Seite, einer jener Sorte Hofschranzen, die schon Dutzende von Staatschefs überlebt haben und so dauerhaft sind wie Schimmel im Dachgebälk. Er warnt einen auch rechtzeitig, wenn es im Volke grummelt, wenn eine Hungersnot ansteht oder wenn es einen frustrierten Bürger zu den Partisanen im Dschungel verschlagen hat.
Die Spielbedienung erfolgt fast ausschließlich über die Maustasten, wobei es verschiedene Modi für das Bauen von Gebäuden, für administrative Amtshandlungen, und das Sammeln von Informationen, vor allem ökonomischer Natur, gibt. Die Grafik ist sehr schön, was einem allerdings nicht so schnell auffallen wird, da man aus Gründen der Übersichtlichkeit seine Insel vor allem aus der Flugzeug-Sicht anschauen wird. Das ist auch das Sinnvollste, aber wenn mal Zeit ist, sollte man an seine Häuschen und Figürchen so nah als möglich ranzoomen. Man staunt, wieviele Details es hier zu sehen gibt. Im Gegensatz zu den Wuselmännchen aus \"Siedler\" ist die Bevölkerung von Tropico auch nicht geschlechtslos, und das sieht man auch.
Nach einiger Zeit ist man versucht, die unsichtbaren Hintergrundmusiker zu erwürgen. Es handelt sich nämlich um die Musik, wie sie normalerweise verarmte chilenische und mexikanische Gaststudenten in Fußgängerzonen spielen, um ihr Stipendium aufzubessern. Das paßt zwar hervorragend zur geografischen Lage von Tropico, aber es geht einem auch hervorragend auf die Nerven.
Grinsen muß man natürlich auch über manche Details, wenn etwa geschrieben steht, wie der Charakter des Diktators sich auf die Politik auswirkt. Ist er Alkoholiker, verbessern sich sofort die Beziehungen zur Großmacht Rußland um zehn Prozent. Naheliegend, ja? Aber auch sonst ist das Spiel weniger dramatisch-nervenzehrend als eher unterhaltend.
Mittlerweile ist es für ca. 9,99 EUR und teilweise weniger erhältlich, in einer bunten stabilen Pappbox, in der allerdings neben der CD hauptsächlich Karton und (keine tropische) Luft verkauft wird. Der Spaßfaktor war für mich relativ hoch, und es hat auch lange gedauert, bis alle, auch die schwersten Szenarien, durchgespielt waren. Der Suchtfaktor ist reichlich, wenn man Aufbau-Sims mag. Meine Nachbarn wunderten sich schon, warum ich abends in einer grünen Militäruniform vorm PC sitze, übelriechende Zigarrenstumpen schmöke und in gebrochenem Spanisch vor mich hin fluche... CARAMBA...
Das fällt mir als erstes ein, wenn ich das Cover dieser CD anschaue.
Vor einem gemaltem Hintergrund eines Südseeparadieses grinst mich ein bärtiger Uniformierter an, der ein jüngerer Bruder oder älterer Sohn von Fidel Castro oder eines anderen Militärputschrefugiums sein könnte.
Das Spiel versetzt einen - man hat eine sogenannte Wirtschafts-Sim vor sich - in die Situation, auf einer Insel, deren einziger Kontakt zur Außenwelt in einem Hafen besteht (in dem Warenaustausch und eine gewisse Einwanderung abgewickelt werden), eine funktionierende Wirtschaft Aufbauen zu müssen. Dabei bleibt es allerdings nicht. Wie in der Realität muß man auch zusehen, daß man an der Macht bleibt - das heißt, man muß entweder Aufstände und Putschversuche niederschlagen bzw. erst gar nicht soweit kommen lassen, oder alle paar Jahr Wahlen gewinnen.
Das Eingangsmenü läßt einem die Wahl zwischen einer selbst zusammenzubauenden Insel (wobei man die Topographie, das Klima, Vegetation, Vorkommen an Bodenschätzen und weitere Parameter völlig frei einstellen kann, auch die Gutmütigkeit und Putschfreudigkeit der Bevölkerung), oder einem bereits vorkonstruierten Szenario, bei dem es bestimmte Ziele zu erreichen gilt. Baut man seine eigene Insel zusammen (und auch den Charakter seiner selbst), so kann man sogar die guten und schlechten Eigenschaften des neugebackenen Staatschefs einstellen - ob er durch Putsch oder durch Einfluß des KGB an die Macht kam, welcher Herkunft er ist (Proletariat oder Moskauer Universität usw.), welche guten und schlechten Eigenschaften er hat (arbeitsam, unbestechlich, feige, Alkoholiker etc.). Alle diese Dinge beeinflussen die wirtschaftliche Entwicklung entscheidend!
Und nun geht es los. In Schrägdraufsicht erkennt man eine grüne Insel im Meer, über der Wolken dahinziehen - und einige wenige Häuschen, zwischen denen Figürchen auf und ab laufen. Diese haben - was einen etwas an das Spiel \"Cultures\" (ja, das mit den Wikingern) erinnert - alle eine eigene Individualität, Geschichte, gute und schlechte Launen, und ihren Arbeitsplatz auf der Insel. Auf Anordnung bauen sie Häuser, Fabriken, Bauernhöfe, Bergwerke und anderes - und sind mehr oder weniger zufrieden mit ihrem Leben, ihrem Gehalt, und der Möglichkeit, auf der Insel ihr Leben zu leben.
Aber die Zusammenhänge sind sehr viel komplizierter, als man ihnen ansieht. Denn jedes der Figürchen, die da geboren werden oder einwandern, hat seinen eigenen Charakter, seine Faulheiten und Trägheiten, ist schlau oder doof wie ein Brett, ist politisch desinteressiert oder ein Revoluzzer. Hier eine Gehaltserhöhung zuviel - und sofort ist der andere, weil neidisch, unzufriedener als der eine mit seinem Geld zufrieden ist.
Eine Auswahl von Szenarien bietet einem die Möglichkeit, vor wechselndem politischem Hintergrund eine vorgegebene Zeit an der Macht zu bleiben (irgendwo zwischen 1950 und 2000), wobei es einem frei steht, ob man Wahlen abhält (mit dem Risiko, davongejagt zu werden), oder diktatorisch regiert (mit dem Risiko, davongejagt zu werden). Zuverlässig steht einem ein mit starkem Latino-Akzent redender Berater zur Seite, einer jener Sorte Hofschranzen, die schon Dutzende von Staatschefs überlebt haben und so dauerhaft sind wie Schimmel im Dachgebälk. Er warnt einen auch rechtzeitig, wenn es im Volke grummelt, wenn eine Hungersnot ansteht oder wenn es einen frustrierten Bürger zu den Partisanen im Dschungel verschlagen hat.
Die Spielbedienung erfolgt fast ausschließlich über die Maustasten, wobei es verschiedene Modi für das Bauen von Gebäuden, für administrative Amtshandlungen, und das Sammeln von Informationen, vor allem ökonomischer Natur, gibt. Die Grafik ist sehr schön, was einem allerdings nicht so schnell auffallen wird, da man aus Gründen der Übersichtlichkeit seine Insel vor allem aus der Flugzeug-Sicht anschauen wird. Das ist auch das Sinnvollste, aber wenn mal Zeit ist, sollte man an seine Häuschen und Figürchen so nah als möglich ranzoomen. Man staunt, wieviele Details es hier zu sehen gibt. Im Gegensatz zu den Wuselmännchen aus \"Siedler\" ist die Bevölkerung von Tropico auch nicht geschlechtslos, und das sieht man auch.
Nach einiger Zeit ist man versucht, die unsichtbaren Hintergrundmusiker zu erwürgen. Es handelt sich nämlich um die Musik, wie sie normalerweise verarmte chilenische und mexikanische Gaststudenten in Fußgängerzonen spielen, um ihr Stipendium aufzubessern. Das paßt zwar hervorragend zur geografischen Lage von Tropico, aber es geht einem auch hervorragend auf die Nerven.
Grinsen muß man natürlich auch über manche Details, wenn etwa geschrieben steht, wie der Charakter des Diktators sich auf die Politik auswirkt. Ist er Alkoholiker, verbessern sich sofort die Beziehungen zur Großmacht Rußland um zehn Prozent. Naheliegend, ja? Aber auch sonst ist das Spiel weniger dramatisch-nervenzehrend als eher unterhaltend.
Mittlerweile ist es für ca. 9,99 EUR und teilweise weniger erhältlich, in einer bunten stabilen Pappbox, in der allerdings neben der CD hauptsächlich Karton und (keine tropische) Luft verkauft wird. Der Spaßfaktor war für mich relativ hoch, und es hat auch lange gedauert, bis alle, auch die schwersten Szenarien, durchgespielt waren. Der Suchtfaktor ist reichlich, wenn man Aufbau-Sims mag. Meine Nachbarn wunderten sich schon, warum ich abends in einer grünen Militäruniform vorm PC sitze, übelriechende Zigarrenstumpen schmöke und in gebrochenem Spanisch vor mich hin fluche... CARAMBA...
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