Tropico (PC Strategiespiel) Testbericht

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Erfahrungsbericht von Schejtan

Der persönliche Inselstaat

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Sonne, Strand und Meer, Palmen, Cocktails und leicht bekleidete Mädchen. Das erwartet der Urlauber von einem Karibikurlaub und aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man in der Karibik mit diesen Sachen zugeschüttet wird. Doch warum eigentlich nur Urlaub auf einer Karibikinsel machen, warum nicht über sie herrschen? Wer schon immer mal Diktator spielen wollte, bekommt jetzt mit „Tropico“ die Gelegenheit dazu.

Doch bevor man in seinen Palast einzieht, erschafft man erst mal seinen Diktator oder sucht sich einen von den schon vorhandenen aus. Unter denen sind bekannte Gestalten wie Fidel Castro, Eva Peron oder auch Lou Bega. Ganz so ernst darf man das Spiel also nicht nehmen, wie die Auswahl schon zeigt. Hat man sich entschieden, werden einem der Werdegang, die Art der Machtübernahme und die Stärken und Schwächen des Diktators angezeigt. Diese kann man verändern, wenn man will. Jede Entscheidung hat Auswirkungen, hauptsächlich was die Beziehungen zu den verschiedenen politischen Gruppen auf Tropico oder zu den USA oder Russland angeht. Hat man zum Beispiel in Harvard studiert, ist das gut für die Beziehung zu den Staaten, besuchte man dagegen die Moskauer Universität ist die russische Seite einem wohlgesonnener. Ist man hässlich, ist das schlecht für den Tourismus, ist man Alkoholiker, sinkt die Anerkennung beim religiösen Lager, dafür verbessert sich der Draht zu Russland. Hier werden im Prinzip schon die Weichen für den späteren Spielstil und die Schwerpunkte gesetzt. Hat man z. B. vor, eine Militärdiktatur einzurichten, sollte man sich möglichst Eigenschaften aussuchen, die das Verhältnis zum militaristischen Lager auflockern, will man eine florierende Wirtschaft aufbauen, tut man gut daran, gute Beziehungen zu den Kapitalisten und den USA aufzubauen usw.

Hat man seinen Diktator dann fertiggestellt, geht es ab nach Tropico. Am Anfang besteht der Inselstaat lediglich aus dem Palast, einem Hafen, einer Baufirma, einer Spedition, ein paar Maisfarmen und Blechhütten. Irgendwie ernüchternd für den Diktator, aber da lässt sich ja was machen, und so fängt man an zu bauen. Dabei sollte man sich einerseits nach den Wünschen der Einwohner richten, andererseits natürlich auch nach den eigenen Vorstellungen. Eine florierende Wirtschaft braucht nicht nur Farmen und Minen, sondern auch Fabriken, eine Militärdiktatur Kasernen. Fordern die Bewohner bessere Wohnungen als ihre Blechhütten? Bauen sie für die ärmeren Mietskasernen, für mittelständischen Wohnkomplexe, für die Reichen Häuser oder sogar Luxusvillen. Für die brauchen sie aber erst ein Kraftwerk und um das zu betreiben, Ingenieure, die studiert haben. Also muss eine Universität und eine Schule her, doch da melden sich die Religiösen und beklagen das Fehlen einer Kirche und die Kommunisten meckern über zu große Einkommensunterschiede. Man kann nämlich für jeden einzelnen Betrieb die Löhne und bei Dienstleistungen auch die Preise festlegen. Stellt man die zu niedrig ein, kommen keine Arbeiter, zu hohe Löhne bedeuten Verluste. Bedenkt man jetzt noch, dass man bei einem Radiosender das Programm bestimmen kann, es verschiedene Einwanderungsmodelle gibt und dass die Tropicaner heiraten und Kinder kriegen, merkt man bald, dass das System ziemlich komplex ist und man es nicht allen recht machen kann. Mit der Zeit wird man mit einem oder zwei politischen Lager Ärger bekommen, und dann kann man nur hoffen, dass die anderem hinter einem stehen.

Denn natürlich kann man auch als Diktator abgesetzt werden. Durch Wahlen zum Beispiel, die alle paar Jahre gefordert werden. Aber ein eich richtiger Diktator kann sie natürlich verbieten. Das schadet zwar dem Ansehen, aber was soll’s, man hat ja schließlich ein schlagkräftiges Militär. Hoffentlich, denn sonst hat man Probleme mit Rebellen, die sie am liebsten tot sehen wollen. Verärgert man dagegen das Militär, kann es zu einem Putsch kommen, der bei Erfolg auch das Ende ihrer Regentschaft bedeutet. Manchmal hilft da nur noch die Verhaftung oder sogar Eliminierung eines Aufrührers.

Wobei wir auch schon beim nächsten Vorteil eines Diktatordaseins wären: den Edikten. Mit ihrer Hilfe entledigt man sich politischer Gegner, geht Bündnisse mit den USA oder Russland ein, erlässt eine spezielle Baugenehmigung, die ihr Schweizer Bankkonto füllt, veranstaltet einen Karneval oder der Papst kommt zu Besuch. Die Edikte sind das Salz in der Suppe bei Tropico: Es geht nicht ohne, aber zuviel verderben die leckere Diktatursuppe. Die spezielle Baugenehmigung verärgert z. B. die Intellektuellen, während ein Karneval das Volk zwar glücklicher macht, jedoch ist während dieser Zeit die Kriminalität höher. Und natürlich kosten die Edikte auch einiges und einige kann man nur unter bestimmten Umständen erlassen. Der Papst kommt zum Beispiel nur auf ihre Insel, wenn sie eine Kathedrale haben und sie sich gut mit dem religiösen Lager verstehen. Sie wollen eine Werbekampagne für ihre Industrie starten, haben aber keinen Fernsehsender? Pech gehabt, den brauchen sie dafür nämlich. Die Edikte sind etwas, was so in keinem anderen Aufbauspiel zu finden ist. Sie lassen einen erst richtig wie einen Diktator fühlen und sind ein Pluspunkt für das Spiel.

Aber es gibt noch andere Punkte, die Tropico erfrischend von anderen Aufbauspielen abhebt. So hat jeder einzelne Bürger, von denen es bis zu 500 geben kann, und jeder einzelne Tourist eine eigene Persönlichkeit und eigene Wünsche. Dem einen ist die Wohnqualität besser, für den anderen Religion, der eine unterstützt die Kapitalisten, der andere die Umweltschützer. Das ist zwar nicht unbedingt ein großer Nutzen fürs Spiel, da sie den Statistiken im Jahrbuch die Wünsche der Bewohner übersichtlicher entnehmen können, aber es lässt das Spiel lebendiger werden und sorgt für mehr Atmosphäre, genauso wie das unverbrauchte karibische Flair, das durch Palmen, Strand, Meer und entsprechende Hintergrundmusik aufkommt. Der Sound ist sowieso sehr gut, besonders für ein Aufbauspiel. Über die Grafik lässt sich da aber nicht ganz das gleiche sagen. O.K., für so ein Spiel ist sie gut: alle Bewohner sind gut animiert und man erkennt an ihnen viele Details, auch die Gebäude sehen schick aus. Jedoch sind einige Sachen recht lieblos gestaltet. Das Wetter wird nur durch Wolken dargestellt, die über die Insel ziehen, und Gebäude, die noch gebaut werden, werden nur gelb dargestellt, bis sie fertiggestellt sind. Hier hätte man ruhig zeigen können, wie das Gebäude Stück für Stück entsteht, was ja in anderen Aufbauspielen längst der Fall ist.

Aber natürlich gibt es auch in Tropico Kritikpunkte. So sehr, wie es zuerst den Anschein hat, unterscheidet es sich nämlich dann doch nicht von anderen Aufbauspielen. Und deshalb hat Tropico auch die für dieses Genre typischen Probleme. Mit der Zeit geht nämlich der Reiz verloren. Irgendwann hat man alles mal gesehen, man hat einen funktionierenden Staat aufgebaut und auch eine Strategie entwickelt, mit der man immer wieder Erfolg hat. Wenn man soweit ist, drohen einem auch keine Gefahren mehr von Rebellen oder eine verlorenen Wahlen, da man das Volk unter Kontrolle hat. Hier hätte man vielleicht konkurrierende Diktatoren einbauen können, oder Naturkatastrophen. Auch das Fehlen einer Kampagne ist ein wenig ärgerlich. Es gibt zwar vorgefertigte Szenarien, in denen man eine bestimmte Aufgabe erfüllen muss, jedoch weiß ich aus Erfahrung, dass sie nie so motivierend sind wie Kampagnen. Auch einen Staat aus dem Nichts aufzubauen ist reizvoller und so werden die Szenarien wohl ungespielt bleiben.

Sieht man jedoch von diesen kleinen Schwächen mal ab, ist Tropico ein gutes Aufbauspiel. Es macht einfach Spaß, über eine die Insel zu herrschen und tun zu können, was man will. Jedenfalls bis zu den nächsten Wahlen. Das erfrischende Karibikszenario trägt auch dazu bei, genauso wie die vielen Details. Auf Tropico gibt es viel zu entdecken, wenn man dann jedoch mal alles entdeckt hat, lässt der Spielspaß stark nach. Für Genre – Fans ist Tropico ein Muss, aber auch Neulinge in diesem Gebiet sollten sich das Spiel mal ansehen.

25 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Andreas1501

    27.04.2002, 15:00 Uhr von Andreas1501
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich hab's grade bei Media Markt für 10 Euro gekauft, mal sehen, ob's mir gefällt... Gruß Andreas

  • ElZoido

    15.04.2002, 21:28 Uhr von ElZoido
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht!

  • nikosternchen

    15.04.2002, 21:23 Uhr von nikosternchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich WAR mal süchtig danach ,aber irgendwann wurdes langweilig o((...lg niko

  • Hathor

    15.04.2002, 21:14 Uhr von Hathor
    Bewertung: sehr hilfreich

    Tropico ist super, wenns bei mir nur wieder gehen würde :(