Erfahrungsbericht von sslazio
Nichts klappte wie geplant...
Pro:
rettete das Leben meiner Tochter
Kontra:
Verlust wichtiger Geburtserlebnisse, psychische Spätfolgen
Empfehlung:
Nein
...eine schmerzfreie, komplikationslose und schnelle Geburt ?! Der Wunsch einer jeden schwangeren Frau?! Ich war da von Anfang an anderer Meinung. Ich wollte natürlich, dass es meinem Baby und mir unter der Geburt gut geht, aber auf Schmerzen hatte ich mich voll und ganz eingestellt. Bis zum immer näher rückenden Entbidnungstermin hatte ich keinerlei Angst . Im Gegenteil, ich spürte ein Art Neugierde auf das, was kommen würde...und ,was das wichtigste war, ich freute mich auf meine Tochter, die ich bald sicher in meinen Armen wiegen konnte.
Ich freute mich auf die Geburt, ich freute mich sogar auf die Schmerzen (man hat oft die große Klappe, wenn man etwas nicht kennt :-)) und ich war gespannt auf mich selber, ob ich es ganz ohne Schmerzmittel schaffen konnte.
Ich gehörte schon immer zu den eher angstlosen Menschen und die Geburt meiner Tochter sollte meine größte Herausforderung für mein körperliches Schmerzempfinden sein.
Schließlich hatten wir 7 lange und schwere Jahre auf ein Baby, unser Baby gehofft...ich hatte ganz andere Schmerzen, psychische, die so unendlich weh taten, auf mich genommen und so gut wie möglich gemeistert...und wer eine Mandeloperation mit Teilnarkose übersteht, den haut so\'ne Geburt auch nicht um....!
Tja, unsere Lucienne ist jetzt 4 Monate alt und ich bin doch nur bei meiner Mandel-OP geblieben, denn wie eine richtige spontane Geburt nun ist, weiß ich noch immer nicht...denn alles kam, wie sollte es auch anders sein, ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte...
+++Wie es zum Kaiserschnitt kam+++
Meine komplette Schwangerschaft verlief nicht komplikationslos: drohende Fehlgeburt, drohende Frühgeburt, Kind zu klein (dass ich nicht lache), Beschäftigungsverbot, keine Gewichtszunahme, Krankenhausaufenthalte, jeden Tag um die 20 Tabletten. All das war Routine für mich, solange es dem Baby gut gin, ging es mir prima...der Mensch gewöhnt sich an alles. Die Hauptsache war für mich, das Baby früher oder später in meinen Armen halten zu können.
Auch, als der Entbindungstag vorbei war, ging es mir gut. Mit meinem mächtigen Babybauch (liebevoll auch Spitzkühler genannt) meisterte ich jeden langen Einkaufsbummel.
Mein Kind dagegen tat nicht den geringsten Schritt in Richtung Geburt. 5 Monate voller vorzeitiger Wehen beeindruckten meine kleine Maus reichlich wenig. Sie hatte es sichoben, gaaanz weit oben an meinem Rippenbogen gemütlich gemacht, drehte sich erst kurz vor dem Termin mit dem Kopf nach unten.
Mein Arzt und ich entschlossen uns, dass wir es ab dem 6. Tag nach dem Termin mit einer Geburtseinleitung versuchen wollten, natürlich immer in der Hoffnung, dass Püppi es sich alleine überlegen würde.
Die folgenden 6 Tage fehlgeschlagener 8 Einleitungsversuche mit Tabletten, Treppen steigen bis zum Muskelkater und Wehentropf auf krankenhausunüblicher Höchststufe, kann man in einem Satz zusammenfassen: das war wohl nix!
Der Wehenschreiber zeigte die tollsten, regelmäßigen Wehen, doch Jeannette merkte nichts (Erwähnte ich schon, dass ich anders bin?! :-))
Samstag Abend wurde selbst meinem Arzt dieser Nervenmarathon zuviel - er sprengte kurzerhand meine Fruchtblase.
Und dann fing es richtig an. Innerhalb kürzester Zeit bekam ich, ganz ohne Vorbereitung und immernoch mit Wehentropf am Arm die heftigsten Wehen.
Ich durfte nur auf der linken Seite liegen, damit der Kopf endlich mal ins Becken rutscht. So lag ich also knappe 3 Stunden, veratmete tapfer die Wehen und konnte bald nicht mehr liegen, denn Kreißbetten sind nach einer Woche liegen nicht mehr wirklich bequem. Ich verlangte also nach einem Postionswechsel und durfte dann auch aufstehen - das war angenehm, so hätte ich es schaffen können.
Aber es kam anders, denn bei einem zufälligen Blick auf das CTG bekam ich fast einen Schlag. Die Herztöne meines Babies fielen kontinuierlich und sehr rapide ab...110, 106, 100, 96, 93...die Hebamme war nicht mehr im Kreißsaal, hörte aber zum Glück mein Rufen.
Als sie auf das CTG schaute, die Herztöne fielen immer weiter, sagte sie hastig: \"Hinlegen, sofort, ich bereite alles für einen Kaiserschnitt vor!\"
Dann ging alles sehr schnell, der Anästhesit kam hoch, füllte mit mir den Narkose-Bogen aus. In der Zwischenzeit wurde mir ein Blasenkatheder gelegt, man zog mir ein OP-Hemd an und ich bekam die schicken Trombosestrümpfe.
Während der ganzen Zeit hatte ich immernoch starke Wehen, die mir abermittlerweile gar nicht mehr so stark vorkamen, ich zitterte am ganzen Körper und hatte so wahnsinnige Angst, auch dieses Baby zu verlieren...ansonsten aber war ich ziemlich emotionslos.
Ich wurde auf eine Liege verfrachtet und in den OP gebracht. Da ich schon oft operiert worden war, machte mir die bevorstehende Vollnarkose keine Angst.
Viel denken konnte ich nicht, ich würde meinen Zustand eher als eine Art Trance bezeichnen, in der ich alles mit mir geschehen ließ und alles wie ein Film an mir vorbeizog.
Ein riesiger Schmerz überkam mich aber, weil ich im gleichen OP lag, in dem meine 1. Tochter tot geboren wurde...
Die Schwestern und Ärzte (mein Gynäkologe war auch dabei, was ich als sehr beruhigend empfand)waren sehr nett, aber auch sichtlich beunruhigt. Es wurde alles sehr zügig gemacht, der OP war schon fertig und die Flexüle hatte ich durch den Wehentropf ja noch im Arm.
Die Anästhesistin wartete noch meine nächste Wehe ab , dann spritzte sie mir das Narkosemittel und ich schlief ein...
+++Danach+++
Als ich im Aufwachraum erwachte, war es Nacht. Ich war von der Narkose sehr benommen und musste erst einmal überlegen, was eigentlich geschehen war. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl - ich wusste, ich hatte ein Baby, aber ich konnte nichts empinden.
Irgendwann kamen die Kinderkrankenschwester, meine Mutter und mein Freund, um mir meine Tochter zu zeigen.
Dieser Moment hat sich eingebrannt in meine Erinnerung: man legte Lucienne neben mich und sie schaute mich aus neugierigen schwarzen Augen an. Es waren zwar nur wenige Sekunden, doch dieses Bild vergesse ich nie.
Als Alle wieder weg waren, schlief ich immer wieder ein, erwachte, schlief wieder ein...
Man kann diese Situation so schwer beschreiben.Ich lag da ganz allein, sah Lucienne\'s Gesicht vor mir und vermisste mein Baby sehr, doch das Gefühl war sehr eigenartig.
Schmerzen hatte ich eigentlich keine, mein Körper war von der Narkose ja noch ziemlich betäubt.
Am nächsten Morgen wurde ich wieder in mein Zimmer gebracht. Ich fühlte mich noch immer sehr müde, die ca. 10 cm lange Wunde an meinem Bauch spürte ich nur beim Bewegen.
Ich blieb auch nicht lange liegen, da ich nicht gerne auf andere angewiesen bin, und versuchte, alles mögliche wie waschen etc. allein zu machen. Auch wenn das aufstehen sehr schmerzhaft war, biss ich die Zähne zusammen und lief schon am ersten Tag nach dem Kaiserschnitt mehr in der Gegend herum, als ich sollte. Das Laufen ähnelte zwar eher einem Schlurfen und ich fühlte mich noch immer wie betäubt, aber ansonsten ging es mir körperlich gut.
Durch die Intubation war ich den ganzen ersten Tag über ohne Stimme, aber Dank viel tee und Lutschtabletten ging es meinem Hals bald wieder besser.
Auf der Station wurde ich bald nur noch belächelt, weil ich so schnell wieder durch die Gänge schlenderte. Ich muss aber dazu sagen, dass ich die Art der Schmerzen und die richtige Art, sich damit zu bewegen, schon von meiner Blinddarm-Operation kannte.
Am 4. Tag nach der Geburt meiner Tochter ließ ich mich dann entlassen. Geprägt waren die nächsten Tage durch Heulkrämpfe und Depressionen - ich hatte einen richtigen Babyblues!
+++ Die Psyche und der Kaiserschnitt+++
Auch wenn ich im Krankenhaus nicht viel darüber nachgedacht hatte, wurden mir die Folgen des Kaiserschnittes zu Hause um so heftiger bewusst. Ich weinte sehr viel, litt richtig und machte mir natürlich Gedanken darüber, inwieweit dies mit der OP zusammenhängt.
Ich hatte gerade in den ersten Tagen sehr große Probleme damit, dass kleine Baby im Stubenwagen anzunehmen. Die ersten Tage empfand ich eine gewisse Distanz Lucienne gegenüber - der Himmel hing eben nicht voller Geigen, wie man sich das vorgestellt hatte.
Nach und nach begann ich, meine Empfindungen einzuordnen und zu interpretieren.
Mir war etwas unendlich wichtiges genommen worden: die Geburt meines Kindes! Momente, von denen ich immer geträumt hatte, der erste Schrei, ein blutverschmiertes ,gerade geborenes kleines Menschlein in seine Arme gelegt zu bekommen...
Auch wenn ich weiß, dass Lucienne niemals hätte anders geboren werden können (ihr Kopf war zu groß für mein Becken, sie wäre niemals spontan geboren), dass ihr der Kaiserschnitt das Leben gerettet hat, überkommt mich immer eine gewisse Traurigkeit, wenn ich daran denke.
Für mich habe ich mein Kind nicht sleber geboren, es wurde aus mir herausgeholt. Wie wichtig dies für eine Mutter ist, war mir imemr klar, dass es mich mal selbst betrifft, dagegen weniger.
Nicht die körperliche Wunde ist ein Problem, ich habe die OP von Anfang an super weggesteckt und die Narbe ist kein großes Übel. Das eigentlich fatale sind die psychischen Folgen. Ich bin nicht unglücklich, nein, wie könnte ich das bei einer so bezaubernden Tochter - aber da klafft eine große Lücke in meinem Erlebten.
Man wird schwanger, bereitet sich auf die Geburt vor, bekommt Wehen und plötzlich wird man wach und bekommt ein fertig gewaschenes und angezogenes Baby vor die Nase gehalten. \"das ist Ihre Tochter\" - das passt doch so nicht zusammen!
Erheblich wichtige und vor allem bindende Momente gehen einem unwiederruflich verloren, und auch, wenn ich Lucienne über alles liebe, und unendlich dankbar bin, dass ich sie trotz aller Schwierigkeiten bei mir haben darf, denke ich mit Wehmut daran, wie es hätte sein können.
+++ Fazit+++
Der Kaiserschnitt ist meiner Meinung nach eine wunderbare und lebensrettende Maßnahme. Die Betonung liegt besonders auf \"lebensrettend\", denn anders sollte er nicht eingesetzt werden. Der Kaiserschnitt ist und bleibt nunmal ein operativer Eingriff, dessen Risiken nur im Notfall eingegangen werden sollten. Heutzutage wird rund jedes 5.-6. Kind per Kaiserschnitt geboren, und ich bin der Meinung, dass nicht alle davon wirklich notwendig sind. Der Begriff \"Notkaiserschnitt\" wird auch viel zu leichtfertig verwendet, wie ich aus eigenen Erfahrungen berichten kann.
Schmerzen gehören zu einer Geburt dazu, und weil sie natürlich jeder anders empfindet, gibt es heute eine Bandbreite an verschiedensten, auch natürlichen Schmerzlinderungsmethoden zur Geburtserleichterung.
Man sollte sich im Klaren darüber sein, was es bedeutet, den Geburtsmoment zu verpassen. Denn auch, wenn man Dank PDA den ersten Schrei seines Babies hört, findet alles doch in einem sterilen OP statt - eine nicht gerade geburtsfreundlich Atmosphäre.
Man sollte sich gut informieren, ob eine spontane Geburt nicht doch möglich ist - natürlich ist das im Regelfall nicht immer machbar..
Stehen das Leben bzw. die Gesundheit von Mutter und/oder Kind auf dem Spiel, sollte aber in jedem Falle und ohne Umwege ein Kaiserschnitt erfolgen.
Ich denke, es gibt einige Varianten, Kaiserschnitte, die unbedingt notwenig sind, Kaiserschnitte, die man umgehen könnte - und leider auch die Kaiserschnitte, die nötig gewesen wären, bei denen aber nicht oder zu spät gehandelt wurde.
Ich persönlich würde einiges dafür geben, eine spontane Geburt mit allem, was dazu gehört, zu erleben. Schau\'n wir mal, was die Zeit bringt...
Ich möchte zum Schluss noch ergänzen, dass ich sehr glücklich bin, meine Lucienne zu haben...egal, wie sie geboren wurde...sie ist mein ganzes Glück...
In diesem Sinne
Eure Jeannette
Diesen Bericht habe ich auch bei ciao veröffentlicht.
Ich freute mich auf die Geburt, ich freute mich sogar auf die Schmerzen (man hat oft die große Klappe, wenn man etwas nicht kennt :-)) und ich war gespannt auf mich selber, ob ich es ganz ohne Schmerzmittel schaffen konnte.
Ich gehörte schon immer zu den eher angstlosen Menschen und die Geburt meiner Tochter sollte meine größte Herausforderung für mein körperliches Schmerzempfinden sein.
Schließlich hatten wir 7 lange und schwere Jahre auf ein Baby, unser Baby gehofft...ich hatte ganz andere Schmerzen, psychische, die so unendlich weh taten, auf mich genommen und so gut wie möglich gemeistert...und wer eine Mandeloperation mit Teilnarkose übersteht, den haut so\'ne Geburt auch nicht um....!
Tja, unsere Lucienne ist jetzt 4 Monate alt und ich bin doch nur bei meiner Mandel-OP geblieben, denn wie eine richtige spontane Geburt nun ist, weiß ich noch immer nicht...denn alles kam, wie sollte es auch anders sein, ganz anders, als ich es mir vorgestellt hatte...
+++Wie es zum Kaiserschnitt kam+++
Meine komplette Schwangerschaft verlief nicht komplikationslos: drohende Fehlgeburt, drohende Frühgeburt, Kind zu klein (dass ich nicht lache), Beschäftigungsverbot, keine Gewichtszunahme, Krankenhausaufenthalte, jeden Tag um die 20 Tabletten. All das war Routine für mich, solange es dem Baby gut gin, ging es mir prima...der Mensch gewöhnt sich an alles. Die Hauptsache war für mich, das Baby früher oder später in meinen Armen halten zu können.
Auch, als der Entbindungstag vorbei war, ging es mir gut. Mit meinem mächtigen Babybauch (liebevoll auch Spitzkühler genannt) meisterte ich jeden langen Einkaufsbummel.
Mein Kind dagegen tat nicht den geringsten Schritt in Richtung Geburt. 5 Monate voller vorzeitiger Wehen beeindruckten meine kleine Maus reichlich wenig. Sie hatte es sichoben, gaaanz weit oben an meinem Rippenbogen gemütlich gemacht, drehte sich erst kurz vor dem Termin mit dem Kopf nach unten.
Mein Arzt und ich entschlossen uns, dass wir es ab dem 6. Tag nach dem Termin mit einer Geburtseinleitung versuchen wollten, natürlich immer in der Hoffnung, dass Püppi es sich alleine überlegen würde.
Die folgenden 6 Tage fehlgeschlagener 8 Einleitungsversuche mit Tabletten, Treppen steigen bis zum Muskelkater und Wehentropf auf krankenhausunüblicher Höchststufe, kann man in einem Satz zusammenfassen: das war wohl nix!
Der Wehenschreiber zeigte die tollsten, regelmäßigen Wehen, doch Jeannette merkte nichts (Erwähnte ich schon, dass ich anders bin?! :-))
Samstag Abend wurde selbst meinem Arzt dieser Nervenmarathon zuviel - er sprengte kurzerhand meine Fruchtblase.
Und dann fing es richtig an. Innerhalb kürzester Zeit bekam ich, ganz ohne Vorbereitung und immernoch mit Wehentropf am Arm die heftigsten Wehen.
Ich durfte nur auf der linken Seite liegen, damit der Kopf endlich mal ins Becken rutscht. So lag ich also knappe 3 Stunden, veratmete tapfer die Wehen und konnte bald nicht mehr liegen, denn Kreißbetten sind nach einer Woche liegen nicht mehr wirklich bequem. Ich verlangte also nach einem Postionswechsel und durfte dann auch aufstehen - das war angenehm, so hätte ich es schaffen können.
Aber es kam anders, denn bei einem zufälligen Blick auf das CTG bekam ich fast einen Schlag. Die Herztöne meines Babies fielen kontinuierlich und sehr rapide ab...110, 106, 100, 96, 93...die Hebamme war nicht mehr im Kreißsaal, hörte aber zum Glück mein Rufen.
Als sie auf das CTG schaute, die Herztöne fielen immer weiter, sagte sie hastig: \"Hinlegen, sofort, ich bereite alles für einen Kaiserschnitt vor!\"
Dann ging alles sehr schnell, der Anästhesit kam hoch, füllte mit mir den Narkose-Bogen aus. In der Zwischenzeit wurde mir ein Blasenkatheder gelegt, man zog mir ein OP-Hemd an und ich bekam die schicken Trombosestrümpfe.
Während der ganzen Zeit hatte ich immernoch starke Wehen, die mir abermittlerweile gar nicht mehr so stark vorkamen, ich zitterte am ganzen Körper und hatte so wahnsinnige Angst, auch dieses Baby zu verlieren...ansonsten aber war ich ziemlich emotionslos.
Ich wurde auf eine Liege verfrachtet und in den OP gebracht. Da ich schon oft operiert worden war, machte mir die bevorstehende Vollnarkose keine Angst.
Viel denken konnte ich nicht, ich würde meinen Zustand eher als eine Art Trance bezeichnen, in der ich alles mit mir geschehen ließ und alles wie ein Film an mir vorbeizog.
Ein riesiger Schmerz überkam mich aber, weil ich im gleichen OP lag, in dem meine 1. Tochter tot geboren wurde...
Die Schwestern und Ärzte (mein Gynäkologe war auch dabei, was ich als sehr beruhigend empfand)waren sehr nett, aber auch sichtlich beunruhigt. Es wurde alles sehr zügig gemacht, der OP war schon fertig und die Flexüle hatte ich durch den Wehentropf ja noch im Arm.
Die Anästhesistin wartete noch meine nächste Wehe ab , dann spritzte sie mir das Narkosemittel und ich schlief ein...
+++Danach+++
Als ich im Aufwachraum erwachte, war es Nacht. Ich war von der Narkose sehr benommen und musste erst einmal überlegen, was eigentlich geschehen war. Es war ein sehr merkwürdiges Gefühl - ich wusste, ich hatte ein Baby, aber ich konnte nichts empinden.
Irgendwann kamen die Kinderkrankenschwester, meine Mutter und mein Freund, um mir meine Tochter zu zeigen.
Dieser Moment hat sich eingebrannt in meine Erinnerung: man legte Lucienne neben mich und sie schaute mich aus neugierigen schwarzen Augen an. Es waren zwar nur wenige Sekunden, doch dieses Bild vergesse ich nie.
Als Alle wieder weg waren, schlief ich immer wieder ein, erwachte, schlief wieder ein...
Man kann diese Situation so schwer beschreiben.Ich lag da ganz allein, sah Lucienne\'s Gesicht vor mir und vermisste mein Baby sehr, doch das Gefühl war sehr eigenartig.
Schmerzen hatte ich eigentlich keine, mein Körper war von der Narkose ja noch ziemlich betäubt.
Am nächsten Morgen wurde ich wieder in mein Zimmer gebracht. Ich fühlte mich noch immer sehr müde, die ca. 10 cm lange Wunde an meinem Bauch spürte ich nur beim Bewegen.
Ich blieb auch nicht lange liegen, da ich nicht gerne auf andere angewiesen bin, und versuchte, alles mögliche wie waschen etc. allein zu machen. Auch wenn das aufstehen sehr schmerzhaft war, biss ich die Zähne zusammen und lief schon am ersten Tag nach dem Kaiserschnitt mehr in der Gegend herum, als ich sollte. Das Laufen ähnelte zwar eher einem Schlurfen und ich fühlte mich noch immer wie betäubt, aber ansonsten ging es mir körperlich gut.
Durch die Intubation war ich den ganzen ersten Tag über ohne Stimme, aber Dank viel tee und Lutschtabletten ging es meinem Hals bald wieder besser.
Auf der Station wurde ich bald nur noch belächelt, weil ich so schnell wieder durch die Gänge schlenderte. Ich muss aber dazu sagen, dass ich die Art der Schmerzen und die richtige Art, sich damit zu bewegen, schon von meiner Blinddarm-Operation kannte.
Am 4. Tag nach der Geburt meiner Tochter ließ ich mich dann entlassen. Geprägt waren die nächsten Tage durch Heulkrämpfe und Depressionen - ich hatte einen richtigen Babyblues!
+++ Die Psyche und der Kaiserschnitt+++
Auch wenn ich im Krankenhaus nicht viel darüber nachgedacht hatte, wurden mir die Folgen des Kaiserschnittes zu Hause um so heftiger bewusst. Ich weinte sehr viel, litt richtig und machte mir natürlich Gedanken darüber, inwieweit dies mit der OP zusammenhängt.
Ich hatte gerade in den ersten Tagen sehr große Probleme damit, dass kleine Baby im Stubenwagen anzunehmen. Die ersten Tage empfand ich eine gewisse Distanz Lucienne gegenüber - der Himmel hing eben nicht voller Geigen, wie man sich das vorgestellt hatte.
Nach und nach begann ich, meine Empfindungen einzuordnen und zu interpretieren.
Mir war etwas unendlich wichtiges genommen worden: die Geburt meines Kindes! Momente, von denen ich immer geträumt hatte, der erste Schrei, ein blutverschmiertes ,gerade geborenes kleines Menschlein in seine Arme gelegt zu bekommen...
Auch wenn ich weiß, dass Lucienne niemals hätte anders geboren werden können (ihr Kopf war zu groß für mein Becken, sie wäre niemals spontan geboren), dass ihr der Kaiserschnitt das Leben gerettet hat, überkommt mich immer eine gewisse Traurigkeit, wenn ich daran denke.
Für mich habe ich mein Kind nicht sleber geboren, es wurde aus mir herausgeholt. Wie wichtig dies für eine Mutter ist, war mir imemr klar, dass es mich mal selbst betrifft, dagegen weniger.
Nicht die körperliche Wunde ist ein Problem, ich habe die OP von Anfang an super weggesteckt und die Narbe ist kein großes Übel. Das eigentlich fatale sind die psychischen Folgen. Ich bin nicht unglücklich, nein, wie könnte ich das bei einer so bezaubernden Tochter - aber da klafft eine große Lücke in meinem Erlebten.
Man wird schwanger, bereitet sich auf die Geburt vor, bekommt Wehen und plötzlich wird man wach und bekommt ein fertig gewaschenes und angezogenes Baby vor die Nase gehalten. \"das ist Ihre Tochter\" - das passt doch so nicht zusammen!
Erheblich wichtige und vor allem bindende Momente gehen einem unwiederruflich verloren, und auch, wenn ich Lucienne über alles liebe, und unendlich dankbar bin, dass ich sie trotz aller Schwierigkeiten bei mir haben darf, denke ich mit Wehmut daran, wie es hätte sein können.
+++ Fazit+++
Der Kaiserschnitt ist meiner Meinung nach eine wunderbare und lebensrettende Maßnahme. Die Betonung liegt besonders auf \"lebensrettend\", denn anders sollte er nicht eingesetzt werden. Der Kaiserschnitt ist und bleibt nunmal ein operativer Eingriff, dessen Risiken nur im Notfall eingegangen werden sollten. Heutzutage wird rund jedes 5.-6. Kind per Kaiserschnitt geboren, und ich bin der Meinung, dass nicht alle davon wirklich notwendig sind. Der Begriff \"Notkaiserschnitt\" wird auch viel zu leichtfertig verwendet, wie ich aus eigenen Erfahrungen berichten kann.
Schmerzen gehören zu einer Geburt dazu, und weil sie natürlich jeder anders empfindet, gibt es heute eine Bandbreite an verschiedensten, auch natürlichen Schmerzlinderungsmethoden zur Geburtserleichterung.
Man sollte sich im Klaren darüber sein, was es bedeutet, den Geburtsmoment zu verpassen. Denn auch, wenn man Dank PDA den ersten Schrei seines Babies hört, findet alles doch in einem sterilen OP statt - eine nicht gerade geburtsfreundlich Atmosphäre.
Man sollte sich gut informieren, ob eine spontane Geburt nicht doch möglich ist - natürlich ist das im Regelfall nicht immer machbar..
Stehen das Leben bzw. die Gesundheit von Mutter und/oder Kind auf dem Spiel, sollte aber in jedem Falle und ohne Umwege ein Kaiserschnitt erfolgen.
Ich denke, es gibt einige Varianten, Kaiserschnitte, die unbedingt notwenig sind, Kaiserschnitte, die man umgehen könnte - und leider auch die Kaiserschnitte, die nötig gewesen wären, bei denen aber nicht oder zu spät gehandelt wurde.
Ich persönlich würde einiges dafür geben, eine spontane Geburt mit allem, was dazu gehört, zu erleben. Schau\'n wir mal, was die Zeit bringt...
Ich möchte zum Schluss noch ergänzen, dass ich sehr glücklich bin, meine Lucienne zu haben...egal, wie sie geboren wurde...sie ist mein ganzes Glück...
In diesem Sinne
Eure Jeannette
Diesen Bericht habe ich auch bei ciao veröffentlicht.

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