Thema Kaiserschnitt Testbericht

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Erfahrungsbericht von romyal

Manchmal geht es halt nicht anders! (Ein Erfahrungsbericht)

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Natürliche Geburt? Schön und gut, aber manchmal kommt es eben doch ganz anders: Mein Baby lag in Beckenendlage, d.h. mit dem Kopf nach oben. Auch in diesem Fall ist eine natürliche Geburt theoretisch möglich, allerdings muß im Vorfeld geklärt werden, ob der Kopf des Babys mit genügend Spielraum durch das Becken der Mutter passt. Bei einer normalen Geburt ist dies kein großes Problem, da die Hebamme bzw. der Arzt den Kopf so drehen können, bis er durchpasst. Wenn jedoch der Körper des Kindes schon raus ist, kann es gefährlich werden, wenn der Kopf dann "hängen" bleibt.

Ich habe also verschiedene Messungen durchführen lassen: Der Kopf des Babys wurde mit Ultraschall ausgemessen, meine Beckenaußenmaße bestimmt und zum Schluß wurde noch eine Röntgenaufnahme meines Beckens gemacht. Danach stand fest, dass eine natürliche Geburt aufgrund der Größenverhältnisse zu risikoreich sei.
Einen Tag nach dem errechneten Geburtstermin wurde ich ins Krankenhaus eingewiesen. Am nächsten Morgen sollte die Operation stattfinden. Am Tag vorher musste ich dann alle möglichen Belehrungen über die Risiken über mich ergehen lassen und entsprechende Erklärungen unterschreiben. Danach habe ich erst mal gedacht: "Hoffentlich komme ich da lebend wieder raus!"

Mit der Anästesistin wurde dann die günstigste Narkosemethode besprochen. Es gibt die Möglichkeit der Vollnarkose oder einer Periduralanästesie (Rückenmarksspritze), bei der man die Operation bei Bewustsein verfolgen kann. Ich wollte zunächst auch diese lokale Betäubung, aber die Narkoseärztin meinte, meine Wirbelsäule sei zu gut gepolstert und es könnte Probleme geben, die richtige Stelle zu finden. Außerdem würde das Baby in den ersten 5 Minuten der Operation geholt, dann könne man es nur kurz ansehen und danach dauert es noch ca. 90 min bis die Nachgeburt raus ist und der Bauch wieder zugenäht wird. Also habe ich mich dann doch für eine Vollnarkose entschieden.

Am nächsten Morgen ging es in den OP: man bekommt zunächst ein Kanüle in den Arm gelegt, durch die dann die Betäubungsmittel und andere Flüssigkeiten eingeleitet werden. Die Narkosemittel werden erst im letzten Moment eingeleitet, also kurz bevor der Chirurg das Messer ansetzt. Auf diese Weise bekommt das Baby kaum etwas davon ab. Der Papa hat vor dem Operationssaal gewartet und konnte 10 min nach Beginn schon das Baby in Empfang nehmen und mit der Hebamme versorgen. Ich habe davon natürlich nichts mitbekommen und bin erst 2 Stunden später wieder aufgewacht.
Als erstes hörte ich jemanden meinen Namen rufen, da lag ich noch auf dem Operationstisch. Die Ärztin rief auch, dass es dem Baby gut ginge, aber das war mir im Moment egal. Alles was ich fühlte waren furchtbare Schmerzen im Unterleib. Ich konnte kaum atmen und hinzu kamen schreckliche Halsschmerzen (Nachwirkungen des Beatmungsgerätes während der Vollnarkose) und ein starker Hustenreiz, dem ich aber nicht nachgeben konnte, da sonst mein Bauch zu explodieren schien. Also lag ich erst mal da und habe eine halbe Stunde lang nur geröchelt. Dann fing langsam das Morphin an zu wirken, dass mir über eine Kanüle in den Arm getropft wurde. Nach ca. 45 min konnte ich wieder einigermaßen meine Umwelt wahrnehmen. Ich lag mittlerweile im Aufwachraum, mit allen möglichen Messgeräten verdrahtet. Jetzt dachte ich auch an mein Baby und hätte mir gewünscht, dass ich es sehen könnte oder das wenigstens mein Mann mit da sein könnte. Aber Männer durften nicht mit in den Aufwachraum. Nach einer weiteren Stunde war mein Zustand so stabil, dass ich auf die Station verlegt werden konnte. Dort bekam ich auch endlich mein Baby zu sehen.

Noch am selben Nachmittag habe ich es zum erstenmal angelegt. Schmerzen hatte ich kaum noch, solange ich mich nicht bewegen musste. Aber alles was irgendwie mit Bauchmuskeln zu tun hatte (Aufstehen, Husten, Lachen), hat noch nach Wochen weh getan. Die Halsschmerzen haben noch ca. eine Woche angehalten. (Mein Tipp: unbedingt eine große Menge Hustenbonbons mitnehmen!) Am selben Abend bin ich schon das erstemal aufgestanden, d.h. die Krankenschwestern haben mich hochgezerrt, weil ich auf die Toilette sollte. Es ist aber auch wichtig für den Kreislauf und zur Vorbeugung von Embolien, dass man schnell wieder aufsteht. Auf dem Bauch hatte ich ein großes Pflaster, das nach 5 Tagen entfernt wurde. Fäden mussten nicht noch extra gezogen werden, die haben sich mit der Zeit von selber aufgelöst. Ich habe jetzt eine ca. 15 cm lange Narbe, die quer an der Schamhaargrenze verläuft. Dieser sogenannte Bikinischnitt ist eigentlich die Regel. Ein Längsschnitt, bei dem der ganze Bauch aufgeschlitzt wird, wird heutzutage nur noch gemacht, wenn bei Komplikationen während einer Geburt das Kind ganz schnell geholt werden muß. Der Krankenhausaufenthalt nach einem Kaiserschnitt dauert normalerweise ca. 10 Tage. Bei mir kam dann noch eine Infektion hinzu, so dass ich erst nach 15 Tagen nach Hause konnte.

Es soll ja Frauen geben, die ohne Not ihr Kind per Kaiserschnitt zu Welt bringen, nur um sich die Strapazen einer Geburt zu ersparen. Ich hätte mein Kind jedoch lieber auf natürlichem Wege zur Welt gebracht. Ein Kaiserschnitt ist immerhin eine große Operation. Die dabei möglichen Risiken (Embolien, Blutungen, Infektionen, innere Verletzungen, Herz- und Atemstillstand) sind wesentlich größer als bei einer normalen Geburt. Außerdem dauert der Heilungsprozeß hinterher viel länger als bei einer normalen Geburt und man schleppt den Rest seines Lebens eine große Narbe mit sich herum.
Im großen und ganzen, habe ich es mir aber doch schlimmer vorgestellt. Ich kann allen Frauen denen etwas ähnliches bevorsteht, nur raten, ruhig und optimistisch zu bleiben und den Ärzten zu vertrauen.

Übrigens ist das ganze jetzt 3 Jahre her und im Moment sitze ich zu Hause und bin wieder hochschwanger. Der Termin ist schon überschritten und bis jetzt liegt das Baby normal und ist auch nicht zu groß. Diesmal werde ich wohl eine (hoffentlich) normale Geburt haben, vielleicht werde ich mich dann nach einem Kaiserschnitt sehnen. Mal sehen, ich halte Euch auf dem Laufenden, wenn alles vorbei ist!

17 Bewertungen, 3 Kommentare

  • AnnaH

    25.12.2002, 11:13 Uhr von AnnaH
    Bewertung: sehr hilfreich

    Heikles Thema.Ich habe auch alle meine vier Kinder mit Kaiserschnitt bekommen.

  • maier1

    29.11.2002, 16:55 Uhr von maier1
    Bewertung: sehr hilfreich

    und, wie ist die 2. Schwangerschaft ausgegangen ??

  • FlotteBine

    18.02.2002, 08:36 Uhr von FlotteBine
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schön geschriebener Bericht. Meine Zaubermaus sollte auch erst per Kaiserschnitt kommen. Denn er war zu groß, lag noch zu weit oben und war ein Sternkuckerkind. Alles wendete sich aber zum Guten und er kam nach 14 Stunden heftigen Wehen auf